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• Reden an die deutsche Nation

Der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte, geboren am 19. Mai 1762 zu Rammenau in der Oberlausitz als Sohn eines Bandwebers, spornte 1807/08 mit seinen "Reden an die deutsche Nation" im französisch besetzten Berlin zur Wahrung deutscher Identität und nationalen Charakters sowie zur Erhebung gegen die Fremherrschaft an. "Der Kampf mit den Waffen ist beschlossen, es erhebt sich, so wir es wollen, der neue Kampf der Grundsätze, der Sitten des Charakers", rief er in seinen berühmten Reden aus. Er unterstützte die preußischen Reformer und trug wesentlich zum Aufstand der Deutschen gegen Napoleon bei. Er wurde erster Rektor der Universität Berlin. Seine Frau hatte sich bei der aufopfernden Pflege verwundeter Soldaten im Befreiungskrieg den Typhus geholt. Der große Philosoph starb, von seiner Gattin angesteckt, am 29. Januar 1814 in Berlin.

 

• Reich

Das Wort kommt aus dem Germanischen und hat wohl eine keltische Wurzel (Bezeichnung für König, Königtum). Im mittelalterlichen Verständnis war das Reich seit der Kaiserkrönung Ottos des Großen im Jahre 962 (translatio imperii) die Einheit der christlichen Völker des Abendlandes unter deutscher Führung. Dann ging der Begriff auf das Land und den Staat der Deutschen über. Seit dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, 1806, welches auch erstes Deutsches Reich genannt wird, war die Reichsidee gleichbedeutend mit dem Streben, das in zahlreiche Staaten aufgespaltene deutsche Volk zu vereinen. Der 1871 von Bismarck neugeschaffene Staat trug die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich. Auch zur Weimarer Zeit und unter den Nationalsozialisten, die sich als Schöpfer eines "Dritten Reiches" empfanden, hieß der größte deutsche Staat Deutsches Reich. Für Deutschland mit den ab 1938 angeschlossenen deutschen und nichtdeutschen Gebieten (Protektorat, Generalgouvernement) kam der Name Großdeutsches Reich auf.

 

• Reichsadler

Der deutsche König und Kaiser Otto III. (gest. 1002) führte den Adler als Symbol, Friedrich Barbarossa machte ihn zum Reichswappen. Ab Ende des 12. Jahrhunderts erschien er in Schwarz auf Gold, Schnabel und Fänge meist in Rot. Deshalb galten im 19. Jahrhundert Schwarz, Rot und Gold als die alten deutschen Farben und wurden zur Trikolore Deutschlands. Bis zu König und Kaiser Sigmund, er lebte von 1368 bis 1437, war der Reichsadler einköpfig, dann wurde der Doppeladler Reichswappen. 1848 erklärte die Frankfurter Nationalversammlung den Doppelaar zum Wappen des Deutschen Bundes. 1871 erhielt das Deutsche Reich den einköpfigen schwarzen Adler in Gold mit preußischem Adlerschild als Wappen. 1919 wurde der einköpfige schwarze Aar, jenem der Stauferzeit ähnelnd, ohne Attribute Reichswappen. Der Reichsadler zur Hitlerzeit war ein rechts blickender Aar mit Hakenkreuz. Die Bundesrepublik Deutschland übernahm als Wappen den Reichsadler von 1919. Der deutsche Adler ist das älteste heute noch bestehende europäische Hoheitszeichen.

 

• Reichsapfel

Der Reichsapfel, auf dem ein perlen- und edelsteinbesetztes Kreuz thront, ist ein edles Kunstwerk aus dem 12. Jahrhundert. Es zählt zu den Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die den deutschen Königen bei ihrer Krönung feierlich überreicht wurden, und wird wie die anderen Reichsinsignien in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt. Schon den Römern galt der goldene Apfel als Sinnbild des Erdballs und der Macht des Kaisers. Der Reichsapfel symbolisiert die Herrschaft Christi und seines kaiserlichen Statthalters über die Welt. Er erschien in heraldischer Darstellung in den Fängen des Wappenadlers des ersten und des zweiten Deutschen Reiches.

 

• Reichskleinodien

Es sind die auch Reichsinsignien genannten symbolischen Schmuckstücke, die dem deutschen König bei der Krönung feierlich überreicht bzw. angelegt wurden. Schon im 13.Jahrhundert nannte man sie "daz riche", weil sie für das Deutsche Reich selbst standen. Dazu zählen das Reichskreuz (11.Jh.) mit den darin befindlichen Reliquien, u. a. Stücke vom Kreuzesholz, die Reichslanze (8.Jh.), die Reichskrone (10.Jh.) mit Mitra, der Reichsapfel (12.Jh.), das Reichsschwert (11. Jh.), das Zepter (14. Jh.), das Zeremonienschwert (12.Jh.), die Stola (14.Jh.) sowie das Krönungsornat. Im Mittelalter wurden die Kleinodien abwechselnd an verschiedenen Orten des Reiches aufbewahrt, u. a.: Speyerer Dom, Burg Hammerstein bei Andernach, Trifels in der Pfalz, Hagenau im Elsaß, Waldburg in Schwaben, Kyburg in der Schweiz, Burg Stein bei Rheinfelden, München, Prag, schließlich ab Mitte des 14. Jahrhunderts auf Burg Karlstein in Böhmen. Wegen der Hussitengefahr kamen sie 1424 nach Nürnberg, wo sie bis 1523 alljährlich nach Ostern gezeigt wurden, wegen der Franzosengefahr 1797 nach Regensburg und 1806 nach Wien. Ausgenommen die Jahre 1938-1945, als sie sich in der Nürnberger Meistersingerkirche befanden, ruhen die Reichskleinodien seither in der Schatzkammer der Wiener Hofburg.

 

• Reichskreuz

Das Reichskreuz zählt zu den Reichsinsignien, wurde auf Geheiß Heinrichs II. gefertigt und wohl 1024, seinem Todesjahr, vollendet. Heinrich II. war 1002 als letzter männlicher Nachkomme des sächsischen Herrscherhauses zum deutschen König, 1014 zum Kaiser gekrönt worden. Das 77 Zentimeter hohe Reichskreuz besteht aus goldbeschlagenem Eichenholz und ist mit Edelsteinen und Perlen verziert. Es dient als Behältnis der Reichsreliquien, darunter die Heilige Lanze mit einem Nagel vom Kreuze Christi und Stücke vom Kreuzesholz. Das Reichskreuz wird mit den anderen Reichskleinodien in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt.

 

• Reichskriegsflagge

Die Reichssturmfahne (schwarzer Adler, rote Stange, goldene Fahne) war die Hauptgefechtsfahne des Deutschen Reiches im Mittelalter, die Reichsrennfahne das Feldzeichen des deutschen Reichsheeres. Der Deutsche Bund führte ab 1848 das schwarzrotgoldene Banner mit dem doppelköpfigen Adler im Eck als Kriegsflagge. Kriegsflagge des Norddeutschen Bundes und von 1871 bis 1921 des Deutschen Reiches war ein schwarzes Kreuz in weißem Feld mit dem schwarzen Reichsadler in der Mitte, wobei das linke obere Viertel durch Schwarz-Weiß-Rot mit dem EK ausgefüllt wurde. Von 1922 bis 1933 diente als Reichskriegsflagge Schwarz-Weiß-Rot mit EK in der Mitte und kleinem schwarzrotgoldenem Feld oben links, das 1933 entfernt wurde. Ab 5. Oktober 1935 galt folgende Reichskriegflagge: weiß-schwarz-weiß eingefaßtes, schwarzes Kreuz in rotem Feld mit schwarzem Hakenkreuz in weißem, schwarz-weiß-schwarz eingefaßten runden Feld in der Mitte sowie das Eiserne Kreuz oben links.)

 

• Reichsschwert

Reichsschwert und Zeremonienschwert zählen zu den Reichskleinodien. Das 1,10 Meter lange Reichsschwert war 800 Jahre Symbol kaiserlicher Herrschaft. Sein Aussehen wird bestimmt durch die goldene Scheide mit 14 Herrscherbildern von Karl dem Großen bis Heinrich III. zwischen buntfarbigem Email (gefertigt im 11. Jahrhundert). Das Reichsschwert wurde den deutschen Majestäten mit der Spitze nach oben vorangetragen. Das Zeremonienschwert war eine Brautgabe für die Hochzeit des jugendlichen Stauferkaisers Heinrich VI. mit der Erbin Siziliens, Konstanze, im Jahre 1185. Späte Zutat ist der Knauf, kenntlich als Stiftung Karls IV. durch die Wappen des Reichsadlers und des böhmischen Löwen. Mit dem Zeremonienschwert des Reiches wurden die Nürnberger Gesandten, die die Reichskleinodien zum Krönungsorte und wieder zurück nach Nürnberg brachten, nach der Feierlichkeit zu Rittern geschlagen.

 

• Reichsstädte

"Des Heiligen Reiches freie Städte", so der offizielle Titel, waren im Unterschied zu Orten, die einem Landesherren zu gehorchen hatten, nur dem König und Kaiser untertan (reichsunmittelbar). Daraus ergaben sich für sie zahlreiche Sonderrechte. Unter den zeitweise bis zu 83 Reichsstädten befanden sich auch kleine Gemeinwesen. Die ältesten Reichsstädte entstanden aus Pfalzen, andere erlangten die Freiheit durch Vertrag, gewaltsame Erhebung, Erlöschen der Landesherrschaft oder königliche Verleihung. Reichsstädte, die Bischofsherrschaft gebrochen hatten, nannte man Freie Städte. Seit Ende des 15. Jahrhunderts waren die Reichsstädte regelmäßig im Reichstag vertreten. Östlich der Linie Lübeck-Nordhausen-Regensburg gab es sie nicht. Zu den bedeutendsten Reichsstädten zählten Nürnberg, Regensburg, Augsburg, Straßburg, Speyer, Aachen, Dortmund, Köln. Mit Untergang des ersten Deutschen Reiches wurden sie mediatisiert, also einem Landesherrn untertan. Hamburg, Lübeck, Bremen und Frankfurt/Main (dieses bis 1866) errangen 1815 den Status von Reichsstädten wieder.

 

• Reichstag

Aus dem Hoftag karolingischer Zeit ging im ersten Deutschen Reich der Reichstag als Vertretung der Kurfürsten, Fürsten, Grafen und Herren sowie der Reichsstädte hervor. Den Vorsitz führte als Reichserzkanzler der Erzbischof von Mainz. Der Ort des vom König und Kaiser einberufenen Reichstages, auf dessen Zustimmung in allen wichtigen Angelegenheiten der deutsche Monarch seit dem 15. Jahrhundert angewiesen war, wechselte. Seit 1663 tagte er als Dauereinrichtung in Regensburg (Immerwährender Reichstag). 1806 ging er mit dem Heiligen Reich unter. Die Volksvertretung des Norddeutschen Bundes (ab 1867) und des neuen Deutschen Reiches (ab 1871) hieß ebenfalls Reichstag. Das deutsche Parlament arbeitete in der Weimarer Zeit mit altem Namen und erweiterter Macht fort. Hitler ließ den Reichstag formal weiterbestehen, konnte jedoch nach der mit Parlamentsmehrheit 1933 erteilten Ermächtigung ohne Rücksicht auf ihn regieren.

