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IV. IN SYRMIEN, SLAWONIEN UND DER BARANJA

1. In Syrmien wüteten Bestien

Semlin
Das Deutschtum Syrmiens und Slawoniens war stark zerstreut und lebte überwiegend mit Kroaten und Serben in gemischten Ortschaften. Neben den großen und überwiegend deutschen Gemeinden wie Ruma, Indjija, Pasua, Franztal, Sarwasch, Sotin und zahlreichen anderen, lebten in fast allen Orten ganz Syrmiens und des östlichen Teiles Slawoniens Deutsche. Während des Krieges gehörten beide Gebiete zu dem "Unabhängigen Staate Kroatien". Das Verhältnis zwischen den Serben und Kroaten war während des Bestehens des sogenannten "Unabhängigen Staates Kroatien" einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Solange es einem Teil des syrmischen Deutschtums vergönnt war, in die Auseinandersetzungen zwischen Serben und Kroaten einzugreifen, haben sie sich offen auf die Seite der Serben gestellt. Indjija ist nicht der einzige Fall, wo sich der Ortsschutz der einheimischen Deutschen auf die Seite der Serben gestellt und ein Blutbad an Serben verhindert hat. Das Verhältnis der Deutschen war durch Jahrhunderte sowohl den Serben als auch den Kroaten gegenüber ein gutes. Sie haben sich in die Auseinandersetzungen der beiden Völker auch nie eingemischt und ihre Unstimmigkeiten immer selbst miteinander austragen lassen. Sie waren immer Freunde beider und keines der beiden Feinde.

Die sowohl in Syrmien als auch in Slawonien die ganze Kriegszeit hindurch andauernden und zweitweise immer wieder stärker aufflackernden Kämpfe der Partisanen gegen kroatische und deutsche Truppen, namentlich aber das Verhalten der Partisanen gegenüber der an den Kämpfen ganz unbeteiligten Zivilbevölkerung, waren ein gründlicher und anschaulicher Unterricht darüber, was unschuldige Menschen zu bewältigen haben, wenn diese Bestien einmal zur Macht und dazu kommen, ungestört und hemmungslos die Bestialitäten auszuüben, mit denen sie jahrelang die Bevölkerung der Gebiete in Schach und Bann gehalten haben, in deren Umgebung sie operierten oder zeitweise sogar die Oberhand hatten. Maßlos brutal und satanisch verübten sie während des ganzen Krieges schon an serbischen, kroatischen und deutschen Bevölkerungsteilen, die nicht offen auf ihrer Seite standen, die gräßlichsten Bestialitäten. Die königstreuen Serben hatten unter ihnen genau so zu leiden, wie die Kroaten und Deutschen. Durch die Vorkommnisse der Kriegsjahre darüber belehrt, was auch schuldlose Menschen zu erwarten haben, wenn sie schutzlos der Willkür kommunistischer Partisanen überantwortet sind, hat das Deutschtum Syrmiens und Slawoniens zum überwiegenden Teil noch im Herbst 1944 die Heimat verlassen. Wie richtig sie gehandelt haben, haben die späteren Ereignisse auch bald gezeigt. Gleich in den ersten Tagen der Partisanenherrschaft wurden die Deutschen zusammengetrieben und größtenteils auch gleich erschossen. Die Massenerschießungen in Syrmien und Slawonien waren zugleich die größten und grauenhaftesten, die Zwangsarbeitslager die berüchtigsten.

Semlin an der Donau und gegenüber von Belgrad auf der anderen Seite der Save-Mündung gelegen, hatte besonders durch die Eingemeindung der deutschen Nachbarorte eine zahlenmäßig starke deutsche Bevölkerung. Schon im Oktober 1944 wurde auf dem Ausstellungsgelände (Sajmiste) ein Konzentrationslager errichtet. Mehrere tausend deutsche Menschen sind im Verlaufe der Zeit von überall dorthin gebracht worden. Überwiegend stammten sie aus dem Banat und der Batschka. Das Lager bestand aus vier Baracken, von denen drei mit Männern und eine mit Frauen belegt war. Bei schlechtester Ernährung, die zuweilen schlechter als in den Zwangsarbeitslagern der Batschka und des Banats war, wurden alle täglich zu den schwersten Zwangsarbeiten eingesetzt. Viele, namentlich aber die, die schon so weit geschwächt oder krank geworden waren, daß sie nicht mehr arbeiten konnten, wurden erschlagen oder erschossen.

