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• Ebernburg

Die Ebernburg bei Kreuznach wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt. 1448 kam sie in den Besitz der Sickinger. Auf ihr wurde 1481 Reichsritter Franz von Sickingen geboren. Er kämpfte gegen französische Anmaßung und Fürstenwillkür, für ein starkes Reich mit dem Rittertum als Rückgrat. Die Ebernburg wurde unter ihm zum Zufluchtsort Verfolgter. Sickingen gewährte u. a. Martin Bucer und Ulrich von Hutten Asyl. In der Burgkapelle hielt Johannes Oekolampad 1522 den ersten Gottesdienst in deutscher Sprache. Sickingen unterlag der fürstlichen Übermacht und fiel am 7. Mai 1523. Die Ebernburg geriet im Verlaufe der folgenden Jahrhunderte mehrfach in französische Hand. Im 19. Jahrhundert wurde sie restauriert, 1945 von Siegern geplündert. Das 1889 auf der Ebernburg eingeweihte Hutten-Sickingen-Denkmal, ein Werk der Bildhauer Ludwig, Hugo und Emil Cauer, trägt die Inschrift: "Den Vorkämpfern deutscher Einheit und Größe Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen gedacht."

 

• Edler Ritter

Volkstümliche Bezeichnung für den Prinzen Eugen von Savoyen (1663-1736). Er befreite das Abendland von der Türkengefahr, drängte die Franzosen aus dem Deutschen Reich und schuf die Grundlagen für Österreich als Großmacht. Savoyen war einst ein weitgehend selbständiger, blühender Teil des Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation. Dann wurde es von Frankreich vereinnahmt und sank zur Provinz ab. Eugen war von häßlicher Gestalt. Auf Abenteuer aus und vom Hofstaat Ludwigs XIV. in Versailles angeekelt, meldete er sich 1683 zum kaiserlich-deutschen Heer. Er nahm an der welthistorischen Abwehrschlacht vor Wien teil und erfocht 1687 am Berg Harsany bei Mohacs unter Karl von Lothringen seinen ersten bedeutsamen Sieg über die Türken. Als Befehlshaber der Truppen Österreichs triumphierte er über Osmanen und Franzosen, die das Reich der Deutschen in konzertierter Aktion erobern wollten. Der Sieg über die Türken am 16. August 1717 bei Belgrad ließ Eugen endgültig als Edler Ritter legendär werden, so auch im bekannten Volkslied. Eugen war größter Feldherr seiner Zeit und bedeutender Staatsmann. Von ihm als Freund der Kunst zeugt sein Schloß Belvedere in Wien.

 

• Ehrenbreitstein

Über der rechtsrheinischen Ortschaft Ehrenbreitstein, einem Vorort von Koblenz, erhebt sich die 1000 erstmals erbaute Veste, genannt "der Schlüssel zum Rhein". Auf dem gegenüberliegenden Rheinufer liegt das Deutsche Eck. Ende des 18. Jahrhunderts trotzte der Ehrenbreitstein 1000 Tage dem französischen Ansturm. 1801 wurde die in den Jahrhunderten zuvor ausgebaute Festung auf Napoleons Geheiß gesprengt. Preußen errichtete auf der Anhöhe von 1815 bis 1832 ein neues Festungswerk, das für 50 Jahre größte seiner Art in Europa. Nach 1918 zogen dort die US-Amerikaner, 1923 die Franzosen ein. 1929 kam der Ehrenbreitstein wieder in deutsche Hand. 1934 fand hier die gewaltige Saar-Treuekundgebung mit mehr als einer halben Million Teilnehmern statt. Weil Koblenz die größte deutsche Heeresgarnison hat, wurde auf der Festung 1972 in einer Nische der Nordmauer das Ehrenmal des deutschen Heeres eingeweiht.

 

• Eiche

Das Holz der Eiche ist besonders wertvoll. Sie war den Germanen heilig, die überhaupt Baum und Wald verehrten und hegten. Der germanisch-deutsche Baum-Mythos wird durch die Erkenntnisse zur überragenden Bedeutung des Waldes im Ökosystem eindrucksvoll naturwissenschaftlich gerechtfertigt. Als Einzelbaum oder im Hain galt die Eiche den Germanen als Baum des Donar. In Geismar bei Fritzlar soll der Missionar Bonifatius im 8. Jahrhundert die berühmteste Donar-Eiche gefällt haben; aus ihrem Holze sei die Klosterkirche gebaut worden, heißt es. Bei der Christianisierung wurde die Eiche als Hexenbaum verteufelt oder zur Marienverehrung umgewidmet. Magische Bedeutung hat die Eiche in Volksbräuchen, und sie dient der Gewinnung althergebrachter Heilmittel. Im deutschen Märchen spielt sie eine bedeutsame Rolle. Stets blieb ihr Mythos im deutschen Volk ungebrochen: "So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise. Ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün" (Wagner, Tannhäuser); "Fest wie unsere Eichen halten allezeit wir stand" (Niedersachsenlied). Die Tapfersten werden seit alters her mit dem Eichenlaub bekränzt.

 

• Eichenlaub

Seit alten Zeiten dient das Laub des deutschen Nationalbaums als Auszeichnung für Verdienste und Tapferkeit. Es wurde 1811 beim Roten Adlerorden eingeführt. Das im Befreiungskrieg 1813 gestiftete Eiserne Kreuz war auf der Rückseite mit Eichenlaub versehen. Im Kriege 1870/71 war das Eichenlaub die höchste Stufe des Eisernen Kreuzes. Am 3. Juni 1940 stiftete das deutsche Staatsoberhaupt das Eichenlaub zur Erhöhung des Ritterkreuzes um eine Stufe. Erster Eichenlaubträger war Generalleutnant Eduard Dietl. 910 Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg mit dem Eichenlaub ausgezeichnet, unter ihnen sieben ausländische Generale. 519 Träger des Eichenlaubes stammten aus den Reihen des Heeres, 254 waren Angehörige der Luftwaffe, 77 kämpften in der Waffen-SS, 53 waren Männer der Kriegsmarine. 275 Eichenlaubträger gaben im Krieg 1939-1945 ihr Leben, 23 kamen in den Lagern der Sieger um, 10 wurden nach alliierten Tribuna1en hingerichtet.

 

• Eiserne Krone

In der Schatzkammer des Domes zu Monza, erbaut im 13. und 14. Jahrhundert, als die Lombardei Teil des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) war, wird die Eiserne Krone der Langobarden aufbewahrt. Sie besteht aus einem breiten goldenen, mit Edelsteinen besetzten Reifen, der innen von einem eisernen Stützband (daher der Name) gehalten wird. Dem Mythos zufolge stammt das Band aus einem Nagel vom Kreuze Christi. Mit der Eisernen Krone wurden seit dem Ende des 6. Jahrhunderts die Könige der germanischen Langobarden gekrönt, die jenseits der Alpen, im heutigen Norditalien, ein mächtiges Reich gegründet hatten. Karl der Große unterwarf sie und setzte sich ihre Krone auf. In den folgenden Jahrhunderten trugen die meisten deutschen Kaiser und Könige als Symbol der Zugehörigkeit der Lombardei zum Reich die Eiserne Krone. Eine tausendjährige Tradition unterbrechend, usurpierte Napoleon 1805 die Krone. 1838 wurde Ferdinand I. von Österreich mit ihr zum König der Lombardei gekrönt. Der neuen lombardischen Unabhängigkeitsbewegung der 1990er Jahre gilt sie als Sinnbild der Verbundenheit des Landes mit Mitteleuropa.

 

• Eisernes Kreuz

Am 10. März 1813, dem Geburtstag seiner verstorbenen Gemahlin, Königin Luise, stiftete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen für die Dauer der Befreiungskriege das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsauszeichnung. Es geht auf das Balkenkreuz der Ordensritter zurück, wurde vom König entworfen und von Schinkel gestaltet. Aus Eisen bestehend, hatte es im Gegensatz zu anderen Orden keinen materiellen Wert. So sollte das Ideal des Befreiungskampfes zum Ausdruck kommen. Das EK war eine standesübergreifende Auszeichnung und konnte an Offiziere und Mannschaften verliehen werden. Es wurde 1870, 1914 und 1939 erneuert. Die mit goldenen Strahlen versehene besondere Ausführung ("Blücherstern") wurde zweimal verliehen: 1815 an Blücher, 1918 an Hindenburg. Die höchste Stufe des EK im Zweiten Weltkrieg erhielt als einziger Hans Ulrich Rudel. Auch tapfere deutsche Frauen wurden mit dem EK ausgezeichnet: Als erste posthum Königin Luise, dann Friederike Krüger im Juni 1814 mit dem EK II. Als einziger Frau wurde Flugkapitän Hanna Reitsch 1942 das EK I verliehen. Ab 1819 war das Eiserne Kreuz auch ein staatliches Symbol in Preußen, dann im Deutschen Reich. Es wurde Bestandteil der Reichskriegsflaggen sowie Nationalitätenkennzeichen in beiden Weltkriegen und bei der Bundeswehr.

 

• Elisabethkirche

In Marburg an der Lahn, über dem Grabe der als Gloria Teutoniae (Ruhm Deutschlands) verehrten Heiligen Elisabeth, ließ der Hochmeister des Deutschen Ordens, Landgraf Konrad von Hessen-Thüringen, ein Gotteshaus errichten. Den Grundstein der ältesten gotischen Kirche Deutschlands legte 1236 Kaiser Friedrich II. Ein Jahr später vereinigten sich im Deutschordenshaus zu Marburg Ritterorden und Schwertbrüder. Die Einweihung der Elisabethkirche fand 1283 statt, die Türme waren 1340 vollendet. In einem Schrein der Kirche wurde die sterbliche Hülle der Heiligen gehütet, bis Elisabeths Nachfahr Philipp der Gutmütige im 16. Jahrhundert den Leichnam der Ahnherrin des hessischen Fürstenhauses an unbekannter Stelle beisetzen ließ. Die Elisabethkirche barg bis 1951 die Särge Friedrichs des Großen und dessen Vaters, Friedrich Wilhelm I., aus der kriegszerstörten Potsdamer Garnisonkirche. Sie wurden dann auf Burg Hohenzollern gebracht und kehrten 1991 nach Potsdam zurück. Seit 1946 befinden sich in der Turmhalle der Kirche die sterblichen Hüllen Hindenburgs und seiner Gemahlin Gertrud, die ursprünglich im Reichsehrenmal Tannenberg bestattet waren; über der Grabesstätte prangen die Wappen der Landkomture des Deutschen Ordens.

