R-S
Reden an die deutsche Nation
Der deutsche Philosoph
Johann Gottlieb Fichte, geboren am 19. Mai 1762 zu
Rammenau in der Oberlausitz als Sohn eines Bandwebers,
spornte 1807/08 mit seinen "Reden an die deutsche Nation"
im französisch besetzten Berlin zur Wahrung
deutscher Identität und nationalen Charakters sowie
zur Erhebung gegen die Fremherrschaft an. "Der Kampf mit
den Waffen ist beschlossen, es erhebt sich, so wir es
wollen, der neue Kampf der Grundsätze, der Sitten
des Charakers", rief er in seinen berühmten Reden
aus. Er unterstützte die preußischen Reformer
und trug wesentlich zum Aufstand der Deutschen gegen
Napoleon bei. Er wurde erster Rektor der Universität
Berlin. Seine Frau hatte sich bei der aufopfernden Pflege
verwundeter Soldaten im Befreiungskrieg den Typhus
geholt. Der große Philosoph starb, von seiner
Gattin angesteckt, am 29. Januar 1814 in Berlin.
Reich
Das Wort kommt aus dem
Germanischen und hat wohl eine keltische Wurzel
(Bezeichnung für König, Königtum). Im
mittelalterlichen Verständnis war das Reich seit der
Kaiserkrönung Ottos des Großen im Jahre 962
(translatio imperii) die Einheit der christlichen
Völker des Abendlandes unter deutscher Führung.
Dann ging der Begriff auf das Land und den Staat der
Deutschen über. Seit dem Untergang des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation, 1806, welches
auch erstes Deutsches Reich genannt wird, war die
Reichsidee gleichbedeutend mit dem Streben, das in
zahlreiche Staaten aufgespaltene deutsche Volk zu
vereinen. Der 1871 von Bismarck neugeschaffene Staat trug
die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich. Auch zur
Weimarer Zeit und unter den Nationalsozialisten, die sich
als Schöpfer eines "Dritten Reiches" empfanden,
hieß der größte deutsche Staat Deutsches
Reich. Für Deutschland mit den ab 1938
angeschlossenen deutschen und nichtdeutschen Gebieten
(Protektorat, Generalgouvernement) kam der Name
Großdeutsches Reich auf.
Reichsadler
Der deutsche König
und Kaiser Otto III. (gest. 1002) führte den Adler
als Symbol, Friedrich Barbarossa machte ihn zum
Reichswappen. Ab Ende des 12. Jahrhunderts erschien er in
Schwarz auf Gold, Schnabel und Fänge meist in Rot.
Deshalb galten im 19. Jahrhundert Schwarz, Rot und Gold
als die alten deutschen Farben und wurden zur Trikolore
Deutschlands. Bis zu König und Kaiser Sigmund, er
lebte von 1368 bis 1437, war der Reichsadler
einköpfig, dann wurde der Doppeladler Reichswappen.
1848 erklärte die Frankfurter Nationalversammlung
den Doppelaar zum Wappen des Deutschen Bundes. 1871
erhielt das Deutsche Reich den einköpfigen schwarzen
Adler in Gold mit preußischem Adlerschild als
Wappen. 1919 wurde der einköpfige schwarze Aar,
jenem der Stauferzeit ähnelnd, ohne Attribute
Reichswappen. Der Reichsadler zur Hitlerzeit war ein
rechts blickender Aar mit Hakenkreuz. Die Bundesrepublik
Deutschland übernahm als Wappen den Reichsadler von
1919. Der deutsche Adler ist das älteste heute noch
bestehende europäische Hoheitszeichen.
Reichsapfel
Der Reichsapfel, auf
dem ein perlen- und edelsteinbesetztes Kreuz thront, ist
ein edles Kunstwerk aus dem 12. Jahrhundert. Es
zählt zu den Kleinodien des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation, die den deutschen Königen
bei ihrer Krönung feierlich überreicht wurden,
und wird wie die anderen Reichsinsignien in der
Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt. Schon den
Römern galt der goldene Apfel als Sinnbild des
Erdballs und der Macht des Kaisers. Der Reichsapfel
symbolisiert die Herrschaft Christi und seines
kaiserlichen Statthalters über die Welt. Er erschien
in heraldischer Darstellung in den Fängen des
Wappenadlers des ersten und des zweiten Deutschen
Reiches.
Reichskleinodien
Es sind die auch
Reichsinsignien genannten symbolischen
Schmuckstücke, die dem deutschen König bei der
Krönung feierlich überreicht bzw. angelegt
wurden. Schon im 13.Jahrhundert nannte man sie "daz
riche", weil sie für das Deutsche Reich selbst
standen. Dazu zählen das Reichskreuz (11.Jh.) mit
den darin befindlichen Reliquien, u. a. Stücke vom
Kreuzesholz, die Reichslanze (8.Jh.), die Reichskrone
(10.Jh.) mit Mitra, der Reichsapfel (12.Jh.), das
Reichsschwert (11. Jh.), das Zepter (14. Jh.), das
Zeremonienschwert (12.Jh.), die Stola (14.Jh.) sowie das
Krönungsornat. Im Mittelalter wurden die Kleinodien
abwechselnd an verschiedenen Orten des Reiches
aufbewahrt, u. a.: Speyerer Dom, Burg Hammerstein bei
Andernach, Trifels in der Pfalz, Hagenau im Elsaß,
Waldburg in Schwaben, Kyburg in der Schweiz, Burg Stein
bei Rheinfelden, München, Prag, schließlich ab
Mitte des 14. Jahrhunderts auf Burg Karlstein in
Böhmen. Wegen der Hussitengefahr kamen sie 1424 nach
Nürnberg, wo sie bis 1523 alljährlich nach
Ostern gezeigt wurden, wegen der Franzosengefahr 1797
nach Regensburg und 1806 nach Wien. Ausgenommen die Jahre
1938-1945, als sie sich in der Nürnberger
Meistersingerkirche befanden, ruhen die Reichskleinodien
seither in der Schatzkammer der Wiener
Hofburg.
Reichskreuz
Das Reichskreuz
zählt zu den Reichsinsignien, wurde auf Geheiß
Heinrichs II. gefertigt und wohl 1024, seinem Todesjahr,
vollendet. Heinrich II. war 1002 als letzter
männlicher Nachkomme des sächsischen
Herrscherhauses zum deutschen König, 1014 zum Kaiser
gekrönt worden. Das 77 Zentimeter hohe Reichskreuz
besteht aus goldbeschlagenem Eichenholz und ist mit
Edelsteinen und Perlen verziert. Es dient als
Behältnis der Reichsreliquien, darunter die Heilige
Lanze mit einem Nagel vom Kreuze Christi und Stücke
vom Kreuzesholz. Das Reichskreuz wird mit den anderen
Reichskleinodien in der Schatzkammer der Wiener Hofburg
aufbewahrt.
Reichskriegsflagge
Die Reichssturmfahne
(schwarzer Adler, rote Stange, goldene Fahne) war die
Hauptgefechtsfahne des Deutschen Reiches im Mittelalter,
die Reichsrennfahne das Feldzeichen des deutschen
Reichsheeres. Der Deutsche Bund führte ab 1848 das
schwarzrotgoldene Banner mit dem doppelköpfigen
Adler im Eck als Kriegsflagge. Kriegsflagge des
Norddeutschen Bundes und von 1871 bis 1921 des Deutschen
Reiches war ein schwarzes Kreuz in weißem Feld mit
dem schwarzen Reichsadler in der Mitte, wobei das linke
obere Viertel durch Schwarz-Weiß-Rot mit dem EK
ausgefüllt wurde. Von 1922 bis 1933 diente als
Reichskriegsflagge Schwarz-Weiß-Rot mit EK in der
Mitte und kleinem schwarzrotgoldenem Feld oben links, das
1933 entfernt wurde. Ab 5. Oktober 1935 galt folgende
Reichskriegflagge: weiß-schwarz-weiß
eingefaßtes, schwarzes Kreuz in rotem Feld mit
schwarzem Hakenkreuz in weißem,
schwarz-weiß-schwarz eingefaßten runden Feld
in der Mitte sowie das Eiserne Kreuz oben
links.)
Reichsschwert
Reichsschwert und
Zeremonienschwert zählen zu den Reichskleinodien.
Das 1,10 Meter lange Reichsschwert war 800 Jahre Symbol
kaiserlicher Herrschaft. Sein Aussehen wird bestimmt
durch die goldene Scheide mit 14 Herrscherbildern von
Karl dem Großen bis Heinrich III. zwischen
buntfarbigem Email (gefertigt im 11. Jahrhundert). Das
Reichsschwert wurde den deutschen Majestäten mit der
Spitze nach oben vorangetragen. Das Zeremonienschwert war
eine Brautgabe für die Hochzeit des jugendlichen
Stauferkaisers Heinrich VI. mit der Erbin Siziliens,
Konstanze, im Jahre 1185. Späte Zutat ist der Knauf,
kenntlich als Stiftung Karls IV. durch die Wappen des
Reichsadlers und des böhmischen Löwen. Mit dem
Zeremonienschwert des Reiches wurden die Nürnberger
Gesandten, die die Reichskleinodien zum Krönungsorte
und wieder zurück nach Nürnberg brachten, nach
der Feierlichkeit zu Rittern geschlagen.
Reichsstädte
"Des Heiligen Reiches
freie Städte", so der offizielle Titel, waren im
Unterschied zu Orten, die einem Landesherren zu gehorchen
hatten, nur dem König und Kaiser untertan
(reichsunmittelbar). Daraus ergaben sich für sie
zahlreiche Sonderrechte. Unter den zeitweise bis zu 83
Reichsstädten befanden sich auch kleine Gemeinwesen.
Die ältesten Reichsstädte entstanden aus
Pfalzen, andere erlangten die Freiheit durch Vertrag,
gewaltsame Erhebung, Erlöschen der Landesherrschaft
oder königliche Verleihung. Reichsstädte, die
Bischofsherrschaft gebrochen hatten, nannte man Freie
Städte. Seit Ende des 15. Jahrhunderts waren die
Reichsstädte regelmäßig im Reichstag
vertreten. Östlich der Linie
Lübeck-Nordhausen-Regensburg gab es sie nicht. Zu
den bedeutendsten Reichsstädten zählten
Nürnberg, Regensburg, Augsburg, Straßburg,
Speyer, Aachen, Dortmund, Köln. Mit Untergang des
ersten Deutschen Reiches wurden sie mediatisiert, also
einem Landesherrn untertan. Hamburg, Lübeck, Bremen
und Frankfurt/Main (dieses bis 1866) errangen 1815 den
Status von Reichsstädten wieder.
Reichstag
Aus dem Hoftag
karolingischer Zeit ging im ersten Deutschen Reich der
Reichstag als Vertretung der Kurfürsten,
Fürsten, Grafen und Herren sowie der
Reichsstädte hervor. Den Vorsitz führte als
Reichserzkanzler der Erzbischof von Mainz. Der Ort des
vom König und Kaiser einberufenen Reichstages, auf
dessen Zustimmung in allen wichtigen Angelegenheiten der
deutsche Monarch seit dem 15. Jahrhundert angewiesen war,
wechselte. Seit 1663 tagte er als Dauereinrichtung in
Regensburg (Immerwährender Reichstag). 1806 ging er
mit dem Heiligen Reich unter. Die Volksvertretung des
Norddeutschen Bundes (ab 1867) und des neuen Deutschen
Reiches (ab 1871) hieß ebenfalls Reichstag. Das
deutsche Parlament arbeitete in der Weimarer Zeit mit
altem Namen und erweiterter Macht fort. Hitler ließ
den Reichstag formal weiterbestehen, konnte jedoch nach
der mit Parlamentsmehrheit 1933 erteilten
Ermächtigung ohne Rücksicht auf ihn
regieren.
Reichstagsgebäude
Der Reichstag kam ab
1871 zunächst im Weißen Saal des Berliner
Schlosses, dann in einem eigens hergerichteten Saal des
preußischen Abgeordnetenhauses zusammen. Baumeister
Professor Paul Wallot errichtete ab 1884 in Berlin ein
neues Reichstagsgebäude von 132 Metern Länge,
88 Metern Breite und 75 Metern Kuppelhöhe. Es wurde
am 5. Dezember 1894 eingeweiht. Im Ersten Weltkrieg wurde
das von Wallot vorgesehene Bekenntnis "Dem Deutschen
Volke" im Schmuckgiebel eingesetzt. Teile des
Reichstagsgebäudes brannten 1933 durch den Anschlag
des holländischen Anarchokommunisten van der Lubbe
aus. Dem von der NSDAP beherrschten Reichstag diente
fortan die Berliner Kroll-Oper als Tagungsstätte.
1945 durch Kampfhandlungen und durch marodierende
Rotarmisten schwer beschädigt, wurde das
Reichstagsgebäude in den 50er Jahren restauriert,
einige Male vom Bundestag genutzt und diente als
Ausstellungsstätte. Bis zum Fall der Mauer stand es
unmittelbar an der Berliner Teilungsgrenze.
Reichsverweser
Das Wort kommt vom
althochdeutschen "firwesan" (stellvertreten). Im alten
Reich bis 1806 war der Reichsvikar Verweser der
Königsgewalt. Er trat im Falle der Reichsvakanz in
Aktion, etwa beim Tode des deutschen Königs, wenn
noch kein Nachfolger gewählt war, bei
Minderjährigkeit der Majestät oder deren
längerer Abwesenheit bzw. Krankheit. Die Goldene
Bulle 1356 legte die Teilung des Verweseramtes unter dem
Pfalzgrafen bei Rhein und dem Herzog von Sachsen fest.
Die Frankfurter Nationalversammlung wählte am 24.
Juni 1848 den österreichischen Erzherzog Johann,
Sohn des deutschen Königs und Kaisers Leopold II.
und Feldherr gegen Napoleon, zum Reichsverweser
Gesamtdeutschlands. Damit hatte das deutsche Volk nach 42
Jahren wieder ein gemeinsames Staatsoberhaupt. Mit dem
Scheitern der Paulskirche hatte auch der
großdeutsch gesinnte und volkstümliche Johann
als Reichsverweser ausgedient. Auf eine Wendung der Dinge
hoffend, hielt er bis Ende 1849 in Frankfurt am Main die
Stellung. Er verstarb 1859.
Reichswehr
Diesen Namen trug die
bewaffnete Macht des Deutschen Reiches von 1919 bis 1935.
Das Versailler Diktat beschränkte sie auf 100 000
Mann des Heeres und 15 000 Mann der Marine. Eine
Luftwaffe sowie Ausrüstung mit Panzern und anderem
schweren Kriegsgerät war den Deutschen verboten. Den
Oberbefehl über die Reichswehr führte der
Reichspräsident. Als glänzender Organisator und
Bewahrer deutschen Soldatentums zeichnete sich
Generaloberst von Seeckt, Reichswehrchef 1920-1926, aus.
Um die Versailler Fesseln zu lockern, arbeitete er
insgeheim mit den Russen zusammen. Die Reichswehr bestand
nur aus Berufssoldaten, denen politische Betätigung
verboten war und die kein Wahlrecht hatten. Sie sicherte
das Überleben der Weimarer Republik bei
Putschversuchen von Kommunisten und Nationalsozialisten
und schreckte Nachbarstaaten von weiteren Aggressionen
ab. Ihre Kader bildeten den Stamm der Deutschen
Wehrmacht.
Reichszepter
Schon die Antike kannte
den Herrscherstab als festen Bestandteil der Insignien
der Majestät. Das mit den Reichskleinodien in der
Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrte Zepter der
Könige und Kaiser des Heiligen Römischen
Reiches (Deutscher Nation) wird erstmals 1350 im
Übergabe-Inventar der Reichskleinodien an Kaiser
Karl IV. erwähnt. Es handelt sich wohl um jenen
Herrscherstab, dessen sich Ludwig der Bayer
anläßlich seiner Krönung zum deutschen
König im Jahre 1314 bedient hat. Das Zepter, eine
deutsche Arbeit, ist 61,5 cm lang und besteht aus
vergoldetem Silber. Es hat einen schlanken sechskantigen
Schaft mit vier Knaufringen und trägt als
Bekrönung ein Laubwerk aus sechs ineinander
verflochteten Eichenblättern. Seine Spitze
läuft in Form einer Eichel aus.
Remagen
Der im Ersten Weltkrieg
vom Architekten Karl Wiener geschaffenen 325 Meter langen
Ludendorff-Brücke bei Remagen kam 1945 entscheidende
Bedeutung zu. Nach fehlgeschlagenen deutschen
Sprengversuchen konnte der Feind über sie
massenweise den Rhein überschreiten und weiter ins
Reich vorstoßen. Auf Initiative des
Bürgermeisters der Stadt, Kürten, wurde in
einem der erhalten gebliebenen Brückentürmen
1980 ein Friedensmuseum eingeweiht. Mehr als eine Million
kriegsgefangene deutsche Männer und Zehntausende
Frauen mußten 1945 das gigantische KZ auf der
"Goldenen Meile" bei Remagen durchleiden. Es wurde
zunächst von der US-Army, dann von Frankreich
betrieben. Die Deutschen mußten in Erdlöchern
hausen und waren dem Treiben sadistischer Bewacher
ausgesetzt. Seuchen grassierten. Abertausende starben.
1987 wurde, ebenfalls auf Kürtens Betreiben, im
ehemaligen Lagerareal eine Erinnerungskapelle eingeweiht.
Sie beherbergt eine zur KZ-Zeit vom Insassen Bildhauer
Professor Adolf Wamper geschaffene Madonnenfigur, die
durch Aufbewahrung in Leinöl dunkel wurde und
deshalb "Schwarze Madonna" genannt wird.
Rettung über See
Neben der
Kinderlandverschickung war die Rettung über See von
Januar bis zum 9. Mai 1945 die größte
humanitäre Aktion im Zweiten Weltkrieg. 800 Schiffe
der deutschen Marine waren pausenlos im Einsatz und
retteten fast 2,5 Millionen deutsche Flüchtlinge und
Soldaten aus dem eingeschlossenen Ostpreußen, aus
Danzig, Hinterpommern und dem Baltikum vor dem Zugriff
Stalins. Die Versenkung von Flüchtlingsschiffen wie
der "Wilhelm Gustloff" und der "Goya" durch die Sowjets
forderte Abertausende Menschenleben. Hauptverantwortlich
für die Rettung über See waren der Chef der
Deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Karl
Dönitz (ab 1. Mai 1945 deutscher
Reichspräsident), der Kommandierende Admiral
östliche Ostsee, Theodor Burchardi, und Vizeadmiral
Thiele. Dönitz mußte als "Kriegsverbrecher"
bis 1955 im alliierten Gefängnis in Berlin-Spandau
verbringen. Im Buch "Doenitz at Nuremberg" gaben 254
Generale, Admirale und Marschälle einstiger
Feindmächte eine Ehrenerklärung für ihn
ab.
Rhein
Der 1236 km lange
Hauptstrom Deutschlands entspringt im schweizerischen
Graubünden und mündet in den Niederlanden in
die Nordsee. Ein Dreivierteljahrtausend lag er mit ganzem
Lauf und fast dem gesamten Stromgebiet (225 000 qkm)
innerhalb des Deutschen Reiches. Französische
Aggressionen machten ihn streckenweise zum
Grenzfluß. Durch den Abfall der Schweiz und der
Niederlande vom Reich gerieten Quelle und Mündung
außerhalb Deutschlands. Im alten Deutschen Reich
war er wichtigster Nord-Süd-Handelsweg, bis deutsche
Spaltung und daraus folgende Zollschranken den Verkehr
erschwerten. Nach Neugründung des Reiches 1871 war
der Rhein Europas bedeutendste Wasserstraße. Durch
Kanäle ist er auch mit Mittel- und Ostdeutschland
verbunden worden. An seinen Ufern entstanden gewaltige
Binnenhäfen wie Duisburg. Im deutschen Mythos spielt
der Rhein, dessen Name uralter indogermanischer Herkunft
ist (Sanskrit: rina, = fließen), mit seinen
zahlreichen sagenumwobenen Burgen und Uferfelsen
(Loreley) eine herausragende Rolle. Von allen deutschen
Flüssen wurde er vom Volk und seinen Dichtern am
innigsten besungen.
Rheinbund
Bezeichnung für
zwei Zusammenschlüsse vorwiegend west- und
süddeutscher Staaten unter französischer
Bevormundung. Der erste Rheinbund, "Alliance du Rhin"
(1658-1668), hatte angeblich die Sicherung des
Westfälischen Friedens zum Ziel, diente jedoch dem
französischen Kampf gegen Habsburg und das Deutsche
Reich. Der zweite Rheinbund, "Confederation du Rhin",
unter Druck Napoleons 1806 gegründet, führte
zum Austritt seiner Mitgliedsstaaten aus dem Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation, zur Niederlegung
der Kaiserkrone durch Franz II. und damit zum formalen
Ende des ersten Deutschen Reiches. Dem Rheinbund
gehörten schließlich 36 Territorien mit 325
752 qkm an. Er hatte Hunderttausende deutsche Soldaten
für Napoleons Eroberungszüge zu stellen. Im
Oktober 1813 ging der Rheinbund zugrunde, da sich die
meisten Mitgliedsstaaten dem
preußisch-russisch-österreichischen
Bündnis anschlossen. Bundesdeutsche Politiker, die
auf Paris fixiert und separatistisch sind, werden
verächtlich "Rheinbündler" genannt.
Rheinlandbesetzung
Der Rhein als Ostgrenze
war schon seit Jahrhunderten Ziel französischer
Politik, als Paris durch Versailles 1919 seinen
Machtbereich auf großer Breite an die Ufer des
Stromes vorschieben konnte. Vom besetzten Rheinland aus
überfiel Frankreich 1923 das Ruhrgebiet. Das
deutscher Wehrhoheit entzogene Rheinland sollte bei einem
Krieg mit Deutschland von französischen Truppen
schnell durchstoßen werden. Am 7. März 1936
marschierten, bejubelt von der Bevölkerung, drei
Wehrmachtsbataillone ins linksrheinische Reichsgebiet
ein, um dort symbolisch die deutsche Wehrhoheit
wiederherzustellen. Sie hatten Befehl, sich bei
französischem Widerstand zurückzuziehen. Doch
die untereinander uneinigen Westmächte schritten
nicht ein. Berlin begründete die Rheinlandbesetzung
u. a. mit dem kurz zuvor ratifizierten
französisch-sowjetischen Bündnisvertrag, der
zusätzliche Gefahr für Deutschland bedeute. Die
meisten Historiker der Sieger und Nachkriegsdeutschlands
sprechen von einer "deutschen Aggression" .
Ritter
Das im alten Deutschen
Reich zur höchsten Blüte gelangte Rittertum
wurzelte im germanischen Gefolgschaftswesen. Krieger zu
Pferde erhielten für ihre Verdienste Lehensgut
(Rittergüter). So entwickelte sich ab dem 11.
Jahrhundert der Ritterstand. Auch in den schönen
Künsten vollbrachten Ritter bedeutende Leistungen.
Die größten deutschen Dichter des Mittelalters
(Minnesänger) entstammten ihrem Kreis.
Sorgfältige Erziehung leitete den künftigen
Ritter zu Zucht und Maßhalten in allen Lebenslagen
an. Er wurde als Siebenjähriger Page, als
Vierzehnjähriger Knappe und empfing im Altervon 21
Jahren den Ritterschlag, die Schwertleite. Dem
Reichsniedergang stemmten sich im 16. Jahrhundert
vergebens Reichsritter wie Geyer, Hutten und Sickingen
entgegen. Im geschwächten Deutschland breitete sich
Raubrittertum aus. Die Reichsritterschaft, die etwa 350
Geschlechter zählte, wurde 1806 mit der auf
Napoleons Geheiß geschlossenen Rheinbundakte formal
beseitigt. Der Mythos des Ritters als eigentlicher
Träger des Reiches aber lebte fort wie auch die
Ritterlichkeit als Erziehungsideal.
Ritterkreuz
Der nach Kriegsausbruch
1939 gestiftete Militärorden zur Erhöhung des
Eisernen Kreuzes hatte die Form des EK, war aber
größer und wurde wie der Pour le mérite
mit schwarzweißrotem Band am Halse getragen. Das EK
I war Voraussetzung für das Ritterkreuz. Im Zweiten
Weltkrieg wurde das Ritterkreuz rund 7300mal verliehen
(4780 Heer, 1730 Luftwaffe, 465 Waffen-SS, 318
Kriegsmarine). Weitere Stufen waren das Eichenlaub (883
Träger), die Schwerter (159), die Brillanten (27)
und das Goldene Eichenlaub (nur an Rudel verliehen). Das
bundesdeutsche Ordensgesetz von 1957 bestimmt, daß
das Ritterkreuz nur ohne das Hakenkreuz in seiner Mitte
getragen werden darf.
Roland
Roland war der viel
besungene legendäre Getreue Karls des Großen;
als historische Persönlichkeit wohl Graf Hruotlant
aus der Bretonischen Mark, der 778 im Kampf gegen die
Basken fiel. Rolandsäulen werden die hölzernen
oder steinernen Standbilder in Städten des
nördlichen Deutschlands genannt, die einen
barhäuptigen Mann in Rüstung und mit Schwert
zeigen; so u. a. in Stendal, Halle, Brandenburg,
Quedlinburg, Halberstadt, Nordhausen, Perleberg, Zerbst.
Sie sind Wahrzeichen städtischer Freiheit. Die
berühmteste Rolandsäule steht in Bremen. Sie
wurde 1410 aus Stein an der Statt des von Bischofstruppen
vernichteten hölzernen Roland errichtet. Der Bremer
Roland führt den Adler des Deutschen Reiches im
Schilde und verkündet: "Wy hebben eyne frye
stad."
Romantik
Diese Kulturepoche
begann im 18. Jahrhundert und bestimmte, vor allem in
Deutschland, das 19. Jahrhundert. Man entdeckte das lange
als "finster" gescholtene Mittelalter als die hohe Zeit
Deutschlands und des Abendlandes wieder. Das Rittertum
begeisterte neu. Auch waren die Romantiker um Natur- und
Volksbewußtsein bemüht. Sie retteten
Volksüberlieferungen vor dem Vergessen. Die deutsche
Romantik kam vor allem in der Malerei (C. D. Friedrich)
und in der Musik (Weber, Wagner) zu höchster
Blüte. Als politische Erweckungsbewegung half sie
dem deutschen Volk, in der Zeit staatlicher
Zersplitterung Gefühl und Bewußtsein der
Gemeinsamkeit zu bewahren. Sie strahlte auf slawische
Nachbarvölker aus und trug wesentlich zu deren
Nationalbewußtsein bei.
Römer
Um 1405 baute die Stadt
Frankfurt (Main) eine Gebäudegruppe auf dem
"Römerberg" am Markt zum Rathaus um. Eines der
Bürgerhäuser hieß "Zum Römer",
weshalb das Rathaus fortan so genannt wurde. Frankfurt
war in der Goldenen Bulle gesetzlich zum Wahlort des
deutschen Königs bestimmt worden; ab 1562 fanden
dort auch die Krönungen der deutschen
Majestäten statt. Aus dem Dom zog der König und
Kaiser mit seinem Gefolge feierlich zum Römer, in
dem das Festbankett ausgerichtet wurde. Vom Fenster aus
zeigte sich der Herrscher der Menge, die zum großen
Volksfest zusammengeströmt war. In den Jahren 1838
bis 1853 entstanden, von bedeutenden Künstlern
gemalt, die Bildnisse sämtlicher Könige und
Kaiser des Reiches, welche seither den Kaisersaal des
Römers zieren. 1944 wurde der Römer von
westalliierten Bomben schwer getroffen, 1955 feierlich
wiedereröffnet.
Rot-Weiß-Rot
Österreichs Farben
gelten nach dem deutschen Reichsadler als ältestes
staatliches Symbol in Europa. Die Legende weiß,
daß Herzog Leopold V. in den Kämpfen um Akkon
1191 auf dem blutgetränkten Waffenrock unter dem
Wehrgehänge eine weiße Schärpe getragen
hat und ihm daraufhin durch König Heinrich VI. die
Farben Rot-Weiß-Rot als Wappen verliehen worden
sind. Nachzuweisen ist die rotweißrote Fahne
erstmals für das Jahr 1230. Sie stand auf einem
Siegel Herzog Friedrichs II. in Verwendung. Sie war
Heerbanner und wurde im 16. Jahrhundert auch See- und
Kriegsflagge. 1786 erklärte sie Joseph II. offiziell
zur Kriegs- und Seeflagge. Der Entwurf, in dem der
weiße Streifen einen von einer Königskrone
bekrönten Bindenschild trägt, stammt vom
Staatskanzler Fürst Kaunitz. 1919 wurden die
rotweißroten Farben auf Vorschlag des späteren
Bundespräsidenten Wilhelm Miklas von der Republik
Deutsch-Österreich übernommen.
Ruhrkampf
Das Ruhrgebiet
entwickelte sich im neuen Deutschen Reich ab 1871 dank
Kohle und Stahl zum bedeutendsten Industriebezirk
Europas, weshalb Feindmächte es stets besonders auf
das Revier abgesehen hatten. 1919/20 mußten die
Bolschewisten abgewehrt werden. 1921 besetzte Frankreich
neben Düsseldorf auch Duisburg und Ruhrort, ab 11.
Januar 1923 mit 100 000 Mann (darunter 20 000
Nordafrikanern sowie Soldaten aus Belgien) das gesamte
Ruhrgebiet von Dortmund bis nach Wesel. Deutschland
wehrte sich in nationaler Solidarität mit passivem
Widerstand und aktiver Sabotage (Schlageter). Die
Besatzer vertrieben 180 000 Deutsche und schnitten das
Ruhrgebiet vom Reich ab. Der Ruhrkampf forderte 140
Menschenleben. Im August 1925 zogen die letzten Franzosen
ab. Im Zweiten Weltkrieg waren die Wohnstätten der
Ruhrarbeiter bevorzugtes Ziel der RAF-Bomber. Nach 1945
kämpften die Deutschen im Revier gegen den
Morgenthau-Plan (Demontage). Erst nach Aufhebung des
Ruhrstatuts 1952 kam das Ruhrgebiet uneingeschränkt
zur Bundesrepublik.
Runen
Es ist ein sehr altes
Wort mit der Bedeutung "geheimnisvolle Kunde", urverwandt
mit "raunen", Im Gotischen des Ulfila heißt runa
"Geheimnis, Rat". Unter Runen versteht man die
Schriftzeichen der Germanen vor Übernahme der
lateinischen Schrift. Sie wurden wohl schon vor mehr als
2000 Jahren verwendet. Die ältesten
Runenschriftdenkmale deutscher Sprache stammen aus der
Zeit vor dem 7. Jahrhundert n. Chr. Nur auf Gotland und
in Teilen Schwedens blieben die Runen über das
Mittelalter hinaus in Gebrauch; in Deutschland als
Zierformen in der Kunst, auch häufig an
Häusern. Sonst waren sie 1000 Jahre als "heidnisch"
verboten, verdrängt oder in Vergessenheit geraten.
Im 18. und 19. Jahrhundert entstand die wissenschaftliche
Runenkunde. Sie wurde in Deutschland besonders eingehend
während der 1930er und frühen 1940er Jahre
betrieben.
Rußlanddeutsche
Schon im Mittelalter
waren deutsche Kaufleute in Rußland, einer
ursprünglich germanischen Staatsgründung,
tätig. Im 16./17. Jahrhundert gab es
größere Kolonien in Moskau und St. Petersburg.
Zarin Katharina die Große aus dem deutschen
Geschlecht Anhalt-Zerbst und ihr Enkel Alexander I.
riefen im 18. Jahrhundert deutsche Einwanderer ins Land.
Sie siedelten hauptsächlich an der W olga, am
Schwarzen Meer, in Wolhynien - mit Tochtersiedlungen bis
nach Turkestan und Sibirien - und trugen entscheidend zur
Entwicklung des Landes bei. Antideutsche Hetze im Ersten
Weltkrieg, Kollektivierung und bolschewistischer Terror
setzten ihnen zu. In den 20er Jahren gewährte man
ihnen an der Wolga eine "autonome Republik". 1941 wurden
sie von Stalin nach Osten verschleppt. Seit den 70er
Jahren forderten sie durch mutige Demonstrationen ihre
Rechte ein. In den 80er Jahren siedelten Hunderttausende
in die Bundesrepublik über. Interesse besteht bei
vielen der mehr als 2 Mio. Rußlanddeutschen an
Nordostpreußen als Siedlungsgebiet.
Saarabstimmungen
Am 15. Juli 1933
bildete sich an der Saar die Deutsche Front als
Sammlungsbewegung aller Kräfte für die
Wiedervereinigung mit Deutschland. Sie errang am 13.
Januar 1935 bei der Saarabstimmung einen triumphalen
Erfolg: 477 089 (90,8 %) Stimmen für Deutschland, 46
613 (8,8 %) für den Status quo, also
Völkerbundstatus mit französischer
Bevormundung, nur 2124 (0,4 %) für Frankreich. Am 1.
März 1935 erfolgte die Wiedervereinigung. 1954
verabredeten Kanzler Adenauer und Frankreichs Premier
Mendes-France ein Saarstatut zur "Europäisierung"
des Saargebietes. Im Heimatbund schlossen sich die
Wiedervereinigungskräfte zusammen. Mit Erfolg: Bei
der zweiten Saarabstimmung am 23. Oktober 1955 wurde das
Saarstatut mit 67,7 % abgelehnt. Am 1. Januar 1957 kam
das Saarland zur Bundesrepublik Deutschland.
Saarland
Die einstige Grafschaft
(später Fürstentum) Saarbrücken bildet den
Kern des Saarlandes, das stets zum Deutschen Reich
gehörte und dessen Bevölkerung zu jeder Zeit
deutsch war. Ludwig XIV. scheiterte Ende des 17.
Jahrhunderts mit Annexionsversuchen, 1792 ebenso das
revolutionäre Frankreich und 1815 Napoleon. Einen
Versuch Napoleons III., das Saargebiet 1866 zu
vereinnahmen, wehrte Bismarck mit Kriegsandrohung ab.
1918/19 übernahm Paris die Macht an der Saar und
beutete das Gebiet aus. Ein Kommissar des
Völkerbundes diente als Strohmann. 1935 entschieden
sich die Deutschen an der Saar mit 90,8 % für die
Wiedervereinigung, die im selben Jahr vollzogen wurde.
1945 übernahm Paris das um benachbarte Gebiete
vergrößerte Saarland erneut in klarer
Annexionsabsicht. Die veränderte politische Weltlage
ließ Paris einer "Europäisierung" des
Saarlandes zustimmen. Doch die Saardeutschen wollten die
Wiedervereinigung, stimmten 1955 gegen das
"europäische Saarstatut" und kamen am 1. Januar 1957
zur Bundesrepublik.
Sachsen
Unter Sachsen (aus ahd.
sahsnotas, = Schwertleute) versteht man einerseits den
deutschen Volksstamm in Niederdeutschland
(Niedersachsen), aus dem bedeutende Kaiser hervorgingen,
andererseits den ostmitteldeutschen, im Verlaufe der
ostdeutschen Siedlung entstandenen Stamm (Obersachsen).
Das nachmalige Land Sachsen in Mitteldeutschland wuchs
aus der Markgrafschaft Meißen und erhielt die
Kurwürde im Reich. August der Starke führte
Sachsen Anfang des 18. Jahrhunderts zur kulturellen
Blüte. Im 19. Jahrhundert wurde es neben dem
Ruhrgebiet die wichtigste deutsche Industriezone. Nach
dem Sturz des Königtums 1918 war Sachsen Freistaat,
mußte sich kommunistischer Eroberungsversuche
erwehren und wurde 1945 von Polen seines Landstrichs
östlich der Neiße beraubt. Mit Schlesien
westlich der Neiße bildete es ein Land der
Sowjetzone, wurde in der DDR in Bezirke zergliedert und
kam im 0ktober 1990, nachdem es das Zentrum der
Wiedervereinigungsbewegung gewesen war, zur
Bundesrepublik Deutschland.
Sachsen-Anhalt
Die preußische
Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg wurde 1816
aus altpreußischem Besitz und im Jahr zuvor
erworbenen ehemals kursächsischen sowie
kurmainzischen Gebieten gebildet. Anhalt, benannt nach
einer alten Burg im Harz und beiderseits der mittleren
Elbe gelegen, war bis 1945 mit der Hauptstadt Dessau ein
Land des Deutschen Reiches. Es ging aus der Herrschaft
der markgräflichen Askanier hervor, war später
Fürstentum und wurde 1919 Freistaat im Deutschen
Reich. 1946 wurden die Provinz Sachsen und das Land
Anhalt zu einem Land der Sowjetischen Besatzungszone
vereinigt (Hauptstadt Halle). 1952 erfolgte die
Zergliederung in DDR-Bezirke, im Oktober 1990 die
Aufnahme in die Bundesrepublik Deutschland. Hauptstadt
des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ist Magdeburg.
Sachsenhain
Karl der Große
ließ 782 n. Chr. bei Verden an der Aller, der
nachmaligen Reichsstadt, vermutlich 4500 Sachsen
hinrichten. Damals tobte ein 30jähriger germanischer
Bruderkrieg zwischen Franken und Sachsen, weil diese sich
weder politisch noch weltanschaulich (Christianisierung)
beugen wollten. Die Hinrichtungsstätte war
höchstwahrscheinlich ein alter Dingplatz der Sachsen
mit einem eiszeitlichen Findling als Gesetzesstein. Dort,
zu Halsmühlen an der Halse ("Rote Beeke"), etwas
nördlich von Verden, wurde 1935 der Sachsenhain
feierlich eingeweiht. In ihn stellte man 4500
Findlingssteine aus niedersächsischen Gemeinden zu
Ehren der Hingerichteten. Auch wird der Sachsenhain
geziert von dort errichteten Bauernhäusern
altniedersächsischer Art.
Sachsenspiegel
Das bedeutendste
deutsche Rechtsbuch des Mittelalters, das weit über
Deutschland bis nach Ungarn und Rußland wirkte,
wurde 1220 bis 1235 vom sächsischen Ritter und
Rechtsgelehrten Eike (Heiko) von Repgau in
niederdeutscher Sprache verfaßt. Es fußte auf
überliefertem germanisch-sächsischen, vor allem
ostfälischen Recht. Der Sachsenspiegel war die
Vorlage der oberdeutschen Rechtsbücher
(Deutschenspiegel, Schwabenspiegel) sowie des
Meißener Rechtsbuches.
Seine stadtrechtliche
Ausprägung war das Magdeburger Recht, das
verbreitetste Stadtrecht des Mittelalters. Kein anderes
Rechtsbuch bewährte sich derart und blieb so lange
in Kraft wie der Sachsenspiegel, der in manchen deutschen
Ländern, zum Beispiel in Thüringen und Anhalt,
bis 1900 galt. Er ist in rund 200 Handschriften
erhalten.
Saint-Germain
Saint-Germain-en-Laye
mit seinem Königsschloß liegt bei Paris. Hier
wurde 1635 der französisch-sächsische Vertrag
geschlossen, der Frankreichs Einmischung in den
30jährigen Krieg steigerte. Durch den Frieden von
Saint-Germain 1679 kamen Stettin, Stralsund und
Rügen an Schweden und wurde Frankreichs Ludwig XIV.
mächtigster Mann Europas. Am 10. September 1919
mußte Österreich das Diktat von Saint-Germain
unterschreiben: Bestätigung der Zerschlagung des
Habsburgerreiches, Raub deutschen Landes (Südtirol
und Kanaltal an Italien, südöstliche Teile von
Kärnten und die Untersteiermark an Jugoslawien,
Sudetendeutschland und ein Streifen
Niederösterreichs an die CSR), Verbot des Namens
Deutsch-Österreich und des Anschlusses,
Internationalisierung der Donau, Begrenzung der
österreichischen Armee auf 30 000 Mann, gewaltige
Reparationsforderungen, Erpressung des Wiener
Kriegsschuldbekenntnisses. Dieser "Friedensvertrag" trug
zur ständigen Spannung in Europa und zum
Kriegsausbruch 1939 bei.
Salier
Der Name des
fränkischen Adelsgeschlechts mit dem Macht- und
Besitzschwerpunkt im Nahe-, Speyer- und Wormsgau leitet
sich entweder von der Stammesgruppe der Salfranken oder
vom alten deutschen Wort "sal" (= Herrschaft) ab. Der
eigentliche Aufstieg begann mit Konrad dem Roten, der 944
Herzog von Lothringen wurde und sich mit Liudgard,
Tochter Ottos des Großen, vermählte. Die
Dynastie gelangte im Jahre 1024 in der Nachfolge der
Liudolfinger (Ottonen) zur deutschen Königs- und
Kaiserwürde. Salier auf dem Thron des Reiches waren:
Konrad II. (Urenkel Konrads des Roten), Heinrich III.,
Heinrich IV. und Heinrich V., der 1125 kinderlos starb.
Ihnen folgten die Staufer. Die Salier festigten das
Reich; ihnen gelang es, die abendländische
Vormachtstellung Deutschlands in Politik und Kultur zu
behaupten.
Salomon-Inseln
Die melanesische
Inselgruppe im Stillen Ozean hat rund 40 400 qkm
Landfläche. Kopra, Ananas, Süßkartoffeln,
Bananen und Kokosnüsse sind die Hauptgüter.
1885 wurden Bougainville und Buka (rund 10 000 qkm, 60
000 farbige Einwohner) deutsches Schutzgebiet, die
anderen Salomon-Inseln später britisches
Protektorat. Der deutsche Anteil an der Inselgruppe mit
der Hauptstadt Kieta gehörte zum Überseegebiet
Deutsch-Neuguinea. Die unverteidigten Eilande
Bougainville und Buka wurden im August 1914 von
britisch-neuseeländischen Truppen besetzt. 1920
kamen sie als "Völkerbundmandat" an
Britisch-Australien. Nach 1945 gerieten sie unter
US-amerikanische Herrschaft.
Salurner Klause
Salurn liegt rund 130
Kilometer südlich des Brenner und fast 50 Kilometer
unterhalb von Bozen. Es wurde Anfang des 13. Jahrhunderts
Sitz des Grafen von Tirol. Auf einem Felsen über dem
Ort befindet sich die Ruine der im 13. Jahrhundert
gegründeten Haderburg. Bei Salurn treten Geiersberg
und Fennberg eng zusammen und schaffen so ein Engtal der
Etsch, genannt Salurner Klause. Als sich Italien 1919
Südtirol völkerrechtswidrig einverleibte, hatte
die Salurner Klause bereits über zweihundert Jahre
lang die südlichste Begrenzung des geschlossenen
deutschen Sprach- und Siedlungsgebietes gebildet.
Früher lag die deutsch-italienische Sprachgrenze
noch erheblich weiter südlich. Bis ins 18./19.
Jahrhundert hielten sich zahlreiche, bis heute einige
wenige deutsche Sprachinseln jenseits der Salurner
Klause.
Salzburger Festspiele
Das Salzburger Land mit
seiner bairischen Bevölkerung war seit Anbeginn Teil
des ersten Deutschen Reiches. 1805/15 fiel es an
Österreich. Im Mai 1921 sprachen sich 99 % der
Bevölkerung für den Anschluß ans Deutsche
Reich aus. Bald darauf fanden die ersten Festspiele zu
Ehren des größten Sohnes Salzburgs, Wolfgang
Amadeus Mozart, statt. Angeregt vom Beispiel Bayreuths
hatten der Dirigent Hans Richter, die Dichter von
Hofmannsthal und Bahr, der Regisseur Reinhardt, der
Bühnenbildner Roller, der Wiener Staatsoperndirektor
Schalk und Richard Strauss die Salzburger Festspielidee
geboren und in die Tat umgesetzt. Die Festspiele finden
alljährlich im Sommer statt. Gepflegt werden die
Oper, vor allem das Werk Mozarts, das Schauspiel
("Jedermann"-Aufführungen auf dem Domplatz usw.) und
das Konzert; über viele Jahrzehnte war Herbert von
Karajan, der 1933 erstmals in Salzburg als Dirigent
auftrat, die prägende Persönlichkeit der
Festspiele.
Samoa
Die Samoa-Inseln
(insgesamt 3125 qkm Landfläche) liegen im
polynesischen Teil des Stillen Ozeans. In den 1850er
Jahren ließen sich dort deutsche Kaufleute nieder.
Interessenkonflikte der Großmächte wurden 1889
bei der Samoa-Konferenz beigelegt: Briten, US-Amerikaner
und Deutsche verwalteten die Inseln fortan gemeinsam.
Zehn Jahre später kam es im Samoa-Vertrag zur
Aufteilung der Inselgruppe unter den USA und dem
Deutschen Reich, welches 2500 qkm mit 35 000 Einwohnern
(ca. 600 Weißen) erhielt. Auch auf Samoa
stationierte Deutschland keine Streitmacht, so daß
die Neuseeländer Ende August 1914 leichtes Spiel
hatten, die Eilande zu besetzen und nach 1918 - mit
Zustimmung des Völkerbundes - zu
behalten.
Sankt Andreas
Am 26. Oktober 1651
warfen zwei kurländische Schiffe, die "Krokodil" und
die "Walfisch", Anker vor der westafrikanischen
Goldküste. Im Namen des Herzogs von Kurland
gründeten die Besatzungen die erste deutsche Kolonie
in Afrika und legten auf einer Insel im Gambia-Fluß
die Festung Sankt Andreas an. Kurlands Herrscher Jakob
(1610-1681), genannt "der Schifferherzog", der als erster
deutscher Landesfürst Kolonialpolitik in
Übersee betrieb, war Schwager des Großen
Kurfürsten. Zwischen Kurland und Sankt Andreas gab
es regen Schiffsverkehr. Doch vermochte der von den
Schweden bedrängte Jakob nicht, die Kraft für
Kolonialpolitik auf Dauer aufzubringen. Sein Gouverneur
Otto Stiel hielt Sankt Andreas bis zum 10. März 1661
und mußte dann vor dem britischen Admiral Holmes
kapitulieren. Die kurländische Festung wurde in Fort
St. James umbenannt.
Sanssouci
Im Jahre 1744 begann
Baumeister von Knobelsdorff mit den Arbeiten am
Schloß Sanssouci auf einer Anhöhe über
dem Tal der Havel westlich von Potsdam. Der Schöpfer
der friderizianischen Baukunst folgte Plänen und
Bauskizzen Friedrichs des Großen; die
Rückfront mit Kolonnade und der Marmorsaal sind
Knobelsdorffs eigene Schöpfungen. Das 1748
fertiggestellte einstöckige Schloß wirkt
zurückhaltend im Vergleich zu den Prunkbauten
anderer europäischer Majestäten von weitaus
geringerer Bedeutung, ist also preußisch. Sanssouci
(= "ohne Sorge") diente vor allem den schönen
Künsten. In ihm musizierte Johann Sebastian Bach,
richtete Friedrich seine berühmten
Flötenkonzerte aus, traf er große Dichter und
Denker, erörterte er mit Voltaire philosophische
Grundfragen. Seinem letzten Willen entsprechend und auf
Veranlassung von Prinz Louis Ferdinand, fand Friedrich
der Große im August 1991 letzte Ruhe unter den T
errassen von Sanssouci.
Sathmarer Schwaben
Die Stadt Sathmar in
der östlichen Theißebene ist eine deutsche
Gründung des 13. Jahrhunderts. In ihrer Nähe
lag das Gebiet der Sathmarer Schwaben mit (1940) rund 40
000 Personen, den Nachfahren ab 1712 eingewanderter
schwäbischer und fränkischer Bauern. Sie hatten
entscheidend zur Entwicklung Ungarns beigetragen und
wurden im 19.Jahrhundert starkem Madjarisierungsdruck
ausgesetzt. 1920 kamen Großkarol, der Mittelpunkt
der deutschen Volkstumsinsel, und 30 weitere Ortschaften
der Sathmarer Schwaben an Rumänien; drei Orte
blieben bei Ungarn. Von 1940 bis 1944 gehörte das
ganze Gebiet wieder zu Ungarn. 1944/45 mußten die
meisten Deutschen flüchten; viele wurden umgebracht
oder verschleppt. Von den Verbliebenen siedelte die
Mehrheit in den 70er und 80er Jahren in die
Bundesrepublik aus.
Savoyen
Savoyen, das Gebiet
zwischen Genfer See, Rhone und der Mont-Cenis-Gruppe mit
dem Mont Blanc, der höchsten Berggruppe Europas,
gehörte nahezu acht Jahrhunderte zum Deutschen
Reich. Das einst keltische Land wurde im Jahre 443
burgundisch und 534 fränkisch. 1033 kam es zum
Deutschen Reich. Das Herrscherhaus der Humbertiner
erweiterte das Machtgebiet bis nach Nizza. Kaiser Karl
IV. unterstellte Savoyen 1361 unmittelbar dem Reich.
Sigmund erhob es zum Herzogtum. Eugen von Savoyen war im
18. Jahrhundert der bedeutendste Staatsmann und Feldherr
des deutschen Kaiserhauses der Habsburger.
Anfang des 19.
Jahrhunderts erfolgte die Abtrennung Savoyens vom
untergehenden ersten Reich der Deutschen. Das Land kam
1860 an Frankreich - als Gegenleistung für die
französische Hilfe für die Italiener im Krieg
gegen Österreich. Eigentliche Sprache der Bewohner
Savoyens ist das Provenzalische, das im Heiligen Reich
weitgehend unangefochten blieb, in Frankreich jedoch
zugunsten des Französischen verdrängt
wurde.
Scapa Flow
Es ist eine Bucht der
Orkaden (Orkneys) vor der Nordspitze Schottlands. Ab 21.
November 1918 war dort der Großteil der deutschen
Hochseeflotte (5 Schlachtschiffe, 11 Linienschiffe, 8
kleine Kreuzer, 50 Zerstörer) interniert. Ihr
Befehlshaber, Konteradmiral von Reuter, traf insgeheim
alle Vorbereitungen und ließ die Schiffe am 21.
Juni 1919 auf einen Schlag von den deutschen Besatzungen
versenken, um ihre im Versailler Vertrag diktierte
Übergabe an die britische Flotte zu verhindern.
Durch britische Feuerstöße auf die in die
Rettungsboote gegangenen Deutschen gab es 28 Verletzte
und Tote. Auch am 2./3. Mai 1945 versenkten sich in den
deutschen Häfen zahlreiche Schiffe, vor allem
U-Boote, selbst. In der Nacht zum 14. Oktober 1939 gelang
es dem deutschen U-Boot-As Prien (er fiel am 7. März
1941 im Nordatlantik), in den Hafen von Scapa Flow, den
am besten gesicherten der Welt, einzudringen und das
britische Schlachtschiff Royal Oak zu versenken sowie ein
weiteres schwer zu beschädigen.
Schillsche Offiziere
Der preußische
Offizier Ferdinand von Schill brach mit 600 Husaren am 8.
April 1809 von Berlin aus auf, um auf eigene Faust gegen
Napoleon zu kämpfen. Freiwillige schlossen sich ihm
an. Nach Anfangserfolgen wurde die Truppe in Stralsund
eingeschlossen. Der Führer und viele Gefolgsleute
fielen am 31. Mai 1809 im Straßenkampf mit dem an
Mann und Ausrüstung weit überlegenen Feind. Man
steckte Schills Kopf in ein Spiritus-Glas und schickte es
als Trophäe an Napoleons Bruder Jerome. 500
Mitkämpfer Schills kamen auf französische
Todesgaleeren. 11 seiner Offiziere wurden in die Festung
Wesel gebracht und am 16. September 1809 auf den
Lippe-Wiesen erschossen. Im Auftrag von König
Friedrich Wilhelm III. erbaute Schinkel über ihren
Gräbern das 1834 eingeweihte Denkmal mit der
trauernden Borussia, dem Preußenaar und den Namen
der Hingerichteten. Die sterblichen Hüllen Schills
und 14 anderen seiner erschossenen Gefährten wurden
im Denkmal in Braunschweig-Ölper zur Ruhe gebettet,
einem 1837 erbauten Obelisken mit Löwe, Schwert und
EK.
Schinderhannes-Bande
Johannes Bückler
aus Miehlen im Taunus, geboren am 25. Mai 1783,
entstammte einer Abdecker (= Schinder)-Familie. Als
16jähriger organisierte er im französisch
besetzten Hunsrück eine Räuberbande, die
vorwiegend Wucherern und Besatzern das von diesen zuvor
Ergaunerte abnahm. Aus dem als ausbruchssicher geltenden
Turm der Stadtbefestigung von Simmern gelang ihm eine
abenteuerliche Flucht. Mit seiner Bande wurde er erneut
zum Schrecken der Besatzungsmacht und der Schieber, die
er erleichterte. Für das einfache Volk organisierte
er von seinen Hauptquartieren aus, der Burg Kallenfels
und der Schmittburg, Festlichkeiten und zeigte sich auch
sonst wohltätig. Er wurde festgenommen und den
französischen Behörden ausgeliefert. Am 21.
November 1803 starb der Schinderhannes,
Augenzeugenberichten zufolge stolz und furchtlos, mit 19
seiner Spießgesellen in Mainz unter der Guillotine.
In Liedern, Balladen und Erzählungen lebte er als
edler Räuber fort.
Schlageter-Denkmal
Auf der Golzheimer
Heide unweit von Düsseldorf wurde am 26. Mai 1923
Albert . Leo Schlageter im Alter von 28 Jahren
erschossen. Der Bauernsohn aus dem Schwarzwald,
Kriegsfreiwillige und Freikorpskämpfer hatte
Sabotagetrupps gegen die französischen Besatzer des
Ruhrgebiets geführt (u. a. Sprengung von
Brücken zur Störung des Nachschubs). Durch
Verrat fiel er den Franzosen in die Hand und wurde am 8.
Mai 1923 zum Tode verurteilt. Gegen einmütigen
deutschen Protest bestätigte Frankreichs
Regierungschef Poincaré das Urteil des
Militärgerichts. Schlageter starb an einen Pfahl
gebunden. In Briefen an die Eltern hatte er bekannt, mit
Stolz in den Tod fürs Vaterland zu gehen.
KP-Chefideologe Karl Radek schrieb nach den
Todesschüssen: "Schlageter verdient, daß wir
als Kämpfer der Revolution ihm die Ehre erweisen,
die Ehrenmännern zukommt." Für die deutsche
Rechte war und ist Schlageter ein Nationalheld. 1931
wurde an der Hinrichtungsstätte das von Clemens
Holzmeister geschaffene, mit einem mächtigen Kreuz
versehene Schlageter-Ehrenmal errichtet, das 1946 auf
Geheiß der Sieger beseitigt werden
mußte.
Schlesien
Die germanischen
Silingen, die dort mehr als 600 Jahre (bis 350 n. Chr.)
siedelten, gaben dem Land den Namen. Im 6. Jahrhundert
kamen kleine slawische Stämme hinein. Schlesien
geriet - bei Wahrung weitgehender Selbständigkeit -
unter die Hoheit polnischer Herrscher, die deutsche
Siedler ins Land riefen. Bis 1350 waren 120 Städte
und 1200 Dörfer von Deutschen gegründet worden.
In mehreren Verträgen (1335, 1338, 1356, 1372)
verzichtete Polen auf Schlesien. Das Land kam zum
Deutschen Reich und stand zunächst unter
böhmischer, ab 1526 unter habsburgischer Herrschaft.
Friedrich der Große erwarb neun Zehntel Schlesiens.
Der Rest mit der Hauptstadt Troppau
(Österreichisch-Schlesien) blieb habsburgisch und
kam 1919 selbstbestimmungswidrig an die CSR. Die
preußische Provinz Schlesien verlor 1919 das
Hultschiner Ländchen an die CSR und 1921
Ostoberschlesien an Polen. 1945/46 wurden die Schlesier
Opfer des Vertreibungsholocausts (über eine halbe
Million Tote). Bis auf den kleinen Westteil, der zu
Sachsen kam (seit 1990 bei der Bundesrepublik) ist
Schlesien seit 1945 polnisch besetzt, was sich
ökonomisch wie ökologisch verheerend auf das
deutsche Land auswirkt.
Weiterführend:
90
Jahre Volksabstimmung in
Oberschlesien
Ein Bekenntnis zum Reich in schwerer Zeit
Schleswig-Holstein
Das alte Sachsenland
Holstein ist seit Anbeginn rein deutsch und war, mit
einigen Unterbrechungen, stets Teil des Deutschen
Reiches. Das im 10. Jahrhundert als Mark des Reiches
entstandene Schleswig, im Norden dänisch, im
Süden deutsch besiedelt, kam im 11. Jahrhundert
unter Dänemarks Hoheit. Infolge der Schwäche
des Deutschen Reiches geriet ganz Schleswig-Holstein in
fremde Hand. Anfang des 19. Jahrhunderts lag es insgesamt
in Kopenhagens Machtbereich. 1815 wurde Holstein Teil des
Deutschen Bundes. Trotz des deutschen Sieges im
Deutsch-Dänischen Krieg 1848-1850 kam Holstein nach
Drohungen der Großmächte wieder an
Dänemark. Der zweite Deutsch-Dänische Krieg
1864 jedoch brachte Schleswig-Holstein unter deutsche
(preußisch-österreichische) Kontrolle. 1866
wurde das ganze Land preußisch, 1871 Teil des
Deutschen Reiches. 1890 kam Helgoland hinzu. Die
Volksabstimmung von 1920 führte zur Vereinigung
überwiegend dänischer Nordgebiete mit
Dänemark bei ungerechter Majorisierung deutscher
Ortschaften wie Tondern und Apenrade. 1949 wurde
Schleswig-Holstein ein Land der
Bundesrepublik.
Schöner Brunnen
Der Schöne Brunnen
in der Nordwestecke des Nürnberger Hauptmarktes,
eine 19 Meter hohe, goldgleißende Stufenpyramide in
der Form eines hochgotischen Kirchturms, entstand Ende
des 14. Jahrhunderts als Zeichen
spätmittelalterlicher Prachtentfaltung der
Lieblingsstadt des luxemburgischen Kaiserhauses.
Baumeister war wohl Palier Heinrich aus dem
Nürnberger Künstlergeschlecht der Behaim. Die
40 Steinfiguren, die Geisteswissenschaften, weltliche
Herrschaft und christlichen Glauben versinnbildlichen,
stammen aus der Werkstatt der Parler. Das vom Augsburger
Kunstschlosser Kuhn gestaltete Ziergitter wurde Ende des
16. Jahrhunderts angebracht. Mit dem Niedergang des
Deutschen Reiches setzte auch die Verwahrlosung des
einzigartigen Kunstwerkes ein, das sich Anfang des 19.
Jahrhunderts in einem erbärmlichen Zustand befand.
Es gab mehrere Restaurierungen, von denen sich jene des
Baumeisters Heinrich Wallraff zwischen 1902 und 1905
werkgetreu nach dem alten Vorbild richtete. Den
Bombenterror des Zweiten Weltkrieges überstand der
Schöne Brunnen unter einem dicken
Betonmantel.
Schutztruppen
Im Gegensatz zu den
anderen Kolonialmächten unterhielt das Deutsche
Reich bis 1914 nur eine kleine Streitmacht (Schutztruppe)
in Übersee: In Ostafrika 73 deutsche Offiziere, 2500
schwarze Askaris; in Südwestafrika 120 deutsche
Offieziere und 2000 berittene deutsche Soldaten; in
Kamerun 51 deutsche Offiziere, 1300 Negersoldaten; in
Togo 20 deutsche Führer, 560 schwarze Untergebene.
In Kiautschou lag ein deutsches Seebataillon vor Anker.
Obwohl die europäischen Mächte die
Neutralität der Kolonien im Kriegsfalle vertraglich
vereinbart hatten, überfielen die Westmächte zu
Beginn des Ersten Weltkrieges die deutschen
Überseegebiete. Da es nur geringen oder keinen
militärischen Widerstand geben konnte, war die
"Eroberung" meist rasch abgeschlossen. In Ostafrika blieb
die deutsche Schutztruppe unter Lettow-Vorbeck bis 1918
unbezwungen. Der Bronze-Reiter in Windhuk
(Südwestafrika/Namibia) ehrt die Gefallenen der
Schutztruppe.
Schwarzes Korps
Reichsfürst
Friedrich Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg-Öls
wurde von Napoleon seines Herzogtums beraubt. 1809 schlug
er mit in Schlesien angeworbenen Truppen auf eigene Faust
gegen die französischen Besatzer los. Schwarz war
der Waffenrock und der mit weißem Totenkopf
versehene Tschako seiner Männer, weshalb der
Führer "schwarzer Herzog" und seine Truppe
"Schwarzes Korps" genannt wurde. Die
Freiheitskämpfer errangen beachtliche
militärische Erfolge und wurden später der
Deutsch-Englischen Legion im Kampf gegen Napoleon
eingefügt. Nach Rückkehr Napoleons 1815 griff
der Schwarze Herzog sofort wieder zu den Waffen. Am 16.
Juni des Jahres fiel er bei Quatre-Bras. Der "unbeugsame
Welfe" wurde im Volke gefeiert und gab ein Vorbild
für tapferen Kampf gegen Fremdherrschaft.
Schwarzmeerdeutsche
Von Zarin Katharina der
Großen (aus dem deutschen Fürstenhaus
Anhalt-Zerbst) ab 1763 ins Land gerufen, siedelten
zahlreiche Deutsche an der Nordküste des Schwarzen
Meeres zwischen Odessa und dem Kaukasus. Zuerst waren es
hauptsächlich West- und Süddeutsche, ab Anfang
des 19. Jahrhunderts auch viele preußische
Mennoniten und Schwaben. Es entstanden insgesamt 200
Kolonien der Schwarzmeerdeutschen mit über einer
halben Millionen Einwohnern. Sie trugen wesentlich zur
Entwicklung des Südens des Russischen Reiches bei.
Erster Weltkrieg und Bolschewistenterror trafen sie hart.
Im Zweiten Weltkrieg war ihr Gebiet von der Wehrmacht
besetzt. 1943 wurden 350 000 von ihnen ins Wartheland
umgesiedelt. Als die Stalintruppen 1945 ihre neue Heimat
einnahmen, wurden Hunderttausende Schwarzmeerdeutsche in
Vernichtungslager des Archipel Gulag
deportiert.
Schwarz-Rot-Gold
Die kaiserlichen Farben
des Heiligen Reiches waren Schwarz und Gold. Das
Reichswappen zeigte den schwarzen Aar auf goldenem Grund
mit roter Bewehrung. Die Reichssturmfahne war schwarz und
gold mit rotem Schaft. So galten Schwarz, Rot und Gold
als die alten deutschen Farben. Die Lützower
Jäger hatten eine schwarz, rot und gold gestaltete
Uniform. Auch die Fahne der Urburschenschaft Jena war
schwarzrotgolden. Als Dreifarb mit gleichen Balken wurde
Schwarz-Rot-Gold erstmals 1832 beim Hambacher Fest
gezeigt. Die Paulskirche erklärte 1848 diese
Trikolore zum Nationalsymbol. Schwarz-Rot-Gold wurde ein
großdeutsches Sinnbild. Das Bismarckreich entschied
sich für Schwarz-Weiß-Rot. In Erwartung des
Österreich-Anschlusses wählte die deutsche
Republik 1918 Schwarz-Rot-Gold als Nationalfahne. Hitler
führte die Hakenkreuzfahne ein. Die alliierten
Militärdiktatoren verboten 1945 die
schwarzrotgoldene Fahne. 1949 wurde sie in der
Bundesrepublik und in der DDR Staats symbol, wobei die
SED später Hammer und Zirkel einfügte. Unter
Schwarz-Rot-Gold marschierten die Aufständischen des
17. Juni 1953, protestierte die bundesdeutsche Rechte in
den 70er und 80er Jahren gegen Separatismus und
Nationalverrat und demonstrierte 1989/90 die
Wiedervereinigungsbewegung in der DDR.
Schwarz-Weiß
Die preußischen
Farben Schwarz-Weiß gehen auf das Zeichen des 1190
bei der Belagerung von Akkon im Heiligen Land zur Pflege
der Kranken und zum Kampf gegen die Ungläubigen
entstandenen Deutschen Ordens zurück, der das Land
der alten Preußen für das Deutsche Reich und
das Christentum unterwarf: Weiße Ordenstracht mit
dem schwarzen Kreuz. Die Hochmeister des Ordens
zeichneten ihre Banner und Wappen durch Hinzufügung
des goldenen Kreuzes von Jerusalem und des deutschen
Reichswappens aus. Als der Hochmeister den Staat des
Deutschen Ordens 1525 in ein weltliches Herzogtum
umgewandelt hatte, wurden die Farben Schwarz-Weiß
die Landesfarben des Herzogtums Preußen, die 1701
auf das preußische Königreich übergingen.
Im Schwarz-Weiß-Rot des neugegründeten
Deutschen Reiches von 1871 lebten die Farben
Preußens fort. Schwarz-Weiß erwarb auch den
Rang eines allgemein-deutschen Symbols. Entsprechend
gestaltet sind traditionell unter anderem die Trikots z.
B. der deutschen Fußball-, Hockey- und
Eishockey-Nationalmannschaften.
Schwarz-Weiß-Rot
Nach der Revolution des
Jahres 1848 unter Schwarz-Rot-Gold und nachdem
Österreichs Soldaten im Deutschen Krieg 1866
schwarzrotgoldene Bänder getragen hatten, kamen
diese Farben für das Bismarckreich nicht in
Betracht. Der Kanzler setzte für den Norddeutschen
Bund Schwarz-Weiß-Rot durch mit der
Begründung, damit würden die Farben
Preußens (Schwarz-Weiß) und der
Hansestädte (Weiß-Rot) verbunden. Diese
Kombination wurde vom Deutschen Reich 1871
übernommen. Die Republik entschied sich 1918
für Schwarz-Rot-Gold, doch blieb die Handelsflagge
schwarzweißrot. 1933 wurden Schwarz, Weiß und
Rot wieder zu Reichsfarben erklärt. In der
Bundesrepublik traten DRP, DP und FDP bis Anfang der 60er
Jahre unter Schwarz-W eiß-Rot an. Von der
nationalen Rechten wird sowohl Schwarz-Rot-Gold als auch
Schwarz-Weiß-Rot hoch geachtet.
Schweiz
Bis ins 19. Jahrhundert
war die Schweiz ein nahezu rein deutscher Staat. Als
zugewandte Orte gab es welsche Landesteile (Unterwallis
). Erst dann kamen mehrheitlich nichtdeutsche Kantone
hinzu. Heute sind 74 % der eingesessenen Schweizer
deutsch, 20 % sind französisch, 5 %
italienischsprachig und 1 % Rätoromanen. Von 25
Kantonen sind 19 weit überwiegend deutsch (17 zu
zwischen 94 % und 99 %). Das Gebiet der nachmaligen
Schweiz gehörte seit dem 10. Jahrhundert zum
Heiligen Reich. 1291 verschworen sich Schwyz, Uri und
Unterwalden, die "Urkantone", zur Verteidigung alter
Rechte und Freiheiten und gegen Habsburger Bevormundung.
Das Reich mußte die Schweizer Unabhängigkeit
im Westfälischen Frieden anerkennen. Deutschland
tastete die Schweizer Eigenstaatlichkeit fortan nicht an;
Frankreich jedoch machte sich die Eidgenossenschaft Ende
des 18. Jahrhunderts untertan. Die Schweiz wurde durch
Deutschland im Befreiungskrieg wieder frei. In den beiden
Weltkriegen des 20. Jahrhunderts blieb sie neutral. Seit
1923 ist Liechtenstein in Zollunion mit ihr verbunden.
Sie vertritt das deutsche Fürstentum auch
außenpolitisch.
Sedan
Dank genialer Planung
Moltkes gelang der deutschen 3. Armee unter dem
preußischen Kronprinzen (nachmals: Kaiser Friedrich
III.) und der 4. Armee unter Sachsens Kronprinzen Albert
am 1. September 1871 bei Sedan an der Maas der Sieg
über die Franzosen unter Mac-Mahon bzw. Wimpffen. Am
2. September mußten die Franzosen kapitulieren.
Napoleon III. ging in deutsche Ehrenhaft (Schloß
Wilhelmshöhe bei Kassel), bis er nach Ende des
Krieges, März 1872, entlassen wurde. Die deutschen
Verluste bei Sedan betrugen 9000 Tote und Verwundete, die
französischen 17 000 Tote und Verwundete, 107 000
Gefangene. Sedan entschied den Deutsch-Französischen
Krieg, wenn auch das republikanische Frankreich den
angebotenen Frieden ausschlug und noch einige Wochen
weiterkämpfte. Im Bismarckreich wurde auf Anregung
des evangelischen Theologen Friedrich von Bodelschwingh
alljährlich am 1. September des großen Sieges
feierlich gedacht (Sedantag).
Selbstschutz
Unter diesem Namen
versteht man die deutschen Freiwilligenverbände, die
sich nach 1918 zur Abwehr der Bolschewisten und
Separatisten und zum Schutz des deutschen Ostens gegen
Polen gebildet hatten. Diese Einwohnerwehren wurden am
13. Januar 1919 auf Geheiß der sozialdemokratischen
Reichsregierung zur Republikanischen Schutztruppe
zusammengefaßt. Die Truppe unterstand der
Zentralstelle für Einwohnerwehren im
Reichswehrministerium und hatte entscheidenden Anteil an
der Sicherung der Weimarer Republik und an der
Verhinderung weiteren Landraubes fremder Mächte. Am
19. März 1921 wurde die Zentralstelle
aufgelöst. 1939 bildete sich in den polnisch
besetzten deutschen Ostgebieten Selbstschutz gegen
antideutsche Übergriffe. Er war bis zu 40 000 Mann
stark und wurde am 30. November 1939 von der
Reichsregierung aufgelöst.
Separatismus
Der in Maßen
segensreiche Eigensinn deutscher Regionen
(Föderalismus) kann in Separatismus ausarten; vor
allem, wenn fremde Mächte schürend oder
gewaltsam eingreifen. Die Schweiz, die Niederlande,
Belgien, Luxemburg, Liechtenstein und Österreich
haben sich von Deutschland abgespalten bzw. wurden
abgespaltet. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wollte
Frankreich den Abfall des deutschen Rheinlandes
("Zisrhenanische Republik" 1797, "Rheinische Republik",
1923). In den 1920er Jahren besiegten deutsche
Reichstreue die französisch unterstützten
Separatisten in Gefechten (z. B. Schlacht im
Siebengebirge, 15. November 1923). Das traditionell
eigensinnige Bayern hielt Deutschland nach beiden
Weltkriegen die Treue. Der Separatismus in der
Bundesrepublik und der DDR wollte die Teilungslinie an
Elbe und Werra verewigen, erlitt jedoch 1989/90 die
entscheidende Niederlage.
Siebenbürgen
Das Gebiet wurde im 9.
Jahrhundert ungarisch, geriet im 16.Jahrhundert unter
osmanische Vorherrschaft, kam dann an die Habsburger,
1920 an Rumänien, war1940-44 teilweise erneut
ungarisch und ist seit 1947 wieder ganz rumänisch.
Mitte des 12. Jahrhunderts kamen Deutsche, gerufen von
Ungarnkönigen, ins Land. Sie wurden
Siebenbürger Sachsen genannt, obwohl sie meist vom
Niederrhein und aus Mitteldeutschland stammten, denn der
Deutsche gilt in Siebenbürgen allgemein als
"Sachse". Die Deutschen, im 18. Jahrhundert
verstärkt durch Protestanten aus Österreich,
ließen das Land - nach den Verheerungen durch
Mongolen und Türken - wieder erblühen. Ein
Sachsengraf mit Sitz in ihrer Hauptstadt Hermannstadt
garantierte von 1224 bis 1876 den Siebenbürger
Sachsen relative Selbstbestimmung. Mitte des 19.
Jahrhunderts wehrten sie sich unter Roths Führung
gegen Zwangsmadjarisierung. 1940 gab es rund 250 000
Siebenbürger Sachsen. Sie erlitten nach Kriegsende
Verfolgung und Entrechtung. Die meisten siedelten in den
70er und 80er Jahren aus.
Siebenjähriger Krieg
Dieser Waffengang von
1757 bis 1763 war ein Weltkrieg um die Vorherrschaft in
Nordamerika, der Karibik und Hinterindien, den England
gegen Frankreich gewann. In Europa war es der Versuch
einer Koalition aus Österreich, Frankreich,
Rußland und Schweden, Preußen auszuschalten.
Friedrich der Große mußte hinnehmen,
daß weite T eile seines Landes, sogar Berlin, vom
Feind besetzt wurden. Siege bei Roßbach (5.
November 1757) und Leuthen (5. Dezember 1757)
verschafften ihm Luft. Doch trotz Friedrichs genialer
Strategie wurde die Lage wegen der Übermacht der
Feinde verzweifelt. Da starb am 5. Januar 1762 die
große Rivalin des Preußenkönigs, die
Zarin. Ihr Nachfolger Peter III. scherte aus der
antipreußischen Front aus. Schweden folgte. Das
Blatt wendete sich. Der Friede zu Hubertusburg vom 15.
Februar 1763 manifestierte Preußens
endgül1igen Durchbruch zur
Großmacht.
Siebzehnter Juni
Dieses Datum
symbolisiert die erste einer Reihe nationaler Erhebungen
gegen den Sowjetimperialismus im Ostblock. Aus Protest
gegen Normenerhöhung, also verstärkte
Ausbeutung, traten Bauarbeiter auf der Ostberliner
Stalinallee am 16. Juni 1953 in den Ausstand. Tags drauf
wurde in der gesamten Sowjetzone gestreikt. Es
entwickelte sich ein allgemeiner Aufstand gegen Diktatur,
Fremdbesetzung und deutsche Teilung. Zentren waren
Berlin, Magdeburg, Leipzig und Halle. Die
Aufständischen kamen meist aus der Arbeiterschaft.
Ab Mittag des 17. Juni schlug die sowjetische
Besatzungsmacht die Erhebung mit militärischer
Gewalt nieder. Das Kriegsrecht wurde verhängt,
zahlreiche Revolutionäre erschoß man. Trotzdem
wurden die Streiks noch mehrere Tage fortgesetzt, zum
Beispiel im Uran-Bergbaugebiet des Erzgebirges, bis
endgültig Friedhofsruhe eintrat. Westliche Hilfe
für die Aufständischen erfolgte nicht. Noch
1953 wurde der 17.Juni in der Bundesrepublik als "Tag der
deutschen Einheit" zum Nationalfeiertag erklärt. Er
blieb es bis 1990.
Weiterführend:
17.
Juni 1953
Geplatzter Traum
vom einigen und freien Deutschland
Siegessäule
Am 2. September 1873
wurde auf dem Berliner Königsplatz die
Siegessäule zur Erinnerung an die Feldzüge von
1864, 1866 und 1870/71 feierlich eingeweiht. Seit 1938
steht sie auf dem Großen Stern, einem 200 Meter
weiten, runden Platz. Das insgesamt 67 Meter aufragende
Monument entstand nach dem Entwurf des Baumeisters Johann
Heinrich Strack. Bekrönt wird es von einer über
acht Meter hohen vergoldeten Siegesgöttin, der
Viktoria mit Lorbeerkranz und Eisernem Kreuz, einem Werk
von Friedrich Drake. Der Historienfries im
Säulenrundbau wurde von Anton von Werner entworfen;
dargestellt ist die deutsche Reichseinigung 1871. 1946
wünschten die französischen Besatzer die
Sprengung der Siegessäule, was die anderen
Siegermächte nicht mitmachen wollten. Zwei nach
Frankreich verschleppte Bronzereliefs wurden 1984 an
Berlin zurückgegeben.
Sigmundskron
Über dem
Zusammenfluß von Etsch und Eisack erhob sich die
945 erstmals bezeugte Burg Formigar. Sie wurde im 15.
Jahrhundert von Herzog Sigmund dem Münzreichen
ausgebaut, hieß fortan Burg Sigmundskron und ist
die größte Veste im südlichen Tirol. Auch
nach den Zerstörungen im Laufe der Jahrhunderte
zeugen ihre gewaltigen Türme und Mauern von der
einstigen Herrlichkeit. Auf Sigmundskron kamen am 17.
November 1957 rund 35 000 Südtiroler zur
größten Freiheitskundgebung in der Geschichte
des seit Ende des Ersten Weltkrieges italienisch
beherrschten Landes zusammen. Sie forderten
Selbstbestimmung und Landeseinheit des seit 1300 Jahren
deutschen Tirol.
Skagerrak
Es ist ein Teil der
Nordsee zwischen Jütland, Norwegen und Schweden. Vor
dem Skagerrak tobte am 31. Mai und l. Juni 1916 die
größte Seeschlacht zweier Kriegsflotten. Die
deutsche Hochseeflotte unter Vizeadmiral Reinhard Scheer
mit 21 Großkampfschiffen traf auf die
mächtigste Seestreitmacht der Welt, die britische
Grand Fleet unter Admiral Jellicoe mit 37
Großkampfschiffen. Die Briten verloren 14 Schiffe
mit 115 025 Tonnen und mußten 6945 Gefallene
beklagen. Die deutschen Verluste betrugen 11 Schiffe mit
61 180 Tonnen und 3058 Gefallene. Zwar hatte das bis zu
Beginn des 20. Jahrhunderts maritim kaum gewappnete
Deutsche Reich vor dem Skagerrak den Kampf gegen das seit
Jahrhunderten weltmeerbeherrschende England bestanden,
doch behielt das hochgerüstete Empire zur See die
Oberhand.
Soldauer Gebiet
Die Stadt Soldau im
Süden des nachmaligen Ostpreußen (Kreis
Neidenburg) wurde als Pflegerhaus Anfang des 14.
Jahrhunderts gegründet und erhielt 1344 ihre
Handfeste. Sie war mehrfach feindlichem Zugriff
ausgesetzt: So wurde sie 1409 von Russen und Litauern
niedergebrannt, 1656 von den Schweden genommen, bald
darauf von den Tataren überfallen, 1806 von
Napoleons Marschall Ney erobert usw. Stets behielt sie
jedoch ihren deutschen Charakter. 1918 richtete sich der
polnische Imperialismus auch gegen Ostpreußen.
Während der übrige Süden des Landes durch
Volksabstimmung mit nahezu 100 %igen Ergebnissen für
das Reich gerettet wurde, kam das Sodauer Gebiet mit 20
000 Menschen und 500 Quadratkilometern ohne Abstimmung
und gegen den Willen seiner Bevölkerung an den
polnischen Staat. 1939 wurde das Unrecht
rückgängig gemacht. Seit 1945 teilt Soldau das
Schicksal des polnisch besetzten südlichen
Ostpreußen.
Speyer
Die Stadt in der
Oberrheinebene (Pfalz) war einst der Hauptort der
germanischen Nemeter und kam 843 zum Ostfränkischen
(Deutschen) Reich. Speyer brach 1294 die
bischöfliche Herrschaft und wurde Freie Reichsstadt.
Bis ins 14. Jahrhundert galt es mit seinem Dom, dem
mächtigsten Sakralbau des Heiligen Reiches, als
eigentliche Reichshauptstadt. Dort fanden zahlreiche
Reichstage statt. Von 1526 bis 1689 war Speyer Sitz des
Reichskammergerichtes, der höchsten juristischen
Instanz. Am 31. Mai 1689, Pfingsten, wurde die Stadt von
den Truppen des französischen Königs Ludwig
XIV. völlig niedergebrannt. Wieder aufgebaut, fiel
es 1794 Marodeuren der französischen
Revolutionsarmee zum Opfer. 1815 von Frankreichs
Fremdherrschaft befreit, war Speyer fortan (bis 1938)
Hauptstadt der bayerischen Pfalz.
Speyerer Dom
Mit dem Bau des Domes
St. Maria und St. Stephan zu Speyer wurde unter Konrad
II. um 1030 begonnen. Unter Heinrich III. wurde die
Kathedrale 1061 geweiht, unter Heinrich IV. 1106
vollendet. Die Kirche von 133 Metern Länge war der
gewaltigste Dom des Heiligen Reiches. Die mächtigen
Mauern widerstanden 1689 der Schändung durch
französische Truppen. 1772 bis 1778 von F. J. M.
Neumann, Sohn Balthasar Neumanns, wiederhergestellt, fiel
der Dom 1794 erneut französischer Wut zum Opfer. Auf
Geheiß König Ludwigs I. von Bayern wurde er im
19.Jahrhundert restauriert. In der Kaisergruft des Domes,
der größten unterirdischen Halle auf deutschem
Boden, befindet sich die Grablege von acht deutschen
Königen und Kaisern sowie von drei Gemahlinnen
deutscher Majestäten. Dort ruhen die Salierkaiser
Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV., Heinrich V.
sowie Philipp von Schwaben, Rudolf I. und Albrecht I. von
Habsburg und Adolf von Nassau.
Stahlhelm
Angeregt von
Generalarzt Professor Dr. August Bier schuf der Techniker
Professor Friedrich Schwerd im Ersten Weltkrieg einen
Stahlhelm, der so geformt und beschaffen war, daß
er Millionen deutsche Soldaten vor schweren
Kopfverletzungen durch Splitter bewahrte. Er wurde im
November 1915 auf dem Schießplatz Kummersdorf
ausprobiert und kam als Stahlhelm M 16 im Februar 1916
vor Verdun erstmals zum Einsatz. 1935 und 1943 gab es
neue, verbesserte Ausführungen (M 35, M 43). Ein
abermals verbesserter Stahlhelm kam bei der Wehrmacht
nicht mehr in Gebrauch, wurde aber von der NVA der DDR
übernommen. Obwohl sich der deutsche Stahlhelm
bestens bewährt hatte und auch ein Symbol des
deutschen Soldatentums geworden war, führte man in
der Bundeswehr einen Helm nach US-Vorbild ein. Seit
Anfang der 80er Jahre sind die US-Truppen mit einem
Kopfschutz ausgerüstet, der in seiner Form dem
deutschen Stahlhelm ähnelt. Das
Bundesverteidigungsministerium in Bonn ordnete dessen
Übernahme an.
Stalingrad
Die Stadt an der Wolga
hieß bis 1925 Zaryzin und wurde unter Chruschtschow
30 Jahre später in Wolgograd umbenannt. Unweit lagen
die Siedlungs gebiete der Wolgadeutschen, die 1941/42
Stalins Deportationsterror zum Opfer fielen. In
Stalingrad wurde am 23. November 1942 die deutsche 6.
Armee mit den verbündeten Rumänen, an deren
Frontabschnitt den Sowjets der Durchbruch gelungen war,
eingekesselt. Der Kessel wurde bis Anfang Februar 1943
von den Deutschen unter unsäglichen Entbehrungen
gehalten, wodurch man Hunderttausende Sowjetsoldaten
band. Die Luftwaffe konnte 34 000 Verwundete ausfliegen.
146 000 Deutsche und Rumänen fielen. Von den 91 000
in sowjetische Gefangenschaft geratenen Landsern
überlebten nur 6 000 Stalins Archipel Gulag.
Stalingrad wurde zum Symbol für Leid und Leistung
der Weltkriegssoldaten und mahnt zur Überwindung
unseliger deutsch-russischer Feindschaft, die beiden
Völkern im 20.Jahrhundert entsetzliche Wunden
geschlagen hat.
Steiermark
Das Gebiet war im 8.
Jahrhundert bayerisch, dann karolingisch beherrscht. Es
setzte eine starke deutsche Besiedlung,
hauptsächlich durch Baiern und Franken, ein. Im
11./12. Jahrhundert war die Steiermark Herzogtum, im 13.
Jahrhundert wurde sie habsburgisch. Mongolen, Ungarn,
Türken bedrohten oder verheerten das Grenzland des
Deutschen Reiches. Die steirische Landesversammlung
erklärte am 6. November 1918 den Beitritt zu
Deutsch-Österreich. Südslawische Truppen
drangen ein. In Saint-Germain wurde 1919 die Abtretung
der südlichen Steiermark an Jugoslawien ohne
Volksabstimmung diktiert. Dadurch gerieten nicht nur die
slowenischen, sondern auch Gebiete mit 65 000 Deutschen
und den alten deutschen Städten Marburg an der Drau
(slowenisch: Maribor) und Cilli in Belgrads Machtbereich.
Von 1941 bis 1945 war die Südsteiermark wieder beim
Deutschen Reich. Erneut von Belgrad annektiert, wurden
die deutschen Untersteiermärker 1945 holocaustiert
oder vertrieben.
Steinsche Reformen
Karl Reichsfreiherr vom
und zum Stein, geboren 1757 in Nassau/Lahn, gestorben
1831 auf seinem Alterssitz Haus Cappenberg bei Dortmund,
wurde 1796 Oberpräsident im preußischen
Westfalen. Als preußischer Finanzminister rettete
er 1806 den Staatsschatz vor Napoleon nach
Ostpreußen. Die Bauernbefreiung 1807, die
Städteordnung (städtische Selbstverwaltung)
1808 und weitere umwälzende Staatsreformen waren im
wesentlichen sein Werk. Auf Geheiß Napoleons aus
dem Ministeramt entlassen, wurde Stein Berater des Zaren
und eigentlicher Schmied des preußisch-russischen
Bündnisses im Befreiungskrieg. Im Januar 1813 rief
er in Königsberg zur Erhebung gegen die
französische Fremdherrschaft auf. Er forderte 1815
vergebens das neue Deutsche Reich und wurde von den
Etablierten des Metternich-Systems kaltgestellt. Er
gründete 1819 die Gesellschaft für die
ältere deutsche Geschichtskunde und schuf die
Grundlagen der Monumenta Germaniae historica, der
wichtigsten Sammlung mittelalterlicher Quellentexte zur
deutschen Geschichte.
Stephansdom
An der Stelle der
späteren Kathedrale stand eine 1137 gegründete
romanische Pfarrkirche, deren Westfassade mit dem
sogenannten Riesentor erhalten ist. Das alte Gebäude
wurde ab 1304 durch einen gotischen Neubau, den Dom St.
Stephan, ersetzt. Gebaut wurde am Dom bis ins 16.
Jahrhundert; die Vollendung des 137 Meter hohen
Südturmes erfolgte in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Der nördliche Turm blieb
unvollendet. Aus der Reihe bedeutender Baumeister des
Domes ragen Meister Wenzel, Sohn Peter Parlers, sowie
Peter und Hans von Prachatitz hervor. In der Kathedrale
befindet sich das Grabmal Kaiser Friedrichs III., ein
Werk von N. Gerhaert van Leyen (15.Jh.). Der Stephansdom
gehörte als Hauptkirche der Kaiserstadt Wien zu den
bedeutendsten Sakralbauten des alten Deutschen Reiches.
Er wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und
danach wiederhergestellt.
Stille Nacht
In der Deutschen
Weihnacht fanden altgermanische Überlieferungen
(Julfest, Wintersonnenwende) und Christentum zur
großartigen Symbiose. So wurde es stets auch im
Ausland empfunden. Worte und Weise von Stille
Nacht
drücken wie kein anderes Lied Seele und Gemüt
des deutschen Volkes zu Weihnachten aus. Gedichtet wurde
das Lied zur Weihnachtszeit des Jahres 1818 von Joseph
Mohr, Hilfspriester im Dörfchen Oberndorf im
Salzburger Land. Die Weise schuf am Heiligen Abend
desselben Jahres Mohrs Freund Franz Gruber, Lehrer im
nahen Arnsdorf und Organist in Oberndorf. Die Gemeinde
Oberndorf sang es dann zum ersten Mal zur
mitternächtlichen Christmette in der Kirche der
kleinen Ortschaft im Salzburger Land. Von dort aus
verbreitete es sich rasch im gesamten deutschen Raum und
wurde ein Symbol des Deutschtums.
Stolzenfels
Stolzenfels am Rhein,
gegenüber der Lahnmündung, oberhalb von Koblenz
und in der Nähe des Königsstuhls zu Rhens, war
ursprünglich die Burg der Kurfürsten von Trier.
Sie ist bereits im 13. Jahrhundert bezeugt und diente
auch als Konferenzort der rheinischen Kurfürsten in
wichtigen Reichsangelegenheiten. Die kurfürstliche
Veste wurde 1688 von Franzosen weitgehend zerstört.
Auf Geheiß des preußischen Kronprinzen und
nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm IV. errichtete
Baumeister Karl Friedrich Schinkel ab 1835 auf den Ruinen
der Kurfürstenburg das Schloß Stolzenfels. Der
Wiederaufbau, eine architektonische Huldigung der hohen
Zeit des Deutschen Reiches im Mittelalter, war 1842
abgeschlossen. Friedrich Wilhelm veranstaltete zur
feierlichen Einweihung einen imposanten
Fackelzug.
Straßburg
Die am Ostufer des
Rheines gelegene Hauptstadt des Elsaß kam 870 zum
Ostfränkischen (Deutschen) Reich. 842 hatten dort
Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle in
althochdeutschem und altfranzösischem Wortlaut die
"Straßburger Eide" geschworen, die als erstes
Zeugnis der sprachlichen Verschiedenheit von Deutschland
und Frankreich gelten. 1262 wurde Straßburg Freie
Reichsstadt. Es entwickelte sich zu einer der
wohlhabendsten und schönsten Städte des
Deutschen Reiches, auch zu einem kulturellen und
geistigen Zentrum Deutschlands. Im 16. Jahrhundert hielt
die Reformation Einzug. Am 30. September 1681 nutzte
Frankreichs König Ludwig XIV. die Notlage des
Reiches (Türkenansturm auf Wien) und ließ
Straßburg besetzen. Es behielt allerdings deutsche
Selbstverwaltung, die 1789 von, den französischen
Revolutionären beseitigt wurde. 1871 bis 1918 war
Straßburg die Hauptstadt des deutschen Reichslandes
Elsaß-Lothringen, und von 1940 bis 1944 stand es
unter deutscher Verwaltung. Das Deutschtum wurde vom
französischem Staat nach den beiden Weltkriegen
massiv zurückgedrängt.
Straßburger Münster
Der Grundstein zur
gewaltigen Kathedrale wurde 1015 von Bischof Werinher,
einem Habsburger, gelegt. Nach dem Brand 1176 begann der
Neubau. Zu den bedeutendsten Dombaumeistern, die in
Straßburg wirkten, zählten Erwin von Steinbach
und Ulrich von Ensingen (Baumeister auch des Ulmer
Münster). Johannes Hülz vollendete 1439 den
einen Turm. Der andere blieb Torso. Die Skulpturen des
Münsters sind Höchstleistungen staufischer
Plastik. Besonders beeindruckt die gigantische
16blättrige Sonnenrose am Westwerk. Glasgemälde
im nördlichen Seitenschiff stellen deutsche Kaiser
dar. Die Astronomische Uhr im Dom (16. Jahrhundert), von
Jakob von Landshut und Hans Hammer ist einzigartig. Das
ab 1520 evangelische Münster wurde nach der
gewaltsamen Einvernahme der Stadt durch Frankreich 1681
rekatholisiert. Zur Zeit der Französischen
Revolution war es ein "Tempel der Vernunft". Das
mächtige Bauwerk zeugt vom deutschen Charakter des
Elsaß.
Südamerika-Deutsche
Im 16. Jahrhundert
unternahmen deutsche Handelshäuser, die Fugger und
die Welser, kurzlebige Kolonisierungsversuche in
Südamerika. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte eine
größere deutsche Einwanderungsbewegung ein.
Die Siedler gingen hauptsächlich nach Brasilien mit
Schwerpunkten in Santa Catarina (Blumenau) und Sao
Leopoldo. Dort entstanden blühende Siedlungen wie
Neu-Berlin, Neu-Stettin, Neu-Bremen, Neu-Breslau,
Teutonia, Germania. Nach dem Zweiten Weltkrieg
ließen sich viele deutsche Heimatvertriebene in
Südamerika nieder. Das Deutschtum war zuvor im Krieg
Opfer einer von Nordamerika aus inszenierten Hetze
geworden. Für Brasilien werden 1,5 Mio.
Deutschstämmige geschätzt, für Argentinien
260 000, für Paraguay 35 000, für Chile 30 000,
für die anderen Staaten 40 000. Am 25. Juli 1924,
dem 100. Jahrestag des Beginns der deutschen Besiedlung
Brasiliens, wurde bei Sao Leopoldo ein zwölf Meter
hoher Turm zu Ehren der Einwanderer aus Deutschland
eingeweiht. Deutscher Herkunft waren u. a. die
Präsidenten Banzer (Bolivien), Geisel (Brasilien),
Stroessner (Paraguay).
Sudetenland
Darunter versteht man
die bis 1945 deutsch besiedelten Randgebiete Böhmens
und Mährens sowie Österreichisch-Schlesien.
Benannt wurde das Gebiet 1912 nach dem Sudeten-Gebirge.
Auf rund 26 000 qkm lebten dort etwa 3,3 Mio. Deutsche.
Ihre Volksvertretungen erklärten im Oktober und
November 1918 das Sudetenland zum Bestandteil der
Republik Deutsch-Österreich in Erwartung eines
Anschlusses ans Deutsche Reich. Kurz darauf rückten
tschechische Truppen ein. Das Diktat von Saint-Germain
sprach das Land 1919 dem Prager Machtbereich zu. Der
Protest der Deutschen wurde mit Waffengewalt erstickt.
Nach dem Münchener Abkommen von 1938 kam das
Sudetenland ans Deutsche Reich. 1945 wurde es erneut von
der Tschechoslowakei
okkupiert. Die Deutschen wurden umgebracht oder
vertrieben (annähernd eine Viertelmillion
Todesopfer). In vier Jahrzehnten tschechokommunistischer
Herrschaft verkam das einst blühende Sudetenland
kulturell, ökonomisch und ökologisch. Die Zahl
der dort noch lebenden Deutschen wird auf über 100
000 geschätzt.
Südtirol
Südtirol vom
Brenner bis zur Salurner Klause gehörte 1300 Jahre
zum deutschen Siedlungsgebiet, als es 1918 von Italien
annektiert wurde. Kaum 3 % der Bevölkerung waren
Italiener, die erst seit den Bahnbauarbeiten Ende des 19.
Jahrhunderts dort lebten. 1915 hatte Rom im Londoner
Geheimvertrag von den Westmächten das Land für
den Frontwechsel im Krieg versprochen bekommen. Das
Diktat von Saint-Germain 1919 bestätigte den
Landraub. Die Deutschen waren besonders unter Mussolini
einer brutalen Italianisierung ausgesetzt.
Süditaliener wurden angesiedelt. Trotz Drucks und
Umsiedlungsabkommens zwischen Berlin und Rom blieben die
meisten Südtiroler daheim. 1943 wurde eine deutsche
Zivilverwaltung eingerichtet. Auch nach 1945 hielten die
Südtiroler dem Deutschtum die Treue. Österreich
übernahm die Rolle einer Schutzmacht. Auf
Sabotageakte von Selbstbestimmungsaktivisten reagierte
Rom in den 60er Jahren mit Staatsterror. Die Bestimmungen
eines mit Österreich vereinbarten Autonomie-
"Paketes" wurde italienischerseits immer wieder
sabotiert. Ladinische Gebiete außerhalb (z. B.
Cortina) suchen den Wiederanschluß an
Südtirol. Die Brennergrenze zu beseitigen, bleibt
vorrangige Aufgabe.
Südwestafrika
Das über 800 000
qkm große Gebiet, hauptsächlich Wüste,
wurde 1884 erste deutsche Kolonie, nachdem der Kaufmann
Adolf Lüderitz Verträge mit Häuptlingen
geschlossen und der Forscher Gustav Nachtigal das Terrain
bereitet hatte. Erster Reichskommissar wurde 1885 Dr. H.
Göring, der Vater des Reichsmarschalls im Zweiten
Weltkrieg. 1890 wurde die Hauptstadt Windhuk
gegründet. Im gleichen Jahr kam durch den
Helgoland-Sansibar-Vertrag der nach dem deutschen
Reichskanzler benannte "Caprivi-Zipfel" hinzu. Die
deutsche Schutztruppe warf Erhebungen der untereinander
tödlich verfeindeten Hereros und Hottentotten
nieder. 1893 kamen die ersten deutschen Siedler, 1908
wurden Diamanten gefunden. 1913 betrug jedoch der
Reichszuschuß 38,5 Mio. Mark. 1915 mußte die
Schutztruppe vor dem 10fach überlegenen Feind
(Engländer, Portugiesen) kapitulieren. 1920 kam
Südwestafrika als "Mandatsgebiet" an Südafrika.
Ende der 80er Jahre wurde es als Namibia ein eigener
Staat. Rund 20 000 Deutsche prägen als Farmer und
Städter (besonders in Windhuk) auch in den 90er
Jahren das Bild des Landes mit.
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