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M-N

• Maas

Die 925 Kilometer lange Maas entspringt auf der Hochebene von Langres, fließt durchs nördliche Lothringen, durchbricht die Ardennen, führt ihr Wasser an Namur und Lüttich vorbei und mündet mit dem südlichen Rheinarm in Holland in die Nordsee. Über sieben Jahrhunderte lag der Flußlauf innerhalb des Deutschen Reiches, griff das deutsche Volkstum west- und südwärts weit über die Maas hinaus. Seit den französischen Aggressionen des 16. und 17. Jahrhunderts sowie der niederländischen Abspaltung ist der Fluß außerhalb des deutschen Staats- und Volksraumes geraten. Dem Niederrhein gegenüber markiert die Maas die westlichste Grenze des deutschen Volks- und Sprachgebietes, weshalb sie von Hoffmann von Fallersleben im Lied der Deutschen ("von der Maas bis an die Memel") erwähnt wird.

 

• Made in Germany

Das 1871 neu gegründete Deutsche Reich kam exportwirtschaftlich rasch dem auf den Weltmärkten seit langem vorherrschenden England nahe, in manchen Bereichen zog es gleich, in einigen überrundete es das Empire sogar. Zum Schutz vor der deutschen Konkurrenz und zur Abwertung deutscher Waren wurde 1887 durch englisches Gesetz (Merchandise Marks Act) die Bezeichnung "made in Germany" auf allen deutschen, in England und sonst ins Empire eingeführten Waren vorgeschrieben. Die beabsichtigte Wirkung wurde verfehlt; vielmehr verwandelte sich der als Stigma gedachte Stempel "made in Germany" zu einem Gütesiegel für deutsche Wertarbeit und steigerte die deutschen Ausfuhren. Das deutsche Export-Wirtschaftswunder der Zeit bis 1914 wiederholte sich ab Mitte der 1930er Jahre und ab den 50er Jahren auch in der Bundesrepublik Deutschland. In den 80er Jahren gelang es der Bundesrepublik sogar mehrfach, die vielfach raumgrößeren, bevölkerungsstärkeren und bodenschatzreichen Vereinigten Staaten von Amerika als erfolgreichster Exportstaat der Welt zu überholen und sich an die Weltspitze zu setzen.

 

• Magdeburger Stadtrecht

Magdeburg, seit der Wiedervereinigung (1990) Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, wurde 805 erstmals erwähnt. Seit Otto dem Großen (die Majestät ist im Dom der Stadt bestattet) hatte es überragende Bedeutung als Pfalz und Zentrum der ostdeutschen Siedlung, später auch als Hansestadt. Eng damit verknüpft war die in ihrer Dimension geschichtlich einmalige Ausbreitung des Rechtes der Stadt über ganz Ostmitteleuropa, Polen, Litauen, Ungarn bis weit hinein in die Ukraine und nach Rußland. Das Magdeburger Recht war die stadtrechtliche Ausprägung des in germanischer Überlieferung wurzelnden Sachsenspiegels. Die Verwelschung durch Rezeption des römischen Rechts und der Reichszerfall führten im späten Mittelalter zum Bedeutungsschwund des Magdeburger Schöppenstuhls. Den Todesstoß empfing er durch Vernichtung seines Archivs bei der Zerstörung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg.

 

• Mähren

Das Kernland Mitteleuropas ist nach seinem Hauptfluß, der March, benannt. Über ein halbes Jahrtausend war es Siedlungsraum der germanischen Quaden, die im 6. Jahrhundert n. Chr. abzogen. Danach kamen Slawen (Tschechen). Unter Karl dem Großen zeitweise fränkisch, geriet Mähren im 11. Jahrhundert an Böhmen und wurde Teil des Heiligen Reiches. Seit dem 16. Jahrhundert herrschte dort Österreich. Mähren wurde durch Mongolen, Hussiten, im 30jährigen Krieg übel verheert und kam nach 1918 (erneut 1945) an die Tschechoslowakei. Den Zweiten Weltkrieg überstand es weitgehend unbehelligt. Es gehörte zum Protektorat, das selbstbestimmungswidrig dem Großdeutschen Reich angegliedert war. 1945 kam es zum Vertreibungsholocaust an den Deutschen. Sie hatten seit dem 12. Jahrhundert vorwiegend im Norden und Süden Mährens gesiedelt und bildeten große Volkstumsinseln in der Mitte. Noch in den 1920er Jahren war ein Viertel der Bevölkerung Mährens deutsch. Die mährischen Städte, so Olmütz (Hauptstadt bis 1641) und Brünn (Hauptstadt seither), waren deutsche Gründungen und deutsch geprägt.

 

• Mainzer Dom

Der Kaiserdom St. Martin und St. Stephan zu Mainz, der Stadt zahlreicher Reichstage, war die Kirche der Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Krönungsstätte mehrerer deutscher Könige. Im Jahre 975 legte Erzbischof und -kanzler Willigis, der bald darauf das Reich gemeinsam mit der Königinwitwe Theophanu regierte, den Grundstein zum Dom, der größer und prächtiger als die römische Peterskirche werden sollte. 1036 wurde das Sakralbauwerk in Anwesenheit des Salierkaisers Konrad II. und seiner Gemahlin Gisela feierlich eingeweiht. Im 12. und 13. Jahrhundert erhielt es durch Zubauten im wesentlichen seine heutige Gestalt. Nach großem Schaden durch Blitzschlag errichtete Baumeister Franz Michael Neumann, Sohn des großen Balthasar Neumann, von 1767-1774 den neuen westlichen Turm; der östliche wurde 1869-1874 in seiner heutigen Gestalt erbaut. Die Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges am Kaiserdom wurden nach 1945 beseitigt.