 

• Elsaß

Das Elsaß gehörte zur römischen Provinz Obergermanien, wurde von den germanischen Alemannen besiedelt, war ab dem 5. Jahrhundert Teil des Frankenreiches und kam 870 zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Im 10. Jahrhundert wurde es mit Schwaben vereint. Es war Kerngebiet deutscher Königsrnacht und kulturelle Hochburg des Reiches. Habsburger waren ab dem 12. Jahrhundert die wichtigsten weltlichen Herren. Im 17. Jahrhundert verleibte sich Frankreich das Elsaß ein, 1681 erfolgte der Raub Straßburgs. Mit der Französischen Revolution begann die rücksichtslose Entdeutschung. Nach Niederwerfung Napoleons I. blieb Paris im Besitz des Landes; mit Ausnahme von Landau, das an die bayerische Rheinpfalz fiel. Außer Belfort kam das Elsaß 1871 zum Deutschen Reich (Reichsland Elsaß-Lothringen). Nach 1918 fiel es erneut an Frankreich; über 100 000 Deutsche wurden vertrieben. 1940 wurde eine deutsche Verwaltung eingerichtet. Ende 1944 begann gegen deutsche Kräfte Terror und KZ-Unrecht. Bis heute verwehrt Paris den Deutschen im Elsaß grundlegende Sprach- und Volkstumsrechte. In jüngster Zeit regt sich wieder deutsches Bewußtsein. Eine Umfrage brachte 1992 eine Dreiviertelmehrheit für Deutsch als gleichberechtigte Unterrichtssprache.

 

• Elsaß-Lothringen

Amtliche Bezeichnung: Reichsland Elsaß-Lothringen. Jene Gebiete, die Frankreich 1871 ans Deutsche Reich abtreten mußte. Die 14 500 qkm waren ein Viertel der Fläche, die Frankreich seit dem Mittelalter dem Reich geraubt hatte. 87 Prozent der Einwohner des Reichslandes waren Deutsche, 11 Prozent Französischsprachige. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (besonders die begüterten Kreise waren für Frankreich) gelang die Integration ins Deutsche Reich. Ab 1911 hatte das Reichsland einen eigenen Landtag und war mit drei Stimmen im Bundesrat vertreten. In überwiegend französischen Gegenden wurde die fremde Kultur vom deutschen Staat geachtet, auch Unterricht in französischer Sprache erteilt. Das Land nahm wirtschaftlich und kulturell Aufschwung, wozu die 1872 gegründete und großzügig ausgestattete Straßburger Kaiser-Wilhelm-Universität beitrug. 1914 bis 1918 erfüllten die Einwohner des Reichslandes ihre Pflicht für Deutschland; Desertion und Sabotage blieben Ausnahmen. 1918 und 1944/45 wurde das Gebiet von Frankreich erneut annektiert.

 

• Erster Weltkrieg

Bismarck sicherte Europa Jahrzehnte des Friedens. Als die Initiative auf die französische Diplomatie überging, wuchs die Kriegsgefahr. Berlin, das den Rückversicherungsvertrag mit Rußland nicht verlängert hatte und von westlicher Wertegemeinschaft träumte ("unsere angelsächsischen Vettern"), wurde eingekreist, auf dem multikulturellen Balkan der Brand entfacht. Das Deutsche Reich und seine Verbündeten Österreich-Ungarn, Bulgarien, die Türkei ("Mittelmächte") gingen schwach gerüstet in den Krieg, waren vor allem zur See kaum gewappnet. Sie hatten lediglich minimale Rohstoffvorkommen. Deutschlands Feinde, "die Entente", beherrschten 1914 die halbe Erde und 75% der Rohstoffe. Die deutschen Soldaten in reichsdeutscher und österreichischer Uniform vollbrachten sagenhafte Leistungen. Deutsche Friedensvorschläge wurden von der Entente abgelehnt. 1917 war ein deutscher Sieg im Osten und ein Unentschieden im Westen möglich. Die USA, von Deutschland militärisch nicht bedroht, brachten den Ausschlag gegen die Deutschen. Washington wandelte sich vom größten Schuldner zum größten Gläubiger der Welt. Im Vertrauen auf die 14 Punkte des US-Präsidenten Wilson (Selbstbestimmung) legten die Deutschen die Waffen nieder. Statt gerechten Frieden zu schaffen, diktierten die Westalliierten Verträge (Versailles usw.) die brutal die Deutschen als Konkurrenten ausschalten sollten und den Keim des Zweiten Weltkrieges bargen.
Weiterführend:
Viktoria kommt aus Übersee

 

• Erzämter

"Erz-" ist eine dem Griechischen "arch-" entlehnte Vorsilbe, die das nachgestellte Wort steigert. Bei der Krönung Ottos des Großen 936 in Aachen versahen die vier deutschen Herzöge zum ersten Male die Erzämter (auch Hofämter genannt) des Heiligen Reiches: Schenk, Truchseß, Marschall, Kämmerer. Im Mittelalter bekleideten die sieben zur Wahl des Königs berechtigten Kurfürsten die Erzämter. Der Erzbischof von Mainz war Erzkanzler des Reiches, der Erzbischof von Köln Erzkanzler für Italien, der Erzbischof von Trier Erzkanzler für Gallien und Burgund, der Pfalzgraf bei Rhein Erztruchseß, der Kurfürst von Sachsen Erzmarschall, der Kurfürst von Brandenburg Erzkämmerer und der Kurfürst von Böhmen Erzmundschenk. Ab dem 17. Jahrhundert gab es Veränderungen. So kam das Erztruchsessenamt an Bayern, die Kurpfalz erhielt das Erzschatzmeisteramt, Kur-Hannover das Reichsbanneramt. Den unmittelbaren erzamtlichen Dienst versahen meist Angehörige gräflicher Geschlechter, zum Beispiel die Grafen von Pappenheim als Reichserzmarschälle. Die Erzämter hatten eine kaum zu überschätzende symbolische Bedeutung. Sie versinnbildlichten die Einheit des Reiches.

 

• Erzherzog-Karl-Denkmal

Das Reiterstandbild auf dem Wiener Heldenplatz ist dem österreichischen Erzherzog Karl gewidmet. Ihm war es 1809 bei Aspern gelungen, Napoleon erstmals in offener Feldschlacht zu bezwingen. Karl wurde von Kleist als "Überwinder des Unüberwindlichen" gefeiert. Das Denkmal trägt die Inschrift: "Dem beharrlichen Kämpfer für Deutschlands Ehre." Kaiser Franz Joseph hatte 1853 den aus Erfurt stammenden Bildhauer Anton Dominik Fernkorn mit der Errichtung des Monuments beauftragt, das mit Sockel 17 Meter hoch ist. Die bildhauerische und architektonische Meisterleistung - das mächtige Denkmal ruht auf nur zwei Beinen des Rosses - wurde 1860 feierlich enthüllt. 1865 wurde in der Nähe das ebenfalls von Fernkorn geschaffene Denkmal zu Ehren des Prinzen Eugen eingeweiht.

 

• Estland

Vom Anfang des 12.Jahrhunderts bis Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte Estland als Teil des Ordensritterstaates zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Den dänischen Besitz kaufte der Orden 1346 hinzu. Die Hauptstadt Reval (estnisch: Tallinn) entstand 1219 als deutsche Stadt, erhielt 1248 Lübisches Recht und trat 1285 der Hanse bei. Sie bewahrte auch unter schwedischer und russischer Herrschaft deutschen Charakter. 1561 wurde Estland schwedisch, 1721 russisch, 1802 die wiedergegründete Universität Dorpat Zentrum deutschen Geisteslebens im Russischen Reich. Mit deutscher Hilfe wurde Estland 1918 unabhängig. Es enteignete die deutschen Großgrundbesitzer, gewährte aber der deutschen Minderheit Kulturautonomie. Im Oktober 1939 wurden 20 000 Deutsche ins Reich umgesiedelt. Unterstützt von estnischen Aufständischen warf die Wehrmacht 1941 die Rote Armee aus dem Land. Am 19. März 1942 bekam Estland von den Deutschen eine eigene Verwaltung. 45 000 Esten kämpften als Waffenbrüder der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Vom Westen verraten, mußten sich die Esten 1945 den Sowjets beugen, bis sie ihre nationale Freiheit 1989 erneut errangen.

 

• Etsch

Über viele Jahrhunderte lag das gesamte Einzugsgebiet (12 200 qkm) der 415 Kilometer langen Etsch im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Sie entspringt am Reschenpaß, durchfließt den Vinschgau, nimmt südlich von Bozen den Eisack auf, verläßt an der Salurner Klause das geschlossene deutsche Sprach- und Siedlungsgebiet und mündet am Nordrand des Podeltas in die Adria. Der italienische Name des Flusses lautet "Adige". Als bedeutendsten Fluß der südlichsten deutschen Provinz hat Hoffmann von Fallersleben die Etsch im Lied der Deutschen (Deutschlandlied) neben Maas, Memel und Belt besungen.