 

• Reichstagsgebäude

Der Reichstag kam ab 1871 zunächst im Weißen Saal des Berliner Schlosses, dann in einem eigens hergerichteten Saal des preußischen Abgeordnetenhauses zusammen. Baumeister Professor Paul Wallot errichtete ab 1884 in Berlin ein neues Reichstagsgebäude von 132 Metern Länge, 88 Metern Breite und 75 Metern Kuppelhöhe. Es wurde am 5. Dezember 1894 eingeweiht. Im Ersten Weltkrieg wurde das von Wallot vorgesehene Bekenntnis "Dem Deutschen Volke" im Schmuckgiebel eingesetzt. Teile des Reichstagsgebäudes brannten 1933 durch den Anschlag des holländischen Anarchokommunisten van der Lubbe aus. Dem von der NSDAP beherrschten Reichstag diente fortan die Berliner Kroll-Oper als Tagungsstätte. 1945 durch Kampfhandlungen und durch marodierende Rotarmisten schwer beschädigt, wurde das Reichstagsgebäude in den 50er Jahren restauriert, einige Male vom Bundestag genutzt und diente als Ausstellungsstätte. Bis zum Fall der Mauer stand es unmittelbar an der Berliner Teilungsgrenze.

 

• Reichsverweser

Das Wort kommt vom althochdeutschen "firwesan" (stellvertreten). Im alten Reich bis 1806 war der Reichsvikar Verweser der Königsgewalt. Er trat im Falle der Reichsvakanz in Aktion, etwa beim Tode des deutschen Königs, wenn noch kein Nachfolger gewählt war, bei Minderjährigkeit der Majestät oder deren längerer Abwesenheit bzw. Krankheit. Die Goldene Bulle 1356 legte die Teilung des Verweseramtes unter dem Pfalzgrafen bei Rhein und dem Herzog von Sachsen fest. Die Frankfurter Nationalversammlung wählte am 24. Juni 1848 den österreichischen Erzherzog Johann, Sohn des deutschen Königs und Kaisers Leopold II. und Feldherr gegen Napoleon, zum Reichsverweser Gesamtdeutschlands. Damit hatte das deutsche Volk nach 42 Jahren wieder ein gemeinsames Staatsoberhaupt. Mit dem Scheitern der Paulskirche hatte auch der großdeutsch gesinnte und volkstümliche Johann als Reichsverweser ausgedient. Auf eine Wendung der Dinge hoffend, hielt er bis Ende 1849 in Frankfurt am Main die Stellung. Er verstarb 1859.

 

• Reichswehr

Diesen Namen trug die bewaffnete Macht des Deutschen Reiches von 1919 bis 1935. Das Versailler Diktat beschränkte sie auf 100 000 Mann des Heeres und 15 000 Mann der Marine. Eine Luftwaffe sowie Ausrüstung mit Panzern und anderem schweren Kriegsgerät war den Deutschen verboten. Den Oberbefehl über die Reichswehr führte der Reichspräsident. Als glänzender Organisator und Bewahrer deutschen Soldatentums zeichnete sich Generaloberst von Seeckt, Reichswehrchef 1920-1926, aus. Um die Versailler Fesseln zu lockern, arbeitete er insgeheim mit den Russen zusammen. Die Reichswehr bestand nur aus Berufssoldaten, denen politische Betätigung verboten war und die kein Wahlrecht hatten. Sie sicherte das Überleben der Weimarer Republik bei Putschversuchen von Kommunisten und Nationalsozialisten und schreckte Nachbarstaaten von weiteren Aggressionen ab. Ihre Kader bildeten den Stamm der Deutschen Wehrmacht.

 

• Reichszepter

Schon die Antike kannte den Herrscherstab als festen Bestandteil der Insignien der Majestät. Das mit den Reichskleinodien in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrte Zepter der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) wird erstmals 1350 im Übergabe-Inventar der Reichskleinodien an Kaiser Karl IV. erwähnt. Es handelt sich wohl um jenen Herrscherstab, dessen sich Ludwig der Bayer anläßlich seiner Krönung zum deutschen König im Jahre 1314 bedient hat. Das Zepter, eine deutsche Arbeit, ist 61,5 cm lang und besteht aus vergoldetem Silber. Es hat einen schlanken sechskantigen Schaft mit vier Knaufringen und trägt als Bekrönung ein Laubwerk aus sechs ineinander verflochteten Eichenblättern. Seine Spitze läuft in Form einer Eichel aus.

 

• Remagen

Der im Ersten Weltkrieg vom Architekten Karl Wiener geschaffenen 325 Meter langen Ludendorff-Brücke bei Remagen kam 1945 entscheidende Bedeutung zu. Nach fehlgeschlagenen deutschen Sprengversuchen konnte der Feind über sie massenweise den Rhein überschreiten und weiter ins Reich vorstoßen. Auf Initiative des Bürgermeisters der Stadt, Kürten, wurde in einem der erhalten gebliebenen Brückentürmen 1980 ein Friedensmuseum eingeweiht. Mehr als eine Million kriegsgefangene deutsche Männer und Zehntausende Frauen mußten 1945 das gigantische KZ auf der "Goldenen Meile" bei Remagen durchleiden. Es wurde zunächst von der US-Army, dann von Frankreich betrieben. Die Deutschen mußten in Erdlöchern hausen und waren dem Treiben sadistischer Bewacher ausgesetzt. Seuchen grassierten. Abertausende starben. 1987 wurde, ebenfalls auf Kürtens Betreiben, im ehemaligen Lagerareal eine Erinnerungskapelle eingeweiht. Sie beherbergt eine zur KZ-Zeit vom Insassen Bildhauer Professor Adolf Wamper geschaffene Madonnenfigur, die durch Aufbewahrung in Leinöl dunkel wurde und deshalb "Schwarze Madonna" genannt wird.

 

• Rettung über See

Neben der Kinderlandverschickung war die Rettung über See von Januar bis zum 9. Mai 1945 die größte humanitäre Aktion im Zweiten Weltkrieg. 800 Schiffe der deutschen Marine waren pausenlos im Einsatz und retteten fast 2,5 Millionen deutsche Flüchtlinge und Soldaten aus dem eingeschlossenen Ostpreußen, aus Danzig, Hinterpommern und dem Baltikum vor dem Zugriff Stalins. Die Versenkung von Flüchtlingsschiffen wie der "Wilhelm Gustloff" und der "Goya" durch die Sowjets forderte Abertausende Menschenleben. Hauptverantwortlich für die Rettung über See waren der Chef der Deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz (ab 1. Mai 1945 deutscher Reichspräsident), der Kommandierende Admiral östliche Ostsee, Theodor Burchardi, und Vizeadmiral Thiele. Dönitz mußte als "Kriegsverbrecher" bis 1955 im alliierten Gefängnis in Berlin-Spandau verbringen. Im Buch "Doenitz at Nuremberg" gaben 254 Generale, Admirale und Marschälle einstiger Feindmächte eine Ehrenerklärung für ihn ab.

 

• Rhein

Der 1236 km lange Hauptstrom Deutschlands entspringt im schweizerischen Graubünden und mündet in den Niederlanden in die Nordsee. Ein Dreivierteljahrtausend lag er mit ganzem Lauf und fast dem gesamten Stromgebiet (225 000 qkm) innerhalb des Deutschen Reiches. Französische Aggressionen machten ihn streckenweise zum Grenzfluß. Durch den Abfall der Schweiz und der Niederlande vom Reich gerieten Quelle und Mündung außerhalb Deutschlands. Im alten Deutschen Reich war er wichtigster Nord-Süd-Handelsweg, bis deutsche Spaltung und daraus folgende Zollschranken den Verkehr erschwerten. Nach Neugründung des Reiches 1871 war der Rhein Europas bedeutendste Wasserstraße. Durch Kanäle ist er auch mit Mittel- und Ostdeutschland verbunden worden. An seinen Ufern entstanden gewaltige Binnenhäfen wie Duisburg. Im deutschen Mythos spielt der Rhein, dessen Name uralter indogermanischer Herkunft ist (Sanskrit: rina, = fließen), mit seinen zahlreichen sagenumwobenen Burgen und Uferfelsen (Loreley) eine herausragende Rolle. Von allen deutschen Flüssen wurde er vom Volk und seinen Dichtern am innigsten besungen.

 

• Rheinbund

Bezeichnung für zwei Zusammenschlüsse vorwiegend west- und süddeutscher Staaten unter französischer Bevormundung. Der erste Rheinbund, "Alliance du Rhin" (1658-1668), hatte angeblich die Sicherung des Westfälischen Friedens zum Ziel, diente jedoch dem französischen Kampf gegen Habsburg und das Deutsche Reich. Der zweite Rheinbund, "Confederation du Rhin", unter Druck Napoleons 1806 gegründet, führte zum Austritt seiner Mitgliedsstaaten aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zur Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. und damit zum formalen Ende des ersten Deutschen Reiches. Dem Rheinbund gehörten schließlich 36 Territorien mit 325 752 qkm an. Er hatte Hunderttausende deutsche Soldaten für Napoleons Eroberungszüge zu stellen. Im Oktober 1813 ging der Rheinbund zugrunde, da sich die meisten Mitgliedsstaaten dem preußisch-russisch-österreichischen Bündnis anschlossen. Bundesdeutsche Politiker, die auf Paris fixiert und separatistisch sind, werden verächtlich "Rheinbündler" genannt.

 

• Rheinlandbesetzung

Der Rhein als Ostgrenze war schon seit Jahrhunderten Ziel französischer Politik, als Paris durch Versailles 1919 seinen Machtbereich auf großer Breite an die Ufer des Stromes vorschieben konnte. Vom besetzten Rheinland aus überfiel Frankreich 1923 das Ruhrgebiet. Das deutscher Wehrhoheit entzogene Rheinland sollte bei einem Krieg mit Deutschland von französischen Truppen schnell durchstoßen werden. Am 7. März 1936 marschierten, bejubelt von der Bevölkerung, drei Wehrmachtsbataillone ins linksrheinische Reichsgebiet ein, um dort symbolisch die deutsche Wehrhoheit wiederherzustellen. Sie hatten Befehl, sich bei französischem Widerstand zurückzuziehen. Doch die untereinander uneinigen Westmächte schritten nicht ein. Berlin begründete die Rheinlandbesetzung u. a. mit dem kurz zuvor ratifizierten französisch-sowjetischen Bündnisvertrag, der zusätzliche Gefahr für Deutschland bedeute. Die meisten Historiker der Sieger und Nachkriegsdeutschlands sprechen von einer "deutschen Aggression" .

 

• Ritter

Das im alten Deutschen Reich zur höchsten Blüte gelangte Rittertum wurzelte im germanischen Gefolgschaftswesen. Krieger zu Pferde erhielten für ihre Verdienste Lehensgut (Rittergüter). So entwickelte sich ab dem 11. Jahrhundert der Ritterstand. Auch in den schönen Künsten vollbrachten Ritter bedeutende Leistungen. Die größten deutschen Dichter des Mittelalters (Minnesänger) entstammten ihrem Kreis. Sorgfältige Erziehung leitete den künftigen Ritter zu Zucht und Maßhalten in allen Lebenslagen an. Er wurde als Siebenjähriger Page, als Vierzehnjähriger Knappe und empfing im Altervon 21 Jahren den Ritterschlag, die Schwertleite. Dem Reichsniedergang stemmten sich im 16. Jahrhundert vergebens Reichsritter wie Geyer, Hutten und Sickingen entgegen. Im geschwächten Deutschland breitete sich Raubrittertum aus. Die Reichsritterschaft, die etwa 350 Geschlechter zählte, wurde 1806 mit der auf Napoleons Geheiß geschlossenen Rheinbundakte formal beseitigt. Der Mythos des Ritters als eigentlicher Träger des Reiches aber lebte fort wie auch die Ritterlichkeit als Erziehungsideal.

 

• Ritterkreuz

Der nach Kriegsausbruch 1939 gestiftete Militärorden zur Erhöhung des Eisernen Kreuzes hatte die Form des EK, war aber größer und wurde wie der Pour le mérite mit schwarzweißrotem Band am Halse getragen. Das EK I war Voraussetzung für das Ritterkreuz. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Ritterkreuz rund 7300mal verliehen (4780 Heer, 1730 Luftwaffe, 465 Waffen-SS, 318 Kriegsmarine). Weitere Stufen waren das Eichenlaub (883 Träger), die Schwerter (159), die Brillanten (27) und das Goldene Eichenlaub (nur an Rudel verliehen). Das bundesdeutsche Ordensgesetz von 1957 bestimmt, daß das Ritterkreuz nur ohne das Hakenkreuz in seiner Mitte getragen werden darf.