 

• Manessische Handschrift

Rüdiger Manesse (gest. 1304), Züricher Patrizier und Herr auf Burg Manegg, besaß mit seinem Sohn Johannes eine reiche Sammlung mittelhochdeutscher Liederbücher. Sie bildete wohl den Grundstock der Großen Heidelberger Liederhandschrift, auch Manessische Handschrift genannt. Es handelt sich um die größte Sammelhandschrift mittelhochdeutscher Minnelyrik und damit um eines der bedeutendsten deutschen Sprachdenkmäler. Die von etwa 1300 bis 1340 entstandene Handschrift enthält Lieder von 140 Dichtern und ist mit 137 ganzseitigen Miniaturen geschmückt. Ab dem 15. Jahrhundert befand sie sich im Besitz des pfälzischen Kurfürsten und wurde im Heidelberger Schloß aufbewahrt. Dann geriet sie in die Hand des französischen Königs Ludwig XIV., der Heidelberg hatte brandschatzen lassen. Für 400 000 Mark erwarb das Deutsche Reich die Handschrift 1888 von einem Straßburger Buchhändler. Sie befindet sich in der Heidelberger Universitätsbibliothek.

 

• Marianen

Die Inselgruppe im südlich von Japan gelegenen Westteil Mikronesiens mit 16 größeren Eilanden und 1183 qkm Landfläche ist vulkanischen Ursprungs. Unweit von ihr erreicht das Meer im Marianengraben eine Tiefe von bald 11 000 Metern. Die 1521 von Magellan entdeckten Inseln wurden 1565 spanisch und nach Maria, der Schwester des deutschen Kaisers Karl V. (spanischer König), benannt. Bis auf das bereits im Jahr zuvor von Madrid an die USA abgetretene Guam erwarb das Deutsche Reich die Marianen 1899 käuflich von Spanien. Sie wurden dem Überseegebiet Deutsch-Neuguinea angegliedert. Die unverteidigten Inseln wurden 1914 von Japan besetzt und 1920 Tokio als "Völkerbundmandat" zugesprochen. 1947 übernahmen die USA die Marianen unter dem Deckmantel "UNO-Treuhandgebiet" als Kriegsbeute im Pazifik.

 

• Marienburg

Der Deutsche Ritterorden begann 1274 im nachmaligen Westpreußen am Ufer der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, mit dem Bau der Veste, die mit einer Ausdehnung von 700 Metern zur größten und allgemein als am schönsten empfundenen Burg des Abendlandes werden sollte. Ab 1309 war die Marienburg Sitz des Hochmeisters des Ordens und damit das Zentrum des gewaltigen Deutschordensreiches. 1398 war das Bauwerk vollendet. Architektonische und künstlerische Glanzleistungen sind vor allem das Hochschloß, der Hochmeisterpalast, die Marienkirche sowie der Festsaal ("Großer Remter") und die acht Meter hohe Marienplastik. Unterhalb der Burgkirche ruhen in der St. Annen-Kapelle elf Hochmeister des Deutschen Ordens. Nach zunächst erfolgreicher Verteidigung 1410 und 1454 ging die Marienburg 1466 durch den 2. Thorner Frieden an Polen verloren. 1772 kam sie mit Westpreußen an den Staat Friedrichs des Großen. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg restauriert. Seit 1945 steht das prächtige steinerne Monument des Deutschtums im Osten auf polnisch besetztem deutschen Boden.

 

• Marine-Ehrenmal

Das Monument an der Kieler Förde bei Laboe war zunächst dem Opfergang der 35 000 im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Seeleuten gewidmet. In das ehrende Gedenken wurden nach 1945 auch die 120 000 deutschen Gefallenen zur See des Zweiten Weltkrieges einbezogen. Den Grundstein legte am 8. August 1927 Admiral Scheer unter dem Leitwort: "Für deutsche Seemannsehr, für Deutschlands schwimmende Wehr, für beider Wiederkehr." Am 31. Mai 1936 wurde das aus Spenden der Marinekameradschaften finanzierte Ehrenmal feierlich eingeweiht. Der 85 Meter hohe Turm nach einem Entwurf des Baumeisters Professor G. A. Munzer erinnert an den Steven eines Germanenschiffes. Architektonisch hinzukomponiert wurden der Ehrenhof und eine Ehrenhalle. Das Denkmal wurde 1945 von den Alliierten beschlagnahmt, jedoch nicht, wie von Deutschenhassern gefordert, gesprengt, sondern 1954 wieder freigegeben. Seit 1972 dient die vor dem Ehrenmal am Strand aufgestellte U 995 als Wahrzeichen der deutschen U-Boot-Waffe.

 

• Marinegedächtniskirche

Landläufiger Name der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven. Ursprünglich war sie nach der Preußenkönigin Elisabeth benannt. Der Gründer von Wilhelmshaven, der nachmalige Kaiser Wilhelm I., legte am 17. Juni 1868 in Anwesenheit Bismarcks und Moltkes den Grundstein zum Gotteshaus. Am 19. Mai 1872 fand die Einweihung statt. Zur Marinegedächtniskirche wurde sie dank Dekan Ronneberger, der ab 1915 in Wilhelmshaven als Militärseelsorger tätig war. Ein Gemälde zu Ehren der Gefallenen am Skagerrak von Professor Schnarrs-Alquist wurde am 10. Jahrestag der Schlacht enthüllt; Marmortafeln mit Namen von Gefallenen wurden angebracht. Nachdem Wilhelmshaven 1956 wieder Marinegarnison geworden war, kam es am 2.Juni 1957 in Anwesenheit der einstigen Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, der Großadmirale Dönitz und Raeder, zur Einweihung des Ehrenmals im linken Querschiff: Unter einer von Bildhauer Professor Geiß geschaffenen bronzenen Platte wurde die sterbliche Hülle eines unbekannten gefallenen Seesoldaten bestattet. In Nischen rechts und links befinden sich Bücher mit den Namen Gefallener beider Weltkriege. Über dem Ehrenmal die Inschrift: "Sie alle starben fürs Vaterland."

