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• Habsburg

Die Stammburg des deutschen Königs- und Kaisergeschlechtes der Habsburger, das vier Jahrhunderte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation herrschte und bis 1918 Österreich regierte, steht im Nordosten der heutigen Schweiz, im Kanton Aargau. Der Name bedeutet Habichtsburg. Gebaut wurde sie 1020 auf dem Wülpelsberg am Zusammenfluß von Aare und Reuß auf Geheiß des Bischofs Werinher von Straßburg, des damals bedeutendsten Mitglieds der Familie. Der vierkantige wuchtige Bergfried aus kaum behauenem Felsgestein ist gut erhalten. Ihm zur Seite stehen Zubauten aus dem 16. und 19. Jahrhundert. Otto II. (gestorben 1111) war der erste seines Geschlechts, der sich (1090) nach der Habsburg nannte.

 

• Habsburger

Als erster Habsburger wurde Rudolf I. 1273 deutscher König (auf Vorschlag Friedrichs von Hohenzollern). Beide Dynastien standen Jahrhunderte später hart gegeneinander (deutscher Dualismus). Rudolf errang im Kampf gegen Ottokar von Böhmen Österreich und legte den Grundstein von Habsburgs Macht. Sein Sohn Albrecht I. war deutscher König von 1298 bis 1308. Von 1438 bis zum Ende des Reiches 1806 trugen Habsburger die deutsche Königs- und Kaiserkrone, unterbrochen nur 1742-1745 durch den Wittelsbacher Karl VII. Hauptsächlich durch Heiratspolitik wurden die Habsburger mächtigste Dynastie Europas. Dann spaltete sich das Haus in eine spanische und eine österreichische Linie. Karl V., mehr Spanier als Deutscher, gebot im 16. Jahrhundert über ein Reich, "in dem die Sonne nicht unterging". Die Ehe Maria Theresias mit Franz Stephan von Lothringen begründete das Haus Habsburg-Lothringen. Die Habsburger führten vom 15. bis ins 18. Jahrhundert den deutschen Abwehrkampf gegen Türken und Franzosen. Letzter Kaiser des Heiligen Reiches war der Habsburger Franz II. (bis 1806). Ab 1804 war er als Franz I. erster Kaiser von Österreich. Von 1848 bis 1916 regierte Franz Joseph I. ("Ich bin ein deutscher Fürst!") den k.u.k. Staat. Der letzte Habsburgermonarch in Wien war sein Großneffe Karl I. (1916-1918).

 

• Hakenkreuz

"Swastika", der altindische Name des seit sechs Jahrtausenden nachweisbaren Heilszeichens, bedeutet: das, was gut ist. Noch heute gilt es in Süd- und Ostasien als glückverheißend. Auch war es ein Symbol amerikanischer Pfadfinder, das Abzeichen der 45. US-Division im Ersten Weltkrieg, zierte die japanische Stabsflagge, war Zeichen der finnischen Frauentruppe "Lottas" und Symbol der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung im Spanischen Bürgerkrieg sowie unter Kerenski, nach dem Sturz des Zaren, neben dem Doppeladler das Symbol Rußlands. Auch bei den Germanen war es weit verbreitet, gedeutet u. a. als Sonnenrad und Thors Hammer. Nach der Christianisierung blieb es in der deutschen Ornamentik gebräuchlich. Im 19. Jahrhundertwurde es das Zeichen der Turnerbewegung, dann auch bei den Wandervögeln beliebt. Schließlich tauchte es bei völkisch-antisemitischen Bewegungen und Freikorps auf. 1920 wurde die Hakenkreuzfahne offizielles NS-Banner ("Sinnbild des Kampfes des arischen Menschen") und 1935 Reichsflagge. Das Hakenkreuz wurde ab 1939 in den meisten deutschen Kriegsauszeichnungen verwendet. Seit 1945 ist es in Deutschland als Kennzeichen der NS-Diktatur verboten.

 

• Hambacher Fest

30 000 Menschen kamen vom 27. bis zum 30. Mai 1832 am Hambacher Schloß in der Pfalz zur ersten politischen Massendemonstration der deutschen Geschichte zusammen. Aufgerufen dazu hatten die nationalfreiheitlichen Journalisten Wirth und Siebenpfeiffer. Erstmals wurde die schwarzrotgoldene Fahne als Trikolore gezeigt. Die Kernforderungen lauteten: "Deutschlands Wiedergeburt!" und "Ein einheitliches Deutsches Reich im demokratischen Sinne!" Die Pfälzer hatten besonders unter Zollgrenzen infolge politischer Zersplitterung Deutschlands zu leiden. In Hambach wurde Solidarität mit dem Freiheitskampf anderer Völker bekundet. Der Deutsche Bund unter Metternich reagierte hart: Veranstalter und Redner des Festes wurden eingekerkert (soweit sie nicht ins Ausland fliehen konnten), Presse- und Versammlungsfreiheit ganz beseitigt. Die deutsche Nationalbewegung ging in den Untergrund.

 

• Hambacher Schloß

Der ursprüngliche Name lautete wegen des Kastanienwaldes der Umgebung Kästenburg. Das Bauwerk hieß im 19. Jahrhundert auch "Maxburg" nach Bayerns König Maximilian. Die Burg war vor rund 1000 Jahren am Pfälzer Hardtgebirge an der Stelle einer vorchristlichen Weihestätte errichtet worden. Von der Kästenburg aus soll Kaiser Heinrich IV. nach Canossa gezogen sein. Im Bauernkrieg wurde sie von Aufständischen als Symbol der Zwingherrschaft zerstört, anschließend von Bauern in Fronarbeit wiedererrichtet. 1688 schändeten französische Truppen die Burg. Anfang 1832 kauften Bürger des nahegelegenen Hambach die Ruine für 625 Gulden. Vom 27. bis 30. Mai 1832 war das Hambacher Schloß Schauplatz des nationafreiheitlichen und nationalrevolutionären Hambacher Festes. Ab Ende der 1970er Jahre wurde es restauriert. Bei der Neueinweihung zum 150. Jahrestag des Hambacher Festes verschwiegen Redner etablierter Parteien das großdeutsch-nationale Bekenntnis von 1832 und stellten das Fest absurderweise als ein frühes Bekenntnis zur EG dar.

