C-D
Casablanca
In der arabischen
Metropole Casablanca, seit 1907 Bestandteil des
französischen Imperiums und seit November 1942 von
alliierten Truppen - gegen den Widerstand von
Vichy-Frankreich - besetzt, fand vom 14. bis zum 25.
Januar 1943 eine Kriegs-Konferenz der Alliierten statt.
US-Präsident Roosevelt und Britanniens Premier
Churchill sowie die Chefs der Generalstäbe, der
Flotten und der Luftstreitkräfte (die für den
Bombenholocaust an der Zivilbevölkerung
zuständig waren) beratschlagten das weitere
Vorgehen. Man verständigte sich auf eine rasche
Landung auf Sizilien, die dann, mit Hilfe der Mafia, auch
geschah. Bei der Casablanca-Konferenz gab Roosevelt die
Losung von der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands
und dessen Verbündeten aus. Damit wurde jeder
Kompromißfrieden kategorisch ausgeschlossen, was
wesentlich zur Brutalisierung und Verlängerung des
Zweiten Weltkrieges beitrug.
Castel del Monte
Das Jagdschloß
des Hohenstaufenkaisers Friedrich II., der "stupor mundi"
(das Staunen der Welt) genannt und dessen Gestalt in der
Kyffhäusersage mystifiziert wurde, steht bei Corato
westlich von Bari in Apulien. Es wurde 1240 bis 1250 auf
einer Anhöhe nach den Vorstellungen des Herrschers
errichtet und besteht aus zwei Stockwerken über
einem achteckigen Grundriß mit acht flankierenden
Türmen. Nur ein Zugang führt ins Innere der
mächtigen Veste, die von der monumentalen
Baugesinnung Friedrichs und von der Macht des alten
Reiches zeugt, zudem wie eine kühne Vorwegnahme der
Renaissance wirkt. Castel del Monte diente als
Gefängnis der Söhne Manfreds, also der Enkel
Friedrichs II., was auch Ausdruck des italienischen
Irrwegs der Staufer war. 1876 kam das Schloß in
italienischen Staatsbesitz. Es wurde
restauriert.
Compiègne
Schloß
Compiègne nordöstlich von Paris war Landsitz
der französischen Herrscher. Im dortigen Wald
ließ Deutschenhasser Marschall Foch, als Chef
französischer Kolonialtruppen der Schrecken der
Dritten Welt, seinen Eisenbahn-Salonwagen aufstellen.
Darin diktierte er unter entwürdigenden
Umständen der deutschen Delegation am 9. November
1918 die alliierten Waffenstillstandsbedingungen.
Deutschland wurde, bei Fortsetzung der Hungerblockade,
wehrlos gemacht und teilweise besetzt. Am selben Ort
unterzeichneten Generaloberst Keitel für Deutschland
und General Huntziger für Frankreich am 22. Juni
1940, nach dem deutschen Sieg, das
Waffenstillstandsabkommen. Den Franzosen wurden alle
militärischen Ehren zuteil. Keitel zollte der
Tapferkeit des französischen Soldaten Respekt. Es
folgte das gemeinsame Gedenken zu Ehren der Gefallenen
beider Seiten. Deutschland verlangte, was zum Sieg
über England, welches gemeinsam mit Frankreich den
Krieg erklärt hatte, notwendig erschien; vor allem
die militärische Besetzung Nord- und
Westfrankreichs. Es beließ Frankreich eine
Viertelmillion Mann unter Waffen und die Kriegsflotte.
Das martialische Denkmal von Compiègne, das
Deutschlands Demütigung des Jahres 1918
verherrlichte, wurde beseitigt.
Dammtor-Ehrenmal
Das Gefallenen-Ehrenmal
am Hamburger Dammtorbahnhof ist zu einem nationalen
Symbol geworden. Kein Soldatendenkmal wurde brutaler
geschändet. Es wurde im Auftrag der Hinterbliebenen
der 2553 Gefallenen des 1. Hanseatischen
Infanterie-Regiment 76 vom Hamburger Bildhauer Richard
Kuöhl geschaffen und 1932 auf Geheiß des
Senates aus Sozialdemokraten und Bürgerlichen
aufgestellt. Ein mächtiger glatter Kubus zeigt
Kolonnen marschierender Soldaten. Über dem
umlaufenden Relief der Kehrreim aus dem 1914 gedichteten,
alles andere als kriegsverherrlichenden
"Soldatenabschied" des Arbeiterpoeten Heinrich Lersch:
"Deutschland muß leben, und wenn wir sterben
müssen." Seit den 70er Jahren ist das Ehrenmal
Aggressionsobjekt antideutschen Hasses. Es war sogar
einem Sprengstoffattentat ausgesetzt. Eine
"Kunstkommission" der Hamburger Kulturbehörde fand,
es sei "kriegsverherrlichend". Der später mit seinem
Denkmal für den perversen Massenmörder Haarmann
in Hannover in Erscheinung getretene Wiener Bildhauer
Hrdlicka schuf ein" Gegendenkmal", das aber unvollendet
blieb, weil er sich mit dem Hamburger Senat über das
horrende Honorar nicht einigen konnte. 1992
übernahmen von Bürgern bezahlte private
Wachleute den Schutz des
Gefallenen-Ehrenmales.
Demontage
Ab 1945 spielte sich
auf deutschem Boden die größte
Ausplünderung in der Weltgeschichte, verübt
durch die Alliierten, ab. Dazu zählte der
gigantischste Kunstraub aller Zeiten, ein
unvergleichlicher Beutezug nach Edelmetallen, der
Diebstahl Hunderttausender Patente der weit
überlegenen deutschen Wissenschaft, das Verschleppen
Hunderter deutscher Genies und die Demontage, der Abbau
von Industrieanlagen, die in die Siegerstaaten gebracht
wurden. Der Domontage-Schaden beläuft sich auf weit
über 200 Milliarden Mark in Kaufkraft der 90er
Jahre. Betroffen waren vor allem Eisen- und
Stahlindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau,
Schiffswerften, Fahrzeugbau, Zuliefererwerke der
Grundstoffindustrie. Die von US-Finanzminister Morgenthau
inspirierte Demontage steigerte das Elend im
zertrümmerten Deutschland. Es erhob sich Widerstand
der deutschen Arbeiterschaft, vor allem im Ruhrgebiet.
Wegen des Kalten Krieges wurde die Demontage 1947/48 in
der Sowjetischen Besatzungszone und 1950 in
Westdeutschland weitgehend eingestellt.
