A -
B
Aachen
Die Stadt entstand an
einem uralten Ost-West-Weg. Ende des 8. Jahrhunderts
ließ Karl der Große dort eine Residenz
errichten, die seine Lieblingspfalz wurde. Die
Reichsstadt war mehr als sieben Jahrhunderte, bis 1531,
Krönungsort der deutschen Könige. Dreißig
deutsche Herrscher wurden im Aachener Münster am
Grabe Karls des Großen gekrönt. Aachen galt im
hohen Mittelalter als caput regni Theutonici, Haupt des
Deutschen Reiches. In den Mauern der Stadt wurden 17
Reichstage und 11 Synoden abgehalten. Von 1792 bis 1814
war Aachen französisch besetzt. Im Zweiten Weltkrieg
wurde die Stadt vor allem durch westalliierte Bomben zu
über 50 Prozent zerstört. Französische
Annexionsabsicht konnte nach 1945 abgewehrt, der
Wiederaufbau vollbracht werden.
Aachener Münster
Kern dieses Kaiserdomes
ist die im Jahre 805 geweihte Pfalzkapelle. Dort wurden
dreißig deutsche Könige über dem Grabe
Karls des Großen gekrönt. Das Münster
birgt den aus glatten Marmorplatten gefügten Thron
Karls des Großen und den auf Geheiß Kaiser
Friedrichs I. Rotbart gefertigten Karlsschrein, eine der
kostbarsten abendländischen Goldschmiedearbeiten. Im
Schrein befinden sich die Gebeine Karls des Großen,
auf dem Schrein Abbildungen von 16 kaiserlichen
Vorgängern Barbarossas sowie, im First, das Sinnbild
der germanischen Irminsul. Chor und Turm über dem
Westbau des Münsters stammen aus gotischer
Zeit.
Abstimmungsgebiete
Einige deutsche
Grenzgebiete konnten nach 1918 durch Volksabstimmungen
vor fremdem Zugriff bewahrt werden. In der zweiten Zone
von Nordschleswig entschieden sich am 14. März 1920
80 Prozent für Deutschland, in Westpreußen
waren es 92,3 Prozent (11. Juli 1920), im
ostpreußischen Masuren am selben Tage 97,8 Prozent,
in Oberschlesien 59,7 Prozent (20. März 1921). In
Südkärnten stimmten am 10. Oktober 1920 57
Prozent für Deutsch-Österreich. Diese
Ergebnisse wurden zum Teil gegen brutalen antideutschen
Terror errungen. Manipulierte Abstimmungen brachten am
24. Juli 1920 die Abtrennung Eupen-Malmedys vom Deutschen
Reich und am 14. Dezember 1921 Ödenburgs von
Österreich. Am 13. Januar 1935 stimmten 90,76
Prozent im Saargebiet für den Anschluß an
Deutschland. Abstimmungen in Nordtirol (24. April 1921)
und im Salzburger Land (29. Mai 1921) ergaben 98,6 bzw.
99 Prozent für den Anschluß ans Deutsche
Reich.
Achter Mai
Symbolisches Datum
für die katastrophalste deutsche Niederlage seit dem
Dreißigjährigen Krieg, die bedingungslose
Kapitulation der Wehrmacht 1945. Die Unterzeichnung
erfolgte im westalliierten Hauptquartier in Reims durch
Generaloberst Jodl am 7. Mai, nachts 2.41 Uhr, mit
Wirkung zum 8. Mai abends, 23.01 Uhr. Die Prozedur wurde
auf Drängen Stalins am 9. Mai, 0.16 Uhr, im
Hauptquartier der Roten Armee in Berlin-Karlshorst
wiederholt. Für Deutschland unterzeichneten dort
Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von
Friedeburg und Generaloberst Stumpff. Der 8. Mai
symbolisiert auch einen der furchtbarsten Frieden der
Weltgeschichte mit Millionen Nachkriegsmorden der Sieger.
Bundespräsident von Weizsäcker würdigte
1985 den 8. Mai als "Tag der Befreiung" .
Achtzehnter Januar
Der Spiegelsaal des
Schlosses Versailles verherrlicht die französischen
Raubkriege gegen das Deutsche Reich. Dort, im deutschen
Hauptquartier des Deutsch-Französischen Krieges,
wurde am 18. Januar 1871 der preußische König
zum Deutschen Kaiser Wilhelm I. ausgerufen
(Kaiserproklamation). Nach fast einem halben Jahrtausend
Zersplitterung und imperialistischer Übergriffe von
außen waren nun die meisten Deutschen in einem
starken Reich vereinigt. Zuvor war dem preußischen
König sowohl von deutschen Fürsten (Kaiserbrief
Ludwigs von Bayern) als auch von der Volksvertretung, dem
Reichstag, die Kaiserwürde offeriert worden. Der 18.
Januar 1871 war vor allem der Politik Bismarcks zu
verdanken. Ebenfalls an einem 18. Januar, 1701, war
Preußen durch die Krönung des Kurfürsten
in Königsberg zum Königreich
geworden.
Adler
Der mächtigste
König des Luftreviers, in alter deutscher Sprache
der adelar, was Edel-Aar bedeutet, galt Völkern der
Antike als verehrungswürdig und heilig; auch
Römern, Griechen und Germanen. In der christlichen
Symbolik wurde er zum Sinnbild der Auferstehung und
Himmelfahrt des Heilands. Ab der Kaiserkrönung Karls
des Großen im Jahre 800 setzte sich der Adler als
Symbol des Reiches durch. Unter Kaiser Otto III., Ende
des 10. Jahrhunderts, wurde der Aar als Bekrönung
des Reichszepters übernommen, von Kaiser Friedrich
Rotbart im 12. Jahrhundert zum Reichswappen erhoben;
zunächst in einköpfiger Gestalt, später
als Doppeladler. Der heutige deutsche Bundesadler lehnt
sich an das Wappen der Hohenstaufenkaiser an: auf Gold
ein rotbewehrter schwarzer Adler.
Adlerorden
Der Schwarze Adlerorden
wurde von Brandenburgs Kurfürst Friedrich am
Vorabend seiner Königskrönung (18. Januar 1701)
zur Erhöhung des neuen Königtums gestiftet. Die
Devise lautete: Suum cuique (Jedem das Seine). Der
Schwarze Adlerorden war bis 1919 der höchste
preußische Orden und für Nichtadelige mit dem
Erbadel verbunden. Der Rote Adlerorden, von 1792 bis 1919
zweithöchste preußische Auszeichnung, galt als
Symbol besonderer Treue zum preußischen Staat. Der
Verdienstorden vom Deutschen Adler (1937-1945) wurde in
fünf Stufen und einer Medaille - für
militärische Verdienste mit Schwertern - vom
Staatschef des Deutschen Reiches nur an Ausländer
verliehen.
Admiralitätsinseln
Wie sämtliche
deutsche Kolonien friedlich erworbene
Überseebesitzung des Reiches im südlichen
Stillen Ozean. Die Gesamtfläche betrug etwa 2600
Quadratkilometer. Als die Inselgruppe, die zum
Bismarck-Archipel gehört, 1885 unter den Schutz des
Deutschen Reiches kam, lebten dort rund 10 000
Melanesier. 1914 wurden die Admiralitätsinseln von
Britisch-Australien überfallen und besetzt.
Ausgestattet mit einem sogenannten Völkerbundmandat,
behielt Australien die Eilande nach Ende des Ersten
Weltkrieges.
Alliierte
Bezeichnung für
die gewaltigsten Militärallianzen der Geschichte:
für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gegen
Deutschland und dessen Waffengefährten
verbündeten Staaten. Die Hauptmächte waren das
Britische Empire, das Französische Weltreich, die
Vereinigten Staaten von Amerika und das Russische Reich
bzw. die Sowjetunion. Sie zwangen zahlreiche Staaten, die
neutral bleiben wollten, in den Krieg gegen Deutschland.
Die vier Hauptmächte beherrschten zwei Drittel der
Landoberfläche der Erde (100 Mio. von 150 Mio. qkm),
die Weltmeere und rund 80 Prozent aller Rohstoffe. Sie
bezeichneten Deutschland als imperialistische Gefahr. An
den über 200 Kriegen nach 1945 war, von wenigen
Ausnahmen abgesehen, stets mindestens eine der vier
alliierten Großmächte beteiligt. Der Sieg
über Deutschland 1945 brachte ihnen keinen Segen:
Britisches und Französisches Weltreich gingen in den
50er, die Sowjets Ende der 80er Jahre unter. Die USA
leiden unter Wirtschaftskrisen und zerstörerischer
Dekadenz.
Alliierter Kontrollrat
Nach der
völkerrechtswidrigen Verhaftung der deutschen
Reichsregierung am 23. Mai 1945 kam es zur totalen
Machtübernahme alliierter Militärdiktatoren in
Deutschland. Sie bildeten am 5. Juni 1945 als oberstes
Organ den Alliierten Kontrollrat, der im Gebäude des
Berliner Kammergerichts tagte. Der karthagische Friede
gegen Deutschland wurde hier koordiniert: Hungerterror
sowie kulturelle und wirtschaftliche Ausplünderung,
die ihresgleichen in der Geschichte sucht. Der
Kontrollrat der vier alliierten Hauptmächte
erließ 62 "Gesetze" und 57 "Direktiven", darunter
(am 25. Februar 1947) das "Gesetz" zur Auflösung
Preußens. Der Kalte Krieg machte dem Treiben ein
Ende. Die Sowjets traten im März 1948
aus.
Altvater-Turm
Es war ein Steinbau aus
Glimmerschiefer und deutsches Wahrzeichen auf der mit
1492 Metern höchsten Erhebung des Altvatergebirges,
das den Kamm der Sudeten im Osten zur Oder hin
abschließt. Berggeist Altvater gilt in der
deutschen Sagenwelt als ein Verwandter Rübezahls.
Auf Anregung des Mährisch-Schlesischen
Sudetengebirgsvereins wurde der Turm gebaut und 1912
eingeweiht. Er war für die Deutschen in
Nordmähren und Schlesien ein Sinnbild des deutschen
Charakters ihrer Heimat. Die tschechischen Besatzer
sprengten den Turm, wie sie überhaupt das einst
blühende Sudetenland ruinierten.
Andreas-Hofer-Lied
Der Tiroler
Aufstandsführer und deutsche
Nationalrevolutionär Andreas Hofer wurde am 20.
Februar 1810 in Mantua auf Geheiß Napoleons
erschossen. Körner, Rückert und Eichendorff
besangen seinen letzten Gang. Volkstümlich und zur
Tiroler Landeshymne wurde das Gedicht "Sandwirt Hofer"
des sächsischen Poeten und Dramaturgen am Hoftheater
Oldenburg, Julius Mosen (1803-1867), vertont nach alten
Volksweisen vom Volkssänger Knebelsberger aus
Klosterneuburg bei Wien. Mosen ließ sich 1825 als
junger Burschenschafter (Germania-Jena) bei einer Reise
durch Tirol zu den Worten inspirieren. Die erste Strophe
lautet: "Zu Mantua in Banden der treue Hofer war, zu
Mantua zum Tode führt ihn der Feinde Schar. Es
blutete der Brüder Herz, ganz Deutschland, ach, in
Gram und Schmerz, mit ihm sein Land Tirol, mit ihm sein
Land Tirol." Auch enthält die Tiroler Landeshymne
ein Bekenntnis zum "verratnen Deutschen
Reich".