 

• Marineschule Mürwik

Die nach den Plänen des Marinebaurats Kelm im Stile einer alten Ordensburg errichtete Ausbildungsstätte für den deutschen Marine-Offiziersnachwuchs in Flensburg-Mürwik wurde 1910 in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. eingeweiht. 1919/20 waren dort die für Überwachung der Volksabstimmung in Nordschleswig zuständigen britischen Soldaten einquartiert. Nachdem sich die Bevölkerung des Raumes Flensburg für den Verbleib beim Deutschen Reich entschieden hatte, begann im September 1920 der Ausbildungsbetrieb in Mürwik wieder. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Hauptgebäude als Lazarett. Am 3. Mai 1945 wurde die acht Jahre zuvor errichtete Sportschule Sitz der letzten deutschen Reichsregierung unter Reichspräsident Karl Dönitz. Von dort aus wurde die Rettung von Millionen Ostdeutschen über See geleitet. Die Reichsregierung wurde am 23. Mai 1945 völkerrechtswidrig und in (für Britannien) entwürdigender Weise von britischen Soldaten gefangengenommen. Seit 1956 dient die Marineschule der Bundesmarine zur Ausbildung der Offiziersanwärter. In der Aula über dem Remter sind die Namen der gefallenen Seeoffiziere der Kaiserlichen Marine in aufklappbaren eichenen Tafeln eingeschnitzt.

 

• Marken

Im alten germanischen Sinne bedeutete "marca" soviel wie unbewohnte Waldwildnis. Dann nahm das Wort den Sinn von Sicherheitszonen um Siedlungen an, wovon zahlreiche deutsche Ortsnamen mit "mark" zeugen. Karl der Große schuf erstmals Marken als Vorposten des Reiches, die der Sicherung des Herrschaftsgebietes dienten. So die Spanische Mark als Bollwerk gegen Basken und Araber. Otto der Große errichtete ab 970 ein neues Markensystem mit Schwerpunkt im Osten. Dazu gehörten von Süd nach Nord: Billunger Mark, Nordmark, Mark Meissen, Mark Österreich, Mark Steier, Mark Kärnten, Mark Krain. Bedeutende markgräfliche Geschlechter waren unter anderen die Babenberger, die Askanier und die Wettiner. Aus den Marken gingen deutsche Länder wie Sachsen, Brandenburg und Österreich hervor.

 

• Marksburg

Die Marksburg liegt beim 886 erstmals erwähnten Braubach am Rhein, nicht weit entfernt vom Loreley-Felsen. Sieht man davon ab, daß der Bergfried im Zweiten Weltkrieg zerschossen und danach wiederaufgebaut wurde, ist die Veste die einzige über die Jahrhunderte unzerstört erhaltengebliebene Burg am Rhein. Das beeindruckende Bauwerk, das von Deutschlands hoher Zeit im Mittelalter zeugt, krönt einen wuchtigen Schieferfelsen, der 150 Meter steil hinaufragt. Vermutlich um 1100 wurde dort eine erste Wehranlage erbaut. 1283 kam die Marksburg in den Besitz der Grafen von Katzenelnbogen, eines der bedeutendsten Grafengeschlechter des alten Deutschen Reiches. In der Neuzeit wechselte sie mehrfach den Herren. 1866 wurde sie preußisch. Im Jahre 1900 erwarb sie der Deutsche Burgenverein, der dort bis heute seinen Sitz hat. Die Marksburg birgt das Deutsche Burgenarchiv. In ihren Mauern befindet sich die größte burgenkundliche Fachbücherei der Welt.

 

• Marseille-Pyramide

Unweit von EI Alamein (Ägypten) wurde 1989 eine Gedenkpyramide für den deutschen Fliegerhelden Hans-Joachim Marseille eingeweiht. Zahlreiche ehemalige deutsche und italienische Waffenkameraden Marseilles waren bei der Feierstunde zugegen. Der Fliegerheld war nicht nur Träger des Eichenlaubes mit Schwertern und Brillanten, sondern auch der höchsten italienischen Auszeichnung, der Medaglia d'Oro. Initiator des Ehrenmales war Eduard Neumann, der einstige Kommodore des Jagdgeschwaders 27, dem Marseille angehörte. Die Kosten wurden durch Spenden bestritten. Die Pyramide steht dort, wo Marseille tödlich abgestürzt ist. Eine vom Bildhauer Georg Rauwolf, Staffelkamerad des Fliegerhelden, geschaffene Gedenktafel erinnert in arabischer, italienischer und deutscher Sprache an Marseille, den "Stern von Afrika": "Hier starb unbesiegt Hans-Joachim Marseille am 30. September 1942."

 

• Marshall-Inseln

Die Inselgruppe liegt im östlichen Mikronesien (Stiller Ozean) und wurde 1529 von den Spaniern entdeckt. Benannt sind die insgesamt fast 1000 Inseln und Kleinst-Eilande nach dem englischen Forscher Marshall. Ab den 1870er Jahren ließen sich deutsche Handelsfirmen auf der Hauptinsel Jaluit nieder. 1884 erklärte das Deutsche Reich die Marshall-Inseln zum Schutzgebiet, 1888 kam Nauru im Süden mit seinen reichen Guano-Phosphat-Lagerstätten hinzu. Das insgesamt 420 qkm Landfläche umfassende Schutzgebiet fiel 1906 an Deutsch-Neuguinea. Im Ersten Weltkrieg japanisch besetzt, gerieten die Inseln nach 1918 als " Völkerbundmandat" unter Tokios Herrschaft; Nauru wurde britisch. Als "Treuhandgebiet" der UNO nahmen die USA die Marshall-Inseln im Mai 1947 in Beschlag. Washington zündete dort (auf Eniwetok und Bikini) zahlreiche Atombomben und Wasserstoffbomben, um neue Massenvernichtungsmittel zu erproben.

 

• Masuren

Es ist das im Ostpreußenlied besungene Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen (mit dem Spirdingsee, dem zweitgrößten See Deutschlands). Die Masuren sind eine Mischung aus Altpreußen, zugewanderten slawischen Masowiern und deutschen Kolonisten. Ein Teil (1925: 10 %, = ungefähr 60 000 Personen) hatte das stark von den Masowiern beeinflußte Masurische als Muttersprache. Das Gebiet war im 13./14. Jahrhundert vom Deutschen Orden erobert worden und teilte das Schicksal Ostpreußens. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Zehntausende Masuren ins Ruhrgebiet ab, die heute oft als "Polen" bezeichnet werden, obwohl sie weder Polen waren noch polnisch empfanden, sondern deutsch. In Masuren bezwangen im Ersten Weltkrieg die von Hindenburg und Ludendorff geführten deutschen Truppen die Russen. Die Volksabstimmungam 11. Juli 1920 ergab mit 97,9 % für Deutschland ein beeindruckendes deutsches Bekenntnis der Masuren. 1945 wurden die meisten von ihnen im Vertreibungsholocaust umgebracht oder zur Flucht gezwungen. Vermutlich 100 000 blieben in der Heimat und waren brutaler Polonisierung unterworfen.