Danzig
Wo einst das
Gotiskandza der Goten lag, entstand im 12. Jahrhundert
eine deutsche Marktsiedlung. Danzig erhielt 1227
Lübisches, 1343 - ein Drittel Jahrhundert nach dem
Erwerb der Stadt durch den Deutschen Orden - Magdeburger
Stadtrecht. Es stieg zu einem der stärksten und
wohlhabendsten Mitglieder der Hanse auf. Deutscher
Machtverfall ließ Danzig 1454 unter polnische
Hoheit geraten. Weitgehende Selbständigkeit und
deutscher Charakter jedoch wurden bewahrt. 1793 kam die
Ostseemetropole an Preußen. Napoleon machte Danzig
zum "Freistaat" unter französischer Fuchtel. 1871
kam die Stadt zum neuen Deutschen Reich und blühte
auf. Obwohl 96 Prozent der Einwohner Deutsche waren,
wurde Danzig 1919 durch Siegerwillkür dem Reich
entrissen und mit umgebenden Gemeinden zur "Freien Stadt"
in polnischer Abhängigkeit erniedrigt. Berlin schlug
wiederholt eine Lösung der Danzigfrage durch
Volksabstimmung bei günstigen Bedingungen für
Polen vor. Warschau lehnte - wie stets - auch 1939
schroff ab. So entzündete sich an dieser Frage der
Zweite Weltkrieg. 1945 fielen die deutschen Danziger dem
Vertreibungsholocaust zum Opfer. Im polnischen
Machtbereich wurde die Stadt Zentrum von Unruhen;
polnische Mißwirtschaft verhinderte einen neuen
Aufstieg. Anfang der 90er Jahre regte sich dort wieder in
Ansätzen deutsches Leben.
DDR
Abkürzung für
Deutsche Demokratische Republik; Eigenbezeichnung des
1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone gebildeten, in
den Ostblock integrierten und bis 1989 einer
kommunistischen Diktatur unterworfenen deutschen
Teilstaates. Er war 107 000 qkm groß und hatte
zuletzt 16,5 Mio. Einwohner. Als Hauptstadt fungierte
Ost-Berlin. Die Deutschen der DDR wurden von der SED und
deren Stasisystem tyrannisiert und waren zum Westen durch
Mauer und Todesstreifen abgeschottet. Dank des
Fleißes ihrer Einwohner hatte die DDR die
zehntstärkste Wirtschaft der Erde. Durch
familienfördernde Maßnahmen konnte in den 80er
Jahren eine um 30 Prozent die westdeutsche
übertreffende Geburtenrate erreicht werden. Von
Überfremdung und westlicher Dekadenz blieben die
DDR-Deutschen weitgehend verschont. Die SED-Machthaber
gaben sich bis in die 60er Jahre gesamtdeutsch
("Deutschland, einig Vaterland"), um dann auf extremen
Separatismus umzuschalten (DDR als "eigene Nation").
Durch die neue sowjetrussische Politik und durch die
mächtige Wiedervereinigungsbewegung mit Zentrum in
Leipzig brach die SED-Herrschaft im Herbst 1989 zusammen.
Am 3. Oktober 1990 kam es zur Wiedervereinigung mit
Westdeutschland.
Deutsch
Das Wort wurzelt im
germanischen Mythos, ist verwandt mit den aus Vorsilben
wie Di- und Ti- bzw. Od- und Ot- gebildeten
Götternamen der Germanen, die unter Theoda: "Stamm,
Volk" verstanden. Anfang des 8. Jahrhunderts ist bei den
germanischen Stämmen Mitteleuropas theudisk als
Eigenbezeichnung in Gebrauch; auch als Abgrenzung zu den
Romanischsprachigen, die man als walhisk (welsch, walsch,
also: fremd) erkannte. In Gelehrtenstuben wurden
Wörter wie theodiscus für das Deutsche
gebraucht, auch teutonicus - in Anlehnung an die
germanischen Teutonen. Im 10. Jahrhundert war diutisk als
Eigenbezeichnung der Germanen im Ostfränkischen
(Deutschen) Reich verbreitet. Formen wie tutisk, tiutsch,
teutsch kamen auf. 919 erwähnen die Salzburger
Annalen das regnum teutonicorum, das Königtum der
Deutschen. Schließlich setzte sich das Wort deutsch
als Volks- und Landesname durch. Es hatte aber stets auch
tieferen Sinn. Im Deutschen Wörterbuch der
Brüder Grimm hieß es: ",deutsch' bezeichnet
das edle und treffliche... ein deutscher mann ist ein
tüchtiger, ein deutsches gemüt ein tiefes,
wahrhaftes!"
Deutsch-Belgien
Im östlichen
Belgien leben über 100 000 Deutsche. Das
Königreich umfaßt seit seiner Gründung
1830 - früher war das Land Bestandteil des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation - auch deutsche
Gebiete. Zunächst waren es Arel und Montzen. Nach
1918 entriß Brüssel dem Deutschen Reich 1036
Quadratkilometer der preußischen Rheinprovinz mit
einer zu 82 Prozent deutschen Bevölkerung: die
Gebiete von Eupen, Malmedy und St. Vith. Eine
Abstimmungsfarce sollte der Annexion den Schein des
Rechts verleihen. 1940 kamen Eupen, Malmedy und St. Vith,
nicht Arel und Montzen, ans Deutsche Reich zurück,
wurden aber 1945 erneut belgiseh. Auch nahm Belgien
zusätzlich deutsche Grenzgebiete in Beschlag, um sie
erst 1956 wieder herauszugeben. Den Deutschen im
belgischen Staatsgebiet werden ausreichende
Volkstumsrechte vorenthalten. Man schlug sie bei der
Regionalisierung Belgiens der französischsprachigen
Wallonie zu.
Deutsche
Mit rund 100 Mio.
Angehörigen auf annähernd 500 000 (bis 1945:
650 000) qkm Siedlungsraum in Mitteleuropa und etlichen
Exklaven ist die deutsche Nation nach den Russen das
zweitgrößte Volk des Abendlandes. 50 Mio.
Nachfahren deutscher Auswanderer leben in aller Welt. Sie
stellen in den USA die größte Gruppe. Eng mit
den Deutschen verwandt sind Niederländer und Flamen.
Deutsch besiedelt sind die Bundesrepublik Deutschland,
Österreich, Luxemburg und Liechtenstein. Die Schweiz
ist zu zwei Dritteln deutsch. Deutsche sind im Süden
Dänemarks (Nordschleswig), im Osten Belgiens
(Eupen-Malmedy, Arel, Montzen), im französischen
Staatsgebiet (Elsaß, Lothringen), im italienisch
besetzten Südtirol ansässig. Starke deutsche
Minderheiten gibt es im polnischen Machtbereich
(Oberschlesien), in Südosteuropa (z. B.
Siebenbürgen), in Rußland und Kasachstan, in
Namibia (dem früheren Südwestafrika). Die
Deutschen betraten vor über 1200 Jahren die
Bühne der Geschichte. Sie sind Germanen mit
keltischen, baltischen, slawischen Elementen. Daß
sie selbst unwirtlichste Gegenden erblühen lassen,
unglaubliche Aufbauleistungen vollbringen,
phänomenale Wirtschaftskraft entwickeln,
läßt die Welt erstaunen. Die Deutschen gaben
der Menschheit Genies in großer Zahl ("Volk der
Dichter und der Denker"). Legendär ist seit alters
her der Kampfesmut deutscher Soldaten. Die gewaltige
Energie dieser Nation wirkte oft furchterregend (Furor
teutonicus). Dreißigjähriger Krieg und die
Niederlage 1945 waren Tiefstpunkte im Leben des deutschen
Volkes. Unter anderem die mittelalterliche
Vormachtstellung im Abendland, die Gründung des
neuen Reiches 1871, die Wiedervereinigung von West- und
Mitteldeutschland 1989/90 setzten dem deutschen Schicksal
Glanzlichter auf.
