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C-D

• Casablanca

In der arabischen Metropole Casablanca, seit 1907 Bestandteil des französischen Imperiums und seit November 1942 von alliierten Truppen - gegen den Widerstand von Vichy-Frankreich - besetzt, fand vom 14. bis zum 25. Januar 1943 eine Kriegs-Konferenz der Alliierten statt. US-Präsident Roosevelt und Britanniens Premier Churchill sowie die Chefs der Generalstäbe, der Flotten und der Luftstreitkräfte (die für den Bombenholocaust an der Zivilbevölkerung zuständig waren) beratschlagten das weitere Vorgehen. Man verständigte sich auf eine rasche Landung auf Sizilien, die dann, mit Hilfe der Mafia, auch geschah. Bei der Casablanca-Konferenz gab Roosevelt die Losung von der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und dessen Verbündeten aus. Damit wurde jeder Kompromißfrieden kategorisch ausgeschlossen, was wesentlich zur Brutalisierung und Verlängerung des Zweiten Weltkrieges beitrug.

 

• Castel del Monte

Das Jagdschloß des Hohenstaufenkaisers Friedrich II., der "stupor mundi" (das Staunen der Welt) genannt und dessen Gestalt in der Kyffhäusersage mystifiziert wurde, steht bei Corato westlich von Bari in Apulien. Es wurde 1240 bis 1250 auf einer Anhöhe nach den Vorstellungen des Herrschers errichtet und besteht aus zwei Stockwerken über einem achteckigen Grundriß mit acht flankierenden Türmen. Nur ein Zugang führt ins Innere der mächtigen Veste, die von der monumentalen Baugesinnung Friedrichs und von der Macht des alten Reiches zeugt, zudem wie eine kühne Vorwegnahme der Renaissance wirkt. Castel del Monte diente als Gefängnis der Söhne Manfreds, also der Enkel Friedrichs II., was auch Ausdruck des italienischen Irrwegs der Staufer war. 1876 kam das Schloß in italienischen Staatsbesitz. Es wurde restauriert.

 

• Compiègne

Schloß Compiègne nordöstlich von Paris war Landsitz der französischen Herrscher. Im dortigen Wald ließ Deutschenhasser Marschall Foch, als Chef französischer Kolonialtruppen der Schrecken der Dritten Welt, seinen Eisenbahn-Salonwagen aufstellen. Darin diktierte er unter entwürdigenden Umständen der deutschen Delegation am 9. November 1918 die alliierten Waffenstillstandsbedingungen. Deutschland wurde, bei Fortsetzung der Hungerblockade, wehrlos gemacht und teilweise besetzt. Am selben Ort unterzeichneten Generaloberst Keitel für Deutschland und General Huntziger für Frankreich am 22. Juni 1940, nach dem deutschen Sieg, das Waffenstillstandsabkommen. Den Franzosen wurden alle militärischen Ehren zuteil. Keitel zollte der Tapferkeit des französischen Soldaten Respekt. Es folgte das gemeinsame Gedenken zu Ehren der Gefallenen beider Seiten. Deutschland verlangte, was zum Sieg über England, welches gemeinsam mit Frankreich den Krieg erklärt hatte, notwendig erschien; vor allem die militärische Besetzung Nord- und Westfrankreichs. Es beließ Frankreich eine Viertelmillion Mann unter Waffen und die Kriegsflotte. Das martialische Denkmal von Compiègne, das Deutschlands Demütigung des Jahres 1918 verherrlichte, wurde beseitigt.

 

• Dammtor-Ehrenmal

Das Gefallenen-Ehrenmal am Hamburger Dammtorbahnhof ist zu einem nationalen Symbol geworden. Kein Soldatendenkmal wurde brutaler geschändet. Es wurde im Auftrag der Hinterbliebenen der 2553 Gefallenen des 1. Hanseatischen Infanterie-Regiment 76 vom Hamburger Bildhauer Richard Kuöhl geschaffen und 1932 auf Geheiß des Senates aus Sozialdemokraten und Bürgerlichen aufgestellt. Ein mächtiger glatter Kubus zeigt Kolonnen marschierender Soldaten. Über dem umlaufenden Relief der Kehrreim aus dem 1914 gedichteten, alles andere als kriegsverherrlichenden "Soldatenabschied" des Arbeiterpoeten Heinrich Lersch: "Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen." Seit den 70er Jahren ist das Ehrenmal Aggressionsobjekt antideutschen Hasses. Es war sogar einem Sprengstoffattentat ausgesetzt. Eine "Kunstkommission" der Hamburger Kulturbehörde fand, es sei "kriegsverherrlichend". Der später mit seinem Denkmal für den perversen Massenmörder Haarmann in Hannover in Erscheinung getretene Wiener Bildhauer Hrdlicka schuf ein" Gegendenkmal", das aber unvollendet blieb, weil er sich mit dem Hamburger Senat über das horrende Honorar nicht einigen konnte. 1992 übernahmen von Bürgern bezahlte private Wachleute den Schutz des Gefallenen-Ehrenmales.

 

• Demontage

Ab 1945 spielte sich auf deutschem Boden die größte Ausplünderung in der Weltgeschichte, verübt durch die Alliierten, ab. Dazu zählte der gigantischste Kunstraub aller Zeiten, ein unvergleichlicher Beutezug nach Edelmetallen, der Diebstahl Hunderttausender Patente der weit überlegenen deutschen Wissenschaft, das Verschleppen Hunderter deutscher Genies und die Demontage, der Abbau von Industrieanlagen, die in die Siegerstaaten gebracht wurden. Der Domontage-Schaden beläuft sich auf weit über 200 Milliarden Mark in Kaufkraft der 90er Jahre. Betroffen waren vor allem Eisen- und Stahlindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau, Schiffswerften, Fahrzeugbau, Zuliefererwerke der Grundstoffindustrie. Die von US-Finanzminister Morgenthau inspirierte Demontage steigerte das Elend im zertrümmerten Deutschland. Es erhob sich Widerstand der deutschen Arbeiterschaft, vor allem im Ruhrgebiet. Wegen des Kalten Krieges wurde die Demontage 1947/48 in der Sowjetischen Besatzungszone und 1950 in Westdeutschland weitgehend eingestellt.