 

• Eupen-Malmedy

Das Gebiet gehörte fast 1000 Jahre zum ersten Reich der Deutschen. Ab 1815 war es Teil der preußischen Rheinprovinz. Nach 1918 nutzte Brüssel die deutsche Schwäche und entriß dem Reich Eupen, Malmedy und St. Vith (1036qkm). 50 000 Einwohner waren Deutsche, 10 000 waren Wallonen. Am 24.Juli 1920 ließ Belgien die Annexion durch eine Scheinabstimmung "bestätigen". Eupen-Malmedywurde bis Mai 1925 von einem Militärdiktator regiert, der Zweisprachigkeit aufzwang. 1926 erklärte sich Brüssel mit dem Rückkauf des Landes durch Berlin einverstanden. Frankreich verhinderte den Plan. 1936 erhielt die für den Anschluß an Deutschland fechtende "Heimattreue Front" die Mehrheit der Stimmen. 1940 wurde das Land dem Deutschen Reich angeschlossen. Fünf Jahre später fiel es erneut an Belgien. Zwar gewährt Brüssel den Deutschen einige Volkstumsrechte, doch nicht die Gleichberechtigung mit den anderen ethnischen Gruppen Belgiens. Bei der Föderalisierung wurde das Gebiet der französischsprachigen Wallonie zugeschlagen.

 

• Externsteine

Bei Horn im östlichen Teutoburger Wald ragen fünfzehn zerklüftete Felsen aus Kreidesandstein schroff empor. In einem der künstlich geschaffenen Felsenräume dieser Externsteine befindet sich eine Kapelle, die laut Inschrift im Jahre 1115 geweiht wurde. An der äußeren Felswand ist das aus dem 12. Jahrhundert stammende Relief der Kreuzabnahme Christi zu erkennen. Viel spricht dafür, daß die Externsteine eine germanische Weihestätte in vorchristlicher Zeit waren. Der Feier der Sonnenwende, die in der Religion der Germanen entscheidende Bedeutung hatte, waren demzufolge dort Kulträume gewidmet. Archäologische Forschungen an dem Felsen weisen auf erstaunliche astronomische Kenntnisse der Frühzeit hin. Vermutlich war die Weihestätte ursprünglich erheblich größer, wurde aber während der Sachsenkriege von Truppen Karls des Großen zum Teil zerstört. Nicht weit von den Externsteinen entfernt erhebt sich das Hermannsdenkmal.

 

• Fallschirmjäger-Ehrenmal

Das Ehrenmal für die Fallschirmjäger und Transportflieger befindet sich im Innenhof der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt bei Schongau/Oberbayern. Die feierliche Einweihung in Anwesenheit des Oberbefehlshabers der Fallschirmtruppe im Zweiten Weltkrieg, Generaloberst Student, fand am 9. September 1966 statt, dem 30. Jahrestag der Aufstellung der Deutschen Fallschirmtruppe und 10-Jahres-Jubiläum der Luftlande- und Lufttransportschule. Die künstlerische Gestaltung des Monuments oblag dem Schongauer Bildhauer Hans H. Beckert. Die Vorderseite zeigt den stürzenden Adler als Symbol der Waffengattung. In der Fallschirmtruppe bis 1945 zierte dieser Adler das Fallschirmschützenabzeichen, welches in leicht geänderter Form als Barettemblem für die Fallschirmjäger der Bundeswehr übernommen wurde. Zum Kreta-Tag, am 20. Mai, wird im Rahmen eines Appells vor dem Ehrenmal alljährlich der Gefallenen gedacht. Auf Kreta hatten die deutschen Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg ihren opferreichsten Kampfeinsatz.

 

• Fehrbellin

Nach dem Dreißigjährigen Krieg bestand die Gefahr des "Finis Germaniae", des Ende Deutschlands: Franzosen drängten vom Westen, Türken vom Südosten und Schweden vom Norden ins Reich. Die Schweden hatten im Westfälischen Frieden die Kontrolle über die Mündungen der deutschen Hauptströme errungen und beherrschten damit den Außenhandel des Reiches. Im Juni 1675 nutzten sie die Abwesenheit des von Frankreich am Rhein im Holländischen Krieg gebundenen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I., um in Brandenburg einzufallen. In Eilmärschen führten der Kurfürst und sein genialer Stratege Derfflinger die brandenburgischen Truppen den Schweden entgegen. Bei Hackenfeld südöstlich des märkischen Städtchens Fehrbellin stellten 5700 Brandenburger am 28. Juni 1675 rund 11 000 Schweden zur Entscheidungsschlacht. Die Schweden wurden besiegt, zunächst aus Brandenburg, bald darauf aus fast ganz Norddeutschland verjagt. Die Schlacht bei Fehrbellin machte Brandenburg den Weg zur Großmacht frei und begründete den Ruhm des fortan als Großer Kurfürst bezeichneten Friedrich Wilhelm I.

 

• Feindstaatenklauseln

Bezeichnung für die Artikel 53 und 107 der Charta der Vereinten Nationen. Sie geben den Alliierten des Zweiten Weltkrieges - mehr als fünfzig Staaten - das "Recht", allein, zu mehreren oder insgesamt gegen Deutschland als einstigen Feindstaat vorzugehen, ohne daß UNO-Vollversammlung oder -Sicherheitsrat zustimmen müßten. Der Katalog der Maßnahmen geht im Falle der "Erneuerung aggressiver Politik" durch Deutschland bis zur militärischen Intervention. Die Bundesregierung unternahm seit deutscher Zugehörigkeit zur UNO keine Anstrengung gegen die Feindstaatenklauseln, obwohl eine große Mehrheit für die Beseitigung sicher erscheint und die Deutschen fast ein Zehntel des UNO-Haushaltes bestreiten. Die Klauseln sind eine moralische Diskriminierung des deutschen Volkes und können bei ungünstiger weltpolitischer Lage verheerende Folgen haben.

 

• Feldherrnhalle

In Würdigung der Befreiungskriege ließ Bayerns König Ludwig I. Feldherrnhalle und Siegestor in München errichten. Die Feldherrnhalle erbaute Friedrich von Gärtner, Schöpfer auch der Befreiungshalle. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Juni 1841, Jahrestag von Waterloo, die Vollendung am 18. Oktober 1844, Gedenkdatum der Leipziger Völkerschlacht. Am gleichen Tage wurden auch die von Schwanthaler entworfenen und von Ferdinand von Miller gegossenen Bronzefiguren der bayerischen Feldherren Tilly und Wrede an der Halle eingeweiht (daher der Name des Bauwerkes). Nach 1871 kam ein Ehrenmal für die bayerischen Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges hinzu. 1908 wurden, die beiden steinernen Löwen des Bildhauers Rümann aufgestellt. Ab 1933 befand sich an der Ostseite der Halle eine von Kurt Schmidt-Ehmen geschaffene und 1945 beseitigte Tafel für die dort am 9. November 1923 von der Landespolizei erschossenen 16 Hitleranhänger. Die Nationalsozialisten zelebrierten an der Halle Weihefeiern. Die 60. Infanteriedivision der Wehrmacht erhielt 1944 als Panzergrenadierdivision den Namen "Feldherrnhalle".

 

• Flamen

Die fast sechs Millionen Flamen, ihrer Herkunft nach Niederfranken, Niedersachsen und Friesen, siedeln im Süden der Niederlande, im Norden und Westen Belgiens sowie auf französischem Staatsgebiet bis hinter Dünkirchen und LilIe (Rijssel). Sie sprechen Mundarten des Niederländischen. Seit dem 18. Jahrhundert haben sie gegen französische Überfremdung zu kämpfen. Ihr Gebiet von Calais bis Boulogne fiel der Französisierung zum Opfer. Seit Gründung Belgiens, 1830, hatten sie sich gegen Kolonialpraktiken französischsprachiger Wallonen zu wehren. Standhaftigkeit, verbunden mit hoher Geburtenrate, ließen das Flamentum überleben. Im Zweiten Weltkrieg kämpften 10 000 Flamen als Waffengefährten der Deutschen Wehrmacht; 600 flämische Schwestern leisteten Sanitätsdienst an der Ostfront. Die Bewegung gegen Überfremdung und für die Loslösung Flanderns von Belgien ("Eigen Volk eerst") hat großen Zulauf. Die Ijzerbeedevaart ist ein alljährliches mächtiges Bekenntnis zum flämischen Volkstum.

 

• Flandern

Das Land der Flamen war seit dem 9. Jahrhundert größtenteils französisch, konnte jedoch im Kampf gegen Frankreich ("Sporenschlacht" , 1302) Eigenständigkeit behaupten. Durch die Deutsche Hanse kam es zu Wohlstand. Unter den Habsburgern wurde es im 15. Jahrhundert Teil des Deutschen Reiches. Seit 1830 bildet es den Norden und Westen Belgiens, wo die Flamen 55 % der Bevölkerung stellen. Jan Frans Willem (1793-1846) begründete die Flämische Bewegung gegen wallonisch-französische Anmaßung. Mitstreiter war Hoffmann von Fallersleben, der Schöpfer des Deutschlandliedes und Förderer flämischer Volkskultur. Hoffmann schrieb ein Lied mit dem Bekenntnis: "Flandern über alles." Nach zähem Kampf erreichten die Flamen die Gleichberechtigung der niederländischen Sprache. Im Ersten Weltkrieg gewährte Deutschland als Besatzungsmacht die Flämisierung der Universität Gent und weitgehende Unabhängigkeit ("Rat von Flandern"). Nach 1918 (wie auch nach 1945) gab es antiflämischen Terror, unter dem besonders prodeutsche Kräfte zu leiden hatten. Die flämische Unabhängigkeitsbewegung wächst. Das Auseinanderbrechen des multikulturellen Belgien ist wahrscheinlich.