 

• Roland

Roland war der viel besungene legendäre Getreue Karls des Großen; als historische Persönlichkeit wohl Graf Hruotlant aus der Bretonischen Mark, der 778 im Kampf gegen die Basken fiel. Rolandsäulen werden die hölzernen oder steinernen Standbilder in Städten des nördlichen Deutschlands genannt, die einen barhäuptigen Mann in Rüstung und mit Schwert zeigen; so u. a. in Stendal, Halle, Brandenburg, Quedlinburg, Halberstadt, Nordhausen, Perleberg, Zerbst. Sie sind Wahrzeichen städtischer Freiheit. Die berühmteste Rolandsäule steht in Bremen. Sie wurde 1410 aus Stein an der Statt des von Bischofstruppen vernichteten hölzernen Roland errichtet. Der Bremer Roland führt den Adler des Deutschen Reiches im Schilde und verkündet: "Wy hebben eyne frye stad."

 

• Romantik

Diese Kulturepoche begann im 18. Jahrhundert und bestimmte, vor allem in Deutschland, das 19. Jahrhundert. Man entdeckte das lange als "finster" gescholtene Mittelalter als die hohe Zeit Deutschlands und des Abendlandes wieder. Das Rittertum begeisterte neu. Auch waren die Romantiker um Natur- und Volksbewußtsein bemüht. Sie retteten Volksüberlieferungen vor dem Vergessen. Die deutsche Romantik kam vor allem in der Malerei (C. D. Friedrich) und in der Musik (Weber, Wagner) zu höchster Blüte. Als politische Erweckungsbewegung half sie dem deutschen Volk, in der Zeit staatlicher Zersplitterung Gefühl und Bewußtsein der Gemeinsamkeit zu bewahren. Sie strahlte auf slawische Nachbarvölker aus und trug wesentlich zu deren Nationalbewußtsein bei.

 

• Römer

Um 1405 baute die Stadt Frankfurt (Main) eine Gebäudegruppe auf dem "Römerberg" am Markt zum Rathaus um. Eines der Bürgerhäuser hieß "Zum Römer", weshalb das Rathaus fortan so genannt wurde. Frankfurt war in der Goldenen Bulle gesetzlich zum Wahlort des deutschen Königs bestimmt worden; ab 1562 fanden dort auch die Krönungen der deutschen Majestäten statt. Aus dem Dom zog der König und Kaiser mit seinem Gefolge feierlich zum Römer, in dem das Festbankett ausgerichtet wurde. Vom Fenster aus zeigte sich der Herrscher der Menge, die zum großen Volksfest zusammengeströmt war. In den Jahren 1838 bis 1853 entstanden, von bedeutenden Künstlern gemalt, die Bildnisse sämtlicher Könige und Kaiser des Reiches, welche seither den Kaisersaal des Römers zieren. 1944 wurde der Römer von westalliierten Bomben schwer getroffen, 1955 feierlich wiedereröffnet.

 

• Rot-Weiß-Rot

Österreichs Farben gelten nach dem deutschen Reichsadler als ältestes staatliches Symbol in Europa. Die Legende weiß, daß Herzog Leopold V. in den Kämpfen um Akkon 1191 auf dem blutgetränkten Waffenrock unter dem Wehrgehänge eine weiße Schärpe getragen hat und ihm daraufhin durch König Heinrich VI. die Farben Rot-Weiß-Rot als Wappen verliehen worden sind. Nachzuweisen ist die rotweißrote Fahne erstmals für das Jahr 1230. Sie stand auf einem Siegel Herzog Friedrichs II. in Verwendung. Sie war Heerbanner und wurde im 16. Jahrhundert auch See- und Kriegsflagge. 1786 erklärte sie Joseph II. offiziell zur Kriegs- und Seeflagge. Der Entwurf, in dem der weiße Streifen einen von einer Königskrone bekrönten Bindenschild trägt, stammt vom Staatskanzler Fürst Kaunitz. 1919 wurden die rotweißroten Farben auf Vorschlag des späteren Bundespräsidenten Wilhelm Miklas von der Republik Deutsch-Österreich übernommen.

 

• Ruhrkampf

Das Ruhrgebiet entwickelte sich im neuen Deutschen Reich ab 1871 dank Kohle und Stahl zum bedeutendsten Industriebezirk Europas, weshalb Feindmächte es stets besonders auf das Revier abgesehen hatten. 1919/20 mußten die Bolschewisten abgewehrt werden. 1921 besetzte Frankreich neben Düsseldorf auch Duisburg und Ruhrort, ab 11. Januar 1923 mit 100 000 Mann (darunter 20 000 Nordafrikanern sowie Soldaten aus Belgien) das gesamte Ruhrgebiet von Dortmund bis nach Wesel. Deutschland wehrte sich in nationaler Solidarität mit passivem Widerstand und aktiver Sabotage (Schlageter). Die Besatzer vertrieben 180 000 Deutsche und schnitten das Ruhrgebiet vom Reich ab. Der Ruhrkampf forderte 140 Menschenleben. Im August 1925 zogen die letzten Franzosen ab. Im Zweiten Weltkrieg waren die Wohnstätten der Ruhrarbeiter bevorzugtes Ziel der RAF-Bomber. Nach 1945 kämpften die Deutschen im Revier gegen den Morgenthau-Plan (Demontage). Erst nach Aufhebung des Ruhrstatuts 1952 kam das Ruhrgebiet uneingeschränkt zur Bundesrepublik.

 

• Runen

Es ist ein sehr altes Wort mit der Bedeutung "geheimnisvolle Kunde", urverwandt mit "raunen", Im Gotischen des Ulfila heißt runa "Geheimnis, Rat". Unter Runen versteht man die Schriftzeichen der Germanen vor Übernahme der lateinischen Schrift. Sie wurden wohl schon vor mehr als 2000 Jahren verwendet. Die ältesten Runenschriftdenkmale deutscher Sprache stammen aus der Zeit vor dem 7. Jahrhundert n. Chr. Nur auf Gotland und in Teilen Schwedens blieben die Runen über das Mittelalter hinaus in Gebrauch; in Deutschland als Zierformen in der Kunst, auch häufig an Häusern. Sonst waren sie 1000 Jahre als "heidnisch" verboten, verdrängt oder in Vergessenheit geraten. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand die wissenschaftliche Runenkunde. Sie wurde in Deutschland besonders eingehend während der 1930er und frühen 1940er Jahre betrieben.

 

• Rußlanddeutsche

Schon im Mittelalter waren deutsche Kaufleute in Rußland, einer ursprünglich germanischen Staatsgründung, tätig. Im 16./17. Jahrhundert gab es größere Kolonien in Moskau und St. Petersburg. Zarin Katharina die Große aus dem deutschen Geschlecht Anhalt-Zerbst und ihr Enkel Alexander I. riefen im 18. Jahrhundert deutsche Einwanderer ins Land. Sie siedelten hauptsächlich an der W olga, am Schwarzen Meer, in Wolhynien - mit Tochtersiedlungen bis nach Turkestan und Sibirien - und trugen entscheidend zur Entwicklung des Landes bei. Antideutsche Hetze im Ersten Weltkrieg, Kollektivierung und bolschewistischer Terror setzten ihnen zu. In den 20er Jahren gewährte man ihnen an der Wolga eine "autonome Republik". 1941 wurden sie von Stalin nach Osten verschleppt. Seit den 70er Jahren forderten sie durch mutige Demonstrationen ihre Rechte ein. In den 80er Jahren siedelten Hunderttausende in die Bundesrepublik über. Interesse besteht bei vielen der mehr als 2 Mio. Rußlanddeutschen an Nordostpreußen als Siedlungsgebiet.

 

• Saarabstimmungen

Am 15. Juli 1933 bildete sich an der Saar die Deutsche Front als Sammlungsbewegung aller Kräfte für die Wiedervereinigung mit Deutschland. Sie errang am 13. Januar 1935 bei der Saarabstimmung einen triumphalen Erfolg: 477 089 (90,8 %) Stimmen für Deutschland, 46 613 (8,8 %) für den Status quo, also Völkerbundstatus mit französischer Bevormundung, nur 2124 (0,4 %) für Frankreich. Am 1. März 1935 erfolgte die Wiedervereinigung. 1954 verabredeten Kanzler Adenauer und Frankreichs Premier Mendes-France ein Saarstatut zur "Europäisierung" des Saargebietes. Im Heimatbund schlossen sich die Wiedervereinigungskräfte zusammen. Mit Erfolg: Bei der zweiten Saarabstimmung am 23. Oktober 1955 wurde das Saarstatut mit 67,7 % abgelehnt. Am 1. Januar 1957 kam das Saarland zur Bundesrepublik Deutschland.

 

• Saarland

Die einstige Grafschaft (später Fürstentum) Saarbrücken bildet den Kern des Saarlandes, das stets zum Deutschen Reich gehörte und dessen Bevölkerung zu jeder Zeit deutsch war. Ludwig XIV. scheiterte Ende des 17. Jahrhunderts mit Annexionsversuchen, 1792 ebenso das revolutionäre Frankreich und 1815 Napoleon. Einen Versuch Napoleons III., das Saargebiet 1866 zu vereinnahmen, wehrte Bismarck mit Kriegsandrohung ab. 1918/19 übernahm Paris die Macht an der Saar und beutete das Gebiet aus. Ein Kommissar des Völkerbundes diente als Strohmann. 1935 entschieden sich die Deutschen an der Saar mit 90,8 % für die Wiedervereinigung, die im selben Jahr vollzogen wurde. 1945 übernahm Paris das um benachbarte Gebiete vergrößerte Saarland erneut in klarer Annexionsabsicht. Die veränderte politische Weltlage ließ Paris einer "Europäisierung" des Saarlandes zustimmen. Doch die Saardeutschen wollten die Wiedervereinigung, stimmten 1955 gegen das "europäische Saarstatut" und kamen am 1. Januar 1957 zur Bundesrepublik.

 

• Sachsen

Unter Sachsen (aus ahd. sahsnotas, = Schwertleute) versteht man einerseits den deutschen Volksstamm in Niederdeutschland (Niedersachsen), aus dem bedeutende Kaiser hervorgingen, andererseits den ostmitteldeutschen, im Verlaufe der ostdeutschen Siedlung entstandenen Stamm (Obersachsen). Das nachmalige Land Sachsen in Mitteldeutschland wuchs aus der Markgrafschaft Meißen und erhielt die Kurwürde im Reich. August der Starke führte Sachsen Anfang des 18. Jahrhunderts zur kulturellen Blüte. Im 19. Jahrhundert wurde es neben dem Ruhrgebiet die wichtigste deutsche Industriezone. Nach dem Sturz des Königtums 1918 war Sachsen Freistaat, mußte sich kommunistischer Eroberungsversuche erwehren und wurde 1945 von Polen seines Landstrichs östlich der Neiße beraubt. Mit Schlesien westlich der Neiße bildete es ein Land der Sowjetzone, wurde in der DDR in Bezirke zergliedert und kam im 0ktober 1990, nachdem es das Zentrum der Wiedervereinigungsbewegung gewesen war, zur Bundesrepublik Deutschland.