Ein ehemaliger Insasse dieses Lagers berichtet darüber folgendes:
"Wir wurden mit Schiffen von Pantschowa nach Belgrad gebracht. Unsere Gruppe bestand aus Männern aus den verschiedensten Gemeinden des Banats: Karlsdorf, Werschetz, Kovin, Mramorak, Franzfeld u.a.m. Von Belgrad wurden wir zu Fuß nach Semlin geführt. Auf dem Wege gab es schon Rippenstöße mit Gewehrkolben. Wer nicht schnell genug gehen konnte, wurde geschlagen. Schwächere Männer mußten, um nicht geschlagen oder auch totgeschlagen zu werden, ihre Rucksäcke wegwerfen, um das Marschtempo einhalten zu können. Auf dem Wege begegneten uns Wagen, die noch die Fuhrwesen-Nummern deutscher Gemeinden des Banats aufgenagelt hatten. Sie fuhren Möbel, Hausrat und Bettzeug nach Belgrad, ungestört der damals an fast alle Wände geschriebenen Parole: 'Wir brauchen Fremdes nicht, geben aber auch nichts Eigenes.' Nach einer kleinen Wartezeit vor einer Kommandostelle wurden wir in das Lager "Kalvaria" geführt. Es war 10 Uhr, als wir dort eintrafen und in eine Baracke getrieben wurden, in der wir alle kaum stehen, geschweige uns noch niederlassen oder ausruhen konnten. Noch in der Nacht wurde uns alles, was wir bei uns hatten, weggenommen. Am nächsten Tage wurden wir auf den Flugplatz zur Arbeit geführt. Während wir auf dem Flugplatz arbeiteten, wurde auch alles, was wir mit unseren Rucksäcken in den Baracken zurückgelassen hatten, weggeschafft. Wir hatten also außer dem, was wir auf dem Körper trugen, nichts mehr. Auf dem Flugplatz mußten wir Schutt wegräumen, andere im Hafen Schiffe beladen oder löschen.

Oft geschah es, daß Arbeiterpartien tagsüber trotz ununterbrochener Arbeit keinerlei Nahrung bekamen. Abends gab es eine wässerige Bohnen-, Kartoffel- oder Erbsensuppe und täglich 40 bis 45 Dekagramm Brot. In den Nächten mußte im Lager in zwei Schichten Erde gegraben werden. Wer kein Werkzeug hatte, mußte den Grund mit den Händen aufladen oder etwa 100 Meter weit in den Händen auf den dafür bestimmten Platz tragen. Eine Schicht arbeitete nach der Rückkehr von den auswärtigen Arbeitsplätzen bis Mitternacht, die andere nach Mitternacht, um dann mit einer der Arbeiterpartien auszurücken und weiterzuarbeiten. Oft mußten aber auch beide Schichten die ganze Nacht durcharbeiten. Wer nicht mehr konnte und von dem Arzt einen Zettel bekam, durfte einige Tage in der Ambulanz ruhen. Bis Ende März war das Lager ohne Arzt. Seines Amtes waltete ein Partisane, der die Mißhandlungen und Erschießungen leitete und auch durchführte. Er ließ sich Doktore! nennen und entschied auch darüber, wer krank ist oder nicht. Aus der Ambulanz wurden alle paar Tage die Kranken nach Belgrad ins Lazarett geschickt. Abends mußten sie sich auf den Weg machen. Solchen, die nicht mehr gehen konnten, mußten andere helfen und sie mitschleppen. Sie wurden etwa 100 Meter vom Lager weggeführt und dort erschossen. Diese Aktionen leitete immer der Doktore. Bei einer solchen Aktion kam auch der Karlsdorfer Martin Berger und der Weißkirchner Jakob Kuhn ums Leben.

In der Nähe des Flugplatzes lebte eine Zigeunerfamilie mit einem achtjährigen Jungen. Der Junge kam fast täglich auf den Flugplatz zu Besuch und konnte sich dort einen Mann nach eigenem Belieben auswählen und mit seinem Stock so lange schlagen, als er Lust hatte. Drehte sich einer der anderen um, um dieses häßliche Schauspiel nicht zu sehen, kam er an die Reihe. Wagte es aber gar einer, ein Wort über dieses schändliche Treiben zu verlieren, mußte er sich sofort niederknien, die Hände auf den Rücken legen und bekam es dann von den Posten mit dem Gewehrkolben. Es trug sich einmal auch zu, daß einer, nachdem er schon einige harte Hiebe bekommen hatte, den nächsten Streich mit der Hand abzuwehren versuchte. Er wurde sofort gefesselt und noch in der Nacht und am nächsten Tag aufs grausamste mißhandelt. Er hatte weder an Füßen noch an Händen einen heilen Knochen. In der folgenden Nacht mußte die ganze Lagerbelegschaft antreten. Ein Partisane verlas vor allen einen Befehl des Lagerkommandanten, wonach der bewußtlos auf dem Boden liegende Mann sofort zu erschießen sei. Er wurde an Ort und Stelle im Lagerhof eingescharrt."