 

• Fliegerehrenmal

30 000 Deutsche waren zugegen, als am 30. August 1923 das Ehrenmal auf dem Berg der Flieger, der Wasserkuppe in der Rhön, feierlich eingeweiht wurde. Unter den Ehrengästen befand sich der frühere Generalstabschef der 8. Armee und Erste Generalquartiermeister, Erich Ludendorff. Der Denkmalsentwurf stammte vom Münchner Baumeister Johannes Moßner, der selbst alter Flieger war. Der Bronzeadler, ein Werk des Tierbildhauers Gaul, hatte lange zusammen mit einem Zwillingsstück die Toreinfahrt zum Besitz des Reeders und Beraters von Kaiser Wilhelm II., Albert Ballin, bei Hamburg geziert. Die Witwe Ballins, der aus deutschjüdischer patriotischer Familie stammte, stiftete den Adler sowie Mittel für den Bau des Monuments auf der Wasserkuppe. Sie wollte damit vaterländisch im Sinne ihres Gatten handeln. Eine 1945 von den Siegern entfernte Tafel verkündete am Fliegerehrenmal: "Helden sterben nie vergebens. / Kannst Du ihren Sieg nicht melden, / So erstehen neue Helden / Aus dem Opfer ihres Lebens."

 

• Flüchtlinge

Im 20. Jahrhundert gab es weltweit rund 200 Millionen Flüchtlinge und Emigranten, von denen etwa jeder zehnte umkam. Ursächlich waren meist Kolonial- und Stellvertreterkriege der Siegermächte des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Deutschland mußte nach 1918 die Aufnahme von annähernd 1,5 Millionen Flüchtlingen meistern, die vorwiegend aus den polnisch besetzten deutschen Gebieten und aus Elsaß-Lothringen stammten. 1945 gab es mehr als 15 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene, von denen mindestens 2,5 Millionen den Siegerverbrechen zum Opfer fielen. Bis zum Bau der Mauer 1961 waren rund drei Millionen Sowjetzonenflüchtlinge in die Bundesrepublik gekommen. Von den Flüchtlingen, die sich in Deutschland als Asylbewerber melden, ist nur ein Bruchteil politisch verfolgt oder von Krieg und Hungersnot bedroht. Die meisten täuschen Verfolgung und akute Notlage vor (Scheinasylanten).

 

• Frankfurt am Main

Bei einer Pfalz der Franken entstand die 794 erstmals als Franconofurd erwähnte Siedlung. Die Stauferzeit brachte eine erste Blüte. Frankfurt wurde Oberhof einer großen Stadtrechtsfamilie. Die Goldene Bulle, Grundgesetz des Deutschen Reiches, bestimmte Frankfurt ab 1356 zur Stätte der deutschen Königswahl. Ab 1562 erfolgten im Frankfurter Dom (bis dahin im Aachener Münster) die meisten Krönungen deutscher Kaiser. Als Messestadt gewann Frankfurt ab dem 15. Jahrhundert große Bedeutung. Es wurde mehrfach Opfer französischer Kriegszüge. 1815 war es eine der vier Freien Städte des Deutschen Bundes, 1848/49 Sitz der Deutschen Nationalversammlung und bis 1866 Ort der Bundesversammlung (Bundestag). 1m selben Jahr wurde Frankfurt preußisch. Im neuen Reich nahm die Stadt großen Aufschwung. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben verwüstet. Doch schon 1951 waren 60 % der Wohnungen Neubauten. In Frankfurt sitzen zahlreiche multinationale Banken und Konzerne. Durch Überfremdung ist es Deutschlands multikulturellste und multikriminellste Stadt geworden.

 

• Frankfurt an der Oder

Es ist die größte brandenburgische Stadt, die wegen der Oder-Neiße-Linie das Teilungsschicksal tragen muß. Die Dammvorstadt rechts der Oder wird seit 1945 polnisch beherrscht. Diesseits der Oder hat die Stadt rund 65 000 Einwohner (1939 waren es - mit dem Ostteil - 85 000). Frankfurt/Oder ist eine Gründung fränkischer Kaufleute, erhielt 1253 Magdeburger Stadtrecht und gehörte ab 1368 zur Hanse. Es gewann auch als Messestadt Bedeutung. Nach 1918 wurden dort zahlreiche deutsche Flüchtlinge aus dem polnischen Machtbereich angesiedelt. Die im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstörte Stadt wurde 1945 geteilt. Ab 1952 war sie Hauptstadt des nach ihr benannten DDR-Bezirkes. 1990 kam sie mit dem Land Brandenburg an die Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt/Oder hat schon oft Fremdherrschaft ertragen müssen: Französische (Anfang des 19 .Jahrhunderts), russische (im 7jährigen Krieg), schwedische (im 30jährigen Krieg). Stets gelang es, die Besatzer abzuschütteln.

 

• Frankfurter Dom

Der Name Frankfurter Dom für die 1239 an der Statt eines karolingischen Gotteshauses des 9. Jahrhunderts geweihte gotische St. Bartholomäus-Kirche, die kein Bischofssitz und daher eigentlich auch kein Dom ist, bürgerte sich im 18. Jahrhundert ein. 1152 fand in Frankfurt am Main erstmals eine Königswahl statt. Gekürt wurde der nachmalige Kaiser Friedrich Barbarossa. Ab 1356 war die Bartholomäuskirche offizieller Wahlort der deutschen Könige (Bau der Wahlkapelle: 1438). Ab 1562 diente der Dom auch als Krönungsstätte. Zehn deutsche Majestäten nahmen dort die Insignien des Heiligen Reiches entgegen. Im 19. Jahrhundert zerstörte ein Brand große Teile des Domes. Der Wiederaufbau wurde von Preußens König Friedrich Wilhelm IV. gefördert und unter Leitung des Regensburger Dombaumeisters Franz Josef Denzinger vollbracht. 1880 war der 95 Meter hohe Turm nach den alten Plänen vollenedet. Die Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges wurden 1950 bis 1953 unter Leitung der Baumeister Giefer und Mäckler beseitigt.

 

• Frankfurter Nationalversammlung

Nach der Märzrevolution 1848 für Einheit und Freiheit beschloß die Bundesversammlung allgemeine, gleiche und geheime Wahlen in allen deutschen Gebieten der Bundesstaaten. Unter schwarzrotgoldenen Fahnen und dem von Philipp Veit geschaffenen Gemälde der Germania tagten die 585 gewählten Abgeordneten ab 18. Mai 1848 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main. Meist waren es Gelehrte und Publizisten wie Arndt, Uhland, Jakob Grimm und Wirth (der Organisator des Hambacher Festes). Präsident Heinrich von Gagern sagte in seiner Eröffnungsrede: "Deutschland will eins sein; ein Reich, regiert vom Willen des Volkes." U. a. wurde eine Reichsverfassung mit den Grundrechten verabschiedet und ein provisorisches Staatsoberhaupt (Reichsverweser) gewählt. Der preußische König lehnte die ihm von der Paulskirche angetragene Kaiserkrone ab. Damit war das Hauptanliegen der Nationalversammlung gescheitert. Nach dem Sieg der Reaktion wurden die meisten Abgeordneten von ihren Staaten aus der Paulskirche abberufen, die restlichen (Stuttgarter Rumpfparlament) am 18.Juni 1849 von der Polizei gewaltsam auseinandergetrieben.

 

• Frankfurter Reichsverfassung

Am 27. Dezember 1848 beschloß die Frankfurter Nationalversammlung die Grundrechte des deutschen Volkes. Garantiert wurden Freizügigkeit, Rede-, Publikations-, Versammlungs-, Glaubens-, Gewissens-, Erziehungsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Unabhängigkeit der Richter, Eigentum, parlamentarische Vertretung, Schutz nationaler Minderheiten in Deutschland und Deutscher im Ausland. Am 28. März 1849 wurde die Reichsverfassung mit den Grundrechten und der neuen staatlichen Organisation verabschiedet. Reichsgebiet sollte das Territorium des Deutschen Bundes sein; Verbindungen deutscher mit nichtdeutschen Staaten wurden als Personalunion zugelassen; an der Spitze des Staates sollte der "Kaiser der Deutschen" stehen (Erbkaisertum); den Reichstag dachte man sich in Form einer Volks- und einer Ländervertretung. Dem Reich sollten u. a. Außenpolitik, Kriegswesen und die Justiz vorbehalten sein. Immerhin erkannten 28 deutsche Staaten die Reichsverfassung an. Als der preußische König die Kaiserkrone ablehnte, war das Werk jedoch gescheitert. Die Frankfurter Reichsverfassung wirkte nachhaltig auf Weimarer Verfassung und Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

 

• Fränkisches Reich

Nach Überwindung der Römerherrschaft schufen die germanischen Franken ein Reich, das unter Karl dem Großen rund eine Mio. qkm umfaßte. Es erstreckte sich von Spanien bis zur Ostsee, vom Atlantik bis zur Adria. Die bedeutendste frühmittelalterliche Staatsschöpfung der Germanen trat machtpolitisch und durch das Kaisertum die Nachfolge Roms an. Das Frankenreich wehrte den Ansturm der Sarazenen, Normannen, Slawen und asiatischer Völker auf Mitteleuropa ab. Es unterwarf mit großer Härte unbotmäßige Germanen (z. B. Sachsen und Alemannen). Im Fränkischen Reich bildete sich aus Germanentum, Antike und christlichem Glauben abendländischer Geist. Die Kräfte des Volkstums jedoch waren stärker, so daß das gewaltige Reich im 9. Jahrhundert an der Volksscheide zwischen Deutschtum und Franzosentum auseinanderbrach.

 

• Freikorps

Freiwilligenverbände kämpften schon für Friedrich den Großen in gefährlicher militärischer Mission. Deutsche Aktivisten gegen Napoleon schlossen sich in Freikorps zusammen. Die berühmtesten wurden geführt vom "Schwarzen Herzog" (von Braunschweig-Oels) und von Lützow. Nach 1918 gab es bis zu 400 000 Freikorpssoldaten in 200 Verbänden, die zunächst der Obersten Heeresleitung, dann der Reichswehrführung unterstanden. Im Auftrage oder mit Billigung der sozialdemokratischen Reichsregierung kämpften die Freikorps bolschewistische Truppen nieder, die Deutschland dem Sowjetreich anschließen wollten, wehrten von Frankreich unterstützte Separatisten ab, traten polnischen Aggressoren entgegen, halfen den baltischen Völkern im Unabhängigkeitskampf, sorgten für den Schutz der Weimarer Nationalversammlung. Die Freikorps wurden Anfang der 20er Jahre aufgelöst. Viele Angehörige dieser Verbände, die Tausende Gefallene und Zehntausende Verwundete zu beklagen hatten, fühlten sich von der Obrigkeit verraten, sozial deklassiert und moralisch diskriminiert. Dies und die grausame Härte der Sieger des Ersten Weltkrieges machte sie zu Gegnern der bestehenden Ordnung.