 

• Sachsen-Anhalt

Die preußische Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg wurde 1816 aus altpreußischem Besitz und im Jahr zuvor erworbenen ehemals kursächsischen sowie kurmainzischen Gebieten gebildet. Anhalt, benannt nach einer alten Burg im Harz und beiderseits der mittleren Elbe gelegen, war bis 1945 mit der Hauptstadt Dessau ein Land des Deutschen Reiches. Es ging aus der Herrschaft der markgräflichen Askanier hervor, war später Fürstentum und wurde 1919 Freistaat im Deutschen Reich. 1946 wurden die Provinz Sachsen und das Land Anhalt zu einem Land der Sowjetischen Besatzungszone vereinigt (Hauptstadt Halle). 1952 erfolgte die Zergliederung in DDR-Bezirke, im Oktober 1990 die Aufnahme in die Bundesrepublik Deutschland. Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ist Magdeburg.

 

• Sachsenhain

Karl der Große ließ 782 n. Chr. bei Verden an der Aller, der nachmaligen Reichsstadt, vermutlich 4500 Sachsen hinrichten. Damals tobte ein 30jähriger germanischer Bruderkrieg zwischen Franken und Sachsen, weil diese sich weder politisch noch weltanschaulich (Christianisierung) beugen wollten. Die Hinrichtungsstätte war höchstwahrscheinlich ein alter Dingplatz der Sachsen mit einem eiszeitlichen Findling als Gesetzesstein. Dort, zu Halsmühlen an der Halse ("Rote Beeke"), etwas nördlich von Verden, wurde 1935 der Sachsenhain feierlich eingeweiht. In ihn stellte man 4500 Findlingssteine aus niedersächsischen Gemeinden zu Ehren der Hingerichteten. Auch wird der Sachsenhain geziert von dort errichteten Bauernhäusern altniedersächsischer Art.

 

• Sachsenspiegel

Das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters, das weit über Deutschland bis nach Ungarn und Rußland wirkte, wurde 1220 bis 1235 vom sächsischen Ritter und Rechtsgelehrten Eike (Heiko) von Repgau in niederdeutscher Sprache verfaßt. Es fußte auf überliefertem germanisch-sächsischen, vor allem ostfälischen Recht. Der Sachsenspiegel war die Vorlage der oberdeutschen Rechtsbücher (Deutschenspiegel, Schwabenspiegel) sowie des Meißener Rechtsbuches. Seine stadtrechtliche Ausprägung war das Magdeburger Recht, das verbreitetste Stadtrecht des Mittelalters. Kein anderes Rechtsbuch bewährte sich derart und blieb so lange in Kraft wie der Sachsenspiegel, der in manchen deutschen Ländern, zum Beispiel in Thüringen und Anhalt, bis 1900 galt. Er ist in rund 200 Handschriften erhalten.

 

• Saint-Germain

Saint-Germain-en-Laye mit seinem Königsschloß liegt bei Paris. Hier wurde 1635 der französisch-sächsische Vertrag geschlossen, der Frankreichs Einmischung in den 30jährigen Krieg steigerte. Durch den Frieden von Saint-Germain 1679 kamen Stettin, Stralsund und Rügen an Schweden und wurde Frankreichs Ludwig XIV. mächtigster Mann Europas. Am 10. September 1919 mußte Österreich das Diktat von Saint-Germain unterschreiben: Bestätigung der Zerschlagung des Habsburgerreiches, Raub deutschen Landes (Südtirol und Kanaltal an Italien, südöstliche Teile von Kärnten und die Untersteiermark an Jugoslawien, Sudetendeutschland und ein Streifen Niederösterreichs an die CSR), Verbot des Namens Deutsch-Österreich und des Anschlusses, Internationalisierung der Donau, Begrenzung der österreichischen Armee auf 30 000 Mann, gewaltige Reparationsforderungen, Erpressung des Wiener Kriegsschuldbekenntnisses. Dieser "Friedensvertrag" trug zur ständigen Spannung in Europa und zum Kriegsausbruch 1939 bei.

 

• Salier

Der Name des fränkischen Adelsgeschlechts mit dem Macht- und Besitzschwerpunkt im Nahe-, Speyer- und Wormsgau leitet sich entweder von der Stammesgruppe der Salfranken oder vom alten deutschen Wort "sal" (= Herrschaft) ab. Der eigentliche Aufstieg begann mit Konrad dem Roten, der 944 Herzog von Lothringen wurde und sich mit Liudgard, Tochter Ottos des Großen, vermählte. Die Dynastie gelangte im Jahre 1024 in der Nachfolge der Liudolfinger (Ottonen) zur deutschen Königs- und Kaiserwürde. Salier auf dem Thron des Reiches waren: Konrad II. (Urenkel Konrads des Roten), Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V., der 1125 kinderlos starb. Ihnen folgten die Staufer. Die Salier festigten das Reich; ihnen gelang es, die abendländische Vormachtstellung Deutschlands in Politik und Kultur zu behaupten.

 

• Salomon-Inseln

Die melanesische Inselgruppe im Stillen Ozean hat rund 40 400 qkm Landfläche. Kopra, Ananas, Süßkartoffeln, Bananen und Kokosnüsse sind die Hauptgüter. 1885 wurden Bougainville und Buka (rund 10 000 qkm, 60 000 farbige Einwohner) deutsches Schutzgebiet, die anderen Salomon-Inseln später britisches Protektorat. Der deutsche Anteil an der Inselgruppe mit der Hauptstadt Kieta gehörte zum Überseegebiet Deutsch-Neuguinea. Die unverteidigten Eilande Bougainville und Buka wurden im August 1914 von britisch-neuseeländischen Truppen besetzt. 1920 kamen sie als "Völkerbundmandat" an Britisch-Australien. Nach 1945 gerieten sie unter US-amerikanische Herrschaft.

 

• Salurner Klause

Salurn liegt rund 130 Kilometer südlich des Brenner und fast 50 Kilometer unterhalb von Bozen. Es wurde Anfang des 13. Jahrhunderts Sitz des Grafen von Tirol. Auf einem Felsen über dem Ort befindet sich die Ruine der im 13. Jahrhundert gegründeten Haderburg. Bei Salurn treten Geiersberg und Fennberg eng zusammen und schaffen so ein Engtal der Etsch, genannt Salurner Klause. Als sich Italien 1919 Südtirol völkerrechtswidrig einverleibte, hatte die Salurner Klause bereits über zweihundert Jahre lang die südlichste Begrenzung des geschlossenen deutschen Sprach- und Siedlungsgebietes gebildet. Früher lag die deutsch-italienische Sprachgrenze noch erheblich weiter südlich. Bis ins 18./19. Jahrhundert hielten sich zahlreiche, bis heute einige wenige deutsche Sprachinseln jenseits der Salurner Klause.

 

• Salzburger Festspiele

Das Salzburger Land mit seiner bairischen Bevölkerung war seit Anbeginn Teil des ersten Deutschen Reiches. 1805/15 fiel es an Österreich. Im Mai 1921 sprachen sich 99 % der Bevölkerung für den Anschluß ans Deutsche Reich aus. Bald darauf fanden die ersten Festspiele zu Ehren des größten Sohnes Salzburgs, Wolfgang Amadeus Mozart, statt. Angeregt vom Beispiel Bayreuths hatten der Dirigent Hans Richter, die Dichter von Hofmannsthal und Bahr, der Regisseur Reinhardt, der Bühnenbildner Roller, der Wiener Staatsoperndirektor Schalk und Richard Strauss die Salzburger Festspielidee geboren und in die Tat umgesetzt. Die Festspiele finden alljährlich im Sommer statt. Gepflegt werden die Oper, vor allem das Werk Mozarts, das Schauspiel ("Jedermann"-Aufführungen auf dem Domplatz usw.) und das Konzert; über viele Jahrzehnte war Herbert von Karajan, der 1933 erstmals in Salzburg als Dirigent auftrat, die prägende Persönlichkeit der Festspiele.

 

• Samoa

Die Samoa-Inseln (insgesamt 3125 qkm Landfläche) liegen im polynesischen Teil des Stillen Ozeans. In den 1850er Jahren ließen sich dort deutsche Kaufleute nieder. Interessenkonflikte der Großmächte wurden 1889 bei der Samoa-Konferenz beigelegt: Briten, US-Amerikaner und Deutsche verwalteten die Inseln fortan gemeinsam. Zehn Jahre später kam es im Samoa-Vertrag zur Aufteilung der Inselgruppe unter den USA und dem Deutschen Reich, welches 2500 qkm mit 35 000 Einwohnern (ca. 600 Weißen) erhielt. Auch auf Samoa stationierte Deutschland keine Streitmacht, so daß die Neuseeländer Ende August 1914 leichtes Spiel hatten, die Eilande zu besetzen und nach 1918 - mit Zustimmung des Völkerbundes - zu behalten.

 

• Sankt Andreas

Am 26. Oktober 1651 warfen zwei kurländische Schiffe, die "Krokodil" und die "Walfisch", Anker vor der westafrikanischen Goldküste. Im Namen des Herzogs von Kurland gründeten die Besatzungen die erste deutsche Kolonie in Afrika und legten auf einer Insel im Gambia-Fluß die Festung Sankt Andreas an. Kurlands Herrscher Jakob (1610-1681), genannt "der Schifferherzog", der als erster deutscher Landesfürst Kolonialpolitik in Übersee betrieb, war Schwager des Großen Kurfürsten. Zwischen Kurland und Sankt Andreas gab es regen Schiffsverkehr. Doch vermochte der von den Schweden bedrängte Jakob nicht, die Kraft für Kolonialpolitik auf Dauer aufzubringen. Sein Gouverneur Otto Stiel hielt Sankt Andreas bis zum 10. März 1661 und mußte dann vor dem britischen Admiral Holmes kapitulieren. Die kurländische Festung wurde in Fort St. James umbenannt.

 

• Sanssouci

Im Jahre 1744 begann Baumeister von Knobelsdorff mit den Arbeiten am Schloß Sanssouci auf einer Anhöhe über dem Tal der Havel westlich von Potsdam. Der Schöpfer der friderizianischen Baukunst folgte Plänen und Bauskizzen Friedrichs des Großen; die Rückfront mit Kolonnade und der Marmorsaal sind Knobelsdorffs eigene Schöpfungen. Das 1748 fertiggestellte einstöckige Schloß wirkt zurückhaltend im Vergleich zu den Prunkbauten anderer europäischer Majestäten von weitaus geringerer Bedeutung, ist also preußisch. Sanssouci (= "ohne Sorge") diente vor allem den schönen Künsten. In ihm musizierte Johann Sebastian Bach, richtete Friedrich seine berühmten Flötenkonzerte aus, traf er große Dichter und Denker, erörterte er mit Voltaire philosophische Grundfragen. Seinem letzten Willen entsprechend und auf Veranlassung von Prinz Louis Ferdinand, fand Friedrich der Große im August 1991 letzte Ruhe unter den T errassen von Sanssouci.

 

• Sathmarer Schwaben

Die Stadt Sathmar in der östlichen Theißebene ist eine deutsche Gründung des 13. Jahrhunderts. In ihrer Nähe lag das Gebiet der Sathmarer Schwaben mit (1940) rund 40 000 Personen, den Nachfahren ab 1712 eingewanderter schwäbischer und fränkischer Bauern. Sie hatten entscheidend zur Entwicklung Ungarns beigetragen und wurden im 19.Jahrhundert starkem Madjarisierungsdruck ausgesetzt. 1920 kamen Großkarol, der Mittelpunkt der deutschen Volkstumsinsel, und 30 weitere Ortschaften der Sathmarer Schwaben an Rumänien; drei Orte blieben bei Ungarn. Von 1940 bis 1944 gehörte das ganze Gebiet wieder zu Ungarn. 1944/45 mußten die meisten Deutschen flüchten; viele wurden umgebracht oder verschleppt. Von den Verbliebenen siedelte die Mehrheit in den 70er und 80er Jahren in die Bundesrepublik aus.

