M-N
Maas
Die 925 Kilometer lange
Maas entspringt auf der Hochebene von Langres,
fließt durchs nördliche Lothringen,
durchbricht die Ardennen, führt ihr Wasser an Namur
und Lüttich vorbei und mündet mit dem
südlichen Rheinarm in Holland in die Nordsee.
Über sieben Jahrhunderte lag der Flußlauf
innerhalb des Deutschen Reiches, griff das deutsche
Volkstum west- und südwärts weit über die
Maas hinaus. Seit den französischen Aggressionen des
16. und 17. Jahrhunderts sowie der niederländischen
Abspaltung ist der Fluß außerhalb des
deutschen Staats- und Volksraumes geraten. Dem
Niederrhein gegenüber markiert die Maas die
westlichste Grenze des deutschen Volks- und
Sprachgebietes, weshalb sie von Hoffmann von Fallersleben
im Lied der Deutschen ("von der Maas bis an die Memel")
erwähnt wird.
Made in Germany
Das 1871 neu
gegründete Deutsche Reich kam exportwirtschaftlich
rasch dem auf den Weltmärkten seit langem
vorherrschenden England nahe, in manchen Bereichen zog es
gleich, in einigen überrundete es das Empire sogar.
Zum Schutz vor der deutschen Konkurrenz und zur Abwertung
deutscher Waren wurde 1887 durch englisches Gesetz
(Merchandise Marks Act) die Bezeichnung "made in Germany"
auf allen deutschen, in England und sonst ins Empire
eingeführten Waren vorgeschrieben. Die beabsichtigte
Wirkung wurde verfehlt; vielmehr verwandelte sich der als
Stigma gedachte Stempel "made in Germany" zu einem
Gütesiegel für deutsche Wertarbeit und
steigerte die deutschen Ausfuhren. Das deutsche
Export-Wirtschaftswunder der Zeit bis 1914 wiederholte
sich ab Mitte der 1930er Jahre und ab den 50er Jahren
auch in der Bundesrepublik Deutschland. In den 80er
Jahren gelang es der Bundesrepublik sogar mehrfach, die
vielfach raumgrößeren,
bevölkerungsstärkeren und bodenschatzreichen
Vereinigten Staaten von Amerika als erfolgreichster
Exportstaat der Welt zu überholen und sich an die
Weltspitze zu setzen.
Magdeburger Stadtrecht
Magdeburg, seit der
Wiedervereinigung (1990) Hauptstadt des Bundeslandes
Sachsen-Anhalt, wurde 805 erstmals erwähnt. Seit
Otto dem Großen (die Majestät ist im Dom der
Stadt bestattet) hatte es überragende Bedeutung als
Pfalz und Zentrum der ostdeutschen Siedlung, später
auch als Hansestadt. Eng damit verknüpft war die in
ihrer Dimension geschichtlich einmalige Ausbreitung des
Rechtes der Stadt über ganz Ostmitteleuropa, Polen,
Litauen, Ungarn bis weit hinein in die Ukraine und nach
Rußland. Das Magdeburger Recht war die
stadtrechtliche Ausprägung des in germanischer
Überlieferung wurzelnden Sachsenspiegels. Die
Verwelschung durch Rezeption des römischen Rechts
und der Reichszerfall führten im späten
Mittelalter zum Bedeutungsschwund des Magdeburger
Schöppenstuhls. Den Todesstoß empfing er durch
Vernichtung seines Archivs bei der Zerstörung der
Stadt im Dreißigjährigen Krieg.
Mähren
Das Kernland
Mitteleuropas ist nach seinem Hauptfluß, der March,
benannt. Über ein halbes Jahrtausend war es
Siedlungsraum der germanischen Quaden, die im 6.
Jahrhundert n. Chr. abzogen. Danach kamen Slawen
(Tschechen). Unter Karl dem Großen zeitweise
fränkisch, geriet Mähren im 11. Jahrhundert an
Böhmen und wurde Teil des Heiligen Reiches. Seit dem
16. Jahrhundert herrschte dort Österreich.
Mähren wurde durch Mongolen, Hussiten, im
30jährigen Krieg übel verheert und kam nach
1918 (erneut 1945) an die Tschechoslowakei. Den Zweiten
Weltkrieg überstand es weitgehend unbehelligt. Es
gehörte zum Protektorat, das selbstbestimmungswidrig
dem Großdeutschen Reich angegliedert war. 1945 kam
es zum Vertreibungsholocaust an den Deutschen. Sie hatten
seit dem 12. Jahrhundert vorwiegend im Norden und
Süden Mährens gesiedelt und bildeten
große Volkstumsinseln in der Mitte. Noch in den
1920er Jahren war ein Viertel der Bevölkerung
Mährens deutsch. Die mährischen Städte, so
Olmütz (Hauptstadt bis 1641) und Brünn
(Hauptstadt seither), waren deutsche Gründungen und
deutsch geprägt.
Mainzer Dom
Der Kaiserdom St.
Martin und St. Stephan zu Mainz, der Stadt zahlreicher
Reichstage, war die Kirche der Erzkanzler des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation und
Krönungsstätte mehrerer deutscher Könige.
Im Jahre 975 legte Erzbischof und -kanzler Willigis, der
bald darauf das Reich gemeinsam mit der Königinwitwe
Theophanu regierte, den Grundstein zum Dom, der
größer und prächtiger als die
römische Peterskirche werden sollte. 1036 wurde das
Sakralbauwerk in Anwesenheit des Salierkaisers Konrad II.
und seiner Gemahlin Gisela feierlich eingeweiht. Im 12.
und 13. Jahrhundert erhielt es durch Zubauten im
wesentlichen seine heutige Gestalt. Nach großem
Schaden durch Blitzschlag errichtete Baumeister Franz
Michael Neumann, Sohn des großen Balthasar Neumann,
von 1767-1774 den neuen westlichen Turm; der
östliche wurde 1869-1874 in seiner heutigen Gestalt
erbaut. Die Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges am
Kaiserdom wurden nach 1945 beseitigt.
Manessische Handschrift
Rüdiger Manesse
(gest. 1304), Züricher Patrizier und Herr auf Burg
Manegg, besaß mit seinem Sohn Johannes eine reiche
Sammlung mittelhochdeutscher Liederbücher. Sie
bildete wohl den Grundstock der Großen Heidelberger
Liederhandschrift, auch Manessische Handschrift genannt.