 

• Hammer und Zirkel

Wie andere "Bruderparteien" ahmte auch die SED das Hammer und Sichel-Symbol der KPdSU nach. Im Gesetz über das Staatswappen von 1955 hieß es: "Das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik besteht aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz, der im unteren Teil von einem schwarzrotgoldenen Band umschlungen ist." Zum Ausdruck kommen sollte "das Bündnis der Arbeiterklasse, der Genossenschaftsbauern und der Intelligenz". 1959 wurde das Staatswappen auch in die schwarzrotgoldenen DDR-Fahnen eingefügt. Bis 1964 jedoch trat die gemeinsame deutsche Olympiamannschaft nur unter Schwarz-Rot-Gold auf (1960 und 1964 mit den Olympischen Ringen in der Mitte). 1968 erhielt das DDR-Staatswappen "Verfassungsrang". In der Bundesrepublik galt die Hammer und Zirkel-Fahne zunächst als Spalterflagge. Im Zeichen der "neuen Ostpolitik" wehte sie allerdings in den 70er und 80er Jahren immer häufiger auch am Sitz der Bundesregierung, zum Beispiel bei "Staatsbesuchen" aus der DDR.

 

• Hanse

Das aus dem Germanischen stammende Wort Hanse bedeutete ursprünglich Kriegerschar. Im 12. Jahrhundert bildeten deutsche Kaufleute Schutzgemeinschaften im Ausland. Bedeutendster Bund und Keimzelle der Hanse waren die Gotlandfahrer mit dem "Sigillum Theutonicorum" als Kennzeichen. Nach dem Sieg der Norddeutschen über die Dänen bei Bornhöved 1227 wurde Lübeck Hauptstadt der "hansa Alemaniae". Im 15. Jahrhundert gehörten der "dudischen Hanse" mehr als 160 Städte an. Ihr Einflußgebiet reichte von Köln und Dortmund bis Riga, von Breslau bis Stockholm. Nichtstädtische Mitglieder waren der Hochmeister des Deutschen Ordens und die Dithmarscher Bauernrepublik. Die Hanse organisierte den Handel in Nord- und Mitteleuropa, sicherte die deutschen Interessen gegen ausländische Wirtschaftsmächte, vor allem gegen die Engländer, rang Dänen und Freibeuter militärisch nieder, brachte ihren Mitgliedern großen Wohlstand und stützte die deutsche Ostsiedlung wirtschaftspolitisch ab. Ihre Kraft erlahmte nach einem halben Jahrtausend, auch wegen des allgemeinen Reichsverfalls. Im Dreißigjährigen Krieg ging sie unter. 1669 fand der letzte Hansetag statt.

 

• Heeresehrenmal

Koblenz ist die größte Garnison des Heeres. Deshalb wurde 1972 oberhalb der Stadt, in einer Nische in der Ostwand des Mittelsaillants an der Nordfront der Festung Ehrenbreitstein, das Ehrenmal des deutschen Heeres enthüllt. Das von Professor Hans Wimmer, München, gestaltete Denkmal zeigt einen auf flachem Sockel zur letzten Ruhe gebetteten Soldaten. Darüber befindet sich im Mauerbogen eine Tafel mit dem Eisernen Kreuz und den Worten: "Den Toten des deutschen Heeres -1914-1918,1939-1945 - ihrVermächtnis: Frieden."

 

• Heidelberger Schloß

In der Nähe des Heiligenberges am Neckar, wo einst die Germanen eine Weihestätte und die Kelten eine Burganlage errichtet hatten, wurde das 1196 erstmals erwähnte Heidelberg gegründet. Es hat die nach der Prager und Wiener Hochschule drittälteste deutsche Universität (1386). Das Heidelberger Schloß der rheinischen Pfalzgrafen entwickelte sich mit Zubauten aus einer mittelalterlichen Burg. Als formvollendetstes deutsches Renaissancebauwerk gilt der 1556 bis 1563 von einem unbekannten Meister geschaffene Ottheinrichsbau (benannt nach Kurfürst Otto Heinrich) mit seiner 35 Meter langen Fassade. Heidelberg wurde im 30jährigen Krieg von den Schweden besetzt. 1689 und 1693 fielen die Truppen des französischen "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. unter General Melac über die Stadt mordend, plündernd und brandschatzend her. Auch das Schloß ging in Flammen auf. Die Ruine wurde zur Anklage gegen den französischen Imperialismus auf deutschem Boden. Von 1948 bis 1952 hatten die US- Besatzer ihr Europa-Hauptquartier in Heidelberg.

 

• Heil dir im Siegerkranz

Die vermutlich von Henry Carey gedichtete und komponierte Königshymne "God save the King", 1744 zuerst gedruckt, nahm in England bald den Charakter eines Nationalliedes an. Bei einem Besuch in London zeigte sich Joseph Haydn in den 1790er Jahren sehr beeindruckt von der bewegenden Wirkung. Die Londoner seien ziemlich respektlos, schrieb er, doch wo die Hymne erklinge, verstumme alle Kritik am Herrscherhaus. Haydn zog den Schluß, daß auch die Deutschen einer solchen Hymne bedürfen und schuf die Kaiserhymne mit der Melodie des späteren Deutschlandliedes. Die englische Weise aber wurde mit den Worten "Heil dir im Siegerkranz" von Heinrich Harries Hymne des preußischen Königshauses und 1871 deutsche Reichshymne. Sie erklang in Anwesenheit des Kaisers auch beim Großen Zapfenstreich. Die eigentlichen Nationallieder der Deutschen des Bismarckreiches waren "Die Wacht am Rhein" und "Deutschland, Deutschland über alles".