Am 12. Februar wurde eine Arbeitergruppe von etwa 600 Mann zusammengestellt und nach Mitrowitz in Marsch gesetzt. Dort wurden der Gruppe noch 400 Männer aus Apatin angeschlossen, die dann die Eisenbahnstrecke Schid-Vodjinci instandsetzen mußten. Die schweren Eisenbahnschwellen mußten sie dort im Laufschritt an die Stelle tragen, wo sie gebraucht wurden. Meist mußten die Männer damit 600 bis 1.500 Meter zurücklegen. Wer nicht mehr konnte, wurde erschossen. Die ersten Tage bekamen die Männer überhaupt nichts zu essen. Einige Tage nachher gab es nur einen Viertelliter Einbrennsuppe und 10 Dekagramm Brot. Alles ohne Salz. Als die Fassung dann später auf einen halben Liter Erbsen- oder Bohnensuppe und 30 bis 40 Dekagramm Brot erhöht wurde, waren die Erbsen- und Bohnenkörner meist hart und ungenießbar. Nach kurzer Zeit hatten alle starken Durchfall, der durch die große Hitze und das viele Wassertrinken in seiner lähmenden und kräftezersetzenden Wirkung lebensgefährlich wurde und so um sich griff, daß am 16. Mai die Arbeit abgebrochen werden mußte, weil keine 50 Männer mehr arbeitsfähig waren. Von den 400 Männern aus Apatin konnten am 27. April 339 nach Apatin zurückgeschickt werden. Schon am nächsten Tage wurden am Bahnhof von Slankovci 12 kranke Männer erschossen. Darunter befand sich auch der sechzigjährige Michael Fraß aus Zychidorf (Mariolana). Von der Gruppe, die aus dem Semliner Lager stammte und am 25. Mai auch wieder nach Semlin zurückgebracht wurde, fehlten 112 Mann. Sie waren alle erschlagen oder erschossen worden.

Am 29. Mai wurden 300 inzwischen arbeitsunfähig gewordene Männer nach Batschki Jarek in das dortige Internierungslager überstellt. Es waren meist Männer, die an der Bahnstrecke gearbeitet hatten. Im September 1945 wurde das Semliner Lager nach Mitrowitz verlegt. Alle, die einige Monate im Semliner Lager waren, waren in kurzer Zeit so gealtert, daß sie selbst von nahen Angehörigen nicht mehr erkannt werden konnten. Junge Männer sahen nach kurzer Zeit wie alte Greise aus und hatten meist keinen einzigen Zahn mehr. Von Semlin und Mitrowitz sind nur mehr Menschenwracks zurückgekehrt, bei deren Anblick man von Schrecken erfaßt wurde.

Ruma
In Ruma lebten vor dem Kriege über 10.000 Deutsche. Die Gemeinde, die eine der schönsten Orte Syrmiens war, bildete das Zentrum der deutschen Siedlungen in Syrmien. Kaum hatten die Partisanen am 25. Oktober 1944 die Militärverwaltung eingeführt, als sie schon damit begannen, die Deutschen des Ortes und der ganzen Umgebung zusammenzufangen und zu liquidieren. Aus Nikintzi, Grabovtzi, Kraljevtzi, Hrtkovtzi, Putintzi, Wrdnik und von vielen anderen Orten schleppten sie die Deutschen zusammen, und zwar nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und Kinder. Sie wurden alle zuerst in dem "Hrvatski Dom" eingesperrt. Dann mußten sie sich nackt ausziehen, die Kleider zurücklassen und hinaus an den Ziegelofen "Rausch" marschieren. Sie wurden dort in die riesige Grube der Ziegelei, aus der schon jahrelang der Grund zur Mauersteinerzeugung gegraben wurde, getrieben und, so wie sie in Gruppen ankamen, erschossen. Auf die Leiber der Massakrierten mußten sich andere nackte Opfer legen. Wer sich nicht sogleich darauflegte, wurde mit Bajonetten gestochen. Viele wurden nur verwundet und in die Grube geworfen. Sie lebten noch, schrien und jammerten und gingen schließlich unter der Last der übrigen, über ihnen sich häufenden nackten toten Menschenleiber zugrunde. Gegen 2.800 Deutsche haben hier an einem einzigen Tag den Tod gefunden. Viele Deutsche wurden auch außerhalb Rumas einzeln erschossen, totgeschlagen oder erstochen.