Deutsche Frage
Im mittelalterlichen
Reich waren alle Deutschen vereint. Seit dessen
Niedergang stellt sich die Deutsche Frage. Es handelte
sich stets um ein doppeltes Problem: Aufteilung des
deutschen Volksraumes in Separatstaaten und Herrschaft
Fremder über deutsches Land. Nachdem in der
Bundesrepublik lange propagiert worden war, die Deutsche
Frage habe sich erledigt, da die Teilung auf ewig
fortbestehen werde, heißt es seit 1990, die
Vereinigung von Bundesrepublik und DDR sei die
endgültige Antwort. Davon jedoch kann schon deshalb
keine Rede sein, weil große Teile Deutschlands
immer noch fremd besetzt und sechs deutsche Provinzen
geteilt sind: Ostpreußen in litauischen, polnischen
und russischen Machtbereich, Pommern, Brandenburg,
Schlesien und Sachsen, deren östliche Teile polnisch
besetzt sind, und Tirol, das durch die Brennergrenze an
der Selbstbestimmung gehindert wird.
Deutsche Mark
Als Bezeichnung
für Rechnungsmünzen, Gold- und Silbergewicht
war die Mark in Deutschland schon im 11. Jahrhundert ein
Begriff. Es gab sie zuerst in Köln. Die Wiener Mark
war weit verbreitet. Zur Zeit des Deutschen Zollvereins
war die Mark als Münzgewicht in Gebrauch. Die
Gesetze von 1871 und 1873 bestimmten die Mark zur
Geldeinheit des Deutschen Reiches. Nach der
Inflationszeit und der Übergangsperiode der
Rentenmark wurde 1924 die Reichsmark (RM)
eingeführt. An ihre Stelle trat nach der
Währungsreform am 20. Juni 1948 die Deutsche Mark
(DM). Auch die Geldeinheit in der DDR hieß bis 1964
Deutsche Mark, dann »Mark der Deutschen
Notenbank», ab 1968 nur noch »Mark". Die DM war
dank des Fleißes der Deutschen eine der
härtesten Währungen der Welt und ein Symbol
deutscher Wirtschaftskraft. Ihre Abschaffung und
Ersetzung durch ein »Europa-Geld" (Euro) bringt die
Stabilität des deutschen Währungswesens, eine
Grundlage der gesamten Volkswirtschaft, in
Gefahr.
Deutsche Mundarten
Man unterscheidet im
geschlossenen deutschen Sprachraum Mitteleuropas drei
Mundartengruppen. Zum Niederdeutschen zählen das
Niederfränkische (Niederländische),
Niedersächsische, Westfälische und
Ostfälische, Schleswigsche und Holsteinische, das
Mecklenburgische, Vor- und Ostpommerische, das
Märkische, das Niederpreußische
(Ostpreußen). Mitteldeutsche Mundarten sind: Das
Ripuarische (Rheinische), Moselfränkische,
Rheinpfälzische, Rheinfränkische, Hessische,
Thüringische, Obersächsische, Berlinische,
Neiderländische, Schlesische und
Hochpreußische (mittleres Ostpreußen). Zum
Oberdeutschen werden folgende Dialekte gerechnet: Das
Oberrheinische, Nordalemannische, Hochalemannische,
Walserdeutsche, Schwäbische, Ostfränkische,
Nordbairische, Mittelbairische, Südbairische.
Mundarten eigener Prägung entstanden in den
deutschen Volkstumsinseln des Ostens. Sonderformen nahm
die deutsche Sprache auch in Übersee an, so das
Pennsylvaniendeutsch in den USA und das Afrikaans in
Südafrika. In den Mundarten kommt die
landsmannschaftliche Vielfalt des deutschen Volkes zum
Ausdruck. Ohne starke Hochsprache besteht die Gefahr der
Absonderung. Dies ist sehr weit gediehen beim
Niederländischen.
Deutscher Bund
Auf dem Wiener
Kongreß 1815 durch die Bundesakte gegründeter
Zusammenschluß 34 (später: 37) souveräner
deutscher Staaten und vier deutscher Freier Städte
auf dem Gebiet des 1806 aufgelösten alten Reiches.
1848 wurden auch die preußischen Provinzen Ost- und
Westpreußen sowie Posen aufgenommen. Der Deutsche
Bund hatte rund 30 Millionen Einwohner. Organ war die
Bundesversammlung (Bundestag) in Frankfurt am Main, deren
Vorsitz Österreich führte. England,
Dänemark, die Niederlande bestimmten durch ihre
deutschen Besitzungen mit. Der Deutsche Bund
verfügte über ein Bundesheer, das in den
Deutsch-Dänischen Kriegen mobilisiert wurde, und
über Bundesfestungen. An Rechtsschöpfungen ist
vor allem das Allgemeine Handelsgesetzbuch (HGB) von 1863
zu erwähnen. Der Deutsche Bund brachte nicht den in
den Befreiungskriegen ersehnten Nationalstaat und wurde
von Österreichs Kanzler Metternich gegen nationale
Bewegungen eingesetzt. Doch bezähmte der Bund
Separatismus und schreckte fremde Imperialisten vor
weiterem Raub deutschen Landes ab, so daß
Deutschland ein halbes Jahrhundert von Krieg verschont
blieb. Durch den Deutschen Krieg zwischen Österreich
und Preußen, seinen beiden Hauptrnächten,
brach der Deutsche Bund 1866 auseinander und wurde
aufgelöst.
Deutscher Krieg
Der Dualismus, also das
Ringen der deutschen Großmächte
Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in
Deutschland, entlud sich 1866 im Deutschen Krieg. Auf
Preußens Seite standen neben Sachsen-Coburg und
Lippe nach einigem Zögern weitere norddeutsche
Kleinstaaten; außerdem gab es ein Bündnis mit
Italien. Mit Österreich fochten Sachsen, Bayern,
Württemberg, Baden, Hannover, beide Hessen, Nassau
und nach längerem Schwanken andere süddeutsche
Kleinstaaten; zudem hatte sich Wien bemüht,
Frankreich als Bundesgenossen zu gewinnen. Während
die Österreicher unter Erzherzog Albrecht und
Kontreadmiral Tegetthoff die Italiener besiegten,
mußten sie sich den Preußen unter
Führung des genialen Moltke geschlagen geben. Der
entscheidende preußische Sieg wurde am 3.Juli 1866
bei Königgrätz errungen. Bismarck setzte gegen
heftigen Widerstand im eigenen Lager schleunigen
Waffenstillstand, Verzicht auf Einmarsch in Wien und
maßvolle Friedensbedingungen durch. So hielt er
Napoleon III. aus dem Krieg, schuf die Voraussetzung
für die Wiederannäherung der deutschen
Bruderstaaten, löste den Deutschen Bund auf und
stellte die Weichen für das zweite Deutsche Reich
unter Preußens Führung.