 

• Danzig

Wo einst das Gotiskandza der Goten lag, entstand im 12. Jahrhundert eine deutsche Marktsiedlung. Danzig erhielt 1227 Lübisches, 1343 - ein Drittel Jahrhundert nach dem Erwerb der Stadt durch den Deutschen Orden - Magdeburger Stadtrecht. Es stieg zu einem der stärksten und wohlhabendsten Mitglieder der Hanse auf. Deutscher Machtverfall ließ Danzig 1454 unter polnische Hoheit geraten. Weitgehende Selbständigkeit und deutscher Charakter jedoch wurden bewahrt. 1793 kam die Ostseemetropole an Preußen. Napoleon machte Danzig zum "Freistaat" unter französischer Fuchtel. 1871 kam die Stadt zum neuen Deutschen Reich und blühte auf. Obwohl 96 Prozent der Einwohner Deutsche waren, wurde Danzig 1919 durch Siegerwillkür dem Reich entrissen und mit umgebenden Gemeinden zur "Freien Stadt" in polnischer Abhängigkeit erniedrigt. Berlin schlug wiederholt eine Lösung der Danzigfrage durch Volksabstimmung bei günstigen Bedingungen für Polen vor. Warschau lehnte - wie stets - auch 1939 schroff ab. So entzündete sich an dieser Frage der Zweite Weltkrieg. 1945 fielen die deutschen Danziger dem Vertreibungsholocaust zum Opfer. Im polnischen Machtbereich wurde die Stadt Zentrum von Unruhen; polnische Mißwirtschaft verhinderte einen neuen Aufstieg. Anfang der 90er Jahre regte sich dort wieder in Ansätzen deutsches Leben.

 

• DDR

Abkürzung für Deutsche Demokratische Republik; Eigenbezeichnung des 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone gebildeten, in den Ostblock integrierten und bis 1989 einer kommunistischen Diktatur unterworfenen deutschen Teilstaates. Er war 107 000 qkm groß und hatte zuletzt 16,5 Mio. Einwohner. Als Hauptstadt fungierte Ost-Berlin. Die Deutschen der DDR wurden von der SED und deren Stasisystem tyrannisiert und waren zum Westen durch Mauer und Todesstreifen abgeschottet. Dank des Fleißes ihrer Einwohner hatte die DDR die zehntstärkste Wirtschaft der Erde. Durch familienfördernde Maßnahmen konnte in den 80er Jahren eine um 30 Prozent die westdeutsche übertreffende Geburtenrate erreicht werden. Von Überfremdung und westlicher Dekadenz blieben die DDR-Deutschen weitgehend verschont. Die SED-Machthaber gaben sich bis in die 60er Jahre gesamtdeutsch ("Deutschland, einig Vaterland"), um dann auf extremen Separatismus umzuschalten (DDR als "eigene Nation"). Durch die neue sowjetrussische Politik und durch die mächtige Wiedervereinigungsbewegung mit Zentrum in Leipzig brach die SED-Herrschaft im Herbst 1989 zusammen. Am 3. Oktober 1990 kam es zur Wiedervereinigung mit Westdeutschland.

 

• Deutsch

Das Wort wurzelt im germanischen Mythos, ist verwandt mit den aus Vorsilben wie Di- und Ti- bzw. Od- und Ot- gebildeten Götternamen der Germanen, die unter Theoda: "Stamm, Volk" verstanden. Anfang des 8. Jahrhunderts ist bei den germanischen Stämmen Mitteleuropas theudisk als Eigenbezeichnung in Gebrauch; auch als Abgrenzung zu den Romanischsprachigen, die man als walhisk (welsch, walsch, also: fremd) erkannte. In Gelehrtenstuben wurden Wörter wie theodiscus für das Deutsche gebraucht, auch teutonicus - in Anlehnung an die germanischen Teutonen. Im 10. Jahrhundert war diutisk als Eigenbezeichnung der Germanen im Ostfränkischen (Deutschen) Reich verbreitet. Formen wie tutisk, tiutsch, teutsch kamen auf. 919 erwähnen die Salzburger Annalen das regnum teutonicorum, das Königtum der Deutschen. Schließlich setzte sich das Wort deutsch als Volks- und Landesname durch. Es hatte aber stets auch tieferen Sinn. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm hieß es: ",deutsch' bezeichnet das edle und treffliche... ein deutscher mann ist ein tüchtiger, ein deutsches gemüt ein tiefes, wahrhaftes!"

 

• Deutsch-Belgien

Im östlichen Belgien leben über 100 000 Deutsche. Das Königreich umfaßt seit seiner Gründung 1830 - früher war das Land Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation - auch deutsche Gebiete. Zunächst waren es Arel und Montzen. Nach 1918 entriß Brüssel dem Deutschen Reich 1036 Quadratkilometer der preußischen Rheinprovinz mit einer zu 82 Prozent deutschen Bevölkerung: die Gebiete von Eupen, Malmedy und St. Vith. Eine Abstimmungsfarce sollte der Annexion den Schein des Rechts verleihen. 1940 kamen Eupen, Malmedy und St. Vith, nicht Arel und Montzen, ans Deutsche Reich zurück, wurden aber 1945 erneut belgiseh. Auch nahm Belgien zusätzlich deutsche Grenzgebiete in Beschlag, um sie erst 1956 wieder herauszugeben. Den Deutschen im belgischen Staatsgebiet werden ausreichende Volkstumsrechte vorenthalten. Man schlug sie bei der Regionalisierung Belgiens der französischsprachigen Wallonie zu.

 

• Deutsche

Mit rund 100 Mio. Angehörigen auf annähernd 500 000 (bis 1945: 650 000) qkm Siedlungsraum in Mitteleuropa und etlichen Exklaven ist die deutsche Nation nach den Russen das zweitgrößte Volk des Abendlandes. 50 Mio. Nachfahren deutscher Auswanderer leben in aller Welt. Sie stellen in den USA die größte Gruppe. Eng mit den Deutschen verwandt sind Niederländer und Flamen. Deutsch besiedelt sind die Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein. Die Schweiz ist zu zwei Dritteln deutsch. Deutsche sind im Süden Dänemarks (Nordschleswig), im Osten Belgiens (Eupen-Malmedy, Arel, Montzen), im französischen Staatsgebiet (Elsaß, Lothringen), im italienisch besetzten Südtirol ansässig. Starke deutsche Minderheiten gibt es im polnischen Machtbereich (Oberschlesien), in Südosteuropa (z. B. Siebenbürgen), in Rußland und Kasachstan, in Namibia (dem früheren Südwestafrika). Die Deutschen betraten vor über 1200 Jahren die Bühne der Geschichte. Sie sind Germanen mit keltischen, baltischen, slawischen Elementen. Daß sie selbst unwirtlichste Gegenden erblühen lassen, unglaubliche Aufbauleistungen vollbringen, phänomenale Wirtschaftskraft entwickeln, läßt die Welt erstaunen. Die Deutschen gaben der Menschheit Genies in großer Zahl ("Volk der Dichter und der Denker"). Legendär ist seit alters her der Kampfesmut deutscher Soldaten. Die gewaltige Energie dieser Nation wirkte oft furchterregend (Furor teutonicus). Dreißigjähriger Krieg und die Niederlage 1945 waren Tiefstpunkte im Leben des deutschen Volkes. Unter anderem die mittelalterliche Vormachtstellung im Abendland, die Gründung des neuen Reiches 1871, die Wiedervereinigung von West- und Mitteldeutschland 1989/90 setzten dem deutschen Schicksal Glanzlichter auf.