Mitrowitz
In der syrmischen Stadt Mitrowitz lebten im Verhältnis zur überwiegend kroatischen Bevölkerung nur wenige Deutsche. Dicht vor der Stadt aber gab es Ortschaften, die zum Teil fast rein deutsch waren, zum Teil einen starken deutschen Bevölkerungsanteil aufzuweisen hatten. In Mitrowitz errichteten die Partisanen in der dortigen Seidenfabrik ein Internierungslager, das wahrscheinlich das grausamste aller dieser Einrichtungen war. Das geht vor allem aus der hohen Sterblichkeit hervor. Anfang Dezember 1945 hatte das Lager eine Belegschaft von 2.000 Personen. Im April 1946 lebten noch 450 davon. In der ersten Hälfte des Monates Januar gab es Tage, an denen allein bis zu 24 Personen Hungers starben. Am 15. Dezember wurden von Betschmen 69 Frauen in das Lager Mitrowitz gebracht. Mitte Februar lebten noch elf davon. Am 6. Januar 1946 gab es im Lager noch 64 Frauen aus Sekitsch. Im April waren auch von ihnen schon alle bis auf zwölf gestorben. Von 150 Kindern, die im November 1945 noch lebten, gab es im April 1946 keine 50 mehr. Als im Dezember 1945 das Semliner Lager nach Mitrowitz verlegt wurde, kamen 11 aus Karlsdorf stammende Männer dorthin. Im März des nächsten Jahres waren außer 3 alle anderen gestorben. Ungeheuer groß ist auch die Zahl derjenigen, die von den Partisanen erschlagen oder erschossen wurden. Allein zwanzig sind an Mißhandlungen gestorben. Vielfach warteten die Partisanen gar nicht, bis die Leute eines natürlichen Todes starben. Sie wurden gegen Abend aus dem Lager und an das Ufer der Save geführt, dort erschossen und in das Wasser geworfen. Jedesmal, wenn solche Leute weggeführt wurden, erklärten sie ihnen, sie in ein Spital zu bringen. Die hohe Sterblichkeit war neben der unmenschlichen Behandlung vor allem auf die Ernährung zurückzuführen. Lange Zeit gab es täglich nur zweimal Suppe mit eingerührtem Maisschrot zu essen. An den Weihnachtstagen 1945 sogar nur einmal. Brot gab es oft monatelang keines. Gab es dann zeitweise doch, so war es ein kleines Stückchen aus Maisschrot. Die ganze Zeit war das Lager hermetisch abgeschlossen.

Noch im Jahre 1946, lange nach Beendigung des Krieges, hat hier die Lagerbehörde ungestraft deutsche Menschen ohne Verfahren und grundlos getötet. Auf besonders grausame Art sind hier noch im September 1946 der deutsche Arzt, Dr. Franz Ehrlich und seine Gehilfin, die Krankenschwester Juli, durch die Lagerbehörde unter unmittelbarer Leitung des Lagerkommandanten abgeschlachtet worden. Der erstere hatte als Arzt die Verpflichtung, das Buch zu führen, in welchem die Namen der im Lager erkrankten Personen, ihre Krankheit und die Ursache ihres Todes einzutragen war. Er hat alles wahrheitsgetreu geführt und angegeben, wer verhungert ist, an den Folgen von Folterungen zugrunde gegangen oder von den Partisanen erschlagen worden ist. Darüber ärgerte sich die Lagerbehörde und drohte ihm. Sie verlangte, daß er irgendwelche andere Krankheiten erfinden und als Todesursache angeben solle. Er blieb aber bei der Wahrheit. Darauf ließ der Kommandant die Gehilfin des Dr. Ehrlich, die 19jährige aus Ruma stammende Krankenschwester Juli, in den Bunker werfen. Sie war ein schönes Mädchen. In der Nacht ging der Lagerkommandant in den Bunker und vergewaltigte sie dort. Über ihre Bitten hat sie Dr. Ehrlich tags darauf untersucht und das geschehene Verbrechen in einem ärztlichen Protokoll festgehalten. Darauf wurde er zu dem Kommandanten gerufen, der von ihm eine Änderung des Gutachtens verlangte. Dr. Ehrlich tat es nicht. Er blieb bei der Wahrheit. Er wollte nicht lügen. Daher wurde er gleich darauf in der Nacht aus dem Lager fortgetrieben. Auch die Krankenschwester Juli führte man gleichzeitig fort. Man schleppte beide zum Ufer der Save. Dort wurden sie fürchterlich gefoltert und dann gegen Morgen mit Messern abgeschlachtet. Ihre Leichen warf man in die Save. Sie schwammen jedoch nicht fort, sondern blieben im seichten Wasser am Ufer liegen. Es waren ihnen die Köpfe abgeschnitten. Serbische Zivilpersonen haben dieser Massakrierung zugesehen.

