E-G
Ebernburg
Die Ebernburg bei
Kreuznach wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt.
1448 kam sie in den Besitz der Sickinger. Auf ihr wurde
1481 Reichsritter Franz von Sickingen geboren. Er
kämpfte gegen französische Anmaßung und
Fürstenwillkür, für ein starkes Reich mit
dem Rittertum als Rückgrat. Die Ebernburg wurde
unter ihm zum Zufluchtsort Verfolgter. Sickingen
gewährte u. a. Martin Bucer und Ulrich von Hutten
Asyl. In der Burgkapelle hielt Johannes Oekolampad 1522
den ersten Gottesdienst in deutscher Sprache. Sickingen
unterlag der fürstlichen Übermacht und fiel am
7. Mai 1523. Die Ebernburg geriet im Verlaufe der
folgenden Jahrhunderte mehrfach in französische
Hand. Im 19. Jahrhundert wurde sie restauriert, 1945 von
Siegern geplündert. Das 1889 auf der Ebernburg
eingeweihte Hutten-Sickingen-Denkmal, ein Werk der
Bildhauer Ludwig, Hugo und Emil Cauer, trägt die
Inschrift: "Den Vorkämpfern deutscher Einheit und
Größe Ulrich von Hutten und Franz von
Sickingen gedacht."
Edler Ritter
Volkstümliche
Bezeichnung für den Prinzen Eugen von Savoyen
(1663-1736). Er befreite das Abendland von der
Türkengefahr, drängte die Franzosen aus dem
Deutschen Reich und schuf die Grundlagen für
Österreich als Großmacht. Savoyen war einst
ein weitgehend selbständiger, blühender Teil
des Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation.
Dann wurde es von Frankreich vereinnahmt und sank zur
Provinz ab. Eugen war von häßlicher Gestalt.
Auf Abenteuer aus und vom Hofstaat Ludwigs XIV. in
Versailles angeekelt, meldete er sich 1683 zum
kaiserlich-deutschen Heer. Er nahm an der
welthistorischen Abwehrschlacht vor Wien teil und erfocht
1687 am Berg Harsany bei Mohacs unter Karl von Lothringen
seinen ersten bedeutsamen Sieg über die Türken.
Als Befehlshaber der Truppen Österreichs
triumphierte er über Osmanen und Franzosen, die das
Reich der Deutschen in konzertierter Aktion erobern
wollten. Der Sieg über die Türken am 16. August
1717 bei Belgrad ließ Eugen endgültig als
Edler Ritter legendär werden, so auch im bekannten
Volkslied. Eugen war größter Feldherr seiner
Zeit und bedeutender Staatsmann. Von ihm als Freund der
Kunst zeugt sein Schloß Belvedere in
Wien.
Ehrenbreitstein
Über der
rechtsrheinischen Ortschaft Ehrenbreitstein, einem Vorort
von Koblenz, erhebt sich die 1000 erstmals erbaute Veste,
genannt "der Schlüssel zum Rhein". Auf dem
gegenüberliegenden Rheinufer liegt das Deutsche Eck.
Ende des 18. Jahrhunderts trotzte der Ehrenbreitstein
1000 Tage dem französischen Ansturm. 1801 wurde die
in den Jahrhunderten zuvor ausgebaute Festung auf
Napoleons Geheiß gesprengt. Preußen
errichtete auf der Anhöhe von 1815 bis 1832 ein
neues Festungswerk, das für 50 Jahre
größte seiner Art in Europa. Nach 1918 zogen
dort die US-Amerikaner, 1923 die Franzosen ein. 1929 kam
der Ehrenbreitstein wieder in deutsche Hand. 1934 fand
hier die gewaltige Saar-Treuekundgebung mit mehr als
einer halben Million Teilnehmern statt. Weil Koblenz die
größte deutsche Heeresgarnison hat, wurde auf
der Festung 1972 in einer Nische der Nordmauer das
Ehrenmal des deutschen Heeres eingeweiht.
Eiche
Das Holz der Eiche ist
besonders wertvoll. Sie war den Germanen heilig, die
überhaupt Baum und Wald verehrten und hegten. Der
germanisch-deutsche Baum-Mythos wird durch die
Erkenntnisse zur überragenden Bedeutung des Waldes
im Ökosystem eindrucksvoll naturwissenschaftlich
gerechtfertigt. Als Einzelbaum oder im Hain galt die
Eiche den Germanen als Baum des Donar. In Geismar bei
Fritzlar soll der Missionar Bonifatius im 8. Jahrhundert
die berühmteste Donar-Eiche gefällt haben; aus
ihrem Holze sei die Klosterkirche gebaut worden,
heißt es. Bei der Christianisierung wurde die Eiche
als Hexenbaum verteufelt oder zur Marienverehrung
umgewidmet. Magische Bedeutung hat die Eiche in
Volksbräuchen, und sie dient der Gewinnung
althergebrachter Heilmittel. Im deutschen Märchen
spielt sie eine bedeutsame Rolle. Stets blieb ihr Mythos
im deutschen Volk ungebrochen: "So viel der Helden,
tapfer, deutsch und weise. Ein stolzer Eichwald,
herrlich, frisch und grün" (Wagner,
Tannhäuser); "Fest wie unsere Eichen halten allezeit
wir stand" (Niedersachsenlied). Die Tapfersten werden
seit alters her mit dem Eichenlaub
bekränzt.
Eichenlaub
Seit alten Zeiten dient
das Laub des deutschen Nationalbaums als Auszeichnung
für Verdienste und Tapferkeit. Es wurde 1811 beim
Roten Adlerorden eingeführt. Das im Befreiungskrieg
1813 gestiftete Eiserne Kreuz war auf der Rückseite
mit Eichenlaub versehen. Im Kriege 1870/71 war das
Eichenlaub die höchste Stufe des Eisernen Kreuzes.
Am 3. Juni 1940 stiftete das deutsche Staatsoberhaupt das
Eichenlaub zur Erhöhung des Ritterkreuzes um eine
Stufe. Erster
Eichenlaubträger war Generalleutnant Eduard Dietl.
910 Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg mit dem
Eichenlaub ausgezeichnet, unter ihnen sieben
ausländische Generale. 519 Träger des
Eichenlaubes stammten aus den Reihen des Heeres, 254
waren Angehörige der Luftwaffe, 77 kämpften in
der Waffen-SS, 53 waren Männer der Kriegsmarine. 275
Eichenlaubträger gaben im Krieg 1939-1945 ihr Leben,
23 kamen in den Lagern der Sieger um, 10 wurden nach
alliierten Tribuna1en hingerichtet.
Eiserne Krone
In der Schatzkammer des
Domes zu Monza, erbaut im 13. und 14. Jahrhundert, als
die Lombardei Teil des Heiligen Römischen Reiches
(Deutscher Nation) war, wird die Eiserne Krone der
Langobarden aufbewahrt. Sie besteht aus einem breiten
goldenen, mit Edelsteinen besetzten Reifen, der innen von
einem eisernen Stützband (daher der Name) gehalten
wird. Dem Mythos zufolge stammt das Band aus einem Nagel
vom Kreuze Christi. Mit der Eisernen Krone wurden seit
dem Ende des 6. Jahrhunderts die Könige der
germanischen Langobarden gekrönt, die jenseits der
Alpen, im heutigen Norditalien, ein mächtiges Reich
gegründet hatten. Karl der Große unterwarf sie
und setzte sich ihre Krone auf. In den folgenden
Jahrhunderten trugen die meisten deutschen Kaiser und
Könige als Symbol der Zugehörigkeit der
Lombardei zum Reich die Eiserne Krone. Eine
tausendjährige Tradition unterbrechend, usurpierte
Napoleon 1805 die Krone. 1838 wurde Ferdinand I. von
Österreich mit ihr zum König der Lombardei
gekrönt. Der neuen lombardischen
Unabhängigkeitsbewegung der 1990er Jahre gilt sie
als Sinnbild der Verbundenheit des Landes mit
Mitteleuropa.
Eisernes Kreuz
Am 10. März 1813,
dem Geburtstag seiner verstorbenen Gemahlin, Königin
Luise, stiftete König Friedrich Wilhelm III. von
Preußen für die Dauer der Befreiungskriege das
Eiserne Kreuz als Tapferkeitsauszeichnung. Es geht auf
das Balkenkreuz der Ordensritter zurück, wurde vom
König entworfen und von Schinkel gestaltet. Aus
Eisen bestehend, hatte es im Gegensatz zu anderen Orden
keinen materiellen Wert. So sollte das Ideal des
Befreiungskampfes zum Ausdruck kommen. Das EK war eine
standesübergreifende Auszeichnung und konnte an
Offiziere und Mannschaften verliehen werden. Es wurde
1870, 1914 und 1939 erneuert. Die mit goldenen Strahlen
versehene besondere Ausführung ("Blücherstern")
wurde zweimal verliehen: 1815 an Blücher, 1918 an
Hindenburg. Die höchste Stufe des EK im Zweiten
Weltkrieg erhielt als einziger Hans Ulrich Rudel. Auch
tapfere deutsche Frauen wurden mit dem EK ausgezeichnet:
Als erste posthum Königin Luise, dann Friederike
Krüger im Juni 1814 mit dem EK II. Als einziger Frau
wurde Flugkapitän Hanna Reitsch 1942 das EK I
verliehen. Ab 1819 war das Eiserne Kreuz auch ein
staatliches Symbol in Preußen, dann im Deutschen
Reich. Es wurde Bestandteil der Reichskriegsflaggen sowie
Nationalitätenkennzeichen in beiden Weltkriegen und
bei der Bundeswehr.
Elisabethkirche
In Marburg an der Lahn,
über dem Grabe der als Gloria Teutoniae (Ruhm
Deutschlands) verehrten Heiligen Elisabeth, ließ
der Hochmeister des Deutschen Ordens, Landgraf Konrad von
Hessen-Thüringen, ein Gotteshaus errichten. Den
Grundstein der ältesten gotischen Kirche
Deutschlands legte 1236 Kaiser Friedrich II. Ein Jahr
später vereinigten sich im Deutschordenshaus zu
Marburg Ritterorden und Schwertbrüder. Die
Einweihung der Elisabethkirche fand 1283 statt, die
Türme waren 1340 vollendet. In einem Schrein der
Kirche wurde die sterbliche Hülle der Heiligen
gehütet, bis Elisabeths Nachfahr Philipp der
Gutmütige im 16. Jahrhundert den Leichnam der
Ahnherrin des hessischen Fürstenhauses an
unbekannter Stelle beisetzen ließ. Die
Elisabethkirche barg bis 1951 die Särge Friedrichs
des Großen und dessen Vaters, Friedrich Wilhelm I.,
aus der kriegszerstörten Potsdamer Garnisonkirche.