Weiterführend:
In einem deutschen Freikorps 1918/19 -- Erinnerungen eines Frontsoldaten und Freikorpskämpfers

 

• Friedland

Südlich von Göttingen gelegene Ortschaft in Niedersachsen. Hier am Schnittpunkt der Besatzungszonen wurde nach Kriegsende ein Notaufnahmelager, das größte seiner Art, errichtet. Die Zahl der Vertriebenen, Flüchtlinge, Zwangsverschleppten, Kriegsgefangenen, Heimkehrer, Spätaussiedler, Umsiedler, die im Lager Friedland betreut wurden, beträgt an die vier Millionen. Im Gedächtnis des deutschen Volkes haften geblieben sind vor allem Szenen, als deutsche Kriegsgefangene nach zehn Jahren im Archipel Gulag ihre Angehörigen in Friedland wieder in die Arme schließen konnten. Im Lager befindet sich die Friedland-Glocke, die den Ankömmlingen läutete, und das Heimkehrer-Denkmal, ein Werk von Professor Heilmann mit der Inschrift: "Den toten Kameraden - allen Opfern der Gewalt - Völker versöhnt euch." Auf einer nahen Anhöhe steht das Friedland-Mahnmal für die Toten des Krieges und die Opfer des Nachkriegsunrechts.

 

• Friedrich der Große, Denkmale

Zu Ehren Friedrichs des Großen sind rund 80 Denkmale und Erinnerungsstätten errichtet worden. Das erste Friedrich-Standbild, ein Werk Schadows, wurde am 10. Oktober 1793 in Stettin enthüllt (Original seit 1945 verschollen). Am ungewöhnlichsten Orte steht das von Joseph Uphues geschaffene Standbild Friedrichs als junger Herrscher. Kaiser Wilhelm II. schenkte es 1904 US-Präsident Theodore Roosevelt. Seither steht das Monument vor der US-Heeresakademie, die zunächst in Washington ansässig war und seit den 50er Jahren in der Stadt Carlisle untergebracht ist. Den Auftrag für ein repräsentatives Friedrich-Denkmal in Berlin Unter den Linden erhielt Christian Daniel Rauch. Der Grundstein wurde am 1. Juni 1840 gelegt, die Enthüllung fand am 31. Mai 1851 statt. Es zeigt den Alten Fritz zu Pferde auf einem Sockel mit Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten Preußens. Nach dem Krieg wurde das Monument von der SED zunächst ins Hippodrom von Sanssouci verbannt, 1980 jedoch am ursprünglichen Platze wiedererrichtet.

 

• Friedrichsruh

Östlich von Hamburg liegt der Sachsenwald, einer der größten deutschen Wälder. Hünengräber zeugen davon, daß er eine alte heilige Stätte ist. Dort sammelten sich die Heere der Sachsen. Im Sachsenwald bezog Otto von Bismarck 1890 seinen AIterswohnsitz Friedrichsruh. Das Haus war ihm von Kaiser Wilhelm I. - der großen Leistungen für Deutschland wegen - geschenkt worden. Nach den Plänen des Baumeisters Schurbach wurde in der Nähe des Fürstensitzes eine neoromanische Kapelle errichtet, deren Gestalt ans Theoderich-Grabmal zu Ravenna erinnert. Dort fanden am 16. März 1899 im Rahmen eines festlichen Aktes der im Jahr zuvor verstorbene Otto von Bismarck und seine Gemahlin Johanna (gest. 1894) die letzte Ruhe. Ihre sterblichen Hüllen befinden sich in Marmorsarkophagen in der Gruft der Kapelle. Haus Friedrichsruh selbst wurde am 29. April 1945 bei einem westalliierten Bombenangriff ohne jeden militärischen Sinn zertrümmert. In einem erhalten gebliebenen Nebengebäude unterrichtet ein Museum über Leben und Werk des Schöpfers des zweiten Deutschen Reiches.

 

• Friedrich-Wilhelm-Denkmal

Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, bot den Franzosen die Stirn, warf die Schweden aus Norddeutschland und schüttelte die polnische Lehnshoheit von Preußen ab. Er bewies der Welt nach dem Dreißigjährigen Krieg, daß die Deutschen nicht am Ende waren. Er mahnte: "Gedenke, daß du ein Teutscher bist!" 1698, zehn Jahre nach seinem Tode, gab sein Sohn und Nachfolger, Friedrich III., Andreas Schlüter den Auftrag, ein Denkmal zu Ehren der großen Majestät zu schaffen. Fünf Jahre später hatte der bedeutendste Bildhauer und Baumeister des Barock das Reitermonument fertiggestellt. Zu Füßen des Großen Kurfürsten, am marmornen Sockel, sieht man vier Bronzegestalten, die Tugenden. Das Denkmal wurde auf der Langen Brücke, gegenüber dem Berliner Schloß, dessen Baumeister Schlüter ebenfalls war, errichtet. Nach Kriegsende 1945 wurde das Berliner Schloß gesprengt. Das Friedrich-Wilhelm-Denkmal steht seither im Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses, einem Bauwerk der Architekten Nering, Göthe und Knobelsdorff.

 

• Friesendenkmal

Die germanischen Friesen, deren Siedlungsgebiet sich einst von der Schelde bis Jütland erstreckte, trotzen seit jeher den Gewalten des Meeres, erhoben sich in den Jahren 28, 47 und 69 nach Christus gegen die Weltmacht Rom, widersetzten sich lange der fränkischen Übermacht, mochten das Knie nicht vor weltlichen oder geistlichen hohen Herren beugen und bewahrten auch als Deutsche ihre eigene Art. Dem freien Friesentum zu Ehren wurde 1914 in einem Hain bei Rodenkirchen im Oldenburger Friesland ein vom Bildhauer Erich Jungblut geschaffenes Bronzedenkmal errichtet. Es zeigt einen friesischen Freiheitskrieger in der Tracht seines Volksstamms. Auf dem Sockel befindet sich eine bronzene Tafel mit den Worten: "Lever dod as Slav!" - Lieber tot als Sklave!

 

• Garnisonkirche

Potsdam wurde 993 erstmals erwähnt, war später eine Burg Albrechts des Bären und kam 1416 an die Hohenzollern. Die Potsdamer Garnisonkirche wurde 1730 bis 1735 von Philipp Gerlach, Hofbaumeister Friedrichs Wilhelms I., im Stil des nordischen Barock geschaffen. In der Gruft, unter der marmornen Kanzel, ließ Friedrich Wilhelm II., Neffe und Nachfolger des Alten Fritz, den Soldatenkönig und Friedrich den Großen beisetzen. So ruhten im Tode traut vereint Vater und Sohn, die sich im Leben schwere Kämpfe geliefert hatten. Seit der Zeit der Königin Luise erklang von der Kirche das berühmte Glockenspiel mit der Mozart-Melodie ("Üb' immer Treu und Redlichkeit"). Am 21. März 1933 sollte der "Staatsakt von Potsdam" eine Brücke vom alten Preußentum zum neuen NS-Staat schlagen. Die Ruine der durch westalliierte Bomben schwer beschädigten Kirche wurde in den 50er Jahren auf SED-Befehl gesprengt. Die sterblichen Hüllen der Könige waren zur Kriegszeit ausgelagert worden und kamen 1991 von Burg Hohenzollern nach Potsdam zurück. Im selben Jahr wurde auch - aus Spenden finanziert - das Glockenspiel wiedererrichtet. Bürgerinitiativen fordern den Wiederaufbau der Garnisonkirche.

 

• Gebirgsjäger-Ehrenmal

Die deutschen Gebirgsjäger haben sagenhafte Leistungen vollbracht, von den Alpen und Nordnorwegen bis zum Elbrus in Asien. Ihnen ist das Denkmal auf dem 1734 Meter hohen Grünten in den Allgäuer Alpen gewidmet, an dessen Hang einst die Burg Fluhenstein lag und von dem aus bei klarer Sicht Bodensee und Ulmer Münster zu erkennen sind. Das Ehrenmal entstand ab 1923 nach Plänen des Baumeisters Bruno Biehler. Gebirgsjäger selbst waren es, die kräftig Hand anlegten. Kalksteine wurden unterhalb des Gipfels gebrochen, behauen, hinaufbefördert und zu einem Steinturm auf einem Sockel von fünf Metern Durchmesser gefügt. Das Steinbild in der Ehrenhalle im Inneren zeigt einen Gebirgsjäger mit Gevatter Tod. Dazu die Inschrift: "Wir waren eins in der Liebe zur Heimat und haben ihr alles gegeben." Die Namen Tausender Gefallener wurden in die Seitenwände gemeißelt. 1958 wurde das Ehrenmal auch den gefallenen Gebirgsjägern des Zweiten Weltkrieges gewidmet, 1975 eine Gedenkmauer mit Steinen aus den Ländern errichtet, in denen die Gebirgsjäger gekämpft haben.