Deutscher Orden
Zur staufischen
Kreuzzugszeit 1198 bei Akkon im Heiligen Land
entstandener Ritterorden mit eigentlichem Namen: Orden
des Hospitals St. Marien vom Deutschen Hause. Die Ritter
mit dem weißen Mantel und schwarzen Kreuz kamen
1211 auf Wunsch König Andreas' II. von Ungarn ins
Burzenland (Siebenbürgen), wo sie Kronstadt
gründeten, und wurden 1226 von Konrad von Masowien
ins später so genannte Ostpreußen gegen die
heidnischen Pruzzen zur Hilfe gerufen. Nach dem Sieg
erhielten sie zum Dank das Kulmer Land. Kaiser Friedrich
II. gab ihnen mit der Goldenen Bulle von Rimini den
Freibrief für die Eigenstaatlichkeit. Ende des 14.
Jahrhunderts beherrschte der Orden den südlichen und
östlichen Ostseeraum. Seine bedeutendsten
Städte waren Danzig, Thorn, Elbing und
Königsberg. Der Ordensführer (Hochmeister)
verlegte seinen Sitz 1306 auf die Marienburg, 1466 nach
Königsberg. Er war reichszugehörig. Der Orden
geriet in den Strudel des deutschen Machtverfalls,
mußte sich 1466 im 2. Thorner Frieden Polen beugen
und war fortan nur noch ein Schatten seiner selbst. Er
nahm 1530 Sitz in Mergentheim, 1834 in Wien. Aus dem
Ordensland war 1525 durch Albrecht von Brandenburg, den
letzten Hochmeister, ein Herzogtum geworden. Die
überragende Leistung des Ordens bestand in Sicherung
und Erweiterung der deutschen Ostsiedlung sowie darin,
daß er ein Vierteljahrtausend als Schild des
Reiches im Osten wirkte.
Deutsches Eck
1888 beschloß der
Rheinische Landtag, zu Ehren des verstorbenen Kaisers
Wilhelm I. und der Gründung des neuen Deutschen
Reiches ein Nationalmonument zu errichten. Wilhelm II.
bestimmte die "Deutsches Eck" genannte Landzunge bei
Koblenz, am Zusammenfluß von Mosel und Rhein
gegenüber der Festung Ehrenbreitstein, zum Standort.
Von 1895 bis 1897 errichtete Bruno Schmitz, Schöpfer
auch des Kyffhäuser- und des
Völkerschlachtdenkmals, dort das 36 Meter hohe
Ehrenmal mit dem Reiterstandbild Wilhelms I. und dem
weiblichen Siegesgenius, der die Reichskrone trug. Zur
Demütigung der Deutschen, ohne militärischen
Sinn, wurde das Denkmal 1945 von US-Truppen beschossen.
Die Figuren wurden zerstört. Der Sockel des Denkmals
diente ab 1952, mit schwarzrotgoldener Fahne
bestückt, als Mahnmal der deutschen Einheit. Bei
einer Umfrage sprachen sich 94 Prozent der Koblenzer
für die 1992 schließlich beschlossene
Wiedererrichtung des Reiterstandbildes Wilhelms I. aus.
Private Geldsammlungen hatten die dafür
erforderlichen Mittel erbracht.
Deutsches Kreuz
Am 28. September 1941
vom Staatschef des Großdeutschen Reiches
gestifteter Orden, der im Gegensatz zu anderen
Kriegsauszeichnungen nur an Deutsche verliehen wurde. Das
Deutsche Kreuz in Gold, 17 000 mal verliehen,
würdigte "vielfach bewiesene
außergewöhnliche Tapferkeit". Die Träger
mußten zuvor das Eiserne Kreuz Erster Klasse
erworben haben. " Für
vielfache außergewöhnliche Verdienste in der
militärischen Kriegführung" gab es das Deutsche
Kreuz in Silber, für das EK I oder
Kriegsverdienstkreuz Erster Klasse Voraussetzung waren.
Das Deutsche Kreuz hatte die Gestalt eines achtstrahligen
Sternes mit goldenem oder silbernem Lorbeerkranz und
einem runden Schild mit Hakenkreuz. Gemäß
bundesdeutschem Ordensgesetz darf das Deutsche Kreuz
nicht mit dem Hakenkreuz getragen werden; die Swastika
ist durch ein verkleinertes EK oder KVK zu
ersetzen.
Deutsches Museum
Das 1871
neugegründete Deutsche Reich eroberte rasch einen
internationalen Spitzenrang in Wirtschaft, Wissenschaft
und Technik. Auf Betreiben eines Pioniers der Technik,
Oskar von Miller (1855-1934), wurde auf der Münchner
Isar-Insel 1906 im Beisein des Kaisers der Grundstein zum
Deutschen Museum, einem der größten
Ausstellungshäuser der Welt, gelegt. Der Bau auf der
Museumsinsel wurde 1925 eingeweiht. Zu Millers
bahnbrechenden Leistungen zählten u. a. die
Starkstrom-Fernübertragung von Lauffen nach
Frankfurt und die Etschwerke in Südtirol. 1932 wurde
die Bibliothek des Museums, 1935 der Kongreßsaal
und 1937 die Kraftfahrhalle eröffnet. Bombenangriffe
zerstörten im Zweiten Weltkrieg 80 Prozent der
Bausubstanz und etwa 20 Prozent der Objekte; die
wichtigsten waren ausgelagert worden. Der Wiederaufbau
dauerte bis in die 60er Jahre. Angeschlossen sind das
Forschungsinstitut für Technik und
Wissenschaftsgeschichte sowie das Kerschensteiner Kolleg
für Lehrer und Ausbilder. Jährlich strömen
über eine Million Besucher am imposanten
Bismarck-Denkmal an der Isarbrücke vorbei ins
Deutsche Museum.
Deutsche Sprache
Die Sprachgemeinschaft
der Germanen Mitteleuropas bildete sich vor 1300 Jahren.
Der um 765 in Freising entstandene Abrogans, eine
Wortliste, gilt als ältestes deutsches
Schriftdenkmal. 788 wurde im Ingelheimer Palast Karls des
Großen die theodisca lingua, die deutsche Sprache,
wohl erstmals schriftlich beim Namen genannt. Der Mainzer
Reichslandfriede war 1235 das erste auch in deutscher
Sprache verkündete Gesetz. Dem Althochdeutschen
(750-1100) folgte das Mittelhochdeutsche (1100-1500) und
das Neuhochdeutsche (ab 1500), an dessen Gestaltung
Luther großen Anteil hatte. Als echte Volkssprache
hatte sich das Deutsche anfangs gegen das Latein der
Gelehrten und später gegen Nachäffen des
Fremden (Spanisch, Französisch, neuerdings
amerikanisches Englisch) durch "obere" Schichten zu
behaupten. Deutsche Dichter setzten herrlichste
Sprachdenkmale. Die Kraft des Deutschen bändigte
Separatismus, doch gab es die Verselbständigung des
Niederländischen. In Unterdrückungszeiten
bewahrte die deutsche Sprache das Volkstum; z. B. in den
Katakombenschulen Südtirols während des
Faschismus. Deutsch ist heute die Muttersprache von rund
100 Millionen Menschen. Nach Beseitigung des Eisernen
Vorhangs gewinnt es allmählich wieder seine alte
Bedeutung als Brücke zum Osten. Bedroht ist die
deutsche Sprache durch eine Flut von Amerikanismen.