 

• Heilige Lanze

Die Heilige Lanze, auch Reichslanze genannt, ist Teil der Reichskleinodien. Sie wurde wohl im 8. Jahrhundert aus Siegener Eisenerz geschmiedet und im folgenden Jahrhundert in der Mittelachse zur Aufnahme eines eisernen Stäbchens aufgebrochen, welches man als Nagel vom Kreuze Christi verehrte. Im Jahre 926 kam sie zu Worms aus den Händen des Burgunderkönigs Rudolf II. an den deutschen König Heinrich I. In ihrem Zeichen wurde in welthistorisch bedeutsamen Schlachten gekämpft. So siegte Otto der Große mit ihr 955 auf dem Lechfeld. Altem germanischen Brauche gemäß wurde durch sie dem neuen deutschen König die Herrschaft übertragen. In den tragischen Kämpfen Kaiser Heinrichs IV. zerbrach sie. Sie wurde dem goldstrahlenden Reichskreuz eingefügt. Ihr Bedeutungswandel zur Mauritiuslanze erfolgte, als Otto der Große den Märtyrer Mauritius zum Schutzpatron des deutschen Ostens erwählt hatte. In Sage und Dichtung erscheint die Heilige Lanze des Reiches als wundenschlagender und wundenheilender Gralsspeer, als Lanze, mit der durch der römische Kriegsknecht Longinus in die Seite des gekreuzigten Christus gestochen hatte.

 

• Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Lateinisch: Sacrum Romanum Imperium Nationis Germanicae. Seit etwa 1438 gebräuchlicher, 1486 erstmals gesetzlich erwähnter, ab 1512 offizieller und bis zum staatlichen Ende, 1806, geltender Name des ersten Deutschen Reiches. Zuvor hatte die offizielle Titulatur "Romanum Imperium" (erstmals 1034) und "Sacrum Imperium Romanum" (ab 1157) gelautet. Damit wurde die Fortsetzung des antiken Kaisertums sowie die religiöse Dimension des Staates zum Ausdruck gebracht. Daneben war aber schon ab dem 10. Jahrhundert die Bezeichnung "Reich der Deutschen" als inoffizieller Name üblich, der sich seit dem 11. Jahrhundert durchsetzte. Der Zusatz "Deutscher Nation" ab dem 15. Jahrhundert war Ausdruck neuen Nationalbewußtseins, geweckt vor allem durch die Humanisten, und betonte den überwiegend deutschen Charakter des Reiches. Die Geschichte des ersten Deutschen Reiches begann mit der fränkischen Reichsteilung 843. Als eigentlicher Gründer gilt der Sachse König Heinrich I. (875-936). Sein Sohn Qtto der Große nahm 962 den Kaisertitel an, den achteinhalb Jahrhunderte deutsche Majestäten trugen. Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war das deutsche Imperium sowohl politisch als auch kulturell die Vormacht des Abendlandes. Es verlor durch imperialistische Attacken von außen und durch Separatismus im Inneren an Kraft. Franz II., der letzte Kaiser, legte 1806 die Krone des nahezu tausendjährigen Reiches nieder, in dessen Grenzen sich auch nichtdeutsche Nationen frei hatten entfalten können.

 

• Heldenorgel

Auf dem Felsen oberhalb des Inn bei Kufstein, der Festungsstadt am Fuße des Wilden Kaiser, steht eine 1205 erstmals erwähnte Burg. Der Bürgerturm der Festung birgt die größte Freiorgel der Welt. Sie verfügt seit ihrer Erweiterung (1971) über 4307 Pfeifen und vier Manuale. In den 20er Jahren bildete sich auf Anregung von Max Depolo aus Innsbruck ein Freundeskreis zur Errichtung der Kufsteiner HeIdenorgel. Sie sollte zu Ehren der deutschen Gefallenen des Ersten Weltkrieges in reichsdeutscher und österreichischer Uniform erklingen. Seit Jahrhunderten wird in Österreich die Tradition gepflegt, Orgeln in Türme zu bauen. Die Spenden für die Heldenorgel wurden insbesondere vom Deutschen Turnerbund, dem Alpenverein und Kriegerverbänden aufgebracht. Entwurf und Bau des Meisterwerks der Orgelbaukunst oblagen Professor Franz Schütz und Dr. O. Walcker, in dessen württembergischer Fabrik das monumentale Instrument gefertigt wurde. Am 2./3. Mai 1931 fand die Einweihung durch den Salzburger Erzbischof, den "Primas Germaniae", in Anwesenheit von 20 000 Gästen statt. Die Heldenorgel ertönt zur Ehrung der Gefallenen, als Mahnung zum Frieden und bei Künstlerkonzerten. Durch die Öffnungen des Turmes sind die Darbietungen kilometerweit im Umkreis zu hören.

 

• Helgoland

Die Felseninsel in der Deutschen Bucht beherrscht die Mündungen von Elbe, Weser und Eider. Möglicherweise war Helgoland Teil des sagenhaften Atlantis. Im 11. Jahrhundert wurde das Eiland von Friesen besiedelt, später durch die Hanse von Seeräubern befreit und Teil Schleswigs. Anfang des 18. Jahrhunderts bemächtigte sich der dänische König der Insel. 1807 übernahmen sie die Engländer. Auf Helgoland dichtete Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 das Deutschlandlied. Die Paulskirche forderte deutsche Hoheit über die Insel. Am 10. August 1890 gab London Helgoland gegen afrikanische Besitzungen des Reiches an Deutschland. Am 18. April 1945 vernichteten britische Bomben die Ortschaft Helgoland. Am zweiten Jahrestag des Bombenüberfalls wollte die britische Besatzungsmacht Helgoland mit der Sprengkraft eines Drittels der Hiroschima-Bombe zerstören. Die Insel hielt stand. Fortan wurde sie als Bombentestgebiet mißbraucht. In nationaler Solidarität forderten die Deutschen die Freigabe der Insel. Deutsche Studenten besetzten sie, um die britischen Bombenabwürfe zu beenden. Am 1. März 1952 gab London Helgoland an die Bundesrepublik.

 

• Hellweg

Das zu "hell" im Sinne von "Lichtung" gebildete Wort deutet, ähnlich wie "rote (= gerodete) Erde", auf einst mächtigen Urwaldbestand hin, von dem auch die reichen Kohleschätze in Westfalen zeugen. In Germanenzeit war der Hellweg Teil der wichtigsten West-Ost-Route vom Rhein zum Bernsteinland, dem nachmaligen Ostpreußen. Karl der Große bezwang die Sachsen, Vorfahren der Westfalen, am Hellweg und baute ihn zu einer mit Königshöfen befestigten Heerstraße aus. Dort erblühten Reichs- und Hansestädte wie Dortmund und Soest. Hier pulsiert seit dem 19. Jahrhundert das industrielle Herz Deutschlands. Aus Westfalen, ostdeutschen Zuwanderern und Vertriebenen bildete sich ein eigener deutscher Menschenschlag am Hellweg. Auf dem Hellweg zogen die Römer einst ins Innere Germaniens und mußten auf ihm, geschlagen, wieder verschwinden. Auf ihm fluteten im 30jährigen Krieg fremde Marodeure herein, bis sie endlich wieder abgeschüttelt werden konnten. Der Hellweg sah 1923 die französischen Besatzer des Ruhrgebietes kommen - und wieder abziehen. Auf ihm stießen 1945 die Alliierten ins Reich, bis sie erst sieben Jahre später das Land am Hellweg, das Ruhrgebiet, von Fesseln lösten. Am Hellweg werde sich, so war der Philosoph Kolbenheyer überzeugt, das Schicksal des Abendlandes entscheiden.