 

• Savoyen

Savoyen, das Gebiet zwischen Genfer See, Rhone und der Mont-Cenis-Gruppe mit dem Mont Blanc, der höchsten Berggruppe Europas, gehörte nahezu acht Jahrhunderte zum Deutschen Reich. Das einst keltische Land wurde im Jahre 443 burgundisch und 534 fränkisch. 1033 kam es zum Deutschen Reich. Das Herrscherhaus der Humbertiner erweiterte das Machtgebiet bis nach Nizza. Kaiser Karl IV. unterstellte Savoyen 1361 unmittelbar dem Reich. Sigmund erhob es zum Herzogtum. Eugen von Savoyen war im 18. Jahrhundert der bedeutendste Staatsmann und Feldherr des deutschen Kaiserhauses der Habsburger. Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte die Abtrennung Savoyens vom untergehenden ersten Reich der Deutschen. Das Land kam 1860 an Frankreich - als Gegenleistung für die französische Hilfe für die Italiener im Krieg gegen Österreich. Eigentliche Sprache der Bewohner Savoyens ist das Provenzalische, das im Heiligen Reich weitgehend unangefochten blieb, in Frankreich jedoch zugunsten des Französischen verdrängt wurde.

 

• Scapa Flow

Es ist eine Bucht der Orkaden (Orkneys) vor der Nordspitze Schottlands. Ab 21. November 1918 war dort der Großteil der deutschen Hochseeflotte (5 Schlachtschiffe, 11 Linienschiffe, 8 kleine Kreuzer, 50 Zerstörer) interniert. Ihr Befehlshaber, Konteradmiral von Reuter, traf insgeheim alle Vorbereitungen und ließ die Schiffe am 21. Juni 1919 auf einen Schlag von den deutschen Besatzungen versenken, um ihre im Versailler Vertrag diktierte Übergabe an die britische Flotte zu verhindern. Durch britische Feuerstöße auf die in die Rettungsboote gegangenen Deutschen gab es 28 Verletzte und Tote. Auch am 2./3. Mai 1945 versenkten sich in den deutschen Häfen zahlreiche Schiffe, vor allem U-Boote, selbst. In der Nacht zum 14. Oktober 1939 gelang es dem deutschen U-Boot-As Prien (er fiel am 7. März 1941 im Nordatlantik), in den Hafen von Scapa Flow, den am besten gesicherten der Welt, einzudringen und das britische Schlachtschiff Royal Oak zu versenken sowie ein weiteres schwer zu beschädigen.

 

• Schillsche Offiziere

Der preußische Offizier Ferdinand von Schill brach mit 600 Husaren am 8. April 1809 von Berlin aus auf, um auf eigene Faust gegen Napoleon zu kämpfen. Freiwillige schlossen sich ihm an. Nach Anfangserfolgen wurde die Truppe in Stralsund eingeschlossen. Der Führer und viele Gefolgsleute fielen am 31. Mai 1809 im Straßenkampf mit dem an Mann und Ausrüstung weit überlegenen Feind. Man steckte Schills Kopf in ein Spiritus-Glas und schickte es als Trophäe an Napoleons Bruder Jerome. 500 Mitkämpfer Schills kamen auf französische Todesgaleeren. 11 seiner Offiziere wurden in die Festung Wesel gebracht und am 16. September 1809 auf den Lippe-Wiesen erschossen. Im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. erbaute Schinkel über ihren Gräbern das 1834 eingeweihte Denkmal mit der trauernden Borussia, dem Preußenaar und den Namen der Hingerichteten. Die sterblichen Hüllen Schills und 14 anderen seiner erschossenen Gefährten wurden im Denkmal in Braunschweig-Ölper zur Ruhe gebettet, einem 1837 erbauten Obelisken mit Löwe, Schwert und EK.

 

• Schinderhannes-Bande

Johannes Bückler aus Miehlen im Taunus, geboren am 25. Mai 1783, entstammte einer Abdecker (= Schinder)-Familie. Als 16jähriger organisierte er im französisch besetzten Hunsrück eine Räuberbande, die vorwiegend Wucherern und Besatzern das von diesen zuvor Ergaunerte abnahm. Aus dem als ausbruchssicher geltenden Turm der Stadtbefestigung von Simmern gelang ihm eine abenteuerliche Flucht. Mit seiner Bande wurde er erneut zum Schrecken der Besatzungsmacht und der Schieber, die er erleichterte. Für das einfache Volk organisierte er von seinen Hauptquartieren aus, der Burg Kallenfels und der Schmittburg, Festlichkeiten und zeigte sich auch sonst wohltätig. Er wurde festgenommen und den französischen Behörden ausgeliefert. Am 21. November 1803 starb der Schinderhannes, Augenzeugenberichten zufolge stolz und furchtlos, mit 19 seiner Spießgesellen in Mainz unter der Guillotine. In Liedern, Balladen und Erzählungen lebte er als edler Räuber fort.

 

• Schlageter-Denkmal

Auf der Golzheimer Heide unweit von Düsseldorf wurde am 26. Mai 1923 Albert . Leo Schlageter im Alter von 28 Jahren erschossen. Der Bauernsohn aus dem Schwarzwald, Kriegsfreiwillige und Freikorpskämpfer hatte Sabotagetrupps gegen die französischen Besatzer des Ruhrgebiets geführt (u. a. Sprengung von Brücken zur Störung des Nachschubs). Durch Verrat fiel er den Franzosen in die Hand und wurde am 8. Mai 1923 zum Tode verurteilt. Gegen einmütigen deutschen Protest bestätigte Frankreichs Regierungschef Poincaré das Urteil des Militärgerichts. Schlageter starb an einen Pfahl gebunden. In Briefen an die Eltern hatte er bekannt, mit Stolz in den Tod fürs Vaterland zu gehen. KP-Chefideologe Karl Radek schrieb nach den Todesschüssen: "Schlageter verdient, daß wir als Kämpfer der Revolution ihm die Ehre erweisen, die Ehrenmännern zukommt." Für die deutsche Rechte war und ist Schlageter ein Nationalheld. 1931 wurde an der Hinrichtungsstätte das von Clemens Holzmeister geschaffene, mit einem mächtigen Kreuz versehene Schlageter-Ehrenmal errichtet, das 1946 auf Geheiß der Sieger beseitigt werden mußte.

 

• Schlesien

Die germanischen Silingen, die dort mehr als 600 Jahre (bis 350 n. Chr.) siedelten, gaben dem Land den Namen. Im 6. Jahrhundert kamen kleine slawische Stämme hinein. Schlesien geriet - bei Wahrung weitgehender Selbständigkeit - unter die Hoheit polnischer Herrscher, die deutsche Siedler ins Land riefen. Bis 1350 waren 120 Städte und 1200 Dörfer von Deutschen gegründet worden. In mehreren Verträgen (1335, 1338, 1356, 1372) verzichtete Polen auf Schlesien. Das Land kam zum Deutschen Reich und stand zunächst unter böhmischer, ab 1526 unter habsburgischer Herrschaft. Friedrich der Große erwarb neun Zehntel Schlesiens. Der Rest mit der Hauptstadt Troppau (Österreichisch-Schlesien) blieb habsburgisch und kam 1919 selbstbestimmungswidrig an die CSR. Die preußische Provinz Schlesien verlor 1919 das Hultschiner Ländchen an die CSR und 1921 Ostoberschlesien an Polen. 1945/46 wurden die Schlesier Opfer des Vertreibungsholocausts (über eine halbe Million Tote). Bis auf den kleinen Westteil, der zu Sachsen kam (seit 1990 bei der Bundesrepublik) ist Schlesien seit 1945 polnisch besetzt, was sich ökonomisch wie ökologisch verheerend auf das deutsche Land auswirkt.

Weiterführend:
90 Jahre Volksabstimmung in Oberschlesien
Ein Bekenntnis zum Reich in schwerer Zeit

 

• Schleswig-Holstein

Das alte Sachsenland Holstein ist seit Anbeginn rein deutsch und war, mit einigen Unterbrechungen, stets Teil des Deutschen Reiches. Das im 10. Jahrhundert als Mark des Reiches entstandene Schleswig, im Norden dänisch, im Süden deutsch besiedelt, kam im 11. Jahrhundert unter Dänemarks Hoheit. Infolge der Schwäche des Deutschen Reiches geriet ganz Schleswig-Holstein in fremde Hand. Anfang des 19. Jahrhunderts lag es insgesamt in Kopenhagens Machtbereich. 1815 wurde Holstein Teil des Deutschen Bundes. Trotz des deutschen Sieges im Deutsch-Dänischen Krieg 1848-1850 kam Holstein nach Drohungen der Großmächte wieder an Dänemark. Der zweite Deutsch-Dänische Krieg 1864 jedoch brachte Schleswig-Holstein unter deutsche (preußisch-österreichische) Kontrolle. 1866 wurde das ganze Land preußisch, 1871 Teil des Deutschen Reiches. 1890 kam Helgoland hinzu. Die Volksabstimmung von 1920 führte zur Vereinigung überwiegend dänischer Nordgebiete mit Dänemark bei ungerechter Majorisierung deutscher Ortschaften wie Tondern und Apenrade. 1949 wurde Schleswig-Holstein ein Land der Bundesrepublik.

 

• Schöner Brunnen

Der Schöne Brunnen in der Nordwestecke des Nürnberger Hauptmarktes, eine 19 Meter hohe, goldgleißende Stufenpyramide in der Form eines hochgotischen Kirchturms, entstand Ende des 14. Jahrhunderts als Zeichen spätmittelalterlicher Prachtentfaltung der Lieblingsstadt des luxemburgischen Kaiserhauses. Baumeister war wohl Palier Heinrich aus dem Nürnberger Künstlergeschlecht der Behaim. Die 40 Steinfiguren, die Geisteswissenschaften, weltliche Herrschaft und christlichen Glauben versinnbildlichen, stammen aus der Werkstatt der Parler. Das vom Augsburger Kunstschlosser Kuhn gestaltete Ziergitter wurde Ende des 16. Jahrhunderts angebracht. Mit dem Niedergang des Deutschen Reiches setzte auch die Verwahrlosung des einzigartigen Kunstwerkes ein, das sich Anfang des 19. Jahrhunderts in einem erbärmlichen Zustand befand. Es gab mehrere Restaurierungen, von denen sich jene des Baumeisters Heinrich Wallraff zwischen 1902 und 1905 werkgetreu nach dem alten Vorbild richtete. Den Bombenterror des Zweiten Weltkrieges überstand der Schöne Brunnen unter einem dicken Betonmantel.

 

• Schutztruppen

Im Gegensatz zu den anderen Kolonialmächten unterhielt das Deutsche Reich bis 1914 nur eine kleine Streitmacht (Schutztruppe) in Übersee: In Ostafrika 73 deutsche Offiziere, 2500 schwarze Askaris; in Südwestafrika 120 deutsche Offieziere und 2000 berittene deutsche Soldaten; in Kamerun 51 deutsche Offiziere, 1300 Negersoldaten; in Togo 20 deutsche Führer, 560 schwarze Untergebene. In Kiautschou lag ein deutsches Seebataillon vor Anker. Obwohl die europäischen Mächte die Neutralität der Kolonien im Kriegsfalle vertraglich vereinbart hatten, überfielen die Westmächte zu Beginn des Ersten Weltkrieges die deutschen Überseegebiete. Da es nur geringen oder keinen militärischen Widerstand geben konnte, war die "Eroberung" meist rasch abgeschlossen. In Ostafrika blieb die deutsche Schutztruppe unter Lettow-Vorbeck bis 1918 unbezwungen. Der Bronze-Reiter in Windhuk (Südwestafrika/Namibia) ehrt die Gefallenen der Schutztruppe.