Gossen- und Ekelsprache werden verbreitet.
Stummelsätze und Stammelwörter in Massenmedien
führen zu einem fürchterlichen
"Tarzandeutsch".
Deutsches Reich
Amtliche Bezeichnung
des am 18. Januar 1871 gegründeten deutschen Staates
mit ursprünglich 541 000 qkm Fläche (470 000
qkm zur Weimarer Zeit; 650 000 qkm als
Großdeutsches Reich Hitlers). 1871 betrug die
Einwohnerzahl 41 Millionen, 1910 waren es 64 Millionen
und 1938 69 Millionen. Zunächst war das Reich eine
konstitutionell-demokratische Monarchie, ab 1918 eine
parlamentarische Demokratie (ab 1930: autoritär) mit
starkem Präsidenten, ab 1934 ein totalitärer
Führerstaat und 1945, nach Hitlers Tod, ein
autoritäres Präsidialsystem. Im Deutschen Reich
gab es nach 1871 ein kulturelles Erblühen und
zweimal (vor 1914 und vor 1939) ein Wirtschaftswunder,
das weltweit bestaunt, aber auch beneidet wurde.
Gewaltige Militärbündnisse wurden gegen das
Reich geschmiedet, die über 80 Prozent der
Weltrohstoffe verfügten und denen sich die Deutschen
1918 und 1945 ergeben mußten. Als
größter außenpolitischer Fehler der
Reichsführer nach Bismarck erwies sich die Sucht
nach Westbindung, was bei Wilhelm II. und Hitler wie
manisch wirkte - mit abweisender Haltung gegenüber
Rußland. So geriet das Reich in den
Zweifrontenkampf. Am 8. Mai 1945 kapitulierte die
Wehrmacht, nicht das Deutsche Reich, das von Rechts wegen
nicht untergegangen ist, dessen Nachfolge die
Bundesrepublik Deutschland angetreten hat. Deutsches
Reich ist auch die landläufige Bezeichnung für
das erste Reich der Deutschen bis 1806.
Deutsches Tor
Ab 870 gehörte
Metz zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Es wurde
im 13. Jahrhundert Freie Reichsstadt und galt neben
Nürnberg und Augsburg als mächtigster deutscher
Stadtstaat. 1552 wurde Metz von Frankreich
überfallen und annektiert. Das Reich mußte ein
Jahrhundert später (1648) im Westfälischen
Frieden Frankreichs "Recht" auf die Stadt anerkennen.
1871, nach dem deutschen Sieg über Frankreich, wurde
Metz Hauptstadt des deutschen Regierungsbezirkes
Lothringen, kam aber 1918 in den französischen
Machtbereich zurück. Das Deutsche Tor wurde im 13.
Jahrhundert, zur hohen deutschen Zeit der Stadt, erbaut
und im 16./17. Jahrhundert durch Verteidigungswälle
und Forts verstärkt. 1888 wurde es als deutsches
Nationalsymbol und Wahrzeichen Lothringens unter
Denkmalschutz gestellt. Das im Zweiten Weltkrieg schwer
beschädigte Tor wurde nach 1945
wiederhergestellt.
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71
Napoleon III. wollte,
wie alle französischen Herrscher, deutsche Macht
verhindern und zerstören. Aus Anlaß der
spanischen Thronfolge (Kandidatur eines Hohenzollern)
entluden sich die Spannungen mit Preußen zum Krieg,
der am 19. Juli 1870 von Frankreich erklärt wurde.
Auch die süddeutschen Staaten kämpften auf
Preußens Seite, womit Napoleon nicht gerechnet
hatte. Österreich, nach dem Deutschen Krieg von
Bismarck gut behandelt, hielt still. Unter Moltkes
Führung bezwangen die deutschen Truppen am 1./2.
September 1870 das französische Hauptheer bei Sedan.
Napoleon III. geriet in deutsche Gefangenschaft. Die neue
republikanische Führung Frankreichs lehnte das
deutsche Friedensangebot ab. Am 18. Januar 1871 wurde in
Versailles, dem deutschen Hauptquartier, der Deutsche
Kaiser proklamiert. Zehn Tage später fiel Paris nach
langer tapferer Verteidigung. Die deutschen Verluste im
Krieg betrugen rund 50 000, die französischen 140
000 Tote. Im Frieden zu Frankfurt am Main (10. Mai 1871)
mußte Paris Elsaß-Lothringen an Deutschland
abtreten, was ungefähr einem Viertel des seit dem
Mittelalter dem Deutschen Reich geraubten Gebietes
entsprach. Außerdem wurde Paris zur Zahlung von 5
Milliarden Francs verpflichtet.
Deutschland
Einen Staat namens
Deutschland gab es noch nicht. Begriffserweiternd wird
der Name benutzt für das Heilige Römische Reich
Deutscher Nation, den Deutschen Bund und das
Großdeutsche Reich mit größeren
nichtdeutschen Minderheiten. Begriffsverengend ist die
Verwendung des Wortes für Staaten, die nur einen
Teil des deutschen Volkes vereinten oder vereinen: das
1871 gegründete Deutsche Reich und die
Bundesrepublik ab 1949 (bzw. ab 1990). Im eigentlichen
Sinne des Wortes bedeutet Deutschland: Siedlungsraum der
Deutschen in Mitteleuropa, die Vertreibungsgebiete
inbegriffen. Diese nicht staats-, sondern volksbezogene
Begriffsbestimmung liegt den Worten des Liedes der
Deutschen von Hoffmann von Fallersleben zugrunde:
"Deutschland, Deutschland über alles... von der Maas
bis an die Memel, von der Etsch bis an den
Belt."
Deutschland, Deutschland über alles
Schon im
Deutschlandlied Walthers von der Vogelweide "Ich han
lande vil gesehen" hieß es 1203: "tiuschiu zuht gat
vor in allen" (Deutsche Zucht geht über alles). Das
Anfangswort der deutschen Nationalhymne ist ähnlich
in der patriotischen deutschen Literatur des 17.
