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• Kahlenberg

Der Berg gehört zu dem bei Wien bis an die Donau reichenden Ausläufer der Ostalpen. Auf ihm erhob sich einst eine um 1100 erbaute Markgrafenburg. Nach der ersten Türkenbelagerung Wiens, 1529, die unter Führung des rheinischen Grafen Niklas zu Salm bestanden worden war, tauchten die Osmanen 1683 erneut vor der deutschen Kaiserstadt auf. Am 14. Juli begann die Belagerung. Ernst Rüdiger Graf Starhemberg verteidigte Wien mit 10 000 Soldaten und 5000 Mann Bürgerwehr gegen den Ansturm von 200 000 Türken unter Kara Mustapha. Nach fast zwei Monaten erst nahte das aus 60 000 Soldaten aller deutschen Stämme zusammengesetzte und durch rund 15 000 Polen (statt der vom Polenkönig Sobieski - gegen 200 000 Taler - zugesagten 40 000 Mann) verstärkte Entsatzheer. Die am 12. September 1683 am Kahlenberg ausgefochtene Schlacht befreite Wien von der Türkengefahr und bahnte Österreich als europäischer Großmacht den Weg. Das Abendland feierte den Sieg über das Weltreich der muslimischen Osmanen als Segen für Kultur und Christenheit. Der polnische Beitrag zum Sieg am Kahlenberg wurde von polonophiler Geschichtsschreibung aufgebauscht.

 

• Kaiser

Das 476 erloschene (west)römische Kaisertum wurde zu Weihnachten des Jahres 800 durch die Krönung Karls des Großen auf den Frankenkönig übertragen (translatio imperii). Otto der Große - in der Rechtsnachfolge des Fränkischen Reiches - erneuerte das Kaisertum 962 (renovatio imperii). Stets wurde Kaiser nur, wer deutscher König war. Ab 1508 trug der deutsche König gleich mit seiner Wahl den Kaisertitel. Nach altem Verständnis stand dem Kaiser die Hoheit über alle Herrscher des Abendlandes zu; die anderen Monarchen waren "reguli" ("kleine Könige", so Reichskanzler Rainald von Dassel). Seine Blüte erlebte das römisch-deutsche Kaisertum unter Ottonen, Saliern und Staufern, also zur hohen Zeit des Reiches im Mittelalter. Rund vier Jahrhunderte lang trugen Habsburger die Kaiserkrone. 1806 legte Franz II. sie als letzter Kaiser des Heiligen Reiches nieder; zwei Jahre zuvor hatte er den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen. Wilhelm I. von Preußen wurde 1871 zum Deutschen Kaiser proklamiert. Das französische Kaisertum der beiden Napoleon war kurzlebig. Der nominellen Erhöhung des Kolonialismus dienten die Bezeichnungen "Kaiser von Indien" des britischen und "Kaiser von Äthiopien" des italienischen Königs. Den deutschen Majestäten in den Kaiserwürden gleichgeachtet wurden der russische Zar und der Kaiser von Japan.

 

• Kaiserdeputation

Nach Untergang des ersten Reiches, 1806, blieb die Erneuerung des Kaisertums eine Ursehnsucht im deutschen Volk. Am 27. März 1849 wählte die Frankfurter Nationalversammlung mit 290 Stimmen bei 248 Enthaltungen den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Deutschen Kaiser als Oberhaupt eines (vorläufig) kleindeutschen Reiches. Die Kaiserdeputation, 32 Parlamentarier unter Führung des Paulskirchenpräsidenten Eduard von Simson, trug dem König am 3. April im Berliner Schloß die Krone an. Nach Bedenkzeit lehnte er ab. Er sah das Kaisertum ohne Wunsch und Willen der deutschen Fürsten als nicht fundiert. Auch wolle er, der König von Preußen, nur als Reichsfeldherr eines Kaisers dienen, der traditionsgemäß Habsburger sein möge. Am 18. Dezember 1870 leitete von Simson, jetzt als Reichstagspräsident, erneut die Kaiserdeputation. Sie ersuchte im Versailler Schloß Wilhelm I. von Preußen, die ihm von den deutschen Fürsten offerierte Kaiserkrone anzunehmen. Am 18. Januar 1871 wurde der Deutsche Kaiser proklamiert, der, um mit Uhland zu sprechen, durch die Deputation der deutschen Volksvertretung mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt war.

 

• Kaiserhymne

Joseph Haydn, einer der bedeutendsten deutschen und abendländischen Tonschöpfer, komponierte eine Hymne zu Ehren Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Es war Haydns Wunsch, daß das Werk dem Zusammenhalt des Deutschen Reiches dienen möge. Die Kaiserhymne mit den Worten des Volksdichters Lorenz Leopold Haschka ("Gott erhalte Franz den Kaiser") erklang in Wien zum Geburtstag der Majestät, am 12. Februar 1797, erstmals öffentlich. Aus einem zeitgenössischen Bericht: "Die Begeisterung schwoll über alle Dämme." Bald darauf verwendete Haydn das musikalische Thema auch in einem Werk für Streicher ("Kaiserquartett"), Bis 1918 war Gott erhalte ..," die Hymne Österreichs. 1841 dichtete Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland das Lied der Deutschen, "Deutschland, Deutschland über alles". Es wurde mit der Melodie von Haydns Kaiserhymne deutsche Nationalhymne.

 

• Kaiserkrone

Die mit erlesensten Edelsteinen und Perlen geschmückte Krone des Heiligen Reiches, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, wurde zur Kaiserkrönung Ottos des Großen im Jahre 962 geschaffen. Auf den Platten des Kronenkörpers sind biblische Szenen dargestellt; über dem Emaillebild des thronenden Heilandes befindet sich auf lateinisch die Inschrift: Durch mich herrschen die Könige. Im 11. Jahrhundert wurde das Kreuz an der Stirnseite hinzugefügt und der erneuerte Bügel mit einer Kaiser Konrad II. gewidmeten Perlenschrift versehen. Unter dem Kreuze befand sich der seit einem halben Jahrtausend als verschollen geltende viel gerühmte Einzige Stein, auch "der Waise" genannt: ein wunderbarer Edelstein. Mit den anderen Kleinodien des ersten Deutschen Reiches wird die Kaiserkrone in der Schatzkammer der Wiener Hofburg verwahrt. Nach dem Vorbild der Kaiserkrone wurden 1602 die österreichische (rudolfinische) Hauskrone, 1724 die russische Zarenkrone und 1871 die Krone des neuen Deutschen Reiches geschaffen, die es lediglich als Vorlage und in heraldischer Darstellung gab. Über acht Jahrhunderte war die corona aurea imperialis das erhabenste Herrscherzeichen im Abendland.

 

• Kaiserpfalzen

"Pfalz" ist vom lateinischen "palatium" (Palast) abgeleitet. Bei den Pfalzen handelte es sich seit Karl dem Großen um über das Reich verstreute Kaiserresidenzen. Sie dienten auch der höchsten Rechtspflege, dem Königsgericht. Aus Pfalzorten wurden die ältesten dem König unmittelbar unterstehenden Reichsstädte. Zu den bekanntesten Pfalzen zählen Goslar und Gelnhausen. Die Kaiserpfalz von Goslar, Lieblingsresidenz Heinrichs III., wurde um 1050 angelegt. Sie war mit einer Ausdehnung von beinahe 50 Metern der größte Reichspalast. Die letzte Kaisertagung fand dort 1252/53 statt. Danach verfielen die Gebäude. Die Pfalz wurde von 1873 bis 1879 in ihrer heutigen Gestalt erbaut. 1961 wurde sie zur Bundesweihstätte des Deutschen Heimkehrerverbandes erklärt. Der Palast von Gelnhausen wurde um 1182 auf Geheiß Friedrich Barbarossas als Wasserburg auf Eichenpfählen errichtet. Dort fanden zwei Reichstage statt. Mit ihrer imposanten Hofwand ist die Kaiserpfalz von Gelnhausen die am besten erhaltene Residenz.

 

• Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Charlottenburg gehörte noch nicht zu Berlin, als ab 1891 auf dem Auguste-Viktoria-Platz eine Kirche zum Gedächtnis an Kaiser Wilhelm I. erbaut wurde. Mit spätromanischen Formen wollte Baumeister Franz Schwechten an Dome der großen Zeit des ersten Deutschen Reiches erinnern. Die Einweihung der Kirche fand am 2. September 1895, dem 25. Jahrestag des Sieges von Sedan, statt. Durch Bomben und Artilleriebeschuß wurde das Bauwerk im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt. Die Turmruine blieb als Mahnmal erhalten. Die reich mit Mosaiken ausgestattete Gedenkhalle im alten Turm ist seit 1987 wieder geöffnet. Der neue Turm (für den der Urenkel Wilhelms I., Prinz Louis Ferdinand, ein Glockenspiel komponierte) und das neue Schiff sind ein Werk des Architekten Egon Eiermann und wurden 1961 eingeweiht. Der Platz vor der Kirche ist jetzt nach dem Führer der Sozialdemokraten im Reichstag, Rudolf Breitscheid, benannt. Er war 1944 Opfer eines alliierten Luftangriffs auf das KZ Buchenwald geworden.

 

• Kaiser-Wilhelms-Land

180 000 qkm großes Gebiet im Nordosten Neuguineas, der zweitgrößten Insel der Erde. Mit zahlreichen kleinen Eilanden der Südsee bildete es die friedlich erworbene Überseebesitzung Deutsch-Neuguinea. Dort hatten sich zu Beginn der 1870er Jahre deutsche Kaufleute - des Handels mit Kopra und Kautschuk wegen - niedergelassen. Das Gebiet wurde 1884 von der deutschen Neuguinea-Compagnie erworben und 1899 in direkte Reichsverwaltung genommen. Hauptort war Friedrich-Wilhelms-Hafen. Die Erforschung Neuguineas war in jener Zeit das Werk deutscher Wissenschaftler. Da das Reich keine Truppen in der Kolonie unterhielt, hatte ein militärisches Überfallkommando Englands, Australiens und Japans zu Beginn des Ersten Weltkrieges leichtes Spiel, Deutsch-Neuguinea zu "erobern". Die drei Mächte teilten sich das deutsche Überseegebiet mit dem Segen des Völkerbundes auf. Das Kaiser-Wilhelm II.-Land ist ein Teil der Ostantarktis, das 1901 von der deutschen Südpolar-Expedition unter von Drygalski erforscht und benannt wurde.

 

• Kamerun

Ab 1868 engagierten sich deutsche Kaufleute an der afrikanischen Westküste. Als kaiserlicher Abgesandter erklärte Gustav Nachtigal, nachdem er das Gebiet erforscht hatte, Kamerun am 14. Juli 1884 zum deutschen Schutzgebiet. Damit kam er den Briten um nur wenige Tage zuvor. Durch Verträge wurde die Kolonie 1911 auf 800 000 qkm erweitert (2,65 Mio. schwarze, 2000 weiße Einwohner). Auch in Kamerun überstiegen die Investitionen des Deutschen Reiches bei weitem den wirtschaftlichen Nutzen der Kolonie. Das von einer kleinen Schutztruppe verteidigte Land wurde im Ersten Weltkrieg von einer vielfach überlegenen englisch-französischen Streitmacht "erobert". Paris und London teilten sich die Beute auf. 1933 richteten die Häuptlinge Kameruns, die sich gegen die neuen Kolonialherren empörten, das Gesuch an den Völkerbund und an die Deutsche Kolonialgesellschaft in Berlin, die Deutschen mögen zurückkommen.

 

• Kanaltal

Das deutsch-österreichische Kärnten mußte 1919 wegen des Diktats von Saint-Germain 777 qkm mit 25 000 Einwohnern abtreten: Das Mießtal und das Kankertal an Jugoslawien (Südslawien) und das fast rein deutschsprachige Gebiet des Kanaltals mit dem Hauptort Tarvis südwestlich von Villach gegen den Willen seiner Bevölkerung ohne Volksabstimmung an Italien. Die Deutschen dort waren wie ihre Südtiroler Leidensgefährten einer brutalen Italianisierung ausgesetzt. Aufgrund des Abkommens zwischen Hitler und Mussolini siedelten die meisten 1939 ins nördliche Kärnten und in die Steiermark um. Die Deutschen im Kanaltal, sie leben hauptsächlich in den Ortschaften Tarvis, Saifnitz, Malborgheth, Leopoldskirchen, St. Kathrein und Pontafel, haben bis heute ihre Volkstumsrechte nicht erhalten. Deutsch wird nur in der Mittelschule als Fremdsprache gelehrt. Um die Pflege des Deutschtums bemüht sich der Ende der 80er Jahre gegründete Kanaltaler Kulturverein.

 

• Kant-Denkmale

Zu Ehren ihres größten Sohnes, Immanuel Kant (1724-1804), errichtete die ostpreußische Hauptstadt Königsberg Denkmale. Die sterbliche Hülle des wohl bedeutendsten Philosophen des Abendlandes seit Hellas Zeiten ruht seit 1924, seinem 200. Geburtstag, in einer von schlanken Porphyrsäulen umgebenen Grabstätte an der Nordostseite des Königsberger Domes, in welchem Kant beigesetzt worden war. Zwar wurde das Grabmal 1945 von Rotarmisten geschändet, doch beseitigte die Besatzungsmacht die Schäden und pflegte es seither. 1862 war auf dem Königsberger Paradeplatz das von Christian Daniel Rauch geschaffene fast drei Meter hohe Kant-Standbild eingeweiht worden. Der Bildhauer hatte den Philosophen auch auf seinem Denkmal für Friedrich den Großen Unter den Linden in Berlin verewigt. Das Königsberger Kant-Denkmal gilt seit der Einnahme der Stadt durch die Sowjets 1945 als verschollen. 1992 stellte der Berliner Bildhauer Harald Haacke eine originalgetreue Nachbildung für den alten Standort her. Das Denkmal wurde im Juni 1992 in Königsberg wiedererrichtet.

 

• Karlstein

Die unbestritten schönste Burg in Böhmen, dem alten Kernland des Heiligen Reiches, wurde auf Geheiß Kaiser Karls IV. wenig mehr als zwanzig Kilometer südwestlich von Prag auf einem Kalkfelsen über dem Fluß Beraun errichtet. Prag war damals die Hauptstadt des Deutschen Reiches. Die Grundsteinlegung der Burg Karlstein erfolgte am 10. Juni 1348, die Stiftungsurkunde trägt die Jahreszahl 1357. Der Karlstein war das Schatzhaus für die Reichskleinodien. Ferner barg er die Insignien Böhmens. Kaiser Karl huldigte mit dem herrlichen Bauwerk auch dem Ideal der Gralsburg. Umbauten des 15. und 16. Jahrhunderts verunstalteten die Veste. Sie wurde von 1887 bis 1899, unter Kaiser Franz Joseph I., in ursprünglicher Gestalt wiederhergestellt.

 

• Kärnten

Südlichstes Bundesland Österreichs mit rund 9500 qkm Fläche und 550 000 Einwohnern. Die Karawanken bilden die Grenze zum südslawischen, der Kamm der Karnischen Alpen zum italienischen Bereich. Benannt nach den keltischen Karnern, war das Land einst Teil des Langobardenreiches, kam im 8. Jahrhundert, bei beginnender deutscher Besiedlung, unter bayerische, dann karolingische Herrschaft und wurde im 10. Jahrhundert Herzogtum im Deutschen Reich. Ab 1286 herrschten dort die Tiroler Grafen, ab 1335 die Habsburger. Kärnten leistete heldenhaften Widerstand gegen die Osmanen und - unter Landsturmführer Baptist Türk - gegen Napoleon. Zur k.u.k. Zeit war es selbständiges Kronland. Nach 1918 wollte Belgrad das südliche Kärnten als "urslowenisch" annektieren. Dem warf sich der Kärntner Heimatschutz unter Steinacher erfolgreich entgegen. Am 10. Oktober 1920 entschieden sich trotz südslawischer Besetzung und Gewalt 22 000 der 37000 (= 59 Prozent) Kärntner in der Abstimmungszone für das deutsche Österreich; Kärnten blieb deutsch, mußte aber - ohne Volksabstimmung - das Mießtal und Seeland (Kankertal) an Jugoslawien (Südslawien) und das Kanaltal an Italien ausliefern (777 qkm mit 25 000 Einwohnern). Nach 1945 versuchte Tito vergebens, Südkärnten an sich zu reißen.

Weiterführend:
Blutige Grenze im Süden - 90 Jahre Kärntner Volksabstimmung - der Volkstumskampf schwelt noch immer

 

 

• Karolinen

Nach Karl I. von Spanien (Kaiser Karl V.) benannte, im südlichen Stillen Ozean gelegene größte Inselgruppe Mikronesiens. Die Landfläche der über 500 Inseln beträgt 1340 Quadratkilometer. Ab 1860 waren dort deutsche Kaufleute aktiv. 1898 kaufte das Deutsche Reich die Karolinen für 16,6 Millionen Mark den Spaniern ab. Die Inseln wurden Teil des deutschen Überseegebietes Deutsch-Neuguinea. Kokosnüsse und Fische waren die Haupthandelsgüter. 1907 hatten sie 40 000 eingeborene und 140 weiße Einwohner. Da das Deutsche Reich auf den Inseln keine Streitkräfte stationiert hatte, konnten die Karolinen 1914 von Japan widerstandslos besetzt werden. Im Versailler Diktat erhielt Tokio die deutsche Kolonie als sogenanntes Völkerbundmandat. 1947 übernahmen die USA "treuhänderisch für die UNO" die Karolinen, um die Südflanke ihres pazifischen Imperiums zu sichern.

 

• Karolinger

Das fränkische Adels- und Herrschergeschlecht stammt aus dem Raum Mosel-Maas. Es ist nach dem bedeutendsten Sproß, Karl dem Großen, oder nach dessen Großvater, Karl Martell, benannt. Die Karolinger gingen aus einer Verbindung zwischen den führenden Familien der fränkischen Aristokratie, den Arnulfingern und Pippiniden, hervor. 751 setzten sie sich gegen die Merowinger durch und errangen mit Pippin III. das Königtum im Fränkischen Reich. Karl der Große begründete im Jahre 800 das neue Kaisertum und schuf ein gewaltiges Reich, das seine Nachkommen jedoch nicht behaupten konnten. Karolingische Herrscher geboten über das Ostfränkische Reich, aus dem sich das erste Deutsche Reich entwickelte. Die Karolinger erloschen in der lothringischen Linie 869, in der italienischen 875, in der ostfränkisch-deutschen 911 und in der westfränkisch-französischen 987.

 

• Karpatendeutsche

Ursprünglich die zusammenfassende Bezeichnung für die Deutschen in den Karpatenländern. Dann verengte sich der Begriff auf die Deutschen in der Slowakei. Ab dem 11. Jahrhundert hatten Ungarnkönige deutsche Siedler in die Slowakei gerufen. Sie leisteten, insbesondere nach den Mongolenstürmen des 13. Jahrhunderts, Wiederaufbauarbeit, gründeten Städte und begründeten den Bergbau. Es bildeten sich große deutsche Volkstumsinseln wie z. B. das Hauerland mit (1919) rund 60 000 Einwohnern. Die Karpatendeutschen organisierten sich zur CSR-Zeit in der Karpatendeutschen Partei. 1939 wurde die Slowakei mit deutscher Hilfe ein eigener Staat, der den Deutschen alle Volkstumsrechte gewährte. 1945 wurden die Karpatendeutschen ermordet oder zur Flucht gezwungen. Überlebende fanden sich im Westen in einer eigenen Landsmannschaft zusammen.

 

• Kasachstan

Nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges 1941 verdammte Stalin die Rußlanddeutschen kollektiv als Staatsfeinde. Sie wurden. nach Sowjet-Asien deportiert, wobei Hunderttausende ums Leben kamen. Hauptsächlich schaffte man sie nach Kasachstan, wo man sie über das riesige Gebiet dieser asiatischen Sowjetrepublik verstreute. Einige Schwerpunkte entstanden, wie z. B. das Gebiet um Zelinograd mit einem deutschen Anteil an der Bevölkerung von 12,7 Prozent. Erst in den 60er Jahren konnte sich in Kasachstan in Ansätzen deutsches Leben regen. Deutscher Fleiß vollbrachte sogar weit jenseits des Ural beachtliche Aufbauleistungen. Ab den 70er Jahren machten Deutsche aus Kasachstan mit Demonstrationen in Moskau auf ihr Schicksal aufmerksam. Der sowjetjüdische Dissident Sacharow setzte sich für sie ein. Ab Mitte der 80er Jahre siedelten einige hunderttausend der auf über eine Million geschätzten Deutschen von Kasachstan, das 1990 unabhängig wurde, in die Bundesrepublik aus.

 

• Kaub

Rechtsrheinische Stadt im Kreis Goarshausen (Rheinland-Pfalz). Auf einer nahen Anhöhe ließ Ritter von Falkenstein um 1210 eine Burg errichten, die später Schloß Gutenfels genannt wurde und seit 1805 Ruine ist. Bei Kaub befindet sich inmitten des Rheines, auf einer Felseninsel, der Pfalzgrafenstein, auch kurz "Pfalz" genannt: eine von 12 Meter hohen Ringmauern umgebene kurpfälzische Zollburg, deren Grundstein 1327 auf Geheiß des Kaisers (und kurpfälzischen Landesherrn) Ludwig des Bayern gelegt wurde. Es ist auch ein Denkmal gegen fremde Anmaßung, da Rom sich zugunsten der Erzbischöfe aggressiv in die innerdeutschen Zollangelegenheiten eingemischt hatte. Der Pfalzgrafenstein wurde nie erobert. In der Neujahrsnacht 1813/14 überschritten hier deutsche und russische Truppen unter Führung von Marschall Blücher in Eiseskälte auf kühn errichteten Brücken den Rhein. Sie waren Napoleon auf den Fersen, den sie bald darauf stellten.

 

• Kehl

Das rechtsrheinisch, gegenüber Straßburg, gelegene und von diesem gegründete Kehl wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Mehrfach war es Opfer französischer Aggression. 1774 erhielt Kehl Stadtrecht. Von 1919 bis 1930 war es französisch besetzt (Kehler Brückenkopf). 1945 zogen erneut französische Besatzer in die Stadt ein. Der wegen der Kriegshandlungen evakuierten deutschen Bevölkerung wurde die Heimkehr verboten. Man siedelte französische Staatsbürger, unter ihnen zahlreiche zwielichtige Typen, in Kehl an. Es bestand klare Annexionsabsicht des französischen Staates. Weil Frankreichs Imperialkraft erlahmt war und man die Westdeutschen im Kalten Krieg brauchte, wurde Kehl von April 1949 bis März 1953 in 42 Einzelschritten, Straße um Straße, geräumt und an die Bundesrepublik gegeben. Paris behielt sich Rechte im Hafen vor. Es folgte der deutsche Wiederaufbau der Stadt, die unter französischer Besetzung stark gelitten hatte (über 700 total oder weitgehend zerstörte Gebäude).

 

• Kelten

Sie stellten nach den Germanen und vor den Balten die meisten Vorfahren der Deutschen. Antiken Berichten zufolge glichen die Kelten im Äußeren den Germanen, und waren keltische und germanische Kultur einander ähnlich, weshalb auch von Keltogermanentum gesprochen wird. Ab dem fünften vorchristlichen Jahrhundert besiedelten die Kelten große Teil des nachmaligen Süddeutschland. Im vierten Jahrhundert bezwangen sie unter Brennus die Römer. In Vercingetorix (Ý 46v.Chr.), dem Gallierführer aus Arvernerstamm, erwuchs ihnen im vergeblichen Aufbäumen gegen Rom noch einmal eine überragende Persönlichkeit. Um Christi Geburt waren fast alle keltischen Gebiete in römischer oder germanischer Hand. In den letzten Jahrzehnten besinnt man sich in Teilen Westeuropas wieder auf die keltischen Wurzeln, vor allem in Irland, Wales und bei den Bretonen. Heute sprechen etwa vier Millionen Menschen keltische Muttersprachen.

 

• Kiautschou

515 qkm großes deutsches Pachtgebiet mit Flottenstützpunkt in China. Es hatte 1914 rund 200 000 Einwohner, davon 5000 Weiße, und umfaßte die Bucht von Kiautschou sowie die Halbinseln Hai-si und Tsingtau. Nachdem dort deutsche Missionare ermordet worden waren, besetzte Admiral von Diederichs 1897 ohne Anwendung von Waffengewalt das Gebiet. Es wurde am 6. März 1898 vom Deutschen Reich im Vertrag mit China auf 99 Jahre gepachtet. Zur gleichen Zeit eigneten sich Rußland, England, Frankreich (später auch die USA und Japan) meist mit brutaler Gewalt tausendfach größere chinesische Gebiete an. Besonders Tsingtau, die Hauptstadt des Pachtgebietes, blühte unter deutscher Herrschaft auf. Stadt und Hafen wurden ausgebaut, Eisenbahnlinien errichtet, umfangreiche landwirtschaftliche Reformen und Aufforstungen in Gang gesetzt, vorbildliche Schulen eröffnet und 1909 sogar eine deutsch-chinesische Universität eingeweiht. Allein 1913 betrug der Zuschuß des Deutschen Reiches für das Pachtgebiet 10,3 Mio. Mark. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges trotzten 4000 Deutsche in Kiautschou drei Monate lang der Belagerung durch 65 000 Japaner. Im Dezember 1922 mußte Tokio das Gebiet an China zurückgeben.

 

• Kimbern und Teutonen

Der Großteil dieser ursprünglich im jütländischen Chimmerland und Thyland beheimateten Germanen zog in friedlicher Siedlungsabsicht nach Süden. Rom antwortete mit militärischer Gewalt, so daß es zum ersten großen Schlagabtausch zwischen Germanen und Römischem Imperium kam. Zunächst mußten die Römer empfindliche Niederlagen hinnehmen, so 113 v. Chr. bei Noreja und 105 v. Chr. bei Arausio (Orange). Zeitweise marschierten Kimbern, Teutonen, Ambronen sowie weitere, auch keltische, Völkerschaften gemeinsam. 102 v. Chr. wurden die Teutonen bei Aquae Sextiae, dem heutigen Aix-en-Provence, vom römischen Feldherrn Marius völlig geschlagen. Im darauf folgenden Jahr gelang Marius der Entscheidungssieg über die Kimbern auf den Raudischen Feldern bei Vercellae in Italien. Als Kinder und Jugendliche in römische Hand gefallene Kimbern und Teutonen hatten maßgeblichen Anteil am großen Sklavenaufstand unter Führung des Spartakus 73 bis 71 vor der Zeitenwende.

 

• Kinderlandverschickung

Die Kinderlandverschickung (KLV) als kostenloser Ferienaufenthalt von armen Stadtkindern auf dem Land fand nach 1933 großen Anklang. Die mit dem 27. September 1940 erweiterte KLV hatte die Rettung von Kindern aus den luftkriegsgefährdeten Städten zum Ziel. Kinder bis zu 10 Jahre wurden in der Regel in Familien auf dem Lande untergebracht, 10- bis 14jährige kamen mit meist älteren Lehrern in wohlorganisierten Lagern unter, von denen es 1943 fünftausend und 1944/45 sogar annähernd zehntausend gab. Insgesamt fünf Millionen Kinder, jeder dritte deutsche Schüler bis zu 14 Jahren, wurden kinderlandverschickt. Hunderttausende, wenn nicht Millionen verdanken der Kinderlandverschickung ihr Leben, weil sie sonst im Bombenholocaust der Westalliierten umgekommen wären. So war die KLV eine humanitäre Großtat im Kriege, die in ihrer Dimension nur mit der Rettung über See 1945 vergleichbar ist.

 

• Kleindeutsche

Die 1848 gewählte Nationalversammlung in der Paulskirche, das erste gesamtdeutsche Parlament, war einmütig großdeutsch eingestellt. Ziel war das Reich aller Deutschen, auch jener der Habsburgermonarchie. Doch die Integration des k.u.k. Vielvölkerstaates in ein neues Deutsches Reich erschien unmöglich. So scheiterte der Versuch einer Antwort der Demokraten auf die Deutsche Frage an multinationalen Verhältnissen. Als Notlösung befürwortete man die kleindeutsche Antwort, also ein Reich unter Preußens Führung ohne die Österreich-Deutschen. Das Wort "kleindeutsch" wurde von Ludwig Simon (1810-1872), dem betont großdeutschen Wortführer der Linken in der Paulskirche, geprägt. In diesem Sinne wird auch das 1871 gegründete Bismarckreich als "kleindeutsches Reich" bezeichnet.

 

• Kolberg

Die seit 1945 polnisch besetzte Stadt entwickelte sich aus einem alten Handelsplatz. Sie erhielt 1255 Lübisches Recht und kam 1648 an Brandenburg. Im Siebenjährigen Krieg verteidigte sich Kolberg tapfer gegen die Russen, die es erst nach dreimaliger Belagerung 1761 nehmen konnten. 1807 wurde die Stadt vom nachmaligen Generalfeldmarschall und preußischen Reformer Gneisenau gegen eine vielfache Übermacht von zunächst 8000, dann sogar 13 000 Soldaten Napoleons erfolgreich bis zum Tilsiter Friedensschluß verteidigt. Der heroische Widerstand beeindruckte in ganz Deutschland und wirkte beispielgebend für den Kampf in den Befreiungskriegen. Als Bürgeradjutant stand Gneisenau der alte Seefahrer Nettelbeck entscheidend zur Seite, der schon 1761 an der Verteidigung Kolbergs teilgenommen hatte. 1945 fielen bei Kolberg Abertausende deutsche Soldaten im Kampf gegen die Truppen Stalins.

 

• Kölner Dom

Die Kathedrale der deutschen Nation, St. Peter in Köln, dem einstigen Hauptort der germanischen Ubier und Ripuarier, ist Deutschlands bedeutendster gotischer Kirchenbau. Am 15. August 1248 wurde an der Stelle einer karolingischen Kirche der Grundstein zum Kölner Dom gelegt, an dessen Planung wohl auch der deutsche Universalgelehrte Albertus Magnus Anteil hatte. 1322 wurde der Chor geweiht. Der Niedergang des Deutschen Reiches ließ den Bau stocken und Anfang des 16. Jahrhundert zum Erliegen kommen. So war der Dom ein gewaltiger Torso, bis am 4. September 1842 der Bau fortgesetzt wurde. Vor allem war Preußens König Friedrich Wilhelm IV. von der Idee der Vollendung begeistert und stellte Mittel bereit. Schinkel war maßgeblich am Dombau beteiligt, der sich auf königliches Geheiß streng nach den alten Plänen, die 1814 wiederaufgefunden worden waren, zu richten hatte. Am 15. Oktober 1880 wurde der vollendete Dom mit seinen 156 Metern hohen Türmen in Anwesenheit des Kaisers feierlich eingeweiht. Der 1944 durch westalliierte Bomben beschädigte St. Peter wurde nach dem Krieg wiederhergestellt. In der Kathedrale befindet sich der Dreikönigsschrein aus dem 12. Jahrhundert, ein Geschenk von Reichskanzler Rainald von Dassel an die Kölner.

 

• Kolonialehrenmal

Das Bremer Denkmal zu Ehren der deutschen Schutztruppen und der deutschen Kolonialleistungen in den Überseebesitzungen des Reiches wurde 1932 von der Deutschen Kolonialgesellschaft gestiftet. Der zehn Meter hohe, aus Klinker gemauerte Elefant ist ein Werk des bedeutenden Tierplastikers Fritz Behn. Auf Inschriften werden hervorragende Persönlichkeiten deutscher Kolonialgeschichte wie Adolf Lüderitz und General von Lettow-Vorbeck gewürdigt. Im Inneren des Denkmals befindet sich ein Weiheraum, der im Zeichen der Umerziehung für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht wurde. Dafür gab man dem Denkmal in den 80er Jahren Schrifttafeln bei, die angebliche deutsche Kolonialschuld anprangern sollen.

 

• Kolonien

Deutsche hatten an der Erforschung ferner Erdteile großen Anteil. Die Fugger und Welser unterhielten im 16. Jahrhundert deutsche Niederlassungen in Südamerika. Kurland-Deutsche und Brandenburger unternahmen im 17. Jahrhundert kurzlebige Kolonialversuche in Südamerika, der Karibik (brandenburgisches St. Thomas) und in Afrika (z. B. Groß-Friedrichsburg). Im 18. Jahrhundert betätigte sich Österreich entsprechend vor allem an der indischen Küste. Ab den 1880er Jahren erwarb das Deutsche Reich ohne militärische Gewalt, nur durch Vertrag und Kauf, die Überseegebiete Südwestafrika, Ostafrika, Kamerun, Togo, Neuguinea mit pazifischen Inseln, Samoa und Kiautschou (zusammen rund 3 Mio. qkm mit 12,5 Mio. Einwohnern, davon 28 000 Weiße). Das Reich investierte bis 1913 rund 150 Mio. Mark in die Kolonien. Die Einnahmen betrugen 50 Mio. Die deutsche Kolonialpolitik war im Vergleich zur Praxis anderer Mächte wesentlich milder und hilfreicher für die eingeborene Bevölkerung. Der sozialdemokratische Reichspräsident Ebert verurteilte die "Kolonialschuldlüge", mit der Deutschland die Kolonien in Versailles genommen worden waren, und richtete ein Kolonialministerium zum Rückerwerb ein. In den einstigen Kolonien wird der deutschen Herrschaft ehrend gedacht.

Weiterführend:
Des Kaisers ferne Untertanen - Deutsch-Ostafrika: Struktur einer Kolonie

 

• Königsberg

Die Hauptstadt Ostpreußens wurde wohl zu Ehren des böhmischen Königs und Reichsfürsten Ottokar II. benannt, der dort einst weilte. Die Stadt entwickelte sich aus einem 1255 gegründeten Bollwerk des Deutschen Ordens. Das Schloß war ab 1457 Sitz der Hochmeister des Ordens, ab 1525 Residenz der preußischen Herzöge, ab 1701 Krönungsstätte der preußischen Könige (Schloßkirche). Es wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und 1969 abgetragen. Königsberg war ein Zentrum des Deutschtums im Osten. Es hatte erhebliche wirtschaftliche Bedeutung im Ostseeraum. Für seinen kulturellen Rang stehen Namen wie Immanuel Kant oder die Universität "Albertina". Königsberg war im Siebenjährigen Krieg russisch, Anfang des 19. Jahrhunderts französisch besetzt. Hier ballte sich die deutsche Widerstandskraft gegen Napoleon. 1939 hatte Königsberg annähernd 400 000 Einwohner. Es wurde im Zweiten Weltkrieg durch westliche Bomben und beim Ansturm der Roten Armee weitgehend zerstört. Vom 30. Januar bis 9. April 1945 trotzte es als Festung den weit überlegenen Sowjettruppen. 1946 wurde Königsberg, deren deutsche Bevölkerung die "Befreier" holocaustiert hatten, nach Stalins langjährigem Sowjetpräsidenten Kalinin benannt. Ab Ende der 80er Jahre konnte sich wieder deutsches Leben regen und unterbreiteten russische Politiker Vorschläge, die eine deutsche Zukunft der Stadt möglich machen.

 

• Königsberger Dom

Der gotische Dom St. Maria und St. Adalbert in der Hauptstadt Ostpreußens steht auf dem Grund einer Insel zwischen zwei Armen des Flusses Pregel. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1325 als Festungskirche begonnen und Ende des 14. Jahrhunderts als dreischiffige Hallenkirche eingewölbt. Der Turm der Westfassade konnte 1552 vollendet werden. Durch westliche Bombenangriffe, Kampfhandlungen 1945 und zahlreiche mutwillige Zerstörungen sowjetischer Besatzer wurde das imposante Bauwerk zur Ruine. Ende der 80er Jahre kam es zur neuen dramatischen Schicksalswende in der Geschichte des Domes: Deutsche Gottesdienste konnten in der Ruine abgehalten werden, deutsche und russische Bürgerinitiativen bildeten sich mit dem Ziel des Wiederaufbaus. Das Grabmal Kants am Königsberger Dom hat die Stürme der Zeit weitgehend unbehelligt überstanden.

 

• Königsstuhl

Nach alter Überlieferung ritt der neugewählte deutsche König von Frankfurt am Main rheinabwärts nach Aachen zur Krönung und zeigte sich dann bei Rhens am Rhein, an einem heiligen Hain, der Menge zum Empfang der Huldigung. Rhens liegt oberhalb von Koblenz, wo einst die Gebiete dreier Kurfürstentümer zusammenstießen. Auf Geheiß Kaiser Karls IV. wurde dort 1376 eine achteckige steinerne Halle erbaut. An diesem Königsstuhl trafen sich auch die Kurfürsten und faßten weittragende Beschlüsse. Als letzte deutsche Majestät bestieg 1486 Maximilian I. den Königsstuhl von Rhens, der 1794 von Franzosen zerstört wurde. 1843 ließ Preußens König Friedrich Wilhelm IV. das Symbol des Heiligen Reiches wiedererrichten. Wegen hohen Verkehrsaufkommens am alten Standort versetzte man den Königsstuhl 1928 auf eine Anhöhe oberhalb von Rhens, die einen herrlichen Blick über den Rhein gestattet.

 

• Korridor

Durch Versailles wurde 1919 ohne V olksabstimmung eine 30 bis 90 Kilometer breite Bresche ins Deutsche Reich geschlagen, die Ostpreußen abtrennte und Polen Zugang zum Meer verschaffte. Dieser "polnische Korridor" (auch Weichsel- oder Danziger Korridor genannt) war knapp 16 000 qkm groß, umfaßte den Hauptteil Westpreußens sowie pommersche Gebiete und hatte 330 000 meist deutsche Einwohner. Warschau vertrieb die meisten Deutschen. Der Korridor war auch eine schwere wirtschaftliche Belastung für Deutschland. Alle Weimarer Regierungen forderten die gerechte Revision. Noch 1938/39 bot Berlin einen Kompromiß mit Berücksichtigung polnischer Belange an, der von Warschau strikt abgelehnt wurde. Wie schon 1919 von angelsächsischen Politikern prophezeit, entzündete sich am Korridor-Problem 1939 der neue Krieg. Bis 1945 gehörte das Gebiet, in welchem nun die Polen entrechtet wurden, zum Reichsgau DanzigWestpreußen. Dann wurde dort, bei totaler Vernichtung des Deutschtums, erneut die polnische Herrschaft errichtet.

 

• Krain

Im 6. Jahrhundert begann die slowenische, im 8. Jahrhundert die deutsche (bairische) Besiedlung der Krain. Mitte des 10. Jahrhunderts war das Gebiet eine Mark des Reiches. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte die Krain mit ihren vorwiegend deutschen Städten zum Reich der Habsburger. Das Herzogtum hatte schwer unter Türkeneinfällen zu leiden, wobei der deutsche Anteil am Wiederaufbau erheblich war. 1919 fiel es größtenteils an das neue multinationale Jugoslawien (Südslawien). Der Südwesten gehörte bis 1947 zu Italien. Ab September 1943 war die Hauptstadt Laibach mit Umgebung Teil des Großdeutschen Reiches, um 1945 wiederum an den Belgrader Machtbereich zu fallen und 1990 den Kern des unabhängigen Slowenien zu bilden. Deutsche Volkstumsinseln wie die Gottschee wurden zu Ende des Zweiten Weltkrieges brutal ausgelöscht. Den einigen tausend Nachfahren Deutscher wurde auch Anfang der 90er Jahre die Anerkennung als Minderheit verweigert.

 

• Kreuz des deutschen Ostens

Das mit dem Sockel 27 Meter hohe Monument (das Kreuz besteht aus dem Holz von Lärchen) auf den Uhlenklippen bei Bad Harzburg wurde von den Architekten Christian und Hermann Nordmann entworfen. Aufgestellt sind die Wappen von Nieder- und Oberschlesien, des Sudetenlandes, Brandenburgs, Ostpreußens, Westpreußens, Pommerns, Danzigs und der Baltendeutschen. Eingemauert ist eine Urne mit ostdeutscher Erde. Die feierliche Einweihung fand am 24. Juni 1950 statt. Zugegen war auch der sozialdemokratische Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter. Vertriebenenminister Lukaschek wiederholte in der Festansprache die Worte des sozialdemokratischen Alterspräsidenten des Bundestages und vormaligen Reichstagspräsidenten, Paul Löbe, daß es niemals, solange Deutsche leben, einen Verzicht auf die Ostgebiete geben werde. 1964 wurden die Scheinwerfer, die das Kreuz in den Abendstunden angestrahlt hatten, ausgestellt. 1985 gab es einen schweren Anschlag auf das Denkmal, welches aber bald von den Schmierereien ("Polska" usw.) befreit wurde.

 

• Kreuzberg-Denkmal

Das auf kreuzförmigen Grundriß wie eine gotische Kirchturmspitze wirkende, 19 Meter hohe Nationaldenkmal für die Befreiungskriege in Berlin wurde auf Geheiß Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen von Baumeister Friedrich Schinkel entworfen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1818. Am 30. März 1821, dem siebten Jahrestag der Einnahme von Paris, wurde das Monument in Anwesenheit des Königs und des Zaren Alexander feierlich eingeweiht, später auf einen von Johann Heinrich Strack geschaffenen Sockel gehoben. An den vier Stirnseiten wird an die entscheidenden Schlachten der Befreiungskriege erinnert: Groß-Görschen, Leipzig, Paris, Belle-Alliance (Waterloo). 12 Skulpturen, die Genien, sind Schöpfungen der Bildhauer Christian Daniel Rauch, Christian Friedrich Tieck und Ludwig Widmann.

 

• Kriegsgefangene

Über 10 Millionen deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges fielen den Alliierten in die Hände. 1,5 bis 2,5 Mio. kamen in Sieger-KZ um. Die Todesrate deutscher Kriegsgefangener in Stalins Gewalt lag 1941/42 bei 90 Prozent. Nur 6 000 der 90 000 bei Stalingrad 1943 in Gefangenschaft geratenen Deutschen überlebten den Gulag. In stalinistischen Schauprozessen wurden Abertausende deutsche Soldaten summarisch verurteilt. Die Sowjets entließen erst ein Jahrzehnt nach Kriegsende die letzten deutschen Kriegsgefangenen. Die Westmächte pferchten 1945 Millionen deutsche Kriegsgefangene in KZ unter freiem Himmel ein, vor allem am Rhein. Hunderttausende kamen um. Nicht weniger brutal gingen Staaten wie Jugoslawien und Polen mit deutschen Kriegsgefangenen um, die oft auch zu mörderischer Zwangsarbeit herangezogen wurden. Während es zahlreiche Prozesse und umfangreiche Literatur über Unrecht an sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher Hand gibt, ist das Massenverbrechen an den deutschen Kriegsgefangenen juristisch völlig und zeitgeschichtlich weitgehend unbewältigt geblieben.

Weiterführend:
Die deutschen Kriegsgefangenen
Das Schicksal der deutsche Kriegsgefangenen in Jugoslawien
Die "Kriegs"gefangenschaft in Tito's Jugoslawien
Der "Londoner Käfig"
Die Rheinwiesenlager

 

• Krönung

Die feierliche Inthronisierung eines Herrschers durch Aufsetzen der Krone mit religiöser Weihe und Huldigung durch Fürsten und Volk nahm in der deutschen Geschichte einen hohen Rang ein. Die deutschen Könige wurden seit Gründung des Reiches im Aachener Münster, am Grabe Karls des Großen, und ab 1562 im Dom zu Frankfurt am Main gekrönt. Die Salbung zelebrierte bis 1024 der Erzbischof von Mainz, danach der Erzbischof von Köln und ab 1562 wieder jener von Mainz. Zu Kaisern des Heiligen Römischen Reiches wurden die Könige seit Karl dem Großen bis 1530 durch den Papst gekrönt. Bis 1452 fand die Zeremonie in Rom statt. Später wurden die Majestäten ohne päpstliche Beteiligung zugleich zu Königen und Kaisern gekrönt. Die Eiserne Krone der Langobarden wurde den deutschen Königen in Pavia, Mailand oder Monza aufs Haupt gesetzt. Krönungsstätte der preußischen Könige, ab 1871 Kaiser des Deutschen Reiches, war seit 1701 die Schloßkirche zu Königsberg in Ostpreußen.

 

• Kurfürsten

"Kur" ist abgeleitet vom alten deutschen Wort "kiesen" (= prüfen, wählen). Kurfürsten waren die vom 13. bis Anfang des 19. Jahrhunderts zur Wahl des deutschen Königs berechtigten Fürsten mit rotem hermelinbesetzten Mantel, Kurhut und Schwert als Insignien. Anfangs konnten alle Fürsten den König mitwählen. Seit 1257 war die Kurwürde auf sieben Herrscher begrenzt, die auch die Hof- und Erzämter bekleideten: die Erzbischöfe von Trier, Mainz und Köln, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen. Der Mainzer Erzbischof leitete die Wahl und lud zur Kur ein. Ursprünglich war Einstimmigkeit erforderlich, seit 1314 galt das Mehrheitsprinzip. Die Zeremonie der Kur wurde für fast ein halbes Jahrtausend durch die 1356 erlassene Goldene Bulle geregelt. Zeitweise oder dauerhaft mit der Kurwürde ausgestattet waren seit dem 17. Jahrhundert ferner Bayern, Braunschweig-Lüneburg (Hannover), Regensburg, Württemberg, Baden, Hessen-Kassel, Salzburg und Würzburg.

 

• Kurland

Die Ostsee-Landschaft mit der Hauptstadt Libau ist nach den baltischen Kuren benannt, deren Siedlungsraum einst bis zum Kurischen Haff reichte. Das Gebiet wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden erobert, christianisiert und teilweise mit Deutschen besiedelt. Von 1561 bis 1795 war Kurland ein weltliches Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit; es wurde bis 1737 vom deutschen Geschlecht der Kettler regiert. Von 1795 bis zum Ersten Weltkrieg war es den russischen Zaren untertan, wurde nach 1918 mit Hilfe deutscher Freikorps gegen die Bolschewisten verteidigt und Teil des unabhängigen Lettland. Im Zweiten Weltkrieg von Stalin annektiert, gehörte es zur lettischen Sowjetrepublik, bis Lettland 1989/91 erneut Unabhängigkeit erlangte. Die Kurlanddeutschen kamen nach 1918 und bei den großen Umsiedlungen 1939/41 ins Reich. Von Oktober 1944 bis Mai 1945 verteidigte sich dort die eingekesselte deutsche Kurlandarmee und band erhebliche sowjetische Kräfte.

 

• Kyffhäuser

In einer Höhle des thüringischen Kyffhäuser-Massivs ruht der Sage nach Kaiser Friedrich Rotbart. Auf dem Nordostkamm des dicht bewaldeten Gebirges erhob sich im frühen Mittelalter die mächtige, zur Zeit der Sachsenkaiser erbaute Reichsburg Kyffhausen, von der heute eine Ruine zeugt. Unweit davon, hoch über der Goldenen Aue, wurde am 10. Mai 1892 der Grundstein zum Kyffhäuser-Denkmal gelegt. Das 1896 feierlich eingeweihte Monument der Reichseinheit besteht aus dem 69 Meter hohen Barbarossa-Turm, erbaut aus dem Sandstein des Kyffhäuser, mit der Krone des Reiches obenauf, dem von Professor Emil Hundrieser geschaffenen kupfernen Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. und darunter, wie in einer Höhle, dem steinernen Bildnis Barbarossas von Professor Nikolaus Geiger. Das Kunstwerk insgesamt wurde gestaltet von Monumental-Baumeister Bruno Schmitz, Schöpfer auch des. Völkerschlachtdenkmals von Leipzig.

 

• KZ-Gedenkstätten

Über 2000 Mahnstätten aller Art sind in der Bundesrepublik Deutschland den Opfern nationalsozialistischer Gewaltherrschaft gewidmet. Darunter befinden sich die gegenwärtig größten deutschen Gedenkstätten: als Mahnmal erhaltene KZ-Gelände wie Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald mit zum Teil monumentalen Denkmälern. Daß das KZ-Unrecht in Dachau 1945 nicht endete, sondern von den US-Besatzern fortgesetzt wurde, findet in der dortigen Gedenkstätte keine Berücksichtigung. Die Fortführung der KZ-Barbarei durch die sowjetischen Besatzer wurde in Sachsenhausen und Buchenwald während der SED-Herrschaft vertuscht. Nach dem Fund von Massengräbern mit Nachkriegsopfern dieser KZ wurde 1990 beschlossen, auch ihrer zu gedenken. Am einstigen KZ der Westmächte für kriegsgefangene Deutsche bei Bretzenheim erinnert ein Kreuz an das Unrecht; bei Remagen wurde eine Gedenkkapelle geweiht.

 

• Landsknechte

Seit dem 15. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für die zu Fuß kämpfenden deutschen Soldaten. Der Ausdruck wurde 1486 erstmals für die Söldner Kaiser Maximilians I., des "letzten Ritters", erwähnt. Ihr berühmtester Führer war Reichsritter Georg von Frundsberg (1473-1528), genannt "Vater der Landsknechte". Sie schlugen sich hervorragend tapfer - besonders im Dienste des Reiches gegen Türken und Franzosen - und erwarben sich den Ruf, die besten Soldaten Europas zu sein. Im oft gewaltigen Troß zogen ihre Frauen und Kinder mit. Die Organisation der Landsknechte, des ersten geordneten Fußvolks der Neuzeit, wurde zur Grundlage alles späteren Heereswesens. Wurden lange Zeit grundsätzlich nur unbescholtene Deutsche als Landsknechte rekrutiert, befand sich später unter ihnen, besonders im Dreißigjährigen Krieg, auch verbrecherisches Gesindel. Die Landsknechts-Kultur, vor allem das Liedgut, wurde von der Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.

 

• Langemarck

Bei dieser westflämischen Ortschaft nahe Ypern tobten im Ersten Weltkrieg besonders blutige Schlachten. Im Oktober und November 1914 stürmten deutsche Freiwilligenverbände, meist Studenten, unter hohen eigenen Verlusten mit dem Deutschlandlied auf den Lippen die englischen Stellungen. Weil das Deutsche Reich 50 Jahre Frieden gewahrt hatte und auf den Weltkrieg nicht vorbereitet war, trafen bei Langemarck unzureichend ausgebildete, kriegsunerfahrene junge Deutsche auf die in endlosen Kolonialkriegen trainierten englischen Truppen. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand bei Langemarck ein großer deutscher Soldatenfriedhof. In den 30er Jahren errichtete der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge am Totenhain eine Ehrenhalle aus Sandsteinquadern. Im Inneren befinden sich die auf Eichentafeln geschnitzten Namen der 11 000 Gefallenen, die hier unter Bäumen gebettet liegen.

 

• Lechfeld

Auf der Ebene südlich von Augsburg zwischen den Flüssen Lech und Wertach tobte vom 10. bis zum 12. August des Jahres 955 die Entscheidungsschlacht der Deutschen gegen die Ungarn. Zuvor waren die asiatischen Eindringlinge vor Augsburg, das von Bischof Ulrich verteidigt wurde, geschlagen worden. Auf dem Lechfeld errang das gesamtdeutsche Heer unter König Otto I., dem nachmaligen Kaiser Otto dem Großen, im Zeichen der Heiligen Lanze einen überwältigenden, welthistorisch bedeutsamen Sieg. Er brachte die Befreiung von den Fremden und trug zur Vollendung der Staatswerdung Deutschlands bei. Otto der Große, der bald darauf an der Recknitz auch die Slawen bezwang, ebnete dem Reich der Deutschen den Weg zur Vormacht des Abendlandes. Die deutsche Majestät, der bereits bei der Siegesfeier auf dem Lechfeld als "Imperator" gehuldigt wurde, ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen (renovatio imperii).

 

• Lettland

Die Letten sind ein baltisches Volk. Im 13. Jahrhundert begann die deutsche Kolonisierung. Adel und Städter waren über Jahrhunderte vorwiegend deutsch. Bis ins 16. Jahrhundert war Lettland Deutschordensland. Dann wechselten polnische, schwedische, russische Herrschaft einander ab. Kultur- und Amtssprache blieb Deutsch. Am Ende des Ersten Weltkrieges wurde Lettland mit Hilfe deutscher Freikorps von Rußland unabhängig. Die meisten der knapp 70 000 Deutschen kamen nach 1918 und bei den Umsiedlungen 1939/41 ins Deutsche Reich. Im Zweiten Weltkrieg war das zuvor von Stalin annektierte Land deutsch besetzt. Abertausende Letten kämpften auf deutscher Seite. Von Kriegsende bis zur Unabhängigkeit 1989 war das Land Sowjetrepublik. Lettlands Hauptstadt Riga wurde 1201 als deutsche Stadt gegründet und 1282 Mitglied der Hanse. Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren über 40 Prozent der Einwohner Deutsche. 1919 wurde Riga mit deutscher Hilfe von den Bolschewisten befreit.

 

• Liechtenstein

Das Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz, unterhalb der Rheinquellen, ist mit 159 qkm der kleinste Staat des deutschen Kulturraumes. Die rund 20 000 Eingesessenen sind alemannischen Stammes. Deutsch ist Amtssprache. Die meisten dort lebenden anderen Staatsbürger sind Deutsche aus der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik. Das Gebiet Liechtensteins war von Beginn an Teil des ersten Deutschen Reiches. 1719 wurde es reichsunmittelbares Fürstentum. Das Herrschergeschlecht Liechtenstein, 1140 erstmals urkundlich erwähnt, hat bedeutende deutsche Künstler, Politiker und Feldherren hervorgebracht. Bis 1866 gehörte Liechtenstein zum Deutschen Bund, wurde dann selbständig. Bis 1919 bestand eine Zollunion mit Österreich, seit 1924 gibt es eine Union mit der Schweiz, durch die das Fürstentum außenpolitisch vertreten wird. Fürst Franz Joseph II., Vater des jetzigen Monarchen Hans Adam, regierte bis 1939 von Wien und verlegte die Residenz dann nach Vaduz, dem Hauptort Liechtensteins. Der umfangreiche liechtensteinische Besitz in Böhmen, Mähren und Schlesien wird seit 1945 von Prag rechtswidrig fremdverwaltet.

 

• Liegnitz

Die seit 1945 polnisch besetzte niederschlesische Stadt erhielt 1250 Magdeburger Recht. Auf der Wahlstatt bei Liegnitz tobte am 9. April 1241 die Schlacht gegen die Mongolen, die ganz Mitteleuropa zu verheeren drohten. Ein 10 000-Mann-Heer aus schlesischen und polnischen Rittern, Männern des Deutschen Ordens, Bauern und deutschen Bürgerwehren unter Führung Herzog Heinrichs II., des "schlesischen Leonidas", warf sich den rund 35 000 Mongolen unter Baidur, dem Feldherrn Batus, des Enkels von Dschingis-Khan, entgegen. Statt zu helfen, kämpften Kaiser und Papst andernorts gegeneinander. Die mongolische Übermacht siegte auf der Wahlstatt, auch Herzog Heinrich fiel. Doch hatten die Eindringlinge aus Asien schwere Verluste. Bei der Nachricht vom Tode des Großkhans im Inneren ihres Reiches zogen sie ab; die Mongolengefahr war gebannt. Ins verwüstete Schlesien kamen deutsche Siedler, die das Land wieder aufbauten.

 

• Lili Marleen

Ab 18. August 1941 strahlte der deutsche Soldatensender Belgrad jeden Abend um 21.57 Uhr diesen zum Mythos gewordenen Jahrhundertschlager in der Interpretation von LaIe Andersen aus. Er begeisterte auch die alliierten Soldaten und wurde in 30 Sprachen rund um die ganze Erde verbreitet. Das Gedicht über die Empfindungen des Soldaten und seiner Braut ersann 1915 der damals 22jährige Hans Leip (gestorben 1983). Aus der Feder dieses Sohnes eines Hamburger Hafenarbeiters stammen auch historische Romane wie "Godekes Knecht" (1925), "Jan Himp" (1934) und "Störtebeker" (1957). Vertont wurde Leips Text 1938 vom 27jährigen Norbert Schultze, dem auch nach 1945 erfolgreichen Komponisten von Opern, Filmmusiken und Soldatenliedern ("Panzer rollen in Afrika vor"). Von extremen Umerziehern als "Nazitonsetzer" attackiert, entgegnete der Schöpfer der unsterblichen Lili-Marleen- Weise: "Haben nicht andere Komponisten dasselbe für ihr Vaterland getan?"

 

• Limes

Nach vergeblichen Versuchen, ganz Germanien zu unterwerfen, verschanzte sich das Römische Reich ab 90 n. Chr. hinter einem um das Jahr 160 vollendeten, 548 Kilometer langen Wall, der vom Rhein bis zur Donau reichte. Dieser Limes, ein gigantisches Denkmal des unbändigen germanischen Freiheitswillens, war mit über eintausend zunächst hölzernen, dann steinernen Türmen bewehrt. Kaiser Caracalla ließ am 166 Kilometer langen Abschnitt des Rätischen Limes den Holzwall durch eine bis zu drei Meter hohe und mehr als einen Meter starke Steinmauer ersetzen, die im germanisch-deutschen Volksmund "Teufelsmauer" genannt wurde. 260 n. Chr. zerbrach der Limes unter den Schlägen der germanischen Alemannen. Der in jener Zeit noch errichtete Iller-Limes hielt bis Ende des 4. Jahrhunderts. Auf Geheiß Kaiser Wilhelms II. wurde ein steinernes römisches Limes-Kastell bei Homburg v. d. H., die sogenannte Saalburg, rekonstruiert.

 

• Litauendeutsche

Im Mittelalter ließen sich zahlreiche deutsche Kaufleute in Litauen nieder. Wilna (litauisch: Vilnius), die Hauptstadt, gehörte im 14. Jahrhundert für kurze Zeit zum Deutschordensland und hatte deutsches Stadtrecht. Kauen (litauisch: Kaunas), die zweitgrößte Stadt, erhielt 1408 Magdeburger Recht. Eine starke deutsche Bürgerschaft gab es auch in Tauroggen, das von 1691 bis 1793 preußisch war. Ab Ende des 18. Jahrhunderts zogen deutsche Bauern, Arbeiter und Handwerker nach Litauen. Die mit deutscher Hilfe am 11. Dezember 1917 von Rußland unabhängig gewordene litauische Republik nutzte 1923 die Schwäche des Deutschen Reiches, um das Memelland an sich zu reißen. Das Unrecht konnte im März 1939 revidiert werden, doch wurde das Memelland 1945 erneut den Deutschen entrissen. Bei den großen Umsiedlungsaktionen kamen 1941 rund 50 000 Litauendeutsche ins Reich. Nach 1945 organisierten sie sich in einer eigenen Landsmannschaft.

 

• Livland

Ursprünglich war mit Livland alles Deutschordensland nördlich von Litauen gemeint. Später verengte sich der Begriff auf die Ostseelandschaft, die nach dem Ersten Weltkrieg, der Sprachgrenze gemäß, zwischen Lettland und Estland geteilt wurde. Die Liven, südlichster Zweig der Ostseefinnen, waren Ende des 12. Jahrhunderts vom Ritterorden bezwungen und christianisiert worden. Seitdem gehörte Livland zum Deutschen Reich. Der aus Westfalen stammende Wolter von Plettenberg war der bedeutendste livländische Deutschordensmeister. Er errang mit seinen Truppen 1502 am Smolinasee den Entscheidungssieg über die zur Ostsee drängenden Russen. Ab 1526 hatte er den Rang eines Reichsfürsten. 1561 fiel Livland, dem geschwächten Reich entglitten, an Polen, 1629 an Schweden, 1710 an Rußland. Die dortigen Deutschen kamen nach 1939 bei den großen Umsiedlungsaktionen ins Reich.

 

• Lombardei

Die Landschaft mit den Zentren Mailand und Brescia ist nach den germanischen Langobarden benannt. Sie hatten im 6. Jahrhundert in Italien ein Reich mit Schwerpunkt im Norden errichtet. Künstlerisch hochbegabt, trugen sie entscheidend zur Romanik bei. Bedeutende Italiener hatten langobardische Namen, z. B. Dante Alighieri (Aliger) Garibaldi (Garibald). Die Langobarden wurden 774 von Karl dem Großen bezwungen. Er setzte sich ihre Eiserne Krone auf, die fortan von den meisten deutschen Kaisern getragen wurde. Otto der Große vereinigte die Lombardei 951 für ein halbes Jahrtausend mit dem Deutschen Reich. Im 16.Jahrhundert errang Spanien die Vorherrschaft in der Lombardei, deren Städte im Mittelalter erblüht waren. Ab 1714 gehörte sie zum Reich der deutschen Habsburger. 1859 trat Franz Joseph die Lombardei an Napoleon III. ab; dieser tauschte sie in der Folge mit Ober-Savoyen und Nizza. Zu Beginn der 1990er Jahre wuchs die Lombardische Liga zur stärksten politischen Kraft. Sie will Selbstverwaltung des Landes und Rückbesinnung auf die lombardische Eigenart.

 

• Löns-Grab

Hermann Löns wurde 1866 in Culm bei Bromberg geboren, er fiel 1914 bei Reims. Aus dem Stoff uralter Volksüberlieferungen formte er Erzählungen und Romane, die in Westpreußen, vor allem aber in der Wahlheimat des Dichters, Niedersachsen, spielen ("Das zweite Gesicht", "Der W ehrwolf", "Rote Beeke"). Seine Heimat- und Vaterlandsgedichte wurden zu Volksliedern ("Auf der Lüneburger Heide", "Wenn wir fahren gegen Engeland"). Er war ein Wegbereiter der Heimatkunst und des Naturschutzes sowie Herold eines starken Deutschen Reiches. Ihm zu Ehren wurde 1929 im Wacholderhain bei Tietlingen in der Lüneburger Heide ein Denkmal gesetzt. Am 2. August 1935 wurden seine Gebeine in einen Steinsarg umgebettet und - als wäre es ein Hünengrab - unter einem mächtigen Findling am Wegesrand im Wald bei Tietlingen beigesetzt.

 

• Loreley

Am rechten Rheinufer, oberhalb von Sankt Goarshausen, ragt ein Schieferfelsen, genannt Loreley, fast senkrecht 132 Meter hinauf. Er verengt den Strom in einem der Schiffahrt einst gefährlichem Maße. Der Fels rührt seit uralten Zeiten die Seele der Deutschen an. Unter dem Eindruck einer Rheinreise schrieb Brentano 1801 seine Ballade von der Lore Lay, eines betörend schönen Mädchens, das Ritter ins Verderben stürzt und, um dem Fluche zu entrinnen, vom Fels in den Tod springt. Eichendorff und Loeben entwickelten das Thema weiter. Heine reimte 1824 seine Version, die in Silchers Vertonung berühmt wurde. Hier ist die Loreley eine Nixe, die Schiffer in den Tod lockt. In Brentanos "Rheinmärchen" ist die Loreley eine Fee von ewiger Jugend und Herrin von Schloß Rheinfelsen. 1860 wurde Geibels Drama über die Loreley veröffentlicht. Die Bildhauerin russischer Herkunft N. A. Prinzessin Jusopov stiftete der Stadt Sankt Goarshausen eine von ihr geschaffene Skulptur des Loreley-Mädchens, die 1983 an der Hafenmole aufgestellt wurde. Die Künstlerin hatte sich bei einer Rheinreise vom Sagenstoff fesseln lassen.

 

• Lorsch

Heute eine kleine südhessische Gemeinde, war Lorsch im Mittelalter ein geistliches und politisches Zentrum des Reiches. Die von Karl dem Großen zum Reichskloster erhobene Benediktinerabtei diente auch als Kaiserpfalz. Lorsch hatte ausgedehnte Besitztümer von Basel bis zur Nordsee. Im Kloster mit dem imposanten Dom wurde die fränkische Reichsgeschichte aufgeschrieben und fanden Karolingerkaiser wie Ludwig der Deutsche letzte Ruhestatt. Der vom Mythos umgebene Siegfriedsarg in Lorsch stammt wohl aus dem 5. Jahrhundert. Lorsch galt als Stütze des deutschen Königtums, sein Abt zählte zu den Mächtigen des Reiches. Mit dem Reichszerfall schwand auch seine Bedeutung. 1461 wurde das Kloster an den pfälzischen Kurfürsten verpfändet, im Dreißigjährigen Krieg von Spaniern zerstört und geplündert. Die zweigeschossige Tor- oder Königshalle aus dem 8. Jahrhundert zeugt von der einstigen Herrlichkeit. Sie ist eines der ältesten erhalten gebliebenen Gebäude Deutschlands. Ab 1934 fanden dort umfangreiche Restaurierungen statt.

 

• Lothringen

Ursprünglich reichte es vom Mittelmeer bis zur Nordsee und war das bei der fränkischen Reichsteilung Lothar zugefallene Gebiet (Lotharingien). 880 kam es zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Lothringen war eines der fünf deutschen Stammesherzogtümer. Aus Niederlothringen wurden die Niederlande (heute die Königreiche Belgien und der Niederlande). Der Begriff verengte sich auf Oberlothringen mit dem Zentrum Metz, das bis 1766 zum Deutschen Reich gehörte und dann an Frankreich fiel. Es behielt aber bis 1801 Sitz und Stimme im Deutschen Reichstag. Die alemannisch-fränkische Bevölkerung im Osten wurde weitgehend französisiert. Der westliche Teil Lothringens mit Metz und überwiegend deutscher Bevölkerung kam 1871 ans neue Deutsche Reich (Reichsland Elsaß-Lothringen), wurde durch Versailles erneut französisch, stand 1940 bis 1944 unter deutscher Verwaltung und ist seitdem wieder Teil des französischen Staates. Die Entdeutschung wurde ab Kriegsende zunächst brutal, dann mit administrativen Maßnahmen vorangetrieben. Bonn unternahm keine Anstrengungen dagegen.

 

• Lützower Jäger

Die deutschen Freikorpskämpfer der Befreiungskriege wurden nach ihrem Führer, dem preußischen Reiteroffizier Adolf Freiherr von Lützow (1782-1834), benannt. Er war einer der tapfersten Männer deutscher Geschichte und hatte schon 1809 an Schills wagemutigen Einsätzen teilgenommen. Im Februar 1813 bildete Lützow in Breslau sein Freikorps mit der Eigenbezeichnung "Schaar der Rache" (Schwarze Schar). Vorwiegend Studenten schlossen sich an. In den Reihen der Lützower, die zeitweise 3500 Mann stark waren, kämpften Persönlichkeiten wie Körner, Jahn, Friesen, Eichendorff. Am 17. Juni 1813 wurde die Schwarze Schar von Napoleons Übermacht bei Kitzen weitgehend aufgerieben. Nach Auflösung des Korps (1815) kam der Stamm zum Infanterieregiment Nr. 25 und zum 6. Ulanenregiment. Die Lützower Jäger wurden zum Symbol deutschen Freiheitskampfes gegen die Fremdherrschaft. Theodor Körner, knapp 22jährig am 26. August 1813 als Lützower Jäger bei Gadebusch gefallen, verfaßte das im folgenden Jahrvon C. M. von Weber vertonte Gedicht über "Lützows wilde, verwegene Jagd". Die Farben der Uniform der Lützower Jäger gilt als Vorbild des schwarzrotgoldenen Banners.

 

• Luftkrieg

Britische Planungen zum völkerrechtswidrigen Luftangriff auf feindliches Hinterland gab es bereits 1918. Mitte der 30er Jahre waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Den Auftakt bildete der von Churchill im Mai 1940 befohlene RAF-Angriff auf das Ruhrgebiet. Erst vier Monate später kam es - nach zahlreichen weiteren britischen Luftattacken auf Städte im Reich - zum deutschen Gegenschlag. Ab Februar 1942 verwirklichte RAF-Luftmarschall Harris das Konzept von ChurchilI-Berater Lindemann eines totalen Luftkriegs gegen die Zivilbevölkerung. Der im Juli 1943 in Hamburg erstmals entfachte Thermo-Holocaust ("Feuersturm") brachte eine grausame Eskalation bis hin zum Vernichtungsschlag gegen Dresden im Februar 1945. Bei der Casablanca-Konferenz 1943 hatten Roosevelt und ChurchilI "Arbeitsteilung" im Luftkrieg verabredet (Amerikaner am Tage, Briten bei Nacht). Auch Städte wie Prag, Paris, Budapest, Rom wurden in Mitleidenschaft gezogen. Mindestens 600 000, vermutlich sogar über eine Million Deutsche kamen im Luftkrieg um, die Wohnungen von acht Millionen Deutschen wurden zertrümmert. Deutsche Flak und Jäger leisteten tapfer verzweifelten Widerstand. Die US-Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki bildeten den Schlußakkord des Luftkriegs 1940-1945.

 

• Luftwaffen-Ehrenmal

Kriegsheimkehrer der deutschen Luftwaffe faßten in den 50er Jahren den Entschluß, ein Ehrenmal für die gefallenen Kameraden zu errichten, welches auch den Opfern der Luftfahrt im allgemeinen gewidmet sein sollte. Generalfeldmarschall a. D. Kesselring (gest. 1960) konnte als Leitfigur des Vorhabens gewonnen werden. Spendensammlungen erbrachten die nötigen Mittel. 1961 wurde der Grundstein beim Fliegerhorst Fürstenfeldbruck der Bundesluftwaffe gelegt. In der Grundsteinurkunde hieß es: "Möge das Ehrenmal eine Andachtsstätte des ganzen deutschen Volkes werden." 1963 wurde der Gedenkstein, ein Werk des Bildhauers Ernst Zinsser, mit dem eingelassenen Eisernen Kreuz errichtet, 1966 das Ehrenmal ins Eigentum der Luftwaffe übergeben, 1977 der Leitspruch "Ihr seid unvergessen" und 1979 ein schwerer Eiserner Lorbeerkranz angebracht. Am Denkmal finden zweimal im Jahr Gedenkfeiern statt.

 

• Luise-Mausoleum

Die mecklenburgische Herzogstochter Luise vermählte sich 1793 mit dem preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. Zehn Kinder gingen aus der Ehe hervor, unter ihnen Preußens König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I. Die anmutige Königin Luise, die sich durch persönliche Bescheidenheit und Volksnähe auszeichnete, wurde verehrt wie kaum eine andere deutsche Majestät. Sie stand den preußischen Reformen nahe und befürwortete das Bündnis mit Rußland. 1806 mußte sie mit den Kindern vor Napoleon nach Ostpreußen flüchten. 1807 trug sie in Tilsit mit Würde dem Korsen die preußische Sache vor. Als sie 1810, im 34. Lebensjahre, starb, war die Anteilnahme des Volkes überwältigend. Am 23. Dezember 1810 wurde sie im Mausoleum des Charlottenburger Schloßparks bestattet, welches ihr Gemahl für sie hatte errichten lassen. Das Bauwerk aus preußischem Sandstein ist eine Schöpfung von Karl Friedrich Schinkel. Die marmornen Hochgräber Luises und ihres später an ihrer Seite bestatteten Gemahls schuf Christian Daniel Rauch. Im Mausoleum fanden 1899 auch ihr Sohn, Kaiser Wilhelm I., und dessen Gemahlin Augusta letzte Ruhe.

 

• Luther-Bibel

Martin Luther übertrug 1521/22 als "Junker Jörg" auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche. Später übersetzte er auch das AT. Es war die Absicht des Reformators, das von Herrschenden und Gelehrten gering geachtete Deutsch ebenbürtig neben die als heilig geltenden Sprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch zu stellen. Er schrieb: "Man muß nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muß die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den Mann auf dem Markt darum fragen und demselben aufs Maul schauen." So ist denn auch "Muttersprache" ein erstmals bei Luther (1523) nachweisbares Wort. Die erste vollständige Bibelübersetzung des Reformators erschien gedruckt 1534 in Wittenberg. Ihre Verbreitung wirkte bahnbrechend für die deutsche Hochsprache, die Luther wesentlich geprägt hat. Goethe meinte, dieser Leistung eingedenk: "Das deutsche Volk ist eine Nation erst durch Luther geworden."

 

• Luxemburg

Das Großherzogturn (2586 qkm) trug bis ins 19. Jahrhundert seinen alten deutschen Namen Lützelburg. Die Eingesessenen der rund 350 000 Einwohner sind deutschen Volkstums, meist aus fränkischem Stamm. Die Geschichte des Landes, das von Beginn an zum Deutschen Reich gehörte, erreichte einen Höhepunkt, als sein Grafengeschlecht 1308 mit Heinrich VII. die deutsche Königskrone erwarb und 1312 zum Kaisertum aufstieg. Die bedeutendste Majestät des Geschlechts war Kaiser Karl IV. Im 15. Jahrhundert dann wurde Lützelburg habsburgisch, und es war besonders seit dem 17. Jahrhundert französischem Annexionsbegehren ausgesetzt. Ab 1815 gehörte Luxemburg, jetzt als Großherzogtum, dem Deutschen Bund an, 1843 trat es dem Deutschen Zollverein bei (bis 1919), 1866 wurde es selbständig. Vom 30. August 1942 bis 1945 war Luxemburg Teil des Großdeutschen Reiches. Seither wurden die Bemühungen um Absonderung vom deutschen Kulturraum verstärkt. Französisch ist Amtssprache. Mit Großherzog Adolf kam 1890 das deutsche Geschlecht Nassau (Walramische Linie) auf den Thron, das bis heute (konstitutionell-parlamentarische Monarchie) regiert.

 

• Luxemburger, Herrschergeschlecht

Das Geschlecht der Luxemburger (eigentlich: Lützelburger, nach der Stammburg) wurde nach 963 von Graf Siegfried I. begründet. Bedeutende Vertreter des alten Hauses waren die Kaiserin Kunigunde (gest. 1033) und Gegenkönig Hermann, Graf von Salm. Der jüngeren Linie gelang mit der Kur Heinrichs VII. im Jahre 1308 der Aufstieg zum deutschen König- und Kaisertum. 1310 erwarben die Lützelburger auch die böhmische Königskrone. Bedeutendster Vertreter des Geschlechts war Kaiser Karl IV. (zum deutschen König gewählt im Jahre 1346), die herausragende Herrschergestalt des Reiches im späten Mittelalter. Mit König und Kaiser Sigmund starb das Geschlecht 1437 im Mannesstamme aus.

 

• Lutherdenkmal in Worms

Vom 16. bis 26. April 1521 weilte Luther anläßlich des Reichstages in Worms. Mannhaft stand er vor den Großen des Reiches zu seiner Lehre. Zu Ehren des Reformators wurde in Worms ein Denkmal, ein Werk des Dresdner Bildhauers Ernst Rietschel, der das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar geschaffen hatte, errichtet. Nach dem Tode des Meisters, 1861, vollendeten seine Schüler Adolf von Donndorf, Gustav Kietz und Johannes Schilling das Werk nach Rietschels Plänen. Es wurde 1868 fertiggestellt. Beherrschende Figur der Gesamtanlage ist Luther mit dem berühmten Spruch am Sockel: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen." Außerdem sind andere Reformatoren, Fürsten und Geistesgrößen dargestellt. Drei Frauengestalten sollen die protestantischen Symbolstädte Speyer, Augsburg und Magdeburg versinnbildlichen. Reliefplatten mit Szenen aus Luthers Leben und Mauerzinnen, die des Reformators berühmtestes Lied "Ein' feste Burg ist unser Gott" sinnfällig machen sollen, ergänzen das monumentale Kunstwerk.

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