 

• Deutsche Frage

Im mittelalterlichen Reich waren alle Deutschen vereint. Seit dessen Niedergang stellt sich die Deutsche Frage. Es handelte sich stets um ein doppeltes Problem: Aufteilung des deutschen Volksraumes in Separatstaaten und Herrschaft Fremder über deutsches Land. Nachdem in der Bundesrepublik lange propagiert worden war, die Deutsche Frage habe sich erledigt, da die Teilung auf ewig fortbestehen werde, heißt es seit 1990, die Vereinigung von Bundesrepublik und DDR sei die endgültige Antwort. Davon jedoch kann schon deshalb keine Rede sein, weil große Teile Deutschlands immer noch fremd besetzt und sechs deutsche Provinzen geteilt sind: Ostpreußen in litauischen, polnischen und russischen Machtbereich, Pommern, Brandenburg, Schlesien und Sachsen, deren östliche Teile polnisch besetzt sind, und Tirol, das durch die Brennergrenze an der Selbstbestimmung gehindert wird.

 

• Deutsche Mark

Als Bezeichnung für Rechnungsmünzen, Gold- und Silbergewicht war die Mark in Deutschland schon im 11. Jahrhundert ein Begriff. Es gab sie zuerst in Köln. Die Wiener Mark war weit verbreitet. Zur Zeit des Deutschen Zollvereins war die Mark als Münzgewicht in Gebrauch. Die Gesetze von 1871 und 1873 bestimmten die Mark zur Geldeinheit des Deutschen Reiches. Nach der Inflationszeit und der Übergangsperiode der Rentenmark wurde 1924 die Reichsmark (RM) eingeführt. An ihre Stelle trat nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 die Deutsche Mark (DM). Auch die Geldeinheit in der DDR hieß bis 1964 Deutsche Mark, dann »Mark der Deutschen Notenbank», ab 1968 nur noch »Mark". Die DM war dank des Fleißes der Deutschen eine der härtesten Währungen der Welt und ein Symbol deutscher Wirtschaftskraft. Ihre Abschaffung und Ersetzung durch ein »Europa-Geld" (Euro) bringt die Stabilität des deutschen Währungswesens, eine Grundlage der gesamten Volkswirtschaft, in Gefahr.

 

• Deutsche Mundarten

Man unterscheidet im geschlossenen deutschen Sprachraum Mitteleuropas drei Mundartengruppen. Zum Niederdeutschen zählen das Niederfränkische (Niederländische), Niedersächsische, Westfälische und Ostfälische, Schleswigsche und Holsteinische, das Mecklenburgische, Vor- und Ostpommerische, das Märkische, das Niederpreußische (Ostpreußen). Mitteldeutsche Mundarten sind: Das Ripuarische (Rheinische), Moselfränkische, Rheinpfälzische, Rheinfränkische, Hessische, Thüringische, Obersächsische, Berlinische, Neiderländische, Schlesische und Hochpreußische (mittleres Ostpreußen). Zum Oberdeutschen werden folgende Dialekte gerechnet: Das Oberrheinische, Nordalemannische, Hochalemannische, Walserdeutsche, Schwäbische, Ostfränkische, Nordbairische, Mittelbairische, Südbairische. Mundarten eigener Prägung entstanden in den deutschen Volkstumsinseln des Ostens. Sonderformen nahm die deutsche Sprache auch in Übersee an, so das Pennsylvaniendeutsch in den USA und das Afrikaans in Südafrika. In den Mundarten kommt die landsmannschaftliche Vielfalt des deutschen Volkes zum Ausdruck. Ohne starke Hochsprache besteht die Gefahr der Absonderung. Dies ist sehr weit gediehen beim Niederländischen.

 

• Deutscher Bund

Auf dem Wiener Kongreß 1815 durch die Bundesakte gegründeter Zusammenschluß 34 (später: 37) souveräner deutscher Staaten und vier deutscher Freier Städte auf dem Gebiet des 1806 aufgelösten alten Reiches. 1848 wurden auch die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen sowie Posen aufgenommen. Der Deutsche Bund hatte rund 30 Millionen Einwohner. Organ war die Bundesversammlung (Bundestag) in Frankfurt am Main, deren Vorsitz Österreich führte. England, Dänemark, die Niederlande bestimmten durch ihre deutschen Besitzungen mit. Der Deutsche Bund verfügte über ein Bundesheer, das in den Deutsch-Dänischen Kriegen mobilisiert wurde, und über Bundesfestungen. An Rechtsschöpfungen ist vor allem das Allgemeine Handelsgesetzbuch (HGB) von 1863 zu erwähnen. Der Deutsche Bund brachte nicht den in den Befreiungskriegen ersehnten Nationalstaat und wurde von Österreichs Kanzler Metternich gegen nationale Bewegungen eingesetzt. Doch bezähmte der Bund Separatismus und schreckte fremde Imperialisten vor weiterem Raub deutschen Landes ab, so daß Deutschland ein halbes Jahrhundert von Krieg verschont blieb. Durch den Deutschen Krieg zwischen Österreich und Preußen, seinen beiden Hauptrnächten, brach der Deutsche Bund 1866 auseinander und wurde aufgelöst.

 

• Deutscher Krieg

Der Dualismus, also das Ringen der deutschen Großmächte Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland, entlud sich 1866 im Deutschen Krieg. Auf Preußens Seite standen neben Sachsen-Coburg und Lippe nach einigem Zögern weitere norddeutsche Kleinstaaten; außerdem gab es ein Bündnis mit Italien. Mit Österreich fochten Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Hannover, beide Hessen, Nassau und nach längerem Schwanken andere süddeutsche Kleinstaaten; zudem hatte sich Wien bemüht, Frankreich als Bundesgenossen zu gewinnen. Während die Österreicher unter Erzherzog Albrecht und Kontreadmiral Tegetthoff die Italiener besiegten, mußten sie sich den Preußen unter Führung des genialen Moltke geschlagen geben. Der entscheidende preußische Sieg wurde am 3.Juli 1866 bei Königgrätz errungen. Bismarck setzte gegen heftigen Widerstand im eigenen Lager schleunigen Waffenstillstand, Verzicht auf Einmarsch in Wien und maßvolle Friedensbedingungen durch. So hielt er Napoleon III. aus dem Krieg, schuf die Voraussetzung für die Wiederannäherung der deutschen Bruderstaaten, löste den Deutschen Bund auf und stellte die Weichen für das zweite Deutsche Reich unter Preußens Führung.