Es handelt sich um die größte
Sammelhandschrift mittelhochdeutscher Minnelyrik und
damit um eines der bedeutendsten deutschen
Sprachdenkmäler. Die von etwa 1300 bis 1340
entstandene Handschrift enthält Lieder von 140
Dichtern und ist mit 137 ganzseitigen Miniaturen
geschmückt. Ab dem 15. Jahrhundert befand sie sich
im Besitz des pfälzischen Kurfürsten und wurde
im Heidelberger Schloß aufbewahrt. Dann geriet sie
in die Hand des französischen Königs Ludwig
XIV., der Heidelberg hatte brandschatzen lassen. Für
400 000 Mark erwarb das Deutsche Reich die Handschrift
1888 von einem Straßburger Buchhändler. Sie
befindet sich in der Heidelberger
Universitätsbibliothek.
Marianen
Die Inselgruppe im
südlich von Japan gelegenen Westteil Mikronesiens
mit 16 größeren Eilanden und 1183 qkm
Landfläche ist vulkanischen Ursprungs. Unweit von
ihr erreicht das Meer im Marianengraben eine Tiefe von
bald 11 000 Metern. Die 1521 von Magellan entdeckten
Inseln wurden 1565 spanisch und nach Maria, der Schwester
des deutschen Kaisers Karl V. (spanischer König),
benannt. Bis auf das bereits im Jahr zuvor von Madrid an
die USA abgetretene Guam erwarb das Deutsche Reich die
Marianen 1899 käuflich von Spanien. Sie wurden dem
Überseegebiet Deutsch-Neuguinea angegliedert. Die
unverteidigten Inseln wurden 1914 von Japan besetzt und
1920 Tokio als "Völkerbundmandat" zugesprochen. 1947
übernahmen die USA die Marianen unter dem Deckmantel
"UNO-Treuhandgebiet" als Kriegsbeute im
Pazifik.
Marienburg
Der Deutsche
Ritterorden begann 1274 im nachmaligen Westpreußen
am Ufer der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel,
mit dem Bau der Veste, die mit einer Ausdehnung von 700
Metern zur größten und allgemein als am
schönsten empfundenen Burg des Abendlandes werden
sollte. Ab 1309 war die Marienburg Sitz des Hochmeisters
des Ordens und damit das Zentrum des gewaltigen
Deutschordensreiches. 1398 war das Bauwerk vollendet.
Architektonische und künstlerische Glanzleistungen
sind vor allem das Hochschloß, der
Hochmeisterpalast, die Marienkirche sowie der Festsaal
("Großer Remter") und die acht Meter hohe
Marienplastik. Unterhalb der Burgkirche ruhen in der St.
Annen-Kapelle elf Hochmeister des Deutschen Ordens. Nach
zunächst erfolgreicher Verteidigung 1410 und 1454
ging die Marienburg 1466 durch den 2. Thorner Frieden an
Polen verloren. 1772 kam sie mit Westpreußen an den
Staat Friedrichs des Großen. Im 19. Jahrhundert
wurde die Burg restauriert. Seit 1945 steht das
prächtige steinerne Monument des Deutschtums im
Osten auf polnisch besetztem deutschen Boden.
Marine-Ehrenmal
Das Monument an der
Kieler Förde bei Laboe war zunächst dem
Opfergang der 35 000 im Ersten Weltkrieg gefallenen
deutschen Seeleuten gewidmet. In das ehrende Gedenken
wurden nach 1945 auch die 120 000 deutschen Gefallenen
zur See des Zweiten Weltkrieges einbezogen. Den
Grundstein legte am 8. August 1927 Admiral Scheer unter
dem Leitwort: "Für deutsche Seemannsehr, für
Deutschlands schwimmende Wehr, für beider
Wiederkehr." Am 31. Mai 1936 wurde das aus Spenden der
Marinekameradschaften finanzierte Ehrenmal feierlich
eingeweiht. Der 85 Meter hohe Turm nach einem Entwurf des
Baumeisters Professor G. A. Munzer erinnert an den Steven
eines Germanenschiffes. Architektonisch hinzukomponiert
wurden der Ehrenhof und eine Ehrenhalle. Das Denkmal
wurde 1945 von den Alliierten beschlagnahmt, jedoch
nicht, wie von Deutschenhassern gefordert, gesprengt,
sondern 1954 wieder freigegeben. Seit 1972 dient die vor
dem Ehrenmal am Strand aufgestellte U 995 als Wahrzeichen
der deutschen U-Boot-Waffe.
Marinegedächtniskirche
Landläufiger Name
der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven.
Ursprünglich war sie nach der
Preußenkönigin Elisabeth benannt. Der
Gründer von Wilhelmshaven, der nachmalige Kaiser
Wilhelm I., legte am 17. Juni 1868 in Anwesenheit
Bismarcks und Moltkes den Grundstein zum Gotteshaus. Am
19. Mai 1872 fand die Einweihung statt. Zur
Marinegedächtniskirche wurde sie dank Dekan
Ronneberger, der ab 1915 in Wilhelmshaven als
Militärseelsorger tätig war. Ein Gemälde
zu Ehren der Gefallenen am Skagerrak von Professor
Schnarrs-Alquist wurde am 10. Jahrestag der Schlacht
enthüllt; Marmortafeln mit Namen von Gefallenen
wurden angebracht. Nachdem Wilhelmshaven 1956 wieder
Marinegarnison geworden war, kam es am 2.Juni 1957 in
Anwesenheit der einstigen Oberbefehlshaber der deutschen
Kriegsmarine, der Großadmirale Dönitz und
Raeder, zur Einweihung des Ehrenmals im linken
Querschiff: Unter einer von Bildhauer Professor
Geiß geschaffenen bronzenen Platte wurde die
sterbliche Hülle eines unbekannten gefallenen
Seesoldaten bestattet. In Nischen rechts und links
befinden sich Bücher mit den Namen Gefallener beider
Weltkriege. Über dem Ehrenmal die Inschrift: "Sie
alle starben fürs Vaterland."
Marineschule Mürwik
Die nach den
Plänen des Marinebaurats Kelm im Stile einer alten
Ordensburg errichtete Ausbildungsstätte für den
deutschen Marine-Offiziersnachwuchs in
Flensburg-Mürwik wurde 1910 in Anwesenheit Kaiser
Wilhelms II. eingeweiht. 1919/20 waren dort die für
Überwachung der Volksabstimmung in Nordschleswig
zuständigen britischen Soldaten einquartiert.