 

• Maximiliansdenkmal

Der in Wiener Neustadt ruhende Maximilian I. (1486 deutscher König, 1508 Kaiser) erhob Habsburg durch Heiratspolitik zur mächtigsten Dynastie Europas. Er behauptete Flandern und Burgund beim Reich, verkündete den Ewigen Landfrieden, schuf das Landsknechtswesen und ging als "letzter Ritter" in die Geschichte ein. Er wünschte einen würdigen kaiserlichen Totenkult und gab dafür Bronzebildnisse großer germanischer und deutscher Herrscher in Auftrag. In seinem Lieblingsland Tirol ließ ihm zu Ehren sein Enkel Karl V. die Innsbrucker Hofkirche erbauen. In ihr befinden sich das prunkvolle marmorne Maximiliansdenkmal von Meister Colin sowie die erwähnten Bronzebildnisse der Majestäten, von denen die Theoderich-Skulptur P. Vischers d. Ä. die berühmteste ist. Seit 1823 ruhen in der Hofkirche auch die Gebeine Andreas Hofers.

 

• Mecklenburg

Das bis ins 6. Jahrhundert nach der Zeitenwende germanische Land wurde dünn von Wenden besiedelt. Von Heinrich dem Löwen unterworfen, geriet es später unter dänische Hoheit, die 1227 von den Deutschen gebrochen werden konnte. Dann setzte die deutsche Besiedlung - hauptsächlich durch Flamen, Niedersachsen, West- und Ostfalen - ein. 1348 wurden die Fürsten Mecklenburgs reichsunmittelbare Herzöge. Von 1643 bis 1803 stand Wismar mit seinem Umland unter schwedischer Herrschaft. 1934 wurden die seit 1621 getrennten Landesteile Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz zum Land Mecklenburg mit der Hauptstadt Schwerin vereinigt. 1946 kam Vorpommern hinzu. 1952 erfolgte die Teilung in drei DDR-Bezirke. Seit der Wiedervereinigung 1990 gehört Mecklenburg-Vorpommern zur Bundesrepublik Deutschland.

 

• Memel

Der 907 Kilometer lange Fluß entspringt südlich von Minsk, teilt sich unterhalb von Tilsit in mehrere Arme und mündet in Ostpreußen ins Kurische Haff. Nachdem der Deutsche Ritterorden zur herrschenden Macht in ihrem Einzugsgebiet geworden war, war die Memel für Jahrhunderte auf insgesamt 500 Kilometern Länge deutscher Grenz- bzw. (von Kaunas/Kauen bis zum Haff) Binnenfluß. Der geschlossene deutsche Siedlungsraum griff bis 1945 nördlich über sie hinaus. Weil die Memel der östlichste deutsche Fluß ist, wurde sie von Hoffmann von Fallersleben im Lied der Deutschen sinnbildhaft erwähnt.

 

• Memelland

Es ist der rund 2800 qkm große nördlichste Teil Ostpreußens mit seinerzeit etwa 140 000 Einwohnern, den man 1919 in Versailles Deutschland entriß. Damit wurde eine Grenze willkürlich verändert, die rund ein halbes Jahrtausend Bestand hatte. Das Memelland kam 1920 unter französische Verwaltung und wurde 1923 von Litauen annektiert, was die Alliierten am 8. Mai 1924 absegneten. Trotz Unterdrückung des Deutschtums bekannten sich bei Wahlen, so 1925 und 1938, rund 90 Prozent der Einwohner zu den deutschen Parteien. Am 22. März 1939 mußte Litauen das Gebiet wieder hergeben, doch wurde es 1945 erneut Deutschland geraubt. Es fiel an die Sowjetrepublik Litauen und blieb nach der litauischen Unabhängigkeit völkerrechtswidrig im Wilnaer Machtbereich. Die 1252 gegründete Stadt Memel kam 1326/28 an den Deutschen Orden und war 1806/07 Zufluchtsort der preußischen Königsfamilie.

 

• Michael

Der Erzengel Michael, im Neuen Testament himmlischer Widersacher Satans und Bekämpfer des Drachen, ist der Schutzpatron Deutschlands. Im deutschen Volksglauben trat er, meist auf Bergen verehrt, an die Stelle Odin-Wotans, dessen Weihestätten sich ebenfalls auf Anhöhen befunden hatten. Der kirchliche Michaelistag (29. September) steht in enger Beziehung zum Erntedankfest und dessen germanischen Wurzeln. Seit dem 10. Jahrhundert ist der Erzengel Michael auf deutschen Heerfahnen abgebildet. Der Legende nach griff er bei der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 auf deutscher Seite ein. Die deutsche Kunst stellte ihn meist als Drachentöter wie einst Siegfried dar.

 

• Michel

"Deutscher Michel" hat eine heldische und eine spöttische Bedeutung. Zunächst war es der volkstümliche Name des deutschen Schutzpatrons, Erzengel Michael. Deutscher Michel wurde auch der tapfere Reiterführer Michael von Obentraut (1574-1625) genannt; ihm zu Ehren steht bei Seelze in Niedersachsen ein Denkmal in Pyramidenform. Im 17. Jahrhundert galt der Deutsche Michel als Symbol für die Abwehr sprachlicher Überfremdung. Arndt sah ihn als Idealgestalt des jungen deutschen Mannes. Andererseits gab es schon im 16. Jahrhundert die Darstellung des Michel als einfältiger Bauer- oder Bürgertyp. Seit dem 19. Jahrhundert ist er, versehen mit der Zipfelmütze, bei Zeichnern beliebt, die die politische Verschlafenheit der Deutschen karikieren wollen. Daß der Deutsche Michel auch anders kann, deutete das Denkmal vor dem Königsberger Wrangelturm an, das ihn mit Dreschflegel und geballter Faust zeigte.