An mein Volk
Der Aufruf "An mein
Volk" war das endgültige Signal zum deutschen
Befreiungskampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft.
Er wurde am 17. März 1813 in Breslau vom
preußischen König Friedrich Wilhelm III.
erlassen. Zuvor war das preußisch-russische
Bündnis geschmiedet worden. Nun gelte es:
"Ehrenvoller Frieden oder ruhmvoller Untergang",
hieß es im Aufruf. Verfaß t hatte den Text
der ostpreußische Staatsrat Theodor Gottlieb von
Hippel, Freund E.T.A. Hoffmanns und Mitarbeiter des
Grafen Hardenberg in der Berliner
Staatskanzlei.
Annaberg
Heiliger Berg
Oberschlesiens, auf dem sich schon zur Germanenzeit eine
Weihestätte befand. Später war die Anhöhe
Berg des heiligen Georg, des Drachentöters, und
Wallfahrtsort zu Ehren der heiligen Mutter Anna. Am 21.
Mai 1921 erstürmten oberschlesischer Selbstschutz
und Freikorps gegen fünffache polnische
Übermacht den Berg. Es war ein entscheidender Sieg,
um weitere polnische Annexionen deutschen Landes zu
verhindern. Auf einer Seitenkuppe des Annabergs
errichtete der Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge ein steinernes Ehrenmal in
Form eines schlichten achteckigen Mauerkranzes. Unterhalb
wurde nach 1933 eine Dingstätte angelegt, in welcher
Kriegerverbände Gedächtnisfeiern für die
gefallenen deutschen Freiheitskämpfer
veranstalteten.
Anschluß
Nachdem die
Siegermächte die Vereinigung von Weimarer und Wiener
Republik zu einem demokratischen Großdeutschland
verhindert hatten, setzte das Deutsche Reich 1938 den
Anschluß Österreichs mit militärischem
Einmarsch durch. Am 12. März rückten
reichsdeutsche Truppen, von der Bevölkerung jubelnd
begrüßt ("Blumenkrieg"), in Österreich
ein. Zuvor hatte Österreichs Kanzler Schuschnigg
eine manipulierte Abstimmung zur Rettung der staatlichen
Unabhängigkeit versucht. Die meisten
Repräsentanten Österreichs, darunter
Sozialistenführer Renner, und beide christliche
Kirchen begrüßten den Anschluß. Bei der
NS-Volksabstimmung am 10. April 1938 befürworteten
im "Altreich" 99,7 Prozent und in Österreich 99
Prozent den Anschluß. Als einziger Staat der Welt
erhob Mexiko offiziell Protest gegen den Anschluß
Österreichs. Es fürchtete ein Aufleben der
Anschlußgelüste der USA.
Anschlußbewegung
Die Sehnsucht nach
Zusammenschluß der Deutschen des Habsburger- und
des Bismarckreiches blieb stets lebendig. Am 12. November
1918 beschloß die Nationalversammlung in Wien den
Anschluß Deutsch-Österreichs,
einschließlich der Sudetengebiete, ans Deutsche
Reich (einstimmig am 12. März 1919 bestätigt).
In Artikel 61 der Weimarer Reichsverfassung war der
Anschluß Österreichs ausdrücklich
vorgesehen. Nach Gewaltandrohung der westlichen
Siegermächte mußte die Wiener Republik auf die
Bezeichnung Deutsch-Österreich verzichten und wurde
Art. 61 der Weimarer Reichsverfassung aufgehoben.
Volksabstimmungen in Tirol und Salzburg brachten 1921
jeweils rund 99 Prozent für den Anschluß;
daraufhin verboten die Westalliierten weitere
Abstimmungen. Österreichs Sozialistenführer
Karl Renner 1928: "Laßt Österreichs
Bürger frei abstimmen, und sie werden mit 99 Prozent
die Wiedervereinigung mit Deutschland beschließen."
1931 verhinderten die Siegermächte die
reichsdeutsch-österreichische Zollunion. Im
Staatsvertrag von 1955 hatte Österreich dem
Anschluß abzuschwören.
Armeemuseum, Ehrenmal
Das Gefallenendenkmal
vor dem Münchner Armeemuseum im Hofgarten der
einstigen Residenz zählt zu den bedeutendsten Werken
deutscher Ehrenmalkunst. Es ist den "13 000 gefallenen
Heldensöhnen der Stadt München" gewidmet und
wurde im Dezember 1924 in Anwesenheit der wichtigsten
Vertreter des bayerischen Landtages, der Stadt und der
Königsfamilie feierlich eingeweiht. Baumeister waren
Thomas Wech und Ulrich Finsterwalder. Die Reliefs schuf
Professor Karl Knappe. Den steinernen ruhenden Krieger im
Mantel und mit Stahlhelm, der in der fast 100
Quadratmeter großen Gruft liegt, gestaltete
Bildhauer Professor Bernhard Bleeker. Das bayerische
Armeemuseum, ein Werk des Baumeisters Ludwig von
Mellinger, welches 1906 errichtet wurde, steht nur noch
in Resten. Es fiel im Zweiten Weltkrieg westalliierten
Bomben zum Opfer. Das beeindruckende Ehrenmal
überstand den Bombenterror.
Arndt-Turm
Ernst Moritz Arndt,
geboren 1769 auf Rügen, gestorben 1860 in Bonn,
hatte mit seinen patriotischen Schriften und Liedern
großen Anteil an der deutschen Erhebung gegen die
Fremdherrschaft Napoleons. Auch später stritt er, u.
a. als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung,
für ein nationalfreiheitliches großdeutsches
Reich. Nachdem ihm 1865 in Bonn, der Stadt seines
jahrzehntelangen Wirkens, ein Denkmal errichtet worden
war, entschlossen sich die Deutschen auf Rügen, dem
großen Sohn ihrer Heimat eine
Gedächtnisstätte zu bauen. Aus Spenden
finanziert, entstand so am Mittelpunkt der Insel, auf der
Höhe des Rugard, den Arndt so geliebt hatte, ein vom
Berliner Baumeister Hermann Eggert entworfener Turm. Der
Grundstein wurde an Arndts 100. Geburtstag gelegt - unter
Absingen seines Liedes "Was ist des Deutschen Vaterland?"
und mit dem Bekenntnis zur "deutschen Zukunft, der
deutschen Einheit". Eingemauert wurde auch ein von
Kärntnern übersandter
Edelweißstrauß mit Marmorblock und der
Inschrift "Treu und fest wie unsere Berge!". Das
Richtfest fand im Oktober 1876 statt. Vollendet wurde der
Arndt-Turm auf dem Rugard bei Bergen im Jahre
1877.
Artikel 231
Nach Androhung
militärischer Gewalt durch die Westmächte
mußte die Weimarer Republik auch diese Bestimmung
des Versailler Diktats - protestierend - hinnehmen. Hier
wurde Deutschland die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg
aufgeladen: "Die alliierten und assoziierten Regierungen
erklären und Deutschland erkennt an, daß
Deutschland und seine Verbündeten für alle
Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die
alliierten und assoziierten Regierungen und ihre
Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen
durch den Angriff Deutschlands und seiner
Verbündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben."
Eine von der Reichsregierung berufene internationale
Historikerkommission sowie bedeutende in- und
ausländische Geschichtsforscher widerlegten den
Artikel 231. Sämtliche politische Kräfte
Weimars nahmen gegen ihn scharf Stellung. Die Bestimmung
diente nicht nur der moralischen Disqualifizierung
Deutschlands, sondern auch der in ihrem Ausmaß bis
dahin geschichtlich einmaligen Ausplünderung eines
unterlegenen Volkes.
Askaris
Das Wort ist
arabisch-türkischer Herkunft und bedeutet
"Soldaten". Die Askaris waren die Negermannschaften der
Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. Sie kämpften im
Ersten Weltkrieg gemeinsam mit den deutschen Soldaten
gegen die ums bis zu Hundertfache materiell und personell
überlegenen Alliierten. Im Felde unbesiegt legten
die deutschen Schutztruppen und ihre Askaris unter dem
Oberbefehl von Lettow-Vorbeck erst bei Kriegsende 1918
die Waffen nieder. Auf Betreiben Lettows erhielten die
Askaris ab 1928 Ehrensold des Deutschen Reiches. Der
General setzte ihnen in seinen Werken "Erinnerungen aus
Ostafrika" und "Heia Safari" literarische
Denkmale.
Aspern
Dorf in
Niederösterreich, das Anfang des 20. Jahrhunderts in
Wien eingemeindet wurde. Dort schlug am 21./22. Mai 1809
ein österreichisches Heer unter Erzherzog Karl die
Franzosen unter Napoleon. Die Österreicher verloren
23 340, die Franzosen 44 373 Mann. Es war die erste
Niederlage eines von Napoleon geführten Heeres,
versperrte dem Korsen zunächst den Weg über die
Donau und nahm ihm den Nimbus der Unbesiegbarkeit,
wiewohl die Österreicher den Sieg politisch und
militärisch nicht auszunutzen wußten. Heinrich
von Kleist feierte Erzherzog Karl als "Überwinder
des Unüberwindlichen".
Augsburg
Die Stadt zeichnete
sich 955 unter Führung des heiligen Ulrich durch
heldenhaften Widerstand gegen die Ungarn aus. 1156
erhielt sie von Kaiser Friedrich Rotbart eines der
ältesten Stadtrechtsprivilegien Deutschlands.
Anderthalb Jahrhunderte, von 1480 bis 1630, war Augsburg
Deutschlands bedeutsamste Stadt sowie wichtigstes
Wirtschafts- und Finanzzentrum Europas (Fugger, Welser).
Kaiser Max wurde "Bürgermeister von Augsburg"
genannt. Hier fanden zahlreiche Reichstage statt (z. B.
1282: Belehnung der Habsburger mit Österreich, 1530:
Augsburger Konfession). Im 30jährigen Krieg
verwüstet und 1805 bayerisch geworden, nahm die
Stadt ab Mitte des 19. Jahrhunderts neuen Aufschwung.
Westalliierter Bombenterror zerstörte im Zweiten
Weltkrieg viele Bezirke. Das meiste der alten
Herrlichkeit im Stadtinneren wurde nach 1945
wiederhergestellt.
Australiendeutsche
In Europa wurde der
Fünfte Kontinent wegen der Entdeckungsfahrten
niederländischer Seefahrer lange Zeit "Neu-Holland"
genannt. 1883 begann die erste größere
Einwanderung Deutscher. Sie trugen entscheidend zur
landwirtschaftlichen Erschließung Australiens bei.