Nachdem sich die Bevölkerung des Raumes Flensburg
für den Verbleib beim Deutschen Reich entschieden
hatte, begann im September 1920 der Ausbildungsbetrieb in
Mürwik wieder. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges
diente das Hauptgebäude als Lazarett. Am 3. Mai 1945
wurde die acht Jahre zuvor errichtete Sportschule Sitz
der letzten deutschen Reichsregierung unter
Reichspräsident Karl Dönitz. Von dort aus wurde
die Rettung von Millionen Ostdeutschen über See
geleitet. Die Reichsregierung wurde am 23. Mai 1945
völkerrechtswidrig und in (für Britannien)
entwürdigender Weise von britischen Soldaten
gefangengenommen. Seit 1956 dient die Marineschule der
Bundesmarine zur Ausbildung der Offiziersanwärter.
In der Aula über dem Remter sind die Namen der
gefallenen Seeoffiziere der Kaiserlichen Marine in
aufklappbaren eichenen Tafeln eingeschnitzt.
Marken
Im alten germanischen
Sinne bedeutete "marca" soviel wie unbewohnte
Waldwildnis. Dann nahm das Wort den Sinn von
Sicherheitszonen um Siedlungen an, wovon zahlreiche
deutsche Ortsnamen mit "mark" zeugen. Karl der
Große schuf erstmals Marken als Vorposten des
Reiches, die der Sicherung des Herrschaftsgebietes
dienten. So die Spanische Mark als Bollwerk gegen Basken
und Araber. Otto der Große errichtete ab 970 ein
neues Markensystem mit Schwerpunkt im Osten. Dazu
gehörten von Süd nach Nord: Billunger Mark,
Nordmark, Mark Meissen, Mark Österreich, Mark
Steier, Mark Kärnten, Mark Krain. Bedeutende
markgräfliche Geschlechter waren unter anderen die
Babenberger, die Askanier und die Wettiner. Aus den
Marken gingen deutsche Länder wie Sachsen,
Brandenburg und Österreich hervor.
Marksburg
Die Marksburg liegt
beim 886 erstmals erwähnten Braubach am Rhein, nicht
weit entfernt vom Loreley-Felsen. Sieht man davon ab,
daß der Bergfried im Zweiten Weltkrieg zerschossen
und danach wiederaufgebaut wurde, ist die Veste die
einzige über die Jahrhunderte unzerstört
erhaltengebliebene Burg am Rhein. Das beeindruckende
Bauwerk, das von Deutschlands hoher Zeit im Mittelalter
zeugt, krönt einen wuchtigen Schieferfelsen, der 150
Meter steil hinaufragt. Vermutlich um 1100 wurde dort
eine erste Wehranlage erbaut. 1283 kam die Marksburg in
den Besitz der Grafen von Katzenelnbogen, eines der
bedeutendsten Grafengeschlechter des alten Deutschen
Reiches. In der Neuzeit wechselte sie mehrfach den
Herren. 1866 wurde sie preußisch. Im Jahre 1900
erwarb sie der Deutsche Burgenverein, der dort bis heute
seinen Sitz hat. Die Marksburg birgt das Deutsche
Burgenarchiv. In ihren Mauern befindet sich die
größte burgenkundliche Fachbücherei der
Welt.
Marseille-Pyramide
Unweit von EI Alamein
(Ägypten) wurde 1989 eine Gedenkpyramide für
den deutschen Fliegerhelden Hans-Joachim Marseille
eingeweiht. Zahlreiche ehemalige deutsche und
italienische Waffenkameraden Marseilles waren bei der
Feierstunde zugegen. Der Fliegerheld war nicht nur
Träger des Eichenlaubes mit Schwertern und
Brillanten, sondern auch der höchsten italienischen
Auszeichnung, der Medaglia d'Oro. Initiator des
Ehrenmales war Eduard Neumann, der einstige Kommodore des
Jagdgeschwaders 27, dem Marseille angehörte. Die
Kosten wurden durch Spenden bestritten. Die Pyramide
steht dort, wo Marseille tödlich abgestürzt
ist. Eine vom Bildhauer Georg Rauwolf, Staffelkamerad des
Fliegerhelden, geschaffene Gedenktafel erinnert in
arabischer, italienischer und deutscher Sprache an
Marseille, den "Stern von Afrika": "Hier starb unbesiegt
Hans-Joachim Marseille am 30. September 1942."
Marshall-Inseln
Die Inselgruppe liegt
im östlichen Mikronesien (Stiller Ozean) und wurde
1529 von den Spaniern entdeckt. Benannt sind die
insgesamt fast 1000 Inseln und Kleinst-Eilande nach dem
englischen Forscher Marshall. Ab den 1870er Jahren
ließen sich deutsche Handelsfirmen auf der
Hauptinsel Jaluit nieder. 1884 erklärte das Deutsche
Reich die Marshall-Inseln zum Schutzgebiet, 1888 kam
Nauru im Süden mit seinen reichen
Guano-Phosphat-Lagerstätten hinzu. Das insgesamt 420
qkm Landfläche umfassende Schutzgebiet fiel 1906 an
Deutsch-Neuguinea. Im Ersten Weltkrieg japanisch besetzt,
gerieten die Inseln nach 1918 als "
Völkerbundmandat" unter Tokios Herrschaft; Nauru
wurde britisch. Als "Treuhandgebiet" der UNO nahmen die
USA die Marshall-Inseln im Mai 1947 in Beschlag.
Washington zündete dort (auf Eniwetok und Bikini)
zahlreiche Atombomben und Wasserstoffbomben, um neue
Massenvernichtungsmittel zu erproben.
Masuren
Es ist das im
Ostpreußenlied besungene Land der dunklen
Wälder und kristallnen Seen (mit dem Spirdingsee,
dem zweitgrößten See Deutschlands). Die
Masuren sind eine Mischung aus Altpreußen,
zugewanderten slawischen Masowiern und deutschen
Kolonisten. Ein Teil (1925: 10 %, = ungefähr 60 000
Personen) hatte das stark von den Masowiern
beeinflußte Masurische als Muttersprache. Das
Gebiet war im 13./14. Jahrhundert vom Deutschen Orden
erobert worden und teilte das Schicksal
Ostpreußens. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten
Zehntausende Masuren ins Ruhrgebiet ab, die heute oft als
"Polen" bezeichnet werden, obwohl sie weder Polen waren
noch polnisch empfanden, sondern deutsch. In Masuren
bezwangen im Ersten Weltkrieg die von Hindenburg und
Ludendorff geführten deutschen Truppen die Russen.