Sie wurden dann auf Burg Hohenzollern gebracht und
kehrten 1991 nach Potsdam zurück. Seit 1946 befinden
sich in der Turmhalle der Kirche die sterblichen
Hüllen Hindenburgs und seiner Gemahlin Gertrud, die
ursprünglich im Reichsehrenmal Tannenberg bestattet
waren; über der Grabesstätte prangen die Wappen
der Landkomture des Deutschen Ordens.
Elsaß
Das Elsaß
gehörte zur römischen Provinz Obergermanien,
wurde von den germanischen Alemannen besiedelt, war ab
dem 5. Jahrhundert Teil des Frankenreiches und kam 870
zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Im 10.
Jahrhundert wurde es mit Schwaben vereint. Es war
Kerngebiet deutscher Königsrnacht und kulturelle
Hochburg des Reiches. Habsburger waren ab dem 12.
Jahrhundert die wichtigsten weltlichen Herren. Im 17.
Jahrhundert verleibte sich Frankreich das Elsaß
ein, 1681 erfolgte der Raub Straßburgs. Mit der
Französischen Revolution begann die
rücksichtslose Entdeutschung. Nach Niederwerfung
Napoleons I. blieb Paris im Besitz des Landes; mit
Ausnahme von Landau, das an die bayerische Rheinpfalz
fiel. Außer Belfort kam das Elsaß 1871 zum
Deutschen Reich (Reichsland Elsaß-Lothringen). Nach
1918 fiel es erneut an Frankreich; über 100 000
Deutsche wurden vertrieben. 1940 wurde eine deutsche
Verwaltung eingerichtet. Ende 1944 begann gegen deutsche
Kräfte Terror und KZ-Unrecht. Bis heute verwehrt
Paris den Deutschen im Elsaß grundlegende Sprach-
und Volkstumsrechte. In jüngster Zeit regt sich
wieder deutsches Bewußtsein. Eine Umfrage brachte
1992 eine Dreiviertelmehrheit für Deutsch als
gleichberechtigte Unterrichtssprache.
Elsaß-Lothringen
Amtliche Bezeichnung:
Reichsland Elsaß-Lothringen. Jene Gebiete, die
Frankreich 1871 ans Deutsche Reich abtreten mußte.
Die 14 500 qkm waren ein Viertel der Fläche, die
Frankreich seit dem Mittelalter dem Reich geraubt hatte.
87 Prozent der Einwohner des Reichslandes waren Deutsche,
11 Prozent Französischsprachige. Nach
anfänglichen Schwierigkeiten (besonders die
begüterten Kreise waren für Frankreich) gelang
die Integration ins Deutsche Reich. Ab 1911 hatte das
Reichsland einen eigenen Landtag und war mit drei Stimmen
im Bundesrat vertreten. In überwiegend
französischen Gegenden wurde die fremde Kultur vom
deutschen Staat geachtet, auch Unterricht in
französischer Sprache erteilt. Das Land nahm
wirtschaftlich und kulturell Aufschwung, wozu die 1872
gegründete und großzügig ausgestattete
Straßburger Kaiser-Wilhelm-Universität
beitrug. 1914 bis 1918 erfüllten die Einwohner des
Reichslandes ihre Pflicht für Deutschland; Desertion
und Sabotage blieben Ausnahmen. 1918 und 1944/45 wurde
das Gebiet von Frankreich erneut annektiert.
Erster Weltkrieg
Bismarck sicherte
Europa Jahrzehnte des Friedens. Als die Initiative auf
die französische Diplomatie überging, wuchs die
Kriegsgefahr. Berlin, das den
Rückversicherungsvertrag mit Rußland nicht
verlängert hatte und von westlicher
Wertegemeinschaft träumte ("unsere
angelsächsischen Vettern"), wurde eingekreist, auf
dem multikulturellen Balkan der Brand entfacht. Das
Deutsche Reich und seine Verbündeten
Österreich-Ungarn, Bulgarien, die Türkei
("Mittelmächte") gingen schwach gerüstet in den
Krieg, waren vor allem zur See kaum gewappnet. Sie hatten
lediglich minimale Rohstoffvorkommen. Deutschlands
Feinde, "die Entente", beherrschten 1914 die halbe Erde
und 75% der Rohstoffe. Die deutschen Soldaten in
reichsdeutscher und österreichischer Uniform
vollbrachten sagenhafte Leistungen. Deutsche
Friedensvorschläge wurden von der Entente abgelehnt.
1917 war ein deutscher Sieg im Osten und ein
Unentschieden im Westen möglich. Die USA, von
Deutschland militärisch nicht bedroht, brachten den
Ausschlag gegen die Deutschen. Washington wandelte sich
vom größten Schuldner zum größten
Gläubiger der Welt. Im Vertrauen auf die 14 Punkte
des US-Präsidenten Wilson (Selbstbestimmung) legten
die Deutschen die Waffen nieder. Statt gerechten Frieden
zu schaffen, diktierten die Westalliierten Verträge
(Versailles usw.) die brutal die Deutschen als
Konkurrenten ausschalten sollten und den Keim des Zweiten
Weltkrieges bargen.
Weiterführend:
Viktoria
kommt aus Übersee
Erzämter
"Erz-" ist eine dem
Griechischen "arch-" entlehnte Vorsilbe, die das
nachgestellte Wort steigert. Bei der Krönung Ottos
des Großen 936 in Aachen versahen die vier
deutschen Herzöge zum ersten Male die Erzämter
(auch Hofämter genannt) des Heiligen Reiches:
Schenk, Truchseß, Marschall, Kämmerer. Im
Mittelalter bekleideten die sieben zur Wahl des
Königs berechtigten Kurfürsten die
Erzämter. Der Erzbischof von Mainz war Erzkanzler
des Reiches, der Erzbischof von Köln Erzkanzler
für Italien, der Erzbischof von Trier Erzkanzler
für Gallien und Burgund, der Pfalzgraf bei Rhein
Erztruchseß, der Kurfürst von Sachsen
Erzmarschall, der Kurfürst von Brandenburg
Erzkämmerer und der Kurfürst von Böhmen
Erzmundschenk. Ab dem 17. Jahrhundert gab es
Veränderungen. So kam das Erztruchsessenamt an
Bayern, die Kurpfalz erhielt das Erzschatzmeisteramt,
Kur-Hannover das Reichsbanneramt. Den unmittelbaren
erzamtlichen Dienst versahen meist Angehörige
gräflicher Geschlechter, zum Beispiel die Grafen von
Pappenheim als Reichserzmarschälle. Die
Erzämter hatten eine kaum zu
überschätzende symbolische Bedeutung. Sie
versinnbildlichten die Einheit des Reiches.
Erzherzog-Karl-Denkmal
Das Reiterstandbild auf
dem Wiener Heldenplatz ist dem österreichischen
Erzherzog Karl gewidmet. Ihm war es 1809 bei Aspern
gelungen, Napoleon erstmals in offener Feldschlacht zu
bezwingen. Karl wurde von Kleist als "Überwinder des
Unüberwindlichen" gefeiert. Das Denkmal trägt
die Inschrift: "Dem beharrlichen Kämpfer für
Deutschlands Ehre." Kaiser Franz Joseph hatte 1853 den
aus Erfurt stammenden Bildhauer Anton Dominik Fernkorn
mit der Errichtung des Monuments beauftragt, das mit
Sockel 17 Meter hoch ist. Die bildhauerische und
architektonische Meisterleistung - das mächtige
Denkmal ruht auf nur zwei Beinen des Rosses - wurde 1860
feierlich enthüllt. 1865 wurde in der Nähe das
ebenfalls von Fernkorn geschaffene Denkmal zu Ehren des
Prinzen Eugen eingeweiht.
Estland
Vom Anfang des
12.Jahrhunderts bis Mitte des 16. Jahrhunderts
gehörte Estland als Teil des Ordensritterstaates zum
Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Den
dänischen Besitz kaufte der Orden 1346 hinzu. Die
Hauptstadt Reval (estnisch: Tallinn) entstand 1219 als
deutsche Stadt, erhielt 1248 Lübisches Recht und
trat 1285 der Hanse bei. Sie bewahrte auch unter
schwedischer und russischer Herrschaft deutschen
Charakter. 1561 wurde Estland schwedisch, 1721 russisch,
1802 die wiedergegründete Universität Dorpat
Zentrum deutschen Geisteslebens im Russischen Reich. Mit
deutscher Hilfe wurde Estland 1918 unabhängig. Es
enteignete die deutschen Großgrundbesitzer,
gewährte aber der deutschen Minderheit
Kulturautonomie. Im Oktober 1939 wurden 20 000 Deutsche
ins Reich umgesiedelt. Unterstützt von estnischen
Aufständischen warf die Wehrmacht 1941 die Rote
Armee aus dem Land. Am 19. März 1942 bekam Estland
von den Deutschen eine eigene Verwaltung. 45 000 Esten
kämpften als Waffenbrüder der Deutschen im
Zweiten Weltkrieg. Vom Westen verraten, mußten sich
die Esten 1945 den Sowjets beugen, bis sie ihre nationale
Freiheit 1989 erneut errangen.
Etsch
Über viele
Jahrhunderte lag das gesamte Einzugsgebiet (12 200 qkm)
der 415 Kilometer langen Etsch im Heiligen Römischen
Reich Deutscher Nation. Sie entspringt am
Reschenpaß, durchfließt den Vinschgau, nimmt
südlich von Bozen den Eisack auf, verläßt
an der Salurner Klause das geschlossene deutsche Sprach-
und Siedlungsgebiet und mündet am Nordrand des
Podeltas in die Adria. Der italienische Name des Flusses
lautet "Adige". Als bedeutendsten Fluß der
südlichsten deutschen Provinz hat Hoffmann von
Fallersleben die Etsch im Lied der Deutschen
(Deutschlandlied) neben Maas, Memel und Belt
besungen.
Eupen-Malmedy
Das Gebiet gehörte
fast 1000 Jahre zum ersten Reich der Deutschen. Ab 1815
war es Teil der preußischen Rheinprovinz. Nach 1918
nutzte Brüssel die deutsche Schwäche und
entriß dem Reich Eupen, Malmedy und St. Vith
(1036qkm). 50 000 Einwohner waren Deutsche, 10 000 waren
Wallonen. Am 24.Juli 1920 ließ Belgien die Annexion
durch eine Scheinabstimmung "bestätigen".