 

• Gefallenen-Ehrenmale

Bei allen Völkern und jederzeit wurden Gefallene besonders geehrt. Ehrenmale für sie kannte schon die Antike. Der Brauch lebte im 19. Jahrhundert auf. Kämpfern der Befreiungskriege wurden in Deutschland Denkmale errichtet. Nach dem Krieg 1870/71 wurden zahlreiche Gefallenehrenmale eingeweiht. Nach 1918 gab es sie in jeder deutschen Gemeinde. Nach 1945 wurden die Denkmale des Ersten Weltkrieges zu Ehren der Gefallenen des zweiten großen Völkerringens ergänzt oder neue für sie geschaffen. Deutsche Ehrenmalkunst reicht von der schlichten Tafel am Kircheneingang bis zur künstlerisch höchstwertigen Plastik, oft mit allegorischen Darstellungen. Gigantomanische oder kriegsverherrlichende Ehrenmale, wie sie andernorts häufig sind, gibt es in Deutschland nicht. Zentrale Themen deutscher Ehrenmalkunst sind Leid und Leistung der Frontsoldaten. Das gilt auch für die deutschen Gefallenendenkmale im Ausland. Ehrenmalschändungen, in anderen Staaten undenkbar, sind in der Bundesrepublik seit den 80er Jahren an der Tagesordnung.

 

• Generalgouvernement

Polen überfiel nach 1918 seine Nachbarn und raubte ihnen Land. Auch unterdrückte es brutal die Minderheiten. Es errichtete die ersten KZ in Mitteleuropa. Leidtragende waren vor allem die Deutschen, die den Polen 1916 zum neuen Staat verholfen hatten. Im Herbst 1939 drehten Deutsche, Slowaken, Litauer und Sowjetrussen den Spieß um und marschierten in Polen ein. Statt nun eine gerechte Ordnung zu schaffen, vergolt die deutsche Führung Gleiches mit Gleichem, nahm Polen völkerrechtswidrig Land und regierte mit eiserner Hand. Knapp 150 000 qkm polnischen Gebietes mit rund 12 Mio. Einwohnern wurden ein "Generalgouvernement". 1941 kam der Distrikt Galizien mit Lemberg hinzu. Die Juden des Generalgouvernements hatten 1940-44 in furchtbaren NSKZ, aber auch unter von Polen und Ukrainern verübten Antisemitismus zu leiden. In der NS- Publizistik wurde das Generalgouvernement als Teil des Großdeutschen Reiches bezeichnet. Washington und London lieferten die Polen nach Kriegsende an Stalin aus.

 

• Germanen

Der Ger war ein bei den Germanen gebräuchlicher Speer. Das Germanentum bildete sich vor 4000 Jahren, an der Schwelle zur Bronzezeit. Meist waren die Germanen von nordischer Rasse mit hohem Wuchs, hellen Haaren und blauen Augen. Vor Christi Geburt war der gesamte nachmalige deutsche Raum germanisch besiedelt, auch die durch die deutsche Ostkolonisation im Mittelalter wiedererrungenen Gebiete. Schließlich stießen die Germanen auf das Römische Imperium. Sie bezwangen es nach jahrhundertewährenden Kämpfen. Die altgermanische Kultur stand anderen antiken Hochkulturen nicht nach. Zeitgenossen berichteten von der hohen Lebensart der Germanen. Im Zuge der Christianisierung wurden die meisten germanischen Überlieferungen beseitigt oder umgewidmet; so lebt z. B. im Weihnachtsfest auch das altgermanische Julfest zur Wintersonnenwende fort. Nach dem Sieg über Rom schufen die Germanen die Grundlage der modernen europäischen Staaten; im frühen Mittelalter war ganz Europa germanisch beherrscht. In kühner Seefahrt gelangten die Germanen - lange vor Kolumbus - nach Amerika. Die Germanen Mitteleuropas wurden vor 1200 bis 1300 Jahren zum deutschen Volk.

 

• Germania

Es ist der römische Name für das Germanenland in Mitteleuropa, aus dem später Deutschland wurde. Kurz "Germania" wird auch das Werk des römischen Historikers und Politikers Tacitus "De origine et situ Germanorum" genannt, das durchaus Kritik an den Germanen enthält, insgesamt jedoch "ein Kleinod ist, wie es kein anderes Volk der Erde aufweisen kann" (S. FischerFabian). Bedeutsam ist ferner die 1501 unter dem Titel "Germania" verfaßte nationale Bekenntnisschrift des deutschen Humanisten Wimpfeling. Als Personifikation Germaniens wurde die Germania in römischer Zeit als trauernde Gefangene dargestellt; in der Frühzeit des ersten Deutschen Reiches war sie eine gekrönte Frau. Im 19. Jahrhundert mahnte sie zur deutschen Einheit, so auf dem von Philipp Veit für die Nationalversammlung in der Paulskirche geschaffenen Germania-Gemälde. Die Germania auf dem Denkmal im Niederwald versinnbildlicht das 1871 neu geschaffene Reich. Als allgemeindeutsches Symbol zierte die gekrönte Germania die ersten gemeinsamen Briefmarken des Bismarckreiches.

 

• Germanisches Nationalmuseum

In den 1830er Jahren faßte Hans Reichsfreiherr von und zu Aufseß (1801-1872) den Plan, ein germanisches (gesamtdeutsches) Museum zu gründen. Es sollte in einer Zeit der Kleinstaaterei und Zersplitterung das Ideal aller Deutschen verkörpern und Mahnmal deutscher Einheit werden. Bürgerinitiativen zur Unterstützung des Vorhabens bildeten sich im ganzen Deutschen Bund. Am 17. August 1852 konnten zwei Räume in Nürnberg, der alten Reichsstadt der Reichskleinodien, bezogen werden. 1857 übereignete Bayerns König Ludwig I. dem Museum das ehemalige Karthäuserkloster. Später kamen das Augustinerkloster sowie Bauten des Reiches und der Stadt Nürnberg hinzu, so daß ein ganzes Stadtviertel eigener Prägung entstand. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude durch Bomben schwer geschädigt, nach 1945 wiederaufgebaut. Das Germanische Nationalmuseum zeigt Meisterwerke deutscher Kunst und Kultur von der Völkerwanderungszeit bis zur Gegenwart. Eine Bibliothek mit über einer Viertelmillion Bänden ist angeschlossen. Heimatgedenkstätten erinnern an die geraubten deutschen Gebiete.

 

• Germantown

Die Gründung von Germantown in Pennsylvanien 1683 durch Wiedertäufer (Mennoniten) aus Krefeld und aus Frankfurt/Main gilt als Beginn deutscher Besiedlung Nordamerikas. Führer der Siedler war Franz Daniel Pastorius aus westfälisch-fränkischer Gelehrtenfamilie. Er veröffentlichte 1688 in Germantown Nordamerikas ersten Protest gegen die Sklaverei. 1702 wurde in der Ortschaft die erste deutsche Schule der Neuen Welt gegründet. 1738 erschien in Germantown die erste in Nordamerika gedruckte Bibel. Sie stammte aus der Druckerei des Christoph Sauer und war eine Lutherbibel in deutscher Sprache. Pennsylvanien war das bevorzugte Einwanderungsland Deutscher und blühte durch ihren Fleiß auf. Die deutschen Siedler, zum Beispiel im Tal des Shenandoah, bewahrten ihre Identität. Pennsilfaanisch ist eine deutsche Mundart mit pfälzischem Grundcharakter, die im 18. Jahrhundert entstand und vielfältiges Schrifttum hervorgebracht hat. Seit 1854 gehört Germantown zu Philadelphia, der einstigen Bundeshauptstadt der USA, die Mittelpunkt des Nordamerika-Deutschtums ist.

 

• Goethe-Schiller-Denkmal

Das Denkmal für Deutschlands Dichterfürsten steht vor dem Weimarer Nationaltheater. Es ist ein Werk des sächsischen Bildhauers Ernst Rietschel, eines Schülers von Rauch. Rietschel schuf auch das Luther-Denkmal zu Worms. Das Goethe-Schiller-Denkmal wurde, wie das Weimarer Wieland-Monument, am 4. September 1857 eingeweiht. Tags zuvor hatten die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Großherzogs Karl August von Sachsen-Weimar stattgefunden, des Freundes und Förderers Goethes. Das über 3 Meter hohe Standbild der Dichter ist aus der Bronze türkischer Kanonenrohre gegossen, die Bayernkönig Ludwig I. für die Denkmalszwecke gestiftet hatte. 1991 wurde das Denkmal restauriert. In der Weimarer Fürstengruft ruhen in Sarkophagen nebeneinander Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller.

 

• Goldene Bulle

Bulle ist ein Lehnwort (bulla, lat.: Kapsel, Versiegeltes). Golden war das Siegel des Kaisers. Die wichtigste Goldene Bulle war das teils am 10. Januar 1356 beim Nürnberger Reichstag, teils zu Weihnachten 1356 bei der Reichsversammlung zu Metz verkündete Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation). Die Rechtsgelehrten Kaiser Karls IV. hatten ein Meisterwerk vollbracht: Ausgleich von kaiserlicher und kurfürstlicher Macht, geschickte Berücksichtigung alter Traditionen, feinfühlige Beachtung von Eigenarten und Eitelkeiten der Beteiligten, diplomatische Abwehr des päpstlichen Anspruches, bei der deutschen Königswahl und den Regierungsgeschäften mitzubestimmen. Das Hauptanliegen wurde in der Vorrede des Grundgesetzes deutlich: Es gelte, "schmählicher Uneinigkeit" zu wehren und "Einigkeit zu fördern". Zum Ort der deutschen Königswahl wurde Frankfurt am Main bestimmt; Krönungsstätte blieb einstweilen Aachen. In Nürnberg mußte stets der erste Reichstag eines neuen Königs stattfinden. Die Goldene Bulle hatte ein halbes Jahrtausend, bis zum Ende des Reiches 1806, Gültigkeit - für ein juristisches Werk eine kaum jemals erreichte Zeitspanne.