Jahrhunderts nachweisbar. "So wie einst der Dichter, so
lieben wir heute Deutschland über alles",
interpretierte Reichspräsident Ebert, als er das
Deutschlandlied am 11. August 1922 zur Nationalhymne
erklärte. Auch die Nationalhymnen anderer
Völker enthalten innige Bekenntnisse zum Vaterland:
"Kein Land wird mehr geliebt" (Finnland), "Du bist ein
Paradies auf Erden" (Bulgarien), "Dein Name sei uns
heilig" (Island), "Du bist alles für mich"
(Ägypten). Kriegerisches oder Blutrünstiges wie
in etlichen National- oder Staatshymnen (Frankreich, USA
usw.) gibt es im Deutschlandlied
nicht. Mit den Worten "Von der Maas bis an die Memel, von
der Etsch bis an den Belt" umschrieb der Dichter 1841 den
Siedlungsraum der Deutschen. Der Schöpfer des
Deutschlandliedes, August Heinrich Hoffmann von
Fallersleben, war Aktivist in der
nationalfreiheitlich-demokratischen Bewegung.
Deutschland, einig Vaterland
Im Herbst 1989 war es
das Leitwort der Wiedervereinigungsbewegung in der DDR,
besonders bei den Massendemonstrationen in Leipzig.
Zunächst handelte es sich um eine List: Um den
SED-Führern keinen Anlaß zum Losschlagen zu
geben, wählte man die Parole, die der kommunistische
Dichter und langjährige DDR-Kulturminister Johannes
R. Becher (1891-1958) ausgegeben hatte. Die ersten Zeilen
seines von Hanns Eisler vertonten und am 5. November 1949
vom Ostberliner Ministerrat zum "Nationalgesang der
Deutschen Demokratischen Republik" erklärten
Gedichtes lauteten: "Auferstanden aus Ruinen / und der
Zukunft zugewandt, / laß uns dir zum Guten dienen,
/ Deutschland, einig Vaterland." Als die SED Mitte der
60er Jahre von gesamtdeutschen Beteuerungen auf radikalen
Separatismus umschaltete, wurde die "Becher-Hymne" nur
noch intoniert, nicht mehr gesungen. Erst in der
Umbruchzeit 1989 kam die Gedichtzeile zu
Ehren.
Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung
Titel einer Flugschrift
mit einem flammenden Appell zum deutschen Widerstand
gegen den Imperialisten und Diktator Napoleon. Sie wurde
vom Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm
(geboren 1768 in Schorndorf) verbreitet und kam dem
Korsen zur Kenntnis. Er ordnete Palms Verhaftung und
Verurteilung an. Die Franzosen nahmen den Verleger am 14.
August 1806 fest. Palm deckte alle Gesinnungsfreunde, die
mit der Schrift zu tun hatten. Drei Stunden nach
Verkündung des Todesurteils wurde er am 26. August
1806 zu Braunau am Inn erschossen. Eine Bittschrift der
Braunauer Frauen und Kinder an den örtlichen
französischen kommandierenden General de St. Hilaire
war erfolglos geblieben. Palms Märtyrertod
stärkte die vaterländischen Gefühle der
Deutschen und schürte die Verbitterung über
Napoleon. Sechs Jahrzehnte nach den tödlichen
Schüssen wurde für Palm in Braunau ein Denkmal
errichtet.
Deutschlandlied
Von seinem Dichter
"Lied der Deutschen" genannt. Es ist nicht, wie andere
Nationalhymnen, von oben verordnet worden, sondern hat
sich vom Volke her durchgesetzt. Trotz Verbots war es
schon im Deutschen Bund populär. In der Kaiserzeit-
bei anderer offizieller Hymne - wurde es Nationalgesang,
den auch die Soldaten 1914 bei Langemarck anstimmten. Die
Besatzer verboten es 1918. Am 11. August 1922
erklärte es SPD-Reichspräsident Ebert, dem
Volkswillen gemäß, zur Nationalhymne. Im
Dritten Reich war das Horst-Wessel-Lied gleichrangig.
1945 erfolgte erneut Verbot durch die Besatzer. Der
widerstrebende Bundespräsident Heuss mußte das
Lied im Briefwechsel mit Adenauer in seinem alten Rang
bestätigen; Bulletin der Bundesregierung vom 29.
April 1952: "Das Deutschlandlied ist Nationalhymne." Bei
staatlichen Anlässen soll die dritte Strophe
gesungen werden. Alle drei Strophen sind strafrechtlich
geschützt. Das Deutschlandlied ist frei von
kriegerischen und aggressiven Tönen anderer
Nationalhymnen. Die Melodie schuf der Wiener Klassiker
und Lehrer Beethovens, Joseph Haydn (1732-1809), der sie
1797 als Hymne für den Kaiser des Deutschen Reiches
komponierte. Der Text stammt vom bedeutenden deutschen
Germanisten, Volkslieddichter und Wiedererwecker
flämischer Volkskultur, August Heinrich Hoffmann von
Fallersleben (1798-1874). Er dichtete das Lied der
Deutschen am 26. August 1841 auf Helgoland, wo er sich
mit anderen nationalfreiheitlichen Demokraten getroffen
hatte.
Deutschlandvertrag
Zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und den USA,
Großbritannien und Frankreich am 26. Mai 1952 in
Bonn unterzeichneter, 1955 in Kraft getretener Vertrag,
der das Besatzungsstatut ablöste. Dem westdeutschen
Staat wurde Teilsouveränität gewährt. Die
entscheidenden Rechte über Deutschland als Ganzes,
Berlin, die Truppenstationierung, den künftigen
Friedensvertrag, Notstandsbefugnisse usw. behielten sich
die Westmächte vor. Als gemeinsames Ziel wurde im
Vertrag die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands
genannt. Bestandteil des Abkommens war der
Überleitungsvertrag: Die Bundesrepublik mußte
die Unrechtstaten der Westalliierten auf deutschem Gebiet
straffrei stellen. Der Deutschlandvertrag eröffnete
Bonn die Möglichkeit zu mehr Bewegungsfreiheit im
Rahmen der Westintegration. Er wurde von der Sowjetunion
als feindseliger Akt betrachtet und vertiefte den
innerdeutschen Graben.
Weiterführend:
Noch
immer kein Friedensvertrag für Deutschand, deshalb
keine volle Souveränität
Deutschösterreich
Alte Bezeichnung
für die deutschen Siedlungsgebiete der
Habsburgermonarchie. Am 12. November 1918 proklamierte
die Volksvertretung in Wien (provisorische
Nationalversammlung) die Republik Deutschösterreich
als Teil des gesamtdeutschen Staates. Dieser Schritt
betraf 118 311 qkm und 10,37 Millionen Einwohner des in
Auflösung befindlichen k.u.k. Staates,
einschließlich des nachmaligen Sudetenlandes. Im
Bekenntnis zu Deutschösterreich und zum
Anschluß ans Deutsche Reich waren sich alle
maßgeblichen Politiker der Weimarer und Wiener
Republik einig. Die Westmächte untersagten im Diktat
von Saint-Germain den Namen Deutschösterreich (daher
ab 21. Oktober 1919 offizieller Name: "Republik
Österreich"), trennten Südtirol und das
Sudetenland ab und verboten den Anschluß ans
Deutsche Reich. So wurde ein demokratisches
Großdeutschland sabotiert, das vermutlich die
Verhängnisse der 30er und 40er Jahre verhindert
hätte.