 

• Hermannschlacht

In dreitägiger Schlacht bezwang 9 nach Christus das vom 27jährigen Cheruskerfürsten Armin geführte Germanenheer die Römer unter Varus. Die römischen Verluste betrugen über 20 000 Mann. Der Schlachtort lag vermutlich im Osning (Teutoburger Wald). Armin wehrte auch den Römer Germanicus und seine Heere ab. So wurde Mitteleuropa davor bewahrt, zur Kolonie Roms abzusinken. Auch ermöglichte Armin durch seine Tat die freie Entwicklung zum deutschen Volk und Staat. Als der Cherusker seinen germanischen Widersacher Marbod bezwungen hatte, schien ein gesamtgermanisches Reich nahe. Doch fiel Armin einer familiären Mordintrige zum Opfer. Es gibt Hinweise, daß der große Führer und Feldherr im germanisch-deutschen Mythos die Gestalt des Siegfried annahm. Im 16. Jahrhundert erinnerte man sich in Deutschland seiner wieder. Luther: "Ich hab in von hertzen lib." Im folgenden Jahrhundert wurde er - poetisch - zu "Hermann der Cherusker", der welthistorische Entscheidungskampf des Jahres 9 n. Chr. zur "Hermannschlacht". Die bekanntesten Dichtungen zur Hermannschlacht gaben Klopstock (1769), Heinrich von Kleist (1809) und Grabbe (1838). Die gewaltige Erscheinung des Armin wird auch durch das Hermannsdenkmal gewürdigt.

 

• Hermannsdenkmal

Begeistert von deutscher Einigkeit in den Befreiungskriegen und enttäuscht von deutscher Teilung, entschloß sich der Ansbacher Bildhauer Ernst Bandel zum Bau eines Denkmals für Armin, genannt Hermann der Cherusker, der die Germanen vereint und befreit hatte. Bandel wählte als Standort die Grotenburg im Teutoburger Wald mit ihrem Ringwall aus germanischer Zeit (womöglich Überreste der von Tacitus erwähnten Teutoburg), vermutlich nahe dem Schauplatz der Schlacht im Teutoburger Wald 9 nach Christus. Spenden und ein staatlicher Zuschuß brachten die nötigen Mittel. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. September 1841, die feierliche Einweihung - in Anwesenheit des Kaisers - am 16. August 1875. Abordnungen aus allen deutschen Landen legten ein großdeutsches Bekenntnis ab. Seither reckt sich die 26 Meter große Hermannsfigur auf 30,7 Meter hohem Sockel in der Nähe der Externsteine bei Detmold empor. Auf dem Schwert die Inschrift: "Deutsche Einigkeit - meine Stärke, meine Stärke - Deutschlands Macht." 1945 benutzten US-Besatzer das Denkmal als Schießscheibe. Hunderte Einschüsse beschädigten es schwer. Später wurde das Nationalmonument von den Deutschen wiederhergestellt.

 

• Herzogstuhl

Seit dem 8. Jahrhundert ist Kärnten deutsch besiedelt. Im 13. Jahrhundert erlebte es im Heiligen Römischen Reich seine größte Blüte. Aus dieser Zeit stammt der steinerne Herzogstuhl auf dem Kärntner Zollfeld an der alten Reichsstraße. Auf ihm wurden die Kärntner Herzöge nach traditionellem Brauch in ihr Amt eingeführt. Später ließ Herzog Rudolf IV. einen weiteren Steinstuhl an dieser Stelle errichten, dessen Rückenstützen den alten Herzogstuhl einfassen. Seit dem 19. Jahrhundert sichert ein künstlerisch gestaltetes Gitter das ehrwürdige Symbol Kärntner Freiheit. Auch in den Abwehrkämpfen gegen Napoleon und jugoslawische imperialistische Anmaßung nach 1918 und 1945 hatte der Herzogstuhl für die Kärntner eine überragende symbolische Bedeutung. Das unabhängig gewordene Slowenien versuchte Anfang der 90er Jahre, zur Untermauerung von "Ansprüchen" auf Südkärntner Gebiete, den Herzogstuhl absurderweise als "nationales slowenisches Sinnbild" zu vereinnahmen, was energische Proteste der Kärntner zur Folge hatte.

 

• Hildebrandlied

Die älteste erhalten gebliebene Heldendichtung deutscher Sprache berichtet vom Kampf des Recken Hildebrand, Waffenmeister Dietrichs von Bern (Theoderich der Große). Es wurde zwischen 810 und 820 nach Christus von zwei Mönchen des Fuldaer Klosters aufgeschrieben. Der Text, verfaßt unter Anwendung des Stabreimes in althochdeutscher Sprache, fußt auf Vorlagen des 5. Jahrhunderts. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wurde das Hildebrandlied im 19. Jahrhundert von den Brüdern Grimm wiederentdeckt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Schutz vor Bombenterror und Kriegshandlungen in einen Bunker bei Wildungen gebracht. Dort fiel es 1945 Räubern in US-amerikanischer Uniform in die Hand. 1954 kam ein Blatt des Hildebrandliedes aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach Deutschland zurück. Der Bibliothekar Dr. Carl Selmer spürte nach detektivischer Arbeit auch das zweite Blatt auf, welches 1972 an Bord einer Sondermaschine der Bundesluftwaffe den Weg aus Amerika heimwärts fand.