Eupen-Malmedywurde bis Mai 1925 von einem
Militärdiktator regiert, der Zweisprachigkeit
aufzwang. 1926 erklärte sich Brüssel mit dem
Rückkauf des Landes durch Berlin einverstanden.
Frankreich verhinderte den Plan. 1936 erhielt die
für den Anschluß an Deutschland fechtende
"Heimattreue Front" die Mehrheit der Stimmen. 1940 wurde
das Land dem Deutschen Reich angeschlossen. Fünf
Jahre später fiel es erneut an Belgien. Zwar
gewährt Brüssel den Deutschen einige
Volkstumsrechte, doch nicht die Gleichberechtigung mit
den anderen ethnischen Gruppen Belgiens. Bei der
Föderalisierung wurde das Gebiet der
französischsprachigen Wallonie
zugeschlagen.
Externsteine
Bei Horn im
östlichen Teutoburger Wald ragen fünfzehn
zerklüftete Felsen aus Kreidesandstein schroff
empor. In einem der künstlich geschaffenen
Felsenräume dieser Externsteine befindet sich eine
Kapelle, die laut Inschrift im Jahre 1115 geweiht wurde.
An der äußeren Felswand ist das aus dem 12.
Jahrhundert stammende Relief der Kreuzabnahme Christi zu
erkennen. Viel spricht dafür, daß die
Externsteine eine germanische Weihestätte in
vorchristlicher Zeit waren. Der Feier der Sonnenwende,
die in der Religion der Germanen entscheidende Bedeutung
hatte, waren demzufolge dort Kulträume gewidmet.
Archäologische Forschungen an dem Felsen weisen auf
erstaunliche astronomische Kenntnisse der Frühzeit
hin. Vermutlich war die Weihestätte
ursprünglich erheblich größer, wurde aber
während der Sachsenkriege von Truppen Karls des
Großen zum Teil zerstört. Nicht weit von den
Externsteinen entfernt erhebt sich das
Hermannsdenkmal.
Fallschirmjäger-Ehrenmal
Das Ehrenmal für
die Fallschirmjäger und Transportflieger befindet
sich im Innenhof der Luftlande- und Lufttransportschule
in Altenstadt bei Schongau/Oberbayern. Die feierliche
Einweihung in Anwesenheit des Oberbefehlshabers der
Fallschirmtruppe im Zweiten Weltkrieg, Generaloberst
Student, fand am 9. September 1966 statt, dem 30.
Jahrestag der Aufstellung der Deutschen Fallschirmtruppe
und 10-Jahres-Jubiläum der Luftlande- und
Lufttransportschule. Die künstlerische Gestaltung
des Monuments oblag dem Schongauer Bildhauer Hans H.
Beckert. Die Vorderseite zeigt den stürzenden Adler
als Symbol der Waffengattung. In der Fallschirmtruppe bis
1945 zierte dieser Adler das
Fallschirmschützenabzeichen, welches in leicht
geänderter Form als Barettemblem für die
Fallschirmjäger der Bundeswehr übernommen
wurde. Zum Kreta-Tag, am 20. Mai, wird im Rahmen eines
Appells vor dem Ehrenmal alljährlich der Gefallenen
gedacht. Auf Kreta hatten die deutschen
Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg ihren
opferreichsten Kampfeinsatz.
Fehrbellin
Nach dem
Dreißigjährigen Krieg bestand die Gefahr des
"Finis Germaniae", des Ende Deutschlands: Franzosen
drängten vom Westen, Türken vom Südosten
und Schweden vom Norden ins Reich. Die Schweden hatten im
Westfälischen Frieden die Kontrolle über die
Mündungen der deutschen Hauptströme errungen
und beherrschten damit den Außenhandel des Reiches.
Im Juni 1675 nutzten sie die Abwesenheit des von
Frankreich am Rhein im Holländischen Krieg
gebundenen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I., um in
Brandenburg einzufallen. In Eilmärschen führten
der Kurfürst und sein genialer Stratege Derfflinger
die brandenburgischen Truppen den Schweden entgegen. Bei
Hackenfeld südöstlich des märkischen
Städtchens Fehrbellin stellten 5700 Brandenburger am
28. Juni 1675 rund 11 000 Schweden zur
Entscheidungsschlacht. Die Schweden wurden besiegt,
zunächst aus Brandenburg, bald darauf aus fast ganz
Norddeutschland verjagt. Die Schlacht bei Fehrbellin
machte Brandenburg den Weg zur Großmacht frei und
begründete den Ruhm des fortan als Großer
Kurfürst bezeichneten Friedrich Wilhelm
I.
Feindstaatenklauseln
Bezeichnung für
die Artikel 53 und 107 der Charta der Vereinten Nationen.
Sie geben den Alliierten des Zweiten Weltkrieges - mehr
als fünfzig Staaten - das "Recht", allein, zu
mehreren oder insgesamt gegen Deutschland als einstigen
Feindstaat vorzugehen, ohne daß UNO-Vollversammlung
oder -Sicherheitsrat zustimmen müßten. Der
Katalog der Maßnahmen geht im Falle der "Erneuerung
aggressiver Politik" durch Deutschland bis zur
militärischen Intervention. Die Bundesregierung
unternahm seit deutscher Zugehörigkeit zur UNO keine
Anstrengung gegen die Feindstaatenklauseln, obwohl eine
große Mehrheit für die Beseitigung sicher
erscheint und die Deutschen fast ein Zehntel des
UNO-Haushaltes bestreiten. Die Klauseln sind eine
moralische Diskriminierung des deutschen Volkes und
können bei ungünstiger weltpolitischer Lage
verheerende Folgen haben.
Feldherrnhalle
In Würdigung der
Befreiungskriege ließ Bayerns König Ludwig I.
Feldherrnhalle und Siegestor in München errichten.
Die Feldherrnhalle erbaute Friedrich von Gärtner,
Schöpfer auch der Befreiungshalle. Die
Grundsteinlegung erfolgte am 18. Juni 1841, Jahrestag von
Waterloo, die Vollendung am 18. Oktober 1844, Gedenkdatum
der Leipziger Völkerschlacht. Am gleichen Tage
wurden auch die von Schwanthaler entworfenen und von
Ferdinand von Miller gegossenen Bronzefiguren der
bayerischen Feldherren Tilly und Wrede an der Halle
eingeweiht (daher der Name des Bauwerkes). Nach 1871 kam
ein Ehrenmal für die bayerischen Gefallenen des
Deutsch-Französischen Krieges hinzu. 1908 wurden,
die beiden steinernen Löwen des Bildhauers
Rümann aufgestellt. Ab 1933 befand sich an der
Ostseite der Halle eine von Kurt Schmidt-Ehmen
geschaffene und 1945 beseitigte Tafel für die dort
am 9. November 1923 von der Landespolizei erschossenen 16
Hitleranhänger. Die Nationalsozialisten zelebrierten
an der Halle Weihefeiern. Die 60. Infanteriedivision der
Wehrmacht erhielt 1944 als Panzergrenadierdivision den
Namen "Feldherrnhalle".
Flamen
Die fast sechs
Millionen Flamen, ihrer Herkunft nach Niederfranken,
Niedersachsen und Friesen, siedeln im Süden der
Niederlande, im Norden und Westen Belgiens sowie auf
französischem Staatsgebiet bis hinter
Dünkirchen und LilIe (Rijssel). Sie sprechen
Mundarten des Niederländischen. Seit dem 18.
Jahrhundert haben sie gegen französische
Überfremdung zu kämpfen. Ihr Gebiet von Calais
bis Boulogne fiel der Französisierung zum Opfer.
Seit Gründung Belgiens, 1830, hatten sie sich gegen
Kolonialpraktiken französischsprachiger Wallonen zu
wehren. Standhaftigkeit, verbunden mit hoher
Geburtenrate, ließen das Flamentum überleben.
Im Zweiten Weltkrieg kämpften 10 000 Flamen als
Waffengefährten der Deutschen Wehrmacht; 600
flämische Schwestern leisteten Sanitätsdienst
an der Ostfront. Die Bewegung gegen Überfremdung und
für die Loslösung Flanderns von Belgien ("Eigen
Volk eerst") hat großen Zulauf. Die Ijzerbeedevaart
ist ein alljährliches mächtiges Bekenntnis zum
flämischen Volkstum.
Flandern
Das Land der Flamen war
seit dem 9. Jahrhundert größtenteils
französisch, konnte jedoch im Kampf gegen Frankreich
("Sporenschlacht" , 1302) Eigenständigkeit
behaupten. Durch die Deutsche Hanse kam es zu Wohlstand.
Unter den Habsburgern wurde es im 15. Jahrhundert Teil
des Deutschen Reiches. Seit 1830 bildet es den Norden und
Westen Belgiens, wo die Flamen 55 % der Bevölkerung
stellen. Jan Frans Willem
(1793-1846) begründete die Flämische Bewegung
gegen wallonisch-französische Anmaßung.
Mitstreiter war Hoffmann von Fallersleben, der
Schöpfer des Deutschlandliedes und Förderer
flämischer Volkskultur. Hoffmann schrieb ein Lied
mit dem Bekenntnis: "Flandern über alles." Nach
zähem Kampf erreichten die Flamen die
Gleichberechtigung der niederländischen Sprache. Im
Ersten Weltkrieg gewährte Deutschland als
Besatzungsmacht die Flämisierung der
Universität Gent und weitgehende Unabhängigkeit
("Rat von Flandern"). Nach 1918 (wie auch nach 1945) gab
es antiflämischen Terror, unter dem besonders
prodeutsche Kräfte zu leiden hatten. Die
flämische Unabhängigkeitsbewegung wächst.
Das Auseinanderbrechen des multikulturellen Belgien ist
wahrscheinlich.
Fliegerehrenmal
30 000 Deutsche waren
zugegen, als am 30. August 1923 das Ehrenmal auf dem Berg
der Flieger, der Wasserkuppe in der Rhön, feierlich
eingeweiht wurde. Unter den Ehrengästen befand sich
der frühere Generalstabschef der 8. Armee und Erste
Generalquartiermeister, Erich Ludendorff. Der
Denkmalsentwurf stammte vom Münchner Baumeister
Johannes Moßner, der selbst alter Flieger war. Der
Bronzeadler, ein Werk des Tierbildhauers Gaul, hatte
lange zusammen mit einem Zwillingsstück die
Toreinfahrt zum Besitz des Reeders und Beraters von
Kaiser Wilhelm II., Albert Ballin, bei Hamburg geziert.