In Queensland und Südaustralien gab es zahlreiche
geschlossene deutsche Siedlungen. Im Verlaufe der beiden
Weltkriege, in denen Australien, ohne vom Deutschen Reich
irgendwie bedroht zu sein, gegen Deutschland stand, und
unmittelbar danach gab es antideutsche Pogrome. Deutsche
wurden in Konzentrationslager geworfen, man löste
ihre Vereinigungen auf, beschlagnahmte ihr Eigentum und
anglisierte deutsche Ortsnamen. So wurde aus Lobethal
"Tweedwale", aus Hahndorf "Ambleside" usw. In den 1950er
Jahren setzte eine neue Einwanderung Deutscher ein. Die
Zahl der Australier mit deutschen Vorfahren wird auf eine
halbe Million geschätzt.
Auswanderung
Wirtschaftsnot durch
Deutschlands Zersplitterung, Verfolgung durch
reaktionäre Herrschende und Elend infolge
imperialistischer Übergriffe von außen trieben
seit dem 17. Jahrhundert Deutsche in großer Zahl
zur Auswanderung. Millionen gingen in die klassischen
Einwanderungsländer der Neuen Welt; Hunderttausende
zogen, auf Einladung der Zaren, in die russischen Weiten.
Sie kamen nicht als Eroberer, sondern als friedliche
Siedler, die riesige Gebiete urbar machten und waren
wegen ihres Fleißes geschätzte Arbeiter der
Stirn und Faust. Politische Wirksamkeit erlangten sie nur
in bescheidenem Maß. Der Aufschwung im neuen
Deutschen Reich brachte die Auswanderung vor Ausbruch des
Ersten Weltkrieges fast vollständig zum Erliegen.
Hunderttausende verließen die darbende Weimarer
Republik, dann gab es NS-Emigranten und nach 1945
Hunderttausende, die das von den Alliierten
geplünderte Deutschland verließen.
Balkenkreuz
Das nationale
Kennzeichen der deutschen Flugzeuge, Luftschiffe,
Fesselballone und Panzerfahrzeuge ist seit dem Ersten
Weltkrieg ein stilisiertes Eisernes Kreuz. Es wurde auch
von den gepanzerten Kraftfahrzeugen der
österreichischen Armee geführt. Da auf weite
Entfernungen die geschweiften Schenkel dieses
Kennzeichens zu einem schwarzen Fleck verschwammen und
die Sicherheit beeinträchtigten, entstand aus der
Form des Eisernen Kreuzes gegen Ende des Ersten
Weltkrieges das Balkenkreuz. Die Deutsche Wehrmacht
übernahm es im Zweiten Weltkrieg. Die bei der
Bundeswehr eingeführte Ausprägung nähert
sich wieder der ursprünglichen Form des EK
an.
Baltendeutsche
Nach Gründung
Rigas durch Bischof Adalbert von Bremen (1201) kamen
zahlreiche deutsche Siedler, vor allem Westfa1en und
Niedersachsen, nach Estland, Livland und Kurland. Sie
stellten bald acht Prozent der baltischen
Bevölkerung und waren Großgrundbesitzer,
Kaufleute, Handwerker und Gelehrte. Auch nach Niedergang
des Ordens, unter schwedischer und russischer Hoheit,
bewahrten die Baltendeutschen ihr Volkstum und bildeten
die Oberschicht. 1632 wurde die (ab 1802 deutsche)
Universität Dorpat gegründet, ab 1721 die
einzige evangelische Hochschule des Zarenreiches. Vor dem
Ersten Weltkrieg kamen 20 000 rußlanddeutsche
Bauern ins Baltikum. Mit deutscher Hilfe konnten die
baltischen Staaten 1918 unabhängig werden. In
Lettland erhielten. die Baltendeutschen
Minderheitenschutz, in Estland Kulturautonomie. 1939 bis
1941 wurden rund 90 000 ins Reich, vorwiegend in den
Warthegau, umgesiedelt, wo sie 1944/45 der
Vertreibungsholocaust traf. Bis in die Zeit des Ersten
Weltkrieges hatten Baltendeutsche höchste russische
Staatsämter bekleidet.
Bamberger Dom
An der Stelle der alten
Babenberger Burg und der 1185 abgebrannten, von Kaiser
Heinrich II. Anfang des 11. Jahrhunderts erbauten
Bamberger Bischofskirche ließ Kaiser Friedrich II.
den Dom errichten, der 1237 geweiht wurde. Das
majestätische Bauwerk ist ein großartiges
Denkmal der Glanzzeit des ersten Deutschen Reiches. Der
Domschatz war einer der reichsten der Welt. Die gewaltige
Kirche birgt das Grabmal Heinrichs II. und seiner
Gemahlin Kunigunde (1509 von Tilman Riemenschneider neu
gestaltet). Der um 1230 geschaffene Bamberger Reiter am
Chorpfeiler des Kaiserdomes gilt als Sinnbild staufischen
Königtums, als steinerner Ausdruck deutscher Art zu
jener Zeit, da das Deutsche Reich Vormacht des
Abendlandes war.
Banater Schwaben
1718 fiel das Banat (=
Grenzmark) genannte Gebiet zwischen Theiß, Mieresch
und Südkarpaten nach langer Türkenherrschaft an
Österreich. Der erste Gouverneur, Graf Mercy, und
später Maria Theresia ließen das Land neu
besiedeln. Sie riefen Deutsche aus Schwaben, Lothringen,
der Pfalz und Österreich herbei. Für sie setzte
sich die Sammelbezeichnung Banater Schwaben durch. Sie
machten aus dem verödeten Gebiet eine Kornkammer.
Temeschburg, das Zentrum des Banats, war stark deutsch
geprägt. Aus deutschen Bergbauernsiedlungen
entwickelten sich Hüttenwerke und Eisenindustrien.
Die etwa 300 000 Banater Schwaben in Rumänien wurden
1945 nach Rußland verschleppt und in die
Baragan-Steppe umgesiedelt. Die 150 000 Personen starke
Gruppe in Jugoslawien wurde fast vollständig
ausgerottet. Die etwa 1500 Banater Schwaben in Ungarn
wurden vertrieben. Die im Banat verbliebenen Deutschen
siedeln seit den 80er Jahren nach Deutschland
aus.
Barbarossasage
Im gesamten
germanischen Raum sind Sagen über im Berge
fortlebende große Persönlichkeiten verbreitet.
(Germanische Edle wurden in künstlichen
Grabhügeln beigesetzt.) So lebt der
Überlieferung gemäß im Untersberg bei
Salzburg Karl der Große fort. Die bekannteste
Kaisersage rankt sich um Friedrich Barbarossa, der mit
seinem Gefolge und der flachsspinnenden Tochter Uta in
einer Höhle des von Raben umkreisten
Kyffhäuser-Gebirges in Thüringen auf den
Aufbruch wartet. Aus Rückerts Gedicht: "Der alte
Barbarossa, der Kaiser Friederich, im unterird'schen
Schlosse hält er verzaubert sich. Er hat hinab
genommen des Reiches Herrlichkeit und wird einst
wiederkommen mit ihr zu seiner Zeit." Wie zur
Bestätigung des Mythos wurde 1865 im
Kyffhäuser-Massiv eine der größten
Höhlen Mitteleuropas entdeckt, die Barbarossas Namen
erhielt.
Bataveraufstand
Im Jahre 69 n. Chr.
erhoben sich die germanischen Bataver und Brukterer gegen
die Römerherrschaft am Rhein. Es war ein Teil des
Kräftemessens von Germanentum und römischem
Weltreich, das schließlich mit dem Sieg der
Germanen endete. Führer des Aufstandes war
Bataverfürst Civilis und geistiges Oberhaupt die
Brukterer-Priesterin Veleda, eine der herausragendsten
Frauengestalten germanisch-deutscher Geschichte.
Zahlreiche germanische Stämme schlossen sich Civilis
und Veleda an, doch behielt Rom, die Supermacht der
Antike, im Jahre 70 militärisch die Oberhand. Als
Führerin der germanischen Delegation ging Veleda
nach Rom und handelte günstige Friedensbedingungen
aus. Ihr weiteres Schicksal ist ungewiß; vielleicht
wurde sie, ähnlich wie zuvor Armin der Cherusker,
Opfer germanischer Zwietracht.
Batschka
Nach der alten Burg
Batsch auch Batscherland genannte Landschaft zwischen
Unterer Theiß und Donau. Im 18. Jahrhundert, nach
Ende der Türkenkriege, begann die deutsche
Besiedlung. Die Zuwanderer kamen vor allem aus dem
Südwesten Deutschlands. Sie ließen die
Batschka erblühen. 1919 kam der größte
Teil der bis dahin zum Habsburgerreich gehörenden
Batschka mit der Hauptstadt Neusatz an Jugoslawien, ein
Sechstel an Ungarn. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren 250
000 der 600 000 Einwohner des Batscherlandes Deutsche.
Sie wurden 1945 zum größten Teil ermordet oder
vertrieben. Überlebende des Vertreibungsholocausts
schlossen sich der Landsmannschaft der Donauschwaben an
und halfen tatkräftig beim Wiederaufbau Deutschlands
oder erarbeiteten sich eine neue Existenz in
Übersee.
Bauernkrieg
Der Versuch nationaler
und sozialer Umwälzung in Deutschland der Jahre
1524/25. Von Schwaben bis Tirol, von Kärnten bis
Thüringen und ins ostpreußische Samland
erhoben sich Bauern gegen Wucher, für soziale
Gerechtigkeit, gegen Überfremdung durch welsche
Sitte und durch römisches Recht, für die
Rückkehr zur alten deutschen Art und zum deutschen
Recht, gegen Separatismus, für ein starkes und
einiges Reich. In Memmingen verkündeten die Bauern
ihre Zwölf Artikel. In Heilbronn beriet ein
Bauernparlament auf hoher geistiger Ebene
Reformpläne für das Deutsche Reich. Den
Aufständischen schlossen sich reichstreue Ritter wie
Florian Geyer und Götz von Berlichingen sowie arme
Städter an. Als bedeutendster politischer Kopf der
Bewegung wirkte Wendel Hipler (1465-1526). Vom spanisch
empfindenden Kaiser Karl V. abgelehnt, von Luther, der
keine Vermengung von Religion und Politik wünschte,
verurteilt, von einigen Exzeßtätern aus den
eigenen Reihen in Verruf gebracht und an
militärischem Mißgeschick ihrer Armeen, der
sogenannten Haufen, leidend, wurden die
Revolutionäre vernichtend geschlagen. Es folgte ein
furchtbares Strafgericht von Fürsten.