 

• Mittelalter

Das Mittelalter ist die Ära vom endgültigen Sieg der Germanen über das römische Weltreich bis zur Reformation. Dieses Jahrtausend war geprägt vom Reich der Deutschen als Vormacht des Abendlandes. Antike, Christentum und Germanentum gingen eine großartige Symbiose ein. Als herrlichste Ausformung mittelalterlichen Geistes kann das Rittertum gelten, das in Deutschland zur höchsten Blüte kam. Romanik und Gotik zeugen von der gewaltigen künstlerischen Energie, die im Mittelalter freigesetzt wurde. Politisch maßgeblich war ab dem 10. Jahrhundert das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) mit seinem Kaisertum, religiös führte das Papsttum. Der Kampf zwischen Papst und Kaiser verzehrte viel Kraft. Exzesse wie etwa Hexenverfolgungen waren keineswegs kennzeichnend für das Mittelalter, sondern Verfallserscheinungen an der Schwelle zur Neuzeit. Im Mittelalter erlebten das deutsche Volk und sein Reich ihre hohe Zeit.

 

• Mitteldeutschland

Als Kernland des alten Deutschen Reiches galt Böhmen. Der geographische Mittelpunkt des Bismarckreiches war Spremberg/Lausitz (Brandenburg), wovon ein dort nach 1871 errichteter und 1991 wiederhergestellter Gedenkstein zeugt. Geographischer Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland ist seit 1990 das thüringische Niederdorla. Thüringen empfindet sich seit alters her als "das Herz Deutschlands". Geschichtlich, landschaftlich, sprachlich und kulturell wird Mitteldeutschland in etwa durch Franken und Hessen (einschließlich) im Westen und durch Oder und Neiße im Osten begrenzt. Teile Niedersachsens und Brandenburgs sowie Sachsen, Anhalt und Thüringen gehören dazu. Verfälschenden Ausdrücken wie ehedem "Ostzone" oder, neuerdings sehr häufig, "Ostdeutschland" für die einstige DDR bzw. die fünf neuen Bundesländer setzt die nationale Publizistik demonstrativ die Bezeichnung "Mitteldeutschland" entgegen.

 

• Mitteleuropa

Es ist das Übergangsgebiet vom ozeanischen West- zum kontinentalen Osteuropa, vom subtropischen Süden zum teilweise subpolaren Norden. Natürliche Grenzen fehlen weitgehend. Das mit Abstand stärkste Volk in Mitteleuropa sind die Deutschen. Neben ihnen bewohnen die Polen, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Kroaten und Ungarn den Kernraum des Kontinents. Meist in den vergangenen 1000 Jahren lebten die Deutschen mit den anderen mitteleuropäischen Nationen, die Polen ausgenommen, unter einem staatlichen Dach: Im Heiligen Reich bis 1806 und danach in der k.u.k. Monarchie. Erst seit 1918 war Mitteleuropa politisch zersplittert und von 1945 bis 1989 auch noch vom Eisernen Vorhang durchzogen. Die Mitteleuropa-Idee, der Wunsch nach enger Kooperation der Mitteleuropäer bis hin zu gemeinsamer Staatlichkeit, ist stets lebendig geblieben. Die bekanntesten deutschen Fürsprecher waren im 19. Jahrhundert Friedrich List und Constantin Frantz; im 20. Jahrhundert war es Friedrich Naumann.

 

• Mondorfer Erklärung

Am 23. Mai 1945 wurde die deutsche Reichsregierung an ihrem Amtssitz Flensburg von den Alliierten völkerrechtswidrig in Haft genommen. Reichspräsident Karl Dönitz verschleppte man zur Internierung nach Mondorf in Luxemburg. Seine dort verfaßte Erklärung bezog sich auf die Deklaration der Alliierten vom 5. Juni 1945. Darin hatten sich die Sieger angemaßt, die Regierungsgewalt in Deutschland zu übernehmen, was die Machtergreifung einer alliierten Militärdiktatur bedeutete. Dönitz stellte in seiner Mondorfer Erklärung die Rechtswidrigkeit der Fremdherrschaft fest und daß die Reichsregierung widerrechtlich an der Amtsausübung gehindert werde. Außerdem unterstrich er die Tatsache, daß nicht das Deutsche Reich, sondern die Deutsche Wehrmacht kapituliert hatte und daß das Reich infolgedessen fortbestehe. Durch kluge Politik in schwerster Stunde sicherte Dönitz den rechtlichen Fortbestand der deutschen Staatlichkeit.

 

• Münchener Abkommen

Nach dem Ersten Weltkrieg preßten die Westmächte 3,5 Millionen Deutsche gegen deren Willen in den Vielvölkerstaat Tschechoslowakei. Prag verhieß Freiheit wie in der Schweiz. Doch wurden die Minderheiten, vor allem die Deutschen, brutal unterdrückt. Auch beteiligte sich die CSR an antideutschen Bündnissen. Nach dem Österreich-Anschluß, März 1938, drängten die Sudetendeutschen auf die Wiedervereinigung mit dem Reich. Eine britische Kommission unter Lord Runciman stellte vor Ort den eindeutigen Willen der deutschen Bevölkerung ("Heim ins Reich!") fest. Auch Berlin wollte jetzt eine Lösung erreichen. Auf Vorschlag Mussolinis trafen sich am 28./29. September 1938 in München die Regierungschefs der vier wichtigsten europäischen Staaten: Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland. Sie unterzeichneten das Münchener Abkommen: Die geschlossen deutschen Gebiete der CSR kamen, selbstbestimmungsgemäß, ans Deutsche Reich, polnisch besiedeltes Gebiet an Polen, Regionen mit ungarischer Mehrheit an Ungarn.