 

• Goldene Bulle von Rimini

Kaiser Friedrich II. gab dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, im März 1226 mit der Goldbulle von Rimini die Ermächtigung, die heidnischen Pruzzen (sprich: Prußen) im nachmaligen Ostpreußen zu unterwerfen. Auch bestätigte der Kaiser dem Orden die Schenkung des Kulmer Landes durch Herzog Konrad von Masowien. Ferner erhielt der Orden das Recht auf alles preußische Land, das er erwarb. Der Hochmeister wurde einem deutschen Reichsfürsten gleichgestellt, das Land Preußen kam unter die "Monarchie des Römischen Imperiums" als Teil des Heiligen Reiches. Die Goldbulle von Rimini war der Grundstein des Ordensstaates und der deutschen Besiedlung des Preußenlandes. In kaum mehr als einem Jahrhundert wurden 93 deutsche Städte und 1400 deutsche Dörfer gegründet. Die niedergerungenen Pruzzen brachten ihr Erbgut ins östliche Deutschtum ein.

 

• Goldenes Eichenlaub

Als höchste Kriegsauszeichnung stiftete das deutsche Staatsoberhaupt im Dezember 1944 das Goldene Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, "um höchstbewährte Einzelkämpfer, die mit allen Stufen des Ritterkreuzes ausgezeichnet sind, vor dem Deutschen Volke besonders zu ehren". Es sollte höchstens zwölfmal verliehen werden. Als einziger Soldat wurde Hans Ulrich Rudel mit dem Goldenen Eichenlaub dekoriert (29. Dezember 1944). Der Kommodore des Schlachtgeschwaders Nr. 2 "Immelmann" und legendäre Stuka-"Adler der Ostfront" schoß im Krieg 519 Stalin-Panzer ab, vernichtete in 2530 Feindflügen 150 Geschützstellungen und 800 Fahrzeuge aller Art, außerdem drei Kriegsschiffe, darunter das sowjetische Schlachtschiff Marat. 30mal wurde er abgeschossen. Mehrfach schlug er sich aus dem feindlichen Hinterland wieder zu den deutschen Linien durch. Er rettete etlichen Fliegerkameraden durch wagemutige Aktionen im Feindgebiet das Leben - ebenso Tausende deutsche Landser und Flüchtlinge vor den Truppen Stalins. Der 1982 verstorbene Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung engagierte sich nach 1945 für die nationale Rechte.

 

• Gorch Fock

Schriftstellername des 1880 in Finkenwerder geborenen Johann Kinau. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Hein Godewind" und "Seefahrt ist not" . Er fiel am 31. Mai 1916 bei der Seeschlacht am Skagerrak. 1934 wurde bei Blohm & Voss in Hamburg das nach ihm benannte Segelschulschiff der Kriegsmarine gebaut. Die Gorch Fock fährt seit Kriegsende als russische "Towarischtsch" (= Genosse) über die Meere. Sie fiel wie ihre deutschen Schwesterschiffe Horst Wessel ("Eagle", USA) und Albert Leo Schlageter ("Sagres II", Portugal) dem Raubzug der Alliierten zum Opfer, der zur Piraterie geriet. Am 17. Dezember 1958 wurde die nach den Plänen der Gorch Fock I und ebenfalls bei Blohm & Voss gebaute Gorch Fock II, das Segelschulschiff der Bundesmarine, in Dienst gestellt. Mit 89,3 Metern Länge und 1952 Quadratmetern Segelfläche zählt sie zu den beeindruckendsten Erscheinungen auf den Weltmeeren.

 

• Görlitz

Das niederschlesische Görlitz ist die größte deutsche Stadt, die durch die Oder-Neiße-Linie geteilt wird. Der Westteil, der seit dem 3. Oktober 1990 im Land Sachsen zur Bundesrepublik Deutschland gehört, hat rund 80 000 Einwohner. Der Osten jenseits der Görlitzer Neiße wird seit 1945 polnisch beherrscht und von den Warschauer Machthabern "Zgorzelec" genannt. Görlitz wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet und erhielt 1303 Magdeburger Stadtrecht. Es entwickelte sich zum Mittelpunkt und zur Hauptstadt der Lausitz. 1635 kam es an Sachsen, 1815 an Preußen. Am 6. Juli 1950 gab Ost-Berlin den polnischen Erpressungen (u. a. Stopp der Lieferung oberschlesischer Kohle) nach und erkannte im Görlitzer Vertrag die Oder-Neiße-Linie als "unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze" an. Der Bundestag verurteilte - von der SPD bis zur Nationalen Rechten (ausgenommen nur die Kommunisten) - den Görlitzer Vertrag als Unrecht und Verrat.

 

• Gott mit uns

Dieser Spruch der Bibel (Matthäus 1,23) war schon 1656 bei Warschau Feldgeschrei der verbündeten Brandenburger und Schweden. Der Große Kurfürst beschloß sein Gebet vor der Schlacht bei Fehrbellin mit diesem Wort. Seit 1701 ist es der Leitspruch des preußischen Königtums. 1814 schloß Yorck seinen Angriffsbefehl bei Laon mit: "Parole ist Gott mit uns! Feldgeschrei: Friedrich!" 1817 wurde der Spruch dem großen preußischen Staatswappen, 1871 dem größeren Wappen des Deutschen Kaisers hinzugefügt. Als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Gürtelschnalle (Koppelschloß) einführte, setzte er das Wort über das Bild seiner Krone; Thüringen, Baden, Oldenburg und die Hansestädte übernahmen den Spruch (Bayern: "In Treue fest", Württemberg: "Furchtlos und trew", Sachsen: "Providentiae memor", = der Vorsehung eingedenk). Die Reichswehr übernahm "Gott mit uns", und auch Heer und Marine der Wehrmacht behielten es bis 1945 auf dem Koppelschloß bei. An die Stelle der Krone trat 1919 der Reichsadler und 1935 der Wehrmachtsadler. Das Koppelschloß der Bundeswehr trägt um den Adler die Inschrift "Einigkeit, Recht, Freiheit".

 

• Göttinger Sieben

Das Fürstenhaus Hannover betrieb auf dem englischen Thron britische Imperialpolitik und mancher seiner Vertreter daheim in Deutschland reaktionären Separatismus; besonders Ernst August, fünfter Sohn des englischen Königs Georg III., Herzog von Cumberland und gescheiterter Führer der Tories im Londoner Oberhaus, der1837 den hannoverschen Thron bestieg. Sofort hob er die Verfassung von 1833 auf. Dagegen protestierten am 1. November 1837 sieben Professoren der Universität Göttingen: der Jurist Albrecht, die Historiker Dahlmann und Gervinus, die Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm, der Orientalist Ewald und der Physiker Weber. In dem von Friedrich Dahlmann verfaßten Protest hieß es, der Verfassungseid gebiete Widerstand gegen den Staatsstreich des Königs. Ernst August warf die sieben Professoren ohne die bundesrechtlich vorgeschriebene Anhörung aus den Ämtern und verwies drei von ihnen (Dahlmann, J. Grimm, Gervinus) des Landes. Das rigorose Vorgehen des Duodezfürsten führte zu einer Protestwelle der nationalfreiheitlichen Bewegung in ganz Deutschland. Vier der Göttinger Sieben gehörten später dem Paulskirchenparlament an, wobei Dahlmann maßgeblich an der Frankfurter Reichsverfassung mitwirkte.

 

• Gottschee

Gottschee, der Hauptort der früheren deutschen Sprachinsel Gottscheer Ländchen in Unterkrain (südliches Slowenien), wurde 1363 erstmals erwähnt, erhielt 1471 von Kaiser Friedrich III. Stadtrecht und hatte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges rund 3500 meist deutsche Einwohner. Die Kärntner Grafen von Ortenburg hatten im 14. Jahrhundert deutsche Siedler in das von Türken verwüstete, verkarstete Bergland gerufen. Sie kamen aus Kärnten, Tirol und dem Frankenland und vollbrachten eine atemberaubende Aufbauarbeit. Bei der Auflösung des Habsburgerreiches 1919 kam die deutsche Sprachinsel zum jugoslawischen Staatsgebiet. 1941 wurden die rund 18 000 Deutschen des Gottscheer Ländchens in das dem Großdeutschen Reich angegliederte Savegebiet umgesiedelt. Dort fielen sie 1945 dem Vertreibungsterror Titos zum Opfer.

 

• Gravamina der deutschen Nation

Das lateinische Wort gravamen bedeutet Beschwerde (Mehrzahl: gravamina). Die "Gravamina der deutschen Nation wider den römischen Hof" waren Beschwerden deutscher Geistlicher, Städte und Fürsten gegen die römische Kirchenobrigkeit. Deren Steuer- und Verwaltungspraxis sowie das Prozeßverfahren wurden zunehmend als ungerecht und als Bevormundung empfunden. Erstmals kamen die Gravamina der deutschen Nation im "Mainzer Libell" 1451 zum Ausdruck. Beim Wormser Reichstag 1521 war die Zahl der Beschwerden auf einhundert gestiegen. Luther griff einige in seiner Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation" auf. Die deutschbewußten Humanisten Hutten und Wimpfeling mahnten unter Hinweis auf die Gravamina zu nationaler Selbstbehauptung. Die Gravamina trugen zur nationalen Identität der Deutschen in der vom Verfall der Reichsgewalt und zunehmendem Separatismus gezeichneten frühen Neuzeit bei.

 

• Grenzen Deutschlands

Die deutsche Kulturgrenze zum romanischen, dänischen, südslawischen und ungarischen Bereich ist seit 1000 Jahren, bei einigen Einbrüchen, relativ stabil. Vom Abschluß der Ostkolonisation bis zur Vertreibung, etwa ein halbes Jahrtausend, galt dies auch für die deutsche Kulturgrenze zu den übrigen Slawen und den Litauern. Die politische Grenze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde im Westen infolge französischen Imperialismus erheblich nach Osten verschoben. Dafür brachte die Ostkolonisation ein deutsches Vorwärts kommen. Das Bismarckreich umschloß das deutsche Siedlungsgebiet, außer der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Österreich. Nach den Weltkriegen wurde die politische und kulturelle Ostgrenze Deutschlands völkerrechtswidrig (Vertreibungsholocaust) um 250 bis 500 Kilometer nach Westen verschoben. Davon betroffen war auch die - nach der spanisch-portugiesischen - älteste und stabilste politische Grenze Europas, die ostpreußische, die schon bestand, bevor Kolumbus nach Amerika segelte. Weimarer und Wiener Demokraten sowie die Aktivisten des 20. Juli 1944 wollten das Großdeutschland aller Deutschen. Die Etablierten der Bundesrepublik gaben zunächst die 1937er Grenzen als Ziel vor, bezeichneten dann aber die Grenzen der Bundesrepublik (im Osten zunächst an Elbe und Werra, seit 1990 an Oder und Neiße) als "endgültig".