Bauernkriegspanorama
Die von Thomas
Münzer geführten Bauern wurden 1525 bei Bad
Frankenhausen, der aus einer alten germanischen
Burgsiedlung entstandenen thüringischen Stadt,
schwer geschlagen. Dort entstand in mehr als einem
Jahrzehnt Arbeit das Bauernkriegspanorama zu Ehren der
Aufständischen. Es wurde 1989 - zum 500. Geburtstag
Münzers - eröffnet. Ein mächtiger Rundbau
auf einer Anhöhe birgt das 123 x 14 m große
Gemälde des langjährigen Rektors der Leipziger
Hochschule für Grafik und Buchkunst, Professor
Werner Tübke. Das größte Gemälde der
Welt zeigt gegenständlich und eindringlich die
Verhältnisse im Deutschen Reich zu Beginn des 16.
Jahrhunderts. Das Panorama, eine Auftragsarbeit der
kommunistischen Regierung Mitteldeutschlands, ist
weitestgehend frei von marxistischer Doktrin und eines
der beeindruckendsten deutschen Denkmale seit dem Zweiten
Weltkrieg.
Bayreuther Festspiele
Dank König Ludwig
II. von Bayern konnte auf einer Anhöhe nördlich
von Bayreuth das Festspielhaus für die Werke des
bedeutendsten Dichterkomponisten des Abendlandes, Richard
Wagner, erbaut werden. Die Einweihung erfolgte 1876 mit
der Uraufführung des "Ring des Nibelungen". Die
Festspiele wurden nach des Meisters Tod, 1883, von seiner
Witwe Cosima, geborene Liszt geleitet, dann von
Wagner-Sohn Siegfried. Vor allem unter des Komponisten
Schwiegertochter Winifred Wagner strahlten sie deutschen
Glanz aus. 1945 untersagten die alliierten
Militärdiktatoren den Festspielbetrieb. 1951 konnte
das Festspielhaus unter Leitung der Wagner-Enkel Wieland
und Wolfgang wiedereröffnet werden.
Bedingungslose Kapitulation
Der Reichskanzler, sein
Parteistellvertreter Heß, der als Hitler-Nachfolger
vorgesehene Göring, der deutsche Staatschef nach
Hitlers Tod, Dönitz, der vom Widerstand zum Kanzler
designierte Goerdeler sowie zwei ehemalige Kanzler aus
der Weimarer Zeit, Brüning und von Papen, hatten den
Westmächten zahlreiche Friedensvorschläge
unterbreitet, die kategorisch abgelehnt wurden.
Stattdessen versteiften sich die Alliierten auf die von
Roosevelt bei der Casablanca-Konferenz am 24. Januar 1943
ausgegebene Parole von der bedingungslosen Kapitulation
Deutschlands und seiner Verbündeten. Damit griff der
US-Präsident eine Formel der Nordstaaten im
amerikanischen Sezessionskrieg auf. Jeder
Verhandlungsfriede wurde ausgeschlossen. Deutschland
antwortete mit dem Totalen Krieg im Sinne einer
Kraftanstrengung bis zum Letzten. Die Roosevelt-Formel
scharte die Deutschen enger um den NS-Diktator,
schwächte die Anti-Hitler-Opposition und steigerte
das Blutvergießen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges
kapitulierte die Deutsche Wehrmacht bedingungslos, nicht
aber das Deutsche Reich.
Befreiungshalle
Zur Germanenzeit war
der Michaelsberg bei Kelheim an der Donau (nahe
Regensburg) Wotans heiliger Fels. Auf der Anhöhe
ließ der deutsch-vaterländisch gesinnte
Bayernkönig Ludwig I. die Befreiungshalle als
Ehrenmal der deutschen Widerstandskämpfer gegen den
Imperialisten und Diktator Napoleon errichten. Am 50.
Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, 18.
Oktober 1863, wurde der fast 60 Meter hohe wuchtige
Rundbau, ein Werk der Baumeister Gärtner und von
Klenze, eingeweiht. Achtzehn Frauengestalten an der
Außenseite halten Inschriften mit den Namen der
deutschen Stämme. In der Halle werden 18 siegreiche
deutsche Feldherren der Befreiungskriege auf Tafeln
genannt und sind die Namen von 36 Schlachtorten verewigt.
Im Marmorfußboden steht die Mahnung: "Mögen
die Teutschen nie vergessen, was den Befreiungskampf
notwendig machte, und wodurch sie gesiegt."
Befreiungskriege
Durch den
hauptsächlich von Deutschen geführten Kampf
1813 bis 1815 wurde Europa von Napoleons Diktat befreit
und Deutschland vor der Vernichtung gerettet. General
Yorck gab am 30. Dezember 1812 mit der Konvention von
Tauroggen das Signal zur Erhebung und zur
preußisch-russischen Waffenbrüderschaft. In
Ostpreußen begann der Widerstandskampf.
Österreich, Schweden, England, später auch die
im Rheinbund zu Napoleons Vasallen erniedrigten deutschen
Staaten schlossen sich dem preußisch-russischen
Bündnis an. Die Völkerschlacht bei Leipzig vom
16. bis 19. Oktober 1813 brachte einen entscheidenden
Sieg. Friedensvorschläge lehnte der Korse ab.
Blücher überschritt mit seiner Schlesischen
Armee in der Neujahrsnacht 1814 bei Kaub den Rhein. Nach
mehreren Schlachten wurde Paris am 30. März 1814
besetzt, der von Elba zurückgekehrte Napoleon 1815
bei Waterloo endgültig bezwungen, Frankreich von den
Siegern großherzig behandelt. Die Befreiungskriege
waren eine echte Volkserhebung gegen fremde Tyrannei.
Freiwillige kämpften an vorderster Front. Deutsche
aller Schichten griffen in nationaler Solidarität zu
den Waffen.
Belt
Bezeichnung für
Meeresengen. Es gibt z. B. den Fehmarn- Belt zwischen dem
deutschen Fehmarn und dem dänischen Lolland in der
Ostsee, den Großen Belt zwischen Fünen und
Seeland und den ebenfalls Nord- und Ostsee verbindenden,
doch erheblich schmaleren Kleinen Belt zwischen
Fünen und Jütland. Am Kleinen Belt endet im
Norden der Siedlungsraum des deutschen Volkes. Weshalb
der Belt in dem von Hoffmann von Fallersleben gedichteten
Lied der Deutschen, der Nationalhymne, neben der Maas als
westlicher, der Memel als östlicher und der Etsch
als südlicher Begrenzung des deutschen Volksgebietes
erwähnt wird.
Bergischer Aufstand
Das Bergische Land,
benannt nach dem Grafen- und Herzoggeschlecht Berg
(erster Graf: Adolf, gest. 1152), liegt westlich des
Sauerlandes, zwischen Rhein, Ruhr und Sieg. 1806 wurde es
französisches Großherzogtum. Ab 1809 herrschte
dort Napoleons ältester Bruder, Louis. Im Bergischen
Land kam es Anfang 1813 zur ersten gewaltsamen deutschen
Erhebung gegen Napoleon nach dessen Niederlage im
Rußlandfeldzug. Der Aufstand brach am 22. Januar
1813 in Ronsdorf aus und wurde von Arbeitern und Bauern
(von den Besatzern verächtlich "Knüppelrussen"
genannt) getragen. Die Freiheitsbewegung wurde
militärisch unterdrückt und endete im Februar
1813 mit der Hinrichtung von siebzehn
Revolutionären.
Bergisel
Viermal kämpfte
das tapfere Aufgebot des Freiheitshelden Andreas Hofer am
Berg Isel (tirolerisch: Bergisel) nahe der
Landeshauptstadt lnnsbruck gegen Napoleons Streitmacht
und deren Hilfstruppen. Am 25. Mai, 29. Mai, 13. August
und 1. November des Jahres 1809. Dreimal bezwangen die
Tiroler den Feind, zweimal trieben sie ihn sogar ganz aus
dem Land. Bei der vierten Schlacht am Bergisel setzte
sich die feindliche Übermacht gegen den vom Kaiser
verlassenen Hofer durch. Die Kämpfe am Fels wurden
zum Symbol für deutschen Freiheitswillen. 1893 wurde
das Denkmal zu Ehren Hofers und seiner
Kampfgefährten auf dem Bergisel eingeweiht. Es ist
ein Werk des Bildhauers Heinrich Natter.
Berlin
Einst lebten dort
germanische Burgunder und Semnonen. Markgraf Albrecht der
Bär holte im 12.Jahrhundert vorwiegend Westfalen und
Niederländer in den von wenigen Slawen
bevölkerten Raum. Die Doppelsiedlung Berlin und
Cölln entstand. Cölln wurde 1237 erstmals
urkundlich erwähnt, was als Gründungsjahr der
deutschen Hauptstadt gilt. Polen, Litauer, Hussiten,
Schweden, Franzosen, Russen stießen bis Berlin vor,
doch konnten alle Feinde und Besatzer bezwungen werden.
Berlin wurde Metropole der deutschen Großmacht
Preußen, war 1848 ein Zentrum der
großdeutschen Bewegung und wurde am 16. April 1871
Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches mit 2,5 Millionen
(1900) und 4,5 Millionen (1939) Einwohnern. 1945 wurde
die Stadt von den Alliierten viergeteilt. 1949 scheiterte
der Versuch der Sowjets, ganz Berlin zu vereinnahmen
(Blockade/Luftbrücke). 1961 wurde, in Absprache
zwischen Moskau und Washington, die Berliner Mauer
errichtet. Sie fiel am 9. November 1989. Der Deutsche
Bundestag bestätigte 1990 Berlins Rang als deutsche
Hauptstadt.
Berliner Mauer
Bis zum 12. August 1961
konnte die Sektorengrenze nach Westberlin an 81
Übergangsstellen passiert werden. Hunderttausende
Mitteldeutsche nutzten dies, um der SED-Diktatur zu
entrinnen. Nachdem die US-Regierung an Moskau
signalisiert hatte, nichts gegen Absperrmaßnahmen
unternehmen zu wollen, wurde die Sektorengrenze ab 13.
August 1961 zunächst mit Stacheldraht und
bewaffneten DDR-Truppen abgesperrt und dann rings um
Westberlin die insgesamt 155 Kilometer lange, rund 4
Meter hohe Mauer errichtet, ein weltgeschichtlich
einmaliges Monument der Unmenschlichkeit. (Im
SED-Sprachgebrauch: "antifaschistischer Schutzwall".) 300
Beobachtungstürme wurden erbaut. Westlicherseits
registrierte man insgesamt 1693 Schußabgaben der
DDR-Grenztruppen an der Mauer. Mindestens 60 Menschen,
wahrscheinlich mehr als doppelt so viele, wurden bei
Fluchtversuchen erschossen. Es gab 118 vom Westen
registrierte Verletzte durch Schußwaffengebrauch.
3221 Festnahmen an der Mauer konnten beobachtet werden.
Nach Feststellungen der Westberliner Polizei konnten
über 5 000 Menschen die Mauer überwinden. Mit
der Öffnung am 9. November 1989 am Brandenburger Tor
begann der Fall der Mauer.