Im Frühjahr 1947 ist dann dieses Lager nach Sremski Jarek übersiedelt und in einer Maisdörranlage und in einem Magazin untergebracht worden. Von den vielen Tausenden, die in diesem Lager waren, lebten nur mehr 400.

Vukovar
Vukovar war eine vorwiegend kroatische Stadt mit einer starken deutschen Minderheit. Die Stadt wurde erst am 12. April 1945 von den Partisanen besetzt. Noch am gleichen Tage verhafteten die Partisanen die angesehensten Persönlichkeiten des Ortes, u.a. den Lehrer Michael Paitz, Jakob Kiefer und Leonhardt Baumgärtner. Die verhafteten Männer wurden sofort erschossen. Ihre Liquidierung wurde am nächsten Tage öffentlich der ganzen Bevölkerung bekanntgegeben. Am nächsten Tage setzten sie die Verhaftungen fort. Ungefähr 120 Männer sind dabei spurlos verschwunden. Sie wurden in dem Laufgraben, den noch deutsche militärische Verbände angelegt hatten, am Schinderplatz erschossen. Unter den Opfern dieses Tages befanden sich ebenfalls die angesehensten Bürger der Stadt, u.a. Matthias Schreckeis und der Bürgermeister Ing. Türk. Selbst Väter von Partisanen wurden an diesem Tage erschossen. Allein drei solche wurden auf ein Minenfeld getrieben, wo sie dann auch von Minen zerrissen wurden. Am gleichen Tage begannen auch die Plünderungen. Alles, was den Partisanen gefiel, ging mit. An einem der nächsten Tage wurden dann Martin Müller und Martin Hutz öffentlich an der Mauer des Gemeindegasthauses erschossen. Es wurde vorgegeben, daß bei jedem der beiden Gewehre gefunden wurden; bei dem einen in einem Laubschober, bei dem anderen im Garten vergraben. In Wirklichkeit hat weder der eine noch der andere je Waffen besessen, noch solche versteckt. Der Fund von Gewehren war eine einfache Unterstellung. Am 16. April mußten sich alle Bewohner des Ortes melden und erklären, welcher Nationalität sie angehören. Der Sinn dieser Meldung wurde am 24. April offenbar. Alle Personen, die angegeben hatten, Deutsche zu sein, mußten an diesem Tage ihre Heimstätten verlassen. Ein Teil der vertriebenen Bevölkerung wurde an die Donau geführt und von dort mittels Schiffen nach Palanka gebracht. Es waren Mütter mit kleinen Kindern und alte Frauen. Von Palanka wurden sie zu Fuß nach Batschki Jarek in das dortige Internierungslager getrieben. Das Marschtempo mußte eingehalten werden und wer nicht mitkam, wurde geschlagen. Eine Frau, die schon nicht mehr gehen konnte und von den Partisanen deswegen geschlagen und gestoßen wurde, fiel dabei in einen Graben und brach sich den Fuß. Ohne Rücksicht auf diesen Unfall mußte sie den ganzen weiten Weg trotz des gebrochenen Fußes mitgehen und das Tempo einhalten. Sie wurde von den anderen mitgeschleift. Der ohne die Kinder 62 Personen zählende Transport kam am 1. Mai in Jarek an. Nach dreieinhalb Monaten lebten von ihnen noch sechs.