Die Volksabstimmungam 11. Juli 1920 ergab mit 97,9 %
für Deutschland ein beeindruckendes deutsches
Bekenntnis der Masuren. 1945 wurden die meisten von ihnen
im Vertreibungsholocaust umgebracht oder zur Flucht
gezwungen. Vermutlich 100 000 blieben in der Heimat und
waren brutaler Polonisierung unterworfen.
Maximiliansdenkmal
Der in Wiener Neustadt
ruhende Maximilian I. (1486 deutscher König, 1508
Kaiser) erhob Habsburg durch Heiratspolitik zur
mächtigsten Dynastie Europas. Er behauptete Flandern
und Burgund beim Reich, verkündete den Ewigen
Landfrieden, schuf das Landsknechtswesen und ging als
"letzter Ritter" in die Geschichte ein. Er wünschte
einen würdigen kaiserlichen Totenkult und gab
dafür Bronzebildnisse großer germanischer und
deutscher Herrscher in Auftrag. In seinem Lieblingsland
Tirol ließ ihm zu Ehren sein Enkel Karl V. die
Innsbrucker Hofkirche erbauen. In ihr befinden sich das
prunkvolle marmorne Maximiliansdenkmal von Meister Colin
sowie die erwähnten Bronzebildnisse der
Majestäten, von denen die Theoderich-Skulptur P.
Vischers d. Ä. die berühmteste ist. Seit 1823
ruhen in der Hofkirche auch die Gebeine Andreas
Hofers.
Mecklenburg
Das bis ins 6.
Jahrhundert nach der Zeitenwende germanische Land wurde
dünn von Wenden besiedelt. Von Heinrich dem
Löwen unterworfen, geriet es später unter
dänische Hoheit, die 1227 von den Deutschen
gebrochen werden konnte. Dann setzte die deutsche
Besiedlung - hauptsächlich durch Flamen,
Niedersachsen, West- und Ostfalen - ein. 1348 wurden die
Fürsten Mecklenburgs reichsunmittelbare
Herzöge. Von 1643 bis 1803 stand Wismar mit seinem
Umland unter schwedischer Herrschaft. 1934 wurden die
seit 1621 getrennten Landesteile Mecklenburg-Schwerin und
Mecklenburg-Strelitz zum Land Mecklenburg mit der
Hauptstadt Schwerin vereinigt. 1946 kam Vorpommern hinzu.
1952 erfolgte die Teilung in drei DDR-Bezirke. Seit der
Wiedervereinigung 1990 gehört Mecklenburg-Vorpommern
zur Bundesrepublik Deutschland.
Memel
Der 907 Kilometer lange
Fluß entspringt südlich von Minsk, teilt sich
unterhalb von Tilsit in mehrere Arme und mündet in
Ostpreußen ins Kurische Haff. Nachdem der Deutsche
Ritterorden zur herrschenden Macht in ihrem Einzugsgebiet
geworden war, war die Memel für Jahrhunderte auf
insgesamt 500 Kilometern Länge deutscher Grenz- bzw.
(von Kaunas/Kauen bis zum Haff) Binnenfluß. Der
geschlossene deutsche Siedlungsraum griff bis 1945
nördlich über sie hinaus. Weil die Memel der
östlichste deutsche Fluß ist, wurde sie von
Hoffmann von Fallersleben im Lied der Deutschen
sinnbildhaft erwähnt.
Memelland
Es ist der rund 2800
qkm große nördlichste Teil Ostpreußens
mit seinerzeit etwa 140 000 Einwohnern, den man 1919 in
Versailles Deutschland entriß. Damit wurde eine
Grenze willkürlich verändert, die rund ein
halbes Jahrtausend Bestand hatte. Das Memelland kam 1920
unter französische Verwaltung und wurde 1923 von
Litauen annektiert, was die Alliierten am 8. Mai 1924
absegneten. Trotz Unterdrückung des Deutschtums
bekannten sich bei Wahlen, so 1925 und 1938, rund 90
Prozent der Einwohner zu den deutschen Parteien. Am 22.
März 1939 mußte Litauen das Gebiet wieder
hergeben, doch wurde es 1945 erneut Deutschland geraubt.
Es fiel an die Sowjetrepublik Litauen und blieb nach der
litauischen Unabhängigkeit völkerrechtswidrig
im Wilnaer Machtbereich. Die 1252 gegründete Stadt
Memel kam 1326/28 an den Deutschen Orden und war 1806/07
Zufluchtsort der preußischen
Königsfamilie.
Michael
Der Erzengel Michael,
im Neuen Testament himmlischer Widersacher Satans und
Bekämpfer des Drachen, ist der Schutzpatron
Deutschlands. Im deutschen Volksglauben trat er, meist
auf Bergen verehrt, an die Stelle Odin-Wotans, dessen
Weihestätten sich ebenfalls auf Anhöhen
befunden hatten. Der kirchliche Michaelistag (29.
September) steht in enger Beziehung zum Erntedankfest und
dessen germanischen Wurzeln. Seit dem 10. Jahrhundert ist
der Erzengel Michael auf deutschen Heerfahnen abgebildet.
Der Legende nach griff er bei der Schlacht auf dem
Lechfeld im Jahre 955 auf deutscher Seite ein. Die
deutsche Kunst stellte ihn meist als Drachentöter
wie einst Siegfried dar.
Michel
"Deutscher Michel" hat
eine heldische und eine spöttische Bedeutung.
Zunächst war es der volkstümliche Name des
deutschen Schutzpatrons, Erzengel Michael. Deutscher
Michel wurde auch der tapfere Reiterführer Michael
von Obentraut (1574-1625) genannt; ihm zu Ehren steht bei
Seelze in Niedersachsen ein Denkmal in Pyramidenform. Im
17. Jahrhundert galt der Deutsche Michel als Symbol
für die Abwehr sprachlicher Überfremdung. Arndt
sah ihn als Idealgestalt des jungen deutschen Mannes.