Besatzungsstatut
Um die Teilung der
Beute des Zweiten Weltkrieges und um die weltweite
Vorherrschaft waren Sowjets und US-Amerikaner in den
Kalten Krieg geraten. Die Westmächte stellten
antideutsche Vernichtungspläne zurück. Fortan
wurden die Westdeutschen in die antirussische Front
eingebunden. Im April 1949 unterzeichneten die
Westmächte in Washington das Besatzungsstatut. Die
westdeutschen Ministerpräsidenten und der
Parlamentarische Rat in Bonn hatten es zu akzeptieren.
Die im Gründungsstadium befindliche Bundesrepublik
Deutschland bekam einige Souveränitätsrechte,
doch behielten sich die Sieger in einer Generalklausel
vor, jederzeit wieder ihre Militärdiktatur
auszuüben. Alle deutschen Gesetze waren der
Genehmigung der Besatzungsbehörden unterworfen.
Sogenannte Hohe Kommissare wirkten als Statthalter
Washingtons, Londons und Paris. 1955 trat der
Deutschlandvertrag an die Stelle des
Besatzungsstatuts.
Besatzungszonen
Auch die Machthaber in
Warschau, Prag, Belgrad, Brüssel und Den Haag
besetzten nach dem Zweiten Weltkrieg Gebiete des
Deutschen Reiches. Unter Besatzungszonen im engeren Sinne
versteht man die von den Alliierten im September 1944
vorberatene und im Zonenprotokoll vom 26. Juli 1945
festgelegte Aufteilung Deutschlands. Das Gebiet der
späteren Bundesländer Schleswig-Holstein,
Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
gehörte zur britischen Zone. Hessen,
Württemberg, Bayern und Bremen bildeten die
US-amerikanische Zone. Rheinland-Pfalz,
Württemberg-Hohenzollern und Baden waren
französische Zone. Die sowjetische Besatzungszone
bestand aus Brandenburg, Mecklenburg mit Vorpommern,
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch
Österreich wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Berlin und Wien wurden von den Alliierten viergeteilt.
Aus den Westzonen entstand die Bundesrepublik
Deutschland, aus der Sowjetzone die DDR. Die
Besatzungszonen in Österreich verschwanden 1955
durch den Staatsvertrag.
Besetzte Gebiete
Name für die
infolge des Versailler Diktats ab Januar 1920 besetzten
linksrheinischen Gebiete des Reiches. 1921 wurden von
Frankreich zusätzlich Brückenköpfe bei
Ruhrort, Düsseldorf und Wiesbaden, 1923 die
Städte des Ruhrgebietes besetzt. Durch Zoll- und
Paßgrenzen vom Reich losgelöst, waren die
linksrheinischen Gebiete einem "Interalliierten hohen
Ausschuß für die Rheinlande" mit Sitz in
Koblenz unterstellt. Deutschland mußte für die
Besatzungskosten aufkommen. Die in Versailles vereinbarte
Räumung der Gebiete begann mit Verspätung 1926
und wurde erst 1930 abgeschlossen, nachdem Berlin den
Young-Plan akzeptiert hatte (deutsche Reparation bis ins
Jahr 1988 in Höhe von über 110 Milliarden
Reichsmark). Die geräumten Gebiete blieben bis 1935
deutscher Wehrhoheit entzogen. Mit französischer
Hilfe hatten Separatisten zur Besatzungszeit versucht,
das Rheinland dem Reich endgültig zu
entreißen. Sie scheiterten am Widerstand der
deutschen Bevölkerung.
Bessarabiendeutsche
Bessarabien, nach dem
rumänischen Fürstengeschlecht Bessarab oder den
thrakischen Bessern benannte Landschaft am Schwarzen
Meer, kam 1812 von den Osmanen an die Russen. Zar
Alexander I. rief Deutsche in das Gebiet. Sie kamen
vorwiegend aus Württemberg und Kongreß-Polen
und gründeten zahlreiche Siedlungen. Durch deutschen
Fleiß blühte Bessarabien auf. 1918 fiel das
Land an Rumänien, 1940 an die Sowjetunion. Am 5.
September 1940 vereinbarten Berlin und Moskau die
Umsiedlung der fast 100 000 Bessarabiendeutschen ins
Reich, was binnen kurzer Frist auch geschah. Sonst
hätte sie nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen
Konflikts Stalins Vernichtungsschlag
getroffen.
Bismarck-Archipel
Nordöstlich
Australiens gelegene, zu Ehren des Reichsschöpfers
Bismarck benannte Inselgruppe. Sie wurde, wie alle
deutschen Kolonien, friedlich erworben und dem Reich mit
Gewalt entrissen. Der Archipel hat 50 000
Quadratkilometer Landfläche mit - zur deutschen
Kolonialzeit - etwa 100 000 melanesischen und 500
weißen Einwohnern. Hauptinseln: Neupommern,
Neumecklenburg, Neuhannover. Die Admiralitätsinseln
gehörten dazu. Die Neuguinea-Kompanie erwarb den
Archipel 1884 für Deutschland. Er kam 1899 unter
unmittelbare Reichsverwaltung und wurde Bestandteil des
Überseegebietes Deutsch-Neuguinea. 1914 drang eine
britisch-australische Streitmacht in die Inselwelt des
Archipels ein und zwang den über eine nur winzige
Truppe verfügenden deutschen Gouverneur Haber zur
Übergabe. Die" treuhänderische Verwaltung"
durch Australien wurde nach 1918 fortgesetzt.
Bismarck-Denkmale
Zu Ehren Bismarcks, des
Schöpfers des zweiten Deutschen Reiches, einer
jahrzehntewährenden europäischen
Friedensordnung und der fortschrittlichsten, in weiten
Teilen der Welt bis heute unerreichten
Sozialgesetzgebung, wurden zahlreiche Denkmale errichtet.
Das mit 34 Metern Höhe kolossalste und bekannteste
Bismarck-Denkmal wurde nach fünfjähriger
Bauzeit 1906 in Hamburg feierlich eingeweiht und ist eine
Schöpfung des Bildhauers Hugo Lederer. Auf den
Denkmalen ist meist Bismarck selbst dargestellt (nicht
jedoch an Bismarck-Türmen wie dem am Starnberger
See). Man sieht den Reichskanzler allein oder an der
Seite Kaiser Wilhelms I., wie zum Beispiel am Denkmal auf
der Dortmunder Hohensyburg.
Bizone
Am 2. Dezember 1946
unterschrieb der britische Außenminister Bevin in
New York das "Abkommen über die Zusammenlegung der
britischen und amerikanischen Besatzungszone in
Deutschland". Es war das faktische Ende
eigenständiger britischer Besatzungspolitik in
Deutschland und Ausdruck erlahmender englischer
Imperialkraft. Das Abkommen trat am 1. Januar 1947 in
Kraft. Die über 200 000 Quadratkilometer große
"Bizone" war entstanden - mit Zweizonenbehörden
für Wirtschaft, Ernährung, Landwirtschaft, Post
und Rechtswesen. Die Bizone, im Frühjahr 1949 durch
den Anschluß des französisch besetzten Teils
Deutschlands zur Trizone erweitert, war eine Vorstufe der
Bundesrepublik Deutschland.
Blumenau
Bezirkshauptstadt im
südbrasilianischen Staat Santa Catarina, wo rund
eine Viertelmillion Menschen deutscher Herkunft leben.
Die Stadt wurde 1850 von Hermann Blumenau (1819-1899) mit
deutschen Siedlern gegründet. Sie machten aus der
Wildnis ein blühendes Tal. Blumenau gilt seit langem
als Mustersiedlung. 1824 waren die ersten Deutschen von
Kaiser Pedro I. nach Brasilien gerufen worden. Sie kamen
nicht als Eroberer oder Unterdrücker, sondern - wie
auch in anderen Teilen der Welt - als friedliche Siedler,
die riesige Gebiete trotz tausend Widrigkeiten urbar
machten. Das Deutschtum in Brasilien konnte sich
behaupten, obwohl der südamerikanische Staat - auf
US-Druck - Deutschland im Ersten und Zweiten Weltkrieg
den Kampf ansagte, was antideutsche Maßnahmen zur
Folge hatte. Nach 1945 kamen erneut viele Deutsche ins
Land, unter ihnen zahlreiche Vertriebene aus dem
Banat.
Böhmen
Nach den keltischen
Bojern benannte Landschaft Mitteleuropas. Dort entstand
unter Marbod, dem Markomannen, kurz nach der Zeitenwende
ein germanisches Großreich. Die nach dem Abzug der
meisten Germanen eingesickerten Slawen wurden von
Deutschen aus der Awarenknechtschaft befreit. Seit dem 9.
Jahrhundert unterstand Böhmen dem Deutschen Reich.
Sein Herrschergeschlecht, die Przemysliden, waren
Reichsfürsten und riefen deutsche Siedler ins Land,
die Böhmen entscheidend prägten. Kaiser Karl
IV. regierte das Deutsche Reich im 14. Jahrhundert von
Böhmen aus. Prag war Metropole des Reiches. In den
Hussitenkriegen wurde das Deutschtum Innerböhmens
weitgehend vernichtet; die deutsche Mehrheit in Prag gab
es bis ins 19. Jahrhundert. 1918 kam das Land vom
Habsburgerreich zur neuen multinationalen CSR. Die
Bewohner der deutschbesiedelten Gebiete protestierten
gegen die Vergewaltigung ihres Selbstbestimmungsrechtes,
wurden aber brutal unterdrückt. 1938
begrüßten sie den Anschluß ans Deutsche
Reich. Zur Kriegszeit war Innerböhmen Bestandteil
des Protektorates. 1945 fielen die über zwei
Millionen Deutschböhmen Massenmord und Vertreibung
zum Opfer.
Bonn
Beim Kastell Bonna
wurden 70 n. Chr. die Römer von den Germanen unter
Civilis und Veleda (Bataveraufstand) geschlagen. Von 1273
bis 1794 war die Stadt Residenz der Kurfürsten von
Köln. Im Bonner Münster wurden 1314 Friedrich
der Schöne und 1346 Karl IV. zu deutschen
Königen gekrönt. Französischer
Imperialismus setzte der Stadt brutal zu, so unter Ludwig
XIV. und Napoleon sowie in der Besatzungszeit nach beiden
Weltkriegen. 1815 kam Bonn an Preußen. 1949 wurde
es als Provisorium, bis Berlin wieder die
Hauptstadtfunktion übernehmen konnte, Sitz von
Bundestag und -rat, von Bundespräsident und
-regierung. In Bonn kam 1770 Ludwig van Beethoven zur
Welt und starb 1860 der nationale Erwecker Ernst Moritz
Arndt, an den ein Denkmal am Rheinufer
erinnert.
Bornhöved
Anfangs des 13.