 

• Grenzmark Posen-Westpreußen

Was an Resten der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen westlich des "Korridor" vom polnischen Imperialismus verschont geblieben war, wurde im deutschen Ostmarkengesetz 1922 zur Grenzmark Posen-Westpreußen vereint. Die neue preußische Provinz war 7715 qkm groß und hatte rund 340 000 deutsche Einwohner. Sie litt unter den künstlichen Trennungsgrenzen des Versailler Diktats und unter der Nachbarschaft der polnischen Wirtschaft. Dies bereitete der instabilen Weimarer Republik zusätzliche Schwierigkeiten. Am 1. Oktober 1938 wurde die Grenzmark aufgelöst und ihr Gebiet den Reichsgauen Mark Brandenburg, Pommern und Niederschlesien zugeteilt. 1945 annektierte Polen das Land. Die dortigen Deutschen wurden umgebracht oder vertrieben. Unter polnischer Herrschaft treibt auch die einstige Grenzmark der ökonomischen und ökologischen Katastrophe entgegen.

 

• Großdeutsch

Bezeichnung für das Streben, alle Deutschen staatlich zu vereinen, wobei die Deutschschweizer meist ausgenommen werden. Das Wort wurde von Eduard von Simson geprägt, dem aus jüdischer Familie stammenden Präsidenten der Paulskirchenversammlung. Er war wie fast alle 1848er Demokraten großdeutsch gesinnt. Weil es unmöglich war, das multinationale Habsburgerreich zu integrieren, suchte man notgedrungen den sogenannten kleindeutschen Weg (vorerst) ohne die Deutschen in Österreich. Nach 1918 waren alle maßgeblichen Kräfte der Weimarer und Wiener Republik großdeutsch. Die Siegermächte verhinderten gewaltsam ein demokratisches Großdeutschland. Der Anschluß Österreichs 1938 und weiterer deutscher Gebiete schien die Verwirklichung Großdeutschlands zu bringen. Hitler jedoch zwang auch fremde Volksgebiete ins Reich und wich damit vom Grundsatz der Großdeutschen Bewegung (Selbstbestimmung) imperial ab. Nach 1945 wurde großdeutsche Politik in Österreich auf Siegerdruck streng verboten (Staatsvertrag) und in der Bundesrepublik als "rechtsextrem" gebrandmarkt, obwohl die großdeutsche Tradition von den Aktivisten der Befreiungskriege über die 1848er und die Wiener und Weimarer Demokraten bis zu den Männern des 20. Juli 1944 reicht, die ganz entschieden großdeutsch dachten.

 

• Großdeutsches Reich

Großdeutschland zu schaffen, war seit Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein Hauptanliegen der nationalen und demokratischen Bewegungen. In den ersten Jahren nach der Machtübernahme fand sich das NS-Regime zum Verzicht auf fremd besetzte deutsche Gebiete bereit - sogar, weitergehend als die Weimarer Republik, Polen gegenüber. Nach dem Österreich-Anschluß, März 1938, wurde das Wort Großdeutsches Reich gebräuchlich. Im Zweiten Weltkrieg war es offiziell die Eigenbezeichnung Deutschlands. Während die Angliederung deutscher Gebiete an dieses Reich dem Selbstbestimmungsrecht entsprach, bedeutete die Einverleibung fremder Siedlungsgebiete (tschechischen und polnischen Volksraumes) eine imperiale Entartung. Die Selbständigkeit und Neutralität der vorwiegend deutschen Schweiz stellte Berlin nicht in Frage, meldete auch keine Revisionsansprüche gegen Dänemark (Nordschleswig) an und verzichtete aus Rücksicht auf das faschistische Italien und auf Vichy-Frankreich bis in die Kriegszeit auf Südtirol und Elsaß-Lothringen.

 

• Großer Zapfenstreich

Im Gegensatz zu Militärzeremonien anderer Staaten verzichtet der Große Zapfenstreich auf Drohgebärden. Der Name stammt aus der Landsknechtszeit: Der Schlag auf den Weinfaß-Zapfen war das Signal zur Lagerruhe. Preußens König Friedrich Wilhelm III. war von der Abendzeremonie der Russen im Befreiungskrieg so beeindruckt, daß er Nachahmung befahl. Ein russisches Militärgebet, vertont vom Kapellmeister des Zaren, Dimitri Bortnianskij, und mit Teerstegens Worten "Ich bete an die Macht der Liebe", wurde zum Kernstück des preußischen Großen Zapfenstreiches. An die Befreiungskriege erinnert auch der Yorcksche Marsch Beethovens, der beim Anmarsch gespielt wird. Die noch heute gültige konzertante Fassung des Großen Zapfenstreiches schuf 1838 der preußische Musikdirektor Wieprecht. Preußens Zapfenstreich wurde nach 1871 deutsches Allgemeingut; Bayern und Sachsen hatten allerdings eigene Zeremonien. 1925 kam das Deutschlandlied als fester Bestandteil des Zapfenstreichs hinzu. 1951 intonierte das Berliner Polizeiorchester als erstes nach 1945 den Großen Zapfenstreich, 1952 folgte der BGS, 1957 die Bundeswehr. Die NVA der DDR hatte einen Zapfenstreich, in dem nicht Gott, sondern die Rote Armee gepriesen wurde ("Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten!"). 1982 wurde der Große Zapfenstreich vom Bonner Verteidigungsministerium als "Überlieferung aus vordemokratischer Zeit" kritisiert, was die Deutsche National-Zeitung zur Anmerkung veranlaßte, daß auch das Gehirn aus vordemokratischer Zeit stamme.

 

• Groß-Friedrichsburg

Als andere Mächte begannen, die Welt aufzuteilen, betrieben als einzige deutsche Staaten Brandenburg unter dem Großen Kurfürsten und Kurland bescheidene Kolonialpolitik. Am 1. Januar 1683 warfen Brandenburgs Fregatten "Churprinz" und "Mohrian" Anker vor der afrikanischen Goldküste (Guinea). Die brandenburgische Flagge wurde gehißt und eine deutsche Kolonie gegründet. Wichtigster Stützpunkt war das Fort Groß-Friedrichsburg. Als Führer des Unternehmens wirkte der ostpreußische Haudegen, Seefahrer und Schriftsteller Otto Friedrich von der Groeben. Er brachte das Land an der Goldküste auf friedlichem Wege, durch Verträge mit Negerfürsten, in Brandenburgs Besitz. Die Nachfolger des Großen Kurfürsten verloren das Interesse an Groß-Friedrichsburg und verkauften es an die Niederländer. Negerhäuptling Cuny jedoch verteidigte das Fort mit seinen Männern tapfer gegen die neuen Herren. Als er in den Urwald weichen mußte, nahm er die ihm anvertraute brandenburgische Fahne mit und vergrub die brandenburgischen Geschütze. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden einige der Geschütze von einer deutschen Expedition geborgen und in würdiger Zeremonie nach Berlin gebracht.

Weiterführend:
Als Afrika preussisch wurde -- 1683: Brandenburgs "Gloria Africana" am Kap der drei Spitzen

 

• Grundgesetz

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland trat am 23. Mai 1949 in Kraft. Es war am 8. Mai des Jahres vom Parlamentarischen Rat (Vertretern der Länderparlamente) verabschiedet worden. Das GG ist geprägt von der Weimarer Reichsverfassung und der Paulskirchenverfassung. Vor allem hält es die Menschenrechte, die jedermann, und die Deutschenrechte, die nur den Staatsbürgern zustehen, fest. Im Amtseid des Bundespräsidenten formuliert das Grundgesetz die vornehmste Pflicht der Politiker: Den Nutzen des deutschen Volkes mehren, Schaden von ihm abwenden und Gerechtigkeit üben. Als Mangel erscheint, daß die direkte Demokratie (Volksentscheid) kaum berücksichtigt wird. Die bewährte GG-Präambel ("das deutsche Volk bleibt aufgefordert, die Einheit zu vollenden") wurde 1990 durch ein Bekenntnis zur angeblich vollzogenen deutschen Einheit ersetzt. Andernfalls sei die Wiedervereinigung von West und Mitteldeutschland (DDR) für "das Ausland" nicht akzeptabel, wurde behauptet.

 

• Guben

Guben liegt in der Niederlausitz an der Görlitzer Neiße. Es zählt zu den seit 1945 durch die Oder-Neiße-Linie geteilten deutschen Städten. Der Westen gehört seit Oktober 1990 mit dem Land Sachsen zur Bundesrepublik Deutschland. Der Osten mit der Altstadt wird seit Kriegsende als "Gubin" ("Woiwodschaft Zielona Gora") polnisch beherrscht. Guben erhielt 1235 Magdeburger Stadtrecht, kam 1312 an Brandenburg, 1367 an Böhmen, 1635 an Kursachsen und 1815 an Preußen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt es erhebliche Schäden. Nach Auflösung der Länder (1952) wurde die Stadt Teil des Bezirks Cottbus. 1961 erhielt sie den Beinamen "Wilhelm-Pieck-Stadt" nach dem Kommunistenführer und ersten DDR-Staatschef. Allerdings verschwiegen die SED-Machthaber schamhaft, daß Pieck als Sohn einer deutschen Familie am Ostufer der Neiße geboren worden war, also im seit 1945 völkerrechtswidrig polnischen Teil Gubens.

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