 

• Schwarzes Korps

Reichsfürst Friedrich Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg-Öls wurde von Napoleon seines Herzogtums beraubt. 1809 schlug er mit in Schlesien angeworbenen Truppen auf eigene Faust gegen die französischen Besatzer los. Schwarz war der Waffenrock und der mit weißem Totenkopf versehene Tschako seiner Männer, weshalb der Führer "schwarzer Herzog" und seine Truppe "Schwarzes Korps" genannt wurde. Die Freiheitskämpfer errangen beachtliche militärische Erfolge und wurden später der Deutsch-Englischen Legion im Kampf gegen Napoleon eingefügt. Nach Rückkehr Napoleons 1815 griff der Schwarze Herzog sofort wieder zu den Waffen. Am 16. Juni des Jahres fiel er bei Quatre-Bras. Der "unbeugsame Welfe" wurde im Volke gefeiert und gab ein Vorbild für tapferen Kampf gegen Fremdherrschaft.

 

• Schwarzmeerdeutsche

Von Zarin Katharina der Großen (aus dem deutschen Fürstenhaus Anhalt-Zerbst) ab 1763 ins Land gerufen, siedelten zahlreiche Deutsche an der Nordküste des Schwarzen Meeres zwischen Odessa und dem Kaukasus. Zuerst waren es hauptsächlich West- und Süddeutsche, ab Anfang des 19. Jahrhunderts auch viele preußische Mennoniten und Schwaben. Es entstanden insgesamt 200 Kolonien der Schwarzmeerdeutschen mit über einer halben Millionen Einwohnern. Sie trugen wesentlich zur Entwicklung des Südens des Russischen Reiches bei. Erster Weltkrieg und Bolschewistenterror trafen sie hart. Im Zweiten Weltkrieg war ihr Gebiet von der Wehrmacht besetzt. 1943 wurden 350 000 von ihnen ins Wartheland umgesiedelt. Als die Stalintruppen 1945 ihre neue Heimat einnahmen, wurden Hunderttausende Schwarzmeerdeutsche in Vernichtungslager des Archipel Gulag deportiert.

 

• Schwarz-Rot-Gold

Die kaiserlichen Farben des Heiligen Reiches waren Schwarz und Gold. Das Reichswappen zeigte den schwarzen Aar auf goldenem Grund mit roter Bewehrung. Die Reichssturmfahne war schwarz und gold mit rotem Schaft. So galten Schwarz, Rot und Gold als die alten deutschen Farben. Die Lützower Jäger hatten eine schwarz, rot und gold gestaltete Uniform. Auch die Fahne der Urburschenschaft Jena war schwarzrotgolden. Als Dreifarb mit gleichen Balken wurde Schwarz-Rot-Gold erstmals 1832 beim Hambacher Fest gezeigt. Die Paulskirche erklärte 1848 diese Trikolore zum Nationalsymbol. Schwarz-Rot-Gold wurde ein großdeutsches Sinnbild. Das Bismarckreich entschied sich für Schwarz-Weiß-Rot. In Erwartung des Österreich-Anschlusses wählte die deutsche Republik 1918 Schwarz-Rot-Gold als Nationalfahne. Hitler führte die Hakenkreuzfahne ein. Die alliierten Militärdiktatoren verboten 1945 die schwarzrotgoldene Fahne. 1949 wurde sie in der Bundesrepublik und in der DDR Staats symbol, wobei die SED später Hammer und Zirkel einfügte. Unter Schwarz-Rot-Gold marschierten die Aufständischen des 17. Juni 1953, protestierte die bundesdeutsche Rechte in den 70er und 80er Jahren gegen Separatismus und Nationalverrat und demonstrierte 1989/90 die Wiedervereinigungsbewegung in der DDR.

 

• Schwarz-Weiß

Die preußischen Farben Schwarz-Weiß gehen auf das Zeichen des 1190 bei der Belagerung von Akkon im Heiligen Land zur Pflege der Kranken und zum Kampf gegen die Ungläubigen entstandenen Deutschen Ordens zurück, der das Land der alten Preußen für das Deutsche Reich und das Christentum unterwarf: Weiße Ordenstracht mit dem schwarzen Kreuz. Die Hochmeister des Ordens zeichneten ihre Banner und Wappen durch Hinzufügung des goldenen Kreuzes von Jerusalem und des deutschen Reichswappens aus. Als der Hochmeister den Staat des Deutschen Ordens 1525 in ein weltliches Herzogtum umgewandelt hatte, wurden die Farben Schwarz-Weiß die Landesfarben des Herzogtums Preußen, die 1701 auf das preußische Königreich übergingen. Im Schwarz-Weiß-Rot des neugegründeten Deutschen Reiches von 1871 lebten die Farben Preußens fort. Schwarz-Weiß erwarb auch den Rang eines allgemein-deutschen Symbols. Entsprechend gestaltet sind traditionell unter anderem die Trikots z. B. der deutschen Fußball-, Hockey- und Eishockey-Nationalmannschaften.

 

• Schwarz-Weiß-Rot

Nach der Revolution des Jahres 1848 unter Schwarz-Rot-Gold und nachdem Österreichs Soldaten im Deutschen Krieg 1866 schwarzrotgoldene Bänder getragen hatten, kamen diese Farben für das Bismarckreich nicht in Betracht. Der Kanzler setzte für den Norddeutschen Bund Schwarz-Weiß-Rot durch mit der Begründung, damit würden die Farben Preußens (Schwarz-Weiß) und der Hansestädte (Weiß-Rot) verbunden. Diese Kombination wurde vom Deutschen Reich 1871 übernommen. Die Republik entschied sich 1918 für Schwarz-Rot-Gold, doch blieb die Handelsflagge schwarzweißrot. 1933 wurden Schwarz, Weiß und Rot wieder zu Reichsfarben erklärt. In der Bundesrepublik traten DRP, DP und FDP bis Anfang der 60er Jahre unter Schwarz-W eiß-Rot an. Von der nationalen Rechten wird sowohl Schwarz-Rot-Gold als auch Schwarz-Weiß-Rot hoch geachtet.

 

• Schweiz

Bis ins 19. Jahrhundert war die Schweiz ein nahezu rein deutscher Staat. Als zugewandte Orte gab es welsche Landesteile (Unterwallis ). Erst dann kamen mehrheitlich nichtdeutsche Kantone hinzu. Heute sind 74 % der eingesessenen Schweizer deutsch, 20 % sind französisch, 5 % italienischsprachig und 1 % Rätoromanen. Von 25 Kantonen sind 19 weit überwiegend deutsch (17 zu zwischen 94 % und 99 %). Das Gebiet der nachmaligen Schweiz gehörte seit dem 10. Jahrhundert zum Heiligen Reich. 1291 verschworen sich Schwyz, Uri und Unterwalden, die "Urkantone", zur Verteidigung alter Rechte und Freiheiten und gegen Habsburger Bevormundung. Das Reich mußte die Schweizer Unabhängigkeit im Westfälischen Frieden anerkennen. Deutschland tastete die Schweizer Eigenstaatlichkeit fortan nicht an; Frankreich jedoch machte sich die Eidgenossenschaft Ende des 18. Jahrhunderts untertan. Die Schweiz wurde durch Deutschland im Befreiungskrieg wieder frei. In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts blieb sie neutral. Seit 1923 ist Liechtenstein in Zollunion mit ihr verbunden. Sie vertritt das deutsche Fürstentum auch außenpolitisch.

 

• Sedan

Dank genialer Planung Moltkes gelang der deutschen 3. Armee unter dem preußischen Kronprinzen (nachmals: Kaiser Friedrich III.) und der 4. Armee unter Sachsens Kronprinzen Albert am 1. September 1871 bei Sedan an der Maas der Sieg über die Franzosen unter Mac-Mahon bzw. Wimpffen. Am 2. September mußten die Franzosen kapitulieren. Napoleon III. ging in deutsche Ehrenhaft (Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel), bis er nach Ende des Krieges, März 1872, entlassen wurde. Die deutschen Verluste bei Sedan betrugen 9000 Tote und Verwundete, die französischen 17 000 Tote und Verwundete, 107 000 Gefangene. Sedan entschied den Deutsch-Französischen Krieg, wenn auch das republikanische Frankreich den angebotenen Frieden ausschlug und noch einige Wochen weiterkämpfte. Im Bismarckreich wurde auf Anregung des evangelischen Theologen Friedrich von Bodelschwingh alljährlich am 1. September des großen Sieges feierlich gedacht (Sedantag).

 

• Selbstschutz

Unter diesem Namen versteht man die deutschen Freiwilligenverbände, die sich nach 1918 zur Abwehr der Bolschewisten und Separatisten und zum Schutz des deutschen Ostens gegen Polen gebildet hatten. Diese Einwohnerwehren wurden am 13. Januar 1919 auf Geheiß der sozialdemokratischen Reichsregierung zur Republikanischen Schutztruppe zusammengefaßt. Die Truppe unterstand der Zentralstelle für Einwohnerwehren im Reichswehrministerium und hatte entscheidenden Anteil an der Sicherung der Weimarer Republik und an der Verhinderung weiteren Landraubes fremder Mächte. Am 19. März 1921 wurde die Zentralstelle aufgelöst. 1939 bildete sich in den polnisch besetzten deutschen Ostgebieten Selbstschutz gegen antideutsche Übergriffe. Er war bis zu 40 000 Mann stark und wurde am 30. November 1939 von der Reichsregierung aufgelöst.

 

• Separatismus

Der in Maßen segensreiche Eigensinn deutscher Regionen (Föderalismus) kann in Separatismus ausarten; vor allem, wenn fremde Mächte schürend oder gewaltsam eingreifen. Die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein und Österreich haben sich von Deutschland abgespalten bzw. wurden abgespaltet. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wollte Frankreich den Abfall des deutschen Rheinlandes ("Zisrhenanische Republik" 1797, "Rheinische Republik", 1923). In den 1920er Jahren besiegten deutsche Reichstreue die französisch unterstützten Separatisten in Gefechten (z. B. Schlacht im Siebengebirge, 15. November 1923). Das traditionell eigensinnige Bayern hielt Deutschland nach beiden Weltkriegen die Treue. Der Separatismus in der Bundesrepublik und der DDR wollte die Teilungslinie an Elbe und Werra verewigen, erlitt jedoch 1989/90 die entscheidende Niederlage.

 

• Siebenbürgen

Das Gebiet wurde im 9. Jahrhundert ungarisch, geriet im 16.Jahrhundert unter osmanische Vorherrschaft, kam dann an die Habsburger, 1920 an Rumänien, war1940-44 teilweise erneut ungarisch und ist seit 1947 wieder ganz rumänisch. Mitte des 12. Jahrhunderts kamen Deutsche, gerufen von Ungarnkönigen, ins Land. Sie wurden Siebenbürger Sachsen genannt, obwohl sie meist vom Niederrhein und aus Mitteldeutschland stammten, denn der Deutsche gilt in Siebenbürgen allgemein als "Sachse". Die Deutschen, im 18. Jahrhundert verstärkt durch Protestanten aus Österreich, ließen das Land - nach den Verheerungen durch Mongolen und Türken - wieder erblühen. Ein Sachsengraf mit Sitz in ihrer Hauptstadt Hermannstadt garantierte von 1224 bis 1876 den Siebenbürger Sachsen relative Selbstbestimmung. Mitte des 19. Jahrhunderts wehrten sie sich unter Roths Führung gegen Zwangsmadjarisierung. 1940 gab es rund 250 000 Siebenbürger Sachsen. Sie erlitten nach Kriegsende Verfolgung und Entrechtung. Die meisten siedelten in den 70er und 80er Jahren aus.