Ding
Im "barbarischen"
Germanien kamen die Freien zur demokratischen Beratung
über wichtige Angelegenheiten beim Ding
(nordgermanisch: Thing) zusammen. Es fand unter freiem
Himmel meist drei Tage lang an altüberliefertem Ort
(Dingstätte) statt und wurde mit einem Gottesdienst
nach germanischer Art eingeleitet. Das Ding wurde stets
bei Tage gehalten (tagadine; daher das Wort "sich
verteidigen"). Es entschied über Krieg und Frieden,
wählte den Führer des Volkes in Kriegszeiten
und sprach, unter dem Vorsitz Rechtsgelehrter, Recht,
wobei der Angeklagte "dingfest" gemacht wurde. Die
Dingfrist, Zeit bis zur nächsten Tagung, betrug z.
B. bei den Franken 40 Nächte, bei den Sachsen sechs
Wochen und drei Tage. Im frühen Mittelalter hatte
sich das Ding zu einem reinen Gerichtstag gewandelt,
lebte jedoch in einigen Gegenden (Friesland, nachmalige
Schweiz) als Volksversammlung fort. Viele deutsche
Ortsnamen mit "ding" erinnern daran, daß sie einst
Stätten germanischer Demokratie und Rechtsprechung
waren. Die Parlamente nordischer Staaten heißen
Allting (Island), Storting (Norwegen), Landsting und
Folketing (Dänemark).
Dobrudschadeutsche
Die Dobrudscha,
Landschaft zwischen Schwarzem Meer und Donau-Unterlauf,
war ab dem 14. Jahrhundert türkisch. 1878 wurde sie
beim Berliner Kongreß Rumänien gegeben.
Später kam sie teilweise an Bulgarien. Ab etwa 1840
wanderten deutsche Siedler ein, die entscheidend
beitrugen, das Steppenland zu entwickeln. Es handelte
sich hauptsächlich um deutsche Bauernfamilien aus
Bessarabien. Die meist evangelischen Dobrudschadeutschen
unterstanden bis 1918 dem Oberkirchenrat in Berlin. 1924
organisierten sie sich in einem eigenen Verband. Am 22.
Oktober 1940 vereinbarten Deutschland und Rumänien
die Umsiedlung von rund 15 000 Dobrudschadeutschen. Sie
kamen überwiegend nach Österreich. Die
Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen
bewahrt das Kulturgut dieser Volksgruppe, die anderthalb
Jahrhunderte Vorposten des Deutschtums im
südöstlichen Europa war.
Dome
Mittelhochdeutsch: tuom
(aus lateinisch: domus, "Haus"). Als Dom, Kathedrale oder
Münster werden Bischofssitze bezeichnet. Die
mittelalterlichen deutschen Dome zeugen von tiefer
Religiosität, von danach unerreichter Baukunst und
von der Herrlichkeit des Reiches der Deutschen als
Vormacht des christlichen Abendlandes. Von den
Sakralbauwerken aus romanischer Kunstepoche hat der
Speyerer Dom als weltgrößte Kathedrale des
Mittelalters und als Nationaldom des deutschen Volkes
eine herausragende Stellung. Im Aachener Münster,
dann im Dom zu Frankfurt am Main wurden die
Majestäten des Deutschen Reiches gekrönt. Wegen
des Reichszerfalls konnten die gotischen Dome meist nicht
mehr fertiggestellt werden. So fiel z. B. die Vollendung
des Kölner Domes und des Ulmer Münsters in die
zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem
Nationalbewußtsein und Deutsches Reich neu erwacht
waren.
Donauschwaben
Sammelname für die
Deutschen, die seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Banat,
in der Batschka, der Schwäbischen Türkei, in
Kroatien, Slawonien, Syrmien, im Bakonyer Wald, im
Schildgebirge und in den Ofener Bergen angesiedelt
wurden. Sie hatten großen Anteil am Aufbau der
durch die Türkenkriege verheerten Länder. Die
Kolonisation fand in drei Wellen unter Karl VI., Maria
Theresia und Josef II. statt. Beteiligt waren vorwiegend
Schwaben, Bayern, Franken und Pfälzer. Ab 1867 waren
die Deutschen in der ungarischen Hälfte der k.u.k.
Monarchie starkem Madjarisierungsdruck ausgesetzt. Nach
1918 wurden die Gebiete der Donauschwaben unter Ungarn,
Rumänien und Jugoslawien geteilt. In Jugoslawien
wurden die Donauschwaben ermordet oder vertrieben. In
Rumänien unterdrückte man sie oder siedelte sie
zwangsweise um; viele kamen später als
Übersiedler nach Deutschland. 50 Prozent der
Ungarndeutschen wurden vertrieben, erhebliche Teile von
ihnen - oft unter Druck - assimiliert. Einer Minderheit
wurden schließlich Volkstumsrechte
gewährt.
Weiterführend:
Völkermord
der Tito-Partisanen
1944-1948
Die
Vernichtung der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien und
die Massaker an Kroaten und Slowenen
Doppeladler
Der doppelköpfige
Aar sollte wohl die weltliche und geistliche Dimension
des Reiches symbolisieren. Schon im hohen Mittelalter war
er als deutsches Zeichen in Gebrauch; Lübeck
führte ihn im 14. Jahrhundert. Unter Kaiser Sigmund
wurde der Doppeladler um 1400 zum Kaiser- und
Reichssymbol. Im Reichswappen wurden ihm später
Reichsinsignien beigegeben, außerdem das Hausschild
des jeweiligen Kaisers. Als Schildhalter dienten zwei
Greifen. Fast ein halbes Jahrtausend symbolisierte der
Doppeladler das Reich der Deutschen. Nach dessen
Auflösung 1806 wurde der doppelköpfige Aar in
Österreich als kaiserliches Sinnbild bis 1918
weitergeführt. In den 30er Jahren kam er im
österreichischen Staatswappen kurzzeitig zu neuen
Ehren. Die Frankfurter Nationalversammlung hatte den
Doppeladler ohne weitere Attribute zum Wappen des
Deutschen Bundes erklärt. Das Deutsche Reich von
1871 entschied sich für den einköpfigen Adler
als Symbol, ebenso verfuhren Weimarer Republik, Drittes
Reich, Bundesrepublik Deutschland und die Republik
Österreich 1919 und 1945.
Dreissigjähriger Krieg
Deutsche Schwäche
führte 1618 zum entsetzlichsten Krieg der
europäischen Geschichte. Deutschland wurde zum
verwüsteten Schlachtfeld fremder Interessen. Es
begann mit einer Empörung in Böhmen, die das
Reich nicht in den Griff bekam. In der Folgezeit traten
fast alle europäischen Mächte auf den Plan, um
sich ihren Anteil der deutschen Beute zu sichern. Als
sich Mitte der 1630er Jahre Kriegsmüdigkeit
ausbreitete und ein für das Deutsche Reich
glimpflicher Friede mit Bewahrung
kaiserlich-habsburgischer Macht möglich erschien,
fachte Frankreich das Feuer erneut an. Es kam zum
blutigsten Abschnitt, dem schwedisch-französischen
Krieg auf deutschem Boden (1636-1648). Zuvor hatte der
bedeutendste deutsche Feldherr des 30jährigen
Krieges, Wallenstein, versucht, auf eigene Faust
Fremdmächte hinauszudrängen und günstigen
Frieden zu erreichen. Er strauchelte wegen politischen
Ungeschicks und Intrigen und wurde ermordet. Mit dem
Westfälischen Frieden 1648 endete das Gemetzel.