 

• Deutscher Orden

Zur staufischen Kreuzzugszeit 1198 bei Akkon im Heiligen Land entstandener Ritterorden mit eigentlichem Namen: Orden des Hospitals St. Marien vom Deutschen Hause. Die Ritter mit dem weißen Mantel und schwarzen Kreuz kamen 1211 auf Wunsch König Andreas' II. von Ungarn ins Burzenland (Siebenbürgen), wo sie Kronstadt gründeten, und wurden 1226 von Konrad von Masowien ins später so genannte Ostpreußen gegen die heidnischen Pruzzen zur Hilfe gerufen. Nach dem Sieg erhielten sie zum Dank das Kulmer Land. Kaiser Friedrich II. gab ihnen mit der Goldenen Bulle von Rimini den Freibrief für die Eigenstaatlichkeit. Ende des 14. Jahrhunderts beherrschte der Orden den südlichen und östlichen Ostseeraum. Seine bedeutendsten Städte waren Danzig, Thorn, Elbing und Königsberg. Der Ordensführer (Hochmeister) verlegte seinen Sitz 1306 auf die Marienburg, 1466 nach Königsberg. Er war reichszugehörig. Der Orden geriet in den Strudel des deutschen Machtverfalls, mußte sich 1466 im 2. Thorner Frieden Polen beugen und war fortan nur noch ein Schatten seiner selbst. Er nahm 1530 Sitz in Mergentheim, 1834 in Wien. Aus dem Ordensland war 1525 durch Albrecht von Brandenburg, den letzten Hochmeister, ein Herzogtum geworden. Die überragende Leistung des Ordens bestand in Sicherung und Erweiterung der deutschen Ostsiedlung sowie darin, daß er ein Vierteljahrtausend als Schild des Reiches im Osten wirkte.

 

• Deutsches Eck

1888 beschloß der Rheinische Landtag, zu Ehren des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. und der Gründung des neuen Deutschen Reiches ein Nationalmonument zu errichten. Wilhelm II. bestimmte die "Deutsches Eck" genannte Landzunge bei Koblenz, am Zusammenfluß von Mosel und Rhein gegenüber der Festung Ehrenbreitstein, zum Standort. Von 1895 bis 1897 errichtete Bruno Schmitz, Schöpfer auch des Kyffhäuser- und des Völkerschlachtdenkmals, dort das 36 Meter hohe Ehrenmal mit dem Reiterstandbild Wilhelms I. und dem weiblichen Siegesgenius, der die Reichskrone trug. Zur Demütigung der Deutschen, ohne militärischen Sinn, wurde das Denkmal 1945 von US-Truppen beschossen. Die Figuren wurden zerstört. Der Sockel des Denkmals diente ab 1952, mit schwarzrotgoldener Fahne bestückt, als Mahnmal der deutschen Einheit. Bei einer Umfrage sprachen sich 94 Prozent der Koblenzer für die 1992 schließlich beschlossene Wiedererrichtung des Reiterstandbildes Wilhelms I. aus. Private Geldsammlungen hatten die dafür erforderlichen Mittel erbracht.

 

• Deutsches Kreuz

Am 28. September 1941 vom Staatschef des Großdeutschen Reiches gestifteter Orden, der im Gegensatz zu anderen Kriegsauszeichnungen nur an Deutsche verliehen wurde. Das Deutsche Kreuz in Gold, 17 000 mal verliehen, würdigte "vielfach bewiesene außergewöhnliche Tapferkeit". Die Träger mußten zuvor das Eiserne Kreuz Erster Klasse erworben haben. " Für vielfache außergewöhnliche Verdienste in der militärischen Kriegführung" gab es das Deutsche Kreuz in Silber, für das EK I oder Kriegsverdienstkreuz Erster Klasse Voraussetzung waren. Das Deutsche Kreuz hatte die Gestalt eines achtstrahligen Sternes mit goldenem oder silbernem Lorbeerkranz und einem runden Schild mit Hakenkreuz. Gemäß bundesdeutschem Ordensgesetz darf das Deutsche Kreuz nicht mit dem Hakenkreuz getragen werden; die Swastika ist durch ein verkleinertes EK oder KVK zu ersetzen.

 

• Deutsches Museum

Das 1871 neugegründete Deutsche Reich eroberte rasch einen internationalen Spitzenrang in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Auf Betreiben eines Pioniers der Technik, Oskar von Miller (1855-1934), wurde auf der Münchner Isar-Insel 1906 im Beisein des Kaisers der Grundstein zum Deutschen Museum, einem der größten Ausstellungshäuser der Welt, gelegt. Der Bau auf der Museumsinsel wurde 1925 eingeweiht. Zu Millers bahnbrechenden Leistungen zählten u. a. die Starkstrom-Fernübertragung von Lauffen nach Frankfurt und die Etschwerke in Südtirol. 1932 wurde die Bibliothek des Museums, 1935 der Kongreßsaal und 1937 die Kraftfahrhalle eröffnet. Bombenangriffe zerstörten im Zweiten Weltkrieg 80 Prozent der Bausubstanz und etwa 20 Prozent der Objekte; die wichtigsten waren ausgelagert worden. Der Wiederaufbau dauerte bis in die 60er Jahre. Angeschlossen sind das Forschungsinstitut für Technik und Wissenschaftsgeschichte sowie das Kerschensteiner Kolleg für Lehrer und Ausbilder. Jährlich strömen über eine Million Besucher am imposanten Bismarck-Denkmal an der Isarbrücke vorbei ins Deutsche Museum.