Andererseits gab es schon im 16. Jahrhundert die
Darstellung des Michel als einfältiger Bauer- oder
Bürgertyp. Seit dem 19. Jahrhundert ist er, versehen
mit der Zipfelmütze, bei Zeichnern beliebt, die die
politische Verschlafenheit der Deutschen karikieren
wollen. Daß der Deutsche Michel auch anders kann,
deutete das Denkmal vor dem Königsberger Wrangelturm
an, das ihn mit Dreschflegel und geballter Faust zeigte.
Mittelalter
Das Mittelalter ist die
Ära vom endgültigen Sieg der Germanen über
das römische Weltreich bis zur Reformation. Dieses
Jahrtausend war geprägt vom Reich der Deutschen als
Vormacht des Abendlandes. Antike, Christentum und
Germanentum gingen eine großartige Symbiose ein.
Als herrlichste Ausformung mittelalterlichen Geistes kann
das Rittertum gelten, das in Deutschland zur
höchsten Blüte kam. Romanik und Gotik zeugen
von der gewaltigen künstlerischen Energie, die im
Mittelalter freigesetzt wurde. Politisch maßgeblich
war ab dem 10. Jahrhundert das Heilige Römische
Reich (Deutscher Nation) mit seinem Kaisertum,
religiös führte das Papsttum. Der Kampf
zwischen Papst und Kaiser verzehrte viel Kraft. Exzesse
wie etwa Hexenverfolgungen waren keineswegs kennzeichnend
für das Mittelalter, sondern Verfallserscheinungen
an der Schwelle zur Neuzeit. Im Mittelalter erlebten das
deutsche Volk und sein Reich ihre hohe Zeit.
Mitteldeutschland
Als Kernland des alten
Deutschen Reiches galt Böhmen. Der geographische
Mittelpunkt des Bismarckreiches war Spremberg/Lausitz
(Brandenburg), wovon ein dort nach 1871 errichteter und
1991 wiederhergestellter Gedenkstein zeugt.
Geographischer Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland
ist seit 1990 das thüringische Niederdorla.
Thüringen empfindet sich seit alters her als "das
Herz Deutschlands". Geschichtlich, landschaftlich,
sprachlich und kulturell wird Mitteldeutschland in etwa
durch Franken und Hessen (einschließlich) im Westen
und durch Oder und Neiße im Osten begrenzt. Teile
Niedersachsens und Brandenburgs sowie Sachsen, Anhalt und
Thüringen gehören dazu. Verfälschenden
Ausdrücken wie ehedem "Ostzone" oder, neuerdings
sehr häufig, "Ostdeutschland" für die einstige
DDR bzw. die fünf neuen Bundesländer setzt die
nationale Publizistik demonstrativ die Bezeichnung
"Mitteldeutschland" entgegen.
Mitteleuropa
Es ist das
Übergangsgebiet vom ozeanischen West- zum
kontinentalen Osteuropa, vom subtropischen Süden zum
teilweise subpolaren Norden. Natürliche Grenzen
fehlen weitgehend. Das mit Abstand stärkste Volk in
Mitteleuropa sind die Deutschen. Neben ihnen bewohnen die
Polen, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Kroaten und Ungarn
den Kernraum des Kontinents. Meist in den vergangenen
1000 Jahren lebten die Deutschen mit den anderen
mitteleuropäischen Nationen, die Polen ausgenommen,
unter einem staatlichen Dach: Im Heiligen Reich bis 1806
und danach in der k.u.k. Monarchie. Erst seit 1918 war
Mitteleuropa politisch zersplittert und von 1945 bis 1989
auch noch vom Eisernen Vorhang durchzogen. Die
Mitteleuropa-Idee, der Wunsch nach enger Kooperation der
Mitteleuropäer bis hin zu gemeinsamer Staatlichkeit,
ist stets lebendig geblieben. Die bekanntesten deutschen
Fürsprecher waren im 19. Jahrhundert Friedrich List
und Constantin Frantz; im 20. Jahrhundert war es
Friedrich Naumann.
Mondorfer Erklärung
Am 23. Mai 1945 wurde
die deutsche Reichsregierung an ihrem Amtssitz Flensburg
von den Alliierten völkerrechtswidrig in Haft
genommen. Reichspräsident Karl Dönitz
verschleppte man zur Internierung nach Mondorf in
Luxemburg. Seine dort verfaßte Erklärung bezog
sich auf die Deklaration der Alliierten vom 5. Juni 1945.
Darin hatten sich die Sieger angemaßt, die
Regierungsgewalt in Deutschland zu übernehmen, was
die Machtergreifung einer alliierten Militärdiktatur
bedeutete. Dönitz stellte in seiner Mondorfer
Erklärung die Rechtswidrigkeit der Fremdherrschaft
fest und daß die Reichsregierung widerrechtlich an
der Amtsausübung gehindert werde. Außerdem
unterstrich er die Tatsache, daß nicht das Deutsche
Reich, sondern die Deutsche Wehrmacht kapituliert hatte
und daß das Reich infolgedessen fortbestehe. Durch
kluge Politik in schwerster Stunde sicherte Dönitz
den rechtlichen Fortbestand der deutschen
Staatlichkeit.
Münchener Abkommen
Nach dem Ersten
Weltkrieg preßten die Westmächte 3,5 Millionen
Deutsche gegen deren Willen in den Vielvölkerstaat
Tschechoslowakei. Prag verhieß Freiheit wie in der
Schweiz. Doch wurden die Minderheiten, vor allem die
Deutschen, brutal unterdrückt. Auch beteiligte sich
die CSR an antideutschen Bündnissen. Nach dem
Österreich-Anschluß, März 1938,
drängten die Sudetendeutschen auf die
Wiedervereinigung mit dem Reich. Eine britische
Kommission unter Lord Runciman stellte vor Ort den
eindeutigen Willen der deutschen Bevölkerung ("Heim
ins Reich!") fest. Auch Berlin wollte jetzt eine
Lösung erreichen. Auf Vorschlag Mussolinis trafen
sich am 28./29. September 1938 in München die
Regierungschefs der vier wichtigsten europäischen
Staaten: Frankreich, Großbritannien, Italien,
Deutschland. Sie unterzeichneten das Münchener
Abkommen: Die geschlossen deutschen Gebiete der CSR
kamen, selbstbestimmungsgemäß, ans Deutsche
Reich, polnisch besiedeltes Gebiet an Polen, Regionen mit
ungarischer Mehrheit an Ungarn.
