H-J
Habsburg
Die Stammburg des
deutschen Königs- und Kaisergeschlechtes der
Habsburger, das vier Jahrhunderte im Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation herrschte und bis
1918 Österreich regierte, steht im Nordosten der
heutigen Schweiz, im Kanton Aargau. Der Name bedeutet
Habichtsburg. Gebaut wurde sie 1020 auf dem
Wülpelsberg am Zusammenfluß von Aare und
Reuß auf Geheiß des Bischofs Werinher von
Straßburg, des damals bedeutendsten Mitglieds der
Familie. Der vierkantige wuchtige Bergfried aus kaum
behauenem Felsgestein ist gut erhalten. Ihm zur Seite
stehen Zubauten aus dem 16. und 19. Jahrhundert. Otto II.
(gestorben 1111) war der erste seines Geschlechts, der
sich (1090) nach der Habsburg nannte.
Habsburger
Als erster Habsburger
wurde Rudolf I. 1273 deutscher König (auf Vorschlag
Friedrichs von Hohenzollern). Beide Dynastien standen
Jahrhunderte später hart gegeneinander (deutscher
Dualismus). Rudolf errang im Kampf gegen Ottokar von
Böhmen Österreich und legte den Grundstein von
Habsburgs Macht. Sein Sohn Albrecht I. war deutscher
König von 1298 bis 1308. Von 1438 bis zum Ende des
Reiches 1806 trugen Habsburger die deutsche Königs-
und Kaiserkrone, unterbrochen nur 1742-1745 durch den
Wittelsbacher Karl VII. Hauptsächlich durch
Heiratspolitik wurden die Habsburger mächtigste
Dynastie Europas. Dann spaltete sich das Haus in eine
spanische und eine österreichische Linie. Karl V.,
mehr Spanier als Deutscher, gebot im 16. Jahrhundert
über ein Reich, "in dem die Sonne nicht unterging".
Die Ehe Maria Theresias mit Franz Stephan von Lothringen
begründete das Haus Habsburg-Lothringen. Die
Habsburger führten vom 15. bis ins 18. Jahrhundert
den deutschen Abwehrkampf gegen Türken und
Franzosen. Letzter Kaiser des Heiligen Reiches war der
Habsburger Franz II. (bis 1806). Ab 1804 war er als Franz
I. erster Kaiser von Österreich. Von 1848 bis 1916
regierte Franz Joseph I. ("Ich bin ein deutscher
Fürst!") den k.u.k. Staat. Der letzte
Habsburgermonarch in Wien war sein Großneffe Karl
I. (1916-1918).
Hakenkreuz
"Swastika", der
altindische Name des seit sechs Jahrtausenden
nachweisbaren Heilszeichens, bedeutet: das, was gut ist.
Noch heute gilt es in Süd- und Ostasien als
glückverheißend. Auch war es ein Symbol
amerikanischer Pfadfinder, das Abzeichen der 45.
US-Division im Ersten Weltkrieg, zierte die japanische
Stabsflagge, war Zeichen der finnischen Frauentruppe
"Lottas" und Symbol der katalanischen
Unabhängigkeitsbewegung im Spanischen
Bürgerkrieg sowie unter Kerenski, nach dem Sturz des
Zaren, neben dem Doppeladler das Symbol Rußlands.
Auch bei den Germanen war es weit verbreitet, gedeutet u.
a. als Sonnenrad und Thors Hammer. Nach der
Christianisierung blieb es in der deutschen Ornamentik
gebräuchlich. Im 19. Jahrhundertwurde es das Zeichen
der Turnerbewegung, dann auch bei den Wandervögeln
beliebt. Schließlich tauchte es bei
völkisch-antisemitischen Bewegungen und Freikorps
auf. 1920 wurde die Hakenkreuzfahne offizielles NS-Banner
("Sinnbild des Kampfes des arischen Menschen") und 1935
Reichsflagge. Das Hakenkreuz wurde ab 1939 in den meisten
deutschen Kriegsauszeichnungen verwendet. Seit 1945 ist
es in Deutschland als Kennzeichen der NS-Diktatur
verboten.
Hambacher Fest
30 000 Menschen kamen
vom 27. bis zum 30. Mai 1832 am Hambacher Schloß in
der Pfalz zur ersten politischen Massendemonstration der
deutschen Geschichte zusammen. Aufgerufen dazu hatten die
nationalfreiheitlichen Journalisten Wirth und
Siebenpfeiffer. Erstmals wurde die schwarzrotgoldene
Fahne als Trikolore gezeigt. Die Kernforderungen
lauteten: "Deutschlands Wiedergeburt!" und "Ein
einheitliches Deutsches Reich im demokratischen Sinne!"
Die Pfälzer hatten besonders unter Zollgrenzen
infolge politischer Zersplitterung Deutschlands zu
leiden. In Hambach wurde Solidarität mit dem
Freiheitskampf anderer Völker bekundet. Der Deutsche
Bund unter Metternich reagierte hart: Veranstalter und
Redner des Festes wurden eingekerkert (soweit sie nicht
ins Ausland fliehen konnten), Presse- und
Versammlungsfreiheit ganz beseitigt. Die deutsche
Nationalbewegung ging in den Untergrund.
Hambacher Schloß
Der ursprüngliche
Name lautete wegen des Kastanienwaldes der Umgebung
Kästenburg. Das Bauwerk hieß im 19.
Jahrhundert auch "Maxburg" nach Bayerns König
Maximilian. Die Burg war vor rund 1000 Jahren am
Pfälzer Hardtgebirge an der Stelle einer
vorchristlichen Weihestätte errichtet worden. Von
der Kästenburg aus soll Kaiser Heinrich IV. nach
Canossa gezogen sein. Im Bauernkrieg wurde sie von
Aufständischen als Symbol der Zwingherrschaft
zerstört, anschließend von Bauern in
Fronarbeit wiedererrichtet. 1688 schändeten
französische Truppen die Burg. Anfang 1832 kauften
Bürger des nahegelegenen Hambach die Ruine für
625 Gulden. Vom 27. bis 30. Mai 1832 war das Hambacher
Schloß Schauplatz des nationafreiheitlichen und
nationalrevolutionären Hambacher Festes. Ab Ende der
1970er Jahre wurde es restauriert. Bei der Neueinweihung
zum 150. Jahrestag des Hambacher Festes verschwiegen
Redner etablierter Parteien das
großdeutsch-nationale Bekenntnis von 1832 und
stellten das Fest absurderweise als ein frühes
Bekenntnis zur EG dar.
Hammer und Zirkel
Wie andere
"Bruderparteien" ahmte auch die SED das Hammer und
Sichel-Symbol der KPdSU nach. Im Gesetz über das
Staatswappen von 1955 hieß es: "Das Staatswappen
der Deutschen Demokratischen Republik besteht aus Hammer
und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz, der im
unteren Teil von einem schwarzrotgoldenen Band
umschlungen ist." Zum Ausdruck kommen sollte "das
Bündnis der Arbeiterklasse, der
Genossenschaftsbauern und der Intelligenz". 1959 wurde
das Staatswappen auch in die schwarzrotgoldenen
DDR-Fahnen eingefügt. Bis 1964 jedoch trat die
gemeinsame deutsche Olympiamannschaft nur unter
Schwarz-Rot-Gold auf (1960 und 1964 mit den Olympischen
Ringen in der Mitte). 1968 erhielt das DDR-Staatswappen
"Verfassungsrang". In der Bundesrepublik galt die Hammer
und Zirkel-Fahne zunächst als Spalterflagge. Im
Zeichen der "neuen Ostpolitik" wehte sie allerdings in
den 70er und 80er Jahren immer häufiger auch am Sitz
der Bundesregierung, zum Beispiel bei "Staatsbesuchen"
aus der DDR.
Hanse
Das aus dem
Germanischen stammende Wort Hanse bedeutete
ursprünglich Kriegerschar. Im 12. Jahrhundert
bildeten deutsche Kaufleute Schutzgemeinschaften im
Ausland. Bedeutendster Bund und Keimzelle der Hanse waren
die Gotlandfahrer mit dem "Sigillum Theutonicorum" als
Kennzeichen. Nach dem Sieg der Norddeutschen über
die Dänen bei Bornhöved 1227 wurde Lübeck
Hauptstadt der "hansa Alemaniae". Im 15. Jahrhundert
gehörten der "dudischen Hanse" mehr als 160
Städte an. Ihr Einflußgebiet reichte von
Köln und Dortmund bis Riga, von Breslau bis
Stockholm. Nichtstädtische Mitglieder waren der
Hochmeister des Deutschen Ordens und die Dithmarscher
Bauernrepublik. Die Hanse organisierte den Handel in
Nord- und Mitteleuropa, sicherte die deutschen Interessen
gegen ausländische Wirtschaftsmächte, vor allem
gegen die Engländer, rang Dänen und Freibeuter
militärisch nieder, brachte ihren Mitgliedern
großen Wohlstand und stützte die deutsche
Ostsiedlung wirtschaftspolitisch ab. Ihre Kraft erlahmte
nach einem halben Jahrtausend, auch wegen des allgemeinen
Reichsverfalls. Im Dreißigjährigen Krieg ging
sie unter. 1669 fand der letzte Hansetag
statt.
Heeresehrenmal
Koblenz ist die
größte Garnison des Heeres. Deshalb wurde 1972
oberhalb der Stadt, in einer Nische in der Ostwand des
Mittelsaillants an der Nordfront der Festung
Ehrenbreitstein, das Ehrenmal des deutschen Heeres
enthüllt. Das von Professor Hans Wimmer,
München, gestaltete Denkmal zeigt einen auf flachem
Sockel zur letzten Ruhe gebetteten Soldaten. Darüber
befindet sich im Mauerbogen eine Tafel mit dem Eisernen
Kreuz und den Worten: "Den Toten des deutschen Heeres
-1914-1918,1939-1945 - ihrVermächtnis:
Frieden."
Heidelberger Schloß
In der Nähe des
Heiligenberges am Neckar, wo einst die Germanen eine
Weihestätte und die Kelten eine Burganlage errichtet
hatten, wurde das 1196 erstmals erwähnte Heidelberg
gegründet. Es hat die nach der Prager und Wiener
Hochschule drittälteste deutsche Universität
(1386). Das Heidelberger Schloß der rheinischen
Pfalzgrafen entwickelte sich mit Zubauten aus einer
mittelalterlichen Burg. Als formvollendetstes deutsches
Renaissancebauwerk gilt der 1556 bis 1563 von einem
unbekannten Meister geschaffene Ottheinrichsbau (benannt
nach Kurfürst Otto Heinrich) mit seiner 35 Meter
langen Fassade. Heidelberg wurde im 30jährigen Krieg
von den Schweden besetzt. 1689 und 1693 fielen die
Truppen des französischen "Sonnenkönigs" Ludwig
XIV. unter General Melac über die Stadt mordend,
plündernd und brandschatzend her. Auch das
Schloß ging in Flammen auf. Die Ruine wurde zur
Anklage gegen den französischen Imperialismus auf
deutschem Boden. Von 1948 bis 1952 hatten die US-
Besatzer ihr Europa-Hauptquartier in
Heidelberg.
Heil dir im Siegerkranz
Die vermutlich von
Henry Carey gedichtete und komponierte Königshymne
"God save the King", 1744 zuerst gedruckt, nahm in
England bald den Charakter eines Nationalliedes an. Bei
einem Besuch in London zeigte sich Joseph Haydn in den
1790er Jahren sehr beeindruckt von der bewegenden
Wirkung. Die Londoner seien ziemlich respektlos, schrieb
er, doch wo die Hymne erklinge, verstumme alle Kritik am
Herrscherhaus. Haydn zog den Schluß, daß auch
die Deutschen einer solchen Hymne bedürfen und schuf
die Kaiserhymne mit der Melodie des späteren
Deutschlandliedes. Die englische Weise aber wurde mit den
Worten "Heil dir im Siegerkranz" von Heinrich Harries
Hymne des preußischen Königshauses und 1871
deutsche Reichshymne. Sie erklang in Anwesenheit des
Kaisers auch beim Großen Zapfenstreich. Die
eigentlichen Nationallieder der Deutschen des
Bismarckreiches waren "Die Wacht am Rhein" und
"Deutschland, Deutschland über alles".
Heilige Lanze
Die Heilige Lanze, auch
Reichslanze genannt, ist Teil der Reichskleinodien. Sie
wurde wohl im 8. Jahrhundert aus Siegener Eisenerz
geschmiedet und im folgenden Jahrhundert in der
Mittelachse zur Aufnahme eines eisernen Stäbchens
aufgebrochen, welches man als Nagel vom Kreuze Christi
verehrte. Im Jahre 926 kam sie zu Worms aus den
Händen des Burgunderkönigs Rudolf II. an den
deutschen König Heinrich I. In ihrem Zeichen wurde
in welthistorisch bedeutsamen Schlachten gekämpft.
So siegte Otto der Große mit ihr 955 auf dem
Lechfeld. Altem germanischen Brauche gemäß
wurde durch sie dem neuen deutschen König die
Herrschaft übertragen. In den tragischen
Kämpfen Kaiser Heinrichs IV. zerbrach sie. Sie wurde
dem goldstrahlenden Reichskreuz eingefügt. Ihr
Bedeutungswandel zur Mauritiuslanze erfolgte, als Otto
der Große den Märtyrer Mauritius zum
Schutzpatron des deutschen Ostens erwählt hatte. In
Sage und Dichtung erscheint die Heilige Lanze des Reiches
als wundenschlagender und wundenheilender Gralsspeer, als
Lanze, mit der durch der römische Kriegsknecht
Longinus in die Seite des gekreuzigten Christus gestochen
hatte.
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
Lateinisch: Sacrum
Romanum Imperium Nationis Germanicae. Seit etwa 1438
gebräuchlicher, 1486 erstmals gesetzlich
erwähnter, ab 1512 offizieller und bis zum
staatlichen Ende, 1806, geltender Name des ersten
Deutschen Reiches. Zuvor hatte die offizielle Titulatur
"Romanum Imperium" (erstmals 1034) und "Sacrum Imperium
Romanum" (ab 1157) gelautet. Damit wurde die Fortsetzung
des antiken Kaisertums sowie die religiöse Dimension
des Staates zum Ausdruck gebracht. Daneben war aber schon
ab dem 10. Jahrhundert die Bezeichnung "Reich der
Deutschen" als inoffizieller Name üblich, der sich
seit dem 11. Jahrhundert durchsetzte. Der Zusatz
"Deutscher Nation" ab dem 15. Jahrhundert war Ausdruck
neuen Nationalbewußtseins, geweckt vor allem durch
die Humanisten, und betonte den überwiegend
deutschen Charakter des Reiches. Die Geschichte des
ersten Deutschen Reiches begann mit der fränkischen
Reichsteilung 843. Als eigentlicher Gründer gilt der
Sachse König Heinrich I. (875-936). Sein Sohn Qtto
der Große nahm 962 den Kaisertitel an, den
achteinhalb Jahrhunderte deutsche Majestäten trugen.
Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war das deutsche Imperium
sowohl politisch als auch kulturell die Vormacht des
Abendlandes. Es verlor durch imperialistische Attacken
von außen und durch Separatismus im Inneren an
Kraft. Franz II., der letzte Kaiser, legte 1806 die Krone
des nahezu tausendjährigen Reiches nieder, in dessen
Grenzen sich auch nichtdeutsche Nationen frei hatten
entfalten können.
Heldenorgel
Auf dem Felsen oberhalb
des Inn bei Kufstein, der Festungsstadt am Fuße des
Wilden Kaiser, steht eine 1205 erstmals erwähnte
Burg. Der Bürgerturm der Festung birgt die
größte Freiorgel der Welt. Sie verfügt
seit ihrer Erweiterung (1971) über 4307 Pfeifen und
vier Manuale. In den 20er Jahren bildete sich auf
Anregung von Max Depolo aus Innsbruck ein Freundeskreis
zur Errichtung der Kufsteiner HeIdenorgel. Sie sollte zu
Ehren der deutschen Gefallenen des Ersten Weltkrieges in
reichsdeutscher und österreichischer Uniform
erklingen. Seit Jahrhunderten wird in Österreich die
Tradition gepflegt, Orgeln in Türme zu bauen. Die
Spenden für die Heldenorgel wurden insbesondere vom
Deutschen Turnerbund, dem Alpenverein und
Kriegerverbänden aufgebracht. Entwurf und Bau des
Meisterwerks der Orgelbaukunst oblagen Professor Franz
Schütz und Dr. O. Walcker, in dessen
württembergischer Fabrik das monumentale Instrument
gefertigt wurde. Am 2./3. Mai 1931 fand die Einweihung
durch den Salzburger Erzbischof, den "Primas Germaniae",
in Anwesenheit von 20 000 Gästen statt. Die
Heldenorgel ertönt zur Ehrung der Gefallenen, als
Mahnung zum Frieden und bei Künstlerkonzerten. Durch
die Öffnungen des Turmes sind die Darbietungen
kilometerweit im Umkreis zu hören.
Helgoland
Die Felseninsel in der
Deutschen Bucht beherrscht die Mündungen von Elbe,
Weser und Eider. Möglicherweise war Helgoland Teil
des sagenhaften Atlantis. Im 11. Jahrhundert wurde das
Eiland von Friesen besiedelt, später durch die Hanse
von Seeräubern befreit und Teil Schleswigs. Anfang
des 18. Jahrhunderts bemächtigte sich der
dänische König der Insel. 1807 übernahmen
sie die Engländer. Auf Helgoland dichtete Hoffmann
von Fallersleben am 26. August 1841 das Deutschlandlied.
Die Paulskirche forderte deutsche Hoheit über die
Insel. Am 10. August 1890 gab London Helgoland gegen
afrikanische Besitzungen des Reiches an Deutschland. Am
18. April 1945 vernichteten britische Bomben die
Ortschaft Helgoland. Am zweiten Jahrestag des
Bombenüberfalls wollte die britische Besatzungsmacht
Helgoland mit der Sprengkraft eines Drittels der
Hiroschima-Bombe zerstören. Die Insel hielt stand.
Fortan wurde sie als Bombentestgebiet mißbraucht.
In nationaler Solidarität forderten die Deutschen
die Freigabe der Insel. Deutsche Studenten besetzten sie,
um die britischen Bombenabwürfe zu beenden. Am 1.
März 1952 gab London Helgoland an die
Bundesrepublik.
Hellweg
Das zu "hell" im Sinne
von "Lichtung" gebildete Wort deutet, ähnlich wie
"rote (= gerodete) Erde", auf einst mächtigen
Urwaldbestand hin, von dem auch die reichen
Kohleschätze in Westfalen zeugen. In Germanenzeit
war der Hellweg Teil der wichtigsten West-Ost-Route vom
Rhein zum Bernsteinland, dem nachmaligen
Ostpreußen. Karl der Große bezwang die
Sachsen, Vorfahren der Westfalen, am Hellweg und baute
ihn zu einer mit Königshöfen befestigten
Heerstraße aus. Dort erblühten Reichs- und
Hansestädte wie Dortmund und Soest. Hier pulsiert
seit dem 19. Jahrhundert das industrielle Herz
Deutschlands. Aus Westfalen, ostdeutschen Zuwanderern und
Vertriebenen bildete sich ein eigener deutscher
Menschenschlag am Hellweg. Auf dem Hellweg zogen die
Römer einst ins Innere Germaniens und mußten
auf ihm, geschlagen, wieder verschwinden. Auf ihm
fluteten im 30jährigen Krieg fremde Marodeure
herein, bis sie endlich wieder abgeschüttelt werden
konnten. Der Hellweg sah 1923 die französischen
Besatzer des Ruhrgebietes kommen - und wieder abziehen.
Auf ihm stießen 1945 die Alliierten ins Reich, bis
sie erst sieben Jahre später das Land am Hellweg,
das Ruhrgebiet, von Fesseln lösten. Am Hellweg werde
sich, so war der Philosoph Kolbenheyer überzeugt,
das Schicksal des Abendlandes entscheiden.
Hermannschlacht
In dreitägiger
Schlacht bezwang 9 nach Christus das vom 27jährigen
Cheruskerfürsten Armin geführte Germanenheer
die Römer unter Varus. Die römischen Verluste
betrugen über 20 000 Mann. Der Schlachtort lag
vermutlich im Osning (Teutoburger Wald). Armin wehrte
auch den Römer Germanicus und seine Heere ab. So
wurde Mitteleuropa davor bewahrt, zur Kolonie Roms
abzusinken. Auch ermöglichte Armin durch seine Tat
die freie Entwicklung zum deutschen Volk und Staat. Als
der Cherusker seinen germanischen Widersacher Marbod
bezwungen hatte, schien ein gesamtgermanisches Reich
nahe. Doch fiel Armin einer familiären Mordintrige
zum Opfer. Es gibt Hinweise, daß der große
Führer und Feldherr im germanisch-deutschen Mythos
die Gestalt des Siegfried annahm. Im 16. Jahrhundert
erinnerte man sich in Deutschland seiner wieder. Luther:
"Ich hab in von hertzen lib." Im folgenden Jahrhundert
wurde er - poetisch - zu "Hermann der Cherusker", der
welthistorische Entscheidungskampf des Jahres 9 n. Chr.
zur "Hermannschlacht". Die bekanntesten Dichtungen zur
Hermannschlacht gaben Klopstock (1769), Heinrich von
Kleist (1809) und Grabbe (1838). Die gewaltige
Erscheinung des Armin wird auch durch das Hermannsdenkmal
gewürdigt.
Hermannsdenkmal
Begeistert von
deutscher Einigkeit in den Befreiungskriegen und
enttäuscht von deutscher Teilung, entschloß
sich der Ansbacher Bildhauer Ernst Bandel zum Bau eines
Denkmals für Armin, genannt Hermann der Cherusker,
der die Germanen vereint und befreit hatte. Bandel
wählte als Standort die Grotenburg im Teutoburger
Wald mit ihrem Ringwall aus germanischer Zeit
(womöglich Überreste der von Tacitus
erwähnten Teutoburg), vermutlich nahe dem Schauplatz
der Schlacht im Teutoburger Wald 9 nach Christus. Spenden
und ein staatlicher Zuschuß brachten die
nötigen Mittel. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8.
September 1841, die feierliche Einweihung - in
Anwesenheit des Kaisers - am 16. August 1875. Abordnungen
aus allen deutschen Landen legten ein großdeutsches
Bekenntnis ab. Seither reckt sich die 26 Meter
große Hermannsfigur auf 30,7 Meter hohem Sockel in
der Nähe der Externsteine bei Detmold empor. Auf dem
Schwert die Inschrift: "Deutsche Einigkeit - meine
Stärke, meine Stärke - Deutschlands Macht."
1945 benutzten US-Besatzer das Denkmal als
Schießscheibe. Hunderte Einschüsse
beschädigten es schwer. Später wurde das
Nationalmonument von den Deutschen
wiederhergestellt.
Herzogstuhl
Seit dem 8. Jahrhundert
ist Kärnten deutsch besiedelt. Im 13. Jahrhundert
erlebte es im Heiligen Römischen Reich seine
größte Blüte. Aus dieser Zeit stammt der
steinerne Herzogstuhl auf dem Kärntner Zollfeld an
der alten Reichsstraße. Auf ihm wurden die
Kärntner Herzöge nach traditionellem Brauch in
ihr Amt eingeführt. Später ließ Herzog
Rudolf IV. einen weiteren Steinstuhl an dieser Stelle
errichten, dessen Rückenstützen den alten
Herzogstuhl einfassen. Seit dem 19. Jahrhundert sichert
ein künstlerisch gestaltetes Gitter das
ehrwürdige Symbol Kärntner Freiheit. Auch
in den
Abwehrkämpfen gegen Napoleon und jugoslawische
imperialistische Anmaßung nach 1918 und 1945 hatte
der Herzogstuhl für die Kärntner eine
überragende symbolische Bedeutung. Das
unabhängig gewordene Slowenien versuchte Anfang der
90er Jahre, zur Untermauerung von "Ansprüchen" auf
Südkärntner Gebiete, den Herzogstuhl
absurderweise als "nationales slowenisches Sinnbild" zu
vereinnahmen, was energische Proteste der Kärntner
zur Folge hatte.
Hildebrandlied
Die älteste
erhalten gebliebene Heldendichtung deutscher Sprache
berichtet vom Kampf des Recken Hildebrand, Waffenmeister
Dietrichs von Bern (Theoderich der Große). Es wurde
zwischen 810 und 820 nach Christus von zwei Mönchen
des Fuldaer Klosters aufgeschrieben. Der Text,
verfaßt unter Anwendung des Stabreimes in
althochdeutscher Sprache, fußt auf Vorlagen des 5.
Jahrhunderts. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wurde
das Hildebrandlied im 19. Jahrhundert von den
Brüdern Grimm wiederentdeckt. Im Zweiten Weltkrieg
wurde es zum Schutz vor Bombenterror und Kriegshandlungen
in einen Bunker bei Wildungen gebracht. Dort fiel es 1945
Räubern in US-amerikanischer Uniform in die Hand.
1954 kam ein Blatt des Hildebrandliedes aus den
Vereinigten Staaten von Amerika nach Deutschland
zurück. Der Bibliothekar Dr. Carl Selmer spürte
nach detektivischer Arbeit auch das zweite Blatt auf,
welches 1972 an Bord einer Sondermaschine der
Bundesluftwaffe den Weg aus Amerika heimwärts
fand.
Hofburg
Mit dem Bau der alten
Burg zu Wien, der deutschen Kaiserstadt unter den
Habsburgern, wurde 1275 auf Geheiß König
Ottokars begonnen. Der Komplex wuchs in drei Phasen, von
denen die Bauwerke des Schweizerhofes (Gotik), des
Platzes "In der Burg" (Barock) und des Heldenplatzes
(Franz-Joseph-Ära) Zeugnis ablegen. Während der
Regierungszeit Franz Josephs erhielt die Hofburg - bei
erheblichen Umgestaltungen - ihr heutiges
Erscheinungsbild. So wurde ab 1889 nach dem
Fassadenentwurf Emanuel Fischer von Erlachs der Ausbau
des Michaelertrakts durchgeführt und 1893 unter der
Leitung Ferdinand Kirschners vollendet. Der Flügel
gegen den Kaisergarten wurde nach Plänen von
Gottfried Semper und Carl von Hasenauer 1881 begonnen.
Über viele Jahrhunderte war die Wiener Hofburg das
Zentrum kaiserlicher Macht im Heiligen Römischen
Reich Deutscher Nation und der k.u.k. Monarchie bis 1918.
Die Burg mußte mehrmals dem Ansturm von Feinden
standhalten. In ihrer Schatzkammet befinden sich die
Reichskleinodien.
Hohenstaufen
Vorberg der
Schwäbischen Alb, "aller schwäb'schen Berge
schönster" (Ludwig Uhland). Auf ihm ließ
Friedrich von Büren im 11. Jahrhundert jene Burg
errichten, die dem deutschen Herrschergeschlecht der
Hohenstaufen den Namen gab. Die Staufer trugen von 1138
bis 1254 die deutsche Königs- und Kaiserkrone. Die
berühmtesten Majestäten des Geschlechts waren
Friedrich I. Barbarossa, der manches Mal auf dem
Hohenstaufen weilte, und Friedrich II. mit dem Beinamen
"stupor mundi" (das Staunen der Welt). Nach dem
Niedergang der Staufer wurde die Burg von den Grafen von
Württemberg verwaltet. In den Bauernkriegen schwer
in Mitleidenschaft gezogen, diente sie danach - als
wäre es ein Sinnbild des Reichszerfalls - als
Steinbruch. Heute zeugen nur noch wenige Mauerreste von
der einstigen Herrlichkeit. Der Plan eines 1871
gegründeten Vereins, ein würdiges
Staufer-Ehrenmal auf dem Berg zu errichten, hatte keinen
Erfolg.
Hohensyburg
Südlicher Vorort
von Dortmund. Hier, hoch über dem Zusammenfluß
von Ruhr und Lenne, errichteten die Sachsen ihre
gewaltige Sigiburg von 750 Metern Länge und bis zu
500 Metern Breite. Sie wurde 774 von den Franken Karls
des Großen erobert und zerstört. Von einer
1287 geschleiften Burg zeugen mächtige Ruinenmauern,
die ein würdevolles Gefallenenehrenmal
umschließen. Der Vincke-Turm in Hohensyburg
erinnert an den ersten Oberpräsidenten von Westfalen
und engen Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein, Ludwig von
Vincke. Das Bauwerk wurde nach dem Tode des Politikers,
1844, errichtet. Wenige hundert Meter westwärts
erhebt sich das 1902 feierlich eingeweihte, mit Spenden
der Bürger der Grafschaft Mark erbaute Denkmal der
Reichseinigung mit Bronzefiguren Kaiser Wilhelms I.
(Reiterstandbild), Bismarcks und Moltkes. Es erhielt 1934
seine heutige imposante Form mit dem wuchtigen
Sandsteinturm.
Hohenzollern
Die Zollernburg auf der
Schwäbischen Alb war der Stammsitz des 1061 erstmals
erwähnten deutschen Herrschergeschlechts, das sich
seit dem 14. Jahrhundert Hohenzollern nennt. Nachdem 1191
ein Zoller Burggraf von Nürnberg wurde, trennte sich
das Haus in eine fränkische und eine
schwäbische Linie. Die fränkischen Hohenzollern
wurden 1415 von Kaiser Sigmund mit dem Kurfürstentum
Brandenburg belehnt. Friedrich Wilhelm, der Große
Kurfürst, war die erste überragende
Majestät aus dem Geschlecht. Der bedeutendste
Hohenzoller war Preußens König Friedrich II.,
der schon als junger Monarch "der Große" genannt
wurde. Unter dem Eindruck der revolutionären
Ereignisse des Vorjahres übergaben die
schwäbischen Hohenzollern ihre Länder 1849 der
preußischen Krone. Preußische
Hohenzollern-Könige waren die Kaiser des zweiten
Deutschen Reiches: Wilhelm I. regierte von 1871 bis 1888,
Friedrich III. 1888 und Wilhelm II. von 1888 bis 1918.
Chef des Hauses wurde 1951 Prinz Louis Ferdinand von
Preußen. Rumäniens König Michael I. von
Hohenzollern-Sigmaringen wurde 1947 von den Kommunisten
zur Abdankung gezwungen. Spaniens Königin Sophia ist
eine Urenkelin Kaiser Wilhelms II.
Hohenzollernburg
Auf dem Zollernberg
nahe Hechingen, einer den germanischen Alemannen heiligen
Anhöhe der Schwäbischen Alb, wurde im 11.
Jahrhundert der Stammsitz der Hohenzollern erbaut. Die
Burg galt als "das vesteste Haus in teutschen Landen".
Nach Zerstörungen im Kampf mit den schwäbischen
Reichsstädten und mit der Gräfin von
Württemberg wurde 1452 der Grundstein einer neuen
Zollernburg gelegt, die im 30jährigen Krieg von
Schweden und Franzosen eingenommen wurde und danach
verfiel. Auf Geheiß König Friedrich Wilhelms
IV. von Preußen erbaute Schinkels
Meisterschüler August Stüler von 1853 bis 1867
die Hohenzollernburg in neugotischer mächtiger und
würdiger Gestalt. In der Schloßkapelle standen
seit 1952 die Sarkophage Friedrichs des Großen und
seines Vaters, des Soldatenkönigs, die sich bis in
die Kriegszeit in der Potsdamer Garnisonkirche und nach
Kriegsende 1945 in der Elisabethkirche zu Marburg
befunden hatten. Sie wurden 1991 feierlich nach Potsdam
überführt.
Hohkönigsburg
Der Staufenberg nahe
dem elsässischen Schlettstadt im Westen der
rheinischen Tiefebene war einst Besitz des deutschen
Herrschergeschlechts der Staufer. Auf ihm erhob sich im
Mittelalter eine Veste, die seit dem 15. Jahrhundert den
Namen Hohkönigsburg trug. Sie wurde im
Dreißigjährigen Krieg von Schweden erheblich
zerstört und verfiel. 1871 kehrte das Elsaß
nach Deutschland zurück. Von 1900 bis 1908
ließ Kaiser Wilhelm II. die Hohkönigsburg von
Baumeister Bodo Ebhardt weitgehend nach den alten
Plänen neu errichten. So entstand ein Denkmal der
deutschen Geschichte des Elsaß und der Kraft des
neuen Deutschen Reiches. Die Burg befindet sich heute in
französischem Staatsbesitz. Die Südseite des
Hochschlosses stammt noch aus der Stauferzeit, das
Westbollwerk aus dem 15. Jahrhundert.
Holstentor
Lübeck, als
deutscher Handelsplatz 1143 von Graf Adolf II. von
Holstein gegründet und 1158/59 durch
westfälische Kaufleute auf Geheiß Heinrichs
des Löwen vergrößert wiederaufgebaut,
wurde 1226 Reichsstadt. Es führte die Hanse,
gestaltete die Ostsee zu einem deutschen Meer und gab
mehr als einhundert Städten des Ostseeraumes sein
Gesetz, das Lübische Recht. Dem Abstieg im 16. und
17. Jahrhundert folgte die tiefste Erniedrigung von 1811
bis 1813, als Lübeck Teil des französischen
Kaiserreiches Napoleons war. 1937 wurde die Stadt der
preußischen Provinz Schleswig-Holstein
eingegliedert. Bis 1989 war Lübeck durch die
deutsche Teilung von seinem mecklenburgischen Hinterland
abgeschnitten. Das Lübecker Holstentor wurde 1466
bis 1478 von Hinrich Helmstrede als Teil der
Stadtbefestigung erbaut. Der monumentale gotische
Ziegelbau besteht aus zwei mächtigen Rundtürmen
mit Luken und Schießscharten, die Tor und
Treppengiebel einfassen. Es ist ein Sinnbild alter
hansischer Kraft im deutschen Norden.
Horst-Wessel-Lied
Das Horst-Wessel-Lied
("Die Fahne hoch") wurde im Dritten Reich, ohne
gesetzliche oder regierungsamtliche Äußerung,
neben der ersten Strophe des Deutschlandliedes als
Nationalhymne intoniert und gesungen. Es sollte den
"neuen nationalsozialistischen Geist des Staates"
ausdrücken. Benannt ist es nach dem Studenten und
Berliner SA-Führer Horst Wessel aus Bielefeld in
Westfalen, der am 23. Februar 1930 im Alter von 22 Jahren
den Folgen eines kommunistischen Überfalls erlegen
war. Die von Wessel gedichteten Verse wurden 1929 in der
NS-Zeitung "Der Angriff" abgedruckt und bei seiner
Beerdigung in Berlin erstmals öffentlich gesungen.
Als Melodie diente ein altes Matrosenlied ("Zum letzten
Mal wird zum Appell geblasen"). Das Horst-Wessel-Lied
galt den Nationalsozialisten als das Kampflied der
Bewegung schlechthin. Seit 1945 ist es als Kennzeichen
der NS-Diktatur verboten.
Hugenotten
Auch
Réfugiés genannte französische
Protestanten, die seit dem 16. bis ins 18. Jahrhundert
Frankreich wegen der grausamen Glaubensverfolgungen
verlassen mußten. Etwa 40 000 Hugenotten kamen nach
Deutschland, über die Hälfte nach
Brandenburg-Preußen. Sie fanden auch Aufnahme in
Hessen, Hannover, Braunschweig, Sachsen und im Raum
Mannheim-Heidelberg. Sie erhielten in Deutschland
Privilegien und das Recht auf freie
Religionsausübung. Aus ihrer Mitte stammten
zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten des deutschen
Volkes wie der Rechtsgelehrte und preußische
Minister de Savigny und der Dichter Fontane. Die Aufnahme
einiger zehntausend wegen ihres protestantischen Glaubens
brutal verfolgter Menschen des französischen
Nachbarvolkes über einen langen Zeitraum hinweg
läßt sich nicht mit dem jährlichen
Zustrom Hunderttausender Fremder aus allen Kontinenten
ins Deutschland der 1980er und 90er Jahre vergleichen,
wie dies Befürworter eines "Einwanderungslandes
Bundesrepublik" versuchen.
Hultschiner
Ländchen
Zwischen den
Flüssen Oppa und Oder gelegenes Gebiet, das einst
zum habsburgischen, ab 1742 zum preußischen
Schlesien gehörte und ab 1816 Teil des
Regierungsbezirkes Oppeln war. Obwohl sich die
marchslawisch/deutsche Bevölkerung zum Deutschen
Reich bekannte und die durch ihren Steinkohlebergbau
wirtschaftlich bedeutsame Region traditionell nach
Oberschlesien ausgerichtet war, wurden durch das
Versailler Diktat 286 Quadratkilometer des Hultschiner
Ländchen mit rund 47 000 Einwohnern ohne
Volksabstimmung der neuen multinationalen
Tschechoslowakei zugeschlagen. Den Widerstand der
deutschen Bevölkerung beantworteten die Prager
Machthaber mit dem Ausnahmezustand. 1938 kam das Gebiet
durch das Münchener Abkommen zum Deutschen Reich und
1945 völkerrechtswidrig erneut zum bald darauf in
eine kommunistische Diktatur umgewandelten
tschechoslowakischen Staat.
Hünengräber
Hüne ist ein altes
Wort für eine mächtige Gestalt. Die
Hünengräber, im Norden von den Germanen
angelegt, sind Zeugnisse der vorgeschichtlichen
Megalithkultur. Sie dienten der Bestattung einzelner
Persönlichkeiten (Dolmen) oder als Sippengräber
(Hünenbetten). Zur Abdeckung wurden mächtige
Findlingssteine aus der Eiszeit verwendet. Die meisten
Hünengräber entstanden in der Zeit von 2200 bis
1800 vor Christus. Maßgeblich war wohl die
Vorstellung vom Fortleben Verstorbener in Naturdenkmalen
wie Bergen und Felsen, was auch der Urgrund zum Beispiel
der Barbarossa(Kyffhäuser)sage sein dürfte.
Manche Hünenbetten erreichen eine Ausdehnung von 100
Metern. Besonders beeindruckend sind die
Hünengräber der niedersächsischen
Ahlhorner Heide - mit 350 Grabstätten eine der
größten Anlagen dieser Art in
Europa.
Hungerblockade
Diesem ersten
europäischen Holocaust des 20. Jahrhunderts fielen
zwischen 1917 und 1919 eine Million Deutsche und
Hunderttausende mitbetroffene andere
Festlandeuropäer zum Opfer. Es handelte sich um eine
von Großbritannien im Ersten Weltkrieg begonnene
Nahrungsmittelblockade des Westens gegen die
Mittelmächte Deutsches Reich und
Österreich-Ungarn. Dadurch wurde Mitteleuropa mit
angrenzenden Regionen in ein gigantisches Hunger-KZ
verwandelt. Die Blockade wurde auch nach dem
Waffenstillstand des November 1918 fortgesetzt, um
Deutschland zum Versailler Diktat zu zwingen, und erst im
April 1919 aufgehoben. Der im Zweiten Weltkrieg gegen
Deutschland verhängten Blockade konnte sich das
Deutsche Reich bis 1945 erwehren. Nach dem 8. Mai 1945
bis ins Jahr 1947 kostete sie jedoch Hunderttausenden das
Leben.
Hussitenkriege
Hussiten waren die
Anhänger der Lehre des tschechischen Reformators Jan
Hus, den man 1415 beim Kirchenkonzil in Konstanz als
Ketzer verbrannt hatte. Sie wollten die Lösung
Böhmens vom Reich und waren fanatisch antikatholisch
wie antideutsch. Als radikalste Gruppe wirkten die
sogenannten Taboriten, die einem kommunistischen
Gesellschaftsideal anhingen. Seit 1420 versuchten
Hussiten, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen.
Böhmen, Österreich, Ungarn, Bayern, Franken,
Sachsen, Schlesien, Brandenburg wurden von ihnen
verheert. Mit größter Mühe gelang es dem
geschwächten Reich, die Hussiten zu bezwingen. Die
Taboriten wurden Mitte der 1430er Jahre geschlagen. Mit
den Iglauer Kompaktaten, 1436, kam es zu einem
Friedensvertrag. Die Hussiten, bei denen sich nationales
und religiöses Aufbegehren mischten, waren die
gefährlichste Herausforderung des Reiches in der
frühen Neuzeit. Ihre Kriege forderten einen
ungeheuren Blutzoll von Deutschen und
Tschechen.
Huttens Grab
Die Insel Ufenau im
Züricher See ist ein alter heiliger Ort, der von den
germanischen Alemannen dem Sturmgott Wodan geweiht wurde.
Kaiser Otto der Große schenkte das Eiland im Jahre
965 dem Kloster Einsiedeln. Zur Stauferzeit wurde dort
die Peter und Paul-Kirche erbaut. Reformator Zwingli,
Leutpriester von Einsiedeln, gewährte Ulrich von
Hutten, dem Ritter des Schwertes und der Feder und
Vorkämpfer deutscher Freiheit, Asyl auf der Insel
Ufenau. Trotz aufopferungsvoller Pflege durch den Pfarrer
Klarer starb Hutten dort, zermartert von schwerer
Krankheit, am 29. August 1523. Ein Grabstein
kündete: "Hier ruht einsam und verlassen der
hochgeehrte Ritter des Sanges und der Sprache
mächtige Künder Hutten." 1968 wurden am
Südeingang der Peter und Paul-Kirche die Gebeine
Huttens entdeckt. Man gab ihnen eine neue würdige
Grabstätte.
Ich hatt' einen Kameraden
Das 1809 gedichtete und
1827 vertonte Lied vom guten Kameraden ist ein
literarisches wie musikalisches Denkmal des unbekannten
Soldaten. Pazifistisch in des Wortes bestem Sinne, wird
es als Weihelied bei Totenehrungen angestimmt und ist
auch Bestandteil des Großen Zapfenstreichs. Die
Worte dichtete Ludwig Uhland (1787-1862), der Klassiker
der deutschen Romantik und Wegbereiter der deutschen
Volkskunde. Er war großdeutsch-demokratischer
Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und
zeitlebens engagierter Kämpfer für Deutschlands
Einheit und Freiheit. Sein berühmtes Bekenntnis
lautete, kein Haupt werde über Deutschland leuchten,
welches nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen
Öles gesalbt sei. Die Melodie schuf nach einer alten
schwäbischen Volksweise Friedrich Silcher
(1789-1860), Komponist zahlreicher Volkslieder wie "Ich
weiß nicht, was soll es bedeuten", "Ännchen
von Tharau" und "Zu Straßburg auf der
Schanz".
Iglau
Die im westlichen
Mähren gelegene Stadt war der Hauptort der nach
Böhmen übergreifenden, auch Igelland genannten
deutschen Iglauer Sprachinsel. Diese war annähernd
400 Quadratkilometer groß mit (zu Beginn des
Zweiten Weltkrieges) rund 35 000 deutschen Einwohnern.
Sie wurden 1945 im Vertreibungsholocaust ermordet oder
zur Flucht gezwungen. Lange Zeit war die Iglauer
Sprachinsel mit dem geschlossenen deutschen
Siedlungsgebiet Österreichs verbunden. Infolge der
Tschechisierung rissen die Landbrücken im 19.
Jahrhundert ab. Die Stadt Iglau selbst, einst eine rein
deutsche Siedlung, hatte noch in den 1920er Jahren eine
zur Hälfte aus Deutsehen bestehende Einwohnerschaft.
Der am 5. Juli 1436 zu Iglau geschlossene Vergleich
(Kompaktaten) brachte das Ende der
Hussitenkriege.
Ijzerbeedevaart
Ziel dieser
alljährlich stattfindenden Wallfahrt volks- und
heimatbewußter Flamen ist der mächtige
Freiheitsturm in Diksmuide am Ijzerkanal. Dort waren im
Ersten Weltkrieg Abertausende Flamen gefallen. Sie wurden
- wie zur Verspottung ihrer flämischen Eigenart -
unter dem französischen Motto "Mort pour la patrie"
bestattet. Dem stellten die Flamen das Kreuz mit der
Inschrift "Alles für Flandern - Flandern für
Christus" (flämisch: AVV - VVK) und dem Sinnbild der
blauen Möve entgegen. Wallonisch-belgizistische
Extremisten zertrümmerten 1925 bei Diksmuide viele
hundert Flamenkreuze. Daraufhin wurde 1930 ein trutziges
Denkmal in Kreuzesform als flämisches Bekenntnis
erbaut, zu dem die Flamen fortan pilgerten. Der Turm fiel
im März 1945 einem Sprengstoffanschlag zum Opfer.
Aus Volksspenden errichtete man einen noch
mächtigeren, 84 Meter hohen Turm. Aus
Solidarität mit den stammverwandten Flamen nehmen
auch viele Deutsche an den Ijzerbeedevaarten
teil.
Irminsul
Die Irminsul war ein
germanisches Heiligtum, das besonders von den Sachsen
verehrt wurde. Sie versinnbildlichte wohl die den Himmel
tragende Weltsäule und war, der germanischen
Baumverehrung entsprechend, hölzern. Ziu, der
Himmelsgott, trug das Wort "Irmin" in seinem Beinamen.
Einer anderen Anschauung zufolge, war die Irminsul
Ausdruck der Verehrung für die größte
germanische Herrscher- und Heldengestalt, den Bezwinger
der Römer, Armin den Cherusker. Im Jahre 772 warf
Karl der Große als Auftakt des 30 Jahre
währenden germanischen Bruderkampfes zwischen
Franken und Sachsen sein Heer gegen die sächsische
Eresburg. Karl nahm die Burg nach zäher und tapferer
Gegenwehr der Sachsen und zerstörte deren zentrales
Heiligtum, die Irminsul. Auch raubte er die dort
gelegenen Schätze der Sachsen. Eresburg und Irminsul
lagen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Obermarsberg im
heutigen Hochsauerlandkreis. Doch gibt es auch die
Ansicht, daß sich das historische Geschehen um die
Zerstörung der Irminsul durch Karl an den
Externsteinen im Teutoburger Wald abgespielt
habe.
Isonzo-Schlachten
Durch Italiens Umfall
erwuchs Österreich im Ersten Weltkrieg
zusätzliche Gefahr im Süden. An der Front vom
Golf von Triest bis zu den Julischen Alpen tobten
zwischen Juni 1915 und November 1917 zwölf
Schlachten, die nach dem Fluß Isonzo benannt sind.
Hier wollten die Italiener nach Triest durchbrechen und
eine Bresche nach Wien schlagen. Doch
deutschösterreichisches und reichsdeutsches
Soldatenturn bestand die Herausforderung. Elfmal rannten
die Italiener, vielfach überlegen, vergebens gegen
die k.u.k. Verteidiger unter Erzherzog Eugen an. Die
zwölfte Schlacht ab 24. Oktober 1917 brachte die
Entscheidung: Die zur Hilfe gekommene reichsdeutsche 14.
Armee unter von Below, der auch die österreichische
Armeegruppe Krauß unterstand, trieb die Italiener
binnen kürzester Frist weit bis zur Piave
zurück. Erst dort gelang es dem Feind, mit
englischer und französischer Hilfe eine Abwehrfront
aufzubauen. Die Österreicher verloren bei den
Isonzoschlachten rund eine halbe Million, die Italiener
über eine Million Tote.
Jahrhunderthalle
Zur Jahrhundertfeier
der Befreiungskriege, die im März des Jahres 1813
von Breslau aus ihren Anfang nahmen, wurde in Schlesiens
Hauptstadt eine gewaltige Kuppelhalle als Erinnerungsmal
geschaffen. Die Einweihung fand am 20. Mai 1913 statt.
Maßgeblich waren Baumeister Max Berg, der Statiker
Dr. Trauer und Breslaus Stadtbaurat Richard Konwiarz. Mit
ihren gigantischen Ausmaßen (Kuppel von 43 m
Höhe und 68 m Spannweite, Hallendurchmesser von 100
m., Fassungsvermögen: 20 000 Menschen) war die
Jahrhunderthalle lange Zeit der größte
Kuppelbau der Welt. Sie
legte Zeugnis ab vom hohen Stand der deutschen Technik.
1936 bis 1938 gab es einen umfangreichen Ausbau. Die
Orgel der Halle, größte Orgel Europas, galt
mit ihren 222 Registern und 16706 Pfeifen als ein
Wunderwerk. Heute künden Wappentafeln in der Halle
vom "polnischen Charakter" des rechtmäßig
deutschen Landes jenseits von Oder und
Neiße.
Jalta
Die Krimtataren,
Nachfahren von Goten und Asiaten, fielen 1944/45
stalinistischer Ausrottung zum Opfer. Nahe den
Stätten des Holocausts, bei dem im Süden der
Halbinsel Krim gelegenen Jalta, trafen sich Roosevelt,
Churchill und Stalin vom 4. bis zum 11. Februar 1945 zu
ihrem zweiten "Gipfel"gespräch. Tagungsstätte
war das Liwadi-Palais, die Sommerresidenz des 1918 mit
seiner Familie, auch den kleinen Kindern, von
Bolschewisten ermordeten Zaren Nikolaus II. aus dem
deutschen Fürstenhaus Holstein-Gottorf. Die
"Großen Drei" berieten über die Aufteilung des
Deutschen Reiches in Zonen, die Oder-Neiße-Linie,
die radikale Umerziehung eines zur Unterwerfung
verdammten deutschen Volkes, die Vorbereitung von
Tribunalen gegen die Führer der Unterlegenen,
Zwangsarbeit deutscher Kriegsgefangener. Gegenstand war
auch die Rückführung kriegsgefangener
Rotarmisten und einstiger Sowjetuntertanen im deutschen
Machtgebiet in Stalins Gewalt, die bald darauf Millionen
den Tod im Archipel Gulag brachte. Stalin sagte seinen
Eintritt in den Krieg gegen Japan zu, obwohl zwischen
Moskau und Tokio ein Nichtangriffsvertrag galt. Jalta
stellte die Weichen zur Aufteilung der Alten Welt in
US-amerikanischen und sowjetischen Machtbereich. 45 Jahre
später brach das System von Jalta
zusammen.
Jugendbewegung
Zur Jahrhundertwende
entstandene, meist von Schülern und Studenten
getragene Alternativbewegung für Natur und Volkstum
und gegen Verbonzung. Ihr bedeutendster Teil war der
Wandervogel. Die Jugendbewegung war national und
förderte Volksüberlieferungen; sie war
ökologisch im Kampf für Heimat- und
Naturschutz; sie war gesundheitsbewußt mit
Selbstbefreiung von Drogenabhängigkeit und Besinnung
auf Naturheillehren. Ein reichsweites Treffen fand 1913
auf dem Hohen Meißner bei Kassel am Vortag der
Hundertjahrfeier der Leipziger Völkerschlacht statt.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kämpften die
Aktivisten der Jugendbewegung an den Fronten; Walter Flex
gab ihrer glühenden Vaterlandsliebe vollendeten
Ausdruck. Nach 1918 verlor die Bewegung an Bedeutung. Die
Radikalumerziehung nach 1945 erstickte ihre Ideale. Im
Laienschauspiel und der Jugendmusikbewegung, die aus ihr
hervorgegangen sind, lebt die Jugendbewegung fort. Auch
die Jugendherbergsbewegung ist ihr entsprossen. Die erste
Jugendherberge, Burg Altena im westfälischen
Sauerland, war 1909 von Richard Schirrmann geschaffen
worden. Die Idee wurde im Ausland begeistert
aufgegriffen.
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