 

• Deutsche Sprache

Die Sprachgemeinschaft der Germanen Mitteleuropas bildete sich vor 1300 Jahren. Der um 765 in Freising entstandene Abrogans, eine Wortliste, gilt als ältestes deutsches Schriftdenkmal. 788 wurde im Ingelheimer Palast Karls des Großen die theodisca lingua, die deutsche Sprache, wohl erstmals schriftlich beim Namen genannt. Der Mainzer Reichslandfriede war 1235 das erste auch in deutscher Sprache verkündete Gesetz. Dem Althochdeutschen (750-1100) folgte das Mittelhochdeutsche (1100-1500) und das Neuhochdeutsche (ab 1500), an dessen Gestaltung Luther großen Anteil hatte. Als echte Volkssprache hatte sich das Deutsche anfangs gegen das Latein der Gelehrten und später gegen Nachäffen des Fremden (Spanisch, Französisch, neuerdings amerikanisches Englisch) durch "obere" Schichten zu behaupten. Deutsche Dichter setzten herrlichste Sprachdenkmale. Die Kraft des Deutschen bändigte Separatismus, doch gab es die Verselbständigung des Niederländischen. In Unterdrückungszeiten bewahrte die deutsche Sprache das Volkstum; z. B. in den Katakombenschulen Südtirols während des Faschismus. Deutsch ist heute die Muttersprache von rund 100 Millionen Menschen. Nach Beseitigung des Eisernen Vorhangs gewinnt es allmählich wieder seine alte Bedeutung als Brücke zum Osten. Bedroht ist die deutsche Sprache durch eine Flut von Amerikanismen. Gossen- und Ekelsprache werden verbreitet. Stummelsätze und Stammelwörter in Massenmedien führen zu einem fürchterlichen "Tarzandeutsch".

 

• Deutsches Reich

Amtliche Bezeichnung des am 18. Januar 1871 gegründeten deutschen Staates mit ursprünglich 541 000 qkm Fläche (470 000 qkm zur Weimarer Zeit; 650 000 qkm als Großdeutsches Reich Hitlers). 1871 betrug die Einwohnerzahl 41 Millionen, 1910 waren es 64 Millionen und 1938 69 Millionen. Zunächst war das Reich eine konstitutionell-demokratische Monarchie, ab 1918 eine parlamentarische Demokratie (ab 1930: autoritär) mit starkem Präsidenten, ab 1934 ein totalitärer Führerstaat und 1945, nach Hitlers Tod, ein autoritäres Präsidialsystem. Im Deutschen Reich gab es nach 1871 ein kulturelles Erblühen und zweimal (vor 1914 und vor 1939) ein Wirtschaftswunder, das weltweit bestaunt, aber auch beneidet wurde. Gewaltige Militärbündnisse wurden gegen das Reich geschmiedet, die über 80 Prozent der Weltrohstoffe verfügten und denen sich die Deutschen 1918 und 1945 ergeben mußten. Als größter außenpolitischer Fehler der Reichsführer nach Bismarck erwies sich die Sucht nach Westbindung, was bei Wilhelm II. und Hitler wie manisch wirkte - mit abweisender Haltung gegenüber Rußland. So geriet das Reich in den Zweifrontenkampf. Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht, nicht das Deutsche Reich, das von Rechts wegen nicht untergegangen ist, dessen Nachfolge die Bundesrepublik Deutschland angetreten hat. Deutsches Reich ist auch die landläufige Bezeichnung für das erste Reich der Deutschen bis 1806.

 

• Deutsches Tor

Ab 870 gehörte Metz zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Es wurde im 13. Jahrhundert Freie Reichsstadt und galt neben Nürnberg und Augsburg als mächtigster deutscher Stadtstaat. 1552 wurde Metz von Frankreich überfallen und annektiert. Das Reich mußte ein Jahrhundert später (1648) im Westfälischen Frieden Frankreichs "Recht" auf die Stadt anerkennen. 1871, nach dem deutschen Sieg über Frankreich, wurde Metz Hauptstadt des deutschen Regierungsbezirkes Lothringen, kam aber 1918 in den französischen Machtbereich zurück. Das Deutsche Tor wurde im 13. Jahrhundert, zur hohen deutschen Zeit der Stadt, erbaut und im 16./17. Jahrhundert durch Verteidigungswälle und Forts verstärkt. 1888 wurde es als deutsches Nationalsymbol und Wahrzeichen Lothringens unter Denkmalschutz gestellt. Das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Tor wurde nach 1945 wiederhergestellt.

 

• Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

Napoleon III. wollte, wie alle französischen Herrscher, deutsche Macht verhindern und zerstören. Aus Anlaß der spanischen Thronfolge (Kandidatur eines Hohenzollern) entluden sich die Spannungen mit Preußen zum Krieg, der am 19. Juli 1870 von Frankreich erklärt wurde. Auch die süddeutschen Staaten kämpften auf Preußens Seite, womit Napoleon nicht gerechnet hatte. Österreich, nach dem Deutschen Krieg von Bismarck gut behandelt, hielt still. Unter Moltkes Führung bezwangen die deutschen Truppen am 1./2. September 1870 das französische Hauptheer bei Sedan. Napoleon III. geriet in deutsche Gefangenschaft. Die neue republikanische Führung Frankreichs lehnte das deutsche Friedensangebot ab. Am 18. Januar 1871 wurde in Versailles, dem deutschen Hauptquartier, der Deutsche Kaiser proklamiert. Zehn Tage später fiel Paris nach langer tapferer Verteidigung. Die deutschen Verluste im Krieg betrugen rund 50 000, die französischen 140 000 Tote. Im Frieden zu Frankfurt am Main (10. Mai 1871) mußte Paris Elsaß-Lothringen an Deutschland abtreten, was ungefähr einem Viertel des seit dem Mittelalter dem Deutschen Reich geraubten Gebietes entsprach. Außerdem wurde Paris zur Zahlung von 5 Milliarden Francs verpflichtet.

 

• Deutschland

Einen Staat namens Deutschland gab es noch nicht. Begriffserweiternd wird der Name benutzt für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, den Deutschen Bund und das Großdeutsche Reich mit größeren nichtdeutschen Minderheiten. Begriffsverengend ist die Verwendung des Wortes für Staaten, die nur einen Teil des deutschen Volkes vereinten oder vereinen: das 1871 gegründete Deutsche Reich und die Bundesrepublik ab 1949 (bzw. ab 1990). Im eigentlichen Sinne des Wortes bedeutet Deutschland: Siedlungsraum der Deutschen in Mitteleuropa, die Vertreibungsgebiete inbegriffen. Diese nicht staats-, sondern volksbezogene Begriffsbestimmung liegt den Worten des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben zugrunde: "Deutschland, Deutschland über alles... von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt."

 

• Deutschland, Deutschland über alles

Schon im Deutschlandlied Walthers von der Vogelweide "Ich han lande vil gesehen" hieß es 1203: "tiuschiu zuht gat vor in allen" (Deutsche Zucht geht über alles). Das Anfangswort der deutschen Nationalhymne ist ähnlich in der patriotischen deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts nachweisbar. "So wie einst der Dichter, so lieben wir heute Deutschland über alles", interpretierte Reichspräsident Ebert, als er das Deutschlandlied am 11. August 1922 zur Nationalhymne erklärte. Auch die Nationalhymnen anderer Völker enthalten innige Bekenntnisse zum Vaterland: "Kein Land wird mehr geliebt" (Finnland), "Du bist ein Paradies auf Erden" (Bulgarien), "Dein Name sei uns heilig" (Island), "Du bist alles für mich" (Ägypten). Kriegerisches oder Blutrünstiges wie in etlichen National- oder Staatshymnen (Frankreich, USA usw.) gibt es im Deutschlandlied nicht. Mit den Worten "Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt" umschrieb der Dichter 1841 den Siedlungsraum der Deutschen. Der Schöpfer des Deutschlandliedes, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, war Aktivist in der nationalfreiheitlich-demokratischen Bewegung.

