K-L
Kahlenberg
Der Berg gehört zu
dem bei Wien bis an die Donau reichenden Ausläufer
der Ostalpen. Auf ihm erhob sich einst eine um 1100
erbaute Markgrafenburg. Nach der ersten
Türkenbelagerung Wiens, 1529, die unter Führung
des rheinischen Grafen Niklas zu Salm bestanden worden
war, tauchten die Osmanen 1683 erneut vor der deutschen
Kaiserstadt auf. Am 14. Juli begann die Belagerung. Ernst
Rüdiger Graf Starhemberg verteidigte Wien mit 10 000
Soldaten und 5000 Mann Bürgerwehr gegen den Ansturm
von 200 000 Türken unter Kara Mustapha. Nach fast
zwei Monaten erst nahte das aus 60 000 Soldaten aller
deutschen Stämme zusammengesetzte und durch rund 15
000 Polen (statt der vom Polenkönig Sobieski - gegen
200 000 Taler - zugesagten 40 000 Mann) verstärkte
Entsatzheer. Die am 12. September 1683 am Kahlenberg
ausgefochtene Schlacht befreite Wien von der
Türkengefahr und bahnte Österreich als
europäischer Großmacht den Weg. Das Abendland
feierte den Sieg über das Weltreich der muslimischen
Osmanen als Segen für Kultur und Christenheit. Der
polnische Beitrag zum Sieg am Kahlenberg wurde von
polonophiler Geschichtsschreibung
aufgebauscht.
Kaiser
Das 476 erloschene
(west)römische Kaisertum wurde zu Weihnachten des
Jahres 800 durch die Krönung Karls des Großen
auf den Frankenkönig übertragen (translatio
imperii). Otto der Große - in der Rechtsnachfolge
des Fränkischen Reiches - erneuerte das Kaisertum
962 (renovatio imperii). Stets wurde Kaiser nur, wer
deutscher König war. Ab 1508 trug der deutsche
König gleich mit seiner Wahl den Kaisertitel. Nach
altem Verständnis stand dem Kaiser die Hoheit
über alle Herrscher des Abendlandes zu; die anderen
Monarchen waren "reguli" ("kleine Könige", so
Reichskanzler Rainald von Dassel). Seine Blüte
erlebte das römisch-deutsche Kaisertum unter
Ottonen, Saliern und Staufern, also zur hohen Zeit des
Reiches im Mittelalter. Rund vier Jahrhunderte lang
trugen Habsburger die Kaiserkrone. 1806 legte Franz II.
sie als letzter Kaiser des Heiligen Reiches nieder; zwei
Jahre zuvor hatte er den Titel eines Kaisers von
Österreich angenommen. Wilhelm I. von Preußen
wurde 1871 zum Deutschen Kaiser proklamiert. Das
französische Kaisertum der beiden Napoleon war
kurzlebig. Der nominellen Erhöhung des Kolonialismus
dienten die Bezeichnungen "Kaiser von Indien" des
britischen und "Kaiser von Äthiopien" des
italienischen Königs. Den deutschen Majestäten
in den Kaiserwürden gleichgeachtet wurden der
russische Zar und der Kaiser von Japan.
Kaiserdeputation
Nach Untergang des
ersten Reiches, 1806, blieb die Erneuerung des Kaisertums
eine Ursehnsucht im deutschen Volk. Am 27. März 1849
wählte die Frankfurter Nationalversammlung mit 290
Stimmen bei 248 Enthaltungen den preußischen
König Friedrich Wilhelm IV. zum Deutschen Kaiser als
Oberhaupt eines (vorläufig) kleindeutschen Reiches.
Die Kaiserdeputation, 32 Parlamentarier unter
Führung des Paulskirchenpräsidenten Eduard von
Simson, trug dem König am 3. April im Berliner
Schloß die Krone an. Nach Bedenkzeit lehnte er ab.
Er sah das Kaisertum ohne Wunsch und Willen der deutschen
Fürsten als nicht fundiert. Auch wolle er, der
König von Preußen, nur als Reichsfeldherr
eines Kaisers dienen, der traditionsgemäß
Habsburger sein möge. Am 18. Dezember 1870 leitete
von Simson, jetzt als Reichstagspräsident, erneut
die Kaiserdeputation. Sie ersuchte im Versailler
Schloß Wilhelm I. von Preußen, die ihm von
den deutschen Fürsten offerierte Kaiserkrone
anzunehmen. Am 18. Januar 1871 wurde der Deutsche Kaiser
proklamiert, der, um mit Uhland zu sprechen, durch die
Deputation der deutschen Volksvertretung mit einem vollen
Tropfen demokratischen Öls gesalbt war.
Kaiserhymne
Joseph Haydn, einer der
bedeutendsten deutschen und abendländischen
Tonschöpfer, komponierte eine Hymne zu Ehren Franz
II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nation. Es war Haydns Wunsch, daß das Werk dem
Zusammenhalt des Deutschen Reiches dienen möge. Die
Kaiserhymne mit den Worten des Volksdichters Lorenz
Leopold Haschka ("Gott erhalte Franz den Kaiser") erklang
in Wien zum Geburtstag der Majestät, am 12. Februar
1797, erstmals öffentlich. Aus einem
zeitgenössischen Bericht: "Die Begeisterung schwoll
über alle Dämme." Bald darauf verwendete Haydn
das musikalische Thema auch in einem Werk für
Streicher ("Kaiserquartett"), Bis 1918 war Gott erhalte
..," die Hymne Österreichs. 1841 dichtete Hoffmann
von Fallersleben auf Helgoland das Lied der Deutschen,
"Deutschland, Deutschland über alles". Es wurde mit
der Melodie von Haydns Kaiserhymne deutsche
Nationalhymne.
Kaiserkrone
Die mit erlesensten
Edelsteinen und Perlen geschmückte Krone des
Heiligen Reiches, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst,
wurde zur Kaiserkrönung Ottos des Großen im
Jahre 962 geschaffen. Auf den Platten des
Kronenkörpers sind biblische Szenen dargestellt;
über dem Emaillebild des thronenden Heilandes
befindet sich auf lateinisch die Inschrift: Durch mich
herrschen die Könige. Im 11. Jahrhundert wurde das
Kreuz an der Stirnseite hinzugefügt und der
erneuerte Bügel mit einer Kaiser Konrad II.
gewidmeten Perlenschrift versehen. Unter dem Kreuze
befand sich der seit einem halben Jahrtausend als
verschollen geltende viel gerühmte Einzige Stein,
auch "der Waise" genannt: ein wunderbarer Edelstein. Mit
den anderen Kleinodien des ersten Deutschen Reiches wird
die Kaiserkrone in der Schatzkammer der Wiener Hofburg
verwahrt. Nach dem Vorbild der Kaiserkrone wurden 1602
die österreichische (rudolfinische) Hauskrone, 1724
die russische Zarenkrone und 1871 die Krone des neuen
Deutschen Reiches geschaffen, die es lediglich als
Vorlage und in heraldischer Darstellung gab. Über
acht Jahrhunderte war die corona aurea imperialis das
erhabenste Herrscherzeichen im Abendland.
Kaiserpfalzen
"Pfalz" ist vom
lateinischen "palatium" (Palast) abgeleitet. Bei den
Pfalzen handelte es sich seit Karl dem Großen um
über das Reich verstreute Kaiserresidenzen. Sie
dienten auch der höchsten Rechtspflege, dem
Königsgericht. Aus Pfalzorten wurden die
ältesten dem König unmittelbar unterstehenden
Reichsstädte. Zu den bekanntesten Pfalzen
zählen Goslar und Gelnhausen. Die Kaiserpfalz von
Goslar, Lieblingsresidenz Heinrichs III., wurde um 1050
angelegt. Sie war mit einer Ausdehnung von beinahe 50
Metern der größte Reichspalast. Die letzte
Kaisertagung fand dort 1252/53 statt. Danach verfielen
die Gebäude. Die Pfalz wurde von 1873 bis 1879 in
ihrer heutigen Gestalt erbaut. 1961 wurde sie zur
Bundesweihstätte des Deutschen Heimkehrerverbandes
erklärt. Der Palast von Gelnhausen wurde um 1182 auf
Geheiß Friedrich Barbarossas als Wasserburg auf
Eichenpfählen errichtet. Dort fanden zwei Reichstage
statt. Mit ihrer imposanten Hofwand ist die Kaiserpfalz
von Gelnhausen die am besten erhaltene
Residenz.
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Charlottenburg
gehörte noch nicht zu Berlin, als ab 1891 auf dem
Auguste-Viktoria-Platz eine Kirche zum Gedächtnis an
Kaiser Wilhelm I. erbaut wurde. Mit spätromanischen
Formen wollte Baumeister Franz Schwechten an Dome der
großen Zeit des ersten Deutschen Reiches erinnern.
Die Einweihung der Kirche fand am 2. September 1895, dem
25. Jahrestag des Sieges von Sedan, statt. Durch Bomben
und Artilleriebeschuß wurde das Bauwerk im Zweiten
Weltkrieg erheblich beschädigt. Die Turmruine blieb
als Mahnmal erhalten. Die reich mit Mosaiken
ausgestattete Gedenkhalle im alten Turm ist seit 1987
wieder geöffnet. Der neue Turm (für den der
Urenkel Wilhelms I., Prinz Louis Ferdinand, ein
Glockenspiel komponierte) und das neue Schiff sind ein
Werk des Architekten Egon Eiermann und wurden 1961
eingeweiht. Der Platz vor der Kirche ist jetzt nach dem
Führer der Sozialdemokraten im Reichstag, Rudolf
Breitscheid, benannt. Er war 1944 Opfer eines alliierten
Luftangriffs auf das KZ Buchenwald geworden.
Kaiser-Wilhelms-Land
180 000 qkm
großes Gebiet im Nordosten Neuguineas, der
zweitgrößten Insel der Erde. Mit zahlreichen
kleinen Eilanden der Südsee bildete es die friedlich
erworbene Überseebesitzung Deutsch-Neuguinea. Dort
hatten sich zu Beginn der 1870er Jahre deutsche Kaufleute
- des Handels mit Kopra und Kautschuk wegen -
niedergelassen. Das Gebiet wurde 1884 von der deutschen
Neuguinea-Compagnie erworben und 1899 in direkte
Reichsverwaltung genommen. Hauptort war
Friedrich-Wilhelms-Hafen. Die Erforschung Neuguineas war
in jener Zeit das Werk deutscher Wissenschaftler. Da das
Reich keine Truppen in der Kolonie unterhielt, hatte ein
militärisches Überfallkommando Englands,
Australiens und Japans zu Beginn des Ersten Weltkrieges
leichtes Spiel, Deutsch-Neuguinea zu "erobern". Die drei
Mächte teilten sich das deutsche Überseegebiet
mit dem Segen des Völkerbundes auf. Das
Kaiser-Wilhelm II.-Land ist ein Teil der Ostantarktis,
das 1901 von der deutschen Südpolar-Expedition unter
von Drygalski erforscht und benannt wurde.
Kamerun
Ab 1868 engagierten
sich deutsche Kaufleute an der afrikanischen
Westküste. Als kaiserlicher Abgesandter
erklärte Gustav Nachtigal, nachdem er das Gebiet
erforscht hatte, Kamerun am 14. Juli 1884 zum deutschen
Schutzgebiet. Damit kam er den Briten um nur wenige Tage
zuvor. Durch Verträge wurde die Kolonie 1911 auf 800
000 qkm erweitert (2,65 Mio. schwarze, 2000 weiße
Einwohner). Auch in Kamerun überstiegen die
Investitionen des Deutschen Reiches bei weitem den
wirtschaftlichen Nutzen der Kolonie. Das von einer
kleinen Schutztruppe verteidigte Land wurde im Ersten
Weltkrieg von einer vielfach überlegenen
englisch-französischen Streitmacht "erobert". Paris
und London teilten sich die Beute auf. 1933 richteten die
Häuptlinge Kameruns, die sich gegen die neuen
Kolonialherren empörten, das Gesuch an den
Völkerbund und an die Deutsche Kolonialgesellschaft
in Berlin, die Deutschen mögen
zurückkommen.
Kanaltal
Das
deutsch-österreichische Kärnten mußte
1919 wegen des Diktats von Saint-Germain 777 qkm mit 25
000 Einwohnern abtreten: Das Mießtal und das
Kankertal an Jugoslawien (Südslawien) und das fast
rein deutschsprachige Gebiet des Kanaltals mit dem
Hauptort Tarvis südwestlich von Villach gegen den
Willen seiner Bevölkerung ohne Volksabstimmung an
Italien. Die Deutschen dort waren wie ihre
Südtiroler Leidensgefährten einer brutalen
Italianisierung ausgesetzt. Aufgrund des Abkommens
zwischen Hitler und Mussolini siedelten die meisten 1939
ins nördliche Kärnten und in die Steiermark um.
Die Deutschen im Kanaltal, sie leben hauptsächlich
in den Ortschaften Tarvis, Saifnitz, Malborgheth,
Leopoldskirchen, St. Kathrein und Pontafel, haben bis
heute ihre Volkstumsrechte nicht erhalten. Deutsch wird
nur in der Mittelschule als Fremdsprache gelehrt. Um die
Pflege des Deutschtums bemüht sich der Ende der 80er
Jahre gegründete Kanaltaler Kulturverein.
Kant-Denkmale
Zu Ehren ihres
größten Sohnes, Immanuel Kant (1724-1804),
errichtete die ostpreußische Hauptstadt
Königsberg Denkmale. Die sterbliche Hülle des
wohl bedeutendsten Philosophen des Abendlandes seit
Hellas Zeiten ruht seit 1924, seinem 200. Geburtstag, in
einer von schlanken Porphyrsäulen umgebenen
Grabstätte an der Nordostseite des Königsberger
Domes, in welchem Kant beigesetzt worden war. Zwar wurde
das Grabmal 1945 von Rotarmisten geschändet, doch
beseitigte die Besatzungsmacht die Schäden und
pflegte es seither. 1862 war auf dem Königsberger
Paradeplatz das von Christian Daniel Rauch geschaffene
fast drei Meter hohe Kant-Standbild eingeweiht worden.
Der Bildhauer hatte den Philosophen auch auf seinem
Denkmal für Friedrich den Großen Unter den
Linden in Berlin verewigt. Das Königsberger
Kant-Denkmal gilt seit der Einnahme der Stadt durch die
Sowjets 1945 als verschollen. 1992 stellte der Berliner
Bildhauer Harald Haacke eine originalgetreue Nachbildung
für den alten Standort her. Das Denkmal wurde im
Juni 1992 in Königsberg wiedererrichtet.
Karlstein
Die unbestritten
schönste Burg in Böhmen, dem alten Kernland des
Heiligen Reiches, wurde auf Geheiß Kaiser Karls IV.
wenig mehr als zwanzig Kilometer südwestlich von
Prag auf einem Kalkfelsen über dem Fluß Beraun
errichtet. Prag war damals die Hauptstadt des Deutschen
Reiches. Die Grundsteinlegung der Burg Karlstein erfolgte
am 10. Juni 1348, die Stiftungsurkunde trägt die
Jahreszahl 1357. Der Karlstein war das Schatzhaus
für die Reichskleinodien. Ferner barg er die
Insignien Böhmens. Kaiser Karl huldigte mit dem
herrlichen Bauwerk auch dem Ideal der Gralsburg. Umbauten
des 15. und 16. Jahrhunderts verunstalteten die Veste.
Sie wurde von 1887 bis 1899, unter Kaiser Franz Joseph
I., in ursprünglicher Gestalt
wiederhergestellt.
Kärnten
Südlichstes
Bundesland Österreichs mit rund 9500 qkm Fläche
und 550 000 Einwohnern. Die Karawanken bilden die Grenze
zum südslawischen, der Kamm der Karnischen Alpen zum
italienischen Bereich. Benannt nach den keltischen
Karnern, war das Land einst Teil des Langobardenreiches,
kam im 8. Jahrhundert, bei beginnender deutscher
Besiedlung, unter bayerische, dann karolingische
Herrschaft und wurde im 10. Jahrhundert Herzogtum im
Deutschen Reich. Ab 1286 herrschten dort die Tiroler
Grafen, ab 1335 die Habsburger. Kärnten leistete
heldenhaften Widerstand gegen die Osmanen und - unter
Landsturmführer Baptist Türk - gegen Napoleon.
Zur k.u.k. Zeit war es selbständiges Kronland. Nach
1918 wollte Belgrad das südliche Kärnten als
"urslowenisch" annektieren. Dem warf sich der
Kärntner Heimatschutz unter Steinacher erfolgreich
entgegen. Am 10. Oktober 1920 entschieden sich trotz
südslawischer Besetzung und Gewalt 22 000 der 37000
(= 59 Prozent) Kärntner in der Abstimmungszone
für das deutsche Österreich; Kärnten blieb
deutsch, mußte aber - ohne Volksabstimmung - das
Mießtal und Seeland (Kankertal) an Jugoslawien
(Südslawien) und das Kanaltal an Italien ausliefern
(777 qkm mit 25 000 Einwohnern). Nach 1945 versuchte Tito
vergebens, Südkärnten an sich zu
reißen.
Weiterführend:
Blutige
Grenze im Süden
- 90 Jahre Kärntner Volksabstimmung - der
Volkstumskampf schwelt noch immer
Karolinen
Nach Karl I. von
Spanien (Kaiser Karl V.) benannte, im südlichen
Stillen Ozean gelegene größte Inselgruppe
Mikronesiens. Die Landfläche der über 500
Inseln beträgt 1340 Quadratkilometer. Ab 1860 waren
dort deutsche Kaufleute aktiv. 1898 kaufte das Deutsche
Reich die Karolinen für 16,6 Millionen Mark den
Spaniern ab. Die Inseln wurden Teil des deutschen
Überseegebietes Deutsch-Neuguinea. Kokosnüsse
und Fische waren die Haupthandelsgüter. 1907 hatten
sie 40 000 eingeborene und 140 weiße Einwohner. Da
das Deutsche Reich auf den Inseln keine Streitkräfte
stationiert hatte, konnten die Karolinen 1914 von Japan
widerstandslos besetzt werden. Im Versailler Diktat
erhielt Tokio die deutsche Kolonie als sogenanntes
Völkerbundmandat. 1947 übernahmen die USA
"treuhänderisch für die UNO" die Karolinen, um
die Südflanke ihres pazifischen Imperiums zu
sichern.
Karolinger
Das fränkische
Adels- und Herrschergeschlecht stammt aus dem Raum
Mosel-Maas. Es ist nach dem bedeutendsten Sproß,
Karl dem Großen, oder nach dessen Großvater,
Karl Martell, benannt. Die Karolinger gingen aus einer
Verbindung zwischen den führenden Familien der
fränkischen Aristokratie, den Arnulfingern und
Pippiniden, hervor. 751 setzten sie sich gegen die
Merowinger durch und errangen mit Pippin III. das
Königtum im Fränkischen Reich. Karl der
Große begründete im Jahre 800 das neue
Kaisertum und schuf ein gewaltiges Reich, das seine
Nachkommen jedoch nicht behaupten konnten. Karolingische
Herrscher geboten über das Ostfränkische Reich,
aus dem sich das erste Deutsche Reich entwickelte. Die
Karolinger erloschen in der lothringischen Linie 869, in
der italienischen 875, in der ostfränkisch-deutschen
911 und in der westfränkisch-französischen
987.
Karpatendeutsche
Ursprünglich die
zusammenfassende Bezeichnung für die Deutschen in
den Karpatenländern. Dann verengte sich der Begriff
auf die Deutschen in der Slowakei. Ab dem 11. Jahrhundert
hatten Ungarnkönige deutsche Siedler in die Slowakei
gerufen. Sie leisteten, insbesondere nach den
Mongolenstürmen des 13. Jahrhunderts,
Wiederaufbauarbeit, gründeten Städte und
begründeten den Bergbau. Es bildeten sich
große deutsche Volkstumsinseln wie z. B. das
Hauerland mit (1919) rund 60 000 Einwohnern. Die
Karpatendeutschen organisierten sich zur CSR-Zeit in der
Karpatendeutschen Partei. 1939 wurde die Slowakei mit
deutscher Hilfe ein eigener Staat, der den Deutschen alle
Volkstumsrechte gewährte. 1945 wurden die
Karpatendeutschen ermordet oder zur Flucht gezwungen.
Überlebende fanden sich im Westen in einer eigenen
Landsmannschaft zusammen.
Kasachstan
Nach Ausbruch des
deutsch-sowjetischen Krieges 1941 verdammte Stalin die
Rußlanddeutschen kollektiv als Staatsfeinde. Sie
wurden. nach Sowjet-Asien deportiert, wobei
Hunderttausende ums Leben kamen. Hauptsächlich
schaffte man sie nach Kasachstan, wo man sie über
das riesige Gebiet dieser asiatischen Sowjetrepublik
verstreute. Einige Schwerpunkte entstanden, wie z. B. das
Gebiet um Zelinograd mit einem deutschen Anteil an der
Bevölkerung von 12,7 Prozent. Erst in den 60er
Jahren konnte sich in Kasachstan in Ansätzen
deutsches Leben regen. Deutscher Fleiß vollbrachte
sogar weit jenseits des Ural beachtliche
Aufbauleistungen. Ab den 70er Jahren machten Deutsche aus
Kasachstan mit Demonstrationen in Moskau auf ihr
Schicksal aufmerksam. Der sowjetjüdische Dissident
Sacharow setzte sich für sie ein. Ab Mitte der 80er
Jahre siedelten einige hunderttausend der auf über
eine Million geschätzten Deutschen von Kasachstan,
das 1990 unabhängig wurde, in die Bundesrepublik
aus.
Kaub
Rechtsrheinische Stadt
im Kreis Goarshausen (Rheinland-Pfalz). Auf einer nahen
Anhöhe ließ Ritter von Falkenstein um 1210
eine Burg errichten, die später Schloß
Gutenfels genannt wurde und seit 1805 Ruine ist. Bei Kaub
befindet sich inmitten des Rheines, auf einer
Felseninsel, der Pfalzgrafenstein, auch kurz "Pfalz"
genannt: eine von 12 Meter hohen Ringmauern umgebene
kurpfälzische Zollburg, deren Grundstein 1327 auf
Geheiß des Kaisers (und kurpfälzischen
Landesherrn) Ludwig des Bayern gelegt wurde. Es ist auch
ein Denkmal gegen fremde Anmaßung, da Rom sich
zugunsten der Erzbischöfe aggressiv in die
innerdeutschen Zollangelegenheiten eingemischt hatte. Der
Pfalzgrafenstein wurde nie erobert. In der Neujahrsnacht
1813/14 überschritten hier deutsche und russische
Truppen unter Führung von Marschall Blücher in
Eiseskälte auf kühn errichteten Brücken
den Rhein. Sie waren Napoleon auf den Fersen, den sie
bald darauf stellten.
Kehl
Das rechtsrheinisch,
gegenüber Straßburg, gelegene und von diesem
gegründete Kehl wurde 1289 erstmals urkundlich
erwähnt. Mehrfach war es Opfer französischer
Aggression. 1774 erhielt Kehl Stadtrecht. Von 1919 bis
1930 war es französisch besetzt (Kehler
Brückenkopf). 1945 zogen erneut französische
Besatzer in die Stadt ein. Der wegen der Kriegshandlungen
evakuierten deutschen Bevölkerung wurde die Heimkehr
verboten. Man siedelte französische
Staatsbürger, unter ihnen zahlreiche zwielichtige
Typen, in Kehl an. Es bestand klare Annexionsabsicht des
französischen Staates. Weil Frankreichs
Imperialkraft erlahmt war und man die Westdeutschen im
Kalten Krieg brauchte, wurde Kehl von April 1949 bis
März 1953 in 42 Einzelschritten, Straße um
Straße, geräumt und an die Bundesrepublik
gegeben. Paris behielt sich Rechte im Hafen vor. Es
folgte der deutsche Wiederaufbau der Stadt, die unter
französischer Besetzung stark gelitten hatte
(über 700 total oder weitgehend zerstörte
Gebäude).
Kelten
Sie stellten nach den
Germanen und vor den Balten die meisten Vorfahren der
Deutschen. Antiken Berichten zufolge glichen die Kelten
im Äußeren den Germanen, und waren keltische
und germanische Kultur einander ähnlich, weshalb
auch von Keltogermanentum gesprochen wird. Ab dem
fünften vorchristlichen Jahrhundert besiedelten die
Kelten große Teil des nachmaligen
Süddeutschland. Im vierten Jahrhundert bezwangen sie
unter Brennus die Römer. In Vercingetorix (Ý
46v.Chr.), dem Gallierführer aus Arvernerstamm,
erwuchs ihnen im vergeblichen Aufbäumen gegen Rom
noch einmal eine überragende Persönlichkeit. Um
Christi Geburt waren fast alle keltischen Gebiete in
römischer oder germanischer Hand. In den letzten
Jahrzehnten besinnt man sich in Teilen Westeuropas wieder
auf die keltischen Wurzeln, vor allem in Irland, Wales
und bei den Bretonen. Heute sprechen etwa vier Millionen
Menschen keltische Muttersprachen.
Kiautschou
515 qkm großes
deutsches Pachtgebiet mit Flottenstützpunkt in
China. Es hatte 1914 rund 200 000 Einwohner, davon 5000
Weiße, und umfaßte die Bucht von Kiautschou
sowie die Halbinseln Hai-si und Tsingtau. Nachdem dort
deutsche Missionare ermordet worden waren, besetzte
Admiral von Diederichs 1897 ohne Anwendung von
Waffengewalt das Gebiet. Es wurde am 6. März 1898
vom Deutschen Reich im Vertrag mit China auf 99 Jahre
gepachtet. Zur gleichen Zeit eigneten sich Rußland,
England, Frankreich (später auch die USA und Japan)
meist mit brutaler Gewalt tausendfach größere
chinesische Gebiete an. Besonders Tsingtau, die
Hauptstadt des Pachtgebietes, blühte unter deutscher
Herrschaft auf. Stadt und Hafen wurden ausgebaut,
Eisenbahnlinien errichtet, umfangreiche
landwirtschaftliche Reformen und Aufforstungen in Gang
gesetzt, vorbildliche Schulen eröffnet und 1909
sogar eine deutsch-chinesische Universität
eingeweiht. Allein 1913 betrug der Zuschuß des
Deutschen Reiches für das Pachtgebiet 10,3 Mio.
Mark. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges trotzten 4000
Deutsche in Kiautschou drei Monate lang der Belagerung
durch 65 000 Japaner. Im Dezember 1922 mußte Tokio
das Gebiet an China zurückgeben.
Kimbern und Teutonen
Der Großteil
dieser ursprünglich im jütländischen
Chimmerland und Thyland beheimateten Germanen zog in
friedlicher Siedlungsabsicht nach Süden. Rom
antwortete mit militärischer Gewalt, so daß es
zum ersten großen Schlagabtausch zwischen Germanen
und Römischem Imperium kam. Zunächst
mußten die Römer empfindliche Niederlagen
hinnehmen, so 113 v. Chr. bei Noreja und 105 v. Chr. bei
Arausio (Orange). Zeitweise marschierten Kimbern,
Teutonen, Ambronen sowie weitere, auch keltische,
Völkerschaften gemeinsam. 102 v. Chr. wurden die
Teutonen bei Aquae Sextiae, dem heutigen Aix-en-Provence,
vom römischen Feldherrn Marius völlig
geschlagen. Im darauf folgenden Jahr gelang Marius der
Entscheidungssieg über die Kimbern auf den
Raudischen Feldern bei Vercellae in Italien. Als Kinder
und Jugendliche in römische Hand gefallene Kimbern
und Teutonen hatten maßgeblichen Anteil am
großen Sklavenaufstand unter Führung des
Spartakus 73 bis 71 vor der Zeitenwende.
Kinderlandverschickung
Die
Kinderlandverschickung (KLV) als kostenloser
Ferienaufenthalt von armen Stadtkindern auf dem Land fand
nach 1933 großen Anklang. Die mit dem 27. September
1940 erweiterte KLV hatte die Rettung von Kindern aus den
luftkriegsgefährdeten Städten zum Ziel. Kinder
bis zu 10 Jahre wurden in der Regel in Familien auf dem
Lande untergebracht, 10- bis 14jährige kamen mit
meist älteren Lehrern in wohlorganisierten Lagern
unter, von denen es 1943 fünftausend und 1944/45
sogar annähernd zehntausend gab. Insgesamt fünf
Millionen Kinder, jeder dritte deutsche Schüler bis
zu 14 Jahren, wurden kinderlandverschickt.
Hunderttausende, wenn nicht Millionen verdanken der
Kinderlandverschickung ihr Leben, weil sie sonst im
Bombenholocaust der Westalliierten umgekommen wären.
So war die KLV eine humanitäre Großtat im
Kriege, die in ihrer Dimension nur mit der Rettung
über See 1945 vergleichbar ist.
Kleindeutsche
Die 1848 gewählte
Nationalversammlung in der Paulskirche, das erste
gesamtdeutsche Parlament, war einmütig
großdeutsch eingestellt. Ziel war das Reich aller
Deutschen, auch jener der Habsburgermonarchie. Doch die
Integration des k.u.k. Vielvölkerstaates in ein
neues Deutsches Reich erschien unmöglich. So
scheiterte der Versuch einer Antwort der Demokraten auf
die Deutsche Frage an multinationalen Verhältnissen.
Als Notlösung befürwortete man die
kleindeutsche Antwort, also ein Reich unter
Preußens Führung ohne die
Österreich-Deutschen. Das Wort "kleindeutsch" wurde
von Ludwig Simon (1810-1872), dem betont
großdeutschen Wortführer der Linken in der
Paulskirche, geprägt. In diesem Sinne wird auch das
1871 gegründete Bismarckreich als "kleindeutsches
Reich" bezeichnet.
Kolberg
Die seit 1945 polnisch
besetzte Stadt entwickelte sich aus einem alten
Handelsplatz. Sie erhielt 1255 Lübisches Recht und
kam 1648 an Brandenburg. Im Siebenjährigen Krieg
verteidigte sich Kolberg tapfer gegen die Russen, die es
erst nach dreimaliger Belagerung 1761 nehmen konnten.
1807 wurde die Stadt vom nachmaligen Generalfeldmarschall
und preußischen Reformer Gneisenau gegen eine
vielfache Übermacht von zunächst 8000, dann
sogar 13 000 Soldaten Napoleons erfolgreich bis zum
Tilsiter Friedensschluß verteidigt. Der heroische
Widerstand beeindruckte in ganz Deutschland und wirkte
beispielgebend für den Kampf in den
Befreiungskriegen. Als Bürgeradjutant stand
Gneisenau der alte Seefahrer Nettelbeck entscheidend zur
Seite, der schon 1761 an der Verteidigung Kolbergs
teilgenommen hatte. 1945 fielen bei Kolberg Abertausende
deutsche Soldaten im Kampf gegen die Truppen
Stalins.
Kölner Dom
Die Kathedrale der
deutschen Nation, St. Peter in Köln, dem einstigen
Hauptort der germanischen Ubier und Ripuarier, ist
Deutschlands bedeutendster gotischer Kirchenbau. Am 15.
August 1248 wurde an der Stelle einer karolingischen
Kirche der Grundstein zum Kölner Dom gelegt, an
dessen Planung wohl auch der deutsche Universalgelehrte
Albertus Magnus Anteil hatte. 1322 wurde der Chor
geweiht. Der Niedergang des Deutschen Reiches ließ
den Bau stocken und Anfang des 16. Jahrhundert zum
Erliegen kommen. So war der Dom ein gewaltiger Torso, bis
am 4. September 1842 der Bau fortgesetzt wurde. Vor allem
war Preußens König Friedrich Wilhelm IV. von
der Idee der Vollendung begeistert und stellte Mittel
bereit. Schinkel war maßgeblich am Dombau
beteiligt, der sich auf königliches Geheiß
streng nach den alten Plänen, die 1814
wiederaufgefunden worden waren, zu richten hatte. Am 15.
Oktober 1880 wurde der vollendete Dom mit seinen 156
Metern hohen Türmen in Anwesenheit des Kaisers
feierlich eingeweiht. Der 1944 durch westalliierte Bomben
beschädigte St. Peter wurde nach dem Krieg
wiederhergestellt. In der Kathedrale befindet sich der
Dreikönigsschrein aus dem 12. Jahrhundert, ein
Geschenk von Reichskanzler Rainald von Dassel an die
Kölner.
Kolonialehrenmal
Das Bremer Denkmal zu
Ehren der deutschen Schutztruppen und der deutschen
Kolonialleistungen in den Überseebesitzungen des
Reiches wurde 1932 von der Deutschen Kolonialgesellschaft
gestiftet. Der zehn Meter hohe, aus Klinker gemauerte
Elefant ist ein Werk des bedeutenden Tierplastikers Fritz
Behn. Auf Inschriften werden hervorragende
Persönlichkeiten deutscher Kolonialgeschichte wie
Adolf Lüderitz und General von Lettow-Vorbeck
gewürdigt. Im Inneren des Denkmals befindet sich ein
Weiheraum, der im Zeichen der Umerziehung für die
Öffentlichkeit unzugänglich gemacht wurde.
Dafür gab man dem Denkmal in den 80er Jahren
Schrifttafeln bei, die angebliche deutsche Kolonialschuld
anprangern sollen.
Kolonien
Deutsche hatten an der
Erforschung ferner Erdteile großen Anteil. Die
Fugger und Welser unterhielten im 16. Jahrhundert
deutsche Niederlassungen in Südamerika.
Kurland-Deutsche und Brandenburger unternahmen im 17.
Jahrhundert kurzlebige Kolonialversuche in
Südamerika, der Karibik (brandenburgisches St.
Thomas) und in Afrika (z. B. Groß-Friedrichsburg).
Im 18. Jahrhundert betätigte sich Österreich
entsprechend vor allem an der indischen Küste. Ab
den 1880er Jahren erwarb das Deutsche Reich ohne
militärische Gewalt, nur durch Vertrag und Kauf, die
Überseegebiete Südwestafrika, Ostafrika,
Kamerun, Togo, Neuguinea mit pazifischen Inseln, Samoa
und Kiautschou (zusammen rund 3 Mio. qkm mit 12,5 Mio.
Einwohnern, davon 28 000 Weiße). Das Reich
investierte bis 1913 rund 150 Mio. Mark in die Kolonien.
Die Einnahmen betrugen 50 Mio. Die deutsche
Kolonialpolitik war im Vergleich zur Praxis anderer
Mächte wesentlich milder und hilfreicher für
die eingeborene Bevölkerung. Der sozialdemokratische
Reichspräsident Ebert verurteilte die
"Kolonialschuldlüge", mit der Deutschland die
Kolonien in Versailles genommen worden waren, und
richtete ein Kolonialministerium zum Rückerwerb ein.
In den einstigen Kolonien wird der deutschen Herrschaft
ehrend gedacht.
Weiterführend:
Des
Kaisers ferne Untertanen
- Deutsch-Ostafrika: Struktur einer Kolonie
Königsberg
Die Hauptstadt
Ostpreußens wurde wohl zu Ehren des böhmischen
Königs und Reichsfürsten Ottokar II. benannt,
der dort einst weilte. Die Stadt entwickelte sich aus
einem 1255 gegründeten Bollwerk des Deutschen
Ordens. Das Schloß war ab 1457 Sitz der Hochmeister
des Ordens, ab 1525 Residenz der preußischen
Herzöge, ab 1701 Krönungsstätte der
preußischen Könige (Schloßkirche). Es
wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und
1969 abgetragen. Königsberg war ein Zentrum des
Deutschtums im Osten. Es hatte erhebliche wirtschaftliche
Bedeutung im Ostseeraum. Für seinen kulturellen Rang
stehen Namen wie Immanuel Kant oder die Universität
"Albertina". Königsberg war im Siebenjährigen
Krieg russisch, Anfang des 19. Jahrhunderts
französisch besetzt. Hier ballte sich die deutsche
Widerstandskraft gegen Napoleon. 1939 hatte
Königsberg annähernd 400 000 Einwohner. Es
wurde im Zweiten Weltkrieg durch westliche Bomben und
beim Ansturm der Roten Armee weitgehend zerstört.
Vom 30. Januar bis 9. April 1945 trotzte es als Festung
den weit überlegenen Sowjettruppen. 1946 wurde
Königsberg, deren deutsche Bevölkerung die
"Befreier" holocaustiert hatten, nach Stalins
langjährigem Sowjetpräsidenten Kalinin benannt.
Ab Ende der 80er Jahre konnte sich wieder deutsches Leben
regen und unterbreiteten russische Politiker
Vorschläge, die eine deutsche Zukunft der Stadt
möglich machen.
Königsberger Dom
Der gotische Dom St.
Maria und St. Adalbert in der Hauptstadt
Ostpreußens steht auf dem Grund einer Insel
zwischen zwei Armen des Flusses Pregel. Das Gotteshaus
wurde im Jahre 1325 als Festungskirche begonnen und Ende
des 14. Jahrhunderts als dreischiffige Hallenkirche
eingewölbt. Der Turm der Westfassade konnte 1552
vollendet werden. Durch westliche Bombenangriffe,
Kampfhandlungen 1945 und zahlreiche mutwillige
Zerstörungen sowjetischer Besatzer wurde das
imposante Bauwerk zur Ruine. Ende der 80er Jahre kam es
zur neuen dramatischen Schicksalswende in der Geschichte
des Domes: Deutsche Gottesdienste konnten in der Ruine
abgehalten werden, deutsche und russische
Bürgerinitiativen bildeten sich mit dem Ziel des
Wiederaufbaus. Das Grabmal Kants am Königsberger Dom
hat die Stürme der Zeit weitgehend unbehelligt
überstanden.
Königsstuhl
Nach alter
Überlieferung ritt der neugewählte deutsche
König von Frankfurt am Main rheinabwärts nach
Aachen zur Krönung und zeigte sich dann bei Rhens am
Rhein, an einem heiligen Hain, der Menge zum Empfang der
Huldigung. Rhens liegt oberhalb von Koblenz, wo einst die
Gebiete dreier Kurfürstentümer
zusammenstießen. Auf Geheiß Kaiser Karls IV.
wurde dort 1376 eine achteckige steinerne Halle erbaut.
An diesem Königsstuhl trafen sich auch die
Kurfürsten und faßten weittragende
Beschlüsse. Als letzte deutsche Majestät
bestieg 1486 Maximilian I. den Königsstuhl von
Rhens, der 1794 von Franzosen zerstört wurde. 1843
ließ Preußens König Friedrich Wilhelm
IV. das Symbol des Heiligen Reiches wiedererrichten.
Wegen hohen Verkehrsaufkommens am alten Standort
versetzte man den Königsstuhl 1928 auf eine
Anhöhe oberhalb von Rhens, die einen herrlichen
Blick über den Rhein gestattet.
Korridor
Durch Versailles wurde
1919 ohne V olksabstimmung eine 30 bis 90 Kilometer
breite Bresche ins Deutsche Reich geschlagen, die
Ostpreußen abtrennte und Polen Zugang zum Meer
verschaffte. Dieser "polnische Korridor" (auch Weichsel-
oder Danziger Korridor genannt) war knapp 16 000 qkm
groß, umfaßte den Hauptteil
Westpreußens sowie pommersche Gebiete und hatte 330
000 meist deutsche Einwohner. Warschau vertrieb die
meisten Deutschen. Der Korridor war auch eine schwere
wirtschaftliche Belastung für Deutschland. Alle
Weimarer Regierungen forderten die gerechte Revision.
Noch 1938/39 bot Berlin einen Kompromiß mit
Berücksichtigung polnischer Belange an, der von
Warschau strikt abgelehnt wurde. Wie schon 1919 von
angelsächsischen Politikern prophezeit,
entzündete sich am Korridor-Problem 1939 der neue
Krieg. Bis 1945 gehörte das Gebiet, in welchem nun
die Polen entrechtet wurden, zum Reichsgau
DanzigWestpreußen. Dann wurde dort, bei totaler
Vernichtung des Deutschtums, erneut die polnische
Herrschaft errichtet.
Krain
Im 6. Jahrhundert
begann die slowenische, im 8. Jahrhundert die deutsche
(bairische) Besiedlung der Krain. Mitte des 10.
Jahrhunderts war das Gebiet eine Mark des Reiches. Ab dem
14. Jahrhundert gehörte die Krain mit ihren
vorwiegend deutschen Städten zum Reich der
Habsburger. Das Herzogtum hatte schwer unter
Türkeneinfällen zu leiden, wobei der deutsche
Anteil am Wiederaufbau erheblich war. 1919 fiel es
größtenteils an das neue multinationale
Jugoslawien (Südslawien). Der Südwesten
gehörte bis 1947 zu Italien. Ab September 1943 war
die Hauptstadt Laibach mit Umgebung Teil des
Großdeutschen Reiches, um 1945 wiederum an den
Belgrader Machtbereich zu fallen und 1990 den Kern des
unabhängigen Slowenien zu bilden. Deutsche
Volkstumsinseln wie die Gottschee wurden zu Ende des
Zweiten Weltkrieges brutal ausgelöscht. Den einigen
tausend Nachfahren Deutscher wurde auch Anfang der 90er
Jahre die Anerkennung als Minderheit
verweigert.
Kreuz des deutschen Ostens
Das mit dem Sockel 27
Meter hohe Monument (das Kreuz besteht aus dem Holz von
Lärchen) auf den Uhlenklippen bei Bad Harzburg wurde
von den Architekten Christian und Hermann Nordmann
entworfen. Aufgestellt sind die Wappen von Nieder- und
Oberschlesien, des Sudetenlandes, Brandenburgs,
Ostpreußens, Westpreußens, Pommerns, Danzigs
und der Baltendeutschen. Eingemauert ist eine Urne mit
ostdeutscher Erde. Die feierliche Einweihung fand am 24.
Juni 1950 statt. Zugegen war auch der sozialdemokratische
Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter.
Vertriebenenminister Lukaschek wiederholte in der
Festansprache die Worte des sozialdemokratischen
Alterspräsidenten des Bundestages und vormaligen
Reichstagspräsidenten, Paul Löbe, daß es
niemals, solange Deutsche leben, einen Verzicht auf die
Ostgebiete geben werde. 1964 wurden die Scheinwerfer, die
das Kreuz in den Abendstunden angestrahlt hatten,
ausgestellt. 1985 gab es einen schweren Anschlag auf das
Denkmal, welches aber bald von den Schmierereien
("Polska" usw.) befreit wurde.
Kreuzberg-Denkmal
Das auf
kreuzförmigen Grundriß wie eine gotische
Kirchturmspitze wirkende, 19 Meter hohe Nationaldenkmal
für die Befreiungskriege in Berlin wurde auf
Geheiß Königs Friedrich Wilhelm III. von
Preußen von Baumeister Friedrich Schinkel
entworfen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1818. Am 30.
März 1821, dem siebten Jahrestag der Einnahme von
Paris, wurde das Monument in Anwesenheit des Königs
und des Zaren Alexander feierlich eingeweiht, später
auf einen von Johann Heinrich Strack geschaffenen Sockel
gehoben. An den vier Stirnseiten wird an die
entscheidenden Schlachten der Befreiungskriege erinnert:
Groß-Görschen, Leipzig, Paris, Belle-Alliance
(Waterloo). 12 Skulpturen, die Genien, sind
Schöpfungen der Bildhauer Christian Daniel Rauch,
Christian Friedrich Tieck und Ludwig Widmann.
Kriegsgefangene
Über 10 Millionen
deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges fielen den
Alliierten in die Hände. 1,5 bis 2,5 Mio. kamen in
Sieger-KZ um. Die Todesrate deutscher Kriegsgefangener in
Stalins Gewalt lag 1941/42 bei 90 Prozent. Nur 6 000 der
90 000 bei Stalingrad 1943 in Gefangenschaft geratenen
Deutschen überlebten den Gulag. In stalinistischen
Schauprozessen wurden Abertausende deutsche Soldaten
summarisch verurteilt. Die Sowjets entließen erst
ein Jahrzehnt nach Kriegsende die letzten deutschen
Kriegsgefangenen. Die Westmächte pferchten 1945
Millionen deutsche Kriegsgefangene in KZ unter freiem
Himmel ein, vor allem am Rhein. Hunderttausende kamen um.
Nicht weniger brutal gingen Staaten wie Jugoslawien und
Polen mit deutschen Kriegsgefangenen um, die oft auch zu
mörderischer Zwangsarbeit herangezogen wurden.
Während es zahlreiche Prozesse und umfangreiche
Literatur über Unrecht an sowjetischen
Kriegsgefangenen in deutscher Hand gibt, ist das
Massenverbrechen an den deutschen Kriegsgefangenen
juristisch völlig und zeitgeschichtlich weitgehend
unbewältigt geblieben.
Weiterführend:
Die
deutschen
Kriegsgefangenen
Das
Schicksal der deutsche Kriegsgefangenen in
Jugoslawien
Die
"Kriegs"gefangenschaft in Tito's
Jugoslawien
Der
"Londoner Käfig"
Die
Rheinwiesenlager
Krönung
Die feierliche
Inthronisierung eines Herrschers durch Aufsetzen der
Krone mit religiöser Weihe und Huldigung durch
Fürsten und Volk nahm in der deutschen Geschichte
einen hohen Rang ein. Die deutschen Könige wurden
seit Gründung des Reiches im Aachener Münster,
am Grabe Karls des Großen, und ab 1562 im Dom zu
Frankfurt am Main gekrönt. Die Salbung zelebrierte
bis 1024 der Erzbischof von Mainz, danach der Erzbischof
von Köln und ab 1562 wieder jener von Mainz. Zu
Kaisern des Heiligen Römischen Reiches wurden die
Könige seit Karl dem Großen bis 1530 durch den
Papst gekrönt. Bis 1452 fand die Zeremonie in Rom
statt. Später wurden die Majestäten ohne
päpstliche Beteiligung zugleich zu Königen und
Kaisern gekrönt. Die Eiserne Krone der Langobarden
wurde den deutschen Königen in Pavia, Mailand oder
Monza aufs Haupt gesetzt. Krönungsstätte der
preußischen Könige, ab 1871 Kaiser des
Deutschen Reiches, war seit 1701 die Schloßkirche
zu Königsberg in Ostpreußen.
Kurfürsten
"Kur" ist abgeleitet
vom alten deutschen Wort "kiesen" (= prüfen,
wählen). Kurfürsten waren die vom 13. bis
Anfang des 19. Jahrhunderts zur Wahl des deutschen
Königs berechtigten Fürsten mit rotem
hermelinbesetzten Mantel, Kurhut und Schwert als
Insignien. Anfangs konnten alle Fürsten den
König mitwählen. Seit 1257 war die
Kurwürde auf sieben Herrscher begrenzt, die auch die
Hof- und Erzämter bekleideten: die Erzbischöfe
von Trier, Mainz und Köln, der Pfalzgraf bei Rhein,
der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und
der König von Böhmen. Der Mainzer Erzbischof
leitete die Wahl und lud zur Kur ein. Ursprünglich
war Einstimmigkeit erforderlich, seit 1314 galt das
Mehrheitsprinzip. Die Zeremonie der Kur wurde für
fast ein halbes Jahrtausend durch die 1356 erlassene
Goldene Bulle geregelt. Zeitweise oder dauerhaft mit der
Kurwürde ausgestattet waren seit dem 17. Jahrhundert
ferner Bayern, Braunschweig-Lüneburg (Hannover),
Regensburg, Württemberg, Baden, Hessen-Kassel,
Salzburg und Würzburg.
Kurland
Die Ostsee-Landschaft
mit der Hauptstadt Libau ist nach den baltischen Kuren
benannt, deren Siedlungsraum einst bis zum Kurischen Haff
reichte. Das Gebiet wurde im 13. Jahrhundert vom
Deutschen Orden erobert, christianisiert und teilweise
mit Deutschen besiedelt. Von 1561 bis 1795 war Kurland
ein weltliches Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit; es
wurde bis 1737 vom deutschen Geschlecht der Kettler
regiert. Von 1795 bis zum Ersten Weltkrieg war es den
russischen Zaren untertan, wurde nach 1918 mit Hilfe
deutscher Freikorps gegen die Bolschewisten verteidigt
und Teil des unabhängigen Lettland. Im Zweiten
Weltkrieg von Stalin annektiert, gehörte es zur
lettischen Sowjetrepublik, bis Lettland 1989/91 erneut
Unabhängigkeit erlangte. Die Kurlanddeutschen kamen
nach 1918 und bei den großen Umsiedlungen 1939/41
ins Reich. Von Oktober 1944 bis Mai 1945 verteidigte sich
dort die eingekesselte deutsche Kurlandarmee und band
erhebliche sowjetische Kräfte.
Kyffhäuser
In einer Höhle des
thüringischen Kyffhäuser-Massivs ruht der Sage
nach Kaiser Friedrich Rotbart. Auf dem Nordostkamm des
dicht bewaldeten Gebirges erhob sich im frühen
Mittelalter die mächtige, zur Zeit der Sachsenkaiser
erbaute Reichsburg Kyffhausen, von der heute eine Ruine
zeugt. Unweit davon, hoch über der Goldenen Aue,
wurde am 10. Mai 1892 der Grundstein zum
Kyffhäuser-Denkmal gelegt. Das 1896 feierlich
eingeweihte Monument der Reichseinheit besteht aus dem 69
Meter hohen Barbarossa-Turm, erbaut aus dem Sandstein des
Kyffhäuser, mit der Krone des Reiches obenauf, dem
von Professor Emil Hundrieser geschaffenen kupfernen
Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. und darunter, wie in
einer Höhle, dem steinernen Bildnis Barbarossas von
Professor Nikolaus Geiger. Das Kunstwerk insgesamt wurde
gestaltet von Monumental-Baumeister Bruno Schmitz,
Schöpfer auch des. Völkerschlachtdenkmals von
Leipzig.
KZ-Gedenkstätten
Über 2000
Mahnstätten aller Art sind in der Bundesrepublik
Deutschland den Opfern nationalsozialistischer
Gewaltherrschaft gewidmet. Darunter befinden sich die
gegenwärtig größten deutschen
Gedenkstätten: als Mahnmal erhaltene KZ-Gelände
wie Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald mit zum Teil
monumentalen Denkmälern. Daß das KZ-Unrecht in
Dachau 1945 nicht endete, sondern von den US-Besatzern
fortgesetzt wurde, findet in der dortigen
Gedenkstätte keine Berücksichtigung. Die
Fortführung der KZ-Barbarei durch die sowjetischen
Besatzer wurde in Sachsenhausen und Buchenwald
während der SED-Herrschaft vertuscht. Nach dem Fund
von Massengräbern mit Nachkriegsopfern dieser KZ
wurde 1990 beschlossen, auch ihrer zu gedenken. Am
einstigen KZ der Westmächte für kriegsgefangene
Deutsche bei Bretzenheim erinnert ein Kreuz an das
Unrecht; bei Remagen wurde eine Gedenkkapelle
geweiht.
Landsknechte
Seit dem 15.
Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für die
zu Fuß kämpfenden deutschen Soldaten. Der
Ausdruck wurde 1486 erstmals für die Söldner
Kaiser Maximilians I., des "letzten Ritters",
erwähnt. Ihr berühmtester Führer war
Reichsritter Georg von Frundsberg (1473-1528), genannt
"Vater der Landsknechte". Sie schlugen sich hervorragend
tapfer - besonders im Dienste des Reiches gegen
Türken und Franzosen - und erwarben sich den Ruf,
die besten Soldaten Europas zu sein. Im oft gewaltigen
Troß zogen ihre Frauen und Kinder mit. Die
Organisation der Landsknechte, des ersten geordneten
Fußvolks der Neuzeit, wurde zur Grundlage alles
späteren Heereswesens. Wurden lange Zeit
grundsätzlich nur unbescholtene Deutsche als
Landsknechte rekrutiert, befand sich später unter
ihnen, besonders im Dreißigjährigen Krieg,
auch verbrecherisches Gesindel. Die Landsknechts-Kultur,
vor allem das Liedgut, wurde von der Jugendbewegung
Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.
Langemarck
Bei dieser
westflämischen Ortschaft nahe Ypern tobten im Ersten
Weltkrieg besonders blutige Schlachten. Im Oktober und
November 1914 stürmten deutsche
Freiwilligenverbände, meist Studenten, unter hohen
eigenen Verlusten mit dem Deutschlandlied auf den Lippen
die englischen Stellungen. Weil das Deutsche Reich 50
Jahre Frieden gewahrt hatte und auf den Weltkrieg nicht
vorbereitet war, trafen bei Langemarck unzureichend
ausgebildete, kriegsunerfahrene junge Deutsche auf die in
endlosen Kolonialkriegen trainierten englischen Truppen.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand bei Langemarck ein
großer deutscher Soldatenfriedhof. In den 30er
Jahren errichtete der Volksbund deutsche
Kriegsgräberfürsorge am Totenhain eine
Ehrenhalle aus Sandsteinquadern. Im Inneren befinden sich
die auf Eichentafeln geschnitzten Namen der 11 000
Gefallenen, die hier unter Bäumen gebettet
liegen.
Lechfeld
Auf der Ebene
südlich von Augsburg zwischen den Flüssen Lech
und Wertach tobte vom 10. bis zum 12. August des Jahres
955 die Entscheidungsschlacht der Deutschen gegen die
Ungarn. Zuvor waren die asiatischen Eindringlinge vor
Augsburg, das von Bischof Ulrich verteidigt wurde,
geschlagen worden. Auf dem Lechfeld errang das
gesamtdeutsche Heer unter König Otto I., dem
nachmaligen Kaiser Otto dem Großen, im Zeichen der
Heiligen Lanze einen überwältigenden,
welthistorisch bedeutsamen Sieg. Er brachte die Befreiung
von den Fremden und trug zur Vollendung der Staatswerdung
Deutschlands bei. Otto der Große, der bald darauf
an der Recknitz auch die Slawen bezwang, ebnete dem Reich
der Deutschen den Weg zur Vormacht des Abendlandes. Die
deutsche Majestät, der bereits bei der Siegesfeier
auf dem Lechfeld als "Imperator" gehuldigt wurde,
ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen
(renovatio imperii).
Lettland
Die Letten sind ein
baltisches Volk. Im 13. Jahrhundert begann die deutsche
Kolonisierung. Adel und Städter waren über
Jahrhunderte vorwiegend deutsch. Bis ins 16. Jahrhundert
war Lettland Deutschordensland. Dann wechselten
polnische, schwedische, russische Herrschaft einander ab.
Kultur- und Amtssprache blieb Deutsch. Am Ende des Ersten
Weltkrieges wurde Lettland mit Hilfe deutscher Freikorps
von Rußland unabhängig. Die meisten der knapp
70 000 Deutschen kamen nach 1918 und bei den Umsiedlungen
1939/41 ins Deutsche Reich. Im Zweiten Weltkrieg war das
zuvor von Stalin annektierte Land deutsch besetzt.
Abertausende Letten kämpften auf deutscher Seite.
Von Kriegsende bis zur Unabhängigkeit 1989 war das
Land Sowjetrepublik. Lettlands Hauptstadt Riga wurde 1201
als deutsche Stadt gegründet und 1282 Mitglied der
Hanse. Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren über 40
Prozent der Einwohner Deutsche. 1919 wurde Riga mit
deutscher Hilfe von den Bolschewisten befreit.
Liechtenstein
Das Fürstentum
zwischen Österreich und der Schweiz, unterhalb der
Rheinquellen, ist mit 159 qkm der kleinste Staat des
deutschen Kulturraumes. Die rund 20 000 Eingesessenen
sind alemannischen Stammes. Deutsch ist Amtssprache. Die
meisten dort lebenden anderen Staatsbürger sind
Deutsche aus der Schweiz, Österreich und der
Bundesrepublik. Das Gebiet Liechtensteins war von Beginn
an Teil des ersten Deutschen Reiches. 1719 wurde es
reichsunmittelbares Fürstentum. Das
Herrschergeschlecht Liechtenstein, 1140 erstmals
urkundlich erwähnt, hat bedeutende deutsche
Künstler, Politiker und Feldherren hervorgebracht.
Bis 1866 gehörte Liechtenstein zum Deutschen Bund,
wurde dann selbständig. Bis 1919 bestand eine
Zollunion mit Österreich, seit 1924 gibt es eine
Union mit der Schweiz, durch die das Fürstentum
außenpolitisch vertreten wird. Fürst Franz
Joseph II., Vater des jetzigen Monarchen Hans Adam,
regierte bis 1939 von Wien und verlegte die Residenz dann
nach Vaduz, dem Hauptort Liechtensteins. Der umfangreiche
liechtensteinische Besitz in Böhmen, Mähren und
Schlesien wird seit 1945 von Prag rechtswidrig
fremdverwaltet.
Liegnitz
Die seit 1945 polnisch
besetzte niederschlesische Stadt erhielt 1250 Magdeburger
Recht. Auf der Wahlstatt bei Liegnitz tobte am 9. April
1241 die Schlacht gegen die Mongolen, die ganz
Mitteleuropa zu verheeren drohten. Ein 10 000-Mann-Heer
aus schlesischen und polnischen Rittern, Männern des
Deutschen Ordens, Bauern und deutschen Bürgerwehren
unter Führung Herzog Heinrichs II., des
"schlesischen Leonidas", warf sich den rund 35 000
Mongolen unter Baidur, dem Feldherrn Batus, des Enkels
von Dschingis-Khan, entgegen. Statt zu helfen,
kämpften Kaiser und Papst andernorts gegeneinander.
Die mongolische Übermacht siegte auf der Wahlstatt,
auch Herzog Heinrich fiel. Doch hatten die Eindringlinge
aus Asien schwere Verluste. Bei der Nachricht vom Tode
des Großkhans im Inneren ihres Reiches zogen sie
ab; die Mongolengefahr war gebannt. Ins verwüstete
Schlesien kamen deutsche Siedler, die das Land wieder
aufbauten.
Lili Marleen
Ab 18. August 1941
strahlte der deutsche Soldatensender Belgrad jeden Abend
um 21.57 Uhr diesen zum Mythos gewordenen
Jahrhundertschlager in der Interpretation von LaIe
Andersen aus. Er begeisterte auch die alliierten Soldaten
und wurde in 30 Sprachen rund um die ganze Erde
verbreitet. Das Gedicht über die Empfindungen des
Soldaten und seiner Braut ersann 1915 der damals
22jährige Hans Leip (gestorben 1983). Aus der Feder
dieses Sohnes eines Hamburger Hafenarbeiters stammen auch
historische Romane wie "Godekes Knecht" (1925), "Jan
Himp" (1934) und "Störtebeker" (1957). Vertont wurde
Leips Text 1938 vom 27jährigen Norbert Schultze, dem
auch nach 1945 erfolgreichen Komponisten von Opern,
Filmmusiken und Soldatenliedern ("Panzer rollen in Afrika
vor"). Von extremen Umerziehern als "Nazitonsetzer"
attackiert, entgegnete der Schöpfer der
unsterblichen Lili-Marleen-
Weise: "Haben
nicht andere Komponisten dasselbe für ihr Vaterland
getan?"
Limes
Nach vergeblichen
Versuchen, ganz Germanien zu unterwerfen, verschanzte
sich das Römische Reich ab 90 n. Chr. hinter einem
um das Jahr 160 vollendeten, 548 Kilometer langen Wall,
der vom Rhein bis zur Donau reichte. Dieser Limes, ein
gigantisches Denkmal des unbändigen germanischen
Freiheitswillens, war mit über eintausend
zunächst hölzernen, dann steinernen Türmen
bewehrt. Kaiser Caracalla ließ am 166 Kilometer
langen Abschnitt des Rätischen Limes den Holzwall
durch eine bis zu drei Meter hohe und mehr als einen
Meter starke Steinmauer ersetzen, die im
germanisch-deutschen Volksmund "Teufelsmauer" genannt
wurde. 260 n. Chr. zerbrach der Limes unter den
Schlägen der germanischen Alemannen. Der in jener
Zeit noch errichtete Iller-Limes hielt bis Ende des 4.
Jahrhunderts. Auf Geheiß Kaiser Wilhelms II. wurde
ein steinernes römisches Limes-Kastell bei Homburg
v. d. H., die sogenannte Saalburg,
rekonstruiert.
Litauendeutsche
Im Mittelalter
ließen sich zahlreiche deutsche Kaufleute in
Litauen nieder. Wilna (litauisch: Vilnius), die
Hauptstadt, gehörte im 14. Jahrhundert für
kurze Zeit zum Deutschordensland und hatte deutsches
Stadtrecht. Kauen (litauisch: Kaunas), die
zweitgrößte Stadt, erhielt 1408 Magdeburger
Recht. Eine starke deutsche Bürgerschaft gab es auch
in Tauroggen, das von 1691 bis 1793 preußisch war.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts zogen deutsche Bauern,
Arbeiter und Handwerker nach Litauen. Die mit deutscher
Hilfe am 11. Dezember 1917 von Rußland
unabhängig gewordene litauische Republik nutzte 1923
die Schwäche des Deutschen Reiches, um das Memelland
an sich zu reißen. Das Unrecht konnte im März
1939 revidiert werden, doch wurde das Memelland 1945
erneut den Deutschen entrissen. Bei den großen
Umsiedlungsaktionen kamen 1941 rund 50 000
Litauendeutsche ins Reich. Nach 1945 organisierten sie
sich in einer eigenen Landsmannschaft.
Livland
Ursprünglich war
mit Livland alles Deutschordensland nördlich von
Litauen gemeint. Später verengte sich der Begriff
auf die Ostseelandschaft, die nach dem Ersten Weltkrieg,
der Sprachgrenze gemäß, zwischen Lettland und
Estland geteilt wurde. Die Liven, südlichster Zweig
der Ostseefinnen, waren Ende des 12. Jahrhunderts vom
Ritterorden bezwungen und christianisiert worden. Seitdem
gehörte Livland zum Deutschen Reich. Der aus
Westfalen stammende Wolter von Plettenberg war der
bedeutendste livländische Deutschordensmeister. Er
errang mit seinen Truppen 1502 am Smolinasee den
Entscheidungssieg über die zur Ostsee
drängenden Russen. Ab 1526 hatte er den Rang eines
Reichsfürsten. 1561 fiel Livland, dem
geschwächten Reich entglitten, an Polen, 1629 an
Schweden, 1710 an Rußland. Die dortigen Deutschen
kamen nach 1939 bei den großen Umsiedlungsaktionen
ins Reich.
Lombardei
Die Landschaft mit den
Zentren Mailand und Brescia ist nach den germanischen
Langobarden benannt. Sie hatten im 6. Jahrhundert in
Italien ein Reich mit Schwerpunkt im Norden errichtet.
Künstlerisch hochbegabt, trugen sie entscheidend zur
Romanik bei. Bedeutende Italiener hatten langobardische
Namen, z. B. Dante Alighieri (Aliger) Garibaldi
(Garibald). Die Langobarden wurden 774 von Karl dem
Großen bezwungen. Er setzte sich ihre Eiserne Krone
auf, die fortan von den meisten deutschen Kaisern
getragen wurde. Otto der Große vereinigte die
Lombardei 951 für ein halbes Jahrtausend mit dem
Deutschen Reich. Im 16.Jahrhundert errang Spanien die
Vorherrschaft in der Lombardei, deren Städte im
Mittelalter erblüht waren. Ab 1714 gehörte sie
zum Reich der deutschen Habsburger. 1859 trat Franz
Joseph die Lombardei an Napoleon III. ab; dieser tauschte
sie in der Folge mit Ober-Savoyen und Nizza. Zu Beginn
der 1990er Jahre wuchs die Lombardische Liga zur
stärksten politischen Kraft. Sie will
Selbstverwaltung des Landes und Rückbesinnung auf
die lombardische Eigenart.
Löns-Grab
Hermann Löns wurde
1866 in Culm bei Bromberg geboren, er fiel 1914 bei
Reims. Aus dem Stoff uralter Volksüberlieferungen
formte er Erzählungen und Romane, die in
Westpreußen, vor allem aber in der Wahlheimat des
Dichters, Niedersachsen, spielen ("Das zweite Gesicht",
"Der W ehrwolf", "Rote Beeke"). Seine Heimat- und
Vaterlandsgedichte wurden zu Volksliedern ("Auf der
Lüneburger Heide", "Wenn wir fahren gegen
Engeland"). Er war ein Wegbereiter der Heimatkunst und
des Naturschutzes sowie Herold eines starken Deutschen
Reiches. Ihm zu Ehren wurde 1929 im Wacholderhain bei
Tietlingen in der Lüneburger Heide ein Denkmal
gesetzt. Am 2. August 1935 wurden seine Gebeine in einen
Steinsarg umgebettet und - als wäre es ein
Hünengrab - unter einem mächtigen Findling am
Wegesrand im Wald bei Tietlingen beigesetzt.
Loreley
Am rechten Rheinufer,
oberhalb von Sankt Goarshausen, ragt ein Schieferfelsen,
genannt Loreley, fast senkrecht 132 Meter hinauf. Er
verengt den Strom in einem der Schiffahrt einst
gefährlichem Maße. Der Fels rührt seit
uralten Zeiten die Seele der Deutschen an. Unter dem
Eindruck einer Rheinreise schrieb Brentano 1801 seine
Ballade von der Lore Lay, eines betörend
schönen Mädchens, das Ritter ins Verderben
stürzt und, um dem Fluche zu entrinnen, vom Fels in
den Tod springt. Eichendorff und Loeben entwickelten das
Thema weiter. Heine reimte 1824 seine Version, die in
Silchers Vertonung berühmt wurde. Hier ist die
Loreley eine Nixe, die Schiffer in den Tod lockt. In
Brentanos "Rheinmärchen" ist die Loreley eine Fee
von ewiger Jugend und Herrin von Schloß
Rheinfelsen. 1860 wurde Geibels Drama über die
Loreley veröffentlicht. Die Bildhauerin russischer
Herkunft N. A. Prinzessin Jusopov stiftete der Stadt
Sankt Goarshausen eine von ihr geschaffene Skulptur des
Loreley-Mädchens, die 1983 an der Hafenmole
aufgestellt wurde. Die Künstlerin hatte sich bei
einer Rheinreise vom Sagenstoff fesseln
lassen.
Lorsch
Heute eine kleine
südhessische Gemeinde, war Lorsch im Mittelalter ein
geistliches und politisches Zentrum des Reiches. Die von
Karl dem Großen zum Reichskloster erhobene
Benediktinerabtei diente auch als Kaiserpfalz. Lorsch
hatte ausgedehnte Besitztümer von Basel bis zur
Nordsee. Im Kloster mit dem imposanten Dom wurde die
fränkische Reichsgeschichte aufgeschrieben und
fanden Karolingerkaiser wie Ludwig der Deutsche letzte
Ruhestatt. Der vom Mythos umgebene Siegfriedsarg in
Lorsch stammt wohl aus dem 5. Jahrhundert. Lorsch galt
als Stütze des deutschen Königtums, sein Abt
zählte zu den Mächtigen des Reiches. Mit dem
Reichszerfall schwand auch seine Bedeutung. 1461 wurde
das Kloster an den pfälzischen Kurfürsten
verpfändet, im Dreißigjährigen Krieg von
Spaniern zerstört und geplündert. Die
zweigeschossige Tor- oder Königshalle aus dem 8.
Jahrhundert zeugt von der einstigen Herrlichkeit. Sie ist
eines der ältesten erhalten gebliebenen Gebäude
Deutschlands. Ab 1934 fanden dort umfangreiche
Restaurierungen statt.
Lothringen
Ursprünglich
reichte es vom Mittelmeer bis zur Nordsee und war das bei
der fränkischen Reichsteilung Lothar zugefallene
Gebiet (Lotharingien). 880 kam es zum Ostfränkischen
(Deutschen) Reich. Lothringen war eines der fünf
deutschen Stammesherzogtümer. Aus Niederlothringen
wurden die Niederlande (heute die Königreiche
Belgien und der Niederlande). Der Begriff verengte sich
auf Oberlothringen mit dem Zentrum Metz, das bis 1766 zum
Deutschen Reich gehörte und dann an Frankreich fiel.
Es behielt aber bis 1801 Sitz und Stimme im Deutschen
Reichstag. Die alemannisch-fränkische
Bevölkerung im Osten wurde weitgehend
französisiert. Der westliche Teil Lothringens mit
Metz und überwiegend deutscher Bevölkerung kam
1871 ans neue Deutsche Reich (Reichsland
Elsaß-Lothringen), wurde durch Versailles erneut
französisch, stand 1940 bis 1944 unter deutscher
Verwaltung und ist seitdem wieder Teil des
französischen Staates. Die Entdeutschung wurde ab
Kriegsende zunächst brutal, dann mit administrativen
Maßnahmen vorangetrieben. Bonn unternahm keine
Anstrengungen dagegen.
Lützower Jäger
Die deutschen
Freikorpskämpfer der Befreiungskriege wurden nach
ihrem Führer, dem preußischen Reiteroffizier
Adolf Freiherr von Lützow (1782-1834), benannt. Er
war einer der tapfersten Männer deutscher Geschichte
und hatte schon 1809 an Schills wagemutigen
Einsätzen teilgenommen. Im Februar 1813 bildete
Lützow in Breslau sein Freikorps mit der
Eigenbezeichnung "Schaar der Rache" (Schwarze Schar).
Vorwiegend Studenten schlossen sich an. In den Reihen der
Lützower, die zeitweise 3500 Mann stark waren,
kämpften Persönlichkeiten wie Körner,
Jahn, Friesen, Eichendorff. Am 17. Juni 1813 wurde die
Schwarze Schar von Napoleons Übermacht bei Kitzen
weitgehend aufgerieben. Nach Auflösung des Korps
(1815) kam der Stamm zum Infanterieregiment Nr. 25 und
zum 6. Ulanenregiment. Die Lützower Jäger
wurden zum Symbol deutschen Freiheitskampfes gegen die
Fremdherrschaft. Theodor Körner, knapp 22jährig
am 26. August 1813 als Lützower Jäger bei
Gadebusch gefallen, verfaßte das im folgenden
Jahrvon C. M. von Weber vertonte Gedicht über
"Lützows wilde, verwegene Jagd". Die Farben der
Uniform der Lützower Jäger gilt als Vorbild des
schwarzrotgoldenen Banners.
Luftkrieg
Britische Planungen zum
völkerrechtswidrigen Luftangriff auf feindliches
Hinterland gab es bereits 1918. Mitte der 30er Jahre
waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Den Auftakt
bildete der von Churchill im Mai 1940 befohlene
RAF-Angriff auf das Ruhrgebiet. Erst vier Monate
später kam es - nach zahlreichen weiteren britischen
Luftattacken auf Städte im Reich - zum deutschen
Gegenschlag. Ab Februar 1942 verwirklichte
RAF-Luftmarschall Harris das Konzept von
ChurchilI-Berater Lindemann eines totalen Luftkriegs
gegen die Zivilbevölkerung. Der im Juli 1943 in
Hamburg erstmals entfachte Thermo-Holocaust
("Feuersturm") brachte eine grausame Eskalation bis hin
zum Vernichtungsschlag gegen Dresden im Februar 1945. Bei
der Casablanca-Konferenz 1943 hatten Roosevelt und
ChurchilI "Arbeitsteilung" im Luftkrieg verabredet
(Amerikaner am Tage, Briten bei Nacht). Auch Städte
wie Prag, Paris, Budapest, Rom wurden in Mitleidenschaft
gezogen. Mindestens 600 000, vermutlich sogar über
eine Million Deutsche kamen im Luftkrieg um, die
Wohnungen von acht Millionen Deutschen wurden
zertrümmert. Deutsche Flak und Jäger leisteten
tapfer verzweifelten Widerstand. Die US-Atombomben auf
Hiroschima und Nagasaki bildeten den Schlußakkord
des Luftkriegs 1940-1945.
Luftwaffen-Ehrenmal
Kriegsheimkehrer der
deutschen Luftwaffe faßten in den 50er Jahren den
Entschluß, ein Ehrenmal für die gefallenen
Kameraden zu errichten, welches auch den Opfern der
Luftfahrt im allgemeinen gewidmet sein sollte.
Generalfeldmarschall a. D. Kesselring (gest. 1960) konnte
als Leitfigur des Vorhabens gewonnen werden.
Spendensammlungen erbrachten die nötigen Mittel.
1961 wurde der Grundstein beim Fliegerhorst
Fürstenfeldbruck der Bundesluftwaffe gelegt. In der
Grundsteinurkunde hieß es: "Möge das Ehrenmal
eine Andachtsstätte des ganzen deutschen Volkes
werden." 1963 wurde der Gedenkstein, ein Werk des
Bildhauers Ernst Zinsser, mit dem eingelassenen Eisernen
Kreuz errichtet, 1966 das Ehrenmal ins Eigentum der
Luftwaffe übergeben, 1977 der Leitspruch "Ihr seid
unvergessen" und 1979 ein schwerer Eiserner Lorbeerkranz
angebracht. Am Denkmal finden zweimal im Jahr
Gedenkfeiern statt.
Luise-Mausoleum
Die mecklenburgische
Herzogstochter Luise vermählte sich 1793 mit dem
preußischen Kronprinzen und späteren
König Friedrich Wilhelm III. Zehn Kinder gingen aus
der Ehe hervor, unter ihnen Preußens König
Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I. Die anmutige
Königin Luise, die sich durch persönliche
Bescheidenheit und Volksnähe auszeichnete, wurde
verehrt wie kaum eine andere deutsche Majestät. Sie
stand den preußischen Reformen nahe und
befürwortete das Bündnis mit Rußland.
1806 mußte sie mit den Kindern vor Napoleon nach
Ostpreußen flüchten. 1807 trug sie in Tilsit
mit Würde dem Korsen die preußische Sache vor.
Als sie 1810, im 34. Lebensjahre, starb, war die
Anteilnahme des Volkes überwältigend. Am 23.
Dezember 1810 wurde sie im Mausoleum des Charlottenburger
Schloßparks bestattet, welches ihr Gemahl für
sie hatte errichten lassen. Das Bauwerk aus
preußischem Sandstein ist eine Schöpfung von
Karl Friedrich Schinkel. Die marmornen Hochgräber
Luises und ihres später an ihrer Seite bestatteten
Gemahls schuf Christian Daniel Rauch. Im Mausoleum fanden
1899 auch ihr Sohn, Kaiser Wilhelm I., und dessen
Gemahlin Augusta letzte Ruhe.
Luther-Bibel
Martin Luther
übertrug 1521/22 als "Junker Jörg" auf der
Wartburg das Neue Testament ins Deutsche. Später
übersetzte er auch das AT. Es war die Absicht des
Reformators, das von Herrschenden und Gelehrten gering
geachtete Deutsch ebenbürtig neben die als heilig
geltenden Sprachen Hebräisch, Griechisch und
Lateinisch zu stellen. Er schrieb: "Man muß nicht
die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie
man soll deutsch reden, sondern man muß die Mutter
im Hause, die Kinder auf den Gassen, den Mann auf dem
Markt darum fragen und demselben aufs Maul schauen." So
ist denn auch "Muttersprache" ein erstmals bei Luther
(1523) nachweisbares Wort. Die erste vollständige
Bibelübersetzung des Reformators erschien gedruckt
1534 in Wittenberg. Ihre Verbreitung wirkte bahnbrechend
für die deutsche Hochsprache, die Luther wesentlich
geprägt hat. Goethe meinte, dieser Leistung
eingedenk: "Das deutsche Volk ist eine Nation erst durch
Luther geworden."
Luxemburg
Das
Großherzogturn (2586 qkm) trug bis ins 19.
Jahrhundert seinen alten deutschen Namen Lützelburg.
Die Eingesessenen der rund 350 000 Einwohner sind
deutschen Volkstums, meist aus fränkischem Stamm.
Die Geschichte des Landes, das von Beginn an zum
Deutschen Reich gehörte, erreichte einen
Höhepunkt, als sein Grafengeschlecht 1308 mit
Heinrich VII. die deutsche Königskrone erwarb und
1312 zum Kaisertum aufstieg. Die bedeutendste
Majestät des Geschlechts war Kaiser Karl IV. Im 15.
Jahrhundert dann wurde Lützelburg habsburgisch, und
es war besonders seit dem 17. Jahrhundert
französischem Annexionsbegehren ausgesetzt. Ab 1815
gehörte Luxemburg, jetzt als Großherzogtum,
dem Deutschen Bund an, 1843 trat es dem Deutschen
Zollverein bei (bis 1919), 1866 wurde es
selbständig. Vom 30. August 1942 bis 1945 war
Luxemburg Teil des Großdeutschen Reiches. Seither
wurden die Bemühungen um Absonderung vom deutschen
Kulturraum verstärkt. Französisch ist
Amtssprache. Mit Großherzog Adolf kam 1890 das
deutsche Geschlecht Nassau (Walramische Linie) auf den
Thron, das bis heute (konstitutionell-parlamentarische
Monarchie) regiert.
Luxemburger, Herrschergeschlecht
Das Geschlecht der
Luxemburger (eigentlich: Lützelburger, nach der
Stammburg) wurde nach 963 von Graf Siegfried I.
begründet. Bedeutende Vertreter des alten Hauses
waren die Kaiserin Kunigunde (gest. 1033) und
Gegenkönig Hermann, Graf von Salm. Der jüngeren
Linie gelang mit der Kur Heinrichs VII. im Jahre 1308 der
Aufstieg zum deutschen König- und Kaisertum. 1310
erwarben die Lützelburger auch die böhmische
Königskrone. Bedeutendster Vertreter des Geschlechts
war Kaiser Karl IV. (zum deutschen König
gewählt im Jahre 1346), die herausragende
Herrschergestalt des Reiches im späten Mittelalter.
Mit König und Kaiser Sigmund starb das Geschlecht
1437 im Mannesstamme aus.
Lutherdenkmal in Worms
Vom 16. bis 26. April
1521 weilte Luther anläßlich des Reichstages
in Worms. Mannhaft stand er vor den Großen des
Reiches zu seiner Lehre. Zu Ehren des Reformators wurde
in Worms ein Denkmal, ein Werk des Dresdner Bildhauers
Ernst Rietschel, der das Goethe-Schiller-Denkmal in
Weimar geschaffen hatte, errichtet. Nach dem Tode des
Meisters, 1861, vollendeten seine Schüler Adolf von
Donndorf, Gustav Kietz und Johannes Schilling das Werk
nach Rietschels Plänen. Es wurde 1868
fertiggestellt. Beherrschende Figur der Gesamtanlage ist
Luther mit dem berühmten Spruch am Sockel: "Hier
stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen."
Außerdem sind andere Reformatoren, Fürsten und
Geistesgrößen dargestellt. Drei
Frauengestalten sollen die protestantischen
Symbolstädte Speyer, Augsburg und Magdeburg
versinnbildlichen. Reliefplatten mit Szenen aus Luthers
Leben und Mauerzinnen, die des Reformators
berühmtestes Lied "Ein' feste Burg ist unser Gott"
sinnfällig machen sollen, ergänzen das
monumentale Kunstwerk.
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