Die Witwe Ballins, der aus deutschjüdischer
patriotischer Familie stammte, stiftete den Adler sowie
Mittel für den Bau des Monuments auf der
Wasserkuppe. Sie wollte damit vaterländisch im Sinne
ihres Gatten handeln. Eine 1945 von den Siegern entfernte
Tafel verkündete am Fliegerehrenmal: "Helden sterben
nie vergebens. / Kannst Du ihren Sieg nicht melden, / So
erstehen neue Helden / Aus dem Opfer ihres
Lebens."
Flüchtlinge
Im 20. Jahrhundert gab
es weltweit rund 200 Millionen Flüchtlinge und
Emigranten, von denen etwa jeder zehnte umkam.
Ursächlich waren meist Kolonial- und
Stellvertreterkriege der Siegermächte des Ersten und
Zweiten Weltkrieges. Deutschland mußte nach 1918
die Aufnahme von annähernd 1,5 Millionen
Flüchtlingen meistern, die vorwiegend aus den
polnisch besetzten deutschen Gebieten und aus
Elsaß-Lothringen stammten. 1945 gab es mehr als 15
Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene, von
denen mindestens 2,5 Millionen den Siegerverbrechen zum
Opfer fielen. Bis zum Bau der Mauer 1961 waren rund drei
Millionen Sowjetzonenflüchtlinge in die
Bundesrepublik gekommen. Von den Flüchtlingen, die
sich in Deutschland als Asylbewerber melden, ist nur ein
Bruchteil politisch verfolgt oder von Krieg und
Hungersnot bedroht. Die meisten täuschen Verfolgung
und akute Notlage vor (Scheinasylanten).
Frankfurt am Main
Bei einer Pfalz der
Franken entstand die 794 erstmals als Franconofurd
erwähnte Siedlung. Die Stauferzeit brachte eine
erste Blüte. Frankfurt wurde Oberhof einer
großen Stadtrechtsfamilie. Die Goldene Bulle,
Grundgesetz des Deutschen Reiches, bestimmte Frankfurt ab
1356 zur Stätte der deutschen Königswahl. Ab
1562 erfolgten im Frankfurter Dom (bis dahin im Aachener
Münster) die meisten Krönungen deutscher
Kaiser. Als Messestadt gewann Frankfurt ab dem 15.
Jahrhundert große Bedeutung. Es wurde mehrfach
Opfer französischer Kriegszüge. 1815 war es
eine der vier Freien Städte des Deutschen Bundes,
1848/49 Sitz der Deutschen Nationalversammlung und bis
1866 Ort der Bundesversammlung (Bundestag). 1m selben
Jahr wurde Frankfurt preußisch. Im neuen Reich nahm
die Stadt großen Aufschwung. Sie wurde im Zweiten
Weltkrieg durch Bomben verwüstet. Doch schon 1951
waren 60 % der Wohnungen Neubauten. In Frankfurt sitzen
zahlreiche multinationale Banken und Konzerne. Durch
Überfremdung ist es Deutschlands multikulturellste
und multikriminellste Stadt geworden.
Frankfurt an der Oder
Es ist die
größte brandenburgische Stadt, die wegen der
Oder-Neiße-Linie das Teilungsschicksal tragen
muß. Die Dammvorstadt rechts der Oder wird seit
1945 polnisch beherrscht. Diesseits der Oder hat die
Stadt rund 65 000 Einwohner (1939 waren es - mit dem
Ostteil - 85 000). Frankfurt/Oder ist eine Gründung
fränkischer Kaufleute, erhielt 1253 Magdeburger
Stadtrecht und gehörte ab 1368 zur Hanse. Es gewann
auch als Messestadt Bedeutung. Nach 1918 wurden dort
zahlreiche deutsche Flüchtlinge aus dem polnischen
Machtbereich angesiedelt. Die im Zweiten Weltkrieg
erheblich zerstörte Stadt wurde 1945 geteilt. Ab
1952 war sie Hauptstadt des nach ihr benannten
DDR-Bezirkes. 1990 kam sie mit dem Land Brandenburg an
die Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt/Oder hat schon
oft Fremdherrschaft ertragen müssen:
Französische (Anfang des 19 .Jahrhunderts),
russische (im 7jährigen Krieg), schwedische (im
30jährigen Krieg). Stets gelang es, die Besatzer
abzuschütteln.
Frankfurter Dom
Der Name Frankfurter
Dom für die 1239 an der Statt eines karolingischen
Gotteshauses des 9. Jahrhunderts geweihte gotische St.
Bartholomäus-Kirche, die kein Bischofssitz und daher
eigentlich auch kein Dom ist, bürgerte sich im 18.
Jahrhundert ein. 1152 fand in Frankfurt am Main erstmals
eine Königswahl statt. Gekürt wurde der
nachmalige Kaiser Friedrich Barbarossa. Ab 1356 war die
Bartholomäuskirche offizieller Wahlort der deutschen
Könige (Bau der Wahlkapelle: 1438). Ab 1562 diente
der Dom auch als Krönungsstätte. Zehn deutsche
Majestäten nahmen dort die Insignien des Heiligen
Reiches entgegen. Im 19. Jahrhundert zerstörte ein
Brand große Teile des Domes. Der Wiederaufbau wurde
von Preußens König Friedrich Wilhelm IV.
gefördert und unter Leitung des Regensburger
Dombaumeisters Franz Josef Denzinger vollbracht. 1880 war
der 95 Meter hohe Turm nach den alten Plänen
vollenedet. Die Bombenschäden des Zweiten
Weltkrieges wurden 1950 bis 1953 unter Leitung der
Baumeister Giefer und Mäckler beseitigt.
Frankfurter Nationalversammlung
Nach der
Märzrevolution 1848 für Einheit und Freiheit
beschloß die Bundesversammlung allgemeine, gleiche
und geheime Wahlen in allen deutschen Gebieten der
Bundesstaaten. Unter schwarzrotgoldenen Fahnen und dem
von Philipp Veit geschaffenen Gemälde der Germania
tagten die 585 gewählten Abgeordneten ab 18. Mai
1848 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main. Meist waren
es Gelehrte und Publizisten wie Arndt, Uhland, Jakob
Grimm und Wirth (der Organisator des Hambacher Festes).
Präsident Heinrich von Gagern sagte in seiner
Eröffnungsrede: "Deutschland will eins sein; ein
Reich, regiert vom Willen des Volkes." U. a. wurde eine
Reichsverfassung mit den Grundrechten verabschiedet und
ein provisorisches Staatsoberhaupt (Reichsverweser)
gewählt. Der preußische König lehnte die
ihm von der Paulskirche angetragene Kaiserkrone ab. Damit
war das Hauptanliegen der Nationalversammlung
gescheitert. Nach dem Sieg der Reaktion wurden die
meisten Abgeordneten von ihren Staaten aus der
Paulskirche abberufen, die restlichen (Stuttgarter
Rumpfparlament) am 18.Juni 1849 von der Polizei gewaltsam
auseinandergetrieben.
Frankfurter Reichsverfassung
Am 27. Dezember 1848
beschloß die Frankfurter Nationalversammlung die
Grundrechte des deutschen Volkes. Garantiert wurden
Freizügigkeit, Rede-, Publikations-, Versammlungs-,
Glaubens-, Gewissens-, Erziehungsfreiheit, Gleichheit vor
dem Gesetz, Unabhängigkeit der Richter, Eigentum,
parlamentarische Vertretung, Schutz nationaler
Minderheiten in Deutschland und Deutscher im Ausland. Am
28. März 1849 wurde die Reichsverfassung mit den
Grundrechten und der neuen staatlichen Organisation
verabschiedet. Reichsgebiet sollte das Territorium des
Deutschen Bundes sein; Verbindungen deutscher mit
nichtdeutschen Staaten wurden als Personalunion
zugelassen; an der Spitze des Staates sollte der "Kaiser
der Deutschen" stehen (Erbkaisertum); den Reichstag
dachte man sich in Form einer Volks- und einer
Ländervertretung. Dem Reich sollten u. a.
Außenpolitik, Kriegswesen und die Justiz
vorbehalten sein. Immerhin erkannten 28 deutsche Staaten
die Reichsverfassung an. Als der preußische
König die Kaiserkrone ablehnte, war das Werk jedoch
gescheitert. Die Frankfurter Reichsverfassung wirkte
nachhaltig auf Weimarer Verfassung und Grundgesetz
für die Bundesrepublik Deutschland.
Fränkisches Reich
Nach Überwindung
der Römerherrschaft schufen die germanischen Franken
ein Reich, das unter Karl dem Großen rund eine Mio.
qkm umfaßte. Es erstreckte sich von Spanien bis zur
Ostsee, vom Atlantik bis zur Adria. Die bedeutendste
frühmittelalterliche Staatsschöpfung der
Germanen trat machtpolitisch und durch das Kaisertum die
Nachfolge Roms an. Das Frankenreich wehrte den Ansturm
der Sarazenen, Normannen, Slawen und asiatischer
Völker auf Mitteleuropa ab. Es unterwarf mit
großer Härte unbotmäßige Germanen
(z. B. Sachsen und Alemannen). Im Fränkischen Reich
bildete sich aus Germanentum, Antike und christlichem
Glauben abendländischer Geist. Die Kräfte des
Volkstums jedoch waren stärker, so daß das
gewaltige Reich im 9. Jahrhundert an der Volksscheide
zwischen Deutschtum und Franzosentum
auseinanderbrach.
Freikorps
Freiwilligenverbände
kämpften schon für Friedrich den Großen
in gefährlicher militärischer Mission. Deutsche
Aktivisten gegen Napoleon schlossen sich in Freikorps
zusammen. Die berühmtesten wurden geführt vom
"Schwarzen Herzog" (von Braunschweig-Oels) und von
Lützow. Nach 1918 gab es bis zu 400 000
Freikorpssoldaten in 200 Verbänden, die
zunächst der Obersten Heeresleitung, dann der
Reichswehrführung unterstanden. Im Auftrage oder mit
Billigung der sozialdemokratischen Reichsregierung
kämpften die Freikorps bolschewistische Truppen
nieder, die Deutschland dem Sowjetreich anschließen
wollten, wehrten von Frankreich unterstützte
Separatisten ab, traten polnischen Aggressoren entgegen,
halfen den baltischen Völkern im
Unabhängigkeitskampf, sorgten für den Schutz
der Weimarer Nationalversammlung. Die Freikorps wurden
Anfang der 20er Jahre aufgelöst. Viele
Angehörige dieser Verbände, die Tausende
Gefallene und Zehntausende Verwundete zu beklagen hatten,
fühlten sich von der Obrigkeit verraten, sozial
deklassiert und moralisch diskriminiert. Dies und die
grausame Härte der Sieger des Ersten Weltkrieges
machte sie zu Gegnern der bestehenden Ordnung.