Ein zweiter, bedeutend größerer Teil der am 24. April vertriebenen Bevölkerung wurde auf die Ovtschara-Puszta des Grafen Elz gebracht. Es waren etwa 160 Personen. Sie wurden Ende Mai nach Jarek getrieben. Ein dritter Teil war noch am 24. April an die Tschechische Agentur an der Donau gebracht worden. Es waren ohne die Kinder etwa 200 Personen. Sie wurden als dritter Transport nach Jarek getrieben. Ein fünfter Transport wurde aus arbeitsfähigen Frauen und Männern zusammengestellt und nach Mitrowitz und Schid zum Eisenbahnstreckenbau gebracht. Es waren 200 Personen. Nach einiger Zeit wurden sie, durch Erschöpfung arbeitsunfähig geworden, nach Jarek gebracht. Der größte Teil von ihnen war jedoch in Mitrowitz zugrunde gegangen. Nach Jarek kamen nur mehr einzelne von ihnen. So kam von vier Brüdern, die nach Mitrowitz gebracht worden waren, nur mehr einer zurück und auch der starb schon nach vier Tagen in Jarek.

Am 7. August wurden erneut 62 Personen aus ihren Häusern getrieben. Es waren vorwiegend solche, die angegeben hatten, Kroaten zu sein, aber deutsche Namen hatten. Etwa 40 von ihnen wurden nach Jarek gebracht, und etwa 20 nach Valpovo. Nur mehr wenige von ihnen kamen von Valpovo im Juni des nächsten Jahres nach Jarek. Nach Valpovo wurden auch noch im November etwa 40 Personen getrieben. Auch von diesen sind nur mehr einzelne lebend wieder zurückgekehrt. Am 4. Januar wurden nochmals etwa 60 Personen aus ihren Häusern getrieben und nach Valpovo gebracht. Unter diesen befand sich auch die 76jährige Wohltäterin des Ortes, Elisabeth Kleiber. Sie hat in den früheren Jahren ein großes Heim für Waisenkinder aus eigenen Mitteln errichten und einrichten lassen. Sie hat die Kinder im Waisenhaus meist auch erhalten. Als sie vertrieben wurde, wohnte sie selbst auch in diesem Heime und legte für ihren Lebensabend kein Gewicht darauf, auch ihr eigenes Vermögen zu behalten. Dennoch wurde die große Wohltäterin, die ihr ganzes Leben nur Gutes stiftete und sich der Armen annahm, vertrieben und nach Valpovo verschleppt. Sie ist dort auch gestorben. Als das Jareker Lager nach Kruschevlje verlegt wurde, lebten von den vielen Hunderten Vukovarer, die im Laufe der Zeit nach Jarek gebracht worden waren, noch 12 Personen. Alle übrigen waren inzwischen gestorben.

2. In Slawonien waren Arbeit und Hunger "Zeichen der Milde"

Esseg-Josipowatz
Die Hauptstadt Slawoniens, Esseg (Osijek), eine alte Festungsstadt, hatte schon in den Zeiten nach der Türkenvertreibung eine starke deutsche Bevölkerung. Im Laufe der Zeiten ist jedoch durch Assimilierung mit dem Kroatentum der entscheidende Einfluß des Esseger Deutschtums nach und nach verlorengegangen, obwohl sich das Deutschtum erhalten und verstärkt hat. Neben der Assimilierung hat auch die starke Zunahme der kroatischen Bevölkerung bei der Verdrängung des deutschen Einflusses eine Rolle gespielt. Dennoch erschien hier über ein Jahrzehnt ein deutschsprachiges katholisches Wochenblatt, die "Christliche Volkszeitung", die sich im slawonischen und syrmischen Lande, aber auch in der Batschka einer besonderen Beliebtheit erfreute. Schon stärker war das Deutschtum in der Umgebung vertreten, in der es sogar rein deutsche Gemeinden gab. Auch in Esseg und Umgebung sind nach dem Abzug der deutschen Truppen nur mehr wenig Deutsche im Lande geblieben. Ein Teil wurde auch in einem Transport noch von den Partisanen nach Österreich abgeschoben. Die wenigen, die noch blieben, zählten jedoch immerhin Tausende und kamen in die Lager Josipowatz und Valpovo. Die Belegschaft des Lagers in Josipowatz betrug anfänglich 4.000 Menschen, meist Frauen und Kinder. Die Jugend des kinderreichen Deutschtums Slawoniens ist in diesem Lager zugrunde gegangen. Hunger und verschiedene Krankheiten haben sie fast alle in kurzer Zeit weggerafft.