 

• Deutschland, einig Vaterland

Im Herbst 1989 war es das Leitwort der Wiedervereinigungsbewegung in der DDR, besonders bei den Massendemonstrationen in Leipzig. Zunächst handelte es sich um eine List: Um den SED-Führern keinen Anlaß zum Losschlagen zu geben, wählte man die Parole, die der kommunistische Dichter und langjährige DDR-Kulturminister Johannes R. Becher (1891-1958) ausgegeben hatte. Die ersten Zeilen seines von Hanns Eisler vertonten und am 5. November 1949 vom Ostberliner Ministerrat zum "Nationalgesang der Deutschen Demokratischen Republik" erklärten Gedichtes lauteten: "Auferstanden aus Ruinen / und der Zukunft zugewandt, / laß uns dir zum Guten dienen, / Deutschland, einig Vaterland." Als die SED Mitte der 60er Jahre von gesamtdeutschen Beteuerungen auf radikalen Separatismus umschaltete, wurde die "Becher-Hymne" nur noch intoniert, nicht mehr gesungen. Erst in der Umbruchzeit 1989 kam die Gedichtzeile zu Ehren.

 

• Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung

Titel einer Flugschrift mit einem flammenden Appell zum deutschen Widerstand gegen den Imperialisten und Diktator Napoleon. Sie wurde vom Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm (geboren 1768 in Schorndorf) verbreitet und kam dem Korsen zur Kenntnis. Er ordnete Palms Verhaftung und Verurteilung an. Die Franzosen nahmen den Verleger am 14. August 1806 fest. Palm deckte alle Gesinnungsfreunde, die mit der Schrift zu tun hatten. Drei Stunden nach Verkündung des Todesurteils wurde er am 26. August 1806 zu Braunau am Inn erschossen. Eine Bittschrift der Braunauer Frauen und Kinder an den örtlichen französischen kommandierenden General de St. Hilaire war erfolglos geblieben. Palms Märtyrertod stärkte die vaterländischen Gefühle der Deutschen und schürte die Verbitterung über Napoleon. Sechs Jahrzehnte nach den tödlichen Schüssen wurde für Palm in Braunau ein Denkmal errichtet.

 

• Deutschlandlied

Von seinem Dichter "Lied der Deutschen" genannt. Es ist nicht, wie andere Nationalhymnen, von oben verordnet worden, sondern hat sich vom Volke her durchgesetzt. Trotz Verbots war es schon im Deutschen Bund populär. In der Kaiserzeit- bei anderer offizieller Hymne - wurde es Nationalgesang, den auch die Soldaten 1914 bei Langemarck anstimmten. Die Besatzer verboten es 1918. Am 11. August 1922 erklärte es SPD-Reichspräsident Ebert, dem Volkswillen gemäß, zur Nationalhymne. Im Dritten Reich war das Horst-Wessel-Lied gleichrangig. 1945 erfolgte erneut Verbot durch die Besatzer. Der widerstrebende Bundespräsident Heuss mußte das Lied im Briefwechsel mit Adenauer in seinem alten Rang bestätigen; Bulletin der Bundesregierung vom 29. April 1952: "Das Deutschlandlied ist Nationalhymne." Bei staatlichen Anlässen soll die dritte Strophe gesungen werden. Alle drei Strophen sind strafrechtlich geschützt. Das Deutschlandlied ist frei von kriegerischen und aggressiven Tönen anderer Nationalhymnen. Die Melodie schuf der Wiener Klassiker und Lehrer Beethovens, Joseph Haydn (1732-1809), der sie 1797 als Hymne für den Kaiser des Deutschen Reiches komponierte. Der Text stammt vom bedeutenden deutschen Germanisten, Volkslieddichter und Wiedererwecker flämischer Volkskultur, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). Er dichtete das Lied der Deutschen am 26. August 1841 auf Helgoland, wo er sich mit anderen nationalfreiheitlichen Demokraten getroffen hatte.

 

• Deutschlandvertrag

Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA, Großbritannien und Frankreich am 26. Mai 1952 in Bonn unterzeichneter, 1955 in Kraft getretener Vertrag, der das Besatzungsstatut ablöste. Dem westdeutschen Staat wurde Teilsouveränität gewährt. Die entscheidenden Rechte über Deutschland als Ganzes, Berlin, die Truppenstationierung, den künftigen Friedensvertrag, Notstandsbefugnisse usw. behielten sich die Westmächte vor. Als gemeinsames Ziel wurde im Vertrag die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands genannt. Bestandteil des Abkommens war der Überleitungsvertrag: Die Bundesrepublik mußte die Unrechtstaten der Westalliierten auf deutschem Gebiet straffrei stellen. Der Deutschlandvertrag eröffnete Bonn die Möglichkeit zu mehr Bewegungsfreiheit im Rahmen der Westintegration. Er wurde von der Sowjetunion als feindseliger Akt betrachtet und vertiefte den innerdeutschen Graben.

Weiterführend:
Noch immer kein Friedensvertrag für Deutschand, deshalb keine volle Souveränität

 

• Deutschösterreich

Alte Bezeichnung für die deutschen Siedlungsgebiete der Habsburgermonarchie. Am 12. November 1918 proklamierte die Volksvertretung in Wien (provisorische Nationalversammlung) die Republik Deutschösterreich als Teil des gesamtdeutschen Staates. Dieser Schritt betraf 118 311 qkm und 10,37 Millionen Einwohner des in Auflösung befindlichen k.u.k. Staates, einschließlich des nachmaligen Sudetenlandes. Im Bekenntnis zu Deutschösterreich und zum Anschluß ans Deutsche Reich waren sich alle maßgeblichen Politiker der Weimarer und Wiener Republik einig. Die Westmächte untersagten im Diktat von Saint-Germain den Namen Deutschösterreich (daher ab 21. Oktober 1919 offizieller Name: "Republik Österreich"), trennten Südtirol und das Sudetenland ab und verboten den Anschluß ans Deutsche Reich. So wurde ein demokratisches Großdeutschland sabotiert, das vermutlich die Verhängnisse der 30er und 40er Jahre verhindert hätte.