Weiterführend:
In
einem deutschen Freikorps
1918/19 --
Erinnerungen eines Frontsoldaten und
Freikorpskämpfers
Friedland
Südlich von
Göttingen gelegene Ortschaft in Niedersachsen. Hier
am Schnittpunkt der Besatzungszonen wurde nach Kriegsende
ein Notaufnahmelager, das größte seiner Art,
errichtet. Die Zahl der Vertriebenen, Flüchtlinge,
Zwangsverschleppten, Kriegsgefangenen, Heimkehrer,
Spätaussiedler, Umsiedler, die im Lager Friedland
betreut wurden, beträgt an die vier Millionen. Im
Gedächtnis des deutschen Volkes haften geblieben
sind vor allem Szenen, als deutsche Kriegsgefangene nach
zehn Jahren im Archipel Gulag ihre Angehörigen in
Friedland wieder in die Arme schließen konnten. Im
Lager befindet sich die Friedland-Glocke, die den
Ankömmlingen läutete, und das
Heimkehrer-Denkmal, ein Werk von Professor Heilmann mit
der Inschrift: "Den toten Kameraden - allen Opfern der
Gewalt - Völker versöhnt euch." Auf einer nahen
Anhöhe steht das Friedland-Mahnmal für die
Toten des Krieges und die Opfer des
Nachkriegsunrechts.
Friedrich der Große, Denkmale
Zu Ehren Friedrichs des
Großen sind rund 80 Denkmale und
Erinnerungsstätten errichtet worden. Das erste
Friedrich-Standbild, ein Werk Schadows, wurde am 10.
Oktober 1793 in Stettin enthüllt (Original seit 1945
verschollen). Am ungewöhnlichsten Orte steht das von
Joseph Uphues geschaffene Standbild Friedrichs als junger
Herrscher. Kaiser Wilhelm II. schenkte es 1904
US-Präsident Theodore Roosevelt. Seither steht das
Monument vor der US-Heeresakademie, die zunächst in
Washington ansässig war und seit den 50er Jahren in
der Stadt Carlisle untergebracht ist. Den Auftrag
für ein repräsentatives Friedrich-Denkmal in
Berlin Unter den Linden erhielt Christian Daniel Rauch.
Der Grundstein wurde am 1. Juni 1840 gelegt, die
Enthüllung fand am 31. Mai 1851 statt. Es zeigt den
Alten Fritz zu Pferde auf einem Sockel mit Darstellungen
bedeutender Persönlichkeiten Preußens. Nach
dem Krieg wurde das Monument von der SED zunächst
ins Hippodrom von Sanssouci verbannt, 1980 jedoch am
ursprünglichen Platze wiedererrichtet.
Friedrichsruh
Östlich von
Hamburg liegt der Sachsenwald, einer der
größten deutschen Wälder.
Hünengräber zeugen davon, daß er eine
alte heilige Stätte ist. Dort sammelten sich die
Heere der Sachsen. Im Sachsenwald bezog Otto von Bismarck
1890 seinen AIterswohnsitz Friedrichsruh. Das Haus war
ihm von Kaiser Wilhelm I. - der großen Leistungen
für Deutschland wegen - geschenkt worden. Nach den
Plänen des Baumeisters Schurbach wurde in der
Nähe des Fürstensitzes eine neoromanische
Kapelle errichtet, deren Gestalt ans Theoderich-Grabmal
zu Ravenna erinnert. Dort fanden am 16. März 1899 im
Rahmen eines festlichen Aktes der im Jahr zuvor
verstorbene Otto von Bismarck und seine Gemahlin Johanna
(gest. 1894) die letzte Ruhe. Ihre sterblichen
Hüllen befinden sich in Marmorsarkophagen in der
Gruft der Kapelle. Haus Friedrichsruh selbst wurde am 29.
April 1945 bei einem westalliierten Bombenangriff ohne
jeden militärischen Sinn zertrümmert. In einem
erhalten gebliebenen Nebengebäude unterrichtet ein
Museum über Leben und Werk des Schöpfers des
zweiten Deutschen Reiches.
Friedrich-Wilhelm-Denkmal
Friedrich Wilhelm, der
Große Kurfürst, bot den Franzosen die Stirn,
warf die Schweden aus Norddeutschland und schüttelte
die polnische Lehnshoheit von Preußen ab. Er bewies
der Welt nach dem Dreißigjährigen Krieg,
daß die Deutschen nicht am Ende waren. Er mahnte:
"Gedenke, daß du ein Teutscher bist!" 1698, zehn
Jahre nach seinem Tode, gab sein Sohn und Nachfolger,
Friedrich III., Andreas Schlüter den Auftrag, ein
Denkmal zu Ehren der großen Majestät zu
schaffen. Fünf Jahre später hatte der
bedeutendste Bildhauer und Baumeister des Barock das
Reitermonument fertiggestellt. Zu Füßen des
Großen Kurfürsten, am marmornen Sockel, sieht
man vier Bronzegestalten, die Tugenden. Das Denkmal wurde
auf der Langen Brücke, gegenüber dem Berliner
Schloß, dessen Baumeister Schlüter ebenfalls
war, errichtet. Nach Kriegsende 1945 wurde das Berliner
Schloß gesprengt. Das Friedrich-Wilhelm-Denkmal
steht seither im Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses,
einem Bauwerk der Architekten Nering, Göthe und
Knobelsdorff.
Friesendenkmal
Die germanischen
Friesen, deren Siedlungsgebiet sich einst von der Schelde
bis Jütland erstreckte, trotzen seit jeher den
Gewalten des Meeres, erhoben sich in den Jahren 28, 47
und 69 nach Christus gegen die Weltmacht Rom,
widersetzten sich lange der fränkischen
Übermacht, mochten das Knie nicht vor weltlichen
oder geistlichen hohen Herren beugen und bewahrten auch
als Deutsche ihre eigene Art. Dem freien Friesentum zu
Ehren wurde 1914 in einem Hain bei Rodenkirchen im
Oldenburger Friesland ein vom Bildhauer Erich Jungblut
geschaffenes Bronzedenkmal errichtet. Es zeigt einen
friesischen Freiheitskrieger in der Tracht seines
Volksstamms. Auf dem Sockel befindet sich eine bronzene
Tafel mit den Worten: "Lever dod as Slav!" - Lieber tot
als Sklave!
Garnisonkirche
Potsdam wurde 993
erstmals erwähnt, war später eine Burg
Albrechts des Bären und kam 1416 an die
Hohenzollern. Die Potsdamer Garnisonkirche wurde 1730 bis
1735 von Philipp Gerlach, Hofbaumeister Friedrichs
Wilhelms I., im Stil des nordischen Barock geschaffen. In
der Gruft, unter der marmornen Kanzel, ließ
Friedrich Wilhelm II., Neffe und Nachfolger des Alten
Fritz, den Soldatenkönig und Friedrich den
Großen beisetzen. So ruhten im Tode traut vereint
Vater und Sohn, die sich im Leben schwere Kämpfe
geliefert hatten. Seit der Zeit der Königin Luise
erklang von der Kirche das berühmte Glockenspiel mit
der Mozart-Melodie ("Üb' immer Treu und
Redlichkeit"). Am 21. März 1933 sollte der
"Staatsakt von Potsdam" eine Brücke vom alten
Preußentum zum neuen NS-Staat schlagen. Die Ruine
der durch westalliierte Bomben schwer beschädigten
Kirche wurde in den 50er Jahren auf SED-Befehl gesprengt.
Die sterblichen Hüllen der Könige waren zur
Kriegszeit ausgelagert worden und kamen 1991 von Burg
Hohenzollern nach Potsdam zurück. Im selben Jahr
wurde auch - aus Spenden finanziert - das Glockenspiel
wiedererrichtet. Bürgerinitiativen fordern den
Wiederaufbau der Garnisonkirche.
Gebirgsjäger-Ehrenmal
Die deutschen
Gebirgsjäger haben sagenhafte Leistungen vollbracht,
von den Alpen und Nordnorwegen bis zum Elbrus in Asien.
Ihnen ist das Denkmal auf dem 1734 Meter hohen
Grünten in den Allgäuer Alpen gewidmet, an
dessen Hang einst die Burg Fluhenstein lag und von dem
aus bei klarer Sicht Bodensee und Ulmer Münster zu
erkennen sind. Das Ehrenmal entstand ab 1923 nach
Plänen des Baumeisters Bruno Biehler.
Gebirgsjäger selbst waren es, die kräftig Hand
anlegten. Kalksteine wurden unterhalb des Gipfels
gebrochen, behauen, hinaufbefördert und zu einem
Steinturm auf einem Sockel von fünf Metern
Durchmesser gefügt. Das Steinbild in der Ehrenhalle
im Inneren zeigt einen Gebirgsjäger mit Gevatter
Tod. Dazu die Inschrift: "Wir waren eins in der Liebe zur
Heimat und haben ihr alles gegeben." Die Namen Tausender
Gefallener wurden in die Seitenwände
gemeißelt. 1958 wurde das Ehrenmal auch den
gefallenen Gebirgsjägern des Zweiten Weltkrieges
gewidmet, 1975 eine Gedenkmauer mit Steinen aus den
Ländern errichtet, in denen die Gebirgsjäger
gekämpft haben.
Gefallenen-Ehrenmale
Bei allen Völkern
und jederzeit wurden Gefallene besonders geehrt.