 

• Siebenjähriger Krieg

Dieser Waffengang von 1757 bis 1763 war ein Weltkrieg um die Vorherrschaft in Nordamerika, der Karibik und Hinterindien, den England gegen Frankreich gewann. In Europa war es der Versuch einer Koalition aus Österreich, Frankreich, Rußland und Schweden, Preußen auszuschalten. Friedrich der Große mußte hinnehmen, daß weite T eile seines Landes, sogar Berlin, vom Feind besetzt wurden. Siege bei Roßbach (5. November 1757) und Leuthen (5. Dezember 1757) verschafften ihm Luft. Doch trotz Friedrichs genialer Strategie wurde die Lage wegen der Übermacht der Feinde verzweifelt. Da starb am 5. Januar 1762 die große Rivalin des Preußenkönigs, die Zarin. Ihr Nachfolger Peter III. scherte aus der antipreußischen Front aus. Schweden folgte. Das Blatt wendete sich. Der Friede zu Hubertusburg vom 15. Februar 1763 manifestierte Preußens endgül1igen Durchbruch zur Großmacht.

 

• Siebzehnter Juni

Dieses Datum symbolisiert die erste einer Reihe nationaler Erhebungen gegen den Sowjetimperialismus im Ostblock. Aus Protest gegen Normenerhöhung, also verstärkte Ausbeutung, traten Bauarbeiter auf der Ostberliner Stalinallee am 16. Juni 1953 in den Ausstand. Tags drauf wurde in der gesamten Sowjetzone gestreikt. Es entwickelte sich ein allgemeiner Aufstand gegen Diktatur, Fremdbesetzung und deutsche Teilung. Zentren waren Berlin, Magdeburg, Leipzig und Halle. Die Aufständischen kamen meist aus der Arbeiterschaft. Ab Mittag des 17. Juni schlug die sowjetische Besatzungsmacht die Erhebung mit militärischer Gewalt nieder. Das Kriegsrecht wurde verhängt, zahlreiche Revolutionäre erschoß man. Trotzdem wurden die Streiks noch mehrere Tage fortgesetzt, zum Beispiel im Uran-Bergbaugebiet des Erzgebirges, bis endgültig Friedhofsruhe eintrat. Westliche Hilfe für die Aufständischen erfolgte nicht. Noch 1953 wurde der 17.Juni in der Bundesrepublik als "Tag der deutschen Einheit" zum Nationalfeiertag erklärt. Er blieb es bis 1990.

Weiterführend:
17. Juni 1953
Geplatzter Traum vom einigen und freien Deutschland

 

• Siegessäule

Am 2. September 1873 wurde auf dem Berliner Königsplatz die Siegessäule zur Erinnerung an die Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 feierlich eingeweiht. Seit 1938 steht sie auf dem Großen Stern, einem 200 Meter weiten, runden Platz. Das insgesamt 67 Meter aufragende Monument entstand nach dem Entwurf des Baumeisters Johann Heinrich Strack. Bekrönt wird es von einer über acht Meter hohen vergoldeten Siegesgöttin, der Viktoria mit Lorbeerkranz und Eisernem Kreuz, einem Werk von Friedrich Drake. Der Historienfries im Säulenrundbau wurde von Anton von Werner entworfen; dargestellt ist die deutsche Reichseinigung 1871. 1946 wünschten die französischen Besatzer die Sprengung der Siegessäule, was die anderen Siegermächte nicht mitmachen wollten. Zwei nach Frankreich verschleppte Bronzereliefs wurden 1984 an Berlin zurückgegeben.

 

• Sigmundskron

Über dem Zusammenfluß von Etsch und Eisack erhob sich die 945 erstmals bezeugte Burg Formigar. Sie wurde im 15. Jahrhundert von Herzog Sigmund dem Münzreichen ausgebaut, hieß fortan Burg Sigmundskron und ist die größte Veste im südlichen Tirol. Auch nach den Zerstörungen im Laufe der Jahrhunderte zeugen ihre gewaltigen Türme und Mauern von der einstigen Herrlichkeit. Auf Sigmundskron kamen am 17. November 1957 rund 35 000 Südtiroler zur größten Freiheitskundgebung in der Geschichte des seit Ende des Ersten Weltkrieges italienisch beherrschten Landes zusammen. Sie forderten Selbstbestimmung und Landeseinheit des seit 1300 Jahren deutschen Tirol.

 

• Skagerrak

Es ist ein Teil der Nordsee zwischen Jütland, Norwegen und Schweden. Vor dem Skagerrak tobte am 31. Mai und l. Juni 1916 die größte Seeschlacht zweier Kriegsflotten. Die deutsche Hochseeflotte unter Vizeadmiral Reinhard Scheer mit 21 Großkampfschiffen traf auf die mächtigste Seestreitmacht der Welt, die britische Grand Fleet unter Admiral Jellicoe mit 37 Großkampfschiffen. Die Briten verloren 14 Schiffe mit 115 025 Tonnen und mußten 6945 Gefallene beklagen. Die deutschen Verluste betrugen 11 Schiffe mit 61 180 Tonnen und 3058 Gefallene. Zwar hatte das bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts maritim kaum gewappnete Deutsche Reich vor dem Skagerrak den Kampf gegen das seit Jahrhunderten weltmeerbeherrschende England bestanden, doch behielt das hochgerüstete Empire zur See die Oberhand.

 

• Soldauer Gebiet

Die Stadt Soldau im Süden des nachmaligen Ostpreußen (Kreis Neidenburg) wurde als Pflegerhaus Anfang des 14. Jahrhunderts gegründet und erhielt 1344 ihre Handfeste. Sie war mehrfach feindlichem Zugriff ausgesetzt: So wurde sie 1409 von Russen und Litauern niedergebrannt, 1656 von den Schweden genommen, bald darauf von den Tataren überfallen, 1806 von Napoleons Marschall Ney erobert usw. Stets behielt sie jedoch ihren deutschen Charakter. 1918 richtete sich der polnische Imperialismus auch gegen Ostpreußen. Während der übrige Süden des Landes durch Volksabstimmung mit nahezu 100 %igen Ergebnissen für das Reich gerettet wurde, kam das Sodauer Gebiet mit 20 000 Menschen und 500 Quadratkilometern ohne Abstimmung und gegen den Willen seiner Bevölkerung an den polnischen Staat. 1939 wurde das Unrecht rückgängig gemacht. Seit 1945 teilt Soldau das Schicksal des polnisch besetzten südlichen Ostpreußen.

 

• Speyer

Die Stadt in der Oberrheinebene (Pfalz) war einst der Hauptort der germanischen Nemeter und kam 843 zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. Speyer brach 1294 die bischöfliche Herrschaft und wurde Freie Reichsstadt. Bis ins 14. Jahrhundert galt es mit seinem Dom, dem mächtigsten Sakralbau des Heiligen Reiches, als eigentliche Reichshauptstadt. Dort fanden zahlreiche Reichstage statt. Von 1526 bis 1689 war Speyer Sitz des Reichskammergerichtes, der höchsten juristischen Instanz. Am 31. Mai 1689, Pfingsten, wurde die Stadt von den Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. völlig niedergebrannt. Wieder aufgebaut, fiel es 1794 Marodeuren der französischen Revolutionsarmee zum Opfer. 1815 von Frankreichs Fremdherrschaft befreit, war Speyer fortan (bis 1938) Hauptstadt der bayerischen Pfalz.

 

• Speyerer Dom

Mit dem Bau des Domes St. Maria und St. Stephan zu Speyer wurde unter Konrad II. um 1030 begonnen. Unter Heinrich III. wurde die Kathedrale 1061 geweiht, unter Heinrich IV. 1106 vollendet. Die Kirche von 133 Metern Länge war der gewaltigste Dom des Heiligen Reiches. Die mächtigen Mauern widerstanden 1689 der Schändung durch französische Truppen. 1772 bis 1778 von F. J. M. Neumann, Sohn Balthasar Neumanns, wiederhergestellt, fiel der Dom 1794 erneut französischer Wut zum Opfer. Auf Geheiß König Ludwigs I. von Bayern wurde er im 19.Jahrhundert restauriert. In der Kaisergruft des Domes, der größten unterirdischen Halle auf deutschem Boden, befindet sich die Grablege von acht deutschen Königen und Kaisern sowie von drei Gemahlinnen deutscher Majestäten. Dort ruhen die Salierkaiser Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV., Heinrich V. sowie Philipp von Schwaben, Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg und Adolf von Nassau.

 

• Stahlhelm

Angeregt von Generalarzt Professor Dr. August Bier schuf der Techniker Professor Friedrich Schwerd im Ersten Weltkrieg einen Stahlhelm, der so geformt und beschaffen war, daß er Millionen deutsche Soldaten vor schweren Kopfverletzungen durch Splitter bewahrte. Er wurde im November 1915 auf dem Schießplatz Kummersdorf ausprobiert und kam als Stahlhelm M 16 im Februar 1916 vor Verdun erstmals zum Einsatz. 1935 und 1943 gab es neue, verbesserte Ausführungen (M 35, M 43). Ein abermals verbesserter Stahlhelm kam bei der Wehrmacht nicht mehr in Gebrauch, wurde aber von der NVA der DDR übernommen. Obwohl sich der deutsche Stahlhelm bestens bewährt hatte und auch ein Symbol des deutschen Soldatentums geworden war, führte man in der Bundeswehr einen Helm nach US-Vorbild ein. Seit Anfang der 80er Jahre sind die US-Truppen mit einem Kopfschutz ausgerüstet, der in seiner Form dem deutschen Stahlhelm ähnelt. Das Bundesverteidigungsministerium in Bonn ordnete dessen Übernahme an.

 

• Stalingrad

Die Stadt an der Wolga hieß bis 1925 Zaryzin und wurde unter Chruschtschow 30 Jahre später in Wolgograd umbenannt. Unweit lagen die Siedlungs gebiete der Wolgadeutschen, die 1941/42 Stalins Deportationsterror zum Opfer fielen. In Stalingrad wurde am 23. November 1942 die deutsche 6. Armee mit den verbündeten Rumänen, an deren Frontabschnitt den Sowjets der Durchbruch gelungen war, eingekesselt. Der Kessel wurde bis Anfang Februar 1943 von den Deutschen unter unsäglichen Entbehrungen gehalten, wodurch man Hunderttausende Sowjetsoldaten band. Die Luftwaffe konnte 34 000 Verwundete ausfliegen. 146 000 Deutsche und Rumänen fielen. Von den 91 000 in sowjetische Gefangenschaft geratenen Landsern überlebten nur 6 000 Stalins Archipel Gulag. Stalingrad wurde zum Symbol für Leid und Leistung der Weltkriegssoldaten und mahnt zur Überwindung unseliger deutsch-russischer Feindschaft, die beiden Völkern im 20.Jahrhundert entsetzliche Wunden geschlagen hat.

 

• Steiermark

Das Gebiet war im 8. Jahrhundert bayerisch, dann karolingisch beherrscht. Es setzte eine starke deutsche Besiedlung, hauptsächlich durch Baiern und Franken, ein. Im 11./12. Jahrhundert war die Steiermark Herzogtum, im 13. Jahrhundert wurde sie habsburgisch. Mongolen, Ungarn, Türken bedrohten oder verheerten das Grenzland des Deutschen Reiches. Die steirische Landesversammlung erklärte am 6. November 1918 den Beitritt zu Deutsch-Österreich. Südslawische Truppen drangen ein. In Saint-Germain wurde 1919 die Abtretung der südlichen Steiermark an Jugoslawien ohne Volksabstimmung diktiert. Dadurch gerieten nicht nur die slowenischen, sondern auch Gebiete mit 65 000 Deutschen und den alten deutschen Städten Marburg an der Drau (slowenisch: Maribor) und Cilli in Belgrads Machtbereich. Von 1941 bis 1945 war die Südsteiermark wieder beim Deutschen Reich. Erneut von Belgrad annektiert, wurden die deutschen Untersteiermärker 1945 holocaustiert oder vertrieben.