 

• Mundatwald

Der Mundatwald ist rund sieben Quadratkilometer groß und liegt in der Südpfalz, an der Grenze zum Elsaß. Er wurde 1949 kraft Besatzerwillkür von Frankreich vereinnahmt. Schon Kanzler Adenauer bemühte sich, das Problem zu Lasten Deutschlands zu bereinigen. Am 10. Mai 1984 kamen Bonn und Paris überein, daß Frankreich die Besatzungsverordnung von 1949 formell aufhebt, Bonn dafür das Privateigentum am Mundatwald an die Französische Republik überträgt. Gegen diesen Kompromiß, der das Unrecht kaschiert, nicht aber beseitigt, erhob sich Widerstand. Besonders engagiert sich der Jurist Dr. Bertzel, dem 1988 vom Amtsgericht Bad Bergzabern eine Pflegschaft der staatlichen deutschen Ansprüche am Privateigentum des Mundatwaldes übertragen wurde. Auf Betreiben der rheinland-pfälzischen Landesregierung hob das Landgericht Landau die Pflegschaft auf. Auch Anfang der 90er Jahre war das Problem dieses Relikts aus der Besatzungszeit nicht gelöst.

 

• Nationale Volksarmee

Die NVA der DDR ging am 18.Januar 1956 aus der Kasernierten Volkspolizei hervor. Die allgemeine Wehrpflicht wurde Anfang 1962 eingeführt. In der Nationalen Volksarmee standen seither permanent rund 180 000 Mann unter Waffen. Sie umfaßte auch die Volksmarine, Luftstreitkräfte und die Grenztruppen (mit Schießbefehl auf Flüchtlinge). Die Partei führte das große Wort. Im Brauch der NVA gab es Imitation der sowjetischen Vormacht und kniefälliges Gehabe ("Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten" im Zapfenstreich der Nationalen Volksarmee), jedoch auch deutsche Traditionspflege, z.B. Fahneneid vor der Neuen Wache, "Scharnhorst-Orden" als höchste militärische Auszeichnung; im Gegensatz zur Bundeswehr trug die NVA Uniformen, die weitestgehend jenen der Deutschen Wehrmacht entsprachen.

 

• Naumburger Dom

Im 10. Jahrhundert erbauten die Markgrafen von Meißen an der Mündung der Unstrut in die Saale die Neuenburg, aus der Naumburg entstand. 1042 wurde der erste Dom geweiht. Der Bau der zweiten, weltberiihmten Kathedrale St. Peter und Paul begann um 1210 und wurde im 14. Jahrhundert vollendet. Der Naumburger Dom entstand in der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik; er gilt als herrlichste Symbiose beider Epochen der Kunst. Am meisten beeindrucken die zwölf Stifterfiguren im Inneren der Kirche; Werke eines unbekannten Meisters, der wohl maßgeblicher Architekt des Domes war. Die steinernen Monumente stellen acht Männer und vier Frauen dar und entstanden Mitte des 13 . Jahrhunderts. Es erscheinen - idealisiert - Angehörige des Meißener und des Wettiner Fürstenhauses. Das Bildnis der Markgräfin Uta wird als formvollendetste Frauenskulptur des Mittelalters angesehen.

 

• Nemmersdorf

Das Dorf im Kreis Gumbinnen (Ostpreußen) war die Stätte des ersten sowjetischen Massakers auf reichsdeutschem Boden. Es fiel den Stalintruppen am 20. Oktober 1944 in die Hand und konnte kurz darauf von der Wehrmacht zurückerobert werden. Die Befreier fanden eine Vielzahl ermordeter Zivilisten vor, meist vor ihrem Tode grausam mißhandelte Frauen und Kinder. Das schrecklichste Bild boten an Scheunentoren gekreuzigte vergewaltigte Frauen. Zu den Opfern der von Ilja Ehrenburg angestachelten oder aus eigenem sadistischen Antrieb handelnden sowjetischen Mördern zählten bei Nemmersdorf auch 50 französische Kriegsgefangene. Deutschland rief eine internationale Ärztekommission herbei, die die Greuel protokollierte. Zahlreiche ausländische Pressekorrespondenten berichteten über den Fall. London reagierte mit der Weisung an seine Journalisten, Gemetzel des sowjetischen Verbündeten unbedingt zu vertuschen. Auch in Alt-Wusterwitz bei Nemmersdorf war es in jenen Tagen zu furchtbaren Sowjetgreueln gekommen.

Weiterführend:
Ein Storchennest als Mahnmal -- Ein Augenzeuge erinnert sich an das Massaker von Nemmersdorf
Kein Erinnerungsort nirgends -- Vor sechzig Jahren verheerte die Rote Armee das ostpreußische Nemmersdorf

 

• Neue Wache

Für die Wachmannschaft der preußischen Hauptstadt erbaute Karl Friedrich Schinkel 1817/18 an der Berliner Prachtstraße Unter den Linden die Neue Wache, ein Meisterwerk des Klassizismus mit sechs dorischen Säulen. 1931 wurde es von Baumeister Tessenow zum Reichsehrenmal der Gefallenen des Weltkrieges umgestaltet. Unter dem Oberlicht im Inneren lag ein golden und silbern geschmückter Eichenlaubkranz. Reiswehr, Wehrmacht und später auch NVA zogen vor der Neuen Wache im Stechschritt feierlich auf. Das 1944 bombenzerstörte Gebäude wurde ein Jahrzehnt später wiederhergestellt und diente zunächst ausschließlich dem "Antifa"- Kult des SED-Regimes. 1969 wurde die sterbliche Hülle eines 1945 bei Görliz gefallenen unbekannten Wehrmachtsoldaten in die von der Ewigen Flamme illuminierte Neue Wache gebracht.

 

• Neunter November

Dieser Tag hat in der deutschen Geschichte große Bedeutung. Beispiele aus dem 20. Jahrhundert: Am 9. November 1918 verzichtete Wilhelm II. auf den Kaiserthron, am 9. November 1923 wurde an der Münchner Feldherrnhalle der Hitlerbewegung blutig Einhalt geboten, am 9. November 1938 fand das Pogrom der sogenannten Kristallnacht statt. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Vorangegangen waren die neue sowjetrussische Politik, die Massendemonstrationen in Mitteldeutschland unter dem Leitwort "Deutschland, einig Vaterland!" und die Massenflucht aus der DDR über Prag und Budapest. Unbeschreibliche Jubel- und Freudenszenen spielten sich ab, als die Mauer ihren Schrecken verlor und die jahrzehntelang mit Gewalt voneinander getrennten Deutschen zusammenfinden konnten. Der 9. November als Nationalfeiertag der Wiedervereinigung scheiterte am Widerstand jener, die dieses Datum wegen der "Kristallnacht" ausschließlich im Zeichen deutscher Sühne sehen wollten.

 

• Neuschwanstein

Trotz Preußen- und Reichsfeindlichkeit an seinem Hof trug Bayerns König Ludwig II. dem preußischen Monarchen Wilhelm namens der deutschen Fürsten Ende 1870 die Kaiserkrone an. Der kunstsinnige Ludwig war fasziniert vom deutschen Mittelalter. Auf sein Geheiß wurde 1869 oberhalb von Füssen, gegenüber Schloß Hohenschwangau, der Grundstein zum Bau einer Idealburg nach dem Vorbild der Wartburg gelegt. Den Entwurf für Neuschwanstein lieferten Hofbaudirektor Riedl und der Theatermaler Jank. Baumeister Georg von Dollmann verwirklichte den kühnen Gedanken des Königs. Er baute auch die Schlösser Herrenchiemsee und Linderhof. Nach dem Tode Ludwigs 1886 wurden die Bauarbeiten an Neuschwanstein eingestellt. So konnten nur Teile des Gesamtkonzeptes umgesetzt werden. Die Innenräume des Schlosses sind mit Darstellungen aus der mittelalterlichen deutschen Überlieferung ausgestattet. Zum 50. Todestag von Richard Wagner, dessen Mäzen Ludwig II. gewesen war, fand 1933 das erste Konzert im Sängersaal des Schlosses statt. Das imposante Bauwerk in herrlicher Lage ist zu einem deutschen Wahrzeichen in der ganzen Welt geworden.

 

• Nibelungenlied

Es ist das bedeutendste Denkmal deutscher Heldendichtung, aus mehreren germanischen Sagenkreisen zusammengewachsen und wurde ungefähr von 1200 bis 1205 am Passauer Bischofshof von einem wohl aus Österreich stammenden Meister der deutschen Dichtkunst in formvollendeter Art aufgezeichnet. Es schildert den Streit zwischen Kriemhild und Brünhild, der zum Tode Siegfrieds durch Hagens Hand und zum reckenverschlingenden Kampf an Attilas Hofe führt. In hochdeutscher Nachdichtung: "Das wunderschöne Weib (Kriemhild), um das hernach viel Degen verloren ihren Leib." Der historische Kern war die Vernichtung der germanischen Burgunden am Rhein durch die Hunnen im Jahre 436 sowie der Tod des Hunnenkönigs Etzel (Attila) in der Hochzeitsnacht mit der Germanin Ildico. Siegfried könnte der mythologisierte Armin (Hermann) der Cherusker sein. Das im späten Mittelalter in Vergessenheit geratene Nibelungenlied erschien 1782 im Neudruck und wurde von den Romantikern als das wichtigste Epos des Mittelalters wiederentdeckt.

 

• Niederlande

Die eingesessene Bevölkerung des Königreiches ist fränkischen, sächsischen und friesischen Stammes. Über acht Jahrhunderte gehörte das Gebiet zum ersten Deutschen Reich. 1477 kam es an die Habsburger, 1556 an deren spanischen Zweig. Gegen die Hispanisierung und die Willkürherrschaft des Herzogs Alba wurde ein Aufstand entfacht, den ab 1572 Wilhelm von Oranien-Nassau führte. Bald darauf sagten sich die Niederlande von Spanien und Habsburg los. 1648, beim Westfälischen Frieden, erlangten sie auch de jure ihre Unabhängigkeit vom Reich. Für einige Zeit stiegen sie zur führenden europäischen Seemacht auf. Die niederdeutsche Mundart ihrer Bewohner entfremdete sich der deutschen Hochsprache. Seit den 1960er Jahren sind die Niederlande die am meisten von fremdkontinentalen Einwanderern durchsetzte und von Dekadenz aus den USA betroffene Region des einstigen Heiligen Reiches. Die große Mehrheit der Niederländer weiß kaum noch etwas von ihren deutschen Wurzeln, obwohl sie der Welt gemäß angloamerikanischem Sprachgebrauch als "Dutchmen" gelten und in ihrer Hymne "Wilhelmus von Nassauen von deutschem Blut" verherrlicht wird.

 

• Niederwalddenkmal

Das auch Germania-Denkmal genannte Monument auf dem 350 Meter hohen Bergrücken des Niederwald (Taunus) am Rhein gegenüber Bingen ist ein Werk des Bildhauers Johann Schilling und des Baumeisters Karl Weisbach. Es wurde am 28. September 1883 nach sechsjähriger Bauzeit in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. feierlich eingeweiht und ist dem Sieg im Kriege 1870/71 sowie der deutschen Reichseinigung gewidmet. Auf 25 Meter hohem Sockel befindet sich die 10,5 Meter große Germania-Figur mit gesenktem Schwerte und der Reichskrone in der Rechten. Im Sockelrelief sieht man Darstellungen Kaiser Wilhelms I. und des Reichsgründers Otto von Bismarck; ihnen beigeordnet die Fürsten des 1871 gegründeten Reiches. Darunter wurden die Worte des deutschen Schutz- und Trutzliedes "Die Wacht am Rhein" angebracht.

 

• Nordamerika-Deutsche

Nach amtlicher Erhebung haben 28 % der US-Bürger mindestens ein Elternteil deutscher Herkunft. Damit sind dort die Menschen deutscher Abstammung die größte Gruppe. In Kanada stehen sie mit rund einer Million Personen an dritter Stelle. Noch vor Kolumbus segelten Deutsche nach Amerika (Pothorst um 1450, Pining 1473). Deutsche waren ein halbes Jahrtausend zuvor auch an Bord der nach Amerika fahrenden Wikingerschiffe. Peter Minnewit aus Wesel gründete 1626 in niederländischen Diensten Neu Amsterdam, das spätere New York. Am 6. Oktober 1683 kam auf der "Concord" die erste geschlossene deutsche Einwanderergruppe und gründete Germantown. Von General Steuben, der entscheidend zur US-Unabhängigkeit beitrug, bis zu Wernher von Braun, der den USA den Mondflug ermöglichte, hatten Deutsche großen Anteil an der Entwicklung des Landes. Vor allem ihnen ist die friedliche Durchdringung des riesigen Westens zu verdanken. Ihre Repräsentanten wie Carl Schurz, der politisch bedeutendste Nordamerika-Deutsche, protestierten gegen Negersklaverei und Indianerausrottung. Das blühende Deutschtum in den USA (700 deutsche Zeitungen, Zehntausende deutsche Vereine bis 1914) wurde durch antideutsche Pogromhetze in und nach den Weltkriegen schwer beeinträchtigt.

 

• Norddeutscher Bund

Nach dem Deutschen Krieg und der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 gewann Bismarck die Verbündeten Preußens für einen neuen Zusammenschluß. Diesem Norddeutschen Bund fügten sich nördlich des Mains 22 deutsche Staaten ein. Die Verfassung trat am 1. Juli 1867 in Kraft. Preußens König Wilhelm I. war Bundespräsident, Bismarck fungierte als Reichskanzler. Der Bundesrat war die Vertretung der Länder, der nach den Grundsätzen des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts gewählte Reichstag die Repräsentanz des Volkes. Der Norddeutsche Bund war die unmittelbare Vorstufe des neuen Deutschen Reiches. Seine Verfassung bildete die Grundlage für die Reichsverfassung von 1871.

 

• Nordschleswig

1871 kam ganz Schleswig-Holstein ins neue Deutsche Reich. Eine für den Norden des Landes vorgesehene Volksabstimmung fand nicht statt. Im Versailler Diktat wurde dieses Votum angeordnet. Am 10. Februar 1920 entschieden sich in der nördlichen Zone 24,9 Prozent für Deutschland und 74,2 % für Dänemark. Am 14. März 1920 votierten in der südlichen Region des Abstimmungsgebietes 80 Prozent für das Deutsche Reich und 20 Prozent für Dänemark. Das Deutsche Reich trat das mehrheitlich dänische Gebiet am 5. Mai 1920 ab (rund 4000 Quadratkilometer). Ungerechterweise gerieten auch deutsche Städte wie Apenrade und Tondern (76 % für Deutschland) in den dänischen Machtbereich. Mitte der 30er und Mitte der 50er Jahre gab es deutsch-dänische Vereinbarungen über den gegenseitigen Minderheitenschutz. Allerdings haben die rund 25 000 Deutschen im dänischen Nordschleswig nicht annähernd so viele Rechte wie die Dänen im deutschen Teil. Das vielen Deutschen in Dänemark unmittelbar nach 1945 zugefügte Unrecht ist nicht wiedergutgemacht worden.

 

• Nürnberg

Die erste erhalten gebliebene Urkunde, die Nürnberg erwähnt, stammt aus dem Jahre 1050. 1192 wurden die Hohenzollern Burggrafen. Die Goldene Bulle bestimmte 1356, daß jeder deutsche König seinen ersten Reichstag in der Hauptstadt des Frankenlandes halten müsse. Im 15. Jahrhundert stand Nürnberg in höchster Blüte. Ab 1424 hütete es die Reichskleinodien. Künstler wie Veit Stoß, Albrecht Dürer, Hans Sachs, Wissenschaftler wie Behaim und Henlein wirkten in Nürnbergs Mauern. Der Dreißigjährige Krieg läutete die Periode des Niedergangs ein. 1806 wurde Nürnberg bayerisch. Im Bismarckreich nahm es neuen Aufschwung. Unter Hitler war es die "Stadt der Reichsparteitage" und hütete wieder die Reichsinsignien. Die Alliierten legten Nürnberg in Schutt und Asche und klagten dann die Führer der besiegten Deutschen dort der Kriegsverbrechen an. Die Nürnberger Burg auf rotem Sandsteinfelsen ist eine salische Gründung des 11. Jahrhunderts. Sie birgt das Grab des heiligen Sebaldus, wurde zur Stauferzeit erweitert und im späten Mittelalter vollendet. Der besonderen Bedeutung Nürnbergs wegen war der Burggraf ein einflußreicher Vertrauensmann des Kaisers.

 

• Nürnberger Prozesse

Die Sieger des Zweiten Weltkrieges brachten die Führer von 17 europäischen und asiatischen Staaten um. Meist machte man kurzen Prozeß, manchmal gab es Schautribunale. So vom November 1945 bis Oktober 1946 den "Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher" nach dem Plan der Zionisten Jacob und Nehemia Robinson. Nicht etwa saßen Juristen neutraler Länder wie der Schweiz oder Schwedens über die Massenmörder beider Seiten zu Gericht, sondern Ankläger und Richter waren die Sieger, die Angeklagten nur die Besiegten. Der, zurückhaltend formuliert, rechtsstaatswidrige Schauprozeß endete mit dem sadistischen Vollzug von Todesstrafen am 16. Oktober 1946. Sowjetankläger Rudenko galt als Stalins "Bluthund" in der Ukraine, sein britischer Kollege Dean war an der Auslieferung von Millionen Osteuropäern in den Gulag beteiligt, die US-Richter Clark und Biddle trugen Mitverantwortung für das KZ-Unrecht an den US-Japanern usw. Der stellvertretende sowjetische Anklänger in Nürnberg, Zorja, wurde während des Prozesses auf Stalins Geheiß liquidiert. In US-Regie gingen die Nürnberger Prozesse bis 1949 weiter, wogegen sich einhelliger deutscher Protest, auch der Kirchen, erhob. Weil man die Deutschen im Kalten Krieg brauchte, wurden die Urteile "milder".

Weiterführend:
Vae victis! Wehe den Besiegten! -- Das Tribunal der Sieger

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