Ehrenmale für sie kannte schon die Antike. Der
Brauch lebte im 19. Jahrhundert auf. Kämpfern der
Befreiungskriege wurden in Deutschland Denkmale
errichtet. Nach dem Krieg 1870/71 wurden zahlreiche
Gefallenehrenmale eingeweiht. Nach 1918 gab es sie in
jeder deutschen Gemeinde. Nach 1945 wurden die Denkmale
des Ersten Weltkrieges zu Ehren der Gefallenen des
zweiten großen Völkerringens ergänzt oder
neue für sie geschaffen. Deutsche Ehrenmalkunst
reicht von der schlichten Tafel am Kircheneingang bis zur
künstlerisch höchstwertigen Plastik, oft mit
allegorischen Darstellungen. Gigantomanische oder
kriegsverherrlichende Ehrenmale, wie sie andernorts
häufig sind, gibt es in Deutschland nicht. Zentrale
Themen deutscher Ehrenmalkunst sind Leid und Leistung der
Frontsoldaten. Das gilt auch für die deutschen
Gefallenendenkmale im Ausland. Ehrenmalschändungen,
in anderen Staaten undenkbar, sind in der Bundesrepublik
seit den 80er Jahren an der Tagesordnung.
Generalgouvernement
Polen überfiel
nach 1918 seine Nachbarn und raubte ihnen Land. Auch
unterdrückte es brutal die Minderheiten. Es
errichtete die ersten KZ in Mitteleuropa. Leidtragende
waren vor allem die Deutschen, die den Polen 1916 zum
neuen Staat verholfen hatten. Im Herbst 1939 drehten
Deutsche, Slowaken, Litauer und Sowjetrussen den
Spieß um und marschierten in Polen ein. Statt nun
eine gerechte Ordnung zu schaffen, vergolt die deutsche
Führung Gleiches mit Gleichem, nahm Polen
völkerrechtswidrig Land und regierte mit eiserner
Hand. Knapp 150 000 qkm polnischen Gebietes mit rund 12
Mio. Einwohnern wurden ein "Generalgouvernement". 1941
kam der Distrikt Galizien mit Lemberg hinzu. Die Juden
des Generalgouvernements hatten 1940-44 in furchtbaren
NSKZ, aber auch unter von Polen und Ukrainern
verübten Antisemitismus zu leiden. In der NS-
Publizistik wurde das Generalgouvernement als Teil des
Großdeutschen Reiches bezeichnet. Washington und
London lieferten die Polen nach Kriegsende an Stalin
aus.
Germanen
Der Ger war ein bei den
Germanen gebräuchlicher Speer. Das Germanentum
bildete sich vor 4000 Jahren, an der Schwelle zur
Bronzezeit. Meist waren die Germanen von nordischer Rasse
mit hohem Wuchs, hellen Haaren und blauen Augen. Vor
Christi Geburt war der gesamte nachmalige deutsche Raum
germanisch besiedelt, auch die durch die deutsche
Ostkolonisation im Mittelalter wiedererrungenen Gebiete.
Schließlich stießen die Germanen auf das
Römische Imperium. Sie bezwangen es nach
jahrhundertewährenden Kämpfen. Die
altgermanische Kultur stand anderen
antiken Hochkulturen nicht
nach. Zeitgenossen berichteten von der hohen Lebensart
der Germanen. Im Zuge der Christianisierung wurden die
meisten germanischen Überlieferungen beseitigt oder
umgewidmet; so lebt z. B. im Weihnachtsfest auch das
altgermanische Julfest zur Wintersonnenwende fort. Nach
dem Sieg über Rom schufen die Germanen die Grundlage
der modernen europäischen Staaten; im frühen
Mittelalter war ganz Europa germanisch beherrscht. In
kühner Seefahrt gelangten die Germanen - lange vor
Kolumbus - nach Amerika. Die Germanen Mitteleuropas
wurden vor 1200 bis 1300 Jahren zum deutschen
Volk.
Germania
Es ist der
römische Name für das Germanenland in
Mitteleuropa, aus dem später Deutschland wurde. Kurz
"Germania" wird auch das Werk des römischen
Historikers und Politikers Tacitus "De origine et situ
Germanorum" genannt, das durchaus Kritik an den Germanen
enthält, insgesamt jedoch "ein Kleinod ist, wie es
kein anderes Volk der Erde aufweisen kann" (S.
FischerFabian). Bedeutsam ist ferner die 1501 unter dem
Titel "Germania" verfaßte nationale
Bekenntnisschrift des deutschen Humanisten Wimpfeling.
Als Personifikation Germaniens wurde die Germania in
römischer Zeit als trauernde Gefangene dargestellt;
in der Frühzeit des ersten Deutschen Reiches war sie
eine gekrönte Frau. Im 19. Jahrhundert mahnte sie
zur deutschen Einheit, so auf dem von Philipp Veit
für die Nationalversammlung in der Paulskirche
geschaffenen Germania-Gemälde. Die Germania auf dem
Denkmal im Niederwald versinnbildlicht das 1871 neu
geschaffene Reich. Als allgemeindeutsches Symbol zierte
die gekrönte Germania die ersten gemeinsamen
Briefmarken des Bismarckreiches.
Germanisches Nationalmuseum
In den 1830er Jahren
faßte Hans Reichsfreiherr von und zu Aufseß
(1801-1872) den Plan, ein germanisches (gesamtdeutsches)
Museum zu gründen. Es sollte in einer Zeit der
Kleinstaaterei und Zersplitterung das Ideal aller
Deutschen verkörpern und Mahnmal deutscher Einheit
werden. Bürgerinitiativen zur Unterstützung des
Vorhabens bildeten sich im ganzen Deutschen Bund. Am 17.
August 1852 konnten zwei Räume in Nürnberg, der
alten Reichsstadt der Reichskleinodien, bezogen werden.
1857 übereignete Bayerns König Ludwig I. dem
Museum das ehemalige Karthäuserkloster. Später
kamen das Augustinerkloster sowie Bauten des Reiches und
der Stadt Nürnberg hinzu, so daß ein ganzes
Stadtviertel eigener Prägung entstand. Im Zweiten
Weltkrieg wurden die Gebäude durch Bomben schwer
geschädigt, nach 1945 wiederaufgebaut. Das
Germanische Nationalmuseum zeigt Meisterwerke deutscher
Kunst und Kultur von der Völkerwanderungszeit bis
zur Gegenwart. Eine Bibliothek mit über einer
Viertelmillion Bänden ist angeschlossen.
Heimatgedenkstätten erinnern an die geraubten
deutschen Gebiete.
Germantown
Die Gründung von
Germantown in Pennsylvanien 1683 durch Wiedertäufer
(Mennoniten) aus Krefeld und aus Frankfurt/Main gilt als
Beginn deutscher Besiedlung Nordamerikas. Führer der
Siedler war Franz Daniel Pastorius aus
westfälisch-fränkischer Gelehrtenfamilie. Er
veröffentlichte 1688 in Germantown Nordamerikas
ersten Protest gegen die Sklaverei. 1702 wurde in der
Ortschaft die erste deutsche Schule der Neuen Welt
gegründet. 1738 erschien in Germantown die erste in
Nordamerika gedruckte Bibel. Sie stammte aus der
Druckerei des Christoph Sauer und war eine Lutherbibel in
deutscher Sprache. Pennsylvanien war das bevorzugte
Einwanderungsland Deutscher und blühte durch ihren
Fleiß auf. Die deutschen Siedler, zum Beispiel im
Tal des Shenandoah, bewahrten ihre Identität.
Pennsilfaanisch ist eine deutsche Mundart mit
pfälzischem Grundcharakter, die im 18. Jahrhundert
entstand und vielfältiges Schrifttum hervorgebracht
hat. Seit 1854 gehört Germantown zu Philadelphia,
der einstigen Bundeshauptstadt der USA, die Mittelpunkt
des Nordamerika-Deutschtums ist.
Goethe-Schiller-Denkmal
Das Denkmal für
Deutschlands Dichterfürsten steht vor dem Weimarer
Nationaltheater. Es ist ein Werk des sächsischen
Bildhauers Ernst Rietschel, eines Schülers von
Rauch. Rietschel schuf auch das Luther-Denkmal zu Worms.
Das Goethe-Schiller-Denkmal wurde, wie das Weimarer
Wieland-Monument, am 4. September 1857 eingeweiht. Tags
zuvor hatten die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des
Großherzogs Karl August von Sachsen-Weimar
stattgefunden, des Freundes und Förderers Goethes.
Das über 3 Meter hohe Standbild der Dichter ist aus
der Bronze türkischer Kanonenrohre gegossen, die
Bayernkönig Ludwig I. für die Denkmalszwecke
gestiftet hatte. 1991 wurde das Denkmal restauriert. In
der Weimarer Fürstengruft ruhen in Sarkophagen
nebeneinander Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich
von Schiller.
Goldene Bulle
Bulle ist ein Lehnwort
(bulla, lat.: Kapsel, Versiegeltes). Golden war das
Siegel des Kaisers. Die wichtigste Goldene Bulle war das
teils am 10. Januar 1356 beim Nürnberger Reichstag,
teils zu Weihnachten 1356 bei der Reichsversammlung zu
Metz verkündete Grundgesetz des Heiligen
Römischen Reiches (Deutscher Nation). Die
Rechtsgelehrten Kaiser Karls IV. hatten ein Meisterwerk
vollbracht: Ausgleich von kaiserlicher und
kurfürstlicher Macht, geschickte
Berücksichtigung alter Traditionen, feinfühlige
Beachtung von Eigenarten und Eitelkeiten der Beteiligten,
diplomatische Abwehr des päpstlichen Anspruches, bei
der deutschen Königswahl und den
Regierungsgeschäften mitzubestimmen. Das
Hauptanliegen wurde in der Vorrede des Grundgesetzes
deutlich: Es gelte, "schmählicher Uneinigkeit" zu
wehren und "Einigkeit zu fördern". Zum Ort der
deutschen Königswahl wurde Frankfurt am Main
bestimmt; Krönungsstätte blieb einstweilen
Aachen. In Nürnberg mußte stets der erste
Reichstag eines neuen Königs stattfinden. Die
Goldene Bulle hatte ein halbes Jahrtausend, bis zum Ende
des Reiches 1806, Gültigkeit - für ein
juristisches Werk eine kaum jemals erreichte
Zeitspanne.
Goldene Bulle von Rimini
Kaiser Friedrich II.
gab dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von
Salza, im März 1226 mit der Goldbulle von Rimini die
Ermächtigung, die heidnischen Pruzzen (sprich:
Prußen) im nachmaligen Ostpreußen zu
unterwerfen. Auch bestätigte der Kaiser dem Orden
die Schenkung des Kulmer Landes durch Herzog Konrad von
Masowien. Ferner erhielt der Orden das Recht auf alles
preußische Land, das er erwarb. Der Hochmeister
wurde einem deutschen Reichsfürsten gleichgestellt,
das Land Preußen kam unter die "Monarchie des
Römischen Imperiums" als Teil des Heiligen Reiches.