 

• Ding

Im "barbarischen" Germanien kamen die Freien zur demokratischen Beratung über wichtige Angelegenheiten beim Ding (nordgermanisch: Thing) zusammen. Es fand unter freiem Himmel meist drei Tage lang an altüberliefertem Ort (Dingstätte) statt und wurde mit einem Gottesdienst nach germanischer Art eingeleitet. Das Ding wurde stets bei Tage gehalten (tagadine; daher das Wort "sich verteidigen"). Es entschied über Krieg und Frieden, wählte den Führer des Volkes in Kriegszeiten und sprach, unter dem Vorsitz Rechtsgelehrter, Recht, wobei der Angeklagte "dingfest" gemacht wurde. Die Dingfrist, Zeit bis zur nächsten Tagung, betrug z. B. bei den Franken 40 Nächte, bei den Sachsen sechs Wochen und drei Tage. Im frühen Mittelalter hatte sich das Ding zu einem reinen Gerichtstag gewandelt, lebte jedoch in einigen Gegenden (Friesland, nachmalige Schweiz) als Volksversammlung fort. Viele deutsche Ortsnamen mit "ding" erinnern daran, daß sie einst Stätten germanischer Demokratie und Rechtsprechung waren. Die Parlamente nordischer Staaten heißen Allting (Island), Storting (Norwegen), Landsting und Folketing (Dänemark).

 

• Dobrudschadeutsche

Die Dobrudscha, Landschaft zwischen Schwarzem Meer und Donau-Unterlauf, war ab dem 14. Jahrhundert türkisch. 1878 wurde sie beim Berliner Kongreß Rumänien gegeben. Später kam sie teilweise an Bulgarien. Ab etwa 1840 wanderten deutsche Siedler ein, die entscheidend beitrugen, das Steppenland zu entwickeln. Es handelte sich hauptsächlich um deutsche Bauernfamilien aus Bessarabien. Die meist evangelischen Dobrudschadeutschen unterstanden bis 1918 dem Oberkirchenrat in Berlin. 1924 organisierten sie sich in einem eigenen Verband. Am 22. Oktober 1940 vereinbarten Deutschland und Rumänien die Umsiedlung von rund 15 000 Dobrudschadeutschen. Sie kamen überwiegend nach Österreich. Die Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen bewahrt das Kulturgut dieser Volksgruppe, die anderthalb Jahrhunderte Vorposten des Deutschtums im südöstlichen Europa war.

 

• Dome

Mittelhochdeutsch: tuom (aus lateinisch: domus, "Haus"). Als Dom, Kathedrale oder Münster werden Bischofssitze bezeichnet. Die mittelalterlichen deutschen Dome zeugen von tiefer Religiosität, von danach unerreichter Baukunst und von der Herrlichkeit des Reiches der Deutschen als Vormacht des christlichen Abendlandes. Von den Sakralbauwerken aus romanischer Kunstepoche hat der Speyerer Dom als weltgrößte Kathedrale des Mittelalters und als Nationaldom des deutschen Volkes eine herausragende Stellung. Im Aachener Münster, dann im Dom zu Frankfurt am Main wurden die Majestäten des Deutschen Reiches gekrönt. Wegen des Reichszerfalls konnten die gotischen Dome meist nicht mehr fertiggestellt werden. So fiel z. B. die Vollendung des Kölner Domes und des Ulmer Münsters in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem Nationalbewußtsein und Deutsches Reich neu erwacht waren.

 

• Donauschwaben

Sammelname für die Deutschen, die seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Banat, in der Batschka, der Schwäbischen Türkei, in Kroatien, Slawonien, Syrmien, im Bakonyer Wald, im Schildgebirge und in den Ofener Bergen angesiedelt wurden. Sie hatten großen Anteil am Aufbau der durch die Türkenkriege verheerten Länder. Die Kolonisation fand in drei Wellen unter Karl VI., Maria Theresia und Josef II. statt. Beteiligt waren vorwiegend Schwaben, Bayern, Franken und Pfälzer. Ab 1867 waren die Deutschen in der ungarischen Hälfte der k.u.k. Monarchie starkem Madjarisierungsdruck ausgesetzt. Nach 1918 wurden die Gebiete der Donauschwaben unter Ungarn, Rumänien und Jugoslawien geteilt. In Jugoslawien wurden die Donauschwaben ermordet oder vertrieben. In Rumänien unterdrückte man sie oder siedelte sie zwangsweise um; viele kamen später als Übersiedler nach Deutschland. 50 Prozent der Ungarndeutschen wurden vertrieben, erhebliche Teile von ihnen - oft unter Druck - assimiliert. Einer Minderheit wurden schließlich Volkstumsrechte gewährt.

Weiterführend:
Völkermord der Tito-Partisanen 1944-1948
Die Vernichtung der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien und die Massaker an Kroaten und Slowenen

 

• Doppeladler

Der doppelköpfige Aar sollte wohl die weltliche und geistliche Dimension des Reiches symbolisieren. Schon im hohen Mittelalter war er als deutsches Zeichen in Gebrauch; Lübeck führte ihn im 14. Jahrhundert. Unter Kaiser Sigmund wurde der Doppeladler um 1400 zum Kaiser- und Reichssymbol. Im Reichswappen wurden ihm später Reichsinsignien beigegeben, außerdem das Hausschild des jeweiligen Kaisers. Als Schildhalter dienten zwei Greifen. Fast ein halbes Jahrtausend symbolisierte der Doppeladler das Reich der Deutschen. Nach dessen Auflösung 1806 wurde der doppelköpfige Aar in Österreich als kaiserliches Sinnbild bis 1918 weitergeführt. In den 30er Jahren kam er im österreichischen Staatswappen kurzzeitig zu neuen Ehren. Die Frankfurter Nationalversammlung hatte den Doppeladler ohne weitere Attribute zum Wappen des Deutschen Bundes erklärt. Das Deutsche Reich von 1871 entschied sich für den einköpfigen Adler als Symbol, ebenso verfuhren Weimarer Republik, Drittes Reich, Bundesrepublik Deutschland und die Republik Österreich 1919 und 1945.