 

• Steinsche Reformen

Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, geboren 1757 in Nassau/Lahn, gestorben 1831 auf seinem Alterssitz Haus Cappenberg bei Dortmund, wurde 1796 Oberpräsident im preußischen Westfalen. Als preußischer Finanzminister rettete er 1806 den Staatsschatz vor Napoleon nach Ostpreußen. Die Bauernbefreiung 1807, die Städteordnung (städtische Selbstverwaltung) 1808 und weitere umwälzende Staatsreformen waren im wesentlichen sein Werk. Auf Geheiß Napoleons aus dem Ministeramt entlassen, wurde Stein Berater des Zaren und eigentlicher Schmied des preußisch-russischen Bündnisses im Befreiungskrieg. Im Januar 1813 rief er in Königsberg zur Erhebung gegen die französische Fremdherrschaft auf. Er forderte 1815 vergebens das neue Deutsche Reich und wurde von den Etablierten des Metternich-Systems kaltgestellt. Er gründete 1819 die Gesellschaft für die ältere deutsche Geschichtskunde und schuf die Grundlagen der Monumenta Germaniae historica, der wichtigsten Sammlung mittelalterlicher Quellentexte zur deutschen Geschichte.

 

• Stephansdom

An der Stelle der späteren Kathedrale stand eine 1137 gegründete romanische Pfarrkirche, deren Westfassade mit dem sogenannten Riesentor erhalten ist. Das alte Gebäude wurde ab 1304 durch einen gotischen Neubau, den Dom St. Stephan, ersetzt. Gebaut wurde am Dom bis ins 16. Jahrhundert; die Vollendung des 137 Meter hohen Südturmes erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der nördliche Turm blieb unvollendet. Aus der Reihe bedeutender Baumeister des Domes ragen Meister Wenzel, Sohn Peter Parlers, sowie Peter und Hans von Prachatitz hervor. In der Kathedrale befindet sich das Grabmal Kaiser Friedrichs III., ein Werk von N. Gerhaert van Leyen (15.Jh.). Der Stephansdom gehörte als Hauptkirche der Kaiserstadt Wien zu den bedeutendsten Sakralbauten des alten Deutschen Reiches. Er wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und danach wiederhergestellt.

 

• Stille Nacht

In der Deutschen Weihnacht fanden altgermanische Überlieferungen (Julfest, Wintersonnenwende) und Christentum zur großartigen Symbiose. So wurde es stets auch im Ausland empfunden. Worte und Weise von Stille Nacht drücken wie kein anderes Lied Seele und Gemüt des deutschen Volkes zu Weihnachten aus. Gedichtet wurde das Lied zur Weihnachtszeit des Jahres 1818 von Joseph Mohr, Hilfspriester im Dörfchen Oberndorf im Salzburger Land. Die Weise schuf am Heiligen Abend desselben Jahres Mohrs Freund Franz Gruber, Lehrer im nahen Arnsdorf und Organist in Oberndorf. Die Gemeinde Oberndorf sang es dann zum ersten Mal zur mitternächtlichen Christmette in der Kirche der kleinen Ortschaft im Salzburger Land. Von dort aus verbreitete es sich rasch im gesamten deutschen Raum und wurde ein Symbol des Deutschtums.

 

• Stolzenfels

Stolzenfels am Rhein, gegenüber der Lahnmündung, oberhalb von Koblenz und in der Nähe des Königsstuhls zu Rhens, war ursprünglich die Burg der Kurfürsten von Trier. Sie ist bereits im 13. Jahrhundert bezeugt und diente auch als Konferenzort der rheinischen Kurfürsten in wichtigen Reichsangelegenheiten. Die kurfürstliche Veste wurde 1688 von Franzosen weitgehend zerstört. Auf Geheiß des preußischen Kronprinzen und nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm IV. errichtete Baumeister Karl Friedrich Schinkel ab 1835 auf den Ruinen der Kurfürstenburg das Schloß Stolzenfels. Der Wiederaufbau, eine architektonische Huldigung der hohen Zeit des Deutschen Reiches im Mittelalter, war 1842 abgeschlossen. Friedrich Wilhelm veranstaltete zur feierlichen Einweihung einen imposanten Fackelzug.

 

• Straßburg

Die am Ostufer des Rheines gelegene Hauptstadt des Elsaß kam 870 zum Ostfränkischen (Deutschen) Reich. 842 hatten dort Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle in althochdeutschem und altfranzösischem Wortlaut die "Straßburger Eide" geschworen, die als erstes Zeugnis der sprachlichen Verschiedenheit von Deutschland und Frankreich gelten. 1262 wurde Straßburg Freie Reichsstadt. Es entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten und schönsten Städte des Deutschen Reiches, auch zu einem kulturellen und geistigen Zentrum Deutschlands. Im 16. Jahrhundert hielt die Reformation Einzug. Am 30. September 1681 nutzte Frankreichs König Ludwig XIV. die Notlage des Reiches (Türkenansturm auf Wien) und ließ Straßburg besetzen. Es behielt allerdings deutsche Selbstverwaltung, die 1789 von, den französischen Revolutionären beseitigt wurde. 1871 bis 1918 war Straßburg die Hauptstadt des deutschen Reichslandes Elsaß-Lothringen, und von 1940 bis 1944 stand es unter deutscher Verwaltung. Das Deutschtum wurde vom französischem Staat nach den beiden Weltkriegen massiv zurückgedrängt.

 

• Straßburger Münster

Der Grundstein zur gewaltigen Kathedrale wurde 1015 von Bischof Werinher, einem Habsburger, gelegt. Nach dem Brand 1176 begann der Neubau. Zu den bedeutendsten Dombaumeistern, die in Straßburg wirkten, zählten Erwin von Steinbach und Ulrich von Ensingen (Baumeister auch des Ulmer Münster). Johannes Hülz vollendete 1439 den einen Turm. Der andere blieb Torso. Die Skulpturen des Münsters sind Höchstleistungen staufischer Plastik. Besonders beeindruckt die gigantische 16blättrige Sonnenrose am Westwerk. Glasgemälde im nördlichen Seitenschiff stellen deutsche Kaiser dar. Die Astronomische Uhr im Dom (16. Jahrhundert), von Jakob von Landshut und Hans Hammer ist einzigartig. Das ab 1520 evangelische Münster wurde nach der gewaltsamen Einvernahme der Stadt durch Frankreich 1681 rekatholisiert. Zur Zeit der Französischen Revolution war es ein "Tempel der Vernunft". Das mächtige Bauwerk zeugt vom deutschen Charakter des Elsaß.

 

• Südamerika-Deutsche

Im 16. Jahrhundert unternahmen deutsche Handelshäuser, die Fugger und die Welser, kurzlebige Kolonisierungsversuche in Südamerika. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte eine größere deutsche Einwanderungsbewegung ein. Die Siedler gingen hauptsächlich nach Brasilien mit Schwerpunkten in Santa Catarina (Blumenau) und Sao Leopoldo. Dort entstanden blühende Siedlungen wie Neu-Berlin, Neu-Stettin, Neu-Bremen, Neu-Breslau, Teutonia, Germania. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich viele deutsche Heimatvertriebene in Südamerika nieder. Das Deutschtum war zuvor im Krieg Opfer einer von Nordamerika aus inszenierten Hetze geworden. Für Brasilien werden 1,5 Mio. Deutschstämmige geschätzt, für Argentinien 260 000, für Paraguay 35 000, für Chile 30 000, für die anderen Staaten 40 000. Am 25. Juli 1924, dem 100. Jahrestag des Beginns der deutschen Besiedlung Brasiliens, wurde bei Sao Leopoldo ein zwölf Meter hoher Turm zu Ehren der Einwanderer aus Deutschland eingeweiht. Deutscher Herkunft waren u. a. die Präsidenten Banzer (Bolivien), Geisel (Brasilien), Stroessner (Paraguay).

 

• Sudetenland

Darunter versteht man die bis 1945 deutsch besiedelten Randgebiete Böhmens und Mährens sowie Österreichisch-Schlesien. Benannt wurde das Gebiet 1912 nach dem Sudeten-Gebirge. Auf rund 26 000 qkm lebten dort etwa 3,3 Mio. Deutsche. Ihre Volksvertretungen erklärten im Oktober und November 1918 das Sudetenland zum Bestandteil der Republik Deutsch-Österreich in Erwartung eines Anschlusses ans Deutsche Reich. Kurz darauf rückten tschechische Truppen ein. Das Diktat von Saint-Germain sprach das Land 1919 dem Prager Machtbereich zu. Der Protest der Deutschen wurde mit Waffengewalt erstickt. Nach dem Münchener Abkommen von 1938 kam das Sudetenland ans Deutsche Reich. 1945 wurde es erneut von der Tschechoslowakei okkupiert. Die Deutschen wurden umgebracht oder vertrieben (annähernd eine Viertelmillion Todesopfer). In vier Jahrzehnten tschechokommunistischer Herrschaft verkam das einst blühende Sudetenland kulturell, ökonomisch und ökologisch. Die Zahl der dort noch lebenden Deutschen wird auf über 100 000 geschätzt.

 

• Südtirol

Südtirol vom Brenner bis zur Salurner Klause gehörte 1300 Jahre zum deutschen Siedlungsgebiet, als es 1918 von Italien annektiert wurde. Kaum 3 % der Bevölkerung waren Italiener, die erst seit den Bahnbauarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts dort lebten. 1915 hatte Rom im Londoner Geheimvertrag von den Westmächten das Land für den Frontwechsel im Krieg versprochen bekommen. Das Diktat von Saint-Germain 1919 bestätigte den Landraub. Die Deutschen waren besonders unter Mussolini einer brutalen Italianisierung ausgesetzt. Süditaliener wurden angesiedelt. Trotz Drucks und Umsiedlungsabkommens zwischen Berlin und Rom blieben die meisten Südtiroler daheim. 1943 wurde eine deutsche Zivilverwaltung eingerichtet. Auch nach 1945 hielten die Südtiroler dem Deutschtum die Treue. Österreich übernahm die Rolle einer Schutzmacht. Auf Sabotageakte von Selbstbestimmungsaktivisten reagierte Rom in den 60er Jahren mit Staatsterror. Die Bestimmungen eines mit Österreich vereinbarten Autonomie- "Paketes" wurde italienischerseits immer wieder sabotiert. Ladinische Gebiete außerhalb (z. B. Cortina) suchen den Wiederanschluß an Südtirol. Die Brennergrenze zu beseitigen, bleibt vorrangige Aufgabe.

 

• Südwestafrika

Das über 800 000 qkm große Gebiet, hauptsächlich Wüste, wurde 1884 erste deutsche Kolonie, nachdem der Kaufmann Adolf Lüderitz Verträge mit Häuptlingen geschlossen und der Forscher Gustav Nachtigal das Terrain bereitet hatte. Erster Reichskommissar wurde 1885 Dr. H. Göring, der Vater des Reichsmarschalls im Zweiten Weltkrieg. 1890 wurde die Hauptstadt Windhuk gegründet. Im gleichen Jahr kam durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag der nach dem deutschen Reichskanzler benannte "Caprivi-Zipfel" hinzu. Die deutsche Schutztruppe warf Erhebungen der untereinander tödlich verfeindeten Hereros und Hottentotten nieder. 1893 kamen die ersten deutschen Siedler, 1908 wurden Diamanten gefunden. 1913 betrug jedoch der Reichszuschuß 38,5 Mio. Mark. 1915 mußte die Schutztruppe vor dem 10fach überlegenen Feind (Engländer, Portugiesen) kapitulieren. 1920 kam Südwestafrika als "Mandatsgebiet" an Südafrika. Ende der 80er Jahre wurde es als Namibia ein eigener Staat. Rund 20 000 Deutsche prägen als Farmer und Städter (besonders in Windhuk) auch in den 90er Jahren das Bild des Landes mit.

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