Die Goldbulle von Rimini war der Grundstein des
Ordensstaates und der deutschen Besiedlung des
Preußenlandes. In kaum mehr als einem Jahrhundert
wurden 93 deutsche Städte und 1400 deutsche
Dörfer gegründet. Die niedergerungenen Pruzzen
brachten ihr Erbgut ins östliche Deutschtum
ein.
Goldenes Eichenlaub
Als höchste
Kriegsauszeichnung stiftete das deutsche Staatsoberhaupt
im Dezember 1944 das Goldene Eichenlaub mit Schwertern
und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, "um
höchstbewährte Einzelkämpfer, die mit
allen Stufen des Ritterkreuzes ausgezeichnet sind, vor
dem Deutschen Volke besonders zu ehren". Es sollte
höchstens zwölfmal verliehen werden. Als
einziger Soldat wurde Hans Ulrich Rudel mit dem Goldenen
Eichenlaub dekoriert (29. Dezember 1944). Der Kommodore
des Schlachtgeschwaders Nr. 2 "Immelmann" und
legendäre Stuka-"Adler der Ostfront" schoß im
Krieg 519 Stalin-Panzer ab, vernichtete in 2530
Feindflügen 150 Geschützstellungen und 800
Fahrzeuge aller Art, außerdem drei Kriegsschiffe,
darunter das sowjetische Schlachtschiff Marat. 30mal
wurde er abgeschossen. Mehrfach schlug er sich aus dem
feindlichen Hinterland wieder zu den deutschen Linien
durch. Er rettete etlichen Fliegerkameraden durch
wagemutige Aktionen im Feindgebiet das Leben - ebenso
Tausende deutsche Landser und Flüchtlinge vor den
Truppen Stalins. Der 1982 verstorbene Träger der
höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung
engagierte sich nach 1945 für die nationale
Rechte.
Gorch Fock
Schriftstellername des
1880 in Finkenwerder geborenen Johann Kinau. Zu seinen
bekanntesten Werken zählen "Hein Godewind" und
"Seefahrt ist not" . Er fiel am 31. Mai 1916 bei der
Seeschlacht am Skagerrak. 1934 wurde bei Blohm & Voss
in Hamburg das nach ihm benannte Segelschulschiff der
Kriegsmarine gebaut. Die Gorch Fock fährt seit
Kriegsende als russische "Towarischtsch" (= Genosse)
über die Meere. Sie fiel wie ihre deutschen
Schwesterschiffe Horst Wessel ("Eagle", USA) und Albert
Leo Schlageter ("Sagres II", Portugal) dem Raubzug der
Alliierten zum Opfer, der zur Piraterie geriet. Am 17.
Dezember 1958 wurde die nach den Plänen der Gorch
Fock I und ebenfalls bei Blohm & Voss gebaute Gorch
Fock II, das Segelschulschiff der Bundesmarine, in Dienst
gestellt. Mit 89,3 Metern Länge und 1952
Quadratmetern Segelfläche zählt sie zu den
beeindruckendsten Erscheinungen auf den
Weltmeeren.
Görlitz
Das niederschlesische
Görlitz ist die größte deutsche Stadt,
die durch die Oder-Neiße-Linie geteilt wird. Der
Westteil, der seit dem 3. Oktober 1990 im Land Sachsen
zur Bundesrepublik Deutschland gehört, hat rund 80
000 Einwohner. Der Osten jenseits der Görlitzer
Neiße wird seit 1945 polnisch beherrscht und von
den Warschauer Machthabern "Zgorzelec" genannt.
Görlitz wurde Anfang des 13. Jahrhunderts
gegründet und erhielt 1303 Magdeburger Stadtrecht.
Es entwickelte sich zum Mittelpunkt und zur Hauptstadt
der Lausitz. 1635 kam es an Sachsen, 1815 an
Preußen. Am 6. Juli 1950 gab Ost-Berlin den
polnischen Erpressungen (u. a. Stopp der Lieferung
oberschlesischer Kohle) nach und erkannte im
Görlitzer Vertrag die Oder-Neiße-Linie als
"unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze" an. Der
Bundestag verurteilte - von der SPD bis zur Nationalen
Rechten (ausgenommen nur die Kommunisten) - den
Görlitzer Vertrag als Unrecht und Verrat.
Gott mit uns
Dieser Spruch der Bibel
(Matthäus 1,23) war schon 1656 bei Warschau
Feldgeschrei der verbündeten Brandenburger und
Schweden. Der Große Kurfürst beschloß
sein Gebet vor der Schlacht bei Fehrbellin mit diesem
Wort. Seit 1701 ist es der Leitspruch des
preußischen Königtums. 1814 schloß Yorck
seinen Angriffsbefehl bei Laon mit: "Parole ist Gott mit
uns! Feldgeschrei: Friedrich!" 1817 wurde der Spruch dem
großen preußischen Staatswappen, 1871 dem
größeren Wappen des Deutschen Kaisers
hinzugefügt. Als König Friedrich Wilhelm IV.
von Preußen die Gürtelschnalle
(Koppelschloß) einführte, setzte er das Wort
über das Bild seiner Krone; Thüringen, Baden,
Oldenburg und die Hansestädte übernahmen den
Spruch (Bayern: "In Treue fest", Württemberg:
"Furchtlos und trew", Sachsen: "Providentiae memor", =
der Vorsehung eingedenk). Die Reichswehr übernahm
"Gott mit uns", und auch Heer und Marine der Wehrmacht
behielten es bis 1945 auf dem Koppelschloß bei. An
die Stelle der Krone trat 1919 der Reichsadler und 1935
der Wehrmachtsadler. Das Koppelschloß der
Bundeswehr trägt um den Adler die Inschrift
"Einigkeit, Recht, Freiheit".
Göttinger Sieben
Das Fürstenhaus
Hannover betrieb auf dem englischen Thron britische
Imperialpolitik und mancher seiner Vertreter daheim in
Deutschland reaktionären Separatismus; besonders
Ernst August, fünfter Sohn des englischen
Königs Georg III., Herzog von Cumberland und
gescheiterter Führer der Tories im Londoner
Oberhaus, der1837 den hannoverschen Thron bestieg. Sofort
hob er die Verfassung von 1833 auf. Dagegen protestierten
am 1. November 1837 sieben Professoren der
Universität Göttingen: der Jurist Albrecht, die
Historiker Dahlmann und Gervinus, die Germanisten Jacob
und Wilhelm Grimm, der Orientalist Ewald und der Physiker
Weber. In dem von Friedrich Dahlmann verfaßten
Protest hieß es, der Verfassungseid gebiete
Widerstand gegen den Staatsstreich des Königs. Ernst
August warf die sieben Professoren ohne die
bundesrechtlich vorgeschriebene Anhörung aus den
Ämtern und verwies drei von ihnen (Dahlmann, J.
Grimm, Gervinus) des Landes. Das rigorose Vorgehen des
Duodezfürsten führte zu einer Protestwelle der
nationalfreiheitlichen Bewegung in ganz Deutschland. Vier
der Göttinger Sieben gehörten später dem
Paulskirchenparlament an, wobei Dahlmann maßgeblich
an der Frankfurter Reichsverfassung mitwirkte.
Gottschee
Gottschee, der Hauptort
der früheren deutschen Sprachinsel Gottscheer
Ländchen in Unterkrain (südliches Slowenien),
wurde 1363 erstmals erwähnt, erhielt 1471 von Kaiser
Friedrich III. Stadtrecht und hatte zu Beginn des Zweiten
Weltkrieges rund 3500 meist deutsche Einwohner. Die
Kärntner Grafen von Ortenburg hatten im 14.
Jahrhundert deutsche Siedler in das von Türken
verwüstete, verkarstete Bergland gerufen. Sie kamen
aus Kärnten, Tirol und dem Frankenland und
vollbrachten eine atemberaubende Aufbauarbeit. Bei der
Auflösung des Habsburgerreiches 1919 kam die
deutsche Sprachinsel zum jugoslawischen Staatsgebiet.
1941 wurden die rund 18 000 Deutschen des Gottscheer
Ländchens in das dem Großdeutschen Reich
angegliederte Savegebiet umgesiedelt. Dort fielen sie
1945 dem Vertreibungsterror Titos zum Opfer.
Gravamina der deutschen
Nation
Das lateinische Wort
gravamen bedeutet Beschwerde (Mehrzahl: gravamina). Die
"Gravamina der deutschen Nation wider den römischen
Hof" waren Beschwerden deutscher Geistlicher, Städte
und Fürsten gegen die römische
Kirchenobrigkeit. Deren Steuer- und Verwaltungspraxis
sowie das Prozeßverfahren wurden zunehmend als
ungerecht und als Bevormundung empfunden. Erstmals kamen
die Gravamina der deutschen Nation im "Mainzer Libell"
1451 zum Ausdruck. Beim Wormser Reichstag 1521 war die
Zahl der Beschwerden auf einhundert gestiegen. Luther
griff einige in seiner Schrift "An den christlichen Adel
deutscher Nation" auf. Die deutschbewußten
Humanisten Hutten und Wimpfeling mahnten unter Hinweis
auf die Gravamina zu nationaler Selbstbehauptung. Die
Gravamina trugen zur nationalen Identität der
Deutschen in der vom Verfall der Reichsgewalt und
zunehmendem Separatismus gezeichneten frühen Neuzeit
bei.
Grenzen Deutschlands
Die deutsche
Kulturgrenze zum romanischen, dänischen,
südslawischen und ungarischen Bereich ist seit 1000
Jahren, bei einigen Einbrüchen, relativ stabil. Vom
Abschluß der Ostkolonisation bis zur Vertreibung,
etwa ein halbes Jahrtausend, galt dies auch für die
deutsche Kulturgrenze zu den übrigen Slawen und den
Litauern. Die politische Grenze des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation wurde im Westen
infolge französischen Imperialismus erheblich nach
Osten verschoben. Dafür brachte die Ostkolonisation
ein deutsches Vorwärts kommen. Das Bismarckreich
umschloß das deutsche Siedlungsgebiet, außer
der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Österreich.