 

• Dreissigjähriger Krieg

Deutsche Schwäche führte 1618 zum entsetzlichsten Krieg der europäischen Geschichte. Deutschland wurde zum verwüsteten Schlachtfeld fremder Interessen. Es begann mit einer Empörung in Böhmen, die das Reich nicht in den Griff bekam. In der Folgezeit traten fast alle europäischen Mächte auf den Plan, um sich ihren Anteil der deutschen Beute zu sichern. Als sich Mitte der 1630er Jahre Kriegsmüdigkeit ausbreitete und ein für das Deutsche Reich glimpflicher Friede mit Bewahrung kaiserlich-habsburgischer Macht möglich erschien, fachte Frankreich das Feuer erneut an. Es kam zum blutigsten Abschnitt, dem schwedisch-französischen Krieg auf deutschem Boden (1636-1648). Zuvor hatte der bedeutendste deutsche Feldherr des 30jährigen Krieges, Wallenstein, versucht, auf eigene Faust Fremdmächte hinauszudrängen und günstigen Frieden zu erreichen. Er strauchelte wegen politischen Ungeschicks und Intrigen und wurde ermordet. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 endete das Gemetzel. Deutschland hatte 12 Millionen Tote, rund zwei Drittel seiner Bevölkerung, zu beklagen. Das Reich war politisch und wirtschaftlich ruiniert. Das deutsche Volk brauchte fast ein Vierteljahrtausend zur Erholung von diesem Holocaust.

 

• Dresden

Sachsens Hauptstadt wurde 1206 erstmals urkundlich erwähnt, 1216 mit Magdeburger Stadtrecht versehen, unter August dem Starken zur deutschen und europäischen Kulturmetropole ("Elbflorenz") und im 20. Jahrhundert 600 000 Einwohner stark. Seit den verheerenden Angriffen der britischen RAF und der US-Air Force vom 13. bis zum 15. Februar 1945 steht Dresdens Name für den Bombenholocaust der Westmächte. Wer nicht im Höllenfeuer aus Menschenhand (auf die Stadt fielen 600 000 Brandbomben) umkam, wurde von alliierten Tieffliegern gezielt niedergemäht. Die Zertrümmerung Dresdens kurz vor Kriegsende, "the greatest single holocaust by war" (so der britische Diplomat und Publizist Harold Nicolson), hatte nicht den geringsten militärischen Sinn, war reiner Terror. Das Internationale Rote Kreuz schrieb in seinem "Report of the Joint Relief 1941-1946", daß die Vernichtungsschläge der Westalliierten im Februar 1945 275 000 Menschenleben in Dresden gefordert hatten.

 

• Dritter Oktober

Am 3. Oktober 1990 konnte die staatliche Wiedervereinigung von Westdeutschland mit den fünf Ländern, die bis dahin das Gebiet der DDR gebildet hatten (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen), und Ost-Berlin vollzogen werden. In Berlin fand ein Staatsakt statt. Der 3. Oktober wurde - anstelle des 17. Juni - deutscher Nationalfeiertag. Vorangegangen waren das nationale Aufbegehren der Völker jenseits des Eisernen Vorhangs gegen den Sowjetimperialismus, die Neuausrichtung der Politik Moskaus und die Massendemonstrationen in Mitteldeutschland ("Deutschland, einig Vaterland") in Verbindung mit einer großen Fluchtbewegung nach Öffnung der Grenzen. Am 18. Mai 1990 schlossen Bonn und Ost-Berlin den "Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion" und am 31. August 1990 den " Vertrag über die Herstellung der Einheit Deutschlands". Hinzu kam am 12. September 1990 der "Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland" ("Zwei-plus-Vier-Vertrag") mit den Siegermächten UdSSR, USA, Großbritannien und Frankreich.

 

• Drittes Reich

Von der Idee eines Dritten Reiches waren europäische Gelehrte seit dem Mittelalter besessen. Zuerst nachweisbar ist das Wort bei Joachim von Floris im 12. Jahrhundert. Auch Lessing, Schelling, Ibsen, Mereschkowski und, zu Anfang des 20. Jahrhunderts, Krieck, Thomas Mann, Dietrich Ekkart, Arthur Moeller van den Bruck (dessen Buchtitel 1923 lautete entsprechend) begeisterten sich für ein "Drittes Reich". Mal war es die Sehnsucht nach Verbindung, mal nach Überwindung des Gegensatzes von Weltlichem und Geistlichem, in Deutschland seit 1806 vor allem die Hoffnung auf ein neues, das dritte Reich. Hitler griff das Wort auf, nutzte es für seine Propaganda. Nach dem 30. Januar 1933 war es die offiziöse Bezeichnung des nationalsozialistischen Deutschland. Am 10. Juli 1939 erfolgte die Anweisung an die Presse, nicht mehr vom Dritten Reich, sondern vom Großdeutschen Reich zu sprechen und zu schreiben. Doch blieb der Ausdruck landläufig für das NS-diktatorisch geführte Deutsche Reich.

 

• Duden

"Der Duden" ist zum Begriff einer im gesamten deutschen Sprachraum verbindlichen Rechtschreibung geworden. Das Werk hat zur deutschen Einheit beigetragen und separatistischen Tendenzen entgegengewirkt. Konrad Duden (1829-1911) war in seiner Jugend begeisterter Anhänger der großdeutschen Bewegung und später reichstreuer Nationalfreiheitlicher. Als er 1869 Gymnasialdirektor wurde, herrschten in der Rechtschreibung des deutschen Sprachraumes chaotische Zustände. Duden begann mit der Niederschrift eines Regelwerkes, das 1880 erstmals erschien. Es wurde zur Grundlage der 1901 von der orthographischen Konferenz in Berlin beschlossenen einheitlichen Rechtschreibung für das ganze Deutsche Reich, die heute noch gültig ist und auch von der Schweiz und Österreich anerkannt wird. Ab 1954 gab es zwei Duden-Redaktionen: Eine in Leipzig für die DDR und eine in Mannheim, Wien und Zürich für den anderen deutschen Sprachraum. 1990 kam es auch bei den Duden-Redaktionen von Mannheim und Leipzig zur Wiedervereinigung.

 

• Düppeler Schanzen

Düppel ist der Name eines Dorfes auf der Halbinsel Sundewitt im Süden Jütlands bei Sonderburg. Von 1871 bis 1920 gehörte es zum Deutschen Reich, seither ist es dänisch. Dort legten die Dänen in den Deutsch-Dänischen Kriegen heftig umkämpfte Befestigungen an: die Düppeler Schanzen. Am 13. April 1849 gelang es bayerischen und sächsischen Soldaten des Deutschen Bundesheeres, die Schanzen zu erstürmen. Der Sieg machte im deutschen Volk großen Eindruck und kräftigte den Willen, Schleswig-Holstein ungeteilt und deutsch zu erhalten. Am 18. April 1864 gelang den Deutschen, diesmal den preußischen Truppen unter Prinz Friedrich Karl, erneut, die Düppeler Schanzen zu nehmen. Es war der erste größere preußische Sieg seit den Befreiungskriegen, stärkte Preußens Ansehen und trug auf diese Weise zurNeugründung des Deutschen Reiches unter preußischer Führung bei.

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