 

• Hofburg

Mit dem Bau der alten Burg zu Wien, der deutschen Kaiserstadt unter den Habsburgern, wurde 1275 auf Geheiß König Ottokars begonnen. Der Komplex wuchs in drei Phasen, von denen die Bauwerke des Schweizerhofes (Gotik), des Platzes "In der Burg" (Barock) und des Heldenplatzes (Franz-Joseph-Ära) Zeugnis ablegen. Während der Regierungszeit Franz Josephs erhielt die Hofburg - bei erheblichen Umgestaltungen - ihr heutiges Erscheinungsbild. So wurde ab 1889 nach dem Fassadenentwurf Emanuel Fischer von Erlachs der Ausbau des Michaelertrakts durchgeführt und 1893 unter der Leitung Ferdinand Kirschners vollendet. Der Flügel gegen den Kaisergarten wurde nach Plänen von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer 1881 begonnen. Über viele Jahrhunderte war die Wiener Hofburg das Zentrum kaiserlicher Macht im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und der k.u.k. Monarchie bis 1918. Die Burg mußte mehrmals dem Ansturm von Feinden standhalten. In ihrer Schatzkammet befinden sich die Reichskleinodien.

 

• Hohenstaufen

Vorberg der Schwäbischen Alb, "aller schwäb'schen Berge schönster" (Ludwig Uhland). Auf ihm ließ Friedrich von Büren im 11. Jahrhundert jene Burg errichten, die dem deutschen Herrschergeschlecht der Hohenstaufen den Namen gab. Die Staufer trugen von 1138 bis 1254 die deutsche Königs- und Kaiserkrone. Die berühmtesten Majestäten des Geschlechts waren Friedrich I. Barbarossa, der manches Mal auf dem Hohenstaufen weilte, und Friedrich II. mit dem Beinamen "stupor mundi" (das Staunen der Welt). Nach dem Niedergang der Staufer wurde die Burg von den Grafen von Württemberg verwaltet. In den Bauernkriegen schwer in Mitleidenschaft gezogen, diente sie danach - als wäre es ein Sinnbild des Reichszerfalls - als Steinbruch. Heute zeugen nur noch wenige Mauerreste von der einstigen Herrlichkeit. Der Plan eines 1871 gegründeten Vereins, ein würdiges Staufer-Ehrenmal auf dem Berg zu errichten, hatte keinen Erfolg.

 

• Hohensyburg

Südlicher Vorort von Dortmund. Hier, hoch über dem Zusammenfluß von Ruhr und Lenne, errichteten die Sachsen ihre gewaltige Sigiburg von 750 Metern Länge und bis zu 500 Metern Breite. Sie wurde 774 von den Franken Karls des Großen erobert und zerstört. Von einer 1287 geschleiften Burg zeugen mächtige Ruinenmauern, die ein würdevolles Gefallenenehrenmal umschließen. Der Vincke-Turm in Hohensyburg erinnert an den ersten Oberpräsidenten von Westfalen und engen Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein, Ludwig von Vincke. Das Bauwerk wurde nach dem Tode des Politikers, 1844, errichtet. Wenige hundert Meter westwärts erhebt sich das 1902 feierlich eingeweihte, mit Spenden der Bürger der Grafschaft Mark erbaute Denkmal der Reichseinigung mit Bronzefiguren Kaiser Wilhelms I. (Reiterstandbild), Bismarcks und Moltkes. Es erhielt 1934 seine heutige imposante Form mit dem wuchtigen Sandsteinturm.

 

• Hohenzollern

Die Zollernburg auf der Schwäbischen Alb war der Stammsitz des 1061 erstmals erwähnten deutschen Herrschergeschlechts, das sich seit dem 14. Jahrhundert Hohenzollern nennt. Nachdem 1191 ein Zoller Burggraf von Nürnberg wurde, trennte sich das Haus in eine fränkische und eine schwäbische Linie. Die fränkischen Hohenzollern wurden 1415 von Kaiser Sigmund mit dem Kurfürstentum Brandenburg belehnt. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, war die erste überragende Majestät aus dem Geschlecht. Der bedeutendste Hohenzoller war Preußens König Friedrich II., der schon als junger Monarch "der Große" genannt wurde. Unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse des Vorjahres übergaben die schwäbischen Hohenzollern ihre Länder 1849 der preußischen Krone. Preußische Hohenzollern-Könige waren die Kaiser des zweiten Deutschen Reiches: Wilhelm I. regierte von 1871 bis 1888, Friedrich III. 1888 und Wilhelm II. von 1888 bis 1918. Chef des Hauses wurde 1951 Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Rumäniens König Michael I. von Hohenzollern-Sigmaringen wurde 1947 von den Kommunisten zur Abdankung gezwungen. Spaniens Königin Sophia ist eine Urenkelin Kaiser Wilhelms II.

 

• Hohenzollernburg

Auf dem Zollernberg nahe Hechingen, einer den germanischen Alemannen heiligen Anhöhe der Schwäbischen Alb, wurde im 11. Jahrhundert der Stammsitz der Hohenzollern erbaut. Die Burg galt als "das vesteste Haus in teutschen Landen". Nach Zerstörungen im Kampf mit den schwäbischen Reichsstädten und mit der Gräfin von Württemberg wurde 1452 der Grundstein einer neuen Zollernburg gelegt, die im 30jährigen Krieg von Schweden und Franzosen eingenommen wurde und danach verfiel. Auf Geheiß König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen erbaute Schinkels Meisterschüler August Stüler von 1853 bis 1867 die Hohenzollernburg in neugotischer mächtiger und würdiger Gestalt. In der Schloßkapelle standen seit 1952 die Sarkophage Friedrichs des Großen und seines Vaters, des Soldatenkönigs, die sich bis in die Kriegszeit in der Potsdamer Garnisonkirche und nach Kriegsende 1945 in der Elisabethkirche zu Marburg befunden hatten. Sie wurden 1991 feierlich nach Potsdam überführt.

 

• Hohkönigsburg

Der Staufenberg nahe dem elsässischen Schlettstadt im Westen der rheinischen Tiefebene war einst Besitz des deutschen Herrschergeschlechts der Staufer. Auf ihm erhob sich im Mittelalter eine Veste, die seit dem 15. Jahrhundert den Namen Hohkönigsburg trug. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg von Schweden erheblich zerstört und verfiel. 1871 kehrte das Elsaß nach Deutschland zurück. Von 1900 bis 1908 ließ Kaiser Wilhelm II. die Hohkönigsburg von Baumeister Bodo Ebhardt weitgehend nach den alten Plänen neu errichten. So entstand ein Denkmal der deutschen Geschichte des Elsaß und der Kraft des neuen Deutschen Reiches. Die Burg befindet sich heute in französischem Staatsbesitz. Die Südseite des Hochschlosses stammt noch aus der Stauferzeit, das Westbollwerk aus dem 15. Jahrhundert.