Nach den Weltkriegen wurde die politische und kulturelle
Ostgrenze Deutschlands völkerrechtswidrig
(Vertreibungsholocaust) um 250 bis 500 Kilometer nach
Westen verschoben. Davon
betroffen war auch die - nach der
spanisch-portugiesischen - älteste und stabilste
politische Grenze Europas, die ostpreußische, die
schon bestand, bevor Kolumbus nach Amerika segelte.
Weimarer und Wiener Demokraten sowie die Aktivisten des
20. Juli 1944 wollten das Großdeutschland aller
Deutschen. Die Etablierten der Bundesrepublik gaben
zunächst die 1937er Grenzen als Ziel vor,
bezeichneten dann aber die Grenzen der Bundesrepublik (im
Osten zunächst an Elbe und Werra, seit 1990 an Oder
und Neiße) als "endgültig".
Grenzmark Posen-Westpreußen
Was an Resten der
preußischen Provinzen Posen und Westpreußen
westlich des "Korridor" vom polnischen Imperialismus
verschont geblieben war, wurde im deutschen
Ostmarkengesetz 1922 zur Grenzmark
Posen-Westpreußen vereint. Die neue
preußische Provinz war 7715 qkm groß und
hatte rund 340 000 deutsche Einwohner. Sie litt unter den
künstlichen Trennungsgrenzen des Versailler Diktats
und unter der Nachbarschaft der polnischen Wirtschaft.
Dies bereitete der instabilen Weimarer Republik
zusätzliche Schwierigkeiten. Am 1. Oktober 1938
wurde die Grenzmark aufgelöst und ihr Gebiet den
Reichsgauen Mark Brandenburg, Pommern und Niederschlesien
zugeteilt. 1945 annektierte Polen das Land. Die dortigen
Deutschen wurden umgebracht oder vertrieben. Unter
polnischer Herrschaft treibt auch die einstige Grenzmark
der ökonomischen und ökologischen Katastrophe
entgegen.
Großdeutsch
Bezeichnung für
das Streben, alle Deutschen staatlich zu vereinen, wobei
die Deutschschweizer meist ausgenommen werden. Das Wort
wurde von Eduard von Simson geprägt, dem aus
jüdischer Familie stammenden Präsidenten der
Paulskirchenversammlung. Er war wie fast alle 1848er
Demokraten großdeutsch gesinnt. Weil es
unmöglich war, das multinationale Habsburgerreich zu
integrieren, suchte man notgedrungen den sogenannten
kleindeutschen Weg (vorerst) ohne die Deutschen in
Österreich. Nach 1918 waren alle maßgeblichen
Kräfte der Weimarer und Wiener Republik
großdeutsch. Die Siegermächte verhinderten
gewaltsam ein demokratisches Großdeutschland. Der
Anschluß Österreichs 1938 und weiterer
deutscher Gebiete schien die Verwirklichung
Großdeutschlands zu bringen. Hitler jedoch zwang
auch fremde Volksgebiete ins Reich und wich damit vom
Grundsatz der Großdeutschen Bewegung
(Selbstbestimmung) imperial ab. Nach 1945 wurde
großdeutsche Politik in Österreich auf
Siegerdruck streng verboten (Staatsvertrag) und in der
Bundesrepublik als "rechtsextrem" gebrandmarkt, obwohl
die großdeutsche Tradition von den Aktivisten der
Befreiungskriege über die 1848er und die Wiener und
Weimarer Demokraten bis zu den Männern des 20. Juli
1944 reicht, die ganz entschieden großdeutsch
dachten.
Großdeutsches Reich
Großdeutschland
zu schaffen, war seit Ende des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation ein Hauptanliegen der nationalen
und demokratischen Bewegungen. In den ersten Jahren nach
der Machtübernahme fand sich das NS-Regime zum
Verzicht auf fremd besetzte deutsche Gebiete bereit -
sogar, weitergehend als die Weimarer Republik, Polen
gegenüber. Nach dem Österreich-Anschluß,
März 1938, wurde das Wort Großdeutsches Reich
gebräuchlich. Im Zweiten Weltkrieg war es offiziell
die Eigenbezeichnung Deutschlands. Während die
Angliederung deutscher Gebiete an dieses Reich dem
Selbstbestimmungsrecht entsprach, bedeutete die
Einverleibung fremder Siedlungsgebiete (tschechischen und
polnischen Volksraumes) eine imperiale Entartung. Die
Selbständigkeit und Neutralität der vorwiegend
deutschen Schweiz stellte Berlin nicht in Frage, meldete
auch keine Revisionsansprüche gegen Dänemark
(Nordschleswig) an und verzichtete aus Rücksicht auf
das faschistische Italien und auf Vichy-Frankreich bis in
die Kriegszeit auf Südtirol und
Elsaß-Lothringen.
Großer Zapfenstreich
Im Gegensatz zu
Militärzeremonien anderer Staaten verzichtet der
Große Zapfenstreich auf Drohgebärden. Der Name
stammt aus der Landsknechtszeit: Der Schlag auf den
Weinfaß-Zapfen war das Signal zur Lagerruhe.
Preußens König Friedrich Wilhelm III. war von
der Abendzeremonie der Russen im Befreiungskrieg so
beeindruckt, daß er Nachahmung befahl. Ein
russisches Militärgebet, vertont vom Kapellmeister
des Zaren, Dimitri Bortnianskij, und mit Teerstegens
Worten "Ich bete an die Macht der Liebe", wurde zum
Kernstück des preußischen Großen
Zapfenstreiches. An die Befreiungskriege erinnert auch
der Yorcksche Marsch Beethovens, der beim Anmarsch
gespielt wird. Die noch heute gültige konzertante
Fassung des Großen Zapfenstreiches schuf 1838 der
preußische Musikdirektor Wieprecht. Preußens
Zapfenstreich wurde nach 1871 deutsches Allgemeingut;
Bayern und Sachsen hatten allerdings eigene Zeremonien.
1925 kam das Deutschlandlied als fester Bestandteil des
Zapfenstreichs hinzu. 1951 intonierte das Berliner
Polizeiorchester als erstes nach 1945 den Großen
Zapfenstreich, 1952 folgte der BGS, 1957 die Bundeswehr.
Die NVA der DDR hatte einen Zapfenstreich, in dem nicht
Gott, sondern die Rote Armee gepriesen wurde ("Dank Euch,
Ihr Sowjetsoldaten!"). 1982 wurde der Große
Zapfenstreich vom Bonner Verteidigungsministerium als
"Überlieferung aus vordemokratischer Zeit"
kritisiert, was die Deutsche National-Zeitung zur
Anmerkung veranlaßte, daß auch das Gehirn aus
vordemokratischer Zeit stamme.
Groß-Friedrichsburg
Als andere Mächte
begannen, die Welt aufzuteilen, betrieben als einzige
deutsche Staaten Brandenburg unter dem Großen
Kurfürsten und Kurland bescheidene Kolonialpolitik.
Am 1. Januar 1683 warfen Brandenburgs Fregatten
"Churprinz" und "Mohrian" Anker vor der afrikanischen
Goldküste (Guinea). Die brandenburgische Flagge
wurde gehißt und eine deutsche Kolonie
gegründet. Wichtigster Stützpunkt war das Fort
Groß-Friedrichsburg. Als Führer des
Unternehmens wirkte der ostpreußische Haudegen,
Seefahrer und Schriftsteller Otto Friedrich von der
Groeben. Er brachte das Land an der Goldküste auf
friedlichem Wege, durch Verträge mit
Negerfürsten, in Brandenburgs Besitz. Die Nachfolger
des Großen Kurfürsten verloren das Interesse
an Groß-Friedrichsburg und verkauften es an die
Niederländer. Negerhäuptling Cuny jedoch
verteidigte das Fort mit seinen Männern tapfer gegen
die neuen Herren. Als er in den Urwald weichen
mußte, nahm er die ihm anvertraute brandenburgische
Fahne mit und vergrub die brandenburgischen
Geschütze. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden einige
der Geschütze von einer deutschen Expedition
geborgen und in würdiger Zeremonie nach Berlin
gebracht.
Weiterführend:
Als
Afrika preussisch wurde
-- 1683: Brandenburgs "Gloria Africana" am Kap der drei
Spitzen
Grundgesetz
Das Grundgesetz
für die Bundesrepublik Deutschland trat am 23. Mai
1949 in Kraft. Es war am 8. Mai des Jahres vom
Parlamentarischen Rat (Vertretern der
Länderparlamente) verabschiedet worden. Das GG ist
geprägt von der Weimarer Reichsverfassung und der
Paulskirchenverfassung. Vor allem hält es die
Menschenrechte, die jedermann, und die Deutschenrechte,
die nur den Staatsbürgern zustehen, fest. Im Amtseid
des Bundespräsidenten formuliert das Grundgesetz die
vornehmste Pflicht der Politiker: Den Nutzen des
deutschen Volkes mehren, Schaden von ihm abwenden und
Gerechtigkeit üben. Als Mangel erscheint, daß
die direkte Demokratie (Volksentscheid) kaum
berücksichtigt wird. Die bewährte
GG-Präambel ("das deutsche Volk bleibt aufgefordert,
die Einheit zu vollenden") wurde 1990 durch ein
Bekenntnis zur angeblich vollzogenen deutschen Einheit
ersetzt. Andernfalls sei die Wiedervereinigung von West
und Mitteldeutschland (DDR) für "das Ausland" nicht
akzeptabel, wurde behauptet.
Guben
Guben liegt in der
Niederlausitz an der Görlitzer Neiße. Es
zählt zu den seit 1945 durch die
Oder-Neiße-Linie geteilten deutschen Städten.
Der Westen gehört seit Oktober 1990 mit dem Land
Sachsen zur Bundesrepublik Deutschland. Der Osten mit der
Altstadt wird seit Kriegsende als "Gubin" ("Woiwodschaft
Zielona Gora") polnisch beherrscht. Guben erhielt 1235
Magdeburger Stadtrecht, kam 1312 an Brandenburg, 1367 an
Böhmen, 1635 an Kursachsen und 1815 an
Preußen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt es erhebliche
Schäden. Nach Auflösung der Länder (1952)
wurde die Stadt Teil des Bezirks Cottbus. 1961 erhielt
sie den Beinamen "Wilhelm-Pieck-Stadt" nach dem
Kommunistenführer und ersten DDR-Staatschef.
Allerdings verschwiegen die SED-Machthaber schamhaft,
daß Pieck als Sohn einer deutschen Familie am
Ostufer der Neiße geboren worden war, also im seit
1945 völkerrechtswidrig polnischen Teil
Gubens.
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