Mundatwald
Der Mundatwald ist rund
sieben Quadratkilometer groß und liegt in der
Südpfalz, an der Grenze zum Elsaß. Er wurde
1949 kraft Besatzerwillkür von Frankreich
vereinnahmt. Schon Kanzler Adenauer bemühte sich,
das Problem zu Lasten Deutschlands zu bereinigen. Am 10.
Mai 1984 kamen Bonn und Paris überein, daß
Frankreich die Besatzungsverordnung von 1949 formell
aufhebt, Bonn dafür das Privateigentum am Mundatwald
an die Französische Republik überträgt.
Gegen diesen Kompromiß, der das Unrecht kaschiert,
nicht aber beseitigt, erhob sich Widerstand. Besonders
engagiert sich der Jurist Dr. Bertzel, dem 1988 vom
Amtsgericht Bad Bergzabern eine Pflegschaft der
staatlichen deutschen Ansprüche am Privateigentum
des Mundatwaldes übertragen wurde. Auf Betreiben der
rheinland-pfälzischen Landesregierung hob das
Landgericht Landau die Pflegschaft auf. Auch Anfang der
90er Jahre war das Problem dieses Relikts aus der
Besatzungszeit nicht gelöst.
Nationale Volksarmee
Die NVA der DDR ging am
18.Januar 1956 aus der Kasernierten Volkspolizei hervor.
Die allgemeine Wehrpflicht wurde Anfang 1962
eingeführt. In der Nationalen Volksarmee standen
seither permanent rund 180 000 Mann unter Waffen. Sie
umfaßte auch die Volksmarine, Luftstreitkräfte
und die Grenztruppen (mit Schießbefehl auf
Flüchtlinge). Die Partei führte das große
Wort. Im Brauch der NVA gab es Imitation der sowjetischen
Vormacht und kniefälliges Gehabe ("Dank Euch, Ihr
Sowjetsoldaten" im Zapfenstreich der Nationalen
Volksarmee), jedoch auch deutsche Traditionspflege, z.B.
Fahneneid vor der Neuen Wache, "Scharnhorst-Orden" als
höchste militärische Auszeichnung; im Gegensatz
zur Bundeswehr trug die NVA Uniformen, die weitestgehend
jenen der Deutschen Wehrmacht entsprachen.
Naumburger Dom
Im 10. Jahrhundert
erbauten die Markgrafen von Meißen an der
Mündung der Unstrut in die Saale die Neuenburg, aus
der Naumburg entstand. 1042 wurde der erste Dom geweiht.
Der Bau der zweiten, weltberiihmten Kathedrale St. Peter
und Paul begann um 1210 und wurde im 14. Jahrhundert
vollendet. Der Naumburger Dom entstand in der
Übergangszeit von der Romanik zur Gotik; er gilt als
herrlichste Symbiose beider Epochen der Kunst. Am meisten
beeindrucken die zwölf Stifterfiguren im Inneren der
Kirche; Werke eines unbekannten Meisters, der wohl
maßgeblicher Architekt des Domes war. Die
steinernen Monumente stellen acht Männer und vier
Frauen dar und entstanden Mitte des 13 . Jahrhunderts. Es
erscheinen - idealisiert - Angehörige des
Meißener und des Wettiner Fürstenhauses. Das
Bildnis der Markgräfin Uta wird als formvollendetste
Frauenskulptur des Mittelalters angesehen.
Nemmersdorf
Das Dorf im Kreis
Gumbinnen (Ostpreußen) war die Stätte des
ersten sowjetischen Massakers auf reichsdeutschem Boden.
Es fiel den Stalintruppen am 20. Oktober 1944 in die Hand
und konnte kurz darauf von der Wehrmacht
zurückerobert werden. Die Befreier fanden eine
Vielzahl ermordeter Zivilisten vor, meist vor ihrem Tode
grausam mißhandelte Frauen und Kinder. Das
schrecklichste Bild boten an Scheunentoren gekreuzigte
vergewaltigte Frauen. Zu den Opfern der von Ilja
Ehrenburg angestachelten oder aus eigenem sadistischen
Antrieb handelnden sowjetischen Mördern zählten
bei Nemmersdorf auch 50 französische
Kriegsgefangene. Deutschland rief eine internationale
Ärztekommission herbei, die die Greuel
protokollierte. Zahlreiche ausländische
Pressekorrespondenten berichteten über den Fall.
London reagierte mit der Weisung an seine Journalisten,
Gemetzel des sowjetischen Verbündeten unbedingt zu
vertuschen. Auch in Alt-Wusterwitz bei Nemmersdorf war es
in jenen Tagen zu furchtbaren Sowjetgreueln
gekommen.
Weiterführend:
Ein
Storchennest als Mahnmal
-- Ein Augenzeuge erinnert sich an das Massaker von
Nemmersdorf
Kein
Erinnerungsort nirgends
-- Vor sechzig Jahren verheerte die Rote Armee das
ostpreußische Nemmersdorf
Neue Wache
Für die
Wachmannschaft der preußischen Hauptstadt erbaute
Karl Friedrich Schinkel 1817/18 an der Berliner
Prachtstraße Unter den Linden die Neue Wache, ein
Meisterwerk des Klassizismus mit sechs dorischen
Säulen. 1931 wurde es von Baumeister Tessenow zum
Reichsehrenmal der Gefallenen des Weltkrieges
umgestaltet. Unter dem Oberlicht im Inneren lag ein
golden und silbern geschmückter Eichenlaubkranz.
Reiswehr, Wehrmacht und später auch NVA zogen vor
der Neuen Wache im Stechschritt feierlich auf. Das 1944
bombenzerstörte Gebäude wurde ein Jahrzehnt
später wiederhergestellt und diente zunächst
ausschließlich dem "Antifa"- Kult des SED-Regimes.
1969 wurde die sterbliche Hülle eines 1945 bei
Görliz gefallenen unbekannten Wehrmachtsoldaten in
die von der Ewigen Flamme illuminierte Neue Wache
gebracht.
Neunter November
Dieser Tag hat in der
deutschen Geschichte große Bedeutung. Beispiele aus
dem 20. Jahrhundert: Am 9. November 1918 verzichtete
Wilhelm II. auf den Kaiserthron, am 9. November 1923
wurde an der Münchner Feldherrnhalle der
Hitlerbewegung blutig Einhalt geboten, am 9. November
1938 fand das Pogrom der sogenannten
Kristallnacht statt. Am 9.
November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet.