 

• Holstentor

Lübeck, als deutscher Handelsplatz 1143 von Graf Adolf II. von Holstein gegründet und 1158/59 durch westfälische Kaufleute auf Geheiß Heinrichs des Löwen vergrößert wiederaufgebaut, wurde 1226 Reichsstadt. Es führte die Hanse, gestaltete die Ostsee zu einem deutschen Meer und gab mehr als einhundert Städten des Ostseeraumes sein Gesetz, das Lübische Recht. Dem Abstieg im 16. und 17. Jahrhundert folgte die tiefste Erniedrigung von 1811 bis 1813, als Lübeck Teil des französischen Kaiserreiches Napoleons war. 1937 wurde die Stadt der preußischen Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Bis 1989 war Lübeck durch die deutsche Teilung von seinem mecklenburgischen Hinterland abgeschnitten. Das Lübecker Holstentor wurde 1466 bis 1478 von Hinrich Helmstrede als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Der monumentale gotische Ziegelbau besteht aus zwei mächtigen Rundtürmen mit Luken und Schießscharten, die Tor und Treppengiebel einfassen. Es ist ein Sinnbild alter hansischer Kraft im deutschen Norden.

 

• Horst-Wessel-Lied

Das Horst-Wessel-Lied ("Die Fahne hoch") wurde im Dritten Reich, ohne gesetzliche oder regierungsamtliche Äußerung, neben der ersten Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne intoniert und gesungen. Es sollte den "neuen nationalsozialistischen Geist des Staates" ausdrücken. Benannt ist es nach dem Studenten und Berliner SA-Führer Horst Wessel aus Bielefeld in Westfalen, der am 23. Februar 1930 im Alter von 22 Jahren den Folgen eines kommunistischen Überfalls erlegen war. Die von Wessel gedichteten Verse wurden 1929 in der NS-Zeitung "Der Angriff" abgedruckt und bei seiner Beerdigung in Berlin erstmals öffentlich gesungen. Als Melodie diente ein altes Matrosenlied ("Zum letzten Mal wird zum Appell geblasen"). Das Horst-Wessel-Lied galt den Nationalsozialisten als das Kampflied der Bewegung schlechthin. Seit 1945 ist es als Kennzeichen der NS-Diktatur verboten.

 

• Hugenotten

Auch Réfugiés genannte französische Protestanten, die seit dem 16. bis ins 18. Jahrhundert Frankreich wegen der grausamen Glaubensverfolgungen verlassen mußten. Etwa 40 000 Hugenotten kamen nach Deutschland, über die Hälfte nach Brandenburg-Preußen. Sie fanden auch Aufnahme in Hessen, Hannover, Braunschweig, Sachsen und im Raum Mannheim-Heidelberg. Sie erhielten in Deutschland Privilegien und das Recht auf freie Religionsausübung. Aus ihrer Mitte stammten zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten des deutschen Volkes wie der Rechtsgelehrte und preußische Minister de Savigny und der Dichter Fontane. Die Aufnahme einiger zehntausend wegen ihres protestantischen Glaubens brutal verfolgter Menschen des französischen Nachbarvolkes über einen langen Zeitraum hinweg läßt sich nicht mit dem jährlichen Zustrom Hunderttausender Fremder aus allen Kontinenten ins Deutschland der 1980er und 90er Jahre vergleichen, wie dies Befürworter eines "Einwanderungslandes Bundesrepublik" versuchen.

 

• Hultschiner Ländchen

Zwischen den Flüssen Oppa und Oder gelegenes Gebiet, das einst zum habsburgischen, ab 1742 zum preußischen Schlesien gehörte und ab 1816 Teil des Regierungsbezirkes Oppeln war. Obwohl sich die marchslawisch/deutsche Bevölkerung zum Deutschen Reich bekannte und die durch ihren Steinkohlebergbau wirtschaftlich bedeutsame Region traditionell nach Oberschlesien ausgerichtet war, wurden durch das Versailler Diktat 286 Quadratkilometer des Hultschiner Ländchen mit rund 47 000 Einwohnern ohne Volksabstimmung der neuen multinationalen Tschechoslowakei zugeschlagen. Den Widerstand der deutschen Bevölkerung beantworteten die Prager Machthaber mit dem Ausnahmezustand. 1938 kam das Gebiet durch das Münchener Abkommen zum Deutschen Reich und 1945 völkerrechtswidrig erneut zum bald darauf in eine kommunistische Diktatur umgewandelten tschechoslowakischen Staat.

 

• Hünengräber

Hüne ist ein altes Wort für eine mächtige Gestalt. Die Hünengräber, im Norden von den Germanen angelegt, sind Zeugnisse der vorgeschichtlichen Megalithkultur. Sie dienten der Bestattung einzelner Persönlichkeiten (Dolmen) oder als Sippengräber (Hünenbetten). Zur Abdeckung wurden mächtige Findlingssteine aus der Eiszeit verwendet. Die meisten Hünengräber entstanden in der Zeit von 2200 bis 1800 vor Christus. Maßgeblich war wohl die Vorstellung vom Fortleben Verstorbener in Naturdenkmalen wie Bergen und Felsen, was auch der Urgrund zum Beispiel der Barbarossa(Kyffhäuser)sage sein dürfte. Manche Hünenbetten erreichen eine Ausdehnung von 100 Metern. Besonders beeindruckend sind die Hünengräber der niedersächsischen Ahlhorner Heide - mit 350 Grabstätten eine der größten Anlagen dieser Art in Europa.

 

• Hungerblockade

Diesem ersten europäischen Holocaust des 20. Jahrhunderts fielen zwischen 1917 und 1919 eine Million Deutsche und Hunderttausende mitbetroffene andere Festlandeuropäer zum Opfer. Es handelte sich um eine von Großbritannien im Ersten Weltkrieg begonnene Nahrungsmittelblockade des Westens gegen die Mittelmächte Deutsches Reich und Österreich-Ungarn. Dadurch wurde Mitteleuropa mit angrenzenden Regionen in ein gigantisches Hunger-KZ verwandelt. Die Blockade wurde auch nach dem Waffenstillstand des November 1918 fortgesetzt, um Deutschland zum Versailler Diktat zu zwingen, und erst im April 1919 aufgehoben. Der im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland verhängten Blockade konnte sich das Deutsche Reich bis 1945 erwehren. Nach dem 8. Mai 1945 bis ins Jahr 1947 kostete sie jedoch Hunderttausenden das Leben.

 

• Hussitenkriege

Hussiten waren die Anhänger der Lehre des tschechischen Reformators Jan Hus, den man 1415 beim Kirchenkonzil in Konstanz als Ketzer verbrannt hatte. Sie wollten die Lösung Böhmens vom Reich und waren fanatisch antikatholisch wie antideutsch. Als radikalste Gruppe wirkten die sogenannten Taboriten, die einem kommunistischen Gesellschaftsideal anhingen. Seit 1420 versuchten Hussiten, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Böhmen, Österreich, Ungarn, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Brandenburg wurden von ihnen verheert. Mit größter Mühe gelang es dem geschwächten Reich, die Hussiten zu bezwingen. Die Taboriten wurden Mitte der 1430er Jahre geschlagen. Mit den Iglauer Kompaktaten, 1436, kam es zu einem Friedensvertrag. Die Hussiten, bei denen sich nationales und religiöses Aufbegehren mischten, waren die gefährlichste Herausforderung des Reiches in der frühen Neuzeit. Ihre Kriege forderten einen ungeheuren Blutzoll von Deutschen und Tschechen.

 

• Huttens Grab

Die Insel Ufenau im Züricher See ist ein alter heiliger Ort, der von den germanischen Alemannen dem Sturmgott Wodan geweiht wurde. Kaiser Otto der Große schenkte das Eiland im Jahre 965 dem Kloster Einsiedeln. Zur Stauferzeit wurde dort die Peter und Paul-Kirche erbaut. Reformator Zwingli, Leutpriester von Einsiedeln, gewährte Ulrich von Hutten, dem Ritter des Schwertes und der Feder und Vorkämpfer deutscher Freiheit, Asyl auf der Insel Ufenau. Trotz aufopferungsvoller Pflege durch den Pfarrer Klarer starb Hutten dort, zermartert von schwerer Krankheit, am 29. August 1523. Ein Grabstein kündete: "Hier ruht einsam und verlassen der hochgeehrte Ritter des Sanges und der Sprache mächtige Künder Hutten." 1968 wurden am Südeingang der Peter und Paul-Kirche die Gebeine Huttens entdeckt. Man gab ihnen eine neue würdige Grabstätte.

 

• Ich hatt' einen Kameraden

Das 1809 gedichtete und 1827 vertonte Lied vom guten Kameraden ist ein literarisches wie musikalisches Denkmal des unbekannten Soldaten. Pazifistisch in des Wortes bestem Sinne, wird es als Weihelied bei Totenehrungen angestimmt und ist auch Bestandteil des Großen Zapfenstreichs. Die Worte dichtete Ludwig Uhland (1787-1862), der Klassiker der deutschen Romantik und Wegbereiter der deutschen Volkskunde. Er war großdeutsch-demokratischer Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und zeitlebens engagierter Kämpfer für Deutschlands Einheit und Freiheit. Sein berühmtes Bekenntnis lautete, kein Haupt werde über Deutschland leuchten, welches nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Öles gesalbt sei. Die Melodie schuf nach einer alten schwäbischen Volksweise Friedrich Silcher (1789-1860), Komponist zahlreicher Volkslieder wie "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", "Ännchen von Tharau" und "Zu Straßburg auf der Schanz".

 

• Iglau

Die im westlichen Mähren gelegene Stadt war der Hauptort der nach Böhmen übergreifenden, auch Igelland genannten deutschen Iglauer Sprachinsel. Diese war annähernd 400 Quadratkilometer groß mit (zu Beginn des Zweiten Weltkrieges) rund 35 000 deutschen Einwohnern. Sie wurden 1945 im Vertreibungsholocaust ermordet oder zur Flucht gezwungen. Lange Zeit war die Iglauer Sprachinsel mit dem geschlossenen deutschen Siedlungsgebiet Österreichs verbunden. Infolge der Tschechisierung rissen die Landbrücken im 19. Jahrhundert ab. Die Stadt Iglau selbst, einst eine rein deutsche Siedlung, hatte noch in den 1920er Jahren eine zur Hälfte aus Deutsehen bestehende Einwohnerschaft. Der am 5. Juli 1436 zu Iglau geschlossene Vergleich (Kompaktaten) brachte das Ende der Hussitenkriege.

 

• Ijzerbeedevaart

Ziel dieser alljährlich stattfindenden Wallfahrt volks- und heimatbewußter Flamen ist der mächtige Freiheitsturm in Diksmuide am Ijzerkanal. Dort waren im Ersten Weltkrieg Abertausende Flamen gefallen. Sie wurden - wie zur Verspottung ihrer flämischen Eigenart - unter dem französischen Motto "Mort pour la patrie" bestattet. Dem stellten die Flamen das Kreuz mit der Inschrift "Alles für Flandern - Flandern für Christus" (flämisch: AVV - VVK) und dem Sinnbild der blauen Möve entgegen. Wallonisch-belgizistische Extremisten zertrümmerten 1925 bei Diksmuide viele hundert Flamenkreuze. Daraufhin wurde 1930 ein trutziges Denkmal in Kreuzesform als flämisches Bekenntnis erbaut, zu dem die Flamen fortan pilgerten. Der Turm fiel im März 1945 einem Sprengstoffanschlag zum Opfer. Aus Volksspenden errichtete man einen noch mächtigeren, 84 Meter hohen Turm. Aus Solidarität mit den stammverwandten Flamen nehmen auch viele Deutsche an den Ijzerbeedevaarten teil.

 

• Irminsul

Die Irminsul war ein germanisches Heiligtum, das besonders von den Sachsen verehrt wurde. Sie versinnbildlichte wohl die den Himmel tragende Weltsäule und war, der germanischen Baumverehrung entsprechend, hölzern. Ziu, der Himmelsgott, trug das Wort "Irmin" in seinem Beinamen. Einer anderen Anschauung zufolge, war die Irminsul Ausdruck der Verehrung für die größte germanische Herrscher- und Heldengestalt, den Bezwinger der Römer, Armin den Cherusker. Im Jahre 772 warf Karl der Große als Auftakt des 30 Jahre währenden germanischen Bruderkampfes zwischen Franken und Sachsen sein Heer gegen die sächsische Eresburg. Karl nahm die Burg nach zäher und tapferer Gegenwehr der Sachsen und zerstörte deren zentrales Heiligtum, die Irminsul. Auch raubte er die dort gelegenen Schätze der Sachsen. Eresburg und Irminsul lagen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Obermarsberg im heutigen Hochsauerlandkreis. Doch gibt es auch die Ansicht, daß sich das historische Geschehen um die Zerstörung der Irminsul durch Karl an den Externsteinen im Teutoburger Wald abgespielt habe.

 

• Isonzo-Schlachten

Durch Italiens Umfall erwuchs Österreich im Ersten Weltkrieg zusätzliche Gefahr im Süden. An der Front vom Golf von Triest bis zu den Julischen Alpen tobten zwischen Juni 1915 und November 1917 zwölf Schlachten, die nach dem Fluß Isonzo benannt sind. Hier wollten die Italiener nach Triest durchbrechen und eine Bresche nach Wien schlagen. Doch deutschösterreichisches und reichsdeutsches Soldatenturn bestand die Herausforderung. Elfmal rannten die Italiener, vielfach überlegen, vergebens gegen die k.u.k. Verteidiger unter Erzherzog Eugen an. Die zwölfte Schlacht ab 24. Oktober 1917 brachte die Entscheidung: Die zur Hilfe gekommene reichsdeutsche 14. Armee unter von Below, der auch die österreichische Armeegruppe Krauß unterstand, trieb die Italiener binnen kürzester Frist weit bis zur Piave zurück. Erst dort gelang es dem Feind, mit englischer und französischer Hilfe eine Abwehrfront aufzubauen. Die Österreicher verloren bei den Isonzoschlachten rund eine halbe Million, die Italiener über eine Million Tote.

 

• Jahrhunderthalle

Zur Jahrhundertfeier der Befreiungskriege, die im März des Jahres 1813 von Breslau aus ihren Anfang nahmen, wurde in Schlesiens Hauptstadt eine gewaltige Kuppelhalle als Erinnerungsmal geschaffen. Die Einweihung fand am 20. Mai 1913 statt. Maßgeblich waren Baumeister Max Berg, der Statiker Dr. Trauer und Breslaus Stadtbaurat Richard Konwiarz. Mit ihren gigantischen Ausmaßen (Kuppel von 43 m Höhe und 68 m Spannweite, Hallendurchmesser von 100 m., Fassungsvermögen: 20 000 Menschen) war die Jahrhunderthalle lange Zeit der größte Kuppelbau der Welt. Sie legte Zeugnis ab vom hohen Stand der deutschen Technik. 1936 bis 1938 gab es einen umfangreichen Ausbau. Die Orgel der Halle, größte Orgel Europas, galt mit ihren 222 Registern und 16706 Pfeifen als ein Wunderwerk. Heute künden Wappentafeln in der Halle vom "polnischen Charakter" des rechtmäßig deutschen Landes jenseits von Oder und Neiße.

 

• Jalta

Die Krimtataren, Nachfahren von Goten und Asiaten, fielen 1944/45 stalinistischer Ausrottung zum Opfer. Nahe den Stätten des Holocausts, bei dem im Süden der Halbinsel Krim gelegenen Jalta, trafen sich Roosevelt, Churchill und Stalin vom 4. bis zum 11. Februar 1945 zu ihrem zweiten "Gipfel"gespräch. Tagungsstätte war das Liwadi-Palais, die Sommerresidenz des 1918 mit seiner Familie, auch den kleinen Kindern, von Bolschewisten ermordeten Zaren Nikolaus II. aus dem deutschen Fürstenhaus Holstein-Gottorf. Die "Großen Drei" berieten über die Aufteilung des Deutschen Reiches in Zonen, die Oder-Neiße-Linie, die radikale Umerziehung eines zur Unterwerfung verdammten deutschen Volkes, die Vorbereitung von Tribunalen gegen die Führer der Unterlegenen, Zwangsarbeit deutscher Kriegsgefangener. Gegenstand war auch die Rückführung kriegsgefangener Rotarmisten und einstiger Sowjetuntertanen im deutschen Machtgebiet in Stalins Gewalt, die bald darauf Millionen den Tod im Archipel Gulag brachte. Stalin sagte seinen Eintritt in den Krieg gegen Japan zu, obwohl zwischen Moskau und Tokio ein Nichtangriffsvertrag galt. Jalta stellte die Weichen zur Aufteilung der Alten Welt in US-amerikanischen und sowjetischen Machtbereich. 45 Jahre später brach das System von Jalta zusammen.

 

• Jugendbewegung

Zur Jahrhundertwende entstandene, meist von Schülern und Studenten getragene Alternativbewegung für Natur und Volkstum und gegen Verbonzung. Ihr bedeutendster Teil war der Wandervogel. Die Jugendbewegung war national und förderte Volksüberlieferungen; sie war ökologisch im Kampf für Heimat- und Naturschutz; sie war gesundheitsbewußt mit Selbstbefreiung von Drogenabhängigkeit und Besinnung auf Naturheillehren. Ein reichsweites Treffen fand 1913 auf dem Hohen Meißner bei Kassel am Vortag der Hundertjahrfeier der Leipziger Völkerschlacht statt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kämpften die Aktivisten der Jugendbewegung an den Fronten; Walter Flex gab ihrer glühenden Vaterlandsliebe vollendeten Ausdruck. Nach 1918 verlor die Bewegung an Bedeutung. Die Radikalumerziehung nach 1945 erstickte ihre Ideale. Im Laienschauspiel und der Jugendmusikbewegung, die aus ihr hervorgegangen sind, lebt die Jugendbewegung fort. Auch die Jugendherbergsbewegung ist ihr entsprossen. Die erste Jugendherberge, Burg Altena im westfälischen Sauerland, war 1909 von Richard Schirrmann geschaffen worden. Die Idee wurde im Ausland begeistert aufgegriffen.

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