Deutschland hatte 12 Millionen Tote, rund zwei Drittel
seiner Bevölkerung, zu beklagen. Das Reich war
politisch und wirtschaftlich ruiniert. Das deutsche Volk
brauchte fast ein Vierteljahrtausend zur Erholung von
diesem Holocaust.
Dresden
Sachsens Hauptstadt
wurde 1206 erstmals urkundlich erwähnt, 1216 mit
Magdeburger Stadtrecht versehen, unter August dem Starken
zur deutschen und europäischen Kulturmetropole
("Elbflorenz") und im 20. Jahrhundert 600 000 Einwohner
stark. Seit den verheerenden Angriffen der britischen RAF
und der US-Air Force vom 13. bis zum 15. Februar 1945
steht Dresdens Name für den Bombenholocaust der
Westmächte. Wer nicht im Höllenfeuer aus
Menschenhand (auf die Stadt fielen 600 000 Brandbomben)
umkam, wurde von alliierten Tieffliegern gezielt
niedergemäht. Die Zertrümmerung Dresdens kurz
vor Kriegsende, "the greatest single holocaust by war"
(so der britische Diplomat und Publizist Harold
Nicolson), hatte nicht den geringsten militärischen
Sinn, war reiner Terror. Das Internationale Rote Kreuz
schrieb in seinem "Report of the Joint Relief 1941-1946",
daß die Vernichtungsschläge der Westalliierten
im Februar 1945 275 000 Menschenleben in Dresden
gefordert hatten.
Dritter Oktober
Am 3. Oktober 1990
konnte die staatliche Wiedervereinigung von
Westdeutschland mit den fünf Ländern, die bis
dahin das Gebiet der DDR gebildet hatten
(Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen,
Sachsen-Anhalt und Sachsen), und Ost-Berlin vollzogen
werden. In Berlin fand ein Staatsakt statt. Der 3.
Oktober wurde - anstelle des 17. Juni - deutscher
Nationalfeiertag. Vorangegangen waren das nationale
Aufbegehren der Völker jenseits des Eisernen
Vorhangs gegen den Sowjetimperialismus, die
Neuausrichtung der Politik Moskaus und die
Massendemonstrationen in Mitteldeutschland ("Deutschland,
einig Vaterland") in Verbindung mit einer großen
Fluchtbewegung nach Öffnung der Grenzen. Am 18. Mai
1990 schlossen Bonn und Ost-Berlin den "Vertrag über
die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und
Sozialunion" und am 31. August 1990 den " Vertrag
über die Herstellung der Einheit Deutschlands".
Hinzu kam am 12. September 1990 der "Vertrag über
die abschließende Regelung in bezug auf
Deutschland" ("Zwei-plus-Vier-Vertrag") mit den
Siegermächten UdSSR, USA, Großbritannien und
Frankreich.
Drittes Reich
Von der Idee eines
Dritten Reiches waren europäische Gelehrte seit dem
Mittelalter besessen. Zuerst nachweisbar ist das Wort bei
Joachim von Floris im 12. Jahrhundert. Auch Lessing,
Schelling, Ibsen, Mereschkowski und, zu Anfang des 20.
Jahrhunderts, Krieck, Thomas Mann, Dietrich Ekkart,
Arthur Moeller van den Bruck (dessen Buchtitel 1923
lautete entsprechend) begeisterten sich für ein
"Drittes Reich". Mal war es die Sehnsucht nach
Verbindung, mal nach Überwindung des Gegensatzes von
Weltlichem und Geistlichem, in Deutschland seit 1806 vor
allem die Hoffnung auf ein neues, das dritte Reich.
Hitler griff das Wort auf, nutzte es für seine
Propaganda. Nach dem 30. Januar 1933 war es die
offiziöse Bezeichnung des nationalsozialistischen
Deutschland. Am 10. Juli 1939 erfolgte die Anweisung an
die Presse, nicht mehr vom Dritten Reich, sondern vom
Großdeutschen Reich zu sprechen und zu schreiben.
Doch blieb der Ausdruck landläufig für das
NS-diktatorisch geführte Deutsche Reich.
Duden
"Der Duden" ist zum
Begriff einer im gesamten deutschen Sprachraum
verbindlichen Rechtschreibung geworden. Das Werk hat zur
deutschen Einheit beigetragen und separatistischen
Tendenzen entgegengewirkt. Konrad Duden (1829-1911) war
in seiner Jugend begeisterter Anhänger der
großdeutschen Bewegung und später reichstreuer
Nationalfreiheitlicher. Als er 1869 Gymnasialdirektor
wurde, herrschten in der Rechtschreibung des deutschen
Sprachraumes chaotische Zustände. Duden begann mit
der Niederschrift eines Regelwerkes, das 1880 erstmals
erschien. Es wurde zur Grundlage der 1901 von der
orthographischen Konferenz in Berlin beschlossenen
einheitlichen Rechtschreibung für das ganze Deutsche
Reich, die heute noch gültig ist und auch von der
Schweiz und Österreich anerkannt wird. Ab 1954 gab
es zwei Duden-Redaktionen: Eine in Leipzig für die
DDR und eine in Mannheim, Wien und Zürich für
den anderen deutschen Sprachraum. 1990 kam es auch bei
den Duden-Redaktionen von Mannheim und Leipzig zur
Wiedervereinigung.
Düppeler Schanzen
Düppel ist der
Name eines Dorfes auf der Halbinsel Sundewitt im
Süden Jütlands bei Sonderburg. Von 1871 bis
1920 gehörte es zum Deutschen Reich, seither ist es
dänisch. Dort legten die Dänen in den
Deutsch-Dänischen Kriegen heftig umkämpfte
Befestigungen an: die Düppeler Schanzen. Am 13.
April 1849 gelang es bayerischen und sächsischen
Soldaten des Deutschen Bundesheeres, die Schanzen zu
erstürmen. Der Sieg machte im deutschen Volk
großen Eindruck und kräftigte den Willen,
Schleswig-Holstein ungeteilt und deutsch zu erhalten. Am
18. April 1864 gelang den Deutschen, diesmal den
preußischen Truppen unter Prinz Friedrich Karl,
erneut, die Düppeler Schanzen zu nehmen. Es war der
erste größere preußische Sieg seit den
Befreiungskriegen, stärkte Preußens Ansehen
und trug auf diese Weise zurNeugründung des
Deutschen Reiches unter preußischer Führung
bei.
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