Valpovo
Das größte Internierungslager Slawoniens war jedoch in Valpovo. Die von Esseg stromaufwärts an der Drau gelegene Stadt und deren Umgebung hatte ein zahlenmäßig schwaches Deutschtum, das dazu auch noch ganz verstreut unter der kroatischen Bevölkerung lebte. Die deutsche Bevölkerung von Esseg und Umgebung wurde, soweit sie als Zwangsarbeiter noch nicht nach Josipowatz gebracht worden war, im Mai 1945 aus ihren Wohnungen getrieben und nach Valpovo gebracht. Die Zahl der Lagerinsassen belief sich um diese Zeit auf ungefähr 5.000. Das Lager wurde im Sommer 1945 von einer furchtbaren Flecktyphus-Epidemie heimgesucht, die gegen 3.000 Menschen von ihren Leiden erlöste. Im Mai 1946 wurden einige Insassen des Lagers nach Esseg gebracht und dort von einem Volksgericht auf einige Jahre Zuchthaus in Lepoglava verurteilt und ein weiterer kleiner Teil auch entlassen. Rund 800 Personen wurden nach Rudolfsgnad überstellt, das Lager in Valpovo selbst aufgelassen.

Wie alle Lager Slawoniens, war auch dieses kein ausschließliches Internierungslager. Es umfaßte auch eine große Zahl arbeitsfähiger Belegschaft, die ungefähr die Hälfte davon ausmachte und dann auch als Zwangsarbeiter verwendet wurde. Wie allgemein in Slawonien, bestand die Brutalität der Vernichtung auch hier weniger in Erschießungen und Folterungen, sondern vielmehr in der Methode, Tausende von Menschen in kurzer Zeit zu Tode zu hungern, ihre Widerstandskräfte zu zermürben und sie für den Befall verschiedenster und gefährlicher Krankheiten reif zu machen. Die Wachmannschaft der Partisanen bekannte sich in diesem Lager ganz offen zu dem Grundsatz, daß sie "keinen umbringen, sondern diese Arbeit dem Kessel überlassen wolle". Neben zahlreichen und oft tage- und wochenlangen Bunkerstrafen sind nach dem Mai 1945 Folterungen und Quälereien an einzelnen Personen keine mehr vorgekommen. Ein einziger wurde vor der ganzen Lagerbelegschaft mit Genickschuß deswegen getötet, weil er das Lager verlassen und in dem Nachbarort Brot gebettelt hatte.

Das Essen bestand aus einem Frühstück, zu dem aus irgendwelchen Blättern Tee gekocht wurde. Zucker gab es keinen. Zu Mittag gab es eine Suppe, in der ab und zu Kartoffelschalen oder Bohnenhäute zu finden waren. Sonst war sie klares Wasser ohne Fett und ohne Salz. Brot gab es täglich etwa 15 Dekagramm. Es war aus Kleie oder Maisschrot gebacken. Als Unterkunft dienten Baracken ohne Fenster, ohne Licht und ohne Heizung. Die Läuse- und Ungezieferplage war in den mit 300 Personen dicht belegten Baracken eine furchtbare. Sie war auch bald die Ursache verschiedenster Krankheiten, die sich wie ein Lauffeuer auf fast alle Insassen übertrugen. Erst als auch die Bevölkerung der Stadt davon befallen wurde, wurden wohl Maßnahmen gegen das Ungeziefer ergriffen ohne jedoch zu versuchen, die Kranken zu heilen. Valpovo, Semlin, Mitrowitz und Jarek waren wie ein Kreislauf von Mühlsteinen, die sich gegenseitig nur Menschen zuschoben, die da oder dort nicht zermahlen werden konnten. Wer aber einmal von diesem Kreislauf erfaßt wurde, ist nicht mehr aus dem Sog dieser Todesmühlen lebend herausgekommen. Dieses Quartett machte nicht nur ganze, es machte auch schnelle Arbeit.

Djakovo
In der Bischofsstadt Djakovo lebten nur wenige Deutsche. Aber die Umgebung dieser Stadt wies eine starke deutsche Bevölkerung auf. Die Evakuierung des slawonischen Streudeutschtums war zweifellos eine schwierige Aufgabe. Kein Wunder, daß auch in der Umgebung von Djakovo dennoch viele davon nicht erfaßt wurden und in der Heimat blieben. Sie wurden alle nach Krndija gebracht. Auch in diesem Lager wirkte sich die für alle slawonischen Lager kennzeichnende Brutalität, Tausende Menschen auf den kürzesten Weg zu Tode zu hungern, besonders kraß aus. Von nicht ganz 4.000 Insassen, lebten nach kurzer Zeit noch 1.800.

Pisanitza
Auch im kroatischen Kernlande ließen es sich die Partisanen nicht nehmen, an den Deutschen des Landes ein Vernichtungswerk zu vollbringen. In Pisanitza bei Bjelovar hielten sie Tausende in einem Konzentrationslager gefangen. Die Belegschaft stammte meist aus Kroatien, Slawonien und Syrmien; meist waren es solche, die evakuiert waren und nach Kriegsende wieder in die Heimat zurückkehren wollten. Unter ihnen befanden sich auch Familien aus der Wojwodina. Schon in Agram wurde ihnen in der Regel alles weggenommen, was sie hatten. Häufig waren sie von der UNRRA und ähnlichen Institutionen für die Reise und die erste Zeit noch mit Lebensmitteln versorgt worden. Das alles war eine Beute, über die sich die Partisanen zu freuen pflegten. Die Behandlung war auch hier eine solche, daß in kurzer Zeit über 1.000 Menschen verhungert und zu Grunde gegangen sind. Im September 1945 ließen die Partisanen alle jungen Frauen und Mädchen antreten. Sie mußten sich vor Partisanen, die die Mädchen auf Geschlechtskrankheiten zu untersuchen vorgaben, ausziehen. Viele von ihnen wurden tierisch geschändet.

3. In der Baranja mußten Männer und auch Frauen Sklavenarbeit leisten

Belmonoschtor
Der kleine zu Jugoslawien gehörende Teil der Baranja gehörte in der ersten Zeit zu dem autonomen Gebiet Wojwodina, wurde aber von diesem im Frühjahr 1945 losgetrennt und an die Bundesrepublik Kroatien angeschlossen. Im Herbst 1944 waren die Partisanen im Gefolge der Roten Armee weit über die eigentlichen Grenzen Jugoslawiens hinausgestoßen und hielten nicht nur die ungarischen Teile der Batschka bis Baja, sondern auch die ungarische Baranja bis Fünfkirchen besetzt. Während sie in der ungarischen Batschka die Aushebung der arbeitsfähigen Personen und deren Verschleppung nach Rußland noch durchführten, begnügten sie sich in der Baranja mit Verhaftungen und Internierung in den Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern. Die Vertreibungen in der Baranja erfolgten meist im Zusammenhange oder kurz nach dem Abbruch der Arbeiten an den Verteidigungsstellungen, zu deren Durchführung die russischen Kommandostellen allein aus der Batschka 14.000 Arbeiter angefordert hatten. Die aus der Baranja zu diesen Arbeiten herangezogenen Frauen und Männer sind nicht mehr entlassen, sondern in die Zwangsarbeitslager der Batschka, vorwiegend nach Sombor, mitgenommen worden. Die arbeitsunfähige deutsche Bevölkerung aus den gegenüber von Bezdan auf der anderen Seite der Donau liegenden deutschen oder mit Deutschen gemischten Orten wurde nach Gakovo gebracht. Bei der in der Baranja bereits weitgehend fortgeschrittenen Assimilierung der Deutschen mit den Ungarn wurden diesen Maßnahmen häufig auch Familien unterworfen, die sich schon seit Generationen nicht mehr zum Deutschtum bekannten, aber noch deutsche Namen trugen. Ein großer Teil des Baranjaer Deutschtums kam auch in das Lager in Belmonoschtor (Beli Manastir). Dort in der Nähe, und zwar bei der Ortschaft Grabowatz wurden im Frühjahr 1945 36 deutsche Personen, durchwegs Männer und Frauen, die krank waren und nicht mehr arbeiten konnten, erschossen.

In Belmonoschtor selbst führten die Partisanen gleich nach der Einführung der Militärverwaltung ein Schreckensregiment. Zahlreiche deutsche Männer, meist Intellektuelle - darunter auch der Ortspfarrer Theodor Klein, der Ortsrichter (Bürgermeister) Johann Seiler, der Gastwirt Franz Günter, der Kaufmann Wittmayer und dessen Schwiegervater Jakob Binder - wurden erschossen und an Ort und Stelle verscharrt. Pfarrer Klein schnitten sie Stücke Fleisch vom lebenden Leibe und salzten im die Wunden ein. So ließen sie ihn leiden, bis er vor Schmerzen starb. Das Lager in Belmonoschtor wurde noch im Herbst 1946 aufgelöst und der noch am Leben gebliebene Rest der Insassen nach Tenje (Tenjska Mitnica) bei Esseg verbracht. Am 20. Januar wurde das Lager in Tenje aufgelöst und der Rest der Insassen nach Rudolfsgnad überstellt.

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