Jahrhunderts war Dänemark die Vormacht in
Nordeuropa. Dänenkönig Waldemar II. hielt die
deutsche Ostseeküste und die deutschen Gebiete bis
zur Elbe besetzt. Während der Kaiser geneigt war,
die Fremdherrschaft im Norden des Reiches hinzunehmen,
verbündeten sich die norddeutschen Landesherren
unter Führung Graf Adolfs IV. von Holstein und Graf
Heinrichs von Schwerin mit den Hamburgern und
Lübeckern. Gemeinsam schlugen sie die Dänen am
22.Juli 1227 bei Bornhöved nahe Segeberg und
verdrängten sie aus Deutschland. Es war ein
Wendepunkt der Geschichte: Der deutsche Ostseehandel
konnte sich nun frei entfalten und der Deutsche Orden
aufsteigen.
Bozen
Auf den Bergen in der
Umgebung der Südtiroler Hauptstadt Bozen stehen
zahlreiche Schlösser und Burgen wie Sigmundskron,
Runkelstein, Haselburg und Greifenstein. Sie sind
Zeugnisse des deutschen Charakters des Landes. Einst
gehörte Bozen zum germanischen Langobardenreich.
Dann war es Sitz eines bayerischen Grafen, kam ans Bistum
Trient und schließlich an die Grafschaft Tirol. Als
Lohn für den Abfall vom Bündnis mit Berlin und
Wien erhielt Italien von den Westmächten 1919 das
seit 1300 Jahren deutsche Südtirol mit Bozen
zugesprochen. Besonders in faschistischer Zeit war die
Stadt einer brutal betriebenen Italianisierung
ausgesetzt. Ein noch heute von den römischen
Behörden gepflegtes sogenanntes Siegestor aus
faschistischer Zeit kündet von Überheblichkeit.
Symbol des Deutschtums ist u. a. das Denkmal Walthers von
der Vogelweide auf dem Bozner Waltherplatz.
Brabant
Der Norden des Landes
zwischen Maas und Schelde gehört zu den
Niederlanden, während der weit überwiegende
südliche Teil auf belgischem Staatsgebiet liegt.
Brabant war nahezu 1000 Jahre beim Deutschen Reich. Durch
seinen Süden läuft die germanisch-romanische
Sprachgrenze. Sie trennt Flamen von Wallonen. Einst war
Brabant ein Gau des Fränkischen Reiches. 870 fiel es
an Deutschland. Ab dem 15. Jahrhundert, unter
Habsburgerherrschaft, war Brüssel Residenzstadt und
wurde Antwerpen europäisches Handelszentrum. Von
1794 bis 1814 herrschten die Franzosen dort. 1830 wurde
der Großteil Brabants dem neuen Staat Belgien
einverleibt, der französischen Interessen diente.
Die Flamen führten einen opferreichen Kampf gegen
die Verwelschung. Seit den 1980er Jahren wächst die
flämische Freiheits- und
Unabhängigkeitsbewegung auch in Brabant mächtig
an.
Brandenburg
Das Gebiet war schon
vor 3000 Jahren germanisch besiedelt. Markgraf Gero und
Albrecht der Bär errangen das Land im 10. bzw. 12.
Jahrhundert für Deutschland. Anfang des 15.
Jahrhunderts wurden die Hohenzollern mit Brandenburg
belehnt. Mit der Krönung des brandenburgischen
Kurfürsten zum König am 18. Januar 1701 in
Königsberg ging der Name Preußen auf den
Gesamtstaat über. Brandenburg wurde preußische
Provinz. Polen verlangte schon nach dem Ersten Weltkrieg
brandenburgisches Gebiet. 1945 fiel fast ein Drittel des
Brandenburger Landes (über 11 000 Quadratkilometer)
durch alliiertes Diktat dem polnischen Imperialismus zum
Opfer. Über eine Viertelmillion Brandenburger kamen
beim Vertreibungsholocaust um. Der diesseits der Oder
gelegene Teil ist seit der Wiedervereinigung 1990 ein
Land der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche
brandenburgische Städte und Gemeinden sind durch die
Oder-Neiße-Linie geteilt; zum Beispiel
Küstrin, Frankfurt an der Oder, Guben und
Forst.
Brandenburger Tor
Schon im 13.
Jahrhundert stand am westlichen Stadtausgang Berlins ein
Brandenburger Tor. König Friedrich Wilhelm II.
erteilte dem schlesischen Baumeister Carl Gotthard
Langhans den Auftrag, ein neues Brandenburger Tor zu
errichten. Es sollte zugleich ein Ehrenmal für die
siegreichen Feldzüge Friedrichs des Großen
sein. Das Tor wurde von 1788 bis 1791 erbaut. Nach
antikem griechischen Vorbild und in preußischer
Schlichtheit entstand das beeindruckende Bauwerk.
Säulen von dorischer Grundform tragen das wuchtige
Quergeschoß, die Attika. Wache und Zollhaus rahmen
das Tor ein. Oben thront die vom Bildhauer Gottfried
Schadow 1794 geschaffene Siegesgöttin mit dem
Viergespann (Quadriga). Napoleon ließ Viktoria und
Quadriga rauben und brachte sie nach Paris. Nach dem Sieg
über Frankreich, 1814, kamen sie im Triumph nach
Berlin zurück. Schinkel ließ in den Stab der
Siegesgöttin das Eiserne Kreuz als Zeichen des
deutschen Freiheitskampfes einsetzen. 1958 war das im
Ostteil der Stadt gelegene, im Krieg schwer
beschädigte Tor wiederhergestellt. Direkt vor ihm
wurde 1961 die Mauer gebaut und am 9. November 1989
geöffnet.
Weiterführend:
Das
Brandenburger Tor
- Ein Symbol deutscher Geschichte
Eine zweiteilige Abhandlung mit
Bildergallerie
Braunschweiger Dom
Die ehemalige
Kollegiatsstiftskirche Sankt Blasius in Braunschweig,
heute evangelischer Dom, wurde auf Geheiß Heinrichs
des Löwen in den Jahren 1173 bis 1195 (Weihe: 1227)
neu errichtet. Wesentliche Zubauten gab es im 14./15.
Jahrhundert. Es ist eine dreischiffige, gewölbte
Pfeilerbasilika mit drei Apsiden, dreischiffiger Krypta
und Turm. Im Dom liegen Heinrich der Löwe und seine
Gemahlin Mathilde begraben. Ihnen wurde um das Jahr 1250,
zur Zeit des Staufenkaisers Friedrich lI., ein Grabmal
geweiht. Es zeigt das Herrscherpaar als steinerne
Gestalten liegend. Das Grabmal gilt als eine
Höchstleistung spätstaufischer bildender Kunst
und wird in seiner Bedeutung mit den Schöpfungen an
den Domen zu Naumburg und Bamberg verglichen. Die Krypta
des Braunschweiger Domes ist seit dem 17. Jahrhundert die
Fürstengruft der Welfen. Verunstaltungen aus dem 19.
Jahrhundert wurden 1935 beseitigt.
Braunschweiger Löwe
Heinrich der Löwe,
Deutschlands mächtiger Herzog, Gebieter über
Sachsen und Bayern, Gründer von Lübeck und
München, erhob Braunschweig zum Machtzentrum seines
Reiches und ließ dort auf einer Insel in der Oker
seine Burg Dankwarderode errichten. Vor ihr steht seit
1166 das vom Welfenherrscher selbst entworfene
Löwendenkmal auf fünf Meter hohem Sockel. Auf
den Halbsäulen dieses Hoheits- und Gerichtszeichens
ist das altgermanische Sinnbild der Irminsul zu erkennen.
Das Haupt des bronzenen Löwen ist ostwärts
gerichtet. Heinrichs größte Tat war die
Gewinnung Mecklenburgs und Pommerns für das Deutsche
Reich. Das Löwendenkmal ist das älteste
freistehende deutsche Monument.
Breslau
Das Gebiet Breslaus war
einst ein Handelsplatz der germanischen Wandalen. Im 9.
Jahrhundert wurde dort die böhmische Burg Wrotizlav
errichtet; Böhmen war Bestandteil des Deutschen
Reiches. 1241 wurde Breslau, inzwischen eine rein
deutsche Siedlung, von den Mongolen niedergebrannt. Es
folgte der deutsche Wiederaufbau und 1261 die Verleihung
des Magdeburger Stadtrechts. Im ausgehenden Mittelalter
war Breslau, das sich der Hanse angeschlossen hatte, die
viertgrößte Stadt Deutschlands. 1526 kam es an
die Habsburger, im Frieden von Breslau 1742 an
Preußen. Die Stadt war ein Zentrum des Widerstandes
gegen Napoleon (Aufruf "An mein Volk" in Breslau, 1813).
Vom 8. Februar bis 6. Mai 1945 leistete die Festung
Widerstand gegen die vielfach überlegene Rote Armee.
Der Vormarsch der Stalintruppen konnte damit
verzögert werden, was Hunderttausenden Ostdeutschen
das Leben rettete. Es folgte die Ausrottung des
größten Teils der in Breslau verbliebenen
Deutschen. Im Zeichen polnischer Mißwirtschaft ist
die Stadt von ökonomischer und ökologischer
Katastrophe bedroht.
Brest - Litowsk
Der Name steht für
den ersten Frieden im Völkerringen 1914-1918 und
für den anständigsten aller großen
Friedensschlüsse des 20. Jahrhunderts. Er kam am 3.
März 1918 im weißrussischen Brest-Litowsk
zwischen den Deutschen mit ihren Verbündeten und
Sowjetrußland zustande. Durch Brest-Litowsk konnten
sich die Finnen, Esten, Letten, Litauer, Polen, Ukrainer,
Georgier von Moskaus Herrschaft befreien. Für die
Deutschen gab es keinen territorialen Zugewinn. Die
Westmächte annullierten den Vertrag von
Brest-Litowsk und lieferten die Völker an Moskau
aus, so daß die betroffenen Nationen erst Ende der
80er Jahre wieder erringen konnten, was ihnen der
deutschgeprägte Frieden 1918 gewährt hatte.
Wären die von den Westalliierten nach 1918
diktierten Verträge ähnlich gerecht gewesen wie
Brest-Litowsk, wäre der Menschheit mit großer
Wahrscheinlichkeit das Elend des Zweiten Weltkrieges
erspart geblieben.
Bretzenheim
Mit dem Untergang der
NS-Diktatur war die KZ-Barbarei in Deutschland nicht
beendet. Die Sieger übernahmen NS-KZ und errichteten
zahlreiche neue. Vermutlich kamen über 100 000
Menschen allein in den KZ der Westmächte auf
deutschem Boden um. Der kanadische Zeitgeschichtsforscher
Bacque nennt sogar eine Zahl von 800 000 Opfern. Eines
der neuen KZ wurde im April 1945 von der US-Armee bei
Bretzenheim nahe Bad Kreuznach errichtet. Auf 155 Hektar
wurden dort Hunderttausende deutsche Kriegsgefangene
unter freiem Himmel zusammengepfercht. Ohne ausreichende
Nahrung, ärztliche Versorgung und sanitäre
Anlagen waren sie der Willkür sadistischer Bewacher
ausgesetzt. In einem Frauencamp mußten über 11
000 weibliche KZ-Insassen, hauptsächlich Stabs- und
Flakhelferinnen sowie Rotkreuz-Schwestern, leiden. Das
"Feld des Jammers" wurde im Juli 1945 von Frankreich
übernommen. Erst später besserten sich die
Zustände. 1949 wurde das Lager aufgelöst. 1798
namentlich bekannte KZ-Opfer wurden auf dem Friedhof im
Lohrer Wald bestattet. Seit 1966 erinnert ein Mahnmal am
Rande des ehemaligen Lagers an der B 48 an das
Unrecht.
Brillanten
Kurzform für:
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Eichenlaub mit
Schwerten und Brillanten. Es war vom 28. September 1940,
dem Tag der Stiftung, bis zum 29. Dezember 1944, als das
einem einzigen Soldaten, Rudel, verliehene Goldene
Eichenlaub geschaffen wurde, die höchste
Tapferkeitsauszeichnung des Großdeutschen Reiches.
Die Brillanten wurden an 27 Soldaten verliehen: Hermann
Balck, Albrecht Brandi, Joseph (Sepp) Dietrich, Adolf
Galland, Herbert Gille, Gordon Mac Gollob, Hermann Graf,
Erich Hartmann, Hans Hube, Albert Keßelring, Helmut
Lent, Wolfgang Lüth, Hasso von Manteuffel, Hans
Joachim Marseille, Karl Mauss, Walter Model, Werner
Mölders, Walter Nowottny, Bernhard Ramcke, Erwin
Rommel, Hans Ulrich Rudel, Dietrich von Saucken, Heinz
Wolfgang Schnauffer, Ferdinand Schörner, Adalbert
Schulz, Hyazinth Graf Strachwitz, Theodor
Tolsdorff.
Bromberger Blutsonntag
Der erste Massenmord
des Zweiten Weltkrieges wurde am 3. September 1939 im
westpreußischen Bromberg von Polen an dortigen
Deutschen verübt. Mindestens 1100 Tote waren zu
beklagen. Es handelte sich um den Höhepunkt der
bereits Monate vor Ausbruch des Krieges wütenden
antideutschen Pogrome im polnischen Machtbereich.
Vertreter der internationalen Presse wurden von
Deutschland eingeladen, das Massaker vor Ort zu
recherchieren. Auch sie hegten an der polnischen Schuld
keinen Zweifel. Bromberg war Anfang dieses Jahrhunderts
zu drei Vierteln deutsch. 1919 kam die Stadt durch das
Versailler Diktat in den polnischen Machtbereich. Polen
betrieb brutale Verdrängung des Deutschtums. Der
deutsche Anteil der Bromberger Bevölkerung sank auf
27 Prozent in den 20er und auf 16 Prozent in den 30er
Jahren. 1945 wurde das dortige Deutschtum durch den
Vertreibungsholocaust völlig aufgerieben.
Buchenlanddeutsche
Das Buchenland, auch
Bukowina genannt, liegt nordöstlich von
Siebenbürgen am Karpatenhang. 1775 kam das Gebiet
von den Osmanen an die Österreicher. Deutsche
Siedler strömten ins kriegsentvölkerte Land.
Sie ließen es wirtschaftlich und kulturell
erblühen. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten dort
170 000 Deutsche. 1919 kam das Land an Rumänien,
1940 erlangte Stalin den Nordteil mit der Hauptstadt
Czernowitz. Nach Vereinbarungen des Deutschen Reiches mit
Rumänien und Rußland siedelten im Herbst 1940
annähernd 100 000 Buchenlanddeutsche ins Reich um.
Sie wurden vorwiegend ins Warthegau gebracht und vier
Jahre später von dort vertrieben. In der Bukowina
verbliebene Deutsche flüchteten 1944 vor den
Sowjets. Die Buchenlanddeutschen in der Bundesrepublik,
der DDR und Österreich beteiligten sich mit
großem Fleiß am Wiederaufbau.
Buhurt, Tjost und Turnei
Die mittelalterlichen
Ritterkämpfe waren mehr als ein halbes Jahrtausend,
vom 10. bis ins 16. Jahrhundert, Höhepunkte des
gesellschaftlichen Lebens im Heiligen Römischen
Reich Deutscher Nation. Kampfarten waren der Buhurt, bei
dem die Reiter panzerlos mit Speer und Schild geradlinig
gegeneinander sprengten; die Tjost, der Einzelkampf
zweier Ritter, bei dem der gepanzerte Gegner beim
Aufeinanderprallen in schärfstem Galopp aus dem
Sattel zu heben war und an den sich meist der
Schwertkampf anschloß; das Turnei, glänzender
Schluß der Festlichkeit, eine Schlacht im Kleinen,
die mit Lanzen, bisweilen auch mit stumpfen Schwertern
zwischen zwei Ritterscharen ausgefochten wurde. Der
Sieger errang Ruhm und den Ehrenpreis aus der Hand der
edlen minniglichen Frau.
Bundesrat
Name der Vertretung der
deutschen Länder im Norddeutschen Bund 1867 bis
1871, im Deutschen Reich 1871 bis 1918 und in der
Bundesrepublik Deutschland seit 1949. Hintergrund ist das
Bestreben, der landsmannschaftlichen Vielfalt
Deutschlands politisch Ausdruck zu verleihen und zugleich
Separatismus zu zähmen. Die Zahl der Stimmen
richtete sich stets nach der Größe der
vertretenen Bundesländer. Im Reich bis 1918 war die
Stellung des Bundesrates stark. Er wurde aber im Zaum
gehalten durch den der Gesamtheit verpflichteten und in
direkter Beziehung zum Kaiser stehenden Reichskanzler,
der Bundesratspräsident war. In der Weimarer
Republik gab es den Reichsrat mit wenig Kompetenz. Die
Rechte des Bundesrates sind in Artikel 50ff. des
Grundgesetzes geregelt. Gesetze bedürfen meist
seiner Zustimmung. In Österreich ist der Bundesrat
die zweite Kammer des Parlaments, setzt sich aus
Ländervertretern zusammen und hat geringen
politischen Einfluß. In der Schweiz ist der
Bundesrat die eidgenössische Regierung.
Bundesrepublik Deutschland
Staat mit 82 Millionen
Einwohnern, davon 74 Millionen Deutsche, auf einer
Fläche von 360 000 Quadratkilometern. Er organisiert
75 Prozent der Deutschen in Mitteleuropa und umfaßt
zwei Drittel der Fläche des Bismarckreiches. Die
Bundesrepublik wird im Grundgesetz definiert als
deutscher Staat, als Rechtsstaat, als Sozialstaat und als
Bundesstaat (derzeit 16 Bundesländer). Oberste
Organe sind: Bundestag als Volksvertretung und Bundesrat
als Vertretung der Länder. Über die Einhaltung
der Verfassung wacht das Bundesverfassungsgericht in
Karlsruhe. Der Bundeskanzler leitet die Politik, der
Bundespräsident ist oberster Repräsentant.
Schwarz-Rot-Gold sind die Nationalfarben, das
Deutschlandlied ist die Nationalhymne. Die Bundesrepublik
entstand 1949 aus den drei westlichen Besatzungszonen. In
friedlichen Wiedervereinigungen kamen während der
50er Jahre hinzu: Helgoland, Kehl, das Saargebiet,
Grenzzonen zu Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Am
3. Oktober 1990 schlossen sich die fünf Länder,
die bis dahin die DDR gebildet hatten, und Ost-Berlin an.
Überfremdung bei niedrigster Geburtenrate der Welt,
aus den USA eingeschleppte Dekadenz und Verlust der
Selbstbestimmung durch die EG erscheinen als
größte Herausforderung in den 90er
Jahren.
Bundestag
So wurde schon die
Bundesversammlung 1815 bis 1866 genannt. Der Deutsche
Bundestag (amtliche Bezeichnung) ist gemäß
Grundgesetz das aus allgemeiner, gleicher und freier Wahl
hervorgehende oberste Organ der Bundesrepublik
Deutschland, dessen Abgeordnete nur ihrem Gewissen
verpflichtet sein sollen. Der Volksvertretung steht der
Bundestagspräsident vor. Abgeordnete derselben
Parteien schließen sich in Fraktionen zusammen. Im
Ältestenrat und in Ausschüssen werden die
wichtigsten Fragen vorberaten. Dem ersten Bundestag
gehörten ab 1949 noch zwölf Parteien an,
darunter Vertreter der nationalen Rechten, ohne daß
darunter die Stabilität der Republik gelitten
hätte; vielmehr wurde parlamentarische
Kärrnerarbeit wie nie mehr danach geleistet.
Wahlrechtsverschärfungen (z. B. 1953:
Einführung der 5 %-Sperrklausel) brachten eine
langjährige Dreierherrschaft von CDU/CSU, SPD und
FDP. Millionen Andersdenkende wurden ausgesperrt, die
politischen Strukturen verkrusteten. Heute ist der
Parlamentarismus vor allem bedroht durch
Einflußnahme finanzstarker Interessengruppen
(Lobbys) und durch Kastenbildung bei
Etablierten.
Bundesverfassungsgericht
Das oberste Organ der
Bundesrepublik Deutschland für die
Verfassungsgerichtsbarkeit hat seinen Sitz in Karlsruhe.
Es besteht aus zwei Senaten mit 12 Richtern, die je zur
Hälfte vom Bundestag und Bundesrat gewählt und
dann vom Bundespräsidenten ernannt werden. Der
Präsident des Gerichts wird abwechselnd vom
Bundestag und Bundesrat gewählt. Das
Bundesverfassungsgericht hat in mehreren hundert
Beschlüssen und Urteilen verfassungswidrige Gesetze
und Maßnahmen der etablierten Parteien verworfen.
So setzte es zum Beispiel der auf Verewigung der
deutschen Teilung angelegten sogenannten neuen Ostpolitik
der 70er Jahre die Pflicht zur Wiedervereinigung
entgegen, verhinderte 1975 die ungeborene Kinder
entrechtende Fristenlösung und brachte 1990 das
kommunale Ausländerwahlrecht zu Fall.
Bundesversammlung
Das auch Bundestag
genannte Organ des Deutschen Bundes von 1815 bis 1866;
ein in Frankfurt am Main tagender Gesandtenkongreß
41 deutscher Staaten. Jedes Bundesland hatte mindestens
eine Stimme, die größeren Länder
entsandten vier Vertreter. Die Kompetenz der
Bundesversammlung war gering. Beschlüsse bedurften
der Zweidrittelmehrheit, die wichtigsten Angelegenheiten
Einstimmigkeit. Den Vorsitz führte Österreich.
Fremde Mächte bestimmten mit: Der britische
König als Monarch von Hannover, der dänische
König als Herzog von Lauenburg und Holstein und der
König der Niederlande als Großherzog von
Luxemburg. Als Teil des gegen die nationalstaatliche
Ordnung gerichteten Metternich-Systems stand die
Bundesversammlung unter heftiger Kritik der
Nationalgesinnten (Studentenspottlied: "Dem Deutschen
Bundestag werft faule Eier nach!"). In der Bundesrepublik
ist die Bundesversammlung das zu gleichen Teilen aus
Mitgliedern des Bundestages und Ländervertretern
bestehende Gremium zur Wahl des Bundespräsidenten,
in der Schweiz das Parlament aus Nationalrat und
Ständerat.
Bundeswehr
Die Streitmacht der
Bundesrepublik Deutschland, ab 1956 als Wehrpflichtarmee
in einer Stärke von etwa einer halben Million Mann
aufgestellt. Die Befehlsgewalt hat nach Artikel 65a
Grundgesetz der Verteidigungsminister, im Kriegsfall der
Bundeskanzler. Die Bundeswehr wurde von Offizieren der
Deutschen Wehrmacht aufgebaut. Sie hatte entscheidenden
Anteil daran, daß der Sowjetimperialismus in Schach
gehalten werden konnte und bewährte sich in
Katastropheneinsätzen. Wie keine andere Streitmacht
der Welt ist sie nationaler Souveränität
entzogen und völlig der Nato eingegliedert. Seit
Ende der 60er Jahre (Notstandsgesetzgebung) kann sie auch
zur Niederschlagung innerer Unruhen eingesetzt werden.
Bonner Politik ist darauf bedacht, die Bundeswehr von der
Tradition deutschen Soldatentums abzusondern. Die
Traditionserlasse des Verteidigungsministers wurden immer
radikaler bis hin zur scharfen Abgrenzung von der
Wehrmacht. Eine weitere Gefahr besteht im Plan, die
Bundeswehr - trotz Verbots durch das Grundgesetz - auch
in fernen Kriegsregionen einzusetzen.
Bundschuh
Es ist das
Lederstück, das mit Riemen um den Knöchel
befestigt war und als Schuh von den Germanen, dann von
den deutschen Bauern bis ins 16. Jahrhundert getragen
wurde. Seit dem 13. Jahrhundert nahm der Bundschuh den
Charakter eines volkstümlichen Symbols an: als
Sinnbild des gemeinen Volkes gegen die Obrigkeit, des
armen Mannes gegen Wucherer und Ausbeuter, der
bodenständigen deutschen Art gegen höfische
Ausländerei, im Volke wurzelnden Glaubens gegen
pfäffisches Kastentum. Schon im 15. Jahrhundert gab
es in Deutschland Erhebungen unter dem Feldzeichen des
Bundschuh. Im Bauernkrieg 1525 zogen die
Aufständischen unter der Bundschuh-Fahne in den
Kampf. Die Gegend der Kärntner Nockberge heißt
deshalb noch heute Bundschuh-Gebiet.
Buren
Niederländisches
Wort für Bauern und Name des afrikaanssprachigen
weißen Volkes im südlichen Afrika, das aus
Nachfahren holländischer Einwanderer bei starker
deutscher und schwächerer hugenottischer Beimischung
entstanden ist. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts am Kap
ansässig, wichen die Buren im Großen Treck
1835 bis 1838 vor britischem Imperialismus ins Hinterland
aus. Sie gründeten die Freistaaten Natal, Oranje und
Transvaal, die dem Interesse Londons, die reichen
Bodenschätze auszubeuten und ein Kolonialgebiet von
Kairo bis zum Kap zu schaffen, im Wege standen. Die Buren
wurden von Großbritannien 1899 bis 1902 brutal
niedergeworfen (Burenkrieg). London verfuhr nach dem
Prinzip "verbrannte Erde" und errichtete die ersten KZ
des 20. Jahrhunderts, in denen Zehntausende burische
Frauen und Kinder sowie deren mitverschleppte schwarze
Bedienstete vernichtet wurden. Die Buren waren in beiden
Weltkriegen überwiegend prodeutsch. Ihr Versuch, mit
der Politik getrennter Entwicklung (Apartheid)
Identität und Vorherrschaft im multikulturellen
Südafrika zu sichern, scheiterte an
gegenläufigen Interessen internationaler Konzerne
und der Weltmächte.
Burg
Im allgemeinen wird
unter Burg der verteidigungsfähige Wohnsitz des
Adels verstanden, der im Gefahrenfalle auch dem gemeinen
Volk Schutz bot. Es gab im Mittelalter 12 000 deutsche
Burgen. Von ihnen zeugen mehr als 4000 Ruinen. Wenige
Burgen blieben von Zerstörung verschont. Manche
wurden im 19. Jahrhundert in idealer Gestalt errichtet.
Im berge- und hügelreichen Mittel- und
Süddeutschland wurden meist Höhenburgen erbaut,
in den Ebenen und Marschen Norddeutschlands Wasserburgen.
Den Kern jeder Burg bildete der massive Wartturm oder
Bergfried. Zu höchster Entfaltung kam das
mittelalterliche Leben Deutschlands in den Hofburgen oder
Palästen (Pfalzen) der Könige und bedeutender
weltlicher und geistlicher Herren. Als Beispiel ist die
Thüringer Wartburg zu erwähnen. Von
großer Bedeutung waren Burgen wie der Trifels oder
der Karlstein als Vesten für die Reichskleinodien.
Die Ordensburgen im Osten, darunter die Marienburg, die
größte Burganlage der Welt, zählen zu den
großartigsten deutschen Bauwerken.
Burgenland
Im 8. Jahrhundert
setzte die deutsche Besiedlung des Landes ein. Die
bairischen Heinzen (Heanzen) nahmen das Gebiet bis zum
Neusiedler See in Besitz. In den Türkenkriegen
trotzten die Burgen des Landes dem Feind. Ab Mitte des
19. Jahrhunderts waren die Deutschen einer heftigen
Madjarisierung ausgesetzt. Den Widerstand leitete der
Dichter Josef Reichl. Obwohl die Bevölkerung zu 85
Prozent deutsch war (der Rest: Kroaten, Ungarn,
Zigeuner), fiel das nach den Bezirkshauptorten
Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg "Burgenland"
genannte Gebiet 1867 beim sogenannten Ausgleich an die
ungarische Hälfte des Habsburgerreiches. Im Vertrag
von Saint-Germain bekam Österreich 1919 das
Burgenland mit der Hauptstadt Ödenburg zugesprochen.
Ungarische Freischärler jedoch rissen Ödenburg
an sich, das mit acht benachbarten Gemeinden nach einer
manipulierten Abstimmung (Dezember 1921) bei Ungarn
verblieb. Die anderen rund 4000 Quadratkilometer des
Burgenlandes bilden seit 1922 ein Bundesland
Österreichs, das 1938 Bestandteil des
Großdeutschen Reiches wurde und von 1945 bis 1955
russisch besetzt war.
Burgund
Die germanischen
Burgunder gaben dem Land, das heute den Südosten des
französischen Staatsgebietes und die westliche
Schweiz bildet, den Namen. Sie waren mit ihrem König
Gundahar (Gunther) 436 von hunnischen Söldnern, die
im Dienste des Römers Aetius standen, geschlagen
worden (historischer Hintergrund des Nibelungenliedes).
Ihre Reste siedelten sich im Rhonegebiet an. Im 10.
Jahrhundert war dort ein großes burgundisches
Königreich entstanden mit romanischer Sprache und
von germanischer Art. Seine Herrscher leisteten den
deutschen Majestäten den Lehnseid. 1032 nahm Kaiser
Konrad das Königreich Burgund für das Deutsche
Reich in Besitz. Fortan trugen die deutschen Kaiser
für ein Drittel Jahrtausend die burgundische Krone;
als letzter Karl IV., gekrönt 1365. Dem durch
inneren Zwist und Übergriffen von außen
geschwächten spätmittelalterlichen Deutschen
Reich entglitt Burgund Stück um Stück.
Frankreich unterwarf Lyon, die Dauphiné, die
Provence, Avignon und Arles, das zeitweilig freie
Reichsstadt war. Aus dem restlichen burgundischen Gebiet
entstanden die Schweizer Eidgenossenschaft, Savoyen und
Mömpelgard.
Burschenschaften
Weltanschauliche
Bewegung deutscher Studenten, die von Frontkämpfern
der Befreiungskriege ins Leben gerufen wurde und sich an
den von Arndt, Jahn und Uhland vermittelten
vaterländischen Idealen ausrichtete. Die erste
Burschenschaft entstand am 12. Juni 1815 in Jena. Vom 16.
bis 18. Oktober 1818 wurde auf dem 2. Burschentag in Jena
die Allgemeine Deutsche Burschenschaft gegründet;
mit dem Bekenntnis "Ehre, Freiheit, Vaterland" und unter
großdeutsch-schwarzrotgoldenem Panier. Der
Bundestag beschloß scharfe Verfolgung der
nationalrevolutionären Burschenschaften, die an die
Stelle der Separatstaaten ein einiges Deutschland setzen
wollten. Als Geheimgesellschaften bestanden sie fort. Die
meisten Abgeordneten der Paulskirche 1848/49 stammten aus
den Reihen der Burschenschaften. Nach der
Reichsgründung 1870 verloren sie ihren
revolutionären Schwung. Sie blieben auch zur
Weimarer Zeit bürgerlich, wurden in der NS-Zeit
gleichgeschaltet, von den alliierten Besatzern 1945
verboten und reorganisierten sich in der Bundesrepublik
und in Österreich mit gesamtdeutscher
Ausrichtung.
Burschenschaftsdenkmal
Auf der
Göpelskuppe, einer Anhöhe bei Eisenach in
Thüringen, wurde 1902 das Burschenschaftsdenkmal zu
Ehren des vaterländischen Einsatzes der
studentischen Verbindungen feierlich eingeweiht. Es ist
eine Schöpfung des Baumeisters Wilhelm Kreis, zu
dessen bekanntesten späteren Werken die
Bismarckhalle bei Stettin zählte. Das
Burschenschaftsdenkmal erhebt sich gegenüber der
Wartburg, auf der sich am 18. Oktober 1817, dem vierten
Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, über
500 nationalrevolutionäre Burschenschafter zum
Wartburgfest versammelt hatten. Über dem Eingang die
Worte: "Den deutschen Jünglingen und Männern,
die nach den glorreichen Befreiungskriegen den Gedanken
der nationalen Einigung faßten und ins Volk trugen,
die in trüben Zeiten der Verdächtigung und der
Verfolgung an ihm festhielten, ihn hegten und für
ihn stritten, die in heißen Völkerkämpfen
ihr teueres Blut für seine Verwirklichung vergossen
und die ihn in großer Zeit durch Willenskraft,
Feldherrnkunst und Staatsweisheit zu schöner That
werden ließen, weiht dieses Denkmal in
unauslöschlicher Dankbarkeit die Deutsche
Burschenschaft." Das Ehrenmal auf der Göpelskuppe
wurde Anfang der 1990er Jahre restauriert.
[Stichwort
Index]