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Am
Weihnachtstag
|Annette
von Droste-Hülshoff
Still ist die Nacht; in
seinem Zelt geborgen,
Der Schriftgelehrte späht mit finstren Sorgen,
Wann Judas mächtiger Tyrann erscheint;
Den Vorhang lüftet er, nachstarrend lange
Dem Stern, der gleitet über Äthers Wange,
Wie Freudenzähre, die der Himmel weint.
Und fern vom Zelte
über einem Stalle,
Da ist' s, als ob aufs niedre Dach er falle;
In tausend Radien sein Licht er gießt.
Ein Meteor, so dachte der Gelehrte,
Als langsam er zu seinen Büchern kehrte.
O weißt du, wen das niedre Dach umschließt?
In einer Krippe ruht ein
neugeboren
Und schlummernd Kindlein; wie im Traum verloren.
Die Mutter knieet, Weib und Jungfrau doch.
Ein ernster, schlichter Mann rückt tief
erschüttert
Das Lager ihnen; seine Rechte zittert
Dem Schleier nahe um den Mantel noch.
Und an der Türe
stehn geringe Leute,
Mühsel'ge Hirten, doch die ersten heute;
Und in den Lüften klingt es süß und
lind,
Verlor'ne Töne von der Engel Liede:
"Dem Höchsten Ehr' und allen Menschen Friede,
Die eines guten Willens sind!"
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