Vorangegangen waren die neue sowjetrussische Politik, die
Massendemonstrationen in Mitteldeutschland unter dem
Leitwort "Deutschland, einig Vaterland!" und die
Massenflucht aus der DDR über Prag und Budapest.
Unbeschreibliche Jubel- und Freudenszenen spielten sich
ab, als die Mauer ihren Schrecken verlor und die
jahrzehntelang mit Gewalt voneinander getrennten
Deutschen zusammenfinden konnten. Der 9. November als
Nationalfeiertag der Wiedervereinigung scheiterte am
Widerstand jener, die dieses Datum wegen der
"Kristallnacht" ausschließlich im Zeichen deutscher
Sühne sehen wollten.
Neuschwanstein
Trotz Preußen-
und Reichsfeindlichkeit an seinem Hof trug Bayerns
König Ludwig II. dem preußischen Monarchen
Wilhelm namens der deutschen Fürsten Ende 1870 die
Kaiserkrone an. Der kunstsinnige Ludwig war fasziniert
vom deutschen Mittelalter. Auf sein Geheiß wurde
1869 oberhalb von Füssen, gegenüber
Schloß Hohenschwangau, der Grundstein zum Bau einer
Idealburg nach dem Vorbild der Wartburg gelegt. Den
Entwurf für Neuschwanstein lieferten Hofbaudirektor
Riedl und der Theatermaler Jank. Baumeister Georg von
Dollmann verwirklichte den kühnen Gedanken des
Königs. Er baute auch die Schlösser
Herrenchiemsee und Linderhof. Nach dem Tode Ludwigs 1886
wurden die Bauarbeiten an Neuschwanstein eingestellt. So
konnten nur Teile des Gesamtkonzeptes umgesetzt werden.
Die Innenräume des Schlosses sind mit Darstellungen
aus der mittelalterlichen deutschen Überlieferung
ausgestattet. Zum 50. Todestag von Richard Wagner, dessen
Mäzen Ludwig II. gewesen war, fand 1933 das erste
Konzert im Sängersaal des Schlosses statt. Das
imposante Bauwerk in herrlicher Lage ist zu einem
deutschen Wahrzeichen in der ganzen Welt
geworden.
Nibelungenlied
Es ist das bedeutendste
Denkmal deutscher Heldendichtung, aus mehreren
germanischen Sagenkreisen zusammengewachsen und wurde
ungefähr von 1200 bis 1205 am Passauer Bischofshof
von einem wohl aus Österreich stammenden Meister der
deutschen Dichtkunst in formvollendeter Art
aufgezeichnet. Es schildert den Streit zwischen Kriemhild
und Brünhild, der zum Tode Siegfrieds durch Hagens
Hand und zum reckenverschlingenden Kampf an Attilas Hofe
führt. In hochdeutscher Nachdichtung: "Das
wunderschöne Weib (Kriemhild), um das hernach viel
Degen verloren ihren Leib." Der historische Kern war die
Vernichtung der germanischen Burgunden am Rhein durch die
Hunnen im Jahre 436 sowie der Tod des Hunnenkönigs
Etzel (Attila) in der Hochzeitsnacht mit der Germanin
Ildico. Siegfried könnte der mythologisierte Armin
(Hermann) der Cherusker sein. Das im späten
Mittelalter in Vergessenheit geratene Nibelungenlied
erschien 1782 im Neudruck und wurde von den Romantikern
als das wichtigste Epos des Mittelalters
wiederentdeckt.
Niederlande
Die eingesessene
Bevölkerung des Königreiches ist
fränkischen, sächsischen und friesischen
Stammes. Über acht Jahrhunderte gehörte das
Gebiet zum ersten Deutschen Reich. 1477 kam es an die
Habsburger, 1556 an deren spanischen Zweig. Gegen die
Hispanisierung und die Willkürherrschaft des Herzogs
Alba wurde ein Aufstand entfacht, den ab 1572 Wilhelm von
Oranien-Nassau führte. Bald darauf sagten sich die
Niederlande von Spanien und Habsburg los. 1648, beim
Westfälischen Frieden, erlangten sie auch de jure
ihre Unabhängigkeit vom Reich. Für einige Zeit
stiegen sie zur führenden europäischen Seemacht
auf. Die niederdeutsche Mundart ihrer Bewohner
entfremdete sich der deutschen Hochsprache. Seit den
1960er Jahren sind die Niederlande die am meisten von
fremdkontinentalen Einwanderern durchsetzte und von
Dekadenz aus den USA betroffene Region des einstigen
Heiligen Reiches. Die große Mehrheit der
Niederländer weiß kaum noch etwas von ihren
deutschen Wurzeln, obwohl sie der Welt gemäß
angloamerikanischem Sprachgebrauch als "Dutchmen" gelten
und in ihrer Hymne "Wilhelmus von Nassauen von deutschem
Blut" verherrlicht wird.
Niederwalddenkmal
Das auch
Germania-Denkmal genannte Monument auf dem 350 Meter
hohen Bergrücken des Niederwald (Taunus) am Rhein
gegenüber Bingen ist ein Werk des Bildhauers Johann
Schilling und des Baumeisters Karl Weisbach. Es wurde am
28. September 1883 nach sechsjähriger Bauzeit in
Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. feierlich eingeweiht und
ist dem Sieg im Kriege 1870/71 sowie der deutschen
Reichseinigung gewidmet. Auf 25 Meter hohem Sockel
befindet sich die 10,5 Meter große Germania-Figur
mit gesenktem Schwerte und der Reichskrone in der
Rechten. Im Sockelrelief sieht man Darstellungen Kaiser
Wilhelms I. und des Reichsgründers Otto von
Bismarck; ihnen beigeordnet die Fürsten des 1871
gegründeten Reiches. Darunter wurden die Worte des
deutschen Schutz- und Trutzliedes "Die Wacht am Rhein"
angebracht.
Nordamerika-Deutsche
Nach amtlicher Erhebung
haben 28 % der US-Bürger mindestens ein Elternteil
deutscher Herkunft. Damit sind dort die Menschen
deutscher Abstammung die größte Gruppe. In
Kanada stehen sie mit rund einer Million Personen an
dritter Stelle. Noch vor Kolumbus segelten Deutsche nach
Amerika (Pothorst um 1450, Pining 1473). Deutsche waren
ein halbes Jahrtausend zuvor auch an Bord der nach
Amerika fahrenden Wikingerschiffe. Peter Minnewit aus
Wesel gründete 1626 in niederländischen
Diensten Neu Amsterdam, das spätere New York. Am 6.
Oktober 1683 kam auf der "Concord" die erste geschlossene
deutsche Einwanderergruppe und gründete Germantown.
Von General Steuben, der entscheidend zur
US-Unabhängigkeit beitrug, bis zu Wernher von Braun,
der den USA den Mondflug ermöglichte, hatten
Deutsche großen Anteil an der Entwicklung des
Landes. Vor allem ihnen ist die friedliche Durchdringung
des riesigen Westens zu verdanken. Ihre
Repräsentanten wie Carl Schurz, der politisch
bedeutendste Nordamerika-Deutsche, protestierten gegen
Negersklaverei und Indianerausrottung. Das blühende
Deutschtum in den USA (700 deutsche Zeitungen,
Zehntausende deutsche Vereine bis 1914) wurde durch
antideutsche Pogromhetze in und nach den Weltkriegen
schwer beeinträchtigt.
Norddeutscher Bund
Nach dem Deutschen
Krieg und der Auflösung des Deutschen Bundes 1866
gewann Bismarck die Verbündeten Preußens
für einen neuen Zusammenschluß. Diesem
Norddeutschen Bund fügten sich nördlich des
Mains 22 deutsche Staaten ein. Die Verfassung trat am 1.
Juli 1867 in Kraft. Preußens König Wilhelm I.
war Bundespräsident, Bismarck fungierte als
Reichskanzler. Der Bundesrat war die Vertretung der
Länder, der nach den Grundsätzen des
allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts
gewählte Reichstag die Repräsentanz des Volkes.
Der Norddeutsche Bund war die unmittelbare Vorstufe des
neuen Deutschen Reiches. Seine Verfassung bildete die
Grundlage für die Reichsverfassung von
1871.
Nordschleswig
1871 kam ganz
Schleswig-Holstein ins neue Deutsche Reich. Eine für
den Norden des Landes vorgesehene Volksabstimmung fand
nicht statt. Im Versailler Diktat wurde dieses Votum
angeordnet. Am 10. Februar 1920 entschieden sich in der
nördlichen Zone 24,9 Prozent für Deutschland
und 74,2 % für Dänemark. Am 14. März 1920
votierten in der südlichen Region des
Abstimmungsgebietes 80 Prozent für das Deutsche
Reich und 20 Prozent für Dänemark. Das Deutsche
Reich trat das mehrheitlich dänische Gebiet am 5.
Mai 1920 ab (rund 4000 Quadratkilometer).
Ungerechterweise gerieten auch deutsche Städte wie
Apenrade und Tondern (76 % für Deutschland) in den
dänischen Machtbereich. Mitte der 30er und Mitte der
50er Jahre gab es deutsch-dänische Vereinbarungen
über den gegenseitigen Minderheitenschutz.
Allerdings haben die rund 25 000 Deutschen im
dänischen Nordschleswig nicht annähernd so
viele Rechte wie die Dänen im deutschen Teil. Das
vielen Deutschen in Dänemark unmittelbar nach 1945
zugefügte Unrecht ist nicht wiedergutgemacht
worden.
Nürnberg
Die erste erhalten
gebliebene Urkunde, die Nürnberg erwähnt,
stammt aus dem Jahre 1050. 1192 wurden die Hohenzollern
Burggrafen. Die Goldene Bulle bestimmte 1356, daß
jeder deutsche König seinen ersten Reichstag in der
Hauptstadt des Frankenlandes halten müsse. Im 15.
Jahrhundert stand Nürnberg in höchster
Blüte. Ab 1424 hütete es die Reichskleinodien.
Künstler wie Veit Stoß, Albrecht Dürer,
Hans Sachs, Wissenschaftler wie Behaim und Henlein
wirkten in Nürnbergs Mauern. Der
Dreißigjährige Krieg läutete die Periode
des Niedergangs ein. 1806 wurde Nürnberg bayerisch.
Im Bismarckreich nahm es neuen Aufschwung. Unter Hitler
war es die "Stadt der Reichsparteitage" und hütete
wieder die Reichsinsignien. Die Alliierten legten
Nürnberg in Schutt und Asche und klagten dann die
Führer der besiegten Deutschen dort der
Kriegsverbrechen an. Die Nürnberger Burg auf rotem
Sandsteinfelsen ist eine salische Gründung des 11.
Jahrhunderts. Sie birgt das Grab des heiligen Sebaldus,
wurde zur Stauferzeit erweitert und im späten
Mittelalter vollendet. Der besonderen Bedeutung
Nürnbergs wegen war der Burggraf ein
einflußreicher Vertrauensmann des
Kaisers.
Nürnberger Prozesse
Die Sieger des Zweiten
Weltkrieges brachten die Führer von 17
europäischen und asiatischen Staaten um. Meist
machte man kurzen Prozeß, manchmal gab es
Schautribunale. So vom November 1945 bis Oktober 1946 den
"Nürnberger Prozeß gegen die
Hauptkriegsverbrecher" nach dem Plan der Zionisten Jacob
und Nehemia Robinson. Nicht etwa saßen Juristen
neutraler Länder wie der Schweiz oder Schwedens
über die Massenmörder beider Seiten zu Gericht,
sondern Ankläger und Richter waren die Sieger, die
Angeklagten nur die Besiegten. Der, zurückhaltend
formuliert, rechtsstaatswidrige Schauprozeß endete
mit dem sadistischen Vollzug von Todesstrafen am 16.
Oktober 1946. Sowjetankläger Rudenko galt als
Stalins "Bluthund" in der Ukraine, sein britischer
Kollege Dean war an der Auslieferung von Millionen
Osteuropäern in den Gulag beteiligt, die US-Richter
Clark und Biddle trugen Mitverantwortung für das
KZ-Unrecht an den US-Japanern usw. Der stellvertretende
sowjetische Anklänger in Nürnberg, Zorja, wurde
während des Prozesses auf Stalins Geheiß
liquidiert. In US-Regie gingen die Nürnberger
Prozesse bis 1949 weiter, wogegen sich einhelliger
deutscher Protest, auch der Kirchen, erhob. Weil man die
Deutschen im Kalten Krieg brauchte, wurden die Urteile
"milder".
Weiterführend:
Vae
victis! Wehe den
Besiegten! --
Das